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Scowl – Psychic Dance Routine

Mit Scowls letzter EP Psychic Dance Routine gehen wir zwar zurück ins Jahr 2023, doch die fünf neuesten Songs der Hardcore-Grunger aus Kalifornien haben es so in sich, dass sie auch in diesem Jahr nicht unerwähnt bleiben sollen. Die Rocker um Frontfrau Kat Moss, die schon mit Bands wie System of a Down oder den Deftones die Bühne teilten, sind permanent am Touren und waren kürzlich für zwei Konzerte in Deutschland. Anlass genug, noch einmal die neue Platte zu hören.

Scowl - Psychic Dance Routine

Diese beginnt mit dem Song „Shot Down“ gleich turbulent. Kat Moss screamt in die wirbelnden Gitarrenriffs hinein und die Snare prescht punkig auf jede Off-Zählzeit. Mit einem drastischen Tempowechsel ändert sich nach der ersten Strophe die Stimmung. Kat Moss singt plötzlich melodisch und die Gitarren brettern gefälliger, bevor sie sich dann wieder zur Hardcore-Strophe aufbauen. Das Hin und Her zwischen den Teilen macht den Song explosiv und energiegeladen. Mit einem langen Instrumental-Part wird dann noch einmal gerockt, und das eher simple Gitarrensolo kurbelt die Stimmung am Ende ordentlich an.

Der Titelsong der EP, „Psychic Dance Routine“, überzeugt wiederum mit Grunge-Sounds und einer ohrwurmartigen Gesangsmelodie. Eine Gitarre kündigt diese Melodie solo an, bevor alle Instrumente einsetzen und das Stück so richtig losgeht. Hier ist Kopfnicken angesagt, denn die Powerchords werden durchgeschrammelt und laden zum gleichmäßigen Bewegen ein. Auch hier überzeugt die Band auf ganzer Länge und zeigt, dass sie sich nicht so leicht in eine einzige Rock-Schublade stecken lässt.

Mit ihrem Hit „Opening Night“, der ebenfalls Teil der EP ist, kombinieren Scowl großartige Riffs, eingängige Gesangsmelodien und einen wirbelnden Screamo-Part im Finale, der beweist, warum sie zu derzeit zu den großen Rockern aus den USA gehören. Unbedingt reinhören und in Erwägung ziehen, diese Energie auch mal live zu sehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt!

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Infinity Song – Metamorphosis

Unter den Familienbands der Welt gibt es eine aus New York, die heraussticht. Ursprünglich aus Detroit, sangen die fünf Geschwister der Familie Boyd von Inifinity Song schon als Kinder in Chören und standen früh auf der Bühne. Heute machen sie als Erwachsene eine angenehme Mischung aus Soft-Rock und Black Folk Music, die aufgrund der säuselnden Mehrstimmigkeit und der Anlehnung an Gospel ihre Nische gefunden hat. Die EP Metamorphosis zeigt, dass die Gruppe neben eher standardisierten Feel-Good-Songs auch Nummern schreibt, die wirklich unter die Haut gehen können.

Infinity Song - Metamorphosis

Los geht es mit dem Titelsong „Metamorphosis“, der mit einem ruhigen Gitarren-Arpeggio startet und bald von dem Unisono-Gesang der Frauen der Band eingeleitet wird. Hier schlängelt sich der Gesang sanft bis zum poppigen Chorus vor. In der zweiten Strophe kommt der mehrstimmige Gesang stärker durch, wobei die Frontstimme nun oktaviert erklingt. Zum letzten Drittel des Stücks ändert sich die Stimmung: Die Akustikgitarre schlägt Akkorde an und zuletzt folgt noch ein Gitarrensolo, das etwas schmalzig daherkommt. Man merkt, dass der Soft-Rock-Aspekt ernst genommen wird. Selbst wenn das Schlagzeug rockig anmutet und Half-Time mit vielen Becken spielt, lässt die Produktion die Drums im Hintergrund agieren, sodass die Stimmung nur grazil gehoben wird.

Einen Hit hatte die Band mit „Hater’s Anthem“, einer luftig-leichten Nummer, die es auch hierzulande schnell in die Radio-Rotation schaffen würde. Die textliche Auseinandersetzung mit „Hatern“ ist auf jeden Fall unterhaltsam und das Lied fließt mit dem schönen Gesangsharmonien so dahin. Das gesangliche Talent der Gruppe hört man  aber besonders beim nächsten Song, dem Fleetwood Mac Hit „Dreams“, den sie sich angeeignet haben. Hier kommen Infinity Songs Stimmen voll zur Geltung, weil sie nach den Solo-Passagen in der Strophe im Chorus alle zusammen singen und der Bariton der Brüder schön durchkommt.

Der stärkste Song der Platte ist aber „Slow Burn“, der einen Gänsehaut-Moment hat. Nach einer ersten Strophe, die textlich stark an Alanis Morissettes „Ironic“ erinnert und von einer Akustik-Gitarre und Klavierakkorden begleitet wird, erklingt der Chorus. Der hat seine ganz eigene Dynamik und bleibt im Ohr. Doch erst der Einsatz von Momo Boyds rauchiger Stimme macht das Lied magisch. Hier kommt alles zusammen – das richtige Timing, ein perfekter Gesangs-Take und eine Instrumentierung, die dazu passt!

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Spllit – Infinite Hatch

Spllit aus Baton Rouge haben sich mit ihrer andersartigen Musik einen Namen gemacht. Das exzentrische Duo aus Urq und Marance hat mit seinem Art-Punk und seinen collagenartigen Kompositionen eine Fanbase aufgebaut – und überzeugt damit auch auf dem neuen Album Infinite Hatch.

Spllit - Infinite Hatch

Schon beim ersten Song „Canned Air“ quietscht und klappert es, ein Bass schlängelt sich über den Beat und eine monotone Stimme singt über die Strophe, die neben all den schrägen Elemente auch angenehme Indie- und Kraut-Einflüsse aufweist. Bei all den dissonanten Einwürfen, dem verspielten Herangehen an ihre Instrumentierung und dem experimentellen Songwriting überrascht es nicht, dass Spllit unter anderem Captain Beefheart oder Deerhoof als Inspirationen nennen.

Die Songs gehen auf dem Album ineinander über und nach nur anderthalb Minuten beginnt der nächste Track, „Growth Hacking“, der im Vergleich zu seinem Vorgänger einen Gang runterschaltet. Hier steht ein Gitarren-Motiv aus Akkorden im Vordergrund, das lässig angeschlagen wird. Doch die Lässigkeit wird auch hier mit einem punkigen Einschub durchbrochen.

Insgesamt klingen Spllits kurze Songs wie ein Konglomerat flüchtiger Ideen, das unterhaltsam und trotz des ganzen Chaos schlüssig scheint. Denn so schnell sich die Motive und Stücke ändern – die Kompositionen sind durchdacht und ausgearbeitet. Bei „Bevy Slew“ vergisst man zum Beispiel das gezupfte E-Gitarrenmotiv vom Anfang fast, weil der musikalische Fluss in der Mitte des Songs einfach in eine andere Richtung läuft. Doch wenn das Motiv dann wider Erwarten zurückkommt, ist es genauso überraschend wie wohltuend. Wer das organisierte Chaos zu schätzen weiß, wird sich hier garantiert zu Hause fühlen!

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