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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Crossover
  2. 2 Manunta Larson & Tosh: Hörtest & Vergleiche

Heute steht nichtalltäglicher Besuch auf dem Plan: abseits des schnöden Mainstreams, ja, fast schon ein bisserl exzentrisch, mit klaren Werten, unverkennbarem Äußeren und einem bei alledem angenehm sympathischen Tonfall in der kurzweiligen Konversation. Was sich nach ziemlich interessanten Partygästen anhört, lässt nicht minder spannende Testkandidaten erwarten: Jedenfalls freut es mich sehr, dass die beiden italienischen Manunta-Geschwister Larson und Tosh meiner Einladung nach Berlin gefolgt sind, um mir in ihren Rollen als Mono-Endverstärker (5.898/Paar, https://www.audiodomain.de/) und Vorstufe (2.495 Euro) doch hoffentlich ebenso bereichernde wie vergnügliche Stunden im Hörraum zu bescheren.

Stellen wir unsere Gäste zunächst näher vor:

Mono-Endverstärker „Manunta Larson“: Technik & Konzept

Die Monoendstufen Manunta Larson

Die würfelförmigen Manunta Larson verstärken per Class-A- und Single-Ended-Schaltungsdesign

Die Mono-Endstufen Manunta Larson sind ziemlich kompakt gebaute Würfel mit einer Kantenlänge von knapp über 20 Zentimetern. Sie geben sich mit Blick auf ihren Platzbedarf mithin so genügsam, dass ich sie für den Test auf eine einzelne Ebene meines Racks platzieren kann. Umso stärker langen sie am Büffet zu: 164 Watt Ruheleistung führt sich jeder Larson zu, gibt an 8 Ohm aber lediglich bis zu 20 Watt an die Lautsprecherklemmen zurück.

Entsprechend sind die Larson recht heiße Typen, topseitig erreichen ihre Gehäuse im Betrieb sicherlich eine Marke von um 50 Grad. Aber: In Anbetracht dessen, dass wir es mit Single-Ended-Class-A-Verstärkern zu tun haben, fallen die genannten Werte noch vergleichsweise moderat beziehungsweise normal aus. Den heißen Kopf befördert sicherlich der Kniff, die Verstärkerschaltung in eine zwar über die gesamte Gehäusetiefe und -höhe verlaufende, aber lediglich sechs Zentimeter breite Einheit (das schwarze Mittelteil, siehe Fotos) zu verpacken. Der Rest des Gehäuses besteht aus Kühlkörper – insgesamt soll so eine vertikale, kaminartige Wärmeableitung erzielt werden.

Das rückseitige Anschlussfeld des Manunta Larson

Cinch- und XLR-Eingang sowie ein Pärchen etwas mickriger Lautsprecherklemmen, die ihren Zweck erfüllen, dennoch ruhig etwas größer und massiver ausfallen dürften. Die Manunta Larson sind keine vollsymmetrischen Designs, hinter den XLR-Buchsen sitzt ein Lundahl-Übertrager

Sagte ich gerade Single-Ended? Genau: Denn pro Kanal arbeiten vornehmlich sechs Ausgangstransistoren (nein, keine Röhren), die im Gegensatz zu den handelsüblichen Gegentaktschaltungen tatsächlich allesamt beide Halbwellen verstärken. Das vermeidet Crossover-Verzerrungen – und Manunta zufolge etwa auch klanglichen Unbill durch Erholungszeiten bei hohen Strömen oder eine sich mit wechselndem Pegel verändernde Verstärkung.

Vornehmlich sechs Transistoren? Genaugenommen spricht Manunta von einem Quasi-Single-Ended-Design: Zu den sechs erwähnten gesellen sich in der Leistungsstufe des Larson noch sechs weitere Transistoren, die allerdings hauptsächlich den Ruhestrom verantworten und den Ausgangsstrom nur geringfügig beeinflussen.

