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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Saft und Kraft
  2. 2 MFE Tube DAC SE: Klangeindruck und Vergleiche

Michael Franken (Vertrieb: https://mhw-audio.de) macht ganz offensichtlich keine halben Sachen. Das war mir klar, noch bevor ich den ersten Ton aus dem MFE Tube DAC SE gehört habe. Beim „Unboxing“ – wie das ja heute heißt – des Geräts durfte ich gleich mehrfach anerkennend die Augenbrauen hochziehen: Materialqualität und Verarbeitung des Tube DAC SE sind nämlich formidabel, was bei 4.000 Euro Einstandspreis ja auch erwartet werden kann, aber nicht immer erfüllt wird. Das massive Metallgehäuse und die einen Zentimeter starke Frontplatte, aber auch die hochwertigen Dreh- und Knebelschalter für Eingangswahl und diverse Funktionen machen einen absolut soliden Eindruck.

Der MFE Tube DAC SE erlaubt mehr als nur die Eingangswahl: Eine Monitor-Schleife, ein Bass-Boost und die Wahl zwischen Transistor- und Röhrenausgangsstufe stehen zur Verfügung

Der MFE Tube DAC SE erlaubt mehr als nur die Eingangswahl: Eine Monitor-Schleife, ein Bass-Boost und die Wahl zwischen Transistor- und Röhrenausgangsstufe stehen zur Verfügung

Der positive Ersteindruck verfestigt sich beim Blick auf die Rückseite: Neben den ebenfalls höchst verlässlich wirkenden und bombenfest angebrachten Anschlussterminals gibt es auch eine Phasenglimmlampe als Indikator für die richtige Polung der Netzzuleitung: Wenn die Lampe beim Einschalten des Geräts leuchtet, sollte der Netzstecker einmal um 180 Grad gedreht eingesteckt werden, sodann ist der Tube DAC richtig ausgephast. Womit wir auch gleich beim nächsten serienmäßigen Bonbon wären, dem von Michael Franken etwas sozialistisch „GAL“ (Geräteanschlussleitung) benannten Netzkabel. Auch dieses ist eine Eigenentwicklung und besticht sichtlich durch einen No-Nonsense-Ansatz: Esoterische Zutaten sind nicht auszumachen, dafür gibt’s aber einen ordentlichen Kabelquerschnitt und eine mustergültig saubere Konfektionierung. Man fühlt sich als Kunde angenehm ernst genommen, wenn einem Gerät dieser Klasse keine Billignetzstrippe von der Stange beiliegt.

Der MFE Tube DAC SE kommt mit einem anständigen Netzkabel

Der MFE Tube DAC SE kommt mit einem anständigen Netzkabel

Der Tube DAC SE von MFE-Elektronik ist ein reiner Digital-Analog-Wandler und kommt ab Werk ohne Lautstärkeregelung. Erfreulich konnektiv zeigt sich die Digitalsektion: Neben zwei USB-B-Eingängen lässt sich S/PDIF-Material wahlweise per Lichtleiter, Cinch oder BNC-Anschluss zuliefern – und zwei AES/EBU-Eingänge gibt’s auch noch. Ausgangsseitig wartet der Tube DAC SE mit je einem symmetrischen XLR- und einem unsymmetrischen Cinch-Anschluss auf. Auf der Frontseite finden wir zur Linken einen gut in der Hand liegenden, massiven Drehregler für die Eingangswahl sowie vier Knebelschalterchen: Ganz rechts der harte Netzschalter, daneben der Umschalter für die Röhren- beziehungsweise Transistorausgangsstufe, es folgt ein mit „60/3“ beschrifteter Schalter, der den Tieftonbereich rund um 60 Hertz um 3 dB anhebt sowie einer für die Aktivierung des digitalen Einschleifwegs („Monitor“): Wer mag, kann das Digitalsignal nämlich noch durch einen externen digitalen DSP oder Raumprozessor jagen.

Michael Franken verrät auch auf bohrendes Nachfragen hin nicht, was für ein Wandlerchip sich im Tube DAC SE befindet, denn er ist der Ansicht, dass der eigentliche Sound nicht im Chip gemacht wird, sondern in der Peripherie, insbesondere im Tiefpass nach der D/A-Wandlung. Ein Aufschrauben des Geräts hilft da auch nicht weiter: Die komplette Wandlersektion ist mit Epoxidharz vergossen – Pech gehabt! Was wir immerhin erfahren: PCM-Signale werden via S/PDIF bis 24 Bit/192 kHz akzeptiert, über USB sitzen 32 Bit/384 kHz drin sowie Direct Stream Digital bis DSD256. MQA bleibt außen vor.

Der MFE Tube DAC SE von innen: Die komplette Wandlersektion (Bildmitte) ist mit Epoxidharz vergossen. Rechts ist die Röhrenausgangsstufe zu sehen, links das Netzteil

Der MFE Tube DAC SE von innen: Die Wandlersektion (Bildmitte) ist mit Epoxidharz vergossen. Rechts ist die Röhrenausgangsstufe zu sehen, links das Netzteil

Die Röhrenausgangsstufe des Wandlers ist ein echter Verstärkerzweig und dürfte somit tatsächlich einen klaren Einfluss auf das Klanggeschehen haben; es gibt ja auch Röhrenausgangsstufen, wo die Röhren lediglich als Impedanzwandler fungieren – mir fällt da beispielsweise der Röhren-CD-Spieler beziehungsweise -DAC von EternalArts ein – und dem Klang primär in Bezug auf die Dynamik ein gewisses Gepräge verleihen. Auch über den Aufbau des transistorierten Zweigs verliert Franken keine Worte und empfiehlt stattdessen: „Reinhören!“ Nun gut, dann kürzen wir den Technikteil etwas ab und tun, wie geheißen.

MFE Tube DAC SE: Klangeindruck und Vergleiche

Um möglichst genau den Klangcharakter des MFE Tube DAC SE einordnen zu können, habe ich ein Test-Setup gebaut, das eine bequeme Umschaltung zweier Szenarien vom Hörplatz aus gestattet. Als Quelle fungiert mein riemengetriebener CD-Spieler C.E.C. CD5, dessen koaxialen S/PDIF-Ausgang ich mit dem entsprechenden Eingang des Tube DAC SE verkabelt habe. Von dort geht das gewandelte Analogsignal über symmetrische XLR-Verbinder zum Abacus Electronics Preamp 14 und dann lautstärkegeregelt weiter in meine Valvet-Endstufe. Parallel habe ich eine analoge XLR-Verbindung vom CD-Spieler zum Preamp 14 gezogen, sodass durch das Umschalten der Eingänge am Preamp entweder das gewandelte Signal aus dem MFE Tube DAC SE oder das Analogsignal des C.E.C. CD5 anliegt. Und da man sich wohl kaum einen röhrenbewehrten DAC kauft, um dann am Ende dauerhaft mit der ebenfalls verbauten Transistorendstufe Musik zu hören, habe ich der Röhrenausgangsstufe den Vortritt gelassen.

MFE Tube DAC SE - Frontseite

„Saft und Kraft“ – das ist nicht nur die Headline dieser Rezension, das waren auch die ersten Worte, die ich in mein Notizbuch schrieb. Ja, der MFE Tube DAC SE klingt alles andere als kühl, analytisch und trocken. Tonal zeigt sich das durch einen sonoren, sinnlichen und tief hinabreichenden Bassbereich und eine dezente Betonung vom Grundtonbereich an abwärts. Das soll jetzt nicht heißen, dass der Rest des Frequenzbandes demgegenüber absaufen würde, aber die unteren Lagen sind schon etwas kräftiger gehalten. Das tut gerade handgemachter, „ehrlicher“ Rockmusik sehr gut.

nada surf - you know who you areNehmen wir Nada Surfs Powerballade „Friend Hospital“ (Album: You Know Who You are; auf Amazon anhören). Als nach dem acht Takte langen Gitarrenintro Bass und Schlagzeug einsetzen, fühle ich mich beim MFE Tube DAC wesentlich mehr „angemacht“ und „mitgenommen“ als über den internen Wandler des C.E.C. CD5, der gerade im Tiefton und den unteren Mitten merklich zugeknöpfter (vielleicht auch neutraler, sei’s drum) rangeht. Über den Tube DAC rockt das mehr, schiebt das mehr, wirkt es einfach sinnlicher und saftiger. Mit Fleisch dran! Glücklicherweise ist die kleine Betonung aber sorgsam abgeschmeckt, denn schnell kann so etwas auch ins Brummelige oder Dumpfe abgleiten – da kann ich Entwarnung geben.

Der MFE Tube DAC SE von oben

Der MFE Tube DAC SE von oben

Gut gefällt mir auch, was der MFE Tube DAC SE im nächsthöheren Frequenzbereich macht, nämlich in den unteren Mitten. Beim oben genannten Nada-Surf-Song spielen zwei angezerrte Gitarren fast durchgehend sehr ähnliche Riffs in der gleichen Lage. Die Unterschiede zwischen beiden Gitarrenspuren sind also nicht kompositorischer, sondern klanglicher Natur: Zum einen handelt es sich tatsächlich, wie in den Liner Notes nachzulesen ist, um Gitarren unterschiedlicher Hersteller, zum anderen weichen offensichtlich auch die Verstärkereinstellungen der abmikrofonierten Gitarrencombos in Bezug auf Bass/Höhen/Mitten sowie den Verzerrungsgrad geringfügig voneinander ab. Der Tube DAC macht es problemlos möglich, diesen Unterschieden nachzuspüren und die beiden Gitarrenspuren voneinander abzugrenzen. Über eine weniger differenzierende Quelle kann das auch mal zu einer „gemeinsamen Sauce“ verschmieren. Insofern muss man an dieser Stelle als Hörer die „untenrum“ saft- und kraftvolle Gangart nicht gegen eine gute Auflösung eintauschen.

Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium (Dresdner Kreuzchor, Dresdner Philharmonie, 1975, Remaster)Richtig gut wird’s dann noch eine Etage höher: bei den Stimmen. Bei Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium (Dresdner Kreuzchor, Dresdner Philharmonie, 1975, Remaster) lässt es sich über den Tube DAC SE richtig tief ins Geschehen eintauchen. Im vierten Teil gibt es ein Rezitativ und einen Choral („Immanuel, o süßes Wort“ beziehungsweise „Jesu, du mein liebstes Leben“), bei dem eine männliche Bass- und eine weibliche Sopranstimme eine Art Zwiegespräch führen. Was hier genau geschieht beziehungsweise wie es funktioniert, ist schwer zu sagen, da ringe ich ein wenig nach Worten. Es fühlt sich aber über den MFE so an, als wäre man vor Ort, in einer vollbesetzten Kirche, als manifestierten sich Sänger, Chor und Orchester direkt im Raum – eine numinose, sinnliche Erfahrung, deren emotionale Tragweite einen in diesen merkwürdigen Pandemie-Zeiten geradezu erschreckt. Man erinnert sich ja kaum noch daran, wie sich so ein Livekonzert eigentlich anfühlt!

Die Doppeltrioden der Röhrenausgangsstufe des MFE Tube DAC SE

Die Doppeltrioden der Röhrenausgangsstufe des MFE Tube DAC SE

Die glaubhafte Illusion dieser Körperhaftigkeit und Präsenz von Stimmen, die der MFE Tube DAC SE ermöglicht, ist einfach ergreifend. Nun will ich natürlich meinen CD-Spieler nicht schlechtreden, er steht mir immerhin seit mehreren Jahren als geschätztes Arbeitsgerät zur Verfügung, aber wenn ich auf ebendiesen Dreher beziehungsweise seine ESS-Sabre-DAC-Sektion umschalte, wirkt das alles ein Stück entfernter, kühler, eben: tonträgerhafter.

Versuchen wir trotzdem eine Spurensuche oder Ursachenbeschreibung: Fest steht, dass der MFE Tube DAC SE nicht nur die unteren Mitten, sondern auch die mittleren und oberen sehr sauber und fein auflöst. Das geschieht tonal bruchlos, hier kippt nichts im Verlauf einer gesungenen Tonleiter (wenn, dann nur beim Wechsel von Brust- in Kopfstimme). Fest steht auch, dass es beim Tube DAC SE in Bezug auf Fein- und Mikrodynamik zum Besten steht: Das beherzte Einatmen vor einer lauten Gesangspassage gehört eben zum Stück dazu – und bei einem laut gesungenen, gerollten „R“ lässt der Tube DAC SE einen auch ahnen, dass man, in der ersten Reihe sitzend, Gefahr läuft, auch mal ein Spucketröpfchen abzubekommen. Aus Pandemiesicht natürlich horribile dictu – aber im „sicheren“ Hörraum dann durchaus auch mal wieder eine lange nicht mehr da gewesene sinnliche Erfahrung.

