Demnächst im Test:

Joachim Gerhard Collection Nano Beyerdynamic Blue Byrd 2 Beyerdynamic Blue Byrd 2 Wattson Emerson Digital Wattson Emerson Digital Riviera Levante Riviera Levante
Billboard
Cambridge Audio Evo

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Neue Klassik
  2. 2  Linnenberg J.S. Bach & G.P. Telemann: Klangtest und Vergleiche

Zwei der renommiertesten Komponisten des deutschen Barock waren gerade bei mir zu Gast. Und zwar als ideelle Reinkarnation in den Gestalten des Phonovorverstärkers Johann Sebastian Bach (12.900 Euro) und seines DAC/Vorverstärker-Kollegen Georg Philipp Telemann (17.800 Euro), erschaffen von der nordrheinwestfälischen Manufaktur Linnenberg Audio (Vertrieb: https://www.lenhifi.de). Beide sind jedoch nicht nur eine Hommage. Sie sollen Musik (nicht nur die ihrer Namensvettern) perfekt übertragen. Wir überprüfen, wie gut das den beiden brandaktuellen Neulingen gelingt.

Das Programm von Linnenberg ist recht übersichtlich. In der kleineren Linie finden wir die französischen Romantiker Bizet (Georges, MC-Phonovorverstärker, 5.999 Euro), Satie (Erik, Pre-DAC, 9.450 Euro) und Widor (Charles-Marie, Stereo-Leistungsverstärker, 16.000 Euro). Die Reihe der deutschen Barockkomponisten in der neu aufgelegten, größeren der beiden Linien wird demnächst die Mono-Endstufe Georg Friedrich Händel (Zielpreis laut Vertrieb ist etwa 22.000 – 23.000 Euro fürs Pärchen) vervollständigen. Da diese aber noch ein wenig auf sich warten lässt, nehmen wir vorab die beiden Quellgeräte gesondert unter die Lupe – welche sich ja ebenfalls auch in Kombination betreiben lassen.

Im Betrieb: Linnenberg J. S. Bach und Linnenberg G. P. Telemann: Phonovorverstärker und DAC/Vorverstärker

Im Betrieb: Der DAC/Vorverstärker Linnenberg G. P. Telemann und Phonovorverstärker Linnenberg J. S. Bach sind eigenständige Geräte, ergänzen sich aber auch gut

Wer angesichts der deutlich gehobenen Preisliga ausladende Maße und rückenschädigende Gewichte erwartet, sieht sich beim Erstkontakt mit den Top-Linnenbergs eines Besseren belehrt. Denn ebenso geradlinig wie das Produktportfolio von Linnenberg Audio gibt sich das schlichte Äußere der relativ kompakten Produkte aus Schwerte. Verzierungen oder reine Designelemente sucht man vergebens, alles an den beiden neuen Babys von Chef und Entwickler Ivo Linnenberg sagt in sachlichem Duktus: Wir sind auf bestmögliche Performance bei maximaler (Raum-) Effizienz getrimmt.

Mehr Sein als Schein

Telefonate mit Entwicklern können manchmal langatmig sein – das Gegenteil ist der Fall, wenn man Ivo Linnenberg an der Strippe hat. Der Mann l(i)ebt seine Produkte. Bevor ich zu den Features der beiden Geräte im Einzelnen komme, möchte ich – soweit möglich – die gewonnenen Einblicke zu den grundsätzlichen Prinzipien vergegenwärtigen, die Firmeninhaber und Entwickler Ivo Linnenberg antreiben. Und die diesen kompakten und schlichten, wenn auch höchstwertig verarbeiteten Geräten unter anderem ihre nicht ganz unerheblichen Preisschilder verdanken.