Die Verstärkerschaltung des Manunta Larson

Niederinduktive MELF-Widerstände im Signalpfad, Wima-Polypropylen-Kondensatoren zur Entkopplung des Single-Ended-Eingangs und ein kompaktes Platinenlayout, das bewusst auf Kabel verzichtet, kennzeichnen das Innenleben des Manunta Larson

Unterm Strich erhalte man so, wie mir Inhaber und Entwickler Marco Manunta erklärt, ein für Single-Ended-Schaltungen typisches Klirrspektrum mit absteigenden Harmonischen hauptsächlich auf der zweiten und dritten Ebene. Als Leistungstransistoren wählte man D44H8 von NXP (ehemals Philips), die Marco Manunta wegen ihrer hohen Bandbreite und Strombelastbarkeit schätzt. Dafür, dass die Manunta Larson mit nur geringer Gegenkopplung arbeiten, ist ihre Ausgangimpedanz vergleichsweise gering, als Dämpfungsfaktor wird jedenfalls ein Wert > 200 an 8 Ohm angegeben, was trotz der nicht gerade ausufernden Ausgangsleistung auf eine kontrollierte Wiedergabe hoffen lässt. Wir werden hören.

Detailaufnahme der Oberseite des Manunta Larson

Die Larson-Quader sehen schlicht, aber ziemlich ansprechend designt aus, lediglich die Oberseite mutet etwas rustikal an, hier hätte man mit Verblendungen an den Übergängen zwischen Verstärkereinheit und Kühlkörpern sowie den äußeren Gehäuserändern oder zumindest einer etwas beflisseneren Entgratung mehr Wertigkeit suggerieren können

Last, but not least muss unbedingt noch ein (vermeintlich) exzentrischer Zug der Manunta Larson aufs Tapet: Sie kommen mit externen Netzteilen. „Na und“, höre ich den einen oder anderen Leser sagen, „sowas machen andere perfektionistisch veranlagte Hersteller wie etwa ASR Audio ja ebenfalls.“ Stimmt, aber Schaltnetzteile stehen bei einem Konzept wie dem Larson doch wohl eher weniger zu erwarten. Da Class-A-Verstärker unabhängig von der Leistung, die die Lautsprecher abrufen, einen konstant hohen Strombedarf einfordern, erachtet Marco Manunta SMPS (Switched-mode Power Supply) als perfekt für diese Verstärkertechnik geeignet. Dass SMPS in der Regel kein niederfrequentes, nur schwer zu beherrschendes Brummen erzeugen, sondern eher ein breitbandiges weißes Rauschen, das mit einem guten linearen Nachregler vergleichsweise gut im Zaum zu halten sei, zähle zu den weiteren Vorteilen.

Der Manunta Larson mit externem Netzteil

Der Manunta Larson mit externem Netzteil

Nun, auf den ersten Blick wird diese italienische Netzteillösung vielen Hörern bestimmt spanisch vorkommen – doch letztlich zählen nur die unvoreingenommenen Höreindrücke; hinterem oder unterm Rack geraten die schnöden Netzteile optisch eh schnell in Vergessenheit. Gleichwohl sei verraten, das Manunta bereits an einer Upgradelösung, sprich an noch höherwertigen Netzteilen für die Larson arbeitet.

Der Vorverstärker „Manunta Tosh“ – Features und Technik

Als Mitglied der „Rockstar“-Serie von Manunta macht auch der Tosh mit 20 x 20 Zentimeter Grundfläche einen schlanken Fuß im Rack. Die geringen Abmaße formen ihn buchstäblich zum Puristen: keine digitalen Schnittstellen, kein Phono, stattdessen drei RCA-Hochpegel-Eingänge sowie je einen RCA– und XLR-Ausgang. Auch zusätzliche XLR-Inputs müssten mit Blick aufs kleine Heck des Tosh eigentlich durch Abwesenheit glänzen. Manunta bedient sich allerdings eines Tricks, den ich so bisher noch nicht sah: Es liegen zwei Adapterkabel bei, die den Tosh um gleich drei separat anwählbare, vollwertige XLR-Inputs erweitern. Am Gerät selbst hat’s dafür zwei DIN-Buchsen-artige Schnittstellen. Sieht komisch aus, hört sich aber nicht so an: Ich hatte den Tosh während des Tests sogar vorwiegend mit Audioquest-Pegasus-XLR-Kabeln an meinen DAC Canever Zero Uno SSD geleint.

