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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Heiße Teile
  2. 2 Klangeindruck und Hörvergleiche: BAT Vor/End-Kombi

Da staunen die Nachbarn nicht schlecht, als der Schenker-Lastwagen die beiden knallroten Flightcases im Hinterhof des Berliner Apartmenthauses ablädt. Noch mehr Stirnrunzeln folgt, als sich kaum 30 Minuten später die nächste Fuhre mit meinen frisch vom Upgrade zur SE-Version zurückgekehrten Lansche Audio No.3.1 dazugesellt. Als dann zwei kräftig gebaute Herren antreten, um diese beiden Palettenladungen in den vierten Stock zu tragen, kann sich der ältere Herr aus dem ersten Stock nicht mehr zurückhalten: „Wat isn dit? Lautsprecher und Verstärker? Und dit kannste nüscht selba tragen?“ Nein, kann ich nicht – was zum einen daran liegt, dass selbst das leichteste der vier Pakete an der 40-Kilo-Marke kratzt und „etwas“ unhandlich zu tragen ist. Und zum anderen daran, dass meine Lendenwirbelsäule sich seit einiger Zeit eindeutig über zu viel sitzende Tätigkeit und zu wenig Bewegung beschwert: Ein Hexenschuss plagt nicht nur mich, sondern in letzter Konsequenz auch die beiden „tragenden Rollen“ dieser nachbarschaftliches Interesse weckenden Aufführung. Wenigstens werden die für ihre Mühen entlohnt. „Aber nüscht so’n Lärm machen mit dene Dingern, wa?“ Äh, ich versuch’s, Herr Nachbar.

Mit empfohlenen Verkaufspreisen von 14.200 Euro für die Endstufe Balanced Audio Technology VK-76SE und 15.200 Euro für die Vorstufe Balanced Audio Technology VK-53SE stehen nun ziemlich teure Geräte auf meinem Regal – und ganz schön schwere: Selbst ohne Verpackungen bringt die Endstufe satte 41 kg auf die Waage, die Vorstufe lässt es mit etwas über 20 kg gut sein (Vertrieb Deutschland: CM Audio; Österreich: nem-austria.at; Testpaket bestellen).

Röhrenvorstufe BAT VK-53SE

Röhrenvorstufe BAT VK-53SE

Aufstellung

Dass ich die Endstufe nicht auf den Boden oder in ein anderes Fach des Racks stelle, hat handfeste physikalische Gründe: Mit einer Tiefe von 61 cm passt das Teil einfach nicht in die Fächer, in denen sich die Norma Audio PA-160MR-Monos und der Tsakiridis Super Athena Netzfilter eingefunden haben. Und neben oder vor dem Rack ist schlicht kein Platz beziehungsweise sind die Lautsprecherkabel zum weiter entfernten Schallwandler zu kurz, stünde der Röhren-Trumm auf einer Seite des Regals. Erster Rat an Interessenten für diese Endstufe ist also: Stellen Sie sicher, dass Sie den nötigen tragfähigen Platz haben und die 41 Kilogramm auch so aufstellen können, dass die Kabel zu Ihren Geräten lang genug sind.

Röhrenendstufe BAT VK-76SE

Röhrenendstufe BAT VK-76SE

Und so, dass man die BAT VK-76SE auch sieht, denn es wäre allzu schade, wenn diese wunderschöne und bombensicher verarbeitete Röhrenendstufe ein Schattendasein fristen müsste. Allein die Armada der Röhren auf der Oberseite ist bewundernswert, und das aufgeräumte Layout der drei Trafos mit ihren schwarzen Abdeckungen auf der Rückseite wirkt harmonisch und stimmig. Weitere Anzeigen oder Einstellmöglichkeiten finden sich übrigens nicht. Die BAT VK-76SE besitzt eine Autobias-Ruhestromeinstellung, es gilt daher: Aufstellen, Röhren rein, anschließen, anmachen (der Hauptschalter befindet sich auf der Rückseite, auch dies ein Grund, die Endstufe möglichst frei aufzustellen) – und hören.

