Demnächst im Test:

Grandinote Domino & Demone Grandinote Domino & Demone Abacus Oscara 212 Abacus Oscara 212 Magnat MA-900 Magnat MA 900 Revel Performa F328Be Revel Performa F328Be
Billboard
AudioQuest

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Generation X
  2. 2 Wilson SabrinaX: Klangtest & Vergleiche

Die vor gut fünf Jahren von uns getesteten Vorgänger der Wilson SabrinaX hatte zwar ein Kollege am Wickel, gleichwohl trafen sie beim Hörcheck derart meinen Hörgeschmack, dass ich immer wieder mal mit dem geldbeutelbeutelnden Gedanken spielte, sie mir als Arbeitslautsprecher anzuschaffen. Zumal auch die Gewichtsklasse passte, als notorisch geräterückender Tester freut man sich ja über jedes Pfund, das durch Abwesenheit glänzt. Die Sabrina der Generation X (24.600 Euro | www.audio-reference.de) hat zwar je Kanal rund acht Kilogramm mehr auf den Rippen, mit der Schwergewichtsklasse aber nach wie vor nichts am Hut – und technisch dennoch ganz ordentlich zugelegt.

Klasse statt Masse – wenn ich Wilson Audio richtig verstehe, sieht man den kleinsten Standlautsprecher des Hauses sowieso nicht als qualitativ heruntergeschraubtes „Einstiegsmodell“ an. Sondern als kompromisslosen Lautsprecher für bestimmte Einsatzzwecke. Die da lauten: kleine bis mittlere Räume oder größere Räume, in denen man aus akustischen oder optischen Gründen keine tönenden Immobilien unterbringen will. Die kürzlich getesteten AudiaZ Cadenza verfolgten übrigens ganz ähnliche Ziele.

Beste Anleihen

Wilson SabrinaX - Dom vom Basstreiber

Kein Rotstift: Der 20-Zentimeter-Basstreiber der Wilson Audio SabrinaX kommt auch in der um 45.000 Euro kostenden Sasha DAW zum Einsatz

Dazu passt, dass der mit Spikes gerade mal 102 Zentimeter hohe Drei-Wege-Lautsprecher neuerdings mit dem gleichen 20-Zentimeter-Basstreiber aufwartet, der in der um 45.000 Euro kostenden Sasha DAW – dort allerdings in doppelter Ausführung – den Tiefton verantwortet. Das mit einer Tuningfrequenz von rund 31 Hertz unterstützende Bassreflexsystem bläst bei der Wilson SabrinaX nun über ein Aluminiumrohr, das so auch in der Yvette (34.000 Euro) zu finden ist, und noch weniger Strömungsgeräusche verursache. Am anderen Ende des Übertragungsbereiches sorgt schließlich jener „Convergent Synergy Tweeter“ – nämlich in Mk-5-Ausführung – für Detailtreue und Luftigkeit, der unter anderem in der WAMM Master Chronosonic (hier sind wir dann auch preislich im Immobiliengeschäft) Dienst schiebt. Dass Wilson sich treiberseitig so treu bleibt und keine zurzeit im Highend-Bereich angesagten Lösungen wie AMTs oder Bändchen einsetzt, finde ich übrigens irgendwie cool.

Wilson Audio arbeitet bereits seit Jahrzehnten mit Scan-Speak zusammen und entwickelt gemeinsam mit den Dänen fast ausschließlich maßgefertigte Lösungen, die dann inhouse zum Teil noch weiter modifiziert werden – so hat etwa der Hochtöner eine rückwärtige Kammer auf den Leib geschneidert bekommen.

Wilson SabrinaX - Hochtöner

Den „Convergent Synergy Tweeter“ in der Mk-5-Version findet sich unter anderem auch in den WAMM Master Chronosonic

Ein bisserl Rustikalität …

Und warum das komische Filz auf der Schallwand und der neckische Stern um den Hochtöner? Neu ist das bei den Sabrina ­– und anderen Modellen des Hauses – nicht, dafür auf jeden Fall rustikal-eigen und offenbar bewährt: Mit „Diffraction Pad“ klänge es einfach besser, sagt Wilson Audio. Der Stern um den Hochtöner soll gegen auf der Schwallwand vagabundierende Schallanteile wirken, nicht zuletzt die Ortungsschärfe profitiere hiervon.

Wilson SabrinaX - Schallwand mit Filz

Die Schallwand der Wilson Audio SabrinaX ist mit Filz verkleidet

Ganzkörper-X

Das X-Material, aus dem das Gehäuse der Wilson Audio SabrinaX besteht, ist ebenfalls nicht neu. Dass sich jetzt das gesamte Gehäuse – und nicht nur Schallwand und Boden wie bei den Vorgängern – aus dem nach Wilson’scher Familienrezeptur mineralienangereicherten Kunstharz rekrutiert, hingegen schon. Weniger Vibrationen, weniger „Kistensound“, mehr echter Sound – so lautet salopp ausgedrückt der Weg, den die Amerikaner mit dem großzügigen Vergießen von Harz vor Ohren haben. Und ich meine tatsächlich, dies hören zu können, wir kommen im Klangteil noch kurz drauf zurück.

Wilson Audio Material X - Messungen mit dem Laser Vibrometer

Messungen mit dem Laser Vibrometer im Mittenbereich beim Vorgängermodell (links) und der aktuellen SabrinaX: Je dunkler/kühler die Farbe, desto weniger Gehäuseschwingungen sind zu verzeichnen (Bild: Wilson Audio)

Nicht ganz so gut geklappt hat bei einem meiner beiden Testmodelle das finale Fräsen des den Filz umfassenden Rahmens der Schallwand. Eine der kleinen, oberen Eckschrägen verläuft jedenfalls nicht unbedingt linealgerade. Nichts, was groß auffällt, aber dennoch eine kleine Verarbeitungsnachlässigkeit am ansonsten edel lackierten, extrem sauber gefertigten (beispielsweise Kantenverläufe) und produktionsseitig bestimmt ziemlich aufwändigen Gehäuse.

Drehen & schrauben

Unterm Strich ist das, was die aktuell 59 Mitarbeiter der in Provo – eine knapp über hunderttausend Einwohner zählende Stadt grob 70 km südlich von Salt Lake City – ansässigen Manufaktur an den Hörer bringen, in Sachen Verarbeitung dann auch feinste Kost. Ich kann mich beispielsweise nicht erinnern, schon mal höherwertige Spikes in den Händen gehalten zu haben. Die als mechanische beziehungsweise akustische „Diode“ gedachte vierteilige Konstruktion ist ebenfalls eine Neuentwicklung (siehe unser Newsartikel zu den Wilson-Spikes). In die SabrinaX sind dafür ½-Zoll-Gewinde eingearbeitet, der neue Standard bei Wilson Audio. Ältere Modelle lassen sich ebenfalls mit der neuen Spikelösung upgraden, separat ist eine ⅜-Zoll-Version erhältlich.

Wilson Diode Spikes

Die neuen Spikes von Wilson Audio heißen „Acoustic Diode“ und sollen auch so arbeiten

Wichtig, da klangrelevant, wie ich feststellte: Die Muttern nach der Montage der Spikes und endgültiger, wackelfreier Positionierung nicht nur mit der Hand festziehen, sondern – dies allerdings mit minimalem Kraftaufwand! – mit dem Maulschlüssel aus der beiliegenden Spike- und Werkzeugkiste. Die unter anderem auch einen Schlüssel samt Bit fürs Nachziehen der Treiber-Schrauben enthält ­– sehr schön. Auch hier gilt: Bitte mit Gefühl und auf keinen Fall knallfest! Für Drehmomentschlüsselbesitzer: Wilson verschraubt die Treiber ab Werk mit 35 in-lbs, was 3,95 Nm entspricht.