Der Vorverstärker Manunta Tosh im Betrieb

Der Vorverstärker Manunta Tosh beansprucht nur etwa 20 x 20 Zentimeter Stellfläche

Dass eine Lösung wie der Manunta Tosh ebenfalls mit einem externen Schaltnetzteil arbeitet, erscheint wenig ungewöhnlich – und bietet Freiheitsgrade für eigene Upgradeexperimente. Interessanter ist da schon die Lautstärkeregelung, die beim Tosh weder ein klassisches Poti noch ein im Vergleich dazu wesentlich hochwertigeres Widerstandsarray mit Relais übernimmt, sondern das nicht minder hochwertige „digitale Poti“ MUSES 72320 – also eine Chiplösung, die für im Grunde keinen Verschleiß und gute Gleichlaufwerte steht. Genau genommen sitzen im Tosh sogar zwei Exemplare, das vollsymmetrische Schaltungsdesign des Pres benötigt natürlich eine Vier-Wege-Lautstärkereglung.

Der gerade mal zwei Zentimeter durchmessende Lautstärkeregler auf der Front des Manunta Tosh ist durch seine Größe kein Ausbund an Griffigkeit. Aber natürlich liegt der Vorstufe auch eine Fernbedienung aus Kunststoff bei. Das Menü lässt sich sowohl mit dem Drehregler als auch mit der beiliegenden Fernbedienung steuern.

Der Manunta Tosh mit XLR-Kabeladapter

Platzmangel macht findig: Der Manunta Tosh mit XLR-Kabeladapter

Im Gegensatz zum erwähnten Widerstandsarray glänzen Klickgeräusche während der Pegelstellung bei einem Chip natürlich durch Abwesenheit. Geräuscharmut ist ein generelles Thema des Tosh: Ein hoher Signal-Rausch-Abstand zählte bei der Entwicklung des Tosh zu den obersten Prioritäten, so Manunta. Zudem trage die geringe Ausgangsimpedanz von unter einem Ohm, also Werten, die dem Widerstand einer kleinen Leistungsstufe entsprechen, dazu bei, dass den Tosh selbst elektrisch schwierige Verstärker oder Aktivboxen und lange Kabelwege vor keine Hürden stellen.

Das sechseinhalb Zentimeter breite OLED-Display des Manunta Tosh ist bis in etwa gut zwei Metern Entfernung gut ablesbar. Im Menü lassen sich Balance, die Lautstärkeschrittgröße, die Displayaktivität (kein Dimmen) oder das Auto-off-Verhalten regeln

Manunta Larson & Tosh: Hörtest & Vergleiche

Die Class-A-Monos Manunta Larson

Klemmen wir zunächst den Manunta Larson zwischen meinen treuen Funk MTX und die Wilson SabrinaX. Dem Tosh fühlen wir anschließend gesondert auf den Zahn.

Beim aktuellen Schietwetter sind die Larson nicht nur wegen meiner doch schon recht gesteigerten Neugierde auf ihre akustische Performance willkommene Gäste, sondern auch aufgrund ihrer behaglichen Wärmeabstrahlung, die ab und an von Kaminatmosphäre versprühendem leichten Gehäuseknacken begleitet wird. Typisch Class-A halt – wenn man sich nicht zu den Besitzern solcher mechanischer Trutzburgen wie dem Audio Analogue ABsolute zählt, der sich laut Kollege Martin Mertens mechanisch stets mucksmäuschenstill verhält.

Italienisches Reinheitsgebot: Mittenwiedergabe & Klangfarben

The Tear Garden To Be an Angel Blind, the Crippled Soul DivideHalbsechs nachmittags, draußen ist’s dunkel und wie seit gefühlt immer nass. Ich versuche mich mit den die letzten Jahre so darbenden Bäumen im zu trockenen Grunewald zu freuen – und schiebe „Ascension Day“ von The Tear Garden (Album: To Be an Angel Blind, the Crippled Soul Divide) ein. Ruhige, schlichte, aber recht gut aufgenommene Musik, die eigentlich beinahe schon als Hintergrund- beziehungsweise Lounge-Musik durchgeht … Und bin plötzlich hin und weg. Womöglich liegt’s ein wenig an meiner Stimmung, dass mich ausgerechnet dieser Track so antriggert, vor allem aber am talentierten Larson. Was gibt es auf dem Track zu hören? Westerngitarre, Edward Ka-Spels unverkennbar texturierte, leicht brüchige und näselnde Stimme sowie eine stoisch die Viertel abklopfende Hi-Hat vor allem. Zudem eine Bratsche, dezent eingebrachte Synthieflächen sowie als schnöde Tieftondeko einen sustainreichen, aber wenig impulsiven Bass.

Der Eingangswahlschalter am Manunta Larson

Der Eingangswahlschalter am Manunta Larson für den Betrieb per XLR- oder Cinch

Beim ersten Hörcheck wenige Stunden zuvor fielen Kollege Ralph Werner bereits die besondere Reinheit des Klangbildes und die gleichsam warmen wie dennoch unverfärbt wirkenden Mitten des Manunta Larson ins Ohr. Recht hat er. Und ich setze noch einen drauf: Denn diese nüchtern konstatierten Klanggegebenheiten führen tatsächlich dazu, dass die gezupften Metallsaiten und Ka-Spels Gesang auf dem rechten Kanal beziehungsweise in der Stereomitte wie zu echtem Leben erwachen, man meint, die Intentionen der Künstler und das physische Miteinander zwischen ihnen und den eigentlich nicht sonderlich virtuos behandelten Instrumenten zu spüren. „Ascension Day“ wirkt dadurch auf mich auf ungewohnte Weise nahbar und unvermittelt. Es saugt einen förmlich ins Geschehen hinein, obwohl ich hier gar nicht von der Räumlichkeit spreche, auf die komme ich später.

Die besondere Akkuratesse (Stichwort: „Reinheit“) der Klangfarben und Kunstfertigkeit, herrlich gehaltvolle Töne (Stichwort: „Wärme“) ohne echte Verfärbung zu suggerieren, führen zu einem sich wunderbar organisch anfühlenden, emotionalen Klangerlebnis, bei dem sich – zumindest für diesen Track gilt dies – jegliche beteiligte Technik wie magisch aufzulösen scheint. Selbst die nur als schüchterne Nebendarstellerin auftretende Bratsche entwickelt eigene Verführungskünste und differenziert sich mühelos vom Rest des Geschehens – und vice versa. Ohne, dass dem Genusshörer hier ostentativ analytische Anklänge in die Suppe spucken würden.

XLR-Schnittstelle am Manunta Larson

Für den Test wurde der Manunta Larson vorwiegend via XLR-Kabel (Audioquest Pegasus) betrieben

Überraschenderweise wirkt bei meinem formidablen und ebenfalls sehr organisch tönenden Endverstärker Norma Audio REVO PA 150 tatsächlich ganz subtil und nur (!) im direkten Vergleich etwas Transistorbeigeschmack durch, ein Hauch mehr Unruhe Körnigkeit und Grauschleier sind im Spiel – meine Lieblingsstereoendstufe zieht quasi auf ihrer eigenen Domäne den Kürzeren. Und meine hyperakkurat verstärkenden Bryston 7B3 halten in Sachen Reinheit aka gefühlter Verzerrungsarmut natürlich locker mit, interpretieren die Instrumente und Stimme gleichwohl ein wenig substanzloser, nüchterner – wohlgemerkt ohne, das man hier objektiv von signifikant neutralerer Tonalität sprechen kann.

Der Manunta Larson funktioniert auch wunderbar mit Tracks wie „Take Aim“ von Kasabian (Album: West Ryder Pauper Lunatic Asylum), obwohl es hier schon etwas wilder zugeht, oder eingängigem Singer-Songwriter à la Laura Veirs (July Flame). Und sogar mit meiner Neuentdeckung in Sachen abstrakter Extremmusik: Die Mathmetaller Frontierer (Oxidized) zählen zu den krachigsten Kapellen, die meine Festplatte aufbietet und bestechen durch ebenso abstrusen wie pickepackevollen Sound.

Der Manunta Larson im Standby

Der Manunta Larson im Standby

Auch aufgrund der hohen Komprimierung – alles ist laut, das ganze Klangbild ein einziges Inferno – kommt es weniger auf Dynamik an, sondern auf den richtigen Durchblick, der es ermöglicht, einzelne Schichten, Effekte (Laser) oder einfallsreiche Wendungen im kompositorischen Plot oder der Taktstruktur des Songs zu erkennen. Dem Manunta Larson kommen hier seine absolut Grisselfreiheit sowie allerbeste Klangfarbenkontrastierung zugute. Ja, über ihn holen mich Frontierer voll ab.