Erklimmen wir nun die höchsten Lagen. Auch hier geschieht das, was man bei einer „typischen Röhre“ erwarten würde: Der Tube DAC SE kommt mit einem sanften, organischen Roll-Off nach oben hin und ist nicht dazu angetan, mit gleißendem Hochton um sich zu werfen. Das fällt bei klassischer Musik eher selten ins Gewicht, kann aber natürlich bei anderen Musikrichtungen (Elektronik) oder speziellen Instrumentierungen hörbar werden. Wer eine zeitgemäße, hochauflösende Jazzproduktion hört, bei der Splash- oder Sizzlebecken zum Einsatz kommen, der kriegt über den Tube DAC SE etwas weniger Infos über den Bronzegrad oder die genaue Legierung der jeweiligen Klangkörper durchgereicht als über einen DAC, der bis in den Superhochtonbereich hinein linear arbeitet. Das ändert sich, wenn man den Knebelschalter für die ja ebenfalls an Bord befindliche Transistorendstufe umlegt: Nun wird’s obenrum noch mal feiner aufgelöst und auch luftiger, dafür werden aber im Tieftonbereich ein paar Löffelchen vom Bass abgetragen. Insgesamt ist die Transistorstufe tonal ziemlich neutral, sie kann einen schönen Kompromiss ergeben, wenn man zwischendurch mal nach „reiner Lehre“ strebt, aber ein bisschen Spaß geht dann auch flöten.

Anschlussfeld des MFE Tube DAC SE

Anschlussfeld des MFE Tube DAC SE

Bühne

Von den höchsten Lagen zurück auf Meeresspiegel-Höhe – wie steht’s um den Bühnenaufbau? Auch hier gilt wieder das Prinzip der „Livehaftigkeit“. Der Tube DAC SE ist kein Vermessungsingenieur, der mit Millimeterpapier, Geodreieck und Mikrofineliner unterwegs ist. Ein Lindemann MusicBook beispielsweise, aber auch die Digitalsektion des Marantz PM 7000N platziert die Musiker präziser und klarer im Bühnenbild, nagelt sie zuweilen dort aber auch statischer fest als der Tube DAC SE. Beim MFE-Wandler ist das gesamte Bühnenbild nämlich eher atmend, pulsierend, organisch, ähnlich wie beim Perreaux Audiant oder beim Merason Frérot.

Details Anschlussfeld des MFE Tube DAC SE

Stellen Sie sich ein Foto vor, eine Luftaufnahme von vielen Menschen: Beim Tube DAC SE wird der Fokus eher auf das Gesamtbild, das große Ganze gelenkt, während bei anderen DACs die Einzelpersonen mehr ins Gewicht fallen oder präziser modelliert werden. Beides hat seinen Reiz, es ist wie so oft eine Geschmacksfrage oder auch eine Frage der Musikrichtung. Wer gerne Musik hört, die am Reißbrett (vulgo: Rechner) entworfen wurde und Wert darauf legt, den Shaker, das metallische Sägezahnriff oder das Schellentamburin mit dem Laserpointer anzusteuern, der wird wohl mit einem etwas analytischeren DAC glücklicher. Wer hingegen gerade in diesen zwangsvirtuellen Zeiten dem Live-Erlebnis in einem Jazzclub, einem Konzertsaal oder auch auf einem Festival nachtrauert, der kann sich mit dem Tube DAC SE ein deutliches Plus an Atmosphäre in die Stube beamen. Dazu trägt auch bei, dass der Tube DAC tendenziell zur breiten Bühne neigt und zum Vollbad in der Musik einlädt, während etwas nüchterne Vertreter der Zunft bei einer entsprechenden Aufnahme auch mal nur den berühmten „Schuhkarton“ anbieten.

Der MFE Tube DAC SE von der Seite betrachtet

Der MFE Tube DAC SE von der Seite betrachtet

Braucht’s das?

Bevor wir zum Fazit kommen, nochmal ein kurzer Blick auf die Frontplatte: Den kleinen Schalter für die Bassanhebung, braucht man den wirklich? In den meisten Fällen würde ich hier mit „nein“ antworten. Er kann aber sinnvoll sein, wenn Sie eine Kette haben, die im Tieftonbereich etwas schwächelt. Gerade wenn Kompaktlautsprecher mit im Spiel sind und man sich (die lieben Nachbarn, die vorgerückte Stunde) in puncto Lautstärke nicht so richtig austoben darf, kann der kleine Extrakick helfen, das letzte Quäntchen Vollmundigkeit mitzunehmen. Ein „Nice-to-have“, kein „Must“, wenn Sie mich fragen.

Billboard
Antipodes Audio K50

Test: MFE Tube DAC SE | D/A-Wandler

  1. 1 Saft und Kraft
  2. 2 MFE Tube DAC SE: Klangeindruck und Vergleiche

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