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HiFi Regler - Cambridge Audio CX

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Ton + Technik
  2. 2 Technics SU-R1000: Klangtest und Vergleiche

Meine erste „richtige“ HiFi-Anlage gegen Anfang der 1990er-Jahre bestand aus gebrauchten, gut zehn Jahre alten Technics-Komponenten und noch älteren Kompaktlautsprechern von Braun. Diese Kette war klanglich um Welten besser als meine „alte“ Kompaktanlage und trug entscheidend zu meinem späteren Weg in die wunderbare Welt des Highend-HiFi bei. Kein Wunder also, dass die Aussicht auf einen Test des neuen Vollverstärkers Technics SU-R1000 (Preis: 7.500 Euro | https://www.technics.com/de/) bei mir einen gar nicht mal so kleinen Endorphin-Schub auslöste.

Das liegt noch gar nicht mal so sehr am Design des neuen Reference-Line-Top-Modells unter den Technics-Vollverstärkern. Der in Schwarz oder Silber erhältliche SU-R1000 deutet nämlich mit den großflächigen VU-Metern auf der fast 20 Zentimeter hohen Front in Sachen Design noch eine oder zwei Gestaltungsgenerationen weiter in die Vergangenheit. Wie schon beim Premium-Class-Vollverstärker SU-C700 und der Reference-Class-Stereoendstufe SE-R1 spielen die Japaner geschickt mit diesem 1970er-Jahre-Retro-Element und integrieren es in ein gleichsam minimalistisches wie modernes Gehäuse – man könnte fast meinen, die Enkel:innen der Bauhaus-Gründer hätten dabei ihre Finger im Spiel.

Technics SU-R1000: VU-Meter

Klassisch: die VU-Meter des Technics SU-R1000

Stabilotastisch

Die Verarbeitung des Technics SU-R1000 ist der Preisklasse mehr als angemessen, was unter anderem am schieren Materialeinsatz liegt: Man habe das Gehäuse auf maximale Steifigkeit ausgelegt, um klangschädliche Vibrationen weitgehend im Zaum zu halten, sagt Technics. Die zehn Millimeter dicke Frontplatte, der sechs Millimeter starke, mit vier Lüftungsgittern versehene Deckel aus Aluminiumplatten und die gusseisernen Gerätefüße trügen laut Technics maßgeblich zur verbesserten Unempfindlichkeit gegenüber Vibrationen bei. Auch innen haben die Japaner geklotzt. Die signalverarbeitenden Abteilungen teilen sich auf zwei Stockwerke auf, die durch massive Stahlschirmbleche voneinander getrennt sind. Die dienen nicht nur der Schirmung, sondern eben auch der Rigidität des Gehäuses. Im oberen Abteil sitzt die Doppel-Mono-Class-D-Endstufe samt ihrer kanalgetrennten Stromversorgung, während die Vorverstärkersektion mit jeweils eigenen Netzteilen für die Phono- und Digitalsignalverarbeitung unten Platz nehmen darf. Zwischen diesen beiden Abteilungen sorgen ebenfalls Stahlschirmbleche für Schirmung und noch mehr Steifigkeit.

Technics SU-R1000: Illustration des Gehäuseaufbaus

Illustration des Gehäuseaufbaus des Technics SU-R1000

Die Haptik überzeugt ebenfalls. Die beiden spiel- und wackelfrei laufenden Aluminium-Drehknöpfe – einer dient der Lautstärkeregelung, der andere der Quellenwahl –  werden jeweils aus einem massivem Aluminiumblock gefräst und anschließend geschliffen. Auch der großzügig dimensionierte Ein-/Ausschalter rastet satt und mit einem befriedigendem Klack.