Download IIIBei sauber aufgenommener Elektronik wie Downloads Album III rückt das Thema Dynamik zwar schon mehr ins Zentrum, in erster Linie genieße ich aber zunächst, wie sensibel der Manunta Larson die unzähligen Impulse und blubbernden Sounds definiert und auskleidet. Bei mir kommen tatsächlich spontan Assoziationen von seidenweichem Wasser auf, wie es sanft und doch präzise in dessen angedachte Formen fließt, um diese vollständig auszufüllen. Okay, genug der Poesie, sammeln wir uns: Ganz prosaisch sind den Manunta Larson also eine wunderbar organische und hochreine, sich gleichsam volltönend wie neutral und sehr transparent anfühlende Mittenwiedergabe ohne subtilste Anzeichen von Grissel, Schleier oder sonstigen Artefakten zu attestieren.

Eher elegant als sportiv: Dynamik und Bass

Die Manunta Larson von hinten und seitlich

Schieben wir „Carbon-Based Anatomy“ (gleichnamige EP) von Cynic in die Playlist, das über weite Strecken vom wirbeligen Schlagzeug des leider verstorbenen Sean Reinert geprägt ist. Die Manunta Larson drücken ein derartiges Maß an impulsiver Energie und Attack sauber und konturiert in die Lautsprecher, dass man sich, sofern die Ohren nicht auf bärenstarke Endstufen geeicht sind, dynamisch zumindest erst mal einwandfrei bedient fühlt. In Kombination mit meinen Wilson SabrinaX sind zudem Lautstärkepegel möglich, die man in Mehrfamilienhäusern wohl kaum richtig ausleben kann – die nur 2 x 20 Watt Ausgangsleistung sollten einen nicht täuschen.

Aber klar: Mit meinem Norma Audio REVO PA 150 und erst recht mit den Bryston 7B3, die den Hubraum des Klangbildes hörbar erweitern, wirkt die Bassdrum noch fester, muten Tomwirbel und Snare unmittelbarer und knalliger an. Zudem entwickeln Hi-Hat und Becken mehr Energie, sie tönen einen Tick offener, flirrender, glänzender, was allerdings auch eine Sache der Hochtontonqualität ist, wir kommen noch drauf zurück. Unterm Strich entfaltet „Carbon-Based Anatomy“ über meine Referenz-Endstufen eine etwas andere Wirkung, der Track klingt gewissermaßen sportiver, weniger elegant als übers Larson-Doppel, was etwas besser zu ihm passt.

Details der Vorder- und Rückseite des Manunta Larson

Mit Blick auf den schieren Tiefgang kann ich noch weniger Unterschiede zwischen meiner Norma-Stereoendstufe und den Larson-Monos feststellen als in Sachen Konturiertheit/Definition: Selbst bei Dubstep-Tracks à la Burial oder The Bug lassen einen die Italiener nicht im Stich, sie zeichnen Bassflächen und -Impulse zwar wie beschrieben einen Deut weicher, reisen mit ihren Hörern aber so tief in den Süden, wie man das in dieser Preisklasse erwartet.

Die feinen Dinge

Die Hochtonwiedergabe der Manunta Larson hatten wir ja schon kurz angerissen: Deren besondere Stärke liegt im Grunde darin, sich ohne Auffälligkeiten zu integrieren und ebenso langzeittauglich wie ordnungsgemäß durchhörbar zu klingen. Feindynamisch und auflösungsseitig tönt es weder richtiggehend weich, abgerundet, undifferenziert oder betont schönfärberisch noch ausnehmend flirrend, luftig akzentuiert oder analytisch: Hier erfüllen die Larson-Monos quasi ihre Pflicht, ohne zur Kür anzusetzen, neigen aber ebenso wenig zu unbotmäßigen Schlagseiten. Okay, einen minimalen Hang zu Seidig- und Geschmeidigkeit und tonaler Hochtondezenz darf man schon attestieren. Wobei die erwähnte Reinheit des Klangbilds, ja: der „schwarze Hintergrund“ dann wie en passant dafür sorgen, dass sich feine Details nichtsdestotrotz schön abheben.

Das Auflösungsverhalten der Manunta Larson gestaltet sich hierdurch weniger vordergründig, etwas entgrateter, was das Genießerohr goutieren wird, hingegen Fans prägnanter Analyse und absolut strikt bis in den Superhochton reichender Höhen nicht ausdrücklich genug erscheinen mag.

