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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Standfest
  2. 2 Inklang Ayers 2: Klangtest & Vergleiche

Wir wissen nicht, ob der Hamburger Hersteller Inklang (www.inklang.de) seine neue Produktlinie nach dem berühmten australischen Ayers-Rock benannt hat. Was ich allerdings schon spoilern darf: Obwohl es sich bei den Inklang Ayers 2 (1.660 Euro) um Kompaktlautsprecher handelt, können diese Wandler bei Bedarf ordentlich losrocken.

Eines kann man Thomas Carstensen, Gründer und Inhaber des Hamburger Herstellers Inklang definitiv nicht vorwerfen: einen Mangel an Ideen. Carstensen blickt ganz offensichtlich über den Tellerrand, denn er hat im Lautsprecherbau Prozesse eingeführt, die man in ähnlicher Ausprägung etwa aus der Automobilbranche kennt. Das betrifft vor allem die Individualisierung der Produkte. Schon die erste, mittlerweile ausgelaufene Advance-Line-Serie war in einer Vielzahl von Farben und Finishes erhältlich, auf Wunsch gab es – gegen einen Extra-Obolus, versteht sich – auch eine besonders hochwertige Frequenzweiche. Mit der neu aufgelegten Inklang Ayers-Serie (siehe dazu auch unser Inklang-Ayers-Newsartikel) wird dieses Prinzip auf die Spitze getrieben.

Inklang Fächer

Neben den Standardfarbausführungen für die Lautsprecher und Lautsprecherabdeckungen sind bei Inklang auch die Farbpalette von Caparol Icons und Farrow & Ball sowie individuelle Wünsche möglich

Bereits ohne Aufpreis kann der geneigte Besitzer zwischen zehn unterschiedlichen Farben und drei Finishes (glänzend, matt, seitenmatt) wählen, das macht nach Adam Riese schon mal 30 unterschiedliche Optiken. Weiterhin gibt’s vier unterschiedliche Stoffvarianten für die – optional erhältlichen – Lautsprecherabdeckungen sowie Stoffmäntel für Lautsprecherkabel. Das ist noch lange nicht alles: Per Onlinekonfigurator lässt sich – wiederum für einen moderaten Aufpreis – die komplette Farbpalette der beiden Farbenhersteller Caparol Icons und Farrow & Ball nutzen. Und wem das immer noch nicht individuell genug ist, der kann telefonisch weitere optische Sonderwünsche mit dem Inklang-Team besprechen. Das Konzept scheint aufzugehen: Carstensen berichtet uns, dass schon bei der Advance-Line-Serie fast die Hälfte aller Bestellungen mit individueller Farbgebung ausgeliefert wurde.

Inklang Ayers Two - von oben seitlich

Die rund elf Kilogramm schweren Ayers Two sind die großen Kompaktlautsprecher im Inklang-Programm

Mit der Ayers-Serie geht es noch weiter: Alle Lautsprecher sind – bereits jetzt – in einer passiven Variante und künftig auch in einer aktiven sowie streamingfähigen Wireless-Variante verfügbar. Moment, einen haben wir noch: Inklang bietet nach wie vor an, dass Käufer nach fachkundiger Anleitung bei der Montage ihres ganz persönlichen Exemplars in der Hamburger Fertigung selbst Hand anlegen – als Belohnung fürs erste Gesellenstück gibt’s dann noch ein erquickendes Gläschen Champagner.

Nun gut, es helfen die schönsten Marketingideen nichts, wenn der Klang nicht stimmt – und genau das gilt es in diesem Test der kompakten Inklang Ayers 2 abzuchecken. Dabei feiere ich eine doppelte Premiere: Dies ist die erste fairaudio-Rezension eines Modells aus der flammneuen Ayers-Serie – und noch dazu ist der Ayers Two der erste Inklang-Lautsprecher, den ich in meinem Hörraum habe.

Aktuell besteht die Inklang-Ayers-Serie aus fünf klassischen Lautsprechern sowie je einem Subwoofer, Wand- und Center-Lautsprecher. Die Ayers 3, 4 und 5 sind Standlautsprecher, die Ayers 1 und 2 kompakte. Unser Proband, die Ayers 2, dehnt das Adjektiv „kompakt“ allerdings schon deutlich: Mit 36 Litern Volumen und einem Gewicht von gut elf Kilogramm handelt es sich nicht gerade um ein zierliches Exemplar – und einen passenden Ständer für das 41,5 Zentimeter tiefe Gehäuse muss man auch erst mal suchen. Für einen Aufpreis von 516 Euro liefert Inklang gleich ein Paar passende, grundsolide und auch ansehnliche Standfüße mit, bei denen die Lautsprecher mit dem Ständer verschraubt werden können.

Inklang Ayers Two mit Lautsprecherständer

Die Inklang Ayers Two mit optional erhältlichem Ständer

Eigenwillig und schön

Erster Eindruck nach dem Herausheben der Lautsprecher aus der mustergültig soliden Verpackung: eigenwillig und schön! Die Verarbeitung ist absolut makellos, die doppelt abgerundeten/gefasten Ecken nehmen dem vergleichsweise großen Kompaktlautsprecher ein Stück seiner Wuchtigkeit und verleihen dem Gesamtbild durchaus Eleganz. Nicht ganz so häufig sieht man auch die gewählte Treiberanordnung: Der Tiefmitteltöner wurde oben platziert, mittig darunter der Hochtöner (beide Treiber stammen von Wavecor). Das hat indes vor allem optische Gründe: Wie uns Thomas Carstensen mitteilt, findet er diese Anordnung einfach ästhetischer. Klanglich sei seiner Erfahrung nach bei kompakten Zweiwegekonzepten der Abstand zwischen den beiden Treibermittelachsen wesentlich relevanter als die Reihenfolge von oben nach unten, so Carstensen.

Der 18-cm-Langhub-Bassmitteltöner kommt mit einer Membran aus glasfaserverstärktem Papier und einem stabilen Alu-Druckguss-Korb. Er wird ungewöhnlich tief – schon bei rund 800 Hertz mit 18 dB/Oktave an die 30-mm-Seiden-Hochtonkalotte angekoppelt, welche wiederum bis 20 kHz linear spielen soll. Eine derart tiefe Ankopplung sieht man nun wirklich nicht alle Tage, sie sei aber das Ergebnis zahlreicher Hörsessions, Messungen und Simulationen gewesen, teilt Carstensen mit. Man habe sich ganz bewusst für einen leistungsfähigen Tiefmitteltöner mit vergleichsweise schwerer Membran entschieden, um trotz Kompaktlautsprecherkonzepts ordentlich Bass „anbieten“ zu können.

Inklang Ayers Two - Bassmitteltöner

Der 18-cm-Bassmitteltöner der Inklang Ayers Two

Im Dreieck aus möglichst geringem Klirr, optimalem Rundstrahlverhalten und Phasentreue habe sich dann tatsächlich die Trennfrequenz von 800 Hertz als optimal herausgestellt – allerdings mit einer hohen effektiven Flankensteilheit. Das klingt soweit plausibel, birgt aber zumindest das theoretische Risiko , dass die Hochtonkalotte unter ihrer Last leidet und zudem aufgrund ihrer 30 Millimeter „Übergröße“ in Richtung Superhochton stärker bündelt. Tut sie das? Lassen wir den Lautsprecher – nach einer gebührenden Einspielzeit von 80 Stunden – doch einfach mal von der Leine!

Inklang Ayers 2: Klangtest & Vergleiche

Schneller als das Hirn

Ein kleiner Exkurs vorab: Ich teste seit mehr als zehn Jahren regelmäßig Lautsprecher und HiFi-Komponenten und stelle mehr und mehr fest, dass mein Unterbewusstsein oft schneller ist als die „Ohr-Hirn-Schranke“. Diese Tatsache manifestiert sich beispielsweise darin, dass ich bereits nach einer knappen halben Stunde anscheinend ziellos suchenden Ausprobierens mit verschiedenen Musikstücken dort ankomme, wo ich die Stärken des Lautsprechers „spüre“. Das bezieht sich nicht nur auf das ausgesuchte Musikmaterial, sondern auch auf weitere Faktoren wie beispielsweise die Lautstärke. Bereits nach kurzer Zeit hatte ich mich mit den Inklang Ayers 2 „eingepegelt“, und zwar auf gehobener Zimmerlautstärke mit Tendenz nach oben. Was will ich damit sagen?

Inklang Ayers Two - Bassreflexschlitz

Die Bassreflexöffnung der Inklang Ayers Two befindet sich auf der Schallwand

Nun, ich gehöre nicht zu den Menschen, die HiFi als Leistungsschau nehmen und sich permanent das Hirn wegföhnen müssen. Eigentlich höre ich lieber leise oder in Zimmerlautstärke; ich bin schnell genervt oder angestrengt, wenn es zu laut wird. Mit der Inklang Ayers Two hingegen habe ich auch mit etwas höheren Pegeln ganz erheblichen Spaß gehabt. Warum? Weil sie bei hohen Lautstärken nicht nur richtig gut Druck macht, sondern dabei zudem ausgesprochen balanciert klingt. Sie ist pegelfest und klingt dabei zugleich aber völlig unangestrengt und mühelos. Das erstaunt angesichts der oben erwähnten Arbeitsteilung zwischen Tiefmittel- und Hochtöner umso mehr. Doch der Reihe nach, beziehungsweise von unten nach oben.

Tief & zackig: der Bass

Spliff - 85555Im Bassbereich lässt die Inklang Ayers 2 nichts anbrennen, weder in Bezug auf die erreichbare Tiefe noch in Bezug auf Zackigkeit und Kontur. Nehmen wir Spliffs Superhit „Carbonara“ (Album: 85555; auf Amazon anhören), einen Song, der wohl keinem der hier Mitlesenden näher erklärt werden muss. Der Reggae-Bass tanzt pfeilschnell wie ein Flummi durch den Raum, die wenigen stehenden Töne des durchaus dominant abgemischten Basses gehen direkt, antrittsschnell (und wohltuend) in die Magengrube. Und die kurzen, aber intensiven Drumfills, die stets das Ende des Refrains einläuten, werden von der Ayers Two wie Peitschenschläge Richtung Hörer geschleudert – aber ohne zu verletzen. Man sitzt stattdessen da, grinst, und denkt: „geil.“ Dabei sumpft, zerrt und dröhnt es zu keiner Zeit, wie gesagt auch bei höheren Pegeln nicht. Ja, ich muss zugeben, dass die Inklang-Box hier sogar merklich mehr Bass in den Raum schaufelt als meine Harbeth 30.1, ebenfalls eine Kompakte mit rund 35 Litern Volumen – die aber rund doppelt so teuer ist. Die Harbeth – das ist ja auch schon Firmentradition – baut das Klangbild allerdings bekanntermaßen eher aus den Mitten heraus aus, sie gilt gemeinhin nicht als Tiefbasswunder. Wer wirklich mehr Bass will, gerade in der untersten Oktave, der muss dann schon zu einer recht ausgewachsenen Standbox wie meiner Proac Response DT-8 (3.200 Euro) greifen. Wie man es dreht und wendet: Für eine Kompakte, noch dazu in der Preisklasse, ist die Inklang Ayers 2 tieftonseitig mehr als gut aufgestellt.

Inklang Ayers Two mit und ohne Frontabdeckung

Authentisch und vollmundig: die Mitten

Feist - The ReminderDie Ankopplung an das Mittenband gelingt der Inklang Ayers 2 gut, trotz der ungewöhnlichen Frequenzweichencharakteristik. Brüche oder Lücken kann ich nicht ausmachen. Bei dem Titelstück aus dem Simple-Minds-Album Street Fighting Years zeichnet die Ayers den Variantenreichtum des dicht instrumentierten Stücks gut nach – ganz gleich, ob es der anfangs in hoher Lage singende Bass, ob es Synthesizer, Klavier oder Gitarren sind: Alle Instrumente klingen authentisch und vollmundig. Man spürt aber auch, dass der Bass zu Beginn nicht in der Lage spielt, für die er eigentlich gebaut wurde und wird Zeuge, wie er später im Stück in seinem eigentlichen Formantenbereich „einrastet“. Die Gitarre klingt rein und klar, ohne irgendwo zu näseln oder zu fremdeln. Gut, wenn es um ausdrucksstarke Solostimmen geht – wie beim Track „The Water“ von Feist (Album: The Reminder; auf Amazon anhören), kann meine Harbeth noch mehr Details und Feinheiten herausschälen. Sängerin Leslie Feist moduliert ihre Stimme vom Flüstern und Säuseln bis hin zum schmerzvollen Belcanto. Das ist zwar auch über die Inklang Ayers 2 zu jeder Zeit ein Hörgenuss, meine doppelt so teure Harbeth bringt an dieser Stelle jedoch noch mehr Emotionen ins Spiel, was sich vermutlich aus der noch präziseren Feinauflösung und Mikrodynamik ergibt.

Härtefrei: die Höhen
Inklang Ayers Two - Kalotte

Die 30-mm-Kalotte der Inklang Ayers Two

Der Hochtonbereich zeigt ein Auflösungsvermögen und eine Abstimmung, die sich durch gute Auflösung bei zugleich härtefreiem Spiel auszeichnet. Die hektischen Drums in Spliffs „Carbonara“ mit ihren recht aggressiven Hi-Hats und Rimshots geben ein dicht verwobenes und packendes Rhythmusgeflecht ab. Die Texturen der verschiedenen Becken lassen sich bestens voneinander unterscheiden, die Rimshots kommen zugleich holzig und metallisch – ohne, dass es jedoch mit den Ayers Two im Ohr unbotmäßig beißen würde. Das geht allerdings auch damit einher, dass der Superhochtonbereich, das „Luftband“ leicht abgesoftet wirkt, was vielen Aufnahmen jedoch guttut.

Alles andere als kühl: die Gesamttonalität

Soweit die einzelnen Lagen – wie ist denn nun das tonale Gesamtbild? Insgesamt zeichnet sich diese aus durch weitgehende Neutralität mit einer minimalen Hinwendung ins „Warme“, wie ich zu hören glaube. Interessanterweise zeigt sich dies aber nicht als gefühlte Beule, Delle oder gar Bruch im Frequenzgang, sondern eher psychoakustisch. Es ist – ich kann es nicht näher beschreiben – etwas wohlig-analoges dabei. Vielleicht mal eine ungewöhnliche Metapher: Wenn Sie seit Jahrzehnten mit dem immergleichen Supermarktsalz ein Risotto kochen und dann zum ersten Mal echtes Meersalz nehmen: Dann ist immer noch gleich viel Salz drin, aber es schmeckt vielleicht ein bisschen intensiver. Bevor ich jetzt aber hier den Biolek mache, zurück zur Musik!

Inklang Ayers Two - Rückseite seitlich

Die Rückseite der Inklang Ayers Two mit Single-Wiring-Anschlussterminal

Ich würde die Inklang Ayers Two auf jeden Fall als einen neutral aufspielenden Lautsprecher bezeichnen; an keiner Ecke wirkt etwas zu dick aufgetragen oder zurückgenommen, trotzdem ist die Grundcharakteristik eine andere wie zum Beispiel bei meinem Arbeitsgerät, der ebenfalls über weite Strecken neutralen Pro-Ac Response DT 8. Diese wirkt – möglicherweise durch ihren stärker ausgeleuchteten Hoch- und Superhochtonbereich insgesamt noch etwas analytischer. Einen vergleichbaren, aber deutlich stärkeren Ausschlag ins Erdige, Warme, Vollmundige hatte beispielsweise die PSB Synchrony One (4.600 Euro), an die ich mich unter anderem deshalb auch noch bis heute erinnere, obwohl mein Test schon eine ganze Weile zurückliegt. Wir reden hier insgesamt von Nuancen, aber gerade diese entscheiden eben oft doch darüber, ob man mit einem Lautsprecher langfristig harmoniert, daher finde ich es wichtig, das hier auszuführen.

Dynamische Qualitäten

Ist Ihnen oben aufgefallen, dass ich bisher einen Kompaktbox- und zwei Standboxvergleiche bemühte? Ja, die Inklang Ayers Two erinnert mich nicht nur tonal (in Bezug auf ihre Vollständigkeit) an eine Standbox – auch grobdynamisch kann sie richtig austeilen. Das dürfte zum einen der Verdienst des großzügig dimensionierten Tieftöners sein, zum anderen aber auch damit zusammenhängen, dass er bereits ab 800 Hertz an die Hochtonkalotte übergeben und damit seinen „Kernarbeitsbereich“ ungestört ausüben darf. Wenn beim Spliff-Song „Carbonara“ sich das Schlagzeug von null auf hundert entfesselt, dann reicht die Ayers Two das ungerührt weiter. Das funktioniert aber interessanterweise auch im Hochtonbereich, obwohl der Hochtöner durch seine frühe Ankopplung ja ordentlich was zu tun hat. Wenn beispielsweise bei einem kammermusikalischen Werk die Violine aus dem pianissimo in den „vollen Anriss“ geht, dann zuckt man als Hörer schon einmal (mit einer wohligen Gänsehaut) zusammen, weil das so direkt und animierend ins Ohr geht, aber trotzdem nicht reißt oder zerrt. Die Ayers Two spielen in dieser Sache herrlich involvierend!

Bill Callahan - Gold RecordFeindynamisch hingegen würde ich die Ayers Two als preisklassentypisch bezeichnen: Wenn bei Bill Callahans neuem Album Gold Record (auf Amazon anhören) im Track „As I wander“ im Hintergrund ein sanftes Flügelhorn rauscht, dann ist das in sich absolut rund und stimmig und schön eingebettet, meine ProAC Response DT-8 (3.200 Euro) oder auch eine Bowers & Wilkins 702 S2 (4.000 Euro) zeichnen hingegen Feines, Leises, das parallel neben dominanten Schallquellen (Callahans Bariton) zu hören ist, im Vergleich noch etwas konturenschärfer.

Bühne frei

nklang Ayers Two - von vorne

Last but not least: Die Inklang Ayers 2 ist eine ganz famose Bühnenbildnerin. Wobei die Metapher hinkt, sie baut nämlich nichts künstlich auf, sondern sie bildet sagenhaft korrekt ab. In meinem 20 Quadratmeter großen Hörraum mit 1,50 Metern Wandabstand nach hinten und zwei Metern Hörabstand spielte sie gefühlt einen knappen Meter nach vorne und drei Meter nach hinten. Schallquellen sind sehr gut ortbar und geraten in der Abbildung – je nach Aufnahme – entweder hyperrealistisch-festgenagelt (wenn die Schallquelle per Panoramaregler „platziert“ wurde) oder lebendig-organisch (bei guten Laufzeitstereofonieaufnahmen). Bei richtiger Aufstellung (minimal auf den Hörplatz eingewinkelt) nehmen sich die Lautsprecher komplett zurück, die Musik steht frei im Raum.

Nun gut, das können kompakte Zweiwegekonzepte generell oft besser als dicke Standboxen. Aber: Was mich sehr für die Inklang Ayers 2 einnimmt, ist die glaubwürdige, stabile und „abmessungsgenaue“ Manifestation von Phantomschallquellen. Nehmen wir noch einen gut abgehangenen Song (der Autor dieser Zeilen wird nächstes Jahr 50 Jahre alt, man verzeihe ihm): „Wish you were here“ von Pink Floyd (gleichnamiges Album). Hier führe ich mir das 2011-Remaster hochauflösend per Tidal Hifi zu Ohren. Wir alle kennen das Intro mit dem komischen Geknister und der anscheinend durch ein Telefon übertragenen Gitarre im Hintergrund. Nach 16 Takten hören wir David Gilmour, der auf einem sacht knirschenden Schemel sitzt, dezent etwas Nasenrotz hochzieht, um dann eine zweite, cleane Slidegitarren-Spur draufzusetzen. Alles Tausendmal gehört. Oder?

Inklang Ayers Two - kippelnd

Nein, eben nicht. Zumeist hört man an dieser Stelle eben eine Gitarre und vielleicht noch die Atemgeräusche von Gilmour. Über die Inklang Ayers Two erreicht die Gilmour‘sche Phantomschallquelle eine nachgerade zwingende Präsenz. Die Gitarre wird vor dem Auge sichtbar, und zwar in realistischer Größe. Die – ich sage mal – gesammelten Körpergeräusche des Herrn Gilmour ergeben über die Ayers Two noch dazu den absolut realistischen Eindruck: „Da sitzt wirklich jemand!“. Das kenne ich in dieser Qualität nur aus merklich höheren Preisklassen, beispielsweise von meiner Pro-Ac Response DT 8 oder auch von der DeVore Gibbon 88, die 6.900 Euro kostet.

Kleiner Exkurs und Tipp: Wenn Sie sich mal davon überzeugen wollen, was Ihr Lautsprecher so kann, dann probieren Sie das mal im Dunklen aus und horchen Sie, ob da „Musik gespielt“ wird oder ob Sie den Eindruck haben, da befinde sich tatsächlich jemand im Raum. Wie die Ayers Two das jetzt nun genau macht, weiß ich nicht. Ich tippe mal auf sehr gute Phasenkohärenz und eine homogene Schallabstrahlung beziehungsweise -dispersion.

Die Mitspieler

Sonst noch was? Sprechen wir über die Mitspieler! Grundsätzlich ist die Inklang Ayers Two Generalist und Teamplayer, denn sie kommt mit jeder Musikrichtung bestens zurecht. Sie ist auch nicht wählerisch, wenn es um die Frage „Röhre oder Transistor“ geht. Aber: Sie braucht dank ihres eher bescheidenen Wirkungsgrads (85 dB/W/m) ein bisschen Leistung, damit sie aufblüht. Inklang gibt die empfohlene Mindestverstärkerleistung mit 50 Watt an; das halte ich für konservativ, soviel braucht es meines Erachtens nicht: Schon meine Eintakt-Endstufe Valvet E2 (12 Watt an 8 Ohm pro Kanal) lässt die Inklang bei gehobener Zimmerlautstärke sehr hübsch musizieren. Aber mein Tsakiridis Aeolos+ im Pentodenmodus oder auch der Hegel H90 waren dann doch die geeigneteren Spielpartner. Ach ja: Natürlich habe ich nicht nur laut Musik gehört, sondern auch leise. Das kann die Ayers Two ebenfalls sehr gut, allerdings empfiehlt es sich dann, einen etwas zackiger aufspielenden Amp (Hegel in meinem Fall) zu wählen, über eine typische Röhre wird’s an den Frequenzgangenden etwas softer, wenn man sehr leise hört.

Inklang Ayers Two - Terminal

Billboard
Paradigm

Test: Inklang Ayers Two | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Standfest
  2. 2 Inklang Ayers 2: Klangtest & Vergleiche

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