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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Non­plus­ul­t­ra?

„Der ist ja sooooooo hübsch!“ Selten darf sich eines meiner Testgeräte eines solch überschwänglichen Kommentars meiner Freundin erfreuen wie der Tsakiridis Devices Aeolos (www.audioplan.de), der in seiner aktuellsten, facegelifteten Ultra-Version auf dem Lovan-Rack Platz nehmen durfte. „Bleibt der hier?“, war dann auch gleich die Anschlussfrage. Na, das wollen wir doch mal sehen …

Tsakiridis Aeolos Ultra Detail

Der Tsakiridis Aeolos Ultra lässt sich wahlweise im Trioden- oder Pentodenbetrieb fahren

Ich war ja leider noch nie in Griechenland. Denn wenn ich ehrlich bin, hat die seit gut zehn Jahren mehr oder weniger akut schwelende Finanz- und Wirtschaftskrise, deren Epizentrum angeblich (…) auf dem Peloponnes auszumachen ist, mein mentales Bild von Hellas nicht besonders positiv beeinflusst. Marode Wirtschaft, Depression und Korruption allenthalben – ist das nicht das Stimmungsbild, welches über Monate fast täglich gegen 20:00 Uhr auf den Flimmerkisten der Nation der Finanzmusterschüler und Austeritäts-Gralshüter kolportiert wurde? Und ich bin mir sicher, dass es vielen, die das Land ebenfalls noch nicht besucht haben, ähnlich gehen dürfte. Ebenso sicher bin ich bei näherem Hinsehen, dass diese Einschätzung ziemlich falsch ist  – Kollege Jörg Dames etwa, regelmäßig auf diversen griechischen Inseln weilend, berichtet über Menschen, Landschaft, Kultur und last but not least Rotweine jedenfalls nur Positives. Und auch die hellenische Hifi-Szene ist offenbar nicht von schlechten Eltern: Neben Tsakiridis Devices, die aufmerksamen fairaudio-Lesern spätestens seit dem Test des Tsakiridis Super Athena-Netzfilters keine Unbekannten sein dürften, tummeln sich auch (noch) kleinere Manufakturen wie zum Beispiel Lab 12 (Test des Netzfilters BAC 400 hier) auf dem griechischen Markt. Ein Comeback in der Nische, sicherlich – offenkundig ein qualitativ hochwertiges allerdings.

„Der ist ja sooooooo hübsch!“

Der Röhrenvollverstärker Tsakiridis Devices Aeolos ist einer der Vertreter dieser neuen Comeback-Welle aus dem östlichen Mittelmeerraum. Er hat vor kurzem ein Facelift erfahren, das sich vor allem in einem neuen Ein-/Ausschalter manifestiert. Statt eines schwarzen Kippschalters befindet sich nun ein von einem grünen LED-Leuchtring umgebener Drucktaster links auf der silbernen Front aus massivem Aluminium. Eine harte Netztrennung auf der Geräterückseite gibt es nicht. Leider ist das grüne Licht der Ein-/Ausschalter-LED nicht das gleiche wie das der vier auf der rechten Frontseite befindlichen Eingangsindikatoren. Erbsenzählerei, klar. Dennoch muss es erwähnt werden – und zwar so lange, bis alle Hersteller das richtig machen. Die Eingänge lassen sich über einen zweiten Druckschalter der Reihe nach durchschalten, oder per Fernbedienung, die auch die Stellung des Alps-Potis beziehungsweise der Lautstärkeregelung steuert. Einen Phonoeingang besitzt der Aeolos nicht, dafür aber hat er einen Tape-Out zu bieten, mit dem man zum Beispiel einen Kopfhörerverstärker ansteuern kann.

Nicht nur super – ultra!

In gleich drei Versionen servieren die Griechen ihren zweiten Vollverstärker neben dem Ausstattungswunder Theseus (mit integriertem D/A-Wandler und Phonostufe): In der Standardausführung kommt der Aeolos mit vier EL-34-Ausgangsröhren, die maximal 35 Watt pro Kanal aus dem Vakuum zaubern. Mit 1.600 Euro liegt sein finanzieller Anschaffungswiderstand in einem verträglichen Bereich und erhöht sich moderat, wenn man in 6550er-Ausgangsröhren investiert. 1.900 Euro stehen dann auf der Rechnung des freundlichen Audioplan-Fachhändlers, und je 10 Watt mehr können in diesem Fall an die Lautsprecher geschickt werden. In der hier getesteten Maximalausbaustufe namens Ultra kommen KT150-Endröhren russischer Bauart zum Einsatz, die dauerhaft satte 70 Watt pro Kanal liefern können. Diese Angaben beziehen sich auf den Pentodenbetrieb der Verstärker. Alle Varianten des Tsakiridis Aeolos sind nämlich über einen Kippschalter, der sich auf der Gehäuseoberfläche zwischen den ebenfalls vier 12AT7-Eingangsröhren und den dahinter thronenden Endröhren befindet, zwischen leistungsförderndem Pentoden- und (angeblich) klangoptimierendem Triodenbetrieb umschaltbar. In zweitem Fall liegen beim Aeolos Ultra immerhin noch 36 Watt pro Kanal (Class A/B, wie auch im Pentodenbetrieb) an den sehr stabil wirkenden, massiven Lautsprecherausgangsklemmen an. Das sollte für die meisten Einsatzzwecke sicher dicke genügen – und das ist auch gut so… Warum? Dazu später mehr. Ebenfalls umschalten lässt sich das Über-Alles-Feedback des Tsakiridis Devices Aeolos, und zwar zwischen „NF“ (Normal Feedback) und „LF“ (Low Feedback, also wenig Gegenkopplung).