Der Monoblock Manunta Larson

Greifbare Stereomitte

Nach meinem Empfinden virtualisieren Verstärker mit besonders reinen Klangbildern und Klangfarben meist auch eine gute Räumlichkeit, zahlen doch schwarzer Hintergrund und sauber abgegrenzte, deckkräftige Kontrastierungen von Instrumenten automatisch auch auf ein differenziertes Bühnenbild ein. Und ja, das „Freistellen“ einzelner Musikbestandteile gelingt dem Larson-Doppel noch besser als meinem in dieser Sache ebenfalls stark aufspielenden Norma. Das führt zu einer sehr guten Ortbarkeit und Plastizität. Nicht zuletzt Stimmen fühlen sich bei vielen Tracks so an, als stünden sie noch unmissverständlicher, greifbarer in der Stereomitte, wenn die Larson endverstärken. Die Abgrenzung gegenüber und zwischen begleitenden Instrumenten gelingt natürlich nicht minder hervorragend.

Mit Blick auf die Ablösung des Klangbilds von den Lautsprechern bieten die Larson im Grunde das, was ich von hochwertigen Endstufen erwarte und kenne: Die Bühne öffnet sich schön involvierend nach vorne Richtung Hörplatz, sowohl ihre Ausdehnung als auch die inneren Größenrelationen erscheinen mir mehr oder weniger so, wie von meinen eigenen Amps gewohnt, die bärenstarken Bryston 7B3 muten allerdings noch ausladender an.

Der Manunta Tosh im Soundcheck

Der Drehregler auf der Front des Manunta Tosh

Der Drehregler auf der Front des Manunta Tosh dient der Lautstärkeregelung sowie der Menüsteuerung – beides ist natürlich auch mithilfe der mitgelieferten Fernbedienung möglich

Die Manunta Larson sind natürlich allein vom Konzept her besonders spannende Verstärker – schon aus diesem Grund verdienen sie sich besonders viel Raum im Test. Um den Bericht nicht zu sehr ausufern zu lassen, will ich mich beim Manunta Tosh entsprechend kurz fassen, obwohl der kompakte Vorverstärker eigentlich sogar „solo“ als besprechenswert durchginge. Mit den Larson, aber auch mit meinen Funk MTX teilt er sich eine besondere Stärke: nämlich ein Klangbild, dass sich besonders rein und klar anfühlt.

Der besondere Fingerabdruck des Tosh: Ausgehend vom Bass weist der Frequenzgang in Richtung Hochton gefühlt einen minimalen und linear-gleichmäßigen Pegelanstieg auf – der Tosh klingt dadurch nicht richtig hell und schon gar nicht aggressiv, aber ein Prise präsenter als etwa mein erzneutraler Funk MTX, der dadurch im direkten Vergleich ein etwas sonoreres Klangbild zeitigt.

The Machinations of Dementia Blotted ScienceMit dem Tosh lässt sich dafür beim wirklich virtuosen Prog-Metal-Album The Machinations of Dementia (rein instrumental, Tipp!) von Blotted Science unmittelbarer auf die Finger von Gitarrist Ron Jarzombek blicken. Dessen kunstfertiges Spiel entwickelt einen Tick mehr Prägnanz und Direktheit. Zudem bekommen Hi-Hat und Becken einen Deut mehr Dominanz und Luftigkeit zugesprochen. Der Funk MTX nimmt dafür mit einem etwas vollmundigeren Sound und etwas mehr Bassdruck für sich ein.

Ja, die Tosh-Vorstufe passt im Grunde gut zu den Larson-Monos und sorgt dafür, dass sich das Klangbild etwas aus dem Euphonischen heraus in Richtung Frische und Definition bewegt – insbesondere, wenn die anhängigen Lautsprecher eher (zu) warm und weich abgestimmt sind, ergibt das Sinn. In meiner ausgewogenen Kette gefällt mir der Funk MTX besser, dennoch bin ich durchaus erstaunt, wie ähnlich beide Vorverstärker (Reinheit, Klangfarbendifferenzierung, Räumlichkeit, Dynamik) über weite Strecken spielen.

Die Rückseite des Manunta Tosh mit Schnittstellen

Die Schnittstellen des Manunta Tosh

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Econik-Lautsprecher

Test: Manunta Tosh und Manunta Larson | Vor- und Endverstärker

  1. 1 Crossover
  2. 2 Manunta Larson & Tosh: Hörtest & Vergleiche

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