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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Sound & Zukunft
  2. 2 Klangtest und Vergleiche: Econik Six

Das Konzept kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Ein Aktivkompaktlautsprecher mit Wireless-Fähigkeiten, ein optionaler Wireless-Hub, heckseitig eine zweite Bassmembran sowie ein für die Größe irrer Tiefgang – richtig, das wären die Buchardt A500. Nun kommt der deutsche Buchardt-Vertrieb Hifi Pilot mit einer eigenen Interpretation des Erfolgskonzepts daher. Was sind die Unterschiede, und warum hat man sich zur Co-Existenz dieser Produkte entschieden? Wir schauen uns die Econik Six (ab 3.699 Euro | https://econik-speakers.com/), das größere der beiden derzeit verfügbaren Stereo-Modelle, und den passenden Stereo-Hub der Firma Platin (300 Euro Mehrpreis im Set, 700 Euro als Einzelgerät) an.

Doch zuallererst klären wir mal, was die Econik Six eigentlich sind. Für alle, die den Test der Buchardt A500 (ab 3.500 Euro) nicht gelesen haben, hier eine Kurzfassung des Prinzips: Es handelt sich um 2,5- oder 3-Wege-Kompaktlautsprecher mit integrierten Endstufen, die nicht nur angesichts ihrer Größe mit einem beeindruckenden Tiefgang aufwarten. Moment, 2,5 oder 3 Wege in einem Modell? Dazu später mehr. Über verschiedene Klang-Presets, die per USB-Stick direkt auf den Lautsprecher gespielt werden, können Nutzer den Sound an ihre Vorlieben und/oder den Raum anpassen. Mit den optionalen Stereo- oder Surround-Hubs der Firma Platin kommen automatische Einmesssysteme sowie DSP- und Streaming-Funktionalitäten hinzu.

2,5- und 3-Wege-Lautsprecher in einem: die Econik Six

2,5- und 3-Wege-Lautsprecher in einem: die Econik Six

Die Gründe, warum der deutsche Buchardt-Vertrieb sich dazu entschloss, die Marke Econik zu etablieren, mögen auf den ersten Blick nicht unmittelbar einsichtig sein. Nach einem Gespräch mit einem der Chefs des Vertriebs, Berthold Daubner, zeigt sich jedoch, dass es eine bewusst am Markt ausgerichtete und im Einvernehmen mit den Dänen von Buchardt getroffene Entscheidung war:

„In der Vergangenheit hatten wir viele Anfragen von Buchardt-Kunden, die ihr bestehendes 2.0-System zu einem Surround-Set erweitern wollten, was mit WiSA (Wireless Speaker and Audio) kein Problem wäre, da dieser kabellose Übertragungsstandard aktuell eine verlustfreie Übertragung mit bis zu 7.1 bzw. 5.1.2 Kanälen erlaubt. Da sich Buchardt auf die reine Stereowiedergabe konzentriert, haben wir in Absprache entschieden, unseren Kunden mit den Econik-Modellen eben genau diese Möglichkeit zu bieten. Unabhängig davon spielten wir schon seit vielen Jahren mit der Idee, einen eigenen Lautsprecher nach unserer Klangphilosophie zu entwickeln, der unseren Kunden größere Wahlfreiheit erlaubt.“

Stereo Hub zu den Econik Six

Der optionale „Stereo Hub“ zu den Econik Six ermöglicht unter anderem Streaming und eine individuelle Raumeinmessung der Lautsprecher

Dementsprechend hat Econik mit den Four (2.699 Euro) kleinere Lautsprecher zum Beispiel für die Surroundkanäle und mit dem Seven einen Centerlautsprecher für 1.949 Euro im Portfolio. Zum Zeitpunkt dieses Tests bietet Econik auf der Webpage übrigens besondere Einführungskonditionen an.

Differenzierung statt Differenzen: Materialien, Treiber und ein schlauer Tiefton

In Sachen Differenzierung wäre zuallererst die betont nachhaltige und zu fairen Arbeitsbedingungen in Deutschland stattfindende Fertigung der Econik-Modelle zu nennen. Schon die Umverpackung der Econik-Six-Lautsprecher ist mit einem Papierklebeband verschlossen, ebenso die Kartons der nochmals einzeln verpackten Boxen. Hat man die geöffnet, schauen einem Eck-Schützer aus einem Material entgegen, das definitiv kein Erdöl intus hat. Ich tippe mal auf so was wie stabil geformte Maisstärke, denn es riecht ein wenig nach Popcorn. Und die Lautsprecher sind nicht etwa in irgendein Plastik, Schaumstoff oder Kunst-Samt gehüllt, sondern befinden sich in einem wertigen Jutesack mit Zuzieh-Kordel. Das gefällt mir. Sogar die beigelegten Netzkabel kommen ohne Plastikverpackung aus. So einfach kann das gehen – nachahmenswert.

Informationsblatt zur Umweltverträglichkeit der Econik Six

Econik verspricht mit Blick aufs Konzept, die Produktion und Verpackung seiner Lautsprecher verstärkt auf Umweltfreundlichkeit zu achten

Damit hören die Unterschiede zu den Buchardt-Lautsprechern nicht auf: So stammen die Treiber von unterschiedlichen Herstellern und kommen mit anderen Membranmaterialien, zudem sind die Econik-Six-Treiber durch die Bank größer als die der Buchardt A500. Der Hochtöner der Six ist lediglich von einem angedeuteten Waveguide flankiert, dafür aber von einem Zierring umgeben, dessen Ausführung man aus vier Holzarten wählen kann. Die mit starken Magneten versehenen optionalen Frontbespannungen der Econik-Lautsprecher sind sogar in sechs Farbausführungen erhältlich. Nicht zuletzt gestalten sich die Lautsprechergehäuse, die Innenverkabelung sowie das verwendete Isolationsmaterial anders.

Und dann wäre da noch die dynamische Bassanpassung der Econik-Lautsprecher: Eine lautstärkeabhängige Frequenz-Anhebung im Tieftonbereich, die berücksichtigt, dass unser Gehör bei geringen Lautstärken tiefe Frequenzen relativ schwächer wahrnimmt. Entsprechend hebt die Korrektur bei niedrigen Pegeln den Bass am stärksten an, mit zunehmender Lautstärke sodann stetig geringer. Ab 70 Dezibel im Raum erfolgt keine Anpassung mehr. Die Korrektur orientiere sich an „den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Norm ISO 226:2003“, so Econik.

Die magnetisch haftenden, optionalen Frontbespannungen der Econik-Lautsprecher in den sechs Farbausführungen

Die magnetisch haftenden, optionalen Frontbespannungen der Econik-Lautsprecher sind in sechs Farbausführungen erhältlich

Soweit der erste Rundgang um die Econik Six, schauen wir uns als nächstes die Features en détail an – und starten dazu mit den Lautsprechern:

Die Hardware der Econik Six

Die Chassis der Econik Six befinden sich wie erwähnt auf der Front und Rückseite der Lautsprecher. Alle Treiber stammen vom norwegischen Hersteller Seas.

Hochtonseitig entschied sich Econik für eine 25-Millimeter-Gewebekalotte aus Seas‘ Excel-Serie mit – auch dank breiter Sonomex-Sicke – geringen Toleranzen. Die Magnetflüssigkeit mit geringer Viskosität sorge für optimale Kühlung sowie eine niedrige Resonanzfrequenz. Die spritzgegossene Hinterkammer des Tweeters soll darüber hinaus heckseitige Reflexionen und Resonanzen effektiv unterdrücken. Und dank eines Doppelmagnetsystems erreiche man mit dem Hochtöner gegenüber Ein-Magnet-Antrieben einen höheren Wirkungsgrad sowie eine vermehrte Kontrolle über die Schwingspule und damit Impulstreue.

25-Millimeter-Gewebekalotte aus der Seas-Excel-Serie und 16,5-cm-Mittel-Tieftontreiber aus der Prestige-Serie von Seas

Hochtonseitig kommen die Econik Six mit einer 25-Millimeter-Gewebekalotte aus Seas‘ Excel-Serie, die 16,5-cm-Tiefmitteltöner entstammen der Prestige-Serie der Norweger

Die 16,5-cm-Tiefmitteltontreiber entstammen der Prestige-Serie von Seas. Die Membran mit den markanten Sprenkeln basiert auf einer Schilf-Papier-Mischung. Econik schreibt dem Material unter anderem „einen natürlichen Schmelz im Klang“ zu. Das Magnetsystem besitzt eine leichte Schwingspule aus kupferbeschichtetem Aluminium (es gibt eben doch immer wieder mal was Neues …), die ein gutes Einschwing- und damit Impulsverhalten befördere. Der großen „Fenster“ des Metallkorbs dienen der Minimierung von Schallreflexionen, Luftstromgeräuschen und Hohlraumresonanzen.

Die in Dänemark entwickelten und in China gefertigten Aktivmodule der Econik Six sind ebenfalls keine rein proprietären Lösungen, sondern stammen wie der Stereo Hub vom Hersteller Platin und kommen, so Berthold Daubner, in diversen bestens beleumundeten Produkten zum Einsatz. Das habe seine Gründe, sagt er: „Das Modul bietet mit WiSA, XLR, vier Endstufenmodulen samt jeweils 150 Watt Leistung und einer frei programmierbaren digitalen Weiche alles, was wir brauchen – insbesondere die Möglichkeit, ohne Umwege Klang-Voreinstellungen per USB-Stick aufzuspielen. Das Modul hat sich darüber hinaus als klanglich sehr hochwertig, zuverlässig und langlebig erwiesen.“

Die Membran des Tieftmitteltontreibers der Econik Six

Die Membran des Tieftmitteltöners der Econik Six basiert auf einer Schilf-Papier-Mischung

Der „Stereo Hub“ – Wireless-Schaltzentrale und Vorverstärker

Die Econik-Six-Lautsprecher lassen sich ganz klassisch über analoge XLR-Verbindungen mit einem Vorverstärker als „normale“ aktive Stereolautsprecher betreiben. Allerdings entgehen dem Anwender so die über die Klangeinstellungen per USB-Stick hinausreichenden Möglichkeiten zur Soundbeeinflussung und eine ganz Menge Komfort. Der Stereo Hub – im Paket statt 700 Euro nur mit 300 Euro Mehrpreis – ermöglicht es, die Lautsprecher per WiSA kabellos in ein 2.0- bis 7.1-System zu integrieren und fungiert zudem als Vorstufe mit zusätzlichen Eingängen. Die Übertragung des Musiksignals zu den Lautsprechern erfolgt mit 24 Bit Wortbreite und 96 kHz Abtastrate. Die vom Hersteller angegebenen 40 Meter gelten für „barrierefreie“ Funkstrecken, laut Vertrieb kann man auf 10 bis 15 Meter durch zwei Wände hinweg eine stabile Verbindung aufbauen. Mein Home Office bzw. Hörraum sind zu klein, um das überprüfend auszureizen.

Dank seiner analogen und digitalen Eingänge nehmen TV, CD-Player oder sogar ein Phono-Preamp mit dem Stereo Hub Kontakt auf. Per DLNA/UPnP lässt sich zudem highfidel netzwerken, inklusive nativer Zusammenarbeit mit nahezu allen angesagten Musik-Streaming-Services. Chromecast (dient auch als Roon-Endpunkt) wird ebenso unterstützt wie Bluetooth 5.0 mit aptX. Zu einem späteren Zeitpunkt soll darüber hinaus noch auf die Kompatibilität mit AirPlay 2 upgedatet werden, aktuell arbeitet der Hub „nur“ mit Apple AirPlay.

Die Rückseite des Stereo Hub

Dank seiner analogen und digitalen Eingänge nimmt der darüber hinaus netzwerk- und streamingfähige Stereo Hub mit verschiedensten Quellen Kontakt auf

Übrigens: Für Surround-Freunde gibt es den Surround Hub X, der die Möglichkeiten des Stereo Hub auf bis zu 7.1 oder 5.1.2 Kanäle erweitert. Und wer zunächst einen Stereo Hub gekauft hat und sodann auf Surround upgraden will, kann das „alte“ Gerät nach Erhalt des Surround Hub zurücksenden und bekommt den Kaufpreis des Stereo Hub erstattet. Auch das zahlt auf die Nachhaltigkeit ein.

Funkfernbedienung

Die Funkfernbedienung schaltet sich automatisch selbst ein, sobald sie eine Bewegung bemerkt oder ein angeschlossenes Quellgerät eingeschaltet wird. Dank ihrer LED-Anzeige kann man den Stereo Hub theoretisch sogar von einem anderen Raum aus bedienen und behält dennoch den Überblick über die gewählte Quelle und Lautstärke.

Die dem Stereo Hub beiliegende Funkverbindung

Die dem Stereo Hub beiliegende Funkverbindung

Klang-Presets und Einmesssystem

Mit Blick auf die Klang-Presets der Econik Six sowie das Einmesssystem des Stereo Hubs handelt es sich um zwei grundlegend verschiedene Features. Die Klang-Presets lassen sich ohne Hub verwenden, da sie per USB-Stick auf die Lautsprecher gespielt werden und dort die Einstellungen der Weiche direkt modifizieren. „So können Kunden ihre Lautsprecher ohne zusätzliche Hardware optimal auf verschiedene Anwendungszwecke abstimmen. Da die digitale Weiche diese Möglichkeiten bietet, nutzen wir sie selbstverständlich, wobei wir und Buchardt unsere Lautsprecher nach jeweils eigener Design- und Klangphilosophie entwickeln und tunen“, sagt Berthold Daubner.

Das Einmesssystem und der manuell einstellbare EQ funktionieren hingegen per Econik-App und somit allein übers Hub. Die Einmessung klappt in wenigen Minuten – allerdings ausschließlich mit Apple iOS-Geräten, denn nur die dort verbauten Mikrofone seien fix kalibriert und qualitativ gut genug. Logisch: In der Android-Welt kommen unterschiedlichste Mikrofone zum Einsatz, so dass eine verlässliche Einmessung quasi unmöglich ist. Wer kein iPhone besitzt, kennt sicherlich jemanden, dessen iPhone er mal ausleihen kann – die Einmessung muss ja theoretisch in jedem Raum nur einmal durchgeführt werden. Zudem kündigt der Hersteller an, dass im Laufe des Jahres ein spezielles Messmikrofon an den Start gebracht wird, das Econik-Besitzer unabhängig von iPhone-Geräten macht.

Klangtest und Vergleiche: Econik Six

Econik Six im Hörraum

Econik Six im Hörraum mit grüner Abdeckung

Ich könnte es mir jetzt ziemlich einfach machen und Sie zum Test der Buchardt A500 lotsen, denn im Grundsatz haben wir es hier mit nicht nur sehr ähnlich aufgebauten, sondern auch ähnlich abgestimmten Lautsprechern zu tun. Doch bei aller Ähnlichkeit im Konstruktionsprinzip und dem grundsätzlich verwandtschaftlichen, satten, tiefbassigen und eher geschmeidigen Klangcharakter differenzieren sich die Econik Six von den Buchardt-Halbschwestern nicht nur aufgrund unterschiedlicher Bestückung und anderer Produktionsorte, sondern auch durch im Detail individuelle Klangsignaturen, die – Spoiler – im Falle der Econik schlicht und ergreifend noch etwas natürlicher wirken.

Aber von vorne:

Setup und Testvorgehen …

Die grundsätzliche Beurteilung des Klangs unserer Testlautsprecher nehme ich per analoger XLR-Anbindung an meine treue Vorstufe Norma Audio Revo SC-2 (5.400 Euro) mit integriertem DAC-Modul (2.000 Euro) sowie dem vorgeschalteten Waversa Systems Wstreamer (999 Euro) vor. Die Klang-Presets beurteile ich ebenfalls in dieser Konfiguration. Den Einfluss der kabellosen Übertragung über den Platin Stereo Hub untersuche ich dann ebenso separat wie den der automatischen Einmessung über die Econik-App. Die Lautsprecher stehen mit 90 Zentimetern Luft im Rücken (also etwas weiter von der Wand entfernt als meine massigeren ATC SCM50PSL, aktuell 15.500 Euro) gut zwei Meter auseinander und sind nur leicht auf den Hörplatz angewinkelt.

Das rückseitige Bedien- und Anschlussfeld der Econik Six

Das rückseitige Bedien- und Anschlussfeld der Econik Six – analog geht’s per XLR hinein

Der analoge Standard

Hui, ist das groß. Also nicht die Lautsprecher an sich, sondern der Raum, den sie entwerfen. Die entsprechende Musikkonserve vorausgesetzt und angesteuert vom hochwertigen Norma-Audio-Frontend spannen die Econik Six eine wahrlich beeindruckende Bühne auf, die sich von weit links außen bis nach weit rechts außen neben den Lautsprechern erstreckt. Stimmen wie die von Jacintha in „Danny Boy“ und einzelne natürliche Instrumente bilden die Econik angenehm groß, dennoch klar umrissen ab; sie erhalten genug Raum zur Entfaltung und Abgrenzung. Das Geschehen wirkt unverschleiert und präsent, obwohl das gesamte virtuelle Bühnenkonstrukt etwas weiter hinter die Lautsprecherebene rutscht, als ich es kenne. Distanziert fühlt sich’s aber nicht an.

Unabhängig davon können die kleinen Aktiven richtig Speed. Insbesondere bei Transienten glänzen die Econik Six mit federleichter Gangart und unangestrengtem Sprintvermögen, das in dieser Klasse vielleicht nicht einzigartig, aber doch bemerkenswert ist und an ähnlich teure passive Kompakte wie die ATC SCM19 (3.300 Euro) erinnert (die dann aber eben noch entsprechend hochwertige Elektronik benötigen).

Blick über die Schallwand der Econik Six

Al di Meola Morocco Fantasia deSpeed an sich ist das eine, die Art der Umsetzung der Beschleunigung – insbesondere unterhalb des Hochtons – das andere: Bei den tieferen Gitarrensaiten von Al di Meola auf dem fantastisch produzierten Album Morocco Fantasia deutet sich an, was die Elektroimpulse von Squarepusher auf Hard Normal Daddy oder in Madonnas „Die Another Day“ im Mitten- und Bassbereich bestätigen: Harte Dynamiksprünge runden die Econik Six einen Tick ab. Zumindest im Vergleich zu knackigen Zeitgenossen wie den Cabasse The Pearl Akoya (3.120 Euro/Paar). Dafür haben die Econik Six den französischen Perlen die körperlich spürbare Wucht krachender Bass-Grobdynamik wie in Nenad Vasilic‘ „Bass Drops“ (Album: Bass Room) voraus – Gehäusevolumen und Membranfläche zahlen sich bei aller intelligenter Entzerrung und Langhubigkeit dann eben doch aus.

Nicolas Jaar Space Is Only NoiseMit den Cabasse (und den Buchardt A500) gemein haben die Econik Six einen in der Standard-Abstimmung eher heimelig timbrierten tonalen Grundcharakter. Gegenüber den A500 halten sich die Econik Six zwar ein wenig zurück (gut!), doch „schlank“ ist immer noch was anderes. Auf der Habenseite steht definitiv ein geradezu enormer Tiefgang zum Beispiel bei Yellos „Kiss the Cloud“, wobei den tief rollenden Subbässen in Nicolas Jaars „Colomb“ (Album: Space Is Only Noise) das letzte Quäntchen an Kontur und Präzision versagt bleibt. Aber: Das kann und darf man aktiven Streaming-Lautsprechern dieser Preisklasse auch nicht abverlangen – dass man diese Signale mit so kompakten Lautsprechern überhaupt noch so deutlich hört (und spürt!) ist schon erstaunlich genug. Übrigens sind hier je nach Aufstellungssituation die Klang-Presets beziehungsweise die automatische Einmessung sehr hilfreich. Man sollte die Standard-Bass-Abstimmung also keineswegs als „Grundlinie“, sondern als „Maximalausprägung“ verstehen, die einzelne Klang-Presets dann nur noch weiter „domestizieren“.

Die Hochtonkalotte der Econik Six in der Nahaufnahme

Die Mitten gelingen den Econik Six neutral, der Bassbereich verleiht Stimmen über die unteren Mitten vermittelt lediglich eine wärmere Note. Die Artikulationsgeräusche und das Atmen von Sängern, die Klangfarben von Streichinstrumenten, die feinen Besengeräusche auf einem Snaredrumfell – all das transportieren die Evonik Six zwar nicht beflissen analytisch, aber angenehm mühelos. Hier möchte ich schon mal auf die Klang-Presets, dabei insbesondere das 3-Wege-Preset, hinweisen, die auch im Mittelton deutlichen Einfluss nehmen – und das nicht ausschließlich tonal. Mehr dazu gleich.

Erika de Casier SensationalIm Hochton halten sich die Econik Six im Vergleich zu ihren Burchardt-Schwestern tonal ein klitzekleines bisschen zurück. Dabei landen wir abermals im Bereich des Geschmacks, und die Auslegung der Econik trifft dabei meinen noch etwas besser. Gerade bei betont audiophilem Musikmaterial wie „Polite“ von Erika de Casier, aber auch umgekehrt bei schrottig produziertem Kram aus der Noisecore-Ecke gilt dies. Wer’s obenrum brillanter mag, darf sich gerne das „Brilliance“-Preset aufspielen, et voilà!

Die Klang-Presets

Das Fazit dazu vorab: Die Presets erfüllen, wie hier und da schon durchschimmerte, ihren Zweck und zeigen deutlich nachvollziehbare Ergebnisse. Am überzeugendsten schneidet für mich das 3-Wege-Preset ab. Mit diesem erscheinen die Bässe deutlich domestiziert, was zwar etwas den bassigen Spaßfaktor schmälern kann, am Ende dennoch den ausgewogensten Eindruck hinterlässt.

Konustreiber der Econik Six

Tief runter geht’s ja immer noch, doch mit diesem Filter ist die tonale Betonung der unteren Frequenzen fast vollständig verschwunden, ohne dass es dabei gleich eisenhart oder humorlos klänge. Zweiter Effekt: Die Mitten geraten schlanker und vor allem im oberen Bereich nochmals offener, transparenter und freier – so gefällt das den von ATC-Bärennasen verwöhnten Testerohren!

Der Platin Stereo Hub und die Raumeinmessung

Anders als seinerzeit beim Test der Buchardt A500 stellt der Stereo Hub kein so signifikantes klangliches Nadelöhr mehr im – zugegebenermaßen unfairen – Vergleich zur 7,4-kEuro-Norma-DAC-Pre-Analog-Ansteuerung via XLR dar. Weder die Raumdarstellung noch die Dynamik unterscheiden sich gegenüber meinen Referenzgeräten derart deutlich, wie ich es mit den A500 in Erinnerung habe. Wahrscheinlich hat man bei Platin nachgebessert und die Funkstrecke sowie die interne Signalverarbeitung der Verstärkermodule aufpoliert – sehr schön! Etwas Vorsicht ist indes bei der Aufstellung gefragt. Steht der Hub sehr nahe an einem starken Wifi-Router oder Repeater, kann es zu Interferenzen kommen, die sich in vernehmbarem Spratzeln und Verbindungsabbrüchen äußern können, so jedenfalls meine Erfahrungen.

Frontseite des Platin Stereo Hub

Die automatische Raumeinmessung per App wirkt sich ausschließlich auf den Frequenzgang unterhalb von 500 Hertz aus. In meinem Raum erkennt die App zuverlässig die bekannten Raummoden um etwas über 40 und knapp 90 Hz. Die errechnete Korrektur greift deutlich hörbar ein – von Basslastigkeit keine Spur mehr, von mehr Straffheit umso mehr. Unbedingt ausprobieren!

Billboard
Nubert nuZeo-Lautsprecher

Test: Econik Six | Aktivlautsprecher

  1. 1 Sound & Zukunft
  2. 2 Klangtest und Vergleiche: Econik Six

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