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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Ausrufezeichen
  2. 2 Nubert nuZeo 11: Hörtest und Vergleiche

Menschen sind schon seltsame Tiere. Sie treffen ihre Entscheidungen oft aufgrund des Ansehens einer Technologie oder des Prestiges einer Marke oder eines Produktes und nicht aufgrund „harter“ Fakten zur Performance. Das ist legitim, auch im HiFi-Bereich. Einige Hersteller setzen jedoch weniger auf den schönen Schein, sondern streben nach maximaler Leistung fürs Geld in der highfidelen Kernkompetenz. Die Firma Nubert aus Schwäbisch Gmünd (https://www.nubert.de/) zählt sich selbst sicherlich zu dieser Gruppe, und das mit einigem Recht. Mit den aktiven Standlautsprechern nuZeo 11 (5.400 Euro/Paar) wollen die Ostwürttemberger ein Ausrufezeichen hinter diese Aussage setzen. Hören wir mal rein.

Aktiv werden!

Die nuZeo-Linie ist keine „Brot-und-Butter“-Serie mehr, sondern reiht sich mit Preisen bis zu knapp 10.000 Euro für ein Lautsprecherpaar für Nubertsche Verhältnisse in die Ober- bis Luxusklasse ein. Sie umfasst derzeit vier Modelle, darunter einen Kompaktlautsprecher (nuZeo4, 2.800 Euro), einen „Multifunktionslautsprecher“, der wohl vor allem als Center gedacht sein dürfte (nuZeo 6c, 1.100 Euro/Stück), sowie zwei Standlautsprecher, das Top-of-the-range-Modell nuZeo 15 (9.600 Euro) und unser Testobjekt, das in der Mitte angesiedelte Drei-Wege-Modell nuZeo 11.

Der Aktivlautsprecher Nubert nuZeo 11 in Weiß

Die Nubert nuZeo 11 sind Dreiwege-Aktivlautsprecher mit Downfire-Bassreflexsystem. Sie lassen sich kabelgebunden analog und digital ansteuern – und kabellos über den Nubert-eigenen X-Connect-Standard (wofür ein separates Gerät nötig ist)

Allen nuZeos gemein sind die in die Gehäuse integrierten Verstärker und die zeitgemäße Option, die Lautsprecher kabellos mit Musiksignalen zu beschicken – das ist sogar in einem Surround-Setting inklusive Subwoofer möglich (und dort wohl auch besonders interessant). Dazu ist allerdings ein Vorverstärker/Controller mit Nuberts hochauflösender X-Connect-Technologie und die Nubert X-Remote-App nötig. X-Connect ist ein proprietärer WLAN-Standard, der Auflösungen von maximal 192 kHz und 24 Bit bei geringen Latenzen ermöglicht.

Per X-Remote-App lassen sich die Lautsprecher umfänglich konfigurieren und kontrollieren, inklusive der automatischen Raumeinmessung „X-Room Calibration“, die im Frequenzbereich von 20 bis 160 Hertz mittels Testsignal und Mikrofon die Raummoden ermittelt und anschließend den Lautsprecherfrequenzgang entsprechend anpasst. So ein Feature kann extrem nützlich sein, wenn ein Raum starke Resonanzen im Tiefton hervorruft. iPhone-User dürfen dazu das im Smartphone integrierte (standardisierte) Mikrofon benutzen, Android-User müssen aufgrund der Vielfalt der in diesen Smartphones verbauten Mikrofone auf ein optionales von Nubert angebotenes Einmessmikrofon zurückgreifen. Ach ja: Traditionalisten können die Lautsprecher wie gewohnt per Kabel anschließen, und zwar wahlweise analog über Cinch und XLR oder digital via AES/EBU oder koaxial, hierfür stehen gleich zwei Cinch-Buchsen zur Verfügung.

Auch im guten alten analogen Verbindungsmodus nutzen die Verstärkermodule in den nuZeo 11 laut Nubert „modernste Digitaltechnik und sind besonders effizient“. Auf Nachfrage wird klar, dass es sich hier tatsächlich um digital gesteuerte Schaltverstärker handelt. Einkommende Analogsignale werden dementsprechend digitalisiert und per DSP auf die drei Wege verteilt. Ein vierteiliges Verstärkerensemble pro Box (zwei Module für die Basschassis, je eins für die Mitteltöner und den Tweeter), versorgt von einem Schaltnetzteil, schickt dann insgesamt bis zu 640 Watt Dauerleistung an die Chassis; kurzfristig seien für Dynamikpeaks sogar 1200 Watt drin.

Rückseitiges Anschlussterminal der Nubert nuZeo 11

Rückseitiges Anschlussterminal der Nubert nuZeo 11: Analog zugeführte Signale werden umgehend digitalisiert, allein schon deshalb, weil die Frequenzweiche über einen DSP realisiert wurde

Ein wahrscheinlich in gewissen Kreisen heiß diskutiertes Feature dürfte die (per App abschaltbare) adaptive Bassanhebung sein. Dabei hebt der DSP den Pegel der Basstreiber unterhalb einer Lautstärkeeinstellung von -30 dB an – wird es lauter, bleibt der Bassbereich unangetastet. Die maximale Bassanhebung beträgt +10 dB bei einer Systemlautstärke von -70 dB. Im Gegensatz zu einer „traditionellen“ Loudness-Schaltung passiert hier im Hochton nichts.

Der DSP in der nuZeo 11 optimiert zudem die Laufzeiten der Chassis. Nubert will so „nahtlose und zeitrichtige Übergänge zwischen den einzelnen Teilen des Frequenzspektrums und den zugehörigen Chassis“ garantieren. Dank einer steilflankigen Filterung der Übernahmebereiche – 200 Hertz beim Tief-Mittelton und 2100 Hertz beim Mittel-/Hochton – gemäß der Linkwitz-Riley-Charakteristik will man zudem Interferenzeffekte zwischen den Treibern reduzieren und das Abstrahlverhalten sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Richtung verbreitern. Keine schlechte Idee, denn gerade im Heimkinoeinsatz sollte es ja keinen einzelnen Sweet Spot geben, sondern einen möglichst weiten Hörbereich auf den Fauteuils.

Schlank und elegant – Design und Gehäuse

Trotz ihrer Höhe von 114 Zentimetern dürften sich die schlanken und auf minimalistische Art eleganten, hervorragend verarbeiteten Nubert nuZeo 11 in die meisten Wohnräume gut eingliedern lassen – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Möglichkeiten zur Klangeinstellung via DSP dem Besitzer bei der Positionierung viele Freiheiten geben. Anders ausgedrückt: Auch eine wandnahe Aufstellung ist kein Weltuntergang.

Der Lautsprecher Nubert nuZeo 11 in schwarzer Ausführung

Die Nubert nuZeo 11 gibt es in zwei Ausführungen: weiß und schwarz, wie hier im Bild

Als Gehäusematerial setzt Nubert überwiegend auf MDF mit Stärken von 22 Millimetern. In der sogar 30 Millimeter starken Schallwand der nuZeo 11 sitzen Vollaluminium-Drehteile, in die die Chassis bombenfest montiert sind und die gleichzeitig zur Schallführung dienen, so Nubert. Diverse Verstrebungen und die strategisch positionierte Dämpfung im Innern der Boxen sollen die Gehäuse akustisch optimieren.

Der tadellos aufgetragene Hochglanz-Polymerlack glänzt in meinen Augen vergleichsweise dezent. Ich würde mir neben den beiden verfügbaren Ausführungen weiß und schwarz auch ein oder zwei Holzfurniere zur Auswahl wünschen – in dieser Preisklasse sollte das drin sein, finde ich, von mir aus gegen Aufpreis.

Bewegte Massen

Die schallwandelnden Elemente selbst sind nicht weniger aufwändig konstruiert als die Gehäuse. Die Tief- und Mitteltöner besitzen unverkennbar Membranen aus Karbonfasern, denen eine hochdämpfende Polymerbeschichtung aufgetragen wurde. Die konkave Form ohne Staubschutzkalotte soll neben einem cleaneren Aussehen auch eine präzisere Membranbewegung ermöglichen und einen „idealen Mix aus Steifigkeit und Resonanzarmut“ besitzen.

Die Tieftöner der Nubert nuZeo 11

Bei den Tieftönern (im Bild) und den Mitteltonchassis der nuZeo 11 setzt Nubert auf Membranen aus Karbonfasern

Die konkaven Membranen werden von einem sogenannten Balanced-Force-Magnetsystem angetrieben. Die wulstigen Gummisicken der Bässe lassen darauf schließen, dass wir es hier mit einem langhubig ausgelegten Design zu tun haben, daher ist es gut, dass Nubert laut eigener Aussage besonderen Wert auf ein strömungsoptimiertes Korbdesign gelegt hat, um Verwirbelungen und Nebengeräusche zu vermeiden. Das gilt auch für den Bassreflexport, den die Schwaben nach dem Downfire-Prinzip in die Bodenplatte montieren. Dank der Traversenfüße (gleich mehr dazu) entsteht ein in engen Toleranzen definierter Abstand zum Boden, so dass man als Entwickler gute Möglichkeiten hat, den Bassreflexkanal optimal für die Klangabstimmung zu nutzen.

Hoch- und Mitteltöner der Nubert nuZeo 11

Der Hochtöner der nuZeo 11 wird von einem feinmaschigen Gitter geschützt und sitzt zwischen den beiden Mitteltonkonussen

Der Hochtöner der Nubert nuZeo 11 besitzt eine Kalotte mit 25 Millimeter Durchmesser. Als Membranmaterial hat Nubert die Kunstseide „Tetoron“ ausgewählt, die dem Auflösungsvermögen und der Dynamik guttun soll. Um den Frequenzverlauf insbesondere im unteren Teil des Übertragungsbereichs möglichst sauber zu halten, füllt Nubert die Rückkammer des Tweeters mit Baumwollfasern, und vor der Membran soll eine angedeutete Schallführung hinter einem Schutzgitter für ein möglichst homogenes Abstrahlverhalten sorgen.

Traversenfüße

So hohe und schlanke Lautsprecher benötigen für einen sicheren Stand eine breite Basis, deshalb hat Nubert den nuZeo 11 stabile Traversenfüßen aus pulverbeschichtetem Aluminiumdruckguss beigelegt. Ich würde so etwas ja bei allen Lautsprechern begrüßen, denn solche Füße beziehungsweise Ausleger bieten den unschätzbaren Vorteil, dass man den Niveauausgleich auf unebenen Böden von oben erledigen kann, statt sich auf dem Boden kniend oder gar liegend mit dem Schraubenschlüssel abmühen zu müssen.

Höhenverstellbarer Standfuß der Nubert nuZeo 11

So sollte es eigentlich immer sein: Die Standfüße der nuZeo 11 lassen sich bequem von oben in der Höhe justieren

In diesem Fall sprechen wir über ein besonders komfortables und leichtgängiges Exemplar: Vier großzügig dimensionierte Rändelschrauben mit Feststellmuttern bieten eine bequeme und präzise Ausgleichsmöglichkeit per Dreh von oben. Danke! Selbstverständlich legt Nubert Tellerscheiben bei, um Parkett und Co. vor Beschädigungen durch die Spikes zu schützen.

Nubert nuZeo 11: Hörtest und Vergleiche

Ich steuere die Nubert nuZeo 11 per Graditech-Kide3-Cinchkabel mit meiner Vorstufe Norma Audio REVO SC-2/DAC an und betreibe sie ohne weitere Klangbeeinflussung im Default-Modus. Auf die mannigfaltigen Möglichkeiten der Nubertschen DSP-Funktionen inklusive der Raumkalibrierung gehe ich in einem gesonderten Test der Flaggschiff-Streaming-Vorstufe Nubert nuControl X ein – an dieser Stelle würde das Thema, angemessen aufbereitet, den Rahmen sprengen.

Die Nubert nuZeo 11 im Hörraum

Die Aufstellung der Lautsprecher im Raum gerät erfreulich unkompliziert. Vom Öffnen der stabilen Doppelkartons bis zum Erklingen des ersten Tons vergehen für geübte HiFi-Fans kaum 30 Minuten. Die klassischen „50 Zentimeter Luft im Rücken“ sind eine gute Faustregel, auch wenn es bei mir am Ende doch 10 Zentimeter mehr sind.

Von oben nach unten

Im puristischen, vom EQ unbeeinträchtigten Analogbetrieb erweisen sich die Nubert nuZeo 11 als sachliche, fast perfekt neutrale Musikvermittler. Das einschränkende „fast“ bezieht sich (neben der ausschaltbaren adaptiven Bassanhebung bei niedrigen Pegeln) auf den unteren Hochton, der ein klitzekleines bisschen prononciert rüberkommt. Heißt: Schlagzeugbleche haben ordentlich Biss, zeigen Körperhaftigkeit und eine selbstbewusste Durchsetzungskraft im musikalischen Mix. Zu viel oder verfärbend wird das mit den nuZeo 11 jedoch nie. Da der Hochton insgesamt exemplarisch sauber und verzerrungsfrei bis in partytaugliche Pegelregionen spielt, besteht auch wenig Gefahr, dass sich der Hörer genervt abwendet. In „Lonesome Lover“ von Max Roach funkelt das Blech jedenfalls klar und definiert und lässt allenfalls ein wenig die luftige Offenheit und Weite im Superhochton vermissen, die zum Beispiel die Seidenkalotten der deutlich teureren aktiven ATC SCM20ASLT (10.800 Euro) oder ihre passive Variante ATC SCM20PSL (5.500 Euro) vermitteln können.

Hochtöner der Nubert nuZeo 11

Hinter dem Schutzgitter steckt der Hochtöner der nuZeo 11 – die kurze Schallführung vor der Membran soll für ein möglichst homogenes Abstrahlverhalten sorgen

Das Mittenband

Der Mittelton schließt bruchlos an den Hochton an. Männer- wie Frauenstimmen klingen offen, frei, transparent, ohne ihren Körper oder ihre Fülle zu verlieren – wenn sie diese denn besitzen. In den meisten Fällen fühlt sich die Mitten-Ansprache der Nubert nuZeo 11 eher direkt als zurückhaltend an, was an der erwähnten minimalen Betonung des unteren Hochtons liegen könnte, die sich bei genauerem Hinhören bis in den oberen Mittenbereich hineinzieht. Wenn die Aufnahme es hergibt, wie etwa bei „Baby Plays Around“ von Declan Macmanus und Catie O’Riordan, erscheint die Stimme der Sängerin knapp vor der Lautsprecherebene mit strahlender Präsenz und einer für diese Klasse erstaunlichen Klarheit in der Artikulation. Das können weder die kompakten Econik Six (ab 3.699 Euro) noch die passiven Standlautsprecher Scansonic Q3 (7.000 Euro) so gut – erst die oben erwähnten ATC-Modelle punkten mit noch etwas mehr Offenheit und Luft um den/die Sänger(in). Auch Percussion-Impulse gewinnen durch die Charakteristik des Präsenzbereichs ein wenig an Prägnanz und schnalzen gefühlt schön flott aus den Membranen.

Grundton und Klangfarben

Besonders gut gefällt mir der klar definierte, feste und griffige Grundton der Nubert nuZeo 11. Er lässt das Cello in „The Curse“ von Agnes Obel richtig schön knorrig ertönen, gibt ihm Substanz und bewahrt so den typisch hölzernen Korpus des Instruments. Die Obertöne sind ebenfalls da, und zwar in einem realistischem Verhältnis und keinesfalls romantisch überhöht. Sicherlich gibt es Lautsprecher, die Klangfarben strahlender und satter malen, doch das würde einfach nicht zum gradlinigen Charakter der Nubert nuZeo 11 passen. Ebenfalls beachtlich: Die nuZeo 11 schaffen eine glasklare Trennung der Stimme Obels vom Streichinstrument. Das ist bei diesem Stück (und in dieser Preisklasse) keine Kleinigkeit, da elektronische Verfremdungsverfahren für eine gewisse Unbestimmtheit der Abbildung der Vokalspur sorgen, die weniger fähige Schallwandler gerne über den Rest des Geschehens ausbreiten. Diese Fähigkeit zur Differenzierung von Mittel- und Grundtondetails ohne tonale Tricksereien ist nicht nur in dieser Klasse außergewöhnlich.

Nubert nuZeo 11 vorm Plattenspieler im Hörraum

Ab nach unten

Der Bass geht tief, sehr tief runter in den Keller und spielt mit eingeschalteter adaptiver Bassanhebung bei leisen Pegeln gefühlt minimal lauter als der Mittelton. Ich bin mir recht sicher, dass diese Art Loudness von der Mehrheit der potenziellen Kunden als angenehm empfunden wird – und falls nicht: einfach ausschalten. Wie gesagt: Je lauter man spielt, desto weniger ausgeprägt ist der Eingriff. Bereits knapp über Zimmerlautstärke spielt der Bass dann schon mustergültig neutral – und das gilt generell, wenn die adaptive Bassanhebung nicht aktiv ist.

Wo wir gerade bei „laut“ sind: Die Nubert nuZeo 11 können es ordentlich krachen lassen und bleiben selbst bei Partypegeln kontrolliert, sauber und knackig. Bassige Tracks wie „Das Spiegel“ von The Chemical Brothers besitzen diesen in die Beine gehenden Drive und adrenalinausschüttenden Wumms im Unterstübchen, doch es dröhnt selbst in meinem Raum, der solche Tendenzen gnadenlos aufdeckt, so gut wie gar nicht – da muss ich den Nubert nuZeo 11 ein echtes Kompliment machen.

Dynamisch expressiv und explosiv

„Variations“ von Submotion Orchestra macht klar, dass die Nubert nuZeo 11 grobdynamisch keine Kinder von Traurigkeit sind. Mannomann, wie die insgesamt vier Woofer hier eine steife Föhnbassbrise in den Raum stemmen, ist schon beeindruckend. Auch Dynamik in den mittleren und oberen Lagen goutieren die Nubert, wie sie mit Gidon Kremers Violine in „I: Ludus“ von Arvo Päärts hypnotischem Meisterwerk Tabula Rasa oder „O Fortuna“ aus Carl Orffs Carmina Burana mit dem London Symphony Orchestra und seinen krassen Pegelsprüngen von Chor und Blechschlagwerk beweisen. Ehrlich: So viel Gänsehaut hatte ich mit Lautsprechern im vierstelligen Bereich bei diesen Stücken schon lange nicht mehr. Interessanterweise gerade bei den hohen Lagen in Kremers Violinspiel.

Rückseite des Verstärkermoduls der Nubert nuZeo 11 mit Anschlussterminal

Die Impuls-Freudigkeit der Nubert nuZeo 11 trägt dazu ihr Scherflein bei. Okay, so ganz an die Fähigkeiten der passiven Wilson Benesch P1 (8.000 Euro) oder Mach 2R von Grandinote (ab 6.600 Euro) im Transientenbereich kommen die aktiven deutschen Klangsäulen nicht heran, doch wenn in „Take Five“ von Jazz at the Pawnshop das Drumsolo beginnt, bleibt auch hier kein Auge trocken – zumal die tonale Ausgewogenheit der nuZeo 11 den beiden genannten (deutlich teureren, passiven) Modellen die Rücklichter zeigt.

Chilly Gonzales Jarvis Cocker Room 29Feindynamik? „Geht auch“, machen Jarvis Cocker und Chilly Gonzalez mit ihrer Performance auf dem Album Room 29 klar – wenngleich die Grobdynamik von Klavier und Stimme den subtilen Lautstärkeschattierungen des Tasteninstruments ein wenig die Schau stiehlt. Das gilt gleichfalls für die Klangspielereien von Yosi Horikawa in „Bubbles“, wo die feisten Synthiebässe mit den myriadenfach abgestuften Schallereignissen, Impulsen und Transienten im Mittel-/Hochton um die Aufmerksamkeit des Hörers wetteifern. Dennoch: Auch Fans der feinen Zwischentöne dürften mit den nuZeo 11 glücklich werden.

Liebe zum (unauffälligen) Detail

Fink LowSwing SessionsDie schlanken Nubert transportieren Details vollkommen unaufdringlich, fast beiläufig. Das zeigt sich insbesondere bei Aufnahmen, die keine „audiophilen Strahlemänner“ sein wollen, also einen natürlichen und doch transparenten und detailreichen Klang besitzen. Nehmen wir zum Beispiel die LowSwing Sessions von Fink: Die rein analog aufgenommene Scheibe trägt den typischen Hausklang des LowSwing Studios beziehungsweise von dessen Mastermind Guy Sternberg: Satt, warm, sauber, räumlich natürlich, mit einer fluffig-eleganten Dynamik und einem eher sanften Hochton. Diese Scheibe gibt es in einer Standardversion mit einer Platte und 33 1/3 U/min und als Limited Edition mit zwei Schallplatten und 45 U/min.

Die Nubert machen die klanglichen Unterschiede zwischen den beiden Versionen gerade im Detailbereich in einer für diese Preisklasse erstaunlich deutlichen, unprätentiösen Weise klar: Hier ein bisschen mehr Textur, dort ein Artikulationsgeräusch weniger, hier wieder mehr Aura bei den Schlagzeugblechen, die in der 45er-Version zudem differenzierter ausklingen. Das ist eine mutige, aber richtige Entwicklungsentscheidung: Ein oberflächliches „Mal-schnell-reinhören“ dürfte das ganze Können der Nubert nuZeo 11 selten aufdecken, doch ich finde dieses Understatement richtig gut, weil sie meine Aufmerksamkeit von Klangspielereien weg und hin zum eigentlich Wichtigen lenkt. Erst deutlich teurere Modelle wie die genannten ATC SCM20ASLT können sich in dieser Beziehung von den Nubert absetzen.

Unterer Fußbereich der Nubert nuZeo 11 mit grün leuchtendem "nu"-Schriftzug

Ich will nicht unerwähnt lassen, dass es auch günstigere Lautsprecher wie die Buchardt A500 (3.500 Euro) gibt, die noch mehr Mikrodetails in den Hörraum transportieren und die ebenfalls richtig tief im Bass spielen können. Aber: Den Reifegrad, die Basskontrolle, die Ausgewogenheit, Homogenität und die Natürlichkeit der Nubert nuZeo 11 erreichen sie lange nicht.

Raum

Die nuZeo 11 bilden die Bühne vornehmlich auf und erstaunlich weit hinter der Lautsprecherebene ab. Wenn Sie nun denken: „Hm, das hat sich aber vorhin bei der Stimmwiedergabe noch ganz anders angehört“, dann haben Sie recht: Einzelne Schallereignisse, besonders Stimmen und dynamische Ereignisse im Mittel-/Hochton, können die Nubert klar vor die Lautsprecherebene projizieren, obwohl sie vom „Grundnaturell“ her eher ab der Stereobasis in die Tiefe spielen. Der virtuelle Raum öffnet sich mit den Nubert also recht tief und besitzt auch eine gut ausstaffierte Höhendimension. In der Breite reicht er (mit normalem Stereo-Material) so gut wie nie über die Lautsprecherbasis hinaus.

Yosi Horikawa WanderingZu dieser horizontal kompakteren Darstellung passt die präzise, eher dreidimensional körperhafte denn flächige Abbildung von Instrumenten und Stimmen, die schön greifbar, geradezu holografisch auf der Bühne stehen und ausreichend Platz um sich herum besitzen. Die verzerrungsfreie Sauberkeit, mit der die Nubert nuZeo 11 agieren, trägt dazu in hohem Maße bei. Zum Beispiel machen sie es mir bei Yosi Horikawas „Bubbles“ (Album: Wandering) leicht, eine separat existierende Klangfläche links unten und das Geschehen darauf zu orten – unabhängig von den turbulenten und doch bestens nachvollziehbaren Klangereignissen rundherum.

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Test: Nubert nuZeo 11 | Aktivlautsprecher

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