Er schaltet den Technics SU-R1000 übrigens komplett aus – Standby geht nur mit der übersichtlich gestalteten Systemfernbedienung, die dank ihrer erwachsenen Maße mit vielen Direktwahltasten zum Beispiel für die Eingänge des SU-R1000 aufwarten kann. Die Größe des Bedienungsgebers hilft auch dabei, ihn nicht zu verlegen, denn das wäre einigermaßen problematisch: Die Geräteeinstellungen lassen sich nämlich nicht am Verstärker selbst vornehmen – ein Zugeständnis an die cleane Gestaltung der Frontplatte ohne weitere Bedienelemente bis auf den 6,3-Millimeter-Klinkenausgang für Kopfhörer. Und da der Technics SU-R1000 weder LAN noch WLAN-fähig ist, fällt auch die App-Bedienung weg.

Kein Rauschen im Walde

Technics SU-R1000 von innen: Trafo und Elektronik

Blick in den Technics SU-R1000 bei demontiertem Gehäusedeckel

Wer vorhin aufmerksam mitgelesen hat, zählte insgesamt vier Netzteile: Zwei sind in der Vorverstärkersektion für den Phono-EQ beziehungsweise für die Digitalsektion zuständig und zwei weitere kümmern sich um jeweils einen Kanal der Endstufe. Und bei allen vieren handelt es sich um Schaltnetzteile mit dem schönen Namen „Advanced Speed Silent Power Supply“. Um eine hohe Leistungsfähigkeit mit schneller Ansprechzeit bei geringer Rauschneigung zu erreichen, haben die Technics-Ingenieure die Schaltfrequenz ins 400-Kilohertz-Band gelegt. So wollen sie das Modulationsrauschen konventioneller Schaltnetzteile quasi eliminiert haben. Und sollte doch noch ein Rauschanteil in den hohen Frequenzbereichen übrigbleiben, kümmere sich ein sogenannter „Super Low Noise Regulator“ darum, dass auch dieser mickrige Rest minimiert werde.

Diese Maßnahmen sollen sich laut Technics in einer „effektiven Verhinderung leitungsinduzierter Störungen zwischen den Schaltungsblöcken“ niederschlagen – mit anderen Worten: Der Signal-/Rauschabstand und die Kanaltrennung seien herausragend gut, gleichwohl rückt Technics nicht mit konkreten Zahlen heraus. Aber auch das Verhalten bei plötzlichen Leistungsspitzen soll sich gegenüber linearen Netzteilen verbessern. Laut Technics falle die Spannung selbst dann nicht ab, wenn sich der Laststrom pulsartig ändere. So sei eine hochstabile Stromversorgung garantiert.

Technics SU-R1000: Messschrieb Spannungsstabilität

Die Ausgangsspannung des Technics SU-R1000 soll selbst dann nicht einknicken, wenn sich der Laststrom pulsartig ändert (Illustration vom Hersteller)

Digital total?

Der Technics SU-R1000 bietet zwar weder LAN noch WLAN oder Bluetooth, dafür aber jede Menge Digitaleingänge, die PCM bis zu einer Samplefrequenz von 384 Kilohertz und einer Wortbreite von 32 Bit sowie DSD bis 22,4 Megahertz (DSD 256 via USB im ASIO-Native-Modus) in Empfang nehmen. Neben den beiden USB-B-Ports finden sich je zwei optische und koaxiale S/PDIF-Eingänge. Der USB-A-Port dient allein zum Aufspielen von Firmware-Updates.

Technics SU-R1000: digitale Eingänge

Die digitalen Schnittstellen des Technics SU-R1000

Absolut analog

Hochpegelseitig stehen zwei RCA-Eingänge sowie ein XLR-Input bereit. Besonders erfreuen mich die Verbindungsmöglichkeiten zu externen Endstufen oder Subwoofern, Recordern oder Kopfhörerverstärkern und sogar Vorverstärkern: Es gibt die gute alte Tape-Schleife (Record-Out mit festem Pegel und Record-In), einen Pre-Out mit variablem Pegel und einen direkten Zugang zur internen Endstufe des Technics via Main-In – hilfreich zum Beispiel, wenn man die Verstärkerstufe des SU-R1000 in einem Surround-Setup mitnutzen möchte.