Tsakiridis Aeolos Ultra von oben

Der Tsakiridis Devices Aeolos Ultra kommt mit jeweils vier KT150- und 12AT7-Röhren

Volle 21,6 Kilogramm Gewicht sind gerade bei den noch recht kompakten Maßen (BxHxT: 29x22x47 cm) des Tsakiridis Aeolos Ultra kein Pappenstiel, doch der verbaute, mehrlagig handgewickelte Ausgangstrafo muss für 2-Ohm-Laststabilität  sorgen und ist deshalb entsprechend großzügig dimensioniert. Er sitzt im hinteren Teil des Gehäuses unter einer schwarzen Abdeckung, auf der das edel wirkende Tsakiridis-Firmenlogo in Edelstahl prangt. Die davor stehenden Röhren sollen gesetzestreu mit einem Käfig aus Metall vor neugierigen Fingern geschützt werden – zum Glück ist der Blick von vorne aber dank einer massiven Plexiglasplatte unbeeinträchtigt. Denn ich muss sagen, dass diese Tannzapfen namens KT150 echte Hingucker sind – meines Erachtens sind sie mit die schönsten Röhren auf dem Markt und schon von daher ein sehr gutes Argument für den Aeolos in Ultra-Inkarnation.

Die KT150 werden natürlich streng selektiert und gematcht, bevor sie ihren Einsatz auf dem Aeolos Ultra beginnen dürfen. Dasselbe gilt für die 12AT7-Eingangsröhren. Alle Röhren stecken in perfekt eingepassten Porzellansockeln – das habe ich auch schon schludriger verarbeitet gesehen. Das gilt auch für die Anschlüsse, die vom Zulieferer Ultimax stammen und hochwertig vergoldet (Cinch) beziehungsweise vernickelt (Lautsprecherklemmen) sind. Aber auch im Inneren setzt man bei Tsakiridis definitiv auf Qualität: Die Widerstände sind allesamt Metallfilmtypen mit weniger als 1% Toleranz, die gedruckten Leiterplatten besitzen separate Signal- und Leistungspfade, und die Kondensatoren sind im Falle des Aeolos Ultra extra-hochwertige Mundorf-Folien-Typen – hier findet sozusagen Tuning ab Werk gegenüber den günstigeren Modellen statt. Auch ab Werk wurden die Übertrager des Ultras optimiert: Sie sind speziell für den Betrieb mit den KT150 entwickelt worden. Und natürlich wurde auch das Netzteil entsprechend kräftiger ausgelegt, denn die Ausgangsleistung ist ja erheblich höher als in der EL 34- oder 6550-Bestückung von Aeolos Standard und Super.

Tsakiridis Aeolos Ultra Current-Anzeige

Aber beim Werks-Tuning ist in Deutschland noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht: Wer Audioplan-Chef Thomas Kühn kennt, weiß, dass er ein Meister des Feintunings ist und dieses mit einer peniblen Leidenschaft betreibt, die in der Branche ihresgleichen sucht. Bevor ein Gerät sein Haus verlässt, unterzieht es sich einer tiefgreifenden Spezialbehandlung inklusive Einmessung der Röhren und einer Optimierung des Klirrverhaltens – diesbezüglich sei durchaus mehr als eine Halbierung des Klirrfaktors zu erzielen, so Thomas Kühn. Das mir zur Verfügung gestellte Testgerät zum Beispiel sei mit einem Klirr von nur 0,08% bei ca. 1 Watt an 8 Ohm in die treuen Hände der Spedition gegeben worden – ab Werk seien es bei 0,2% gewesen. Die strenge Selektion der Röhren und entsprechende interne Einstellungsänderungen seien die wichtigsten Audioplan-Kniffe, so Thomas Kühn.

Tsakiridis Devices Aeolos Ultra: Klangbeschreibung & Vergleiche

Wie habe ich es vermisst! Dieses Gefühl, wenn man einen schweren, klassischen, durch keinerlei digitale Sperenzchen „verunreinigten“ Vollverstärker aufs Rack stellt – mit Röhren, die man nach dem Transport in einen Sockel stecken kann. Herrlich! Ja, ich weiß: Am Ende ist man dann immer doch froh, möglichst viel Funktion und Klang in einem Gehäuse zu haben (siehe Test des AVM Ovation CS 8.2) und keine Stolperfallen und Staubfänger mit Kabeln legen zu müssen – aber in diesem Moment, und erst recht, wenn man den Einschalter betätigt, die Röhren zu glühen beginnen und die Zeigerinstrumente ihre warm hinterleuchtete Arbeit aufnehmen, in diesem Moment glüht auch das Herz des Hifi-Enthusiasten. Und wenn nicht, dann wünsche ich eben viel Spaß mit PC, Raspberry Pie und dem zigarettenschachtelgroßen Einsen-und-Nullen-Verstärker.

Tsakiridis Aeolos Ultra mit Lansche-Lautsprecher

Tsakiridis Aeolos Ultra an Lansche 3.1

Wie gesagt, selten hat ein Testgerät eine solche positive Resonanz, ja geradezu Begeisterung bei meiner besseren Hälfte ausgelöst. Ich kann’s ja verstehen, und die Frage, ob das Teil denn bei uns bleibe, würde ich ja auch gerne direkt mit einem herzlichen „Ja“ beantworten. Aber allein aus rein preislicher Sicht ist der Tsakiridis auch in seiner Ultra-Ausführung für meine 20.000 Euro schweren Lansche Audio No. 3.1 ja wohl kaum der adäquate Spielpartner … Sprach’s und legte die erste Platte des gerade erst frisch eingetroffenen und volle acht Langspielplatten umfassenden The Jimi Hendrix Experience-Boxsets (auf Amazon anhören) auf den VPI Scout 2 und unter die Nadel des ZYX R-100 Fuji.

Jimi HendrixWie gesagt, Erwartungshaltungen sind häufig dafür da, zerstört zu werden. Nichts anderes passiert hier, als der Tsakiridis Aeolos Ultra (erst mal im Pentodenbetrieb sowie mit vollem Feedback) loslegt. „Hey Joe“ steht auf dem Programm, live aufgenommen. Und es mag vielleicht auch daran liegen, dass ich gerade nach zwei Wochen auf Bali zum ersten Mal wieder Musik höre – aber ganz ehrlich, ich vermisse so gut wie gar nichts an dem, was da aus meinen Lautsprechern kommt: Das Klangbild ist sehr klar, straff, kontrolliert und gut durchgezeichnet; alleine die Raumabbildung gerät mir etwas klein, vor allem in die Tiefendimension mag der Aeolos Ultra seine Fühler nicht so recht ausstrecken. Im Großen und Ganzen spielt hier ein Verstärker auf Augenhöhe mit einem gut siebenmal teureren Boxenpaar. Aber der Reihe nach …

Dass die Lansche 3.1 eher zu den im Hochton extrem klar, aber auch dezent spielenden Lautsprechern gehören, ist bekannt. In meinem Hörraum entfalten sie zudem ordentlich Energie im Bass, was einen tonal eher warmen, vollmundigen Gesamteindruck vermittelt. Den bietet der griechische Röhrenamp zu meiner Überraschung selbst an den Lansche 3.1 nicht so sehr. Er präsentiert die Bassdrum und den elektrischen Bass der Jimi Hendrix Experience lieber knackig und sehnig als fett und übermäßig druckvoll, breitet ihn weniger mollig warm als vielmehr nüchtern präzisionsbeflissen aus. Ähnlich sieht es im Mittelton aus, wo der Aeolos Ultra mit einer recht transparenten, aber auch minimal schlankeren Diktion als es vollkommen neutral wäre, die Stimme von Pat Appleton in „Happiness“ von De-Phazz’ famosem Album „Godsdog“ präsentiert und die Balance der Percussion einen Hauch in Richtung Anschlag und weg von der Betonung des Trommelkorpus verschiebt. Das Ganze passiert mit einer Schnelligkeit und Feindynamik, an die ich mich bei ähnlich teuren Verstärkern wie Arcams A90 (lang ist’s her) oder dem Marantz PM-14S1 SE nicht erinnern kann. Auch der komplett transistorbestückte Norma HS-IPA1 kann in Sachen feindynamischer Schnelligkeit und Präzision nicht ganz mithalten (und das will was heißen), er wirkt dafür jedoch druckvoller und klangfarbenstärker als die griechische Röhre – verkehrte Welt? Auch in Sachen räumlicher Ausdehnung hält sich der Aeolos gegenüber dem kleinen Norma etwas zurück. Er bietet eine angemessen breite akustische Bühne, bleibt aber in der Tiefendimension hinter dem zurück, was ich von Amps dieser Liga an den Lansche 3.1 kenne.

Tsakiridis Aeolos Ultra Trioden Modus

So ganz mag ich das nicht glauben und tue das, was eingeschworene Röhrenfans wohl als allererstes tun würden: Ich schalte den Tsakiridis Aeolos Ultra in den Triodenbetrieb und spendiere ihm weniger Feