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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Volle Röhre voraus!
  2. 2 MFE Tube One SE & MFE TA 120 SE: Hörtest und Vergleiche

Das Kontrastprogramm könnte kaum größer sein als zwischen diesen beiden klassischen Röhren-Amps und dem mit allen erdenklichen Hightech-Tricks gespickten, volldigitalen SciFi-Vollverstärker Technics SU-R1000 (7.500 Euro), den die Nordrhein-Westfalen in meinem Rack ablösen. Von integriert oder gar digital kann bei beiden MFE-Geräten keine Rede sein: Einen D/A-Wandler gibt’s in der 9.690 Euro teuren Vorstufe MFE Tube One SE nicht – für derlei Aufgaben hat’s den MFE Tube DAC SE im Line-up, den wir neulich testeten. Und ausgemacht „integriert“ schaut der mit appetitlich angeordnetem Röhren-Spalier und bronzegetönter Sichtglasfront daherkommende, 28 Kilogramm schwere und 14.690 Euro teure Stereoleistungsverstärker MFE TA 120 SE nun auch nicht aus. SE steht hier übrigens für „Signature Edition“, und in der kommen laut MFE-Gründer Michael Franken „da, wo es drauf ankommt, nur ausgesuchte, nach eigenen Messungen eng tolerierte Bauteile zum Einsatz.“

Michael Franken ist ein echtes Urgestein der Highend-Szene. Seit nunmehr 30 Jahren zieht er mit bewundernswerter Stringenz sein Ding durch und lässt sich von schnelllebigen Trends nicht aus der Ruhe bringen. Bei MFE werden Technologie und Umsetzung über Jahre erprobt und verfeinert – und Franken ist nicht nur Ingenieur, sondern auch aktiver Musiker: „Als Musiker weiß ich, wie eine Gitarre, eine Violine oder ein Klavier wirklich klingen. Ich höre auch gerne mal mit einem Livepegel wie im Rock-Konzert – ich liebe Dynamik, und daher brauchen meine Verstärker ordentliche Leistungsreserven.“ Auch beim Design lässt sich MFE nicht lumpen. Ein Blick in die Sichtglasfront der Endstufe genügt – dazu gleich mehr.

Das Netzkabel MFE GAL 1.5 liegt beiden MFE-Verstärkern bei

Das Netzkabel MFE GAL 1.5 liegt beiden MFE-Verstärkern bei

Beide Verstärker kommen serienmäßig mit einem vergleichsweise flexiblen Netzkabel namens MFE GAL 1.5, das sich in ein transparentes PVC-Kleid mit darunterliegender Folienschirmung hüllt. Apropos Netzkabel: Die MFE-Geräte besitzen ein Feature, das bei allen hochwertigen HiFi-Komponenten Standard sein sollte: Eine Phasenkontrollleuchte direkt neben der Netzbuchse glimmt sanft rot, wenn das Netzkabel verkehrt herum in der Steckdose sitzt. Der Tester sagt vielen Dank, sehr praktisch!

Rotlichtviertel

Die Phasenkontrolllampe ist nicht das Einzige, was bei den MFE Tube One SE und TA 120 SE rot leuchtet. Nicht nur die LED auf der Front des Vorverstärkers, sondern – schön sichtbar durch die Glasfront – gleich acht weitere Dioden in den Röhrensockeln der Endstufe scheinen direkt nach dem Einschalten auf. Sie sind allein der Optik geschuldet und haben keinerlei Einfluss auf die Schaltungen oder gar den Klang, so Franken.

Die Phasenkontrolllampe ist nicht das Einzige, was bei den MFE rot leuchtet...

Die Phasenkontrolllampe ist nicht das Einzige, was bei den MFE-Verstärkern rot leuchtet…

Ein interessantes Design-Features des MFE TA 120 SE ist sicherlich die Anordnung besagter Röhren. Statt wie üblich stehend oder liegend hat sich Michael Franken dazu entschlossen, die Montageplatte im (circa) 45-Grad-Winkel einzubauen, sodass die Röhren nach schräg vorne oben zeigen. Das verleiht der Endstufe eine ungewöhnliche und dynamische Note – ein Omen …? Nein, das habe rein praktische Gründe, sagt Franken: „Die winklige Anordnung ist deshalb entstanden, um das Gerät nicht zu hoch zu bauen.“

Dass Röhrenverstärker keine Diven bei der Lautsprecherwahl sein müssen, hat bei mir schon die Endstufe Balanced Audio Technology VK-76SE (14.000 Euro) mit ihren zweimal 75 Watt bewiesen. Die MFE TA 120 SE setzt noch mal ordentlich einen drauf und liefert satte 120 Watt pro Kanal an 4 und 8 Ohm. Verantwortlich dafür sind der 550-VA-Trafo – ein streuarmer Geselle vom Kernschnitttyp, der auf Schwingungsdämpfern gelagert ist – und vier Endstufenröhren vom Typ EL509 (auch als 6P45, EL519 bekannt; es können auch technisch baugleiche Röhren wie die PL509 und PL519 eingesetzt werden) in Gegentaktschaltung und mit konstanter Schirmgitterspannung. Weil hier richtig gearbeitet wird, setzt Franken unterhalb der Endstufenröhren einen sehr langsam und leise drehenden Axial-Lüfter ein, der sich nur unmittelbar nach dem Einschalten mit einem schneller drehenden Funktionstest akustisch bemerkbar macht.

Die Endstufe MFE TA 120 SE ist mit silberner und schwarzer Front zu haben

Die Endstufe MFE TA 120 SE ist mit silberner und schwarzer Front zu haben

Im Eingang des vollsymmetrisch geschalteten Endverstärkers MFE TA 120 SE sitzt eine ECC83 zwecks Phasenumkehr mit anschließender PCC88-Treiberstufe. Hinein kommt das vorverstärkte Signal entweder über ein Pärchen RCA- oder XLR-Buchsen. Am anderen Ende findet sich eine nicht allzu oft anzutreffende Bestückung: Neben dem hochwertigen klassischen Lautsprecherkabelterminal für Bananas und Gabelschuhe steht auch ein Duo Speakon-Buchsen zur Verfügung.

Die Rückseiten der Vorstufe MFE Tube One SE (oben) und Endstufe MFE TA 120 SE (unten)

Die Rückseiten der Vorstufe MFE Tube One SE (oben) und Endstufe MFE TA 120 SE (unten)

Vorarbeiter

Damit das Signal qualitativ so hochwertig wie möglich bei der MFE TA 120 SE ankommt, obliegt die Aufbereitung in diesem Falle der passenden Vorstufe MFE Tube One SE. Die Vorstufe ist unsymmetrisch aufgebaut, das sei „für das Kleinsignalverhalten harmonisch besser“, so Franken. Sie bietet gleich fünf Line-Eingänge, von denen drei als RCA- und zwei als galvanisch entkoppelte XLR-Buchsen ausgeführt sind. Dazu kommt ein RCA-Phono-Eingang, der Signale von MM- und MC-Tonabnehmern entgegennehmen und auf Kundenwunsch auch mit XLR-Buchsen bestückt werden kann. In Sachen Standard-Abschluss hält sich MFE pragmatisch bedeckt, Franken sagt dazu: „Alle MC-Tonabnehmer mit einem Innenwiderstand bis 200 Ohm lassen sich problemlos anschließen, wobei jeder Abschlusswiderstand sowie höhere Verstärkung für sehr leise MCs oder andere Kapazitätswerte auf Kundenwunsch über ein Steckboard realisiert werden können – auch wenn dies in der Regel nicht notwendig ist.“

Vorverstärker MFE Tube One SE

Vorverstärker MFE Tube One SE

Natürlich arbeitet auch der Phonozweig mit Röhren, er setzt in der Eingangsstufe eine PCC88 gefolgt von einer hochverstärkenden Pentodenstufe mit der Verbundröhre PCF80 ein, die über ein gegengekoppeltes Entzerrer-Netzwerk den Frequenzgang kontrolliert. Das Triodensystem sei „als Katodenfolger geschaltet, um einen niedrigen Ausgangswiderstand zu gewährleisten“.

Das wippt!

Sehr komfortabel gelöst finde ich die Umschaltung zwischen MM- und MC-Verstärkung: Statt fummeliger Mäuseklaviere besitzt die MFE Tube One SE einen kleinen Kippschalter links hinten in der Bodenplatte – und man muss noch nicht mal auf Knien kriechen und den Kopf verrenken, um sich der Einstellung zu vergewissern. Denn die Bedienungsanleitung veranschaulicht, dass MC-Verstärkung geschaltet ist, wenn „der Wippschalter zur Rückwand hin heruntergedrückt ist“. Das gilt ebenso für eine weitere kleine Wippe, die unterhalb des Lautstärkereglers in der Bodenplatte sitzt. Mit der lässt sich die Ausgangsspannung des Tube One SE nämlich um 13 Dezibel herunterfahren, wenn sie nach links zeigt – diese Einstellung finde ich übrigens sehr praxisgerecht, weil so deutlich mehr als das erste Viertel des Reglerwegs nutzbar wird und man die Lautstärke deutlich feinfühliger auch über die serienmäßig beigelegte Infrarotfernbedienung (nur für die Lautstärkeregelung und Stummschaltung) einstellen kann.

Ein dritter und letzter Wippschalter in der Bodenplatte sitzt unterhalb des Anschlussfelds mit den RCA- und XLR-Ausgangsbuchsen, von denen es jeweils ein Paar gibt. Auch hier sind die XLR-Anschlüsse galvanisch getrennt und symmetrisch beschaltet. Der Schalter dreht die Phase des XLR-Ausgangs um 180°, was nötig sein könne, wenn beide Ausgänge – zum Beispiel zum Anschluss einer Endstufe und eines aktiven Subwoofers – benutzt werden, so Franken. Da denkt jemand pragmatisch mit.

Die Röhren-Vorstufe MFE Tube One SE bietet interessante und praxistaugliche Features

Die Röhren-Vorstufe MFE Tube One SE bietet interessante und praxistaugliche Features

Ebenso auf hohe Praxistauglichkeit ausgelegt sind einige weitere Goodies der MFE Tube One SE. Zum Beispiel die 6,3-Millimeter-Klinkenbuchse für den Anschluss von Kopfhörern, die zwar ohne dedizierten Kopfhörerverstärker auskommt, doch aufgrund des geringen Innenwiderstands der Vorstufe ihren Job auch so bestens erledigen soll. Und dann wären da zum einen der Tape-Monitor- und Record-out-Anschluss (RCA) und zum anderen eine ganze Reihe von Klangbeeinflussungs- und Komfortfunktionen, die über Kipp- und Drehschalter auf der Front aktiviert werden können: Eine Umschaltung zwischen Stereo und Mono, ein Rumpelfilter (Hochpassfilter), der bei 25 Hertz mit einer Flankensteilheit von 6 dB einsetzt, ein Rauschfilter (Lowpass-Filter), der höhenlastigen Aufnahmen und Lautsprechern durch eine 6-dB-Filterung bei 12.000 Hertz den Schrecken nehmen soll, eine Balance- und eine ausgebuffte Klangregelung, die sich natürlich auch gänzlich aus dem Signalweg nehmen lässt.

Klanggeschmackstuning

Ist die Klangregelung aktiviert, dann arbeitet sie rein passiv mit einer Loudness-Charakteristik. Was bedeutet das? Nun, um bei niedrigen Lautstärken eine „gehörrichtige“ Wiedergabe zu erlangen, müssen tiefe und hohe Frequenzen angehoben werden. Unser Gehör wird in diesen Bereichen mit abnehmender Lautstärke nämlich immer weniger sensibel. Statt aber einfach den Bass lauter zu machen, was der nachfolgenden Endstufe mehr Leistung abverlangt, regelt ein Rechtsdreh am „Bass“-Drehknopf die Lautstärke der mittleren und hohen Frequenzen relativ zum Bass zurück. Der Hochton-Drehknopf arbeitet dann zum Ausgleich der Höhen. Clever!

Aber auch auf der „Zeitebene“ lässt sich der MFE Tube One SE anpassen. Mit zwei innen gelegenen DIP-Schaltern lässt sich die Anstiegszeit der Ausgangsstufen verändern – meines Wissens ein einzigartiges Feature, aber da lasse ich mich gerne eines Besseren belehren. In der Werkseinstellung „on“ sei die Anstiegszeit kürzer und der Klang dynamischer, während sie in der Stellung „off“ zugunsten eines runderen Klangbilds etwas verlängert werde, so MFE.

MFE-Vorstufe Tube One SE

MFE-Vorstufe Tube One SE

Ein sympathischer Zug ist übrigens die von Michael Franken persönlich verfasste Versicherung gegen Ende der Bedienungsanleitung, dass sich alle Geräte etwa 100 Stunden lang einspielen durften und von ihm selbst probegehört, durchgemessen und für gut befunden wurden. Authentischer kann man Manufakturqualität kaum leben. Und jetzt hören wir mal genau hin.

MFE Tube One SE & MFE TA 120 SE: Hörtest und Vergleiche

Wie bereits angedeutet, stellen die beiden Amps aus Nordrhein-Westfalen quasi die Antithese zum hochcomputerisierten Vollverstärker Technics SU-R1000 dar. Das ist erst mal eine rein faktische Aussage ohne Wertung des jeweiligen Charakters. Bemerkbar macht sich das schon beim Einschalten der Vorstufe: Ganze 60 Sekunden darf der Nutzer seine Vorfreude genießen, bevor der Röhren-Pre Spannungen justiert und es losgehen kann; die Endstufe ist dagegen schon nach etwa zehn Sekunden soweit. Der zweite Anhaltspunkt für die im MFE-Duo verbaute Technik ist ein subtiles Rauschen, das man allerdings nur mit dem Ohr am Hochtöner wahrnehmen kann. Am Hörplatz fällt das nicht ins Gewicht.

Weil die beiden Geräte so gut zueinanderpassen, beschreibe ich im Folgenden den Klang der Kombination und gehe im Anschluss noch kurz darauf ein, welche Eigenschaften beide in den Mix einbringen.

Großzügig

Brendan Perrys ArkGroß, beeindruckend, frei: Die MFE-Kombi zaubert ein weites Panorama aus den Lautsprechern, das bei passendem Musikmaterial seitlich fast schon unglaublich deutlich über die Begrenzung der Lautsprecherbasisbreite sowie – nach oben hin – über die imaginäre Hochtönerlinie hinausreicht. Zudem baut sie das Zentrum der virtuellen Bühne sehr variabel vor oder hinter der Lautsprecherbasis auf, je nachdem, was die Aufnahme verlangt. Einzelne Schallereignisse wie die satte, sehr tief nach hinten in den Raum projizierte Bassdrum in „This Boy“ von Brendan Perry (Album: Ark; auf Amazon anhören) stellt die deutsche Röhrenkombi größer und eindrucksvoller dar als die meisten anderen Amps, die ich bisher in meiner Kette hören durfte.

Die Umrissschärfe der Abbildung einzelner Klangkörper gelingt ihr auf einem guten, wenn auch nicht auf dem herausragendem Niveau der Kombi aus Norma Audio SC-2 und Norma Audio PA 160 MR (ab 19.400 Euro). Das führt auch zu dem Eindruck, dass die MFE-Vor-End-Kombi den Raum zwischen den Akteuren trotz der Weite der Bühne etwas „weniger leer“ darstellt, also gefühlt dichter, intensiver mit Information füllt. Wohlgemerkt, die Umrisse der einzelnen Akteure verschwimmen dabei keinesfalls. Die MFE-Verstärker bewahren die Integrität von Instrumenten und Stimmen, lassen sie aber einander etwas näher kommen als andere Vertreter der Gattung.

Gewichtig

Jarvis Cocker und Chilli Gonzales - Room 29Nicht weniger beeindruckend als ihre opulente Räumlichkeit entwirft das MFE-Verstärkergespann den Bassbereich. Mächtig, schwungvoll, druckvoll, federnd und mit einem ordentlichen Maß an Ooomph-Faktor schüttelt der MFE TA 120 SE tiefe und tiefste Frequenzen aus den Lautsprechern, die plötzlich eine ganze Oktave tiefer in den Basskeller zu spielen scheinen als zuvor mit meiner Norma-Kombi (statt der Monos PA 160 MR spielt derzeit die Stereoendstufe PA 150 (5.300 Euro) bei mir). Das Piano in „Room 29“ von Chilly Gonzalez (auf Amazon anhören) besitzt mit den MFE Schub und eine geradezu physische Gewalt, insbesondere im unteren Bass, der insgesamt etwas mehr Substanz mitbringt, als streng genommen neutral wäre.

Eingangswahlschalter der Vorstufe MFE Tube One SE

Eingangswahlschalter der Vorstufe MFE Tube One SE

Die Kontrolle behält der MFE TA 120 SE bis in gehobene Lautstärken dennoch, was er – ebenso wie seine gute Durchzeichnung von Bassstrukturen – in der 1990er Pink-Floyd-Live-Aufnahme aus Knebworth von „Wish You Were Here“ beweist. Bei hohen Lautstärken lässt sich aber ein graduelles, leichtes Aufweichen der Basskonturen vernehmen. „No biggie“, würde der Ami da sagen, dem diese Bassabstimmung gemeinhin gut ins 900-Square-Foot-Salon-Wohnzimmer passt. Es sei der Form halber jedoch angemerkt, dass im Vergleich zu gestandenen Transistor-Endstufen wie den genannten Norma Audio PA 160 MR (14.000 Euro) oder den Bryston 7B3 (12.000 Euro) die Sforzatos in Tschaikowskis „Danse Russe“ zwar ähnlich energisch in die Magengrube donnern, das Stop-and-go-Verhalten der TA 120 SE aber nicht ganz auf das hohe Niveau der züchtigen Transistor-Mitbewerberinnen vordringt.

Aber bitte mit Sahne

Es mag ein Klischee sein, doch irgendwoher müssen Klischees ja auch kommen: Die Kombi aus MFE Tube One SE und MFE TA 120 SE haucht Stimmen eine leichte Wärme mit starken Klangfarben, Schmelz und Timbre ein – was sie nicht daran hindert, sie offen und transparent in den Raum zu stellen und bei aller volltönenden Solidität die nötige Schärfe der Artikulation durchscheinen zu lassen. Jarvis Cockers intoniert auf dem Chilly-Gonzalez-Album Room 29 expressiv, direkt und dynamisch ungebremst, und Jacinthas Organ in „Moon River“ wirkt gleichermaßen hochdetailliert wie intim. Auch die Saiten des Klaviers in „Moonriver“ mit all ihren Obertönen schwingen lange und mit schöner Struktur aus, die Violine von Saténik Khourdoïan im „Allegro moderato“ aus Tschaikowskis Violinkonzert in D Moll, op. 35 strahlt vor lebendig-flirrender Energie und warm emailliertem Glanz zugleich. Die MFE-Kombi zeichnet selbst minimalste Farbschattierungen der Intonation nach.

Anschlussfeld der MFE Tube One SE

Zusammengefasst kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass die MFE Tube One SE und TA 120 SE in Sachen Klarheit, Detailreichtum und Farbigkeit im Mittelton eine großartige Performance abliefern. Sie übertreffen das, was ich diesbezüglich von meiner Norma-Kombi kenne, deutlich und übertrumpfen sogar meine bisherige Test-Referenz, die Balanced Audio Technology-Röhren VK-53SE (15.200 Euro) und VK-76SE (14.200 Euro), in dieser Disziplin.

Schneidig und fein

Die Kombi aus MFE Tube One SE und TA 120 SE folgt ganz der Prämisse, musikalisch relevante Details naturgetreu zu reproduzieren, ohne sie auf ungebührliche Art zu betonen. Sie spielen in den oberen Oktaven tendenziell feinseidig und im besten Sinne unaufdringlich. Doch Hochton-Energie kann bei Bedarf durchaus vermittelt werden – dieses ungemein schneidige und bis in den unteren Hochton strahlende Saxophon in „Shine on You Crazy Diamond“ (live) oder die funkelnde Brillanz der Schlagwerkbleche in Camille Saint-Saens‘ „Danse Macabre“ vom Album Mephisto & Co beweisen es. Dass dabei die allerhöchste Feinauflösung im Vergleich zu den Top-Linnenbergs Georg Philipp Telemann (mit DAC, 18.700 Euro) und der Endstufe Linnenberg Widor (16.000 Euro) außen vor bleibt, kann man als „typisch Röhre“ bezeichnen.

Endröhren der MFE-Endstufe TA 120 SE

Rambazamba!

tash sultana terra firmaAls weniger tonal denn auf kohärentes Timing fokussierter Hörer lege ich besonderen Wert auf eine überzeugende Impulswiedergabe. Und gerade da liefern die MFE Tube One SE und TA 120 SE neben ihrer überragenden Mittenwiedergabe den zweiten echten Knaller ab. Die kurzen Impulse im Mittelton und Präsenzbereich des Pianos in „Moon River“ von Jacintha und die Transienten der Akustikgitarre in „Wish You Were Here“ (Live at Knebworth 1990), das Fingerschnippen in Tash Sultanas „Musk“ (Album: Terra Firma; auf Amazon anhören) explodieren geradezu und besitzen einen physisch spürbaren Projektil-Charakter. Krass. Selbst der ultraschnelle Technics SU-R1000 (7.500 Euro) kriegt dieses Kunststück nicht ganz so gut hin, verleiht den zackigen Impulsen nicht diesen natürlichen Körper, bleibt ätherischer.

Wenn es allerdings um die feindynamischen Schattierungen im weiteren Verlauf eines Tons (Sustain/Decay-Phase) geht, dann können teurere Kombis wie die genannte Balanced Audio Technology oder der Linnenberg Georg Philipp Telemann mit der Widor selbst auf diesem hohen Niveau doch noch die ein oder andere Granulierungsnuance mehr aus dem Pianospiel von Chilly Gonzalez auf Room 29 herausarbeiten.

Aller guten Dinge sind drei

Geradezu herausragend hingegen präsentieren sich die grobdynamischen Fähigkeiten der MFE-Kombi. Meine Herren! Was die beiden Röhren-Amps sogar an diesbezüglich nicht übermäßig talentierten Lautsprechern liefern, ist schon verdammt beeindruckend – nicht nur im bereits erwähnten Dampfhammer-Bass. Die initialen Töne von Antonín Dvořáks Dumky-Trio in der Aufnahme mit Barnabás Kelemen, Violine und Nicolas Altstaedt, Violoncello (Label: Alpha), treffen den unvorbereiteten Hörer mit voller Schlagkraft auch im Mittel-Hochton. Richtig Spaß macht das dank der Leistungsreserven der MFE TA 120 SE bei gehobenen Pegeln, doch sogar bei niedrigen Abhörlautstärken reichen die MFE-Verstärker große Amplitudensprünge unlimitiert und musikalisch faszinierend durch.

Endstufe MFE TA 120 SE mit schwarzer Front

Was ist was?

Ganz einfach und kurz gesagt: Die Vorstufe MFE Tube One SE ist für Transienten-Speed und -Attacke, die klaren, bestens artikulierten Mitten und die unprätentiös-detaillierte Auflösung verantwortlich. Die Endstufe MFE TA 120 SE reicht diese Eigenschaften weitgehend unbeeinträchtigt durch, addiert mächtig Druck und grobdynamischen Slam, weitet den Raum nochmals und dreht so den Spaßfaktor hoch – weicht aber gleichzeitig die Umrissschärfe bei der Stimm- und Instrumenten-Projektion ein wenig auf. Dabei liefert sie auch Lautsprechern mehr als genug Saft, um sie außerordentlich schwungvoll zum Leben zu erwecken.

Vorstufe MFE Tube One SE

Noch ein Wort zur integrierten Phonostufe, die ich im MC-Modus mit meinem MC-System Transrotor Figaro (2.500 Euro) getestet habe: Im Vergleich zur Linnenberg Bizet (5.999 Euro) hält sich die integrierte MFE-Lösung in Sachen Auflösung und Feindynamik ein wenig zurück, begibt sich ansonsten aber auf denselben farbstarken, räumlich weiten und dynamischen Klangpfad der Line-level-Eingänge. Ein Vergleich zur ASR Mini Basis liegt nahe – charakterlich wie auch in Sachen Über-Alles-Qualität.

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Pro-Ject Debut Pro

Test: MFE Tube One SE & MFE TA 120 SE | Vor-End-Kombi

  1. 1 Volle Röhre voraus!
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