Röhrensammlung

Fällt der Einsatz von Vakuumgläsern in der Vorstufe Balanced Audio Technology VL-53SE mit acht Exemplaren der Doppeltriode „Supertube“ 6H30 (mehr Infos dazu im Test des Balanced Audio Technology-Vollverstärkers VK-3000SE) aus russischer Sovtek-Produktion schon recht üppig aus, so fährt die Endstufe BAT VK-76SE mit gleich drei verschiedenen Röhrentypen ein ganz anderes Besteck auf. Pro Kanal stehen hier zwei der erwähnten Sovtek 6H30, drei Doppeltrioden 6SN7 und zwei Doppeltrioden 6C33C-B auf dem Verstärker. Der „Urvater“ der 6C33C-B, die 6C33C-C (auch liebevoll „Warzenschwein“ genannt), wurde glaubwürdigen Berichten zufolge erstmals im Jahre 1976 vom amerikanischen Militär in der MIG eines übergelaufenen Piloten des russischen Militärs entdeckt.

BAT VK76SE

Allein auf der BAT VK-76SE versammeln sich 14 Röhren

Die 6C33-C ist nicht nur EMP-fest (was für unsere Zwecke vielleicht nicht so wirklich ausschlaggebend ist, aber den Ruf der MIG als atomschlagsicheren Kampfjet begründet hat), sondern liefert bei deutlich geringerer Betriebsspannung als 845- oder 6336A-Trioden sie verlangen, sehr hohe Leistungen – bei der maximalen Spannung von 450 Volt gar bis zu 60 Watt. Da die Balanced Audio Technology VK-76SE quasi aus zwei Single-Ended-Verstärkern pro Kanal besteht (sie arbeitet vollsymmetrisch), schaffen es die Amis, ganze 75 Watt pro Kanal aus dem Amp zu kitzeln (dank entsprechender Wicklungsabgriffe am Ausgangstrafo gleichbleibend an jeweils 4 und 8 Ohm). Den vollsymmetrischen Aufbau zieht die BAT VK-76SE übrigens, genauso wie ihr Vorstufen-Pendant, kompromisslos durch: Cinch-Ein- oder Ausgänge sucht man vergebens.

Breitbandig

Die BAT VK-76SE besitzt einen Ausgangstrafo, der laut Hersteller extrem breitbandig arbeitet, nämlich von 7 bis 200.000 Hertz. Dank des vollsymmetrischen Aufbaus reduzierten sich zudem die sonst üblichen, trafoinduzierten Verzerrungen im tieffrequenten Bereich. Balanced Audio Technology spricht angesichts der vollständig symmetrischen Topologie und der komplett aus Trioden bestehende Verstärkungskette selbstbewusst davon, dass man mit diesem Ansatz alle Nachteile von Single-Ended- und Push-Pull-Verstärkern eliminiert habe. Steve Shade von BAT dazu: „Die VK-76SE ist vollständig symmetrisch, einschließlich der Ausgangsstufe. Dieses „Floating-Bridge“-Konzept – wir nennen es Circlotron – das wir in unseren Röhrenendstufen REX II und VK-76SE (und auch VK-655SE und VK-255SE) verwenden, ist einzigartig. Es enthält pro Kanal zwei Single-Ended-Verstärker, für beide Kanäle also insgesamt vier.“ Und dank der automatischen Bias-Einstellung klinge die BAT VK-76SE auch schon von den ersten Minuten an „auf den Punkt“. Einen Standby-Schalter gibt es übrigens nicht, schon im Leerlauf beträgt die Leistungsaufnahme laut Hersteller 500 VA. Meine Tsakiridis Super Athena misst da etwas gnädiger und gibt um 400 VA an, sobald die Endstufe läuft.

Blick auf die noch unbestückten Röhrensockel der BAT VK-76SE

Blick auf die noch unbestückten Röhrensockel der Endstufe BAT VK-76SE

Übrigens: Wem die Zweitfunktion der BAT VK-76SE als Heizung im Winter noch nicht genügt (die 6C33C-B werden bis zu 250 Grad heiß), oder wer sich’s aus Prinzip gerne so richtig ordentlich gibt, dem steht die Brücken-Funktion der Endstufe zur Verfügung. Mit zwei BAT VK-76SE im Monobetrieb stehen dann je satte 150 Röhrenwatt an den Abgriffen der Amps bereit.