Vollsymmetrische Schaltungen und Doppel-Mono-Aufbau

Klar, viele Hersteller sprechen bei ihren Geräten von Symmetrie. Doch viele „symmetrische“ Geräte konvertieren das einkommende Signal an irgendeinem Punkt, um es intern unsymmetrisch und somit mit weniger Bauteilen zu verarbeiten, und symmetrieren es wieder. Dann liegen gleich zwei zusätzliche Verarbeitungsstufen im Signalweg. „Wegen dieses Hin und Hers ist die Symmetrie in Verruf gekommen, da bei solchen Geräten die unsymmetrischen Ein- und Ausgänge oft besser klingen“, sagt Ivo Linnenberg und fügt hinzu: „Wenn es aber keine Konvertierung gibt, dann gibt es auch kein Problem – und das ist auch die Auflösung für eines der größeren Missverständnisse in der Hifi-Welt: nämlich, dass Symmetrie in Home-Audio-Komponenten nichts tauge oder unnötig sei.“

Die Rückseite mit Anschlüssen des Linnenberg G. P. Telemann DAC/Vorverstärkers

Der DAC/Vorverstärker Linnenberg G. P. Telemann weist neben Cinch-Buchsen symmetrische XLR-Schnittstellen auf und ist tatsächlich auch streng vollsymmetrisch konzipiert. Digital werden ebenfalls Cinch und XLR sowie Toslink und USB-B geboten

Er baut daher sowohl den Phonovorverstärker Johann Sebastian Bach als auch DAC/Vorverstärker Georg Philipp Telemann vom Eingang bis zum Ausgang elektrisch strikt vollsymmetrisch auf, so dass alle für die Signalverarbeitung nötigen Komponenten doppelt – für das invertierte und das nicht invertierte Signal – vorhanden sind. Den nötigen Signalsubtraktionsprozess übernimmt ein symmetrischer Differenzverstärker. Wir sprechen hier also von einer vierzügigen Signalverarbeitung.

Ivo Linnenberg geht noch einen Schritt weiter und ordnet sogar die Leiterbahnen (auch die digitalen) auf den Platinen des DAC/Vorverstärkers und der Phonovorstufe so an, dass die Vorteile der echten Symmetrie auch wirklich zur Geltung kommen: „Die Leiterbahnführung soll den invertierten und den nichtinvertierten Leiter so nah wie möglich zueinander anordnen. Wir wollen ja, dass Störungen von außen beide Leiter gleichermaßen ‚erwischen‘, damit sie später eliminiert werden können. Daraus ergibt sich häufig eine geometrisch symmetrische Leiteranordnung.“ Nur diese echte Symmetrie beseitige externe und interne Störungen (wenn sie beiden Signalleitungen gemeinsam sind) maximal gründlich. Zudem befinde sich die Schaltungsmasse nicht mehr im Signalpfad – dies sei sehr wichtig, da die Erdungsverbindung alle Arten von Strömen führe, die das Audiosignal stören könnten. Und je mehr Geräte durchgehend symmetrisch zusammenarbeiteten, desto deutlicher seien die Vorteile, so Ivo Linnenberg.

Mehrstöckige Platinen im Linnenberg G. P. Telemann DAC/Vorverstärker

In Sachen Platinen geht es sowohl beim DAC/Vorverstärker (Bild) als auch Phonovorverstärker mehrstöckig zu – mit auf den einzelnen Ebenen nah beieinanderliegender, geometrisch symmetrischer Leiterbahnführung

Auch scheinbar unsymmetrische Komponenten wie die RCA-Eingänge der Phonostufe stören die symmetrische Harmonie nicht. Denn hier machen Linnenberg-Geräte die Masseleitung des Cinchkabels zum gegenphasigen Signalleiter – das Cinchkabel ist also quasi nur die symmetrische Verlängerung des symmetrischen Tonabnehmerausgangs in die vollsymmetrische Eingangsstufe von Linnenberg. Dank der vollsymmetrischen Struktur des Eingangs „sieht“ der Tonabnehmer also auch am RCA-Eingang nur den gewählten Abschlusswiderstand – und sonst nichts.

Auch in Sachen Doppelmono-Aufbau gibt sich Ivo Linnenberg konsequent. In der Phonostufe Johann Sebastian Bach zum Beispiel resultiert dies in kaum noch messbarem Übersprechen zwischen den Kanälen: Das Störsignal des Nachbarkanals liegt weit unterhalb des Grundrauschens. Bei einem Eingangssignal von 1 Millivolt und mit 70 Dezibel Verstärkung ergebe sich somit in beide Richtungen eine Übersprechdämpfung von mehr als 75 Dezibel.

Linnenberg Platinen

Bauteile: hochwertig und diskret

Ivo Linnenberg setzte schon in der kleineren Baureihe auf hohe Qualität der diskreten Bauteile, doch in seinen State-of-the-art-Komponenten geht er wirklich ans Limit: Zum Beispiel kämen in beiden Geräten nicht nur tatsächlich ausschließlich diskrete Bauteile zum Einsatz, in der Phonostufe verantworten gar sogenannte bistabile, vergoldete Relais die gesamte Signalumschaltung. Bei diesem Relaistyp bleibt der Anker in der jeweiligen Schaltposition, ohne dass eine Spannungszufuhr benötigt wird, die normalerweise das Magnetfeld erzeugt, das für die Aufrechterhaltung des Schaltzustands notwendig ist. So fielen die negativen Einflüsse des Steuerkreises auf das Signal weg, sagt Ivo Linnenberg.

In der Eingangsstufe der Johann Sebastian Bach kommen parallel geschaltete Doppel-JFets zum Einsatz. Sie sollen das Eingangsrauschen reduzieren, denn sie belasten laut Ivo Linnenberg die Signalquelle nicht. Zudem könnten Gleichströme weder in den Phonoeingang hinein noch hinaus fließen und eine Magnetisierung des Tonabnehmers könne so vollkommen ausgeschlossen werden. Die ultrapräzisen Widerstandsnetzwerke in der Johann Sebastian Bach haben laut Linnenberg eine Toleranz von maximal 0,05 % relativ zueinander und blieben auch über Temperaturschwankungen (0,2 ppm / °C) sowie über die gesamte Lebensdauer stabil.

Der Linennberg G. P. Telemann DAC/Vorverstärker von innen

Der Linennberg G. P. Telemann DAC/Vorverstärker von innen

Aber nicht nur innen, auch bei den Gehäusen des DAC-Vorverstärkers und der Phonostufe lässt Ivo Linnenberg enorme Sorgfalt walten. So sind Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach eigentlich Box-in-Box-Konstruktionen. Will heißen: Im Inneren des von außen sichtbaren Gehäuses steckt ein weiteres, und zwar eines aus dem niederfrequente oder statische magnetische Störfelder effektiv abschirmenden Mu-Metall, das mit einer speziellen Schaumstoffschicht vom Außengehäuse zusätzlich mechanisch entkoppelt ist.

Präzision, Schnelligkeit und Breitbandigkeit

Laut Linnenberg bildet das passiv arbeitende Entzerrungsnetzwerk der Phonovorstufe Linnenberg Johann Sebastian Bach die RIAA-Kurve innerhalb von extrem präzisen 0,2 dB genau ab. Die Filternetzwerke wirken zwischen den symmetrischen Stufen. So fließen weder Signalströme zur Masse ab, noch können von der Schaltungsmasse aus Störungen auf das Signal übertragen werden. Warum? „In einem elektronischen Schaltplan ist die Masse nur ein idealisierter Bezugspunkt der Schaltung. In der Praxis torpedieren minimale Leiterbahnwiderstände im Milliohm-Bereich und minimale Eigeninduktivitäten die Potentialgleichheit zwischen Punkten, die eigentlich gleich sein sollen, aus ebendiesem Grund aber nicht gleich sind. Kein Gerät ist in dieser Beziehung empfindlicher als eine Phonostufe – daher ist es sehr vorteilhaft, wenn der Massebezug an sich möglichst wenig zur Verwendung kommt, und daher sitzen alle frequenzabhängigen Netzwerke zwischen den Stufen. Das ist nur bei Vollsymmetrie möglich“, sagt Ivo Linnenberg.

Die Schnittstellen des Linnenberg J. S. Bach Phonovorverstärkers

Die Schnittstellen auf der Rückseite des Phonovorverstärkers Linnenberg J. S. Bach

Aber auch der DAC/Vorverstärker Georg Philipp Telemann lässt sich nicht lumpen, wenn es um beeindruckende Kennzahlen geht. Die Signalanstiegszeit der Vorstufe für einen 2-Volt-Sprung betrage nur 35 Nanosekunden, so Linnenberg. Und da die Bandbreite der Signalverarbeitungsgeschwindigkeit entspricht (und anders herum), überträgt diese Vorstufe satte 3,5 Megahertz. Das kann man als technischen Overkill ansehen, doch dagegen verwahrt sich Ivo Linnenberg: „Das Ergebnis ist einfach nur mehr Transparenz, weniger Körnung und mehr Musik“, sagt der Entwickler.

Die Phonostufe: Linnenberg Johann Sebastian Bach

Linnenberg J. S. Bach Phonovorverstärker mit Plattenspieler

Die Linnenberg Johann Sebastian Bach ist, anders als die kleinere Bizet, für MC- und MM-Tonabnehmer geeignet und kommt im selben Gehäuseformat wie die Wandler-Vorstufe Georg Philipp Telemann: Beide sind etwas breiter (25,6 Zentimeter) als hoch (21 Zentimeter), dafür aber mit 44,2 Zentimetern recht tief. Statt sich dem Standardmaß anzulehnen und entsprechende Restriktionen bei der Anordnung des Innenlebens hinzunehmen, setzt Ivo Linnenberg auf ebenso kurze wie durchdachte Signalwege, die von jeweils mit RCA- und XLR-Buchsen ausgeführten Eingängen beschickt werden. Die Bauform der Geräte folgt mithin deren Innenleben.

Die zuvor erwähnten bistabilen Relais sind übrigens nicht nur für den Klang gut: Erst durch die Verwendung dieser Spezialbauteile konnte Ivo Linnenberg das komfortable Bedienkonzept der Johann Sebastian Bach überhaupt in eine Phonostufe integrieren. Alle Einstellungen lassen sich nämlich im laufenden Betrieb per Knopfdruck auf der Front vornehmen – vorbei die Zeiten des Stumm- oder gar Ausschaltens vor dem Umschalten. Egal, ob man den Eingang umschalten, die Verstärkung zwischen 50, 60 oder 70 Dezibel einstellen oder den Widerstandswert in den sinnvollen Abstufungen 30, 100, 300, 1000 Ohm und 47 Kiloohm justieren möchte.

Linnenberg J. S. Bach Phonovorverstärker von vorne

Selbstverständlich speichert die Linnenberg Johann Sebastian Bach die gewählte Konfiguration auch im Standby-Modus ab, so dass alle Einstellwerte beim nächsten Musikhören wieder zur Verfügung stehen – sogar, wenn nach dem Standby-Ausschalten die Netzverbindung vollständig getrennt werden sollte. Und clever ist die Logik der Johann Sebastian Bach ebenfalls: Der Abschluss mit 47 Kiloohm ist nur dann möglich, wenn die Verstärkung zuvor auf 50 dB eingestellt wurde – passend für MM- und High-Output-MCs.

Dankbar bin ich auch, wenn der Entwickler an die Sicherheit anderer Komponenten denkt; in der Linnenberg Johann Sebastian Bach entfernt ein integrierter Low-Cut-Filter mit einer Flankensteilheit von 12 dB/Oktave bei 7 Hertz potenziell schädliche und gar gefährliche subsonische Frequenzen.

Die Wandler-Vorstufe: Linnenberg Georg Philipp Telemann

Meine Beziehung mit der Vorgängergeneration des Telemann-DACs (4.400 Euro) scheiterte letztendlich vor etwa anderthalb Jahren an dessen eingeschränkter analoger Kontaktfreudigkeit. Der einzige Analogeingang dieses „D/A-Wandlers mit Lautstärkeregelung“ (auch den Linnenberg Satie würde ich in diese Kategorie stecken) diente nach Umstecken eines internen Jumpers darüber hinaus als analoger Ausgang. Im neuen Linnenberg Georg Philipp Telemann sind die Vorzeichen andere: Björn Kraayvanger, Chef des deutschen Linnenberg-Vertriebs LEN-Hifi, spricht von einem Pre-DAC/DAC-Pre: „Der Georg Philip Telemann beinhaltet zwei vollwertige, autark entwickelte und optimal aufeinander abgestimmte Geräte in einem Gehäuse. Er ist ausdrücklich kein Vorverstärker mit zusätzlichem Wandlermodul, sondern ebenso sehr D/A-Wandler wie Vorverstärker.“ Auf der hübsch mit einer landschaftsidyllischen Metallätzung verzierten Rückseite finden sich ein unsymmetrischer und zwei symmetrische Analogeingänge sowie zwei symmetrische Ausgänge, die zusammen mit den vier digitalen Eingängen – je einmal gibt’s Toslink, Koax, AES/EBU und USB-B – die Doppelausstattung bis auf einen Phonoeingang komplett machen. Und für Plattenfreunde steht ja die Johann Sebastian Bach bereit.

Die Front des Linnenberg G. P. Telemann DAC/Vorverstärkers

Lautstärkeregelung

Wie es sich für eine „richtige“ Vorstufe geziemt, hat Ivo Linnenberg der Regelung der Lautstärke besondere Beachtung geschenkt: Die Schaltung, die die Lautstärkeregelung in der Linnenberg Georg Philipp Telemann verantwortet, arbeitet vollsymmetrisch und ist hochfrequenztauglich (man denke an die enorme Bandbreite von 3,5 MHz). Ivo Linnenberg: „Eine Anordnung aus in Reihe geschalteten Widerständen und Querwiderständen zwischen Signal-Plus und Signal-Minus bildet ein Dämpfungsglied. Davon gibt es acht Einheiten, die kombinatorisch ein- und ausgeschaltet werden. Diese Einheiten haben konstante Ein- und Ausgangswiderstände, und zwar so niederohmige (circa 150 Ohm), dass der Wert dem Wellenwiderstand des Signalleiterpärchens entspricht. Warum? Ganz einfach: Egal wie schnell beziehungsweise hochfrequent das Signal ist – an keiner Stelle treten Reflexionen durch sprunghafte Änderungen des Wellenwiderstandes auf.“

Wandler

Der D/A-Wandler im Linnenberg Georg Philipp Telemann entspricht in weiten Teilen dem des genannten Linnenberg Satie. Das bedeutet, dass hier pro Kanal gleich vier symmetrische 32-Bit-D/A-Wandler vom Typ ES9038 PRO die Audiosignale an die diskreten Analogschaltungen weiterleiten. Mit einer PCM-Samplingfrequenz von 384 Kilohertz und 32 Bit Bittiefe sowie seiner DSD512-Fähigkeit dürften auch Auflösungsfanatiker zufrieden sein. Drei Hochleistungs-Clocks – eine für die 44,1-kHz-Frequenzgruppe, eine für die 48-kHz-Familie und die dritte für den Reclocking-Datenpuffer – drücken den Jitter auf 0,82 Femtosekunden, also 0,00000000000000082 Sekunden. Im Unterschied zum Satie kommen im Georg Philipp Telemann mehr Spannungsregler für noch sauberere Spannungen zum Einsatz, und der gesamte S/PDIF-Bereich (Koax, AES/EBU und Toslink) wurde von Ivo Linnenberg vollkommen revidiert und arbeitet nunmehr ebenfalls vollsymmetrisch. Last but not least stehen sechs verschiedene Digitalfilter bereit, mit denen man den Digitalklang seines Linnenberg Audio Georg Philipp Telemann in gewissen Maßen an persönliche Vorlieben anpassen kann.

 Linnenberg J.S. Bach & G.P. Telemann: Klangtest und Vergleiche

Linnenberg J. S. Bach und Linnenberg G. P. Telemann: Phonovorverstärker und DAC/Vorverstärker - Fotomontage

Ich könnte es jetzt ganz kurz machen: Die Linnenberg Johann Sebastian Bach ist eine der beiden besten Phonostufen, die ich überhaupt kenne. Und der Linnenberg Georg Philipp Telemann ist einer der beiden besten Vorverstärker und dazu auch noch der mit Abstand beste D/A-Wandler, der mir bisher in meinem Hörraum untergekommen ist. Aber ganz so einfach will ich es mir – und Ihnen – dann doch nicht machen.

Phonotastisch

In meiner Kette feiern die beiden Linnenberg-Gäste eine Zusammenkunft mit zwei älteren Verwandten aus demselben Hause: der Stereo-Endstufe Linnenberg Liszt (4.500 Euro) und der „kleineren“ Phonostufe Linnenberg Bizet (5.999 Euro). Letztere hatte in meiner Kette bereits vor einiger Zeit die Neukomm MCA112S abgelöst und mir seitdem mit ihrer Transparenz, Sauberkeit und feinen Auflösung sehr viel Freude bereitet. Ja, das ist eine verdammt gute Phonostufe und in quasi jeder Hinsicht besser als alle bisher von mir getesteten Phono-Vorverstärker. Und dennoch kann sie in keinem Bereich mit ihrem großen Bruder namens Johann Sebastian Bach mithalten. Aber eins nach dem anderen.

portishead portisheadWenn der Tonabnehmer entsprechend liefert, besitzt schon die Bizet eine herausragende Kanaltrennung, die einem hörgeschulten Bekannten (Toningenieur) bei einer langen abendlichen Hörsession Respekt, ja geradezu Bewunderung abtrotzte. Und die Bach ist nicht nur in diesem Aspekt die maximale Steigerung. Oft meint man ja, noch unterschwellige Andeutungen des Geschehens auf dem jeweils anderen Kanal zu erahnen. Nicht so hier. Die ausschließlich auf dem linken Kanal verewigten Drum-Samples in Portisheads „Undenied“ (Album: Portishead; auf Amazon anhören) wirken wie hermetisch im entsprechenden Boxengehäuse versiegelt. Das bringt im Stereobild eine unglaublich dreidimensionale, scharf umrissene und in seltener Präsenz dargebotene Abbildungsqualität mit sich. Egal ob vor oder hinter, ob links oder rechts innerhalb oder außerhalb der Lautsprecherbasis: Die Phonovorstufe Linnenberg Johann Sebastian Bach platziert Stimmen, Instrumente und Effekte traumwandlerisch treffsicher, kantenscharf und bei jeder Lautstärke stabil in den virtuellen Bühnenraum. Auch gelingt es der Johann Sebastian Bach besser als jeder anderen Phonostufe, die ich kenne, Klangereignisse auf der extrem breiten und bei Bedarf unglaublich tiefen Bühne miteinander in Bezug zu setzen und eben nicht als singuläre Ereignisse isoliert darzustellen. Ganz wesentlich verbessern sich damit die Struktur und Ordnung des Klangbildes, gewinnt der spielerische Dialog von Jazz-Solisten an Schwung und Verve gegenüber allen anderen von mir bisher gehörten Phonovorverstärkern.

Linnenberg J. S. Bach Phonovorverstärker: Taster & LEDs

Die Transparenz, Detailauflösung und Differenzierungsfähigkeit der Johann Sebastian Bach sind phänomenal und werden so höchstens von der nochmals 4.000 Euro teureren Blue Amp model 42 MKIII (16.900 Euro) getoppt. Die klingt noch einen Hauch frischer, spritziger im Hochton, während die Linnenberg Johann Sebastian Bach einen etwas güldeneren und seidigeren Ton anschlägt, ohne allerdings auch nur im Geringsten stumpf zu wirken. Wenn ich es nicht besser wüsste, ich würde – bei aller exemplarischen tonalen Neutralität – ob der luftigen, duftigen und doch satten, körperhaften und athletisch-federnden Gangart der Linnenberg Audio Johann Sebastian Bach erst mal an eine verdammt gut gemachte Röhre denken. Doch die würde wahrscheinlich nicht einen so dermaßen sauberen Hintergrund in den Hörraum zaubern. Ganz im Ernst, schwärzer geht’s nicht, und Nervosität oder Rauigkeiten existieren im Klangkosmos der Johann Sebastian Bach ganz einfach nicht.

Propellerhead DecksandrumsandrockandrollAuch im Bass mag man sich im allerersten Moment vielleicht an Röhriges erinnert fühlen – bis der Johann-Sebastian-Bach-Phonopre dann auch wirklich allertiefste Abgründe wie in Nicolas Jaars „Colomb“ mit einer Konsequenz und einem Druck durchzieht, dass einem angst und bange um die Lautsprechermembranen werden kann. Aber natürlich ist das alles maximal kontrolliert und präzise. Dementsprechend spielt die Linnenberg Audio Johann Sebastian Bach in Sachen Grobdynamik auf höchstem Niveau, vollzieht die Lautstärkesprünge in „On Her Majesty’s Secret Service“ vom Propellerhead-Album Decksandrumsandrockandroll (auf Amazon anhören) mit Speed, Akkuratesse und Wucht – und findet letztendlich ihren Lehrmeister in der Blue Amp model 42 mK III, die insbesondere kurze Impulse noch knalliger und energetischer, offensiver nach vorne gerichtet setzt.

Von Wandel und Aufbereitung

Und jetzt kommt’s ganz dick, auch wenn der Mensch Georg Philipp Telemann eher von schmächtiger Statur war. Was dieser Vorverstärker mit D/A-Wandler klanglich leistet, sprengt die bescheidene leibliche Hülle des Georg Philipp Telemann aber mal so was von easy, dass ich mir gar nicht auszumalen vermag, wie ich in Zukunft mit meinem wahrlich nicht gerade schlechten Norma Audio SC-2 DAC Musik hören soll. Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Ich hoffe es sehr. Denn im Prinzip trifft alles, was ich gerade über die Linnenberg Johann Sebastian Bach gesagt habe, auch auf den Georg Philipp Telemann zu, und zwar auf die Vorstufe mit analoger Signalfütterung ebenso wie auf den Wandler-Teil. Nur vergrößert der Georg Philipp Telemann den Klangabstand zu meiner eigenen Lösung eben noch mal einen Gang deutlicher, als es der Johann Sebastian Bach tut – und zusammen erschaffen beide Geräte eine geradezu hyperrealistische Klanglandschaft.

Linnenberg G. P. Telemann DAC/Vorverstärker im USB-Betrieb

Linnenberg G. P. Telemann DAC/Vorverstärker im USB-Betrieb

Tonal bewegt sich der Linnenberg Georg Philipp Telemann ebenso wie die Johann Sebastian Bach auf neutralen Wegen, die aufgrund der so mühelos-feinen, samtseidenen Auflösung in jedem Frequenzbereich dennoch den Anschein von Wärme geben – was sich am Ende allerdings nur als absolute Abwesenheit jeglicher Härten entpuppt. Es sei denn, die Musikkonserve verlangt danach, dann können Schlagzeugbleche schon mal ungefiltert in die Trommelfelle reinhageln oder verzerrte Gitarren an den Nervenenden sägen. Das liegt dann aber am Toningenieur, und nicht am Georg Philipp Telemann.

Bass? Ja bitte. Sauber, tief, konturiert, durchgezeichnet reproduzieren die durchgehend symmetrischen Schaltkreise die tiefen Grummelbässe in Massive Attacks „Teardrops“. Die Klangfarben der Celli in Agnes Obels „Familiar“ malt der Georg Philipp Telemann in allen Schattierungen mit der perfekten Mischung aus knorrig-holzig und gülden-glatt, immer frei schwebend und duftig, niemals zudeckend. Raum? Immer fühlbar, immer bestens organisiert. Viele Komponenten tendieren dazu, die virtuelle Bühne unabhängig von ihrer Ausdehnung ausgehend vom Bühnenzentrum in einer gewissen Position relativ zur Lautsprecherbasis zu platzieren – egal ob weiter nach hinten oder zum Hörer hin. Und wie bereits die Johann Sebastian Bach unterliegt auch die Linnenberg Audio Georg Philipp Telemann dieser Tendenz deutlich weniger als die meisten anderen Geräte, die ich kenne.

Im Klangseparee

Um herauszufinden, wie viel von dieser Audio-Glückseligkeit die Vorverstärker-Sektion beziehungswiese der D/A-Wandler des Linnenberg Telemann beiträgt (ich höre übrigens am liebsten mit Filter 6, dem Hybrid-Modus, der mir insgesamt am ausgewogensten erscheint), verbinde ich den fixen Ausgang der D/A-wandelnden Norma SC-2 mit dem unsymmetrischen RCA-Analogeingang des Georg Philipp Telemann. Sofort fällt auf, dass die Feindynamik ein wenig nachlässt, das schwebende Geflecht der Schlagzeugbleche in „Take Five“ auf Jazz at the Pawnshop ein wenig erdverbundener und matter rüberkommt und der Bass in „Sign of the Season“ von Pat Metheny an Kontur und Durchzeichnung, aber auch an Druck ganz tief unten im Keller verliert, während gleichzeitig der Oberbass einen Hauch (zu viel) Fett ansetzt. Da diese Effekte mit der Bach-Phonovorstufe am Analogeingang nicht auftreten, schließe ich daraus, dass auch der D/A-Wandler das für sich genommen hervorragende Wandler-Modul von Norma zu toppen vermag, luftiger auflösend und kontrollierter, neutraler im Bass spielt. Beim Vergleich zwischen „altem“ Linnenberg Telemann-D/A-Wandler und der Norma-Lösung hätte ich noch von einer Geschmacksfrage gesprochen – der Wandler im Linnenberg Georg Philipp Telemann spielt indes in einer ganz anderen Liga.

G. P. Telemann DAC/Vorverstärker deaktiviert

Auch die Vorstufensektion des Linnenberg Georg Philipp Telemann hat den Aufstiegskampf bereits deutlich für sich entschieden und spielt auf dem hohen Niveau der Balanced Audio Technology VK-53SE (15.200 Euro). Vielleicht nicht ganz so extrovertiert und quirlig, eher etwas nüchterner – dafür aber auch wiederum sauberer, mit schwärzerem Hintergrund. Und ich kenne zudem keine Vorstufe, die über den gesamten nutzbaren Lautstärkebereich in allen klangentscheidenden Parametern eine so konstante Vorstellung gibt. Egal ob Raum (verdammt groß und beliebig platziert), Abbildungsschärfe und -größe einzelner Klangereignisse (realistisch genau, weder zu klein noch zu groß abbildend), Tonalität oder Dynamik – da ändert sich genau gar nichts.

felix laband dark days exitUnd mit dem Linnenberg-Telemann-Vorverstärker im Signalpfad fällt mir auf, dass ich Musik über meine Kette bisher eher als homogenen Klangkörper an sich, als ganzheitliches Abstraktum wahrgenommen habe – mit dem Linnenberg Georg Philipp Telemann entdecke ich die Individualität eines jeden einzelnen Musikers in „The Banality of Evil“ von Nine Horses und jeder Chorstimme in „Stille Nacht, heilige Nacht“ auf Cantate Domino sowie der subtil changierenden Klangsignaturen jedes elektronisch generierten Effekts in „Black Shoes“ von Felix Laband (Album: Dark Days Exit; auf Amazon anhören).

G. P. Telemann DAC/Vorverstärker mit aktiviertem Display

Billboard
Transrotor

Test: Linnenberg G.P. Telemann & Linnenberg J.S. Bach | DAC/Vorverstärker, Phono-Vorstufe

  1. 1 Neue Klassik
  2. 2  Linnenberg J.S. Bach & G.P. Telemann: Klangtest und Vergleiche

Das könnte Sie interessieren: