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Audioplan
Demnächst im Test:

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Stoff geben
  2. 2 Klangeindruck und -vergleiche

Mein erstes Gefühl, als ich die beiden Saxx Clubsound CLX 4 (Web: https://saxx-audio.de/; Preis des Testgerätes: 1.598 Euro) aus den Kartons schälte, war ein lupenreines Déjà-vu: Hatte ich nicht erst wenige Wochen zuvor einen Lautsprecher testen dürfen, der rein optisch doch ziemlich stark an den neuen Probanden erinnert? Jawohl, nämlich den XTZ Divine Delta. Auch dieser ist ein Kompaktlautsprecher (wenn auch ein sehr großer), der wie ein um 90 Grad gedrehter Centerlautsprecher aussieht – mit geschwungenen Gehäuselinien und drei Treibern, von denen der Hochtöner mittig und die Tiefmitteltöner einer D’Appolito-Anordnung ähnlich oberhalb und unterhalb davon platziert sind. Auch haben beide Lautsprecher einen rückseitigen Knebelschalter zur Hochtonanpassung. Hat da einer vom anderen abgekupfert?

saxx-clubsound-clx-4

Keine Sorge, das ist mitnichten der Fall, denn wie so oft steckt der Teufel im Detail: Bei näherer Betrachtung sind XTZ Divine Delta und Saxx Clubsound CLX 4 technisch dann doch reichlich unterschiedlich. Handelt es sich bei Ersterem um ein Zweiwege-Bassreflexmodell mit klassischen Konus-/Kalottenlautsprechern, so ist der Clubsound CLX 4 ein geschlossenes Dreiwegesystem. Als ein solches bezeichnet Saxx Audio den Lautsprecher jedenfalls auf seiner Website, streng genommen müsste man aber von einem Zweieinhalbwege-System sprechen: Für den Tiefton- und den Mitteltonbereich gibt es nämlich zwei Sechseinhalbzöller mit Fiberglasmembran und Alu-Druckgusskorb, von denen der untere bei 300 Hertz ausgekoppelt wird, während der obere bis 300 Hertz parallel läuft und darüber hinaus bis 2.700 Hertz „solo“ spielt.

Der AMT-Hochtöner der Saxx CLX 4

Der AMT-Hochtöner der Saxx Clubsound CLX 4

Danach wird’s richtig schick, denn für den Hochtonbereich spendierte Saxx Audio dem Clubsound CLX 4 einen echten AMT-Hochtöner. Nicht nur dem CLX 4 übrigens – der nächstkleinere CLX 3 und das Standmodell CLX 9 profitieren ebenfalls von diesem Treiberkonzept, dem man gutes Impulsverhalten und hohes Auflösungsvermögen nachsagt; Disziplinen, die gerade im Hochtonbereich sehr auf den Gesamteindruck eines Lautsprechers einzahlen. Böse Zungen wiederum sagen AMT-Hochtönern auch potenzielle Nachteile nach, zum Beispiel ein höheres Klirrrisiko bei zu niedriger Ankopplung oder auch ein leicht klinisches, überanalytisches Klangbild. Bei Saxx Audio überlässt man diesbezüglich nichts dem Zufall, per rückseitigem Knebelschalter – der übrigens einen sehr soliden, „teuren“ Eindruck macht – kann der Hochtonbereich um 2 dB abgesenkt, aber auch um 3 dB verstärkt werden. Letzteres erscheint mir allerdings nur dann sinnvoll, wenn sich zufällig zwölf mit Wolldecken umwickelte Nilpferde im Hörraum einfinden sollten und Sie beabsichtigen, ausschließlich Schlagzeugsoli zu hören.

Über den Knebelschalter auf der Rückseite kann der Hochtonpegel justiert werden

Über den Knebelschalter auf der Rückseite kann der Hochtonpegel justiert werden

Zwei weitere Eigenschaften verdienen eine ausdrückliche Erwähnung: Zum einen ist die Verarbeitungsqualität exquisit. Sorgfältig gefertigtes Gehäuse mit makellosem Hochglanzfinish in Schwarz oder Weiß, akkurat in die Schallwand eingelassene Chassis mit unsichtbaren Verschraubungen, magnetisch haftende Frontbespannung – das alles würde auch eine Preisklasse höher noch einen guten Eindruck machen. Das Gehäuse aus massivem MDF – die Lautsprecher wiegen pro Stück knapp 15 Kilo – wirkt stabil und zeigt sich formschön. Zum anderen liefert Saxx Audio für die Bi-Wiring-Terminals hochwertig anmutende Kurzstrippen anstelle billiger Blechbrücken mit. Sehr anständig und leider immer noch nicht Standard. Und nun: angeleint und reingehört!