Technics SU-R1000: Cinch-Anschlüsse Pre- und Main-Out sowie Record

Old School: Am Technics SU-R1000 fehlen weder Tape-Schleife noch Vor-Endstufen-Auftrennung

Bitte jetzt stark bleiben

Einige unserer Leser müssen jetzt ganz stark sein. Vor allem, wenn sie sich der Hardcore-Vinylfraktion zurechnen. Doch ich verspreche, das Durchhalten ist es wert … Der Technics SU-R1000 besitzt zwei Phonoeingänge, einmal per RCA und einmal per XLR ausgeführt. Via RCA lassen sich Moving-Magnet- und Moving-Coil-Tonabnehmer anschließen, am XLR-Input nur MC-Typen. Beide Eingänge besitzen laut Technics eine symmetrische Signalführung, bis … Ja, bis die die kostbaren Phonosignale – wie auch alle anderen analog ankommenden Signale – digitalisiert werden. Wie bitte? Potzblitz! Frevel!

Oder doch nicht? Nüchtern betrachtet, kann die komplexe Signalverarbeitung, zu deren konkreten Funktionen ich gleich noch genauer komme, per se nur digital erfolgen – oder so zumindest einfacher und effizienter. Die Voraussetzung dafür, dass dabei möglichst wenig analoger Charme verloren geht, ist eine hohe Auflösung bei der A/D-Wandlung, also die größtmögliche Annäherung ans stetig verlaufende, analoge Signal. Der Technics SU-R1000 wandelt daher alle analog eingehenden Quellsignale zunächst mit einem A/D-Wandler von Asahi Kasei Microdevices mit 24 Bit/192 kHz. Diese und natürlich auch alle digitalen Eingangssignale sampelt die JENO-Engine (dazu gleich mehr) dann auf 32 Bit/768 kHz hoch. Erster positiver Effekt: Der in dieser Stufe vorliegende Signal-Rauschabstand läge bei -120 Dezibel, sagt Technics.

Intelligent Phono-EQ – Phono-Sonderbehandlung

Technics SU-R1000 mit Plattenspieler

Mit den Phonosignalen verfährt Technics besonders intensiv. Technics setzt drei digitale Signalverarbeitungsschritte ein, die man unter dem Banner „Intelligent Phono-EQ“ zusammenfasst: Mit Accurate EQ Curve will Technics vor allem einen hohen Signal-Rauschabstand erzielen, bevor die weiteren Kniffe zum Einsatz kommen. Dazu setzen die Japaner dem eigentlichen A/D-Wandler einen 40-Dezibel-Lowpass-Filter vor und heben hohe Frequenzen nach der Wandlung mit „hoher Genauigkeit“ wieder an. So sollen Verluste einer digitalen Filterverarbeitung vermieden und der gewünschte hohe Signalrauschabstand erreicht werden.

Maßgeblich

Die beiden in meinen Augen (und Ohren) maßgeblicheren Technologien aber sind der Phono Response Optimizer und das Crosstalk Cancelling. Beide justiert man mit Hilfe eines „Time Stretched Pulse“-Messsignals, das sich auf einer dem Technics SU-R1000 beigelegten Kalibrierungsschallplatte befindet. Das Messresultat dient dem Response Optimizer als Grundlage für eine genau auf den verwendeten Tonabnehmer angepasste, aktive Kalibrierung der Entzerrungskurve, die die Wechselwirkungen von Tonabnehmer und Phonostufe – zum Beispiel durch Fehlanpassungen der Abschlussimpedanz – an 400 Punkten im Frequenzgang korrigieren soll. Bis zu drei Tonabnehmermessungen lassen sich abspeichern und benennen. Zusätzlich zur Standard-RIAA-Entzerrungskurve unterstützt die Phono-Sektion auch ältere EQ-Kurven wie IEC, Columbia, Decca/FFRR, AES, NAB und „Old-RCA“. Na, langsam interessiert? Wenn nicht, dann hilft vielleicht der Crosstalk Canceller, die Analogpuristenscheuklappen endgültig abzulegen. Der analysiert das Übersprechen des Tonabnehmers – oft ein wunder Punkt für „Vinylies“ – und korrigiert das Signal per DSP. Theoretisch sollte das Klangbild damit klarer und räumlich besser definiert werden.

Technics SU-R1000: Schallplatte mit Testsignal

Dem Technics SU-R1000 liegt eine Kalibrierungsschallplatte bei

JENO – Upsampling, Lautstärkeregelung und PWM-Wandlung

Damit hören die Signalverarbeitungsspezialitäten im Technics SU-R1000 aber noch lange nicht auf. Einigen Lesern bereits bekannt dürfte die erwähnte JENO-Engine sein. JENO ist so etwas wie das digitale Herz moderner Technics-Verstärker und setzt sich zusammen aus einem Jitter-reduzierenden Abtastratenwandler fürs Upsampling auf 32 Bit/768 kHz, der Lautstärkeregelung sowie einem ∆Σ-(Delta/Sigma)-PWM-Wandler, der das PCM-Signal ins Class-D-Format PWM (Pulse Width Modulation) umwandelt und es der Ausgangsleistungsverstärkungsstufe zuführt. Der ∆Σ-Wandler ist zudem für die Rauschformung (Noise Shaping) verantwortlich, einem wichtigen Prozess in der JENO-Verarbeitung: Er verschiebt das Quantisierungsrauschen beim Upsampling in den Hochfrequenzbereich, um Rauschen im relevanten Audioband zu reduzieren. Die Lautstärkeregelung passiert unmittelbar vor der PWM-Wandlung in Form einer Multiplikation des 32-Bit/768-KHz-Audiosignals mit einem Lautstärkekoeffizienten. Dass der Lautstärkeregler das Signal aus dem Ausgang des Abtastratenwandlers bezieht und nicht umgekehrt, ist nicht trivial: Nur so kann der Technics SU-R1000 das Audiosignal (auch für LAPC, siehe unten) mit der vollen Bitzahl verarbeiten und dem Abtastratenwandler die maximale Auflösung liefern.

ADCT – Aktive Verzerrungsvermeidung

Einen potenziellen Schwachpunkt des volldigitalen Konzepts hat Technics in der Leistungsverstärkerstufe ausgemacht: Ein möglicher „Kick-back“ des angeschlossenen Lautsprechers (eine Rückwirkung der elektromotorischen Kraft) und Spannungseinbrüche der Stromversorgung bei hohen Stromanforderungen könnten zu Verzerrungen führen. Daher setzt Technics im Technics SU-R1000 erstens das bereits erwähnte „Advanced Silent Power Supply“ ein und drüber hinaus eine Art „interne Revision“ namens ADCT (Active Distortion Cancelling Technology). ADCT greift das Signal am Lautsprecherausgang ab und vergleicht es mit dem Output des Abtastratenwandlers. Durch diesen Abgleich des analogen PWM-Ausgangssignals vom ursprünglichen Audiosignal sei es möglich, potenzielle Verzerrungen effektiv in der JENO-Engine zu kompensieren, so Technics.

LAPC – Optimierte Anpassung an den Lautsprecher

Technics SU-R1000: Anzeige für LAPC

Die LAPC-Funktion des Technics SU-R1000 dient der lastabhängigen Phasenkalibrierung im Zusammenhang mit dem jeweils anhängigen Lautsprecher

Der JENO-Engine vor- und dem A/D-Wandler nachgeschaltet sitzt LAPC, ein DSP zur lastabhängigen Phasenkalibrierung (Load-Adaptive Phase Calibration). Das Ausgangsproblem: Die Impedanz eines Lautsprechers ist bekanntermaßen alles andere als konstant, sondern hat unvermeidlich eine mehr oder weniger volatil verlaufende Frequenzkennlinie. Im Idealfall sollte ein Verstärker nicht von dieser Impedanzcharakteristik beeinträchtigt werden. Das ist allerdings so gut wie nie der Fall. LAPC eruiert den individuellen Lastverlauf des angeschlossenen Lautsprechers über den Frequenzverlauf, indem er die nötige Verstärkung und die Phase am Ausgang des Amps mittels eines vom Technics SU-R1000 generierten Tons misst, mit diesem abgleicht und anschließend entsprechende Kompensationen vornimmt. Kleiner Spoiler: Diese Technologie kann ordentliche Klanggewinne mit sich bringen. Natürlich kann der Nutzer LAPC über die Fernbedienung ein- und ausschalten.

Puh. Das ist wahrlich eine ganze Latte an Kniffen, die die Japaner da auffahren. Und dabei haben wir noch gar nicht von „Kleinigkeiten“ wie den GaN-FET-Bauteilen gesprochen – Gallium-Nitrit-Treibertransistoren, die laut Technics extrem schnell schalten, mit niedrigem Einschaltwiderstand arbeiten und so den Pulsen der Class-D-Endstufe deutlich weniger Verzerrungen beifügen als MOSFETs. Oder von der batteriebetriebenen Masterclock, deren saubere Stromversorgung selbst kleinste Störungen durch unvermeidbare Verzerrungen aus der sogenannten Zener-Diode vermeiden und somit besonders präzise oszillieren soll. Aber was bringt all das?

Technics SU-R1000: Klangtest und Vergleiche

Technics SU-R1000: seitlich von vorne

Der Technics SU-R1000 im Rack

Kurze Antwort: Ziemlich viel. Ich habe für diesen Hörbericht im „Direct“-Modus gehört und alle technischen Möglichkeiten des Technics SU-R1000 ausgenutzt: LAPC, Cartridge Optimizer, Phono Response Optimizer und Phono Crosstalk Canceller. Und zwar deshalb, weil sie allesamt recht deutliche Vorteile gegenüber der Standard-Wiedergabe bieten. Zu den spezifischen Unterschieden komme ich im Verlauf der Hörbeschreibung.

Der Technics SU-R1000 hat Charakter, und den behält er unabhängig von der Quelle und dem Einsatz der diversen klangverbessernden Maßnahmen grundsätzlich bei. Entgegen des allgemeinen Trends (meine subjektive Beobachtung) versucht er allerdings nicht, anheimelnd-romantische Röhrenklänge zu simulieren oder mit massiver Bassgewalt Eindruck zu schinden. Stattdessen gibt er sich außerordentlich diszipliniert und kontrolliert, mit straffem Bass und einem fast schon schonungslos ehrlichen, detailverliebten Mittelton und Präsenzbereich.

Dass er dabei musikalisch einfühlsam bleibt, beweist er besonders beeindruckend mit einer spielerisch gemeisterten Gratwanderung, bei der viele andere Amps seiner Preisklasse in die eine oder andere Richtung den Hang hinabschliddern: Er transportiert anspringende Energie, Klarheit und schwerelose Transientenschnelle, ohne dabei aggressiv, hart oder unangenehm zu klingen —bei aller brüsken Ehrlichkeit macht er Spaß und Laune. Weder der ebenfalls volldigital arbeitende Waversa WAMP 2.5 MK2 (7.800 Euro) noch der Mark Levinson No. 5805 (9.000 Euro) vermögen die blitzblanke Leuchtkraft der Obertöne sowie den Anschlag der Stahlsaiten im Gitarrensolo der Single „The Lay Down (with H.E.R. & WATT)“ von DRAM oder die dreckige Verzerrung der Gitarre zu Beginn von „Chismiten“ von Mdou Moctars aktuellem Album Afrique Victime (auf Amazon anhören) so überzeugend-prägnant herauszustellen. Sowohl der Waversa als auch der Mark Levinson tönen verbindlicher, weicher, einen Tick schönfärberischer – Geschmackssache. Erst das Übertalent Grandinote Shinai (11.400 Euro) gibt sich ähnlich realistisch-natürlich wie der Technics SU-R1000, fügt dem Klangbild dabei allerdings doch noch einen Hauch mehr elegante Geschmeidigkeit und Cremigkeit zu.

Technics SU-R1000 in Silber

Den Technics SU-R1000 gibt es neben Schwarz auch in Silber

Nicht zuletzt Stimmen profitieren von der Charakteristik des SU-R1000. Jarvis Cocker gibt „Tearjerker“ vom Album Room 29: Song Cycle about a Piano in a Hotel Room dynamisch packend, penibelst artikuliert und eindringlich zum Besten – trotz des eher schlanken Unterbaus von Bass und Grundton. Der Technics SU-R1000 hat das Talent, die Modulationen von Stimmen und der Obertöne von Instrumenten ganz und gar mühelos transparent zu gestalten.

Exemplarisch dafür ist der dominant abgemischte, in weiten Bereichen modulierende Analogsynthie in „Wildfire“ vom selbstbetitelten Album der britischen Combo SBTRKT. Spannend, welche Drehungen, Biegungen und fließenden Brüche der Synthiesound-Wizard hier produziert. Und äußerst unterhaltsam, wie locker und entspannt der Technics SU-R1000 sie reproduziert! Aber auch harte Kost wie in „Nocturnal“ vom Album Scrolls of the Megilloth der australischen Christ-Death-Metal-Recken Mortification (auf Amazon anhören) wird plötzlich dramatisch besser durchhörbar: Wann konnte ich den E-Bass jemals so definiert und klar aus dem Sound der Band herausgestellt erleben? Und ja, dafür ist das Mittenband verantwortlich, denn vor allem dort definiert sich der Sound des „Bass“-Instruments.

Technics SU-R1000 mit angeschlossenen Kabeln

Wie bereits angedeutet, spielt der Technics SU-R1000 im Bass tendenziell trocken, straff und ansatzweise schlank. Nicht zu schlank, wohlgemerkt, denn selbst mediokre Aufnahmen wie Katatonias „July“ (Album: The Great Cold Distance) oder das totkomprimierte „Mouth for War“ von Panteras Klassiker Vulgar Display of Power besitzen genug Druck, um die Nackenmuskeln zu rhythmischen Kontraktionen zu bewegen. Zudem schiebt der Japaner linear bis sehr weit in den Tieftonkeller, ohne dort dem Effekt zuliebe aufzudicken oder die Kontrolle schleifen zu lassen, auch wenn ein ASR Emitter I (ab 6.800 Euro) da einen noch festeren Griff und mehr Druck zu bieten hat. Diese prägnant-sehnige, athletische Tendenz tritt übrigens mit aktiviertem LAPD noch etwas deutlicher zutage als ohne und zieht sich bis in den Grundtonbereich hinein. Dass es dabei selbst mit sehr neutral und straff-präzise abgestimmten Lautsprechern wie den ATC SCM19 nie langweilig klingt oder gar die Balance ins Blutleere kippt, spricht für die auf den Punkt definierte Abstimmungsleistung der Entwickler.

Exorbitant druckvolle Bassschübe zählen eher nicht zu den Lieblingskunststücken des Technics. Tieftonseitig schnell unterwegs, wirkt er allein aufgrund der geringeren bewegten „Bassmasse“ gegenüber Mitbewerbern wie dem Waversa WAMP 2.5 MK2 grobdynamisch etwas zurückhaltend. Umso mehr beeindruckt der Technics SU-R1000 mit seinem Antritt im Mittel-Hochton, katapultiert Bläsersätze wie in Lambchops „Fuku“ (Album: Showtunes), Piano-Anschläge und Stimmen (Chilly Gonzalez und Jarvis Cocker auf Room 29) mit geradezu gespenstischer Schnelligkeit aus dem Nichts von ganz leise nach ganz laut. Und laut geht mit dem SU-R1000 sowieso: Selbst nachbarschaftsunfreundliche Pegel reproduzieren die nicht gerade wirkungsgradstarken ATC SCM19 ohne den Anflug von Verzerrungen oder Kompression. Die faszinierendste Eigenschaft dabei ist die unglaubliche Impulsivität des SU-R1000: Da und weg ist der Impuls, so schnell und präzise abgegrenzt, dass sogar Phil Collins abgenudelter Drum-Einsatz aus „In the Air Tonight“ ganz neue, die alten Knochen des Rezensenten aktivierende Reize entfaltet, ganz ohne exaltiertes Bassinferno. Hammer!

Technics SU-R1000 im Rack mit Norma- und Waversa-Geräten

Der Technics SU-R1000 im Rack mit Verstärkern von Norma und Waversa

Auch feinen dynamischen Schattierungen – wie etwa bei den ausgeklügelten Transientenspielereien in Felix Labandes „Black Shoes“ (Album: Dark Days Exit) – fühlt der Technics SU-R1000 bis hin auf die mikroskopische Ebene nach. Dass der Technics ergo zu einer guten Auflösung des Hochtons fähig sein sollte, bestätigen recht beeindruckend die feinen Schlagzeugblechgespinste in Max Roachs „Lonesome Lover“ (Album: It’s Time).

Man kann den Technics zwar auch nach seiner gut zweiwöchigen Einspielzeit immer noch als „obenrum frisch“ bezeichnen. Die smoothe, feinseidig fließende Textur meiner Norma-Audio-Kombi aus SC-2 DAC (7.400 Euro) und PA-150 (5.300 Euro) will er offensichtlich nicht erreichen: Denn wenn es im Hochton so richtig zur Sache geht – wie zum Beispiel in „Montagues and Capulets“ aus der dramatischen Einspielung von Prokofievs Romeo & Julia der Münchner Symphoniker unter Sergiu Celibidache – soll das den Hörer ungeschminkt erreichen. Gut gepfeffert, aber nicht überwürzt gleißen die Bleche der Percussion-Sektion. Der Technics lässt dieses Getöse nicht zum homogenen Klangbrei werden, sondern arbeitet die Strukturen der einzelnen Bleche bestens heraus.

Technics SU-R1000: Lautsprecherklemmen

Die Lautsprecherklemmen des Technics SU-R1000

Übrigens: Die Impedanzanpassung LAPC bringt deutliche Fortschritte in Sachen Auflösung und Feindynamik. Wem so im Crescendo des Orchesters bei diesem Stück keine Gänsehaut über den Rücken kriecht, dem dürfte musikemotional kaum mehr zu helfen sein. Ach ja: Nicht zuletzt der Phono Response Optimizer tut sich hier besonders positiv hervor und erlaubt dem angeschlossenen Tonabnehmer, seine Auflösung und feindynamischen Fähigkeiten noch deutlicher herauszustellen. Sehr empfehlenswert!

Chilly Gonzales and Jarvis Cocker - Room 29LAPC hilft dem Technics SU-R1000 zudem dabei, das räumliche Geschehen besser einzuordnen. Mit eingeschalteter Lastkorrektur trennt der SU-R1000 Stimmen und Instrumente feiner und schärfer umrissen voneinander ab, lässt Jarvis Cocker auf Room 29 (auf Amazon anhören) einige Zentimeter nach vorne treten und das Piano von Chilly Gonzalez freier dahinter stehen. Beeindruckend ist in jedem Fall, wie groß und grenzenlos der Raum wirkt, den der Technics SU-R1000 illusioniert: Deutlich über die seitliche Begrenzung der Lautsprecher hinaus, weit nach oben und hinten Richtung Raumrückwand staffeln sich die Münchner Symphoniker. Auch hier verhilft LAPC dem Technics SU-R1000 zu mehr Übersicht und Abgrenzungsvermögen.

Besonders beeindruckt mich allerdings, dass der Technics mit aktivierter Lastkorrektur Q-Sound-Effekte aufdeckt, die mir zuvor schlichtweg verborgen geblieben waren. Rückschluss: LAPC ist ein toller Schritt nach vorn und eines der stärksten Argumente des SU-R1000. Bei der Räumlichkeit schlägt auch die große Stunde des Crosstalk Cancellers. Der positive Effekt ist ähnlich gelagert wie der von LAPC, nur noch mal einen Hauch deutlicher: Die Abbildung einzelner Instrumente gerät diskreter, schärfer umrissen, eindeutiger auf der virtuellen Bühne geordnet. In Sachen Klarheit und Definition wird das eingebaute Phonoteil sogar dem Neukomm MCR112S gefährlich – und der kostet alleine schon 2.600 Euro.

Technics SU-R1000 von vorne

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Test: Technics SU-R1000 | Vollverstärker

  1. 1 Ton + Technik
  2. 2 Technics SU-R1000: Klangtest und Vergleiche

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