Understated

Wie schon im Bericht zum Vollverstärker BAT VK-3000SE angedeutet, empfinde ich das Design der zwillingsähnlichen Vorstufe Balanced Audio Design VK-53SE als, sagen wir mal, sehr understated. Doch Geschmack ist nun mal nichts, worüber man streiten kann, und so konzentrieren wir uns lieber auf die Details des Innenlebens dieser 15.200-Euro-Vorstufe, die gleichzeitig das Topmodell der Single-Box-Vorverstärker von Balanced Audio Technology ist. Darüber thront nur noch die Balanced Audio Technology REX II, die eine zweite Einheit namens „Control Module“ mitbringt. Die ist im Design der Solid-State-Endstufen des Herstellers gehalten und stellt ein Nieder-Impedanz-Netzteil mit zehn Röhren und zwei großen Ringkerntrafos in Dual-Mono-Konfiguration dar. Der Clou für Besitzer der BAT VK-53SE und solche, die es werden wollen: Mit dem Control Module lässt sich die VK-53SE unkompliziert zur REX II aufrüsten.

Wie die BAT VK-76SE ist auch die Vorstufe allein über symmetrische Buchsen und entsprechende Stecker zugänglich. Immerhin kann der stolze Besitzer einer VK-53SE bis zu fünf Quellgeräte symmetrisch anschließen, und auf der Ausgangsseite stehen ihm zwei Paare geregelter Ausgänge und ein fixes Ausgangspaar, zum Beispiel zum Anschluss eines Tape-Recorders oder eines Kopfhörerverstärkers, zur Verfügung. Wer eine unsymmetrische Quelle anschließen möchte, muss sich mit einem Adapter behelfen – das ist aber eine Notlösung, da diese beiden BAT-Geräte ein unsymmetrisches Eingangssignal nicht „echt“ symmetrieren (und sich das auch klanglich auswirkt, siehe weiter unten). Balanced Audio Technology bietet allerdings eine eigene Adaptervariante an, die gegenüber der echt symmetrischen Verbindung kaum Nachteile haben soll.

BAT VK-53SE: Durchgängig symmetrisch, auch beim Anschlussfeld auf der Rückseite

BAT VK-53SE: Durchgängig symmetrisch, auch beim Anschlussfeld auf der Rückseite

Die BAT VK-53SE verfügt über eine gegenkopplungsfreie, einstufige Verstärkertopologie sowie Ausgangstransformatoren, die die sonst üblichen sogenannten Six-Pak-Ausgangskondensatoren des Herstellers ersetzen. Jeder Trafo ist in einem Mu-Metall-Schild gekapselt, was laut BAT höchste Signalreinheit und Rauschisolierung gewährleistet und die Fähigkeit des VK-53SE, niederohmige Lasten anzutreiben, erheblich verbessern soll. Die Vorstufe bietet zudem ausreichend Möglichkeiten zum Ausleben des hifidelen Spieltriebs. So lässt sich zum Beispiel die absolute Phase für jeden Eingang separat einstellen, die Lautstärken der verschiedenen Eingänge lassen sich einander angleichen, und natürlich kann man die Eingänge nach Wahl benennen.

Eine Eigenwilligkeit, die mir bereits mit dem BAT-Vollverstärker VK-3000SE aufgefallen war, ist, dass die Lautstärkeregelung selbst in der niedrigsten Einstellung vor dem kompletten Muting noch knapp Zimmerlautstärke produziert – unabhängig vom verwendeten Eingang und auch nicht über die Eingangseinstellmöglichkeiten veränderbar.

Klangeindruck und Hörvergleiche: BAT Vor/End-Kombi

Und los geht's: Die Balanced Audio Technology Vor/End-Kombi im Hörraum

Und los geht’s: Die Balanced Audio Technology Vor/End-Kombi im Hörraum

Vorstufe Balanced Audio Technology VK-53SE

Wie dem auch sei, im ersten Hördurchgang dürfen sich meine Norma-Audio-Monos Revo PA-160 MR (in Silber um 14.000 Euro/Paar) über die Signale aus der Balanced Audio Technology VK-53SE freuen. Und leise hören steht sowieso erst mal nicht auf dem Plan – Genuss bei jeder Lautstärke dafür umso mehr.

Eine erste Begutachtung der Über-Alles-Klangqualität bei symmetrischer beziehungsweise unsymmetrischer Verkabelung ergibt, dass der symmetrische Weg deutliche Vorteile verbuchen kann: Symmetrisch verbunden klingt’s einfach direkter, offener, druckvoller und vor allem mit sehr viel breiterer Bühne, die dazu auch noch deutlich besser die räumliche Trennung von Instrumenten offenbart. Das heißt allerdings nicht, dass der unsymmetrische Weg schlecht wäre: Interessanterweise klingt es mit meinem Plattenspieler J. Sikora Initial mit dem ZYX Fuji R-100 via Neukomm MCA112S-Phonostufe nämlich selbst unsymmetrisch über XLR-Adapter an die BAT-Vorstufe angeschlossen natürlicher und detaillierter als ich es sonst gewohnt bin.

Blick in die BAT VK-53SE

Blick in die BAT VK-53SE

Die zweite Beobachtung ist eher eine charakterliche denn qualitative und bereitet den Boden für die grundsätzlich eher direkte als vornehm zurückhaltende Gangart der BAT VK-53SE: Das Klangbild macht im Vergleich zu fast allen anderen Verstärkern, die ich in dieser Kette gehört habe, einen kleinen Schritt zum Hörer hin – die (fast dreimal günstigere) Vorstufe Norma Audio SC-2 wirkt etwas distanzierter, bildet die Bühne als Ganzes etwas weiter hinten im Raum ab, ohne dabei jedoch die Ausdehnung in der Tiefendimension zu vergrößern. Recht signifikant ist das Wachstum der Bühne mit der BAT VK-53SE in der Links/Rechts-Ausdehnung sowie in der Höhe. Egal, welche Platte ich auflege, mir scheint der akustische Breitbild-Fernseher durch einen Projektor ersetzt worden zu sein. Das hat auch Konsequenzen für die dreidimensionale Darstellung von Schallereignissen und die Luft zwischen diesen. So klar abgegrenzt habe ich in meiner Kette noch nie die Musiker auf Jazz at the Pawnshop gehört, so deutlich ist die Stimme von Jacintha in „Danny Boy“ (Album: Here’s to Ben) noch nie im Spotlight angestrahlt worden, und so klar konnten sich die Musiker der Band auch noch nie voneinander absetzen.

Start the Resolution!

Nicolas JaarUnd um gleich bei dieser Analogie zu bleiben: Im Vergleich zum Full-HD-Bild, das die Norma-Vorstufe produziert, steuert die Balanced Audio Technology VK-53SE definitiv in Richtung 4 K. Den brandenden Wellen zu Beginn von Nicolas Jaars „Space Is Only Noise“ (auf Amazon hören) kann ich vor meinem inneren Auge beim Zerbrechen auf dem Strand zusehen, und die elektronisch erzeugten Klick-Geräusche im weiteren Verlauf sind so fein granuliert, dass ich es kaum fassen kann. Auch auf Patricia Barbers Companion deutet schon die mit dem Besen gespielte Snaredrum an, dass die Auflösung und Differenzierung der BAT VK-53SE gegenüber der Norma Audio SC-2 qualitativ mehr als eine Liga nach oben springt. Die einzelnen „Borsten“ des Schlagzeugbesens treten wesentlich besser differenziert aus dem Mix heraus, und das kurz darauf einsetzende Tamburin klingelt als Ganzes ebenso transparent, wie seine einzelnen Schellen individuell herausgeschält werden. 

Hossa!

pat-barber/CompagnonWir sind wieder im ersten Track von Companion, „The Beat Goes On“. Und mein Mund steht ein bisschen offen, denn nun setzt die Hammondorgel ein, und das mit einer solchen Klarheit und sprunghaft anschwellenden Vehemenz, dass ich tatsächlich kurz laut lachen muss – diese ansatz- und schwerelose Dynamik in Verbindung mit der tonalen Offenheit ist eine Offenbarung in einer Kette, deren Fähigkeiten ich bisher bestens zu kennen geglaubt hatte. Und wie viel mehr in diesen Bereichen noch geht! Plötzlich klirrt irgendwo ganz hinten ein Kaffeegedeck, schnarren die Saiten des Kontrabasses über das Griffbrett an Stellen, an denen mir das zuvor nie aufgefallen ist – und dann diese unmittelbare Attacke: Egal ob akustische oder elektronisch erzeugte Bassdrum, Bongos, Snaredrum, fallende Tischtennisbälle oder die Anschläge der Klöppel auf den Saiten des Pianos, irgendjemand muss meiner Kette Dopamin, Adrenalin oder andere aufputschende Substanzen verabreicht haben, so livehaftig (fünf Euro ins Phrasenschwein), energiereich und schnell schießen die Impulse aus den Lansche-Boxen. Und immer wieder diese exakte Trennung von Schallereignissen, die faszinierende tonale Offenheit und der weitläufige Raum, in dem dies alles stattfindet – super.

Die acht sogenannten „Super Tubes“ 6H30 in der BAT VK-53SE

Die acht sogenannten „Super Tubes“ 6H30 in der BAT VK-53SE

Tonale Kriterien geraten ein wenig zur Nebensächlichkeit angesichts dieser involvierenden, auf den Punkt gebrachten Dynamik und der voyeuristischen und doch unaufdringlichen Analytik. Klar, die Balanced Audio Technology VK-53SE spielt tonal mustergültig neutral, im Tiefbass fest und mega-kontrolliert bis in den allertiefsten Keller, den die Lansches noch ausloten können. Den Tiefstbass in „Colomb“ von Nicolas Jaar kontrolliert und definiert die BAT VK-53SE fulminant und separiert ihn klar von anderen Bassinformationen – da sage noch mal jemand, Exzellenz in dieser Disziplin hinge ausschließlich von Endstufe und Lautsprechern ab. Und auch nach oben hin spielt meine Kette mit der VK-53SE mit einer noch weniger erahnbaren Begrenzung des Frequenzgangs. Die Norma Audio SC-2 wirkt dagegen bei aller seidigen, fein texturierten Performance fast schon leicht belegt und im Hochton zurückgenommen, kann auch nicht die Transparenz der BAT im Mittelton aufbieten und bleibt in Sachen Dynamik und Speed einfach ein wenig zurück. Scusi, Signore Rossi!

Endstufe Balanced Audio Technology VK-76SE

Ein wenig kann ich Herrn Rossi von Norma Audio allerdings versöhnen – so hoffe ich. Denn seine Monos PA160-MR sind in der Lage, den Performance-Vorsprung der BAT VK-53SE so deutlich zu transportieren, dass ich zuversichtlich bin, in ihnen einen „gefährlicheren Gegner“ für die preisgleiche Balanced Audio Technology VK-76SE Endstufe aufbieten zu können, als es die um ein Vielfaches günstigere Norma SC-2 für die Röhrenvorstufe aus Delaware ist. Und dieser Gedanke bewahrheitet sich in der Tat, denn die Veränderungen zwischen beiden spielen sich vor allem im charakterlichen Bereich ab, sind nichtsdestotrotz signifikant und machen am Ende einen kleinen, aber feinen Unterschied.

Blick in die BAT VK-76SE

Blick in die BAT VK-76SE

Echte Leuchte

Der Hochton legt mit der Balanced Audio Technology VK-76SE in seiner Ausdehnung nicht mehr wahrnehmbar zu, was ich nach der tollen Darbietung von BAT VK-53SE und Norma-Monos auch nicht wirklich erwartet hatte. Allerdings unterscheiden sich BAT und Norma subtil in der Art ihrer Präsentation – und zwar anders als Sie es wahrscheinlich erwarten würden: Die italienischen Monos trumpfen mit ihrer feinseidigen, eher golden denn silbrig wirkenden mikroskopisch feinen Granulierung von Becken und anderem Metallschlagwerk auf, während die amerikanische Röhrenendstufe einen etwas weniger duftig-romantischen Ansatz besitzt, ja, sogar einen Tick strahlender wirkt – mir fällt da als Schwester im Geiste die große SA Reference-Endstufe von Plinius aus Neuseeland ein (um 18.500 Euro).

BAT-VK-76SE

Das wirkt sich allerdings nicht auf die analytischen Fähigkeiten im Hochton aus, wie der Quercheck zum gerade gehörten Album von Nicolas Jaar und Patricia Barber bestätigt – hier gelingt der BAT VK-76SE bei Wellenrauschen, Schlagzeugbeckensirren und Besenarbeit auf dem Fell der Snaredrum höchstens ein Patt zu den Norma-Monos. Auch wenn ich gestehen muss, dass die Extraportion Funkeln der Balanced Audio Technology VK-76SE mir an den Lansche Audio 3.1 mit ihren sanften und verzerrungsfreien Plasma-Tweetern einen Hauch besser gefällt. Und feindynamisch (klackende Tischtennisbälle und Frickel-Knackserei auf „Space Is Only Noise“) sehe ich die Röhrenendstufe aus den USA auch um eine halbe Nasenlänge vorn, was aber auch durchaus am minimal schlankeren tonalen Charakter der Röhre liegen mag, mit dem die BAT VK-76SE auch einen knappen Punktsieg bei der tonalen Neutralität gegenüber den ganz leicht warm abgestimmten Normas einfährt.

Die BAT VK-76SE bietet unterschiedliche Abgriffe je nach Nominalimpedanz des zu betreibenden Lautsprechers

Die BAT VK-76SE bietet unterschiedliche Abgriffe je nach Nominalimpedanz des zu betreibenden Lautsprechers

Wumms!

Speed und Feindynamik bringen beide mit, doch es bewahrheitet sich hier zumindest eine Binsenweisheit (oder sagen wir, ein Vorurteil): Wenn es um hohe und höchste Lautstärken geht und darum, Dynamik im Grenzbereich sowie den allertiefsten Bass bestmöglich kontrolliert und knackig nachzubilden (wieder mal in „Colomb“ von Nicolas Jaar, aber auch die spärlich eingesetzte, superfette Bassdrum auf dem neuen Willie-Nelson-Album My Way), macht die BAT VK-76SE den transistorbewehrten Norma-Monos nichts vor. Die Amerikanerin ist allerdings auch weit davon entfernt, sich im Bass in irgendeiner Art und Weise lumpen zu lassen – wir sprechen hier von einem insgesamt extrem hohen Niveau. Statt des Drucks und Schubs der Normas verführt sie mit agiler Schnelligkeit und eleganter Gewandtheit im Tiefton, die das Spiel der Instrumentalisten sehr gut nachvollziehbar macht. Diese flüssige Eleganz wird unterstützt von einer Transparenz, die sich vom (Ober-)Bass über den gesamten Frequenzbereich erstreckt und insbesondere im Grund- und Mittelton zu ganz neuen Einblicken ins Geschehen und Erkenntnissen zum musikalischen Sinnzusammenhang führen kann.

Trentemoeller/The Last ResortAm ehesten erinnert mich die Klarheit der BAT an die großen Stereoendstufen von Moon Audio (zum Beispiel die Evo 870A, um 18.000 Euro), derer ich mich ebenfalls vor allem wegen ihrer Transparenz erinnere. Auch elektronische Finessen wie auf Trentemøllers „Take Me Into Your Skin“ vom Album The Last Resort (auf Amazon hören) entwirrt die amerikanische Röhre etwas überzeugender als die fast schon zu übermütig schiebenden Normas, die wiederum unter 35 Hz aufmerksamer kontrollieren, dass die Bassmembranen der Lansches bei nachbarschaftsstörenden Lautstärken nicht ins Taumeln geraten.

Aufgeräumt

Auch wenn die virtuelle Bühne mit dem amerikanischen Endverstärker nicht nochmals größer wird als mit den Normas, tut sich noch ein klitzekleines bisschen was bei der Abbildungsgenauigkeit und lokalen Präferenz des Klangbildes. Letzteres bedeutet übersetzt, dass die BAT VK-76SE (wie ihre Vorstufenschwester) das gesamte Klangbild ein ganz, ganz kleines bisschen von der Lautsprecherebene aus in Richtung Zuhörer schiebt und so ein wenig direkter und in Kombination mit ihren anderen Eigenschaften recht anspringend wirkt. Parallel zur minimalen Steigerung der feindynamischen Differenzierung und der nicht ganz so kleinen Verbesserung in Sachen Grund- und Mitteltontransparenz vermag die Balanced Audio Technology es dann schlussendlich auch, Instrumente noch plastischer und freier darzustellen, als ich es in meiner Kette gewöhnt bin – und das will was heißen.

Test: Balanced Audio Technology BAT VK-53SE & BAT VK-76SE | Vor-End-Kombi

  1. 1 Heiße Teile
  2. 2 Klangeindruck und Hörvergleiche: BAT Vor/End-Kombi
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