Die Saxx Clubsound CLX 4 bietet ein sehr solides Bi-Wiring-Terminal

Die Saxx Clubsound CLX 4 bietet ein sehr solides Bi-Wiring-Terminal

Klangeindruck und -vergleiche

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich finde, der Saxx Clubsound CLX 4 ist bezüglich dessen, was er abliefert, ein echtes Schnäppchen: In einer Disziplin entspricht das Gebotene der Preisklasse, in einer weiteren spielt er eine Klasse höher – und in einer dritten ist das Gebotene schlicht und einfach fantastisch und muss sich nicht hinter dem verstecken, was doppelt oder dreifach so teure Lautsprecher leisten. Doch der Reihe nach.

Tonales

In puncto Tonalität wirkt der Saxx CLX 4 über weite Strecken neutral mit einem sanften Schlag ins Helle. Es wird kein krasser Tiefbass geboten, sondern eher ein drahtig-trockenes, flinkes Tieftonerlebnis. Die Abstimmung verzichtet auf die allerletzte Oktave ganz unten, dafür ist der Bassbereich jedoch „dauerpotent“ – will heißen: Stehende Töne werden durchgezeichnet und bei entsprechender Abhörlautstärke stellt sich durchaus ein wohlig-grummelndes Gefühl im Magenbereich ein. VW Käfer statt Porsche, gewissermaßen – läuft.

Vollständig bruchlos ist das Mittenband angebunden – kein Wunder, spielen doch im Tief- wie Mittelton baugleiche Lautsprecher im Zweieinhalbwege-Modus. Der Hochton wiederum ist erwartungsgemäß ein echtes Sahnestück. Was hier an Feinauflösung rüberkommt, ist klar jenseits der Preisklasse. Nehmen wir Dire Straits‘ sattsam bekanntes HiFi-Anlagen-Demonstrationsstück „Private Investigations“ ab Timecode 3:00, wo sich unter düster-dräuenden Synthesizerflächen ein gezupfter Bass mit einer Hi-Hat abwechselt. Einen entsprechend guten Verstärker vorausgesetzt, kann sogar diese musikalisch-kompositorisch nicht überbordend luzide Passage über den Saxx Clubsound CLX 4 richtig genossen werden: Nicht nur hört man sofort, dass die Hi-Hat mit dem Stick geschlagen und nicht per Fußmaschine getreten wird, man sieht die Hi-Hat-Becken auch geradezu vor sich, mattsilbern-metallisch. Jeder einzelne Schlag klingt ein bisschen anders als der vorherige, der CLX 4 macht es möglich, dass man wie mit der Lupe draufschaut. Ziemlich cool.

Der Übergang vom Mitten- zum Hochtonbereich ist ordentlich gelungen, will heißen: Ja, man hört bei luftigem Material (Becken, Schellenkranz, Anblasgeräusche) schon , dass hier ein nochmal feinstofflicher auflösendes Konzept zum Tragen kommt als bei den Tief- und Mitteltontreibern, nichtsdestotrotz wirkt der Übergang nicht schroff oder „fremdelnd“ – keine Selbstverständlichkeit bei Lautsprechern, die auf unterschiedliche Konzepte für die einzelnen Frequenzbereiche setzen. Wer einen noch sanfteren, weniger spürbaren Übergang von Mittel- zu Hochtonbereich wünscht, der kann natürlich noch den Knebelschalter betätigen und den Hochton um 2 dB absenken. Jetzt wirkt’s im Übergangsbereich organischer, fließender, allerdings natürlich auch einen Zacken weniger fein aufgelöst. Immerhin hat man die Wahl.

Die Membran des Tiefmitteltöners im Detail

Die Membran des Tiefmitteltöners im Detail

Wir halten fest: untenrum solide Kost, wenn auch ohne das allertiefste Kellergeschoss, sauberes, gut angebundenes Mittenband, herrlich plastischer, klarer, transparenter und feinzeichnend-luftiger Hochtonbereich ohne Aggressivität. Das ist ein Gesamtbild, das man für einen Paarpreis von 1.600 Euro auch fordern dürfte.

Tiefmitteltöner der Saxx Clubsound CLX 4

Tiefmitteltöner der Saxx Clubsound CLX 4

Überraschung!

Van der Graaf Generator - The Least We Can Do Is Wave To Each OtherKommen wir mal zur ersten Überraschung, der Dynamik. Hier liefert Saxx Audio Beeindruckendes ab, dazu möchte ich mal ein extrem gut abgehangenes Stück Musik bemühen, nämlich die Artrock-Band Van der Graaf Generator mit ihrem Track „Refugees“ (Album: The Least We Can Do Is Wave To Each Other; auf Amazon anhören) – eine Ballade, die gefährlich nah am absoluten Kitsch vorbeischrammen würde, wenn nicht der eine oder andere kompositorische/studiotechnische Kunstgriff dagegen stünde. Das Stück beginnt mit einem Intro aus zwei verhallten Querflöten und einem Cello, in das nach einiger Zeit die trocken-heisere Stimme von Peter Hammill eindringt. Sagenhaft, wie fein der Saxx Clubsound CLX 4 auflöst und mit welcher Feindynamik neben den eigentlichen Instrumenten das ganze „Drumherum“ hörbar wird. So haben die Querflöten und das Cello offensichtlich eigene, separate Hallräume im Studio bekommen. Sie treten in puncto Lautstärke leicht in den Hintergrund, als der Gesang einsetzt – trotzdem kann man aber diesen Hallräumen noch nachspüren (wenn man möchte) oder auch die Anblasgeräusche der Flöten vernehmen sowie die feinen Nebengeräusche, die sich aus dem Zusammenspiel von Cellobogen und Saiten ergeben. Damit ist man richtig „nah dran“ am Geschehen, nicht zuletzt auch emotional. Nicht ganz verschweigen will ich allerdings auch eine Kehrseite dieser Feinauflösung: Von Gustav Mahlers erster Sinfonie besitze ich unter anderem eine Einspielung mit den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado; was das Publikum sich da selbst an den Pianissimo-Stellen noch für abartige Huster und Nieser leistet, ist eine bodenlose Frechheit – und über die Saxx Clubsound CLX 4 dann auch recht deutlich zu hören. Naja – es zwingt einen ja niemand, sich eine Einspielung mit Publikum zuzulegen.

SUN - Secrets of the MoonAuch grobdynamisch kann dieser Lautsprecher richtig zupacken. Das Acht-Minuten-Epos „No More Colours“ der Blackmetal-Band SUN (Album: Secrets of the Moon) beispielsweise lässt den Hörer durchaus (wohlig) geprügelt im Hörraum zurück. Elegische, verlorene Passagen wechseln sich ab mit bretthartem Geknüppel, gutturalem Gebrüll und sägenden Gitarren. Der Saxx CLX 4 macht daraus ein waffenscheinpflichtiges Wechselbad der Gefühle. Wie er das macht? Nun, zum einen spurtet er aus dem Stand los und bremst ebenso schnell wieder ab. Aber es ist nicht nur schiere Geschwindigkeit, er schafft es auch, Lautstärkeunterschiede über weite Strecken so darzubieten, dass sich tonal nichts verschiebt: Ein langsam heranrollender, peu à peu energischer gespielter Snare- oder Standtomwirbel wird lauter, lauter und lauter, ohne dass man Sorge haben müsste, dem CLX 4 ginge die Luft aus. Ja, das Ding ist richtig pegelfest!

Was hier insgesamt dynamisch geboten wird, erinnert mich an deutlich größere und kostspieligere Kaliber: Feindynamisch kann der Saxx CLX 4 beispielsweise locker der B&W 702S (knapp 4.000­ Euro) das Wasser reichen, aber auch der Elac FS 407 (3.700 Euro) oder meinen „Arbeitspferden“, den Harbeth 30.1 (3.150 Euro). Was die Harbeth hingegen wieder besser kann, ist, Kohärenz über alle Tonlagen zu bieten. Die Britin schafft es wie kaum ein anderer mir bekannter Lautsprecher der Preisklasse, einen „Gesamtauftritt aus einem Guss“ hinzulegen und damit so zu klingen, wie man es sich eigentlich in der „idealen Welt“ von einem Breitbänder wünschen würde.

Die Saxx Clubsound CLX 4 kommt mit magnetisch haftender Stoffabdeckung

Die Saxx Clubsound CLX 4 kommt mit magnetisch haftender Stoffabdeckung

Paradedisziplin

Doch zurück zum Saxx Clubsound CLX 4. Kommen wir zu seiner Paradedisziplin: der Raumdarstellung. Ich habe für einen Paarpreis von 1.600 noch keinen Lautsprecher hören dürfen, der eine so fantastische Bühne zaubert. Gut: „Breit“ können viele, insbesondere Kompakt- oder Koaxialkonzepte. Aber die Tiefe? Schlicht und einfach wow, was der CLX 4 abliefert!

Die Frequenzweiche der Saxx Clubsound CLX 4

Die Frequenzweiche der Saxx Clubsound CLX 4

Eraas - EraasBeim Track „Fang“ der Elektronik-Band Eraas (gleichnamiges Album; auf Amazon anhören) beispielsweise puckert ein elektronischer Beat daher, während stark durch den Studiowolf gedrehte Frauenstimmen merkwürdige kinderliedartige Phrasen singen. Nach gut einer Minute kommt halbrechts ein Schellentamburin zum Einsatz, später dann halblinks bizarre Gitarrenfeedbacks, während im Vordergrund eine zischelnde, programmierte Hi-Hat erklingt. Das alles wird über den Saxx CLX 4 nachgerade dreidimensional in den Raum gebeamt: Das Schellentamburin scheint sich buchstäblich auf der Z-Achse hinter der Hi-Hat zu befinden, während die Gitarrenfeedbacks „hinten unten“ zu erklingen scheinen. Auch wenn es physikalisch eigentlich gar nicht möglich erscheint, gelingt es den Clubsound CLX 4, die Klänge auf unterschiedlichen „Bodenhöhen“ anzuordnen, wobei die Bühne nicht vor den Lautsprechern, sondern auf der Grundlinie beginnt.

Woofer der Saxx CLX 4

Modest Mouses - Sad Sappy SuckerBeeindruckend wird es insbesondere, wenn Laufzeitstereofonie zum Einsatz kommt, wie bei Modest Mouses Stück „Mice ate Cheese“ (Album: Sad Sappy Sucker; auf Amazon anhören). Der Song klingt, als wäre er in einem räudigen Proberaum aufgenommen worden, und zwar einfach mit zwei Mikrofonen. Lustig scheppert der Snareteppich, wenn der Bassist einen tiefen Ton greift, hier und da rutscht der Drumstick versehentlich auf den Rand des linken Hängetoms, die Gitarrenflageoletts schwirren durch den Raum: Über den CLX 4 wähnt man sich direkt im Proberaum, das ist richtiggehend „direct-to-brain“. In Sachen Bühne toppt dieser Lautsprecher auch die schönen Klangerlebnisse, die ich mal mit der Sonus Faber Venere (1.250 Euro) erleben durfte. Ja, und grummelnd muss ich zugestehen, dass die Bühne der Saxx CLX 4 mich auch in Bezug auf Tiefenstaffelung mehr überzeugt als die der Harbeth 30.1, Kruzifix!

Komplett schraubenfreie Front mit sanft abgerundet eingefassten Treibern

Komplett schraubenfreie Front mit sanft abgerundet eingefassten Treibern

Metaebene

Viele Eindrücke, viele Quervergleiche, wie wird nun ein Schuh draus? Nun, denken wir doch mal nicht in Disziplinen (Tonalität, Dynamik etc.) sondern in „Meta-Qualitäten“. Was nicht die primären Talente des Saxx CLX 4 sind: Über-alles-Kohärenz und Fluss. Wer einen komplett unaufgeregt und homogen aufspielenden Lautsprecher sucht, der ist mit einem (freilich doppelt so teurem) Pärchen Harbeth 30.1 sehr gut bedient. Wer einen Studiomonitor sucht, der könnte schon besser mit dem CLX 4 bedient sein: Der AMT-Hochtöner verschweigt buchstäblich nichts, was bei der Fehlersuche sehr hilfreich sein kann – allerdings ist der CLX 4 eher was fürs Nahfeld, denn im tiefsten Basskeller fehlt eine halbe Schippe. Vor allem aber, und das dürfte ja für die meisten Musikhörer wichtig sein, schafft der Saxx CLX 4 Atmosphäre und Livegefühl. Das gelingt ihm durch die Verbindung der dynamischen und räumlichen Talente. Vermutlich wird der AMT-Hochtöner seine Fingerchen dabei im Spiel haben, denn er sorgt für die entsprechende Feinzeichnung bis ganz nach oben in den Superhochtonbereich.

Saxx-Logo

Test: Saxx Clubsound CLX 4 | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Stoff geben
  2. 2 Klangeindruck und -vergleiche
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Nubert

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