HiFi-Lexikon: Single-Ended-Verstärker

Vielen erscheint der im Zusammenhang mit Verstärkern häufig gepriesene Begriff „Single Ended“ lediglich als ein weiterer neumodischer Fachbegriff.

Allerdings ist dieses Schaltungsdesign vielmehr als ein richtiger Klassiker zu bezeichnen – bereits 1912 patentierte Lee De Forest seinen ersten Single-Ended-Trioden-Verstärker.

In den 70ern wurde diese alte Technologie zuerst in Japan wiederentdeckt, um in der Folge dann ebenso in Amerika und Europa populär zu werden – und bis heute auch zu bleiben.

Ein Single-Ended-Schaltungsdesign ist aber nicht nur für Triodenverstärker anwendbar. Denn nicht nur Röhren, sondern auch Transistoren können so geschaltet werden – was die Leistungsfähigkeit eines Single-Ended-Verstärkers deutlich erhöhen kann.

Im Folgenden werden daher Transistoren und Röhren unter dem Begriff aktive Bauelemente
aB ) zusammengefasst.

Was meint Single-Ended eigentlich genau?

Im Single-Ended-Design wird das durch Wechselspannung beschriebene, komplette Musiksignal (also die ganze Welle) von ein und demselben aB verstärkt. Dies muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass ausgangseitig tatsächlich nur ein einzelnes aB arbeitet – auch wenn dies häufig so beschrieben wird. Maßgeblich ist vielmehr, dass das Musiksignal nicht in seine beiden Halbwellen aufgespaltet wird, wie das bei Class-B betriebenen Push-Pull-Verstärkern (auch Gegentakt-Verstärker genannt; siehe zur Erklärung: Verstärker-Klassifizierungen ) der Fall ist. Bei Letzteren werden nämlich – und dass ist der entscheidende Unterschied zum Single-Ended – die negative und positive Halbwelle von jeweils anderen aB verstärkt.

Voraussetzung für ein Single-Ended-Design ist daher die Verlagerung des Arbeitspunktes in die Mitte der Kennlinie des aB – mithin also der Class-A-Betrieb (umgekehrt gilt das nicht zwangsläufig; zur Erklärung von Class-A: Verstärker-Klassifizierungen ).

Single-Ended kommt für viele Entwickler und Hörer dem theoretischen Ideal am nächsten, nach dem der beste Verstärker lediglich einen möglichst „kurzen Draht“ darstellen sollte: Das Musiksignal wird bei Single-Ended nicht unnötig gesplittet und auf (in der Praxis niemals absolut paargleiche) aB aufgteilt. Auch Übernahmeverzerrungen (siehe Verstärker-Klassifizierungen) beim Übergang der Halbwellen des Musiksignals werden so vermieden.


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