Wilson SabrinaX: Spikes

Die Muttern der „Acoustic Diode“-Spikes sollten nach endgültiger Positionierung der Lautsprecher im Hörraum mit dem mitgelieferten Maulschlüssel sanft festgezogen werden

Der Signalpfad

Ein selbstentwickeltes Lautsprecherterminal auf einer massiven Metallplatte sieht man an Lautsprecherhecks auch nicht alle Tage. Es soll mit auf die Optimierung des noch kürzer geratenen Signalpfads der Wilson SabrinaX einzahlen. Die Frequenzweiche befindet sich unten im Lautsprecher dann auch gleich hinter dem Terminal. Diese ist nicht per Leiterlatte realisiert, sondern frei Punkt-zu-Punkt-verlötet – für diese Preisklasse ist das allerdings selbstverständlich. Persönlich finde ich gut, dass die übrigen Kontakte des Signalpfads ebenfalls verlötet sind, und nicht etwa schnöde Kabelschuhe auf die Kontaktfahnen der Treiber gesteckt werden. Selbst in hohen Preisklassen ist das wiederum leider kein Standard. Steckkontakte finden sich in der SabrinaX lediglich unmittelbar hinterm Terminal und bei einigen Widerständen.

Wilson SabrinaX - Anschluss-Terminal

Das Lautsprecherterminal der SabrinaX ist eine Eigenentwicklung von Wilson Audio

Ausgerechnet bei Widerständen? Ja, hinter der demontierbaren Bodenplatte der Wilson Audio SabrinaX verbergen sich austauschbare Widerstände, denen zweierlei Funktion zukommt: Zum einen lässt sich mit verschiedenen Widerstandswerten in gewissem Rahmen Soundtuning betreiben, etwa bei problematischen raumakustischen Verhältnissen. Eine praktische Lösung, die ich von Sehring-Lautsprechern her kenne. Zum anderen fungieren diese Widerstände als eine Art Sicherung, um die teuren Treiber zu schützen: Auf Spannungsspitzen oder längerfristige Überlastung/Erwärmung reagieren die Widerstände empfindlicher als die Treiber und unterbrechen den Stromkreis frühzeitig.

Bei alledem seien diese Widerstände zudem „the best sounding resistors we’ve listened to, and we’ve listened to a lot of resistors”, wie mir Daryl Wilson schreibt. Bei den Kondensatoren geht die Liebe dann noch weiter. So weit, dass Wilson letztes Jahr einen Kondensatorhersteller übernahm, die Fertigung nach Provo verlegte und fortan auf eigenen Maschinen maßgeschneiderte Kondensatoren („AudioCapX“) fertigt, die auch in den SabrinaX für wenig Toleranz in Sachen Kapazitäten sorgen sollen.

Wilson SabrinaX: Klangtest & Vergleiche

Wilson SabrinaX Lautsprecher: Klangtest

Über das für einen High-End-Standlautsprecher vergleichsweise gut händelbare Gewicht der Wilson Audio SabrinaX hatte ich mich ja bereits eingangs positiv geäußert. Um dann im Hörraum festzustellen, dass die SabrinaX eh kein großes Geschiebe und Gerücke vom Zaun brechen lassen: Die beiden Gäste fühlten sich auf den markierten Standardpositionen und annähernd auf „Achse“ ausgerichtet (mit auf die Ohren zielenden Hochtönern) genauso wohl, wie ich das von den allermeisten anderen Lautsprechern ebenfalls kenne. Dass der Sound der Wilson-Lautsprecher selbst auf kleinste Positionsveränderungen reagiert, wie ich das hier und dort mal in englischsprachigen Artikeln im Netz las, kann ich – zumindest auf meinen Hörraum bezogen – nicht bestätigen.

Klare Ansage

Black Sun Kode9 the SpaceapeVersuchen wir die Wilsons zunächst am unteren Ende zu packen – im Bassbereich. Denn hier gibt es klare Ansagen zu machen. Die erste: Mit Spikes gerade mal einen Meter hoch und mit einem einzelnen 20-Zentimeter-Woofer bewaffnet, vermögen auch Lautsprecher vom Schlage der SabrinaX keine Wunder in Sachen Tiefbassdruck zu vollbringen. So werden die tiefschwarzen, alle zwei Takte für kurze Zeit auf dem ersten Schlag stehenden elektronischen Impulse auf „Am I“ von Kode9 & The Spaceape (Album: Black Sun, auf Amazon anhören) weniger druckvoll gereicht, als ich das etwa von meinen Sehring 903 kenne. Ja, selbst in der Unter-10-Kiloeuro-Klasse werden Sie viele Standlautsprecher finden, die ganz, ganz unten mehr Inferno machen: Ich glaube, meine Hörraumwände schwingen nach dem Besuch der Nubert nuVero 170 immer noch nach … Aber das will oder kann auch nicht jeder. Ähnlich wie bei den Audiaz Cadenza halte ich daher die Bassabstimmung der Wilson SabrinaX eher für Konzept als Unzulänglichkeit: tauglich auch für kleine und mittlere Räume.

Wilson SabrinaX - Basstreiber

Die zweite Ansage: Die Qualität dessen, was die Wilson SabrinaX untenrum zum Besten gibt, ist der Burner. Absolut antrittsschnell, extrem sauber im Ausschwingverhalten und tonal (auch in sich) extrem ausgewogen. So nimmt es kaum Wunder, dass mir beim Track „Our happiest Days slowly began to turn into Dust“ zuallererst der leichtfüßig über verschiedene Lagen vagabundierende E-Bass ins Ohr fällt, obwohl der eigentliche Hingucker bei den Postrockern Red Sparowes doch die omnipräsente Pedal Steel Guitar ist. Diese Reinheit des Tons, das mühelos-unverzögerte Nachspüren von Abstufungen, ja: die Transparenz des Bassbereiches machen die Wilson an dieser Stelle zu meiner persönlichen Passivboxen-Referenz. Zumal ­– und das ist vielleicht das Beste daran – nichts aufgesetzt wirkt. „Staubtrocken-präzise“ trifft es nach meinem Empfinden beispielsweise gar nicht mal so richtig, denn auch das wäre ja schon wieder ein bestimmtes „Geschmäckle“. Die Wilson Audio SabrinaX stellen sich bassseitig vielmehr mit Haut und Haar in den Dienst der Musik, ohne sich auch nur die Spur extravagant zu geben.

Sehr sympathisch. Aber nicht bedingungslos: Die SabrinaX skalieren stärker mit den sie befeuernden Amps, als ich das sonst so im Ohr habe: Die obige Hörbeschreibung gilt im Grunde zwar auch im Zusammenspiel mit meinem Norma Revo PA 150, noch mehr aber mit meinen Bryston 7B³. Die Wilson zeigen mir die Unterschiede zwischen den Verstärkern, gerade die stärkere Kontrolliertheit, die energiegeladenere Stabilität der zweimal 600 Watt leistenden Bryston-Blöcke recht deutlich auf. Was zum einen für das klangliche Niveau der Lautsprecher spricht, zum anderen sicherlich auch daran liegt, dass schon deren Vorgänger elektrisch anspruchsvoll waren, gerade im Bass. Leistung und Laststabilität heißen hier Sabrinas Lieblinge, ob mit oder ohne X.

In der Zwischenetage

Wilson SabrinaX - Sicke

Auf ins nächste Stockwerk. Über ein perfekt gestaltetes Treppenhaus: Denn die Anbindung zwischen der tiefen und mittleren Frequenzetage gelingt superb homogen, ohne dass auch nur eine einzelne, kleine Treppenstufe zum Stolpern provozierte. Ich glaube, ich schreibe über diesen Aspekt sonst eher selten. Oder zumindest nur dann, wenn’s beim Übergang etwas zu bekritteln gibt. Bei den Wilson SabrinaX aber wirken Bass, Grundton und untere Mitten so schlüssig, so konsistent, dass mir das über die Wochen immer wieder positiv auffällt. Diesen unterschwelligen Zug mit einem „hart“ fassbaren Musikbeispiel zu beschreiben, fällt mir zugebenermaßen eher schwer. Er fühlt sich beim Hören – etwa wenn Gitarre und Bass tonal auf Tuchfühlung gehen oder Toms und Bassdrum wild um Aufmerksamkeit buhlen – gleichwohl auffallend „richtig“ an.

Achterbahnfahrt ins Glück

Hell, glasig, dünn. Aber auch weich, zurückgenommen, gemütlich. Alles das trifft auf den Mitten-Hochton-Bereich zu. Wie bitte? Ja, richtig gelesen, aber zum Glück gilt das nur wechselhaft phasenweise und ausschließlich über bummelig die ersten 500 Betriebsstunden, die SabrinaX trafen nagelneu bei mir ein. Ähnliche starke Ausschläge hatten übrigens meine Spendor D9, wenngleich „nur“ die ungefähr ersten 250 Stunden. Meine Sehring 903 brauchten hingegen bestimmt ebenso lang wie die Wilson SabrinaX, allerdings geriet die Achterbahnfahrt weniger kurvig.

Wilson SabrinaX - MItteltöner

Der 14-cm-Mitteltöner der Wilson SabrinaX

Vielleicht erklärt sich dadurch die eine oder andere Klangbeschreibung von englischsprachigen Medien, die sich mit meinen Eindrücken über die Wilson SabrinaX nicht so richtig decken: Denn am Ende der Achterbahntour erwartet den glücklichen Hörer ein im besten Sinne „ehrlicher“, sich als extrem bruchlos-kohärente Einheit darstellender Mitten-Hochton-Bereich, der selbst bei schwierigen Aufnahmen mit einer Kompetenz glänzt, die ich persönlich extrem wertschätze: Nämlich gleichzeitig kompromisslos präzise und kompromisslos stressfrei zu klingen.

Nicht lauschig, aber virtuos

So ist etwa der Opener „Obeliskmonolith“ (Album: Horizons / Rapture), der irgendwo zwischen Mathrock, Jazz und Postrock einzuordnenden englischen Combo The Physics House Band zugebenermaßen keine typisch-audiophile Perle, dennoch aufnahmetechnisch besser gelungen, als man das über viele High-End-Ketten zu hören meint. Das virtuose Gewimmel von sich übers gesamte Stereopanorama breit machenden Snare- und Tomwirbeln, zischeligen Hi-Hats und Becken ist per se kein sonderlich lauschiger Empfang, der zudem noch von ungemütlichen Orgelklängen flankiert wird.

Wilson SabrinaX - Filz-Stern um Hochtöner

Trotzdem ist man als Hörer unmittelbar fasziniert, neugierig und sofort mittendrin. Jedenfalls dann, wenn a) Differenzierungsvermögen/Transparenz auf höchstem Niveau sind. Über eine schönfärberische, weichzeichnende Anlage kommt das Intro dieses Songs eher so unterhaltsam wie der Blick in ein Kaleidoskop mit Linsentrübung. Und b) auf keinen Fall eine auch nur angehaucht „analytisch-angespitzte“ Kette am Start ist, die bei diesem Titel das Trommelfell unweigerlich einer Schleifpapierbehandlung unterzöge.

Nicht der kleinste Schleier auf der Linse, nirgendwo auch nur ein Fitzelchen Schleifpapier: Die Wilson Audio SabrinaX saugen einen von Anbeginn wie selbstverständlich ins Geschehen, es tönt anmachend, komplex und eingängig gleichzeitig. Der seidig-feinzerstäubte, tonal im Zweifelsfall sogar eher minimal zurückhaltend als vorwitzig abgestimmte Hochton der Wilson ist einen Extraapplaus wert. Nicht zuletzt, wenn ich Ralph Werners Bericht aus 2016 lese, sollte unsere aktuelle SabrinaX obenrum tatsächlich ein noch höheres Qualitätsniveau erreichen als ihre Vorgängerin.

Warum eigentlich Sabrina – und nicht Reiner?

Aber wie dem auch sei, der Reinheitsgrad nicht nur der Höhen, sondern genauso der Mitten ist so oder so enorm.

Wilson SabrinaX - Dom vom Mitteltöner

Wilson’sches Reinheitsgebot: Der Mitteltöner der SabrinaX ist ein Musterbeispiel für Verzerrungsfreiheit und Klangfarbentreue

In Sachen Verzerrungsfreiheit und Klangfarbentreue sind meine extrem „grisselfrei“ tönenden Sehring 903 preisklassenübergreifend eine Benchmark ­– die Wilson SabrinaX gehen hier voll mit und setzen in Sachen Auflösung und Feindynamik merklich einen drauf. Überhaupt habe ich bisher kaum einen Lautsprecher (die AudioSolutions Virtuoso M fallen mir ein) gehört, der selbst feinsten Tönen derart – sorry fürs überstrapazierte Wort, das hier aber wie die Faust aufs Auge passt – ganzheitlich akkurat nachfühlt: Die Wilson glänzen sowohl mit zackiger Attack als auch mit sauberem, sensiblen Sustain. Eine Überbetonung der Attack ist übrigens nicht selten ursächlich für den berühmt berüchtigten „(über)analytischen“ Klang.

Recoil LiquidKlar, dass das Ganze auch Stimmen gut tut: Recoils „Want“ (Album: Liquid) hat zwar „nur“ Sprechgesang, aber einen tollen Groove zu bieten – und vor allen Dingen Nicole Blackmans Stimme: leise lasziv, bedrohlich flüsternd, nüchtern kühl, energisch, effektuntermalt oder clean, nah am Mikrofon und wieder weiter weg: Mit diesen Wechselspielen und Nuancierungen eine Spannung, mithin Distanz und Intimität gleichzeitig zu erzeugen, gelingt den Wilson SabrinaX überragend.

Ähnlich wie bei den kürzlich getesteten Audiaz Cadenza ist der Ass im Ärmel bei Gesang aber nicht eine besonders volltönende, romantische oder geschmeidige Stimmenwiedergabe, wie sie mitunter Liebhaber von klassischen britischen Monitoren schätzen. Sondern die Unverstelltheit, die ungeschminkte Vermittlung des echten Stoffes in seiner Komplexität und seinem Facettenreichtum – freilich bar jeder künstlicher Schärfen oder Härten. Extrem cool kommt beispielsweise auch Coils (Zufall, hat mit Recoil nichts zu tun) „Where are you“ (Album: Musick to Play in the Dark Vol. 2), bei dem die gesampelten Knackser aufplatzender Luftpolsterfolie horizontal ­– bis außerhalb der eigentlichen Lautsprecherebene – um die Stimme kreisen: Die unterschiedlich lauten Plops der Folie hören sich so absurd realistisch an, dass man fast lachen muss. Die begleitenden perkussiven „Schabegräusche“ entpuppen sich mühelos als gesampelte, verfremdete Nasenschnäuzer. Und die nah abmikrofonierte Stimme von John Balance wird in ihrer Rauheit so komplex-eindringlich dargestellt, dass man trotz des ganzen Drumherums unabgelenkt an seinen Lippen klebt. Wer auf solchen Realismus ohne jegliche unangenehme Härte, aber auch ohne jeden verzierenden Schnörkel steht, wird die Wilson SabrinaX lieben.

Wilson SabrinaX im Hörraum

Apropos Mitten-Hochton und Audiaz Cadenza: Deren Keramiktreiber sind in Sachen Unverstelltheit, Reinheit und Unmittelbarkeit – bei hoher Musikalität/Langzeittauglichkeit – ganz ähnlich unterwegs wie die Wilson SabrinaX: Beiden Wandlern ist zudem gemein, dass sie Stimmen ganz wunderbar herausarbeiten und auf faszinierende Weise „freistellen“ können. Die Oberbayern habe ich noch einen Tick luftiger und flirrender in Erinnerung, dafür geraten ihnen die Mitten tonal etwas leichter, weniger unterfüttert als den von Kopf bis Fuß vorbildlich neutralen und damit (vergleichsweise) sonoreren SabrinaX.

Feinste Bühnenkunst

Auch räumlich unterscheiden sich beide Lautsprecherkonzepte. Die Räumlichkeit der Audiaz Cadenza funktioniert auch außerhalb eines eng begrenzten Sweetspots und besitzt einen offenen, weitläufigen Charme, dem man sich schwer entziehen kann. Die Wilson Audio SabrinaX lässt es klassischer angehen und wird Fans von Koaxsystemen, Breitbändern, kohärenten Zweiwegesystemen und hochwertigen Studiomonitoren begeistern: In Sachen Ortungsschärfe, Tiefenstaffelung (die mir in meinem Hörraum sonst weniger ins Ohr fällt) und Plastizität sind die SabrinaX wie schon ihre Vorgänger wahre Meister. Mit einer vorbildlichen Schwärze hinter und zwischen den Instrumenten und Stimmen. Lobenswert ist nicht zuletzt, wie schön vereinnahmend sich die Abbildung Richtung Hörer löst. Und wie stabil und schlüssig sich Transienten – etwa peitschende Snares – oder Stimmen exakt in der Stereomitte formen. Die Wilson liefern in Sachen Bühne eine Performance, die in dieser Qualität in meinem Hörraum bisher noch von keinem Lautsprecher erreicht wurde, an den ich mich entsinnen würde. Auch meine verflossenen Thiel CS 3.7 mit ihren Koax-Treibern konnten hier mit Abstand nicht mithalten. Die ganz frisch überarbeite, große Sehring-Linie könnte das Zeug dazu haben, hier ähnliches zu leisten wie die SabrinaX – ich habe diese allerdings bisher nur beim Hersteller gehört.

Wilson SabrinaX - Gehäusedetail

Eherne Dynamik

Eigentlich sollte es in den obigen Absätzen schon hinreichend durchschimmern, dass in Sachen Dynamik Bestwerte erreicht werden: Mit meiner Kombi aus Funk MTX und den bärenstarken Bryston 7B³ vornedran erinnert mich das Gebotene grobdynamisch beinahe an das, was sonst beste Aktivlautsprecher zu leisten imstande sind. Wenn man davon absieht, dass die SabrinaX wie gesagt nicht gerade supertief schaufelt, mehr „Bassmasse“ auf der Schippe ist schon möglich. Und feindynamisch an highendige Bändchen oder AMTs – garniert mit einer angenehm seidigen Note.

Russian Circles - StationEine Besonderheit noch zum Schluss: Die Wilson Audio SabrinaX vermittelt einem auch bei hohen Lautstärken und massiven Impulsen – wie etwa den Toms, der Bassdrum und dem E-Bass in „Harper Lewis“ von Russian Circles (Album: Station, auf Amazon anhören) – das Gefühl keinerlei Energie liegen zu lassen, sondern diese unerschütterlich, fokussiert-druckvoll in Richtung Hörer abzufeuern. Was beim lauten Hören ein schwer zu beschreibendes, aber irgendwie cooles Gefühl von „eherner Souveränität“ aufkommen lässt. Ein Gefühl, das bestimmt nicht zuletzt der Mechanik und mithin dem gegenüber den Vorgängern weiter verbesserten Gehäuse zu verdanken ist. Ja, im Bass sowie insgesamt in Sachen Musikalität hat sich die SabrinaX gegenüber der etwas „strengeren“, „asketischeren“ Sabrina nach meinem Empfinden weiterentwickelt.

Billboard
Blumenhofer Acoustics

Test: Wilson Audio SabrinaX | Standlautsprecher

  1. 1 Generation X
  2. 2 Wilson SabrinaX: Klangtest & Vergleiche

Das könnte Sie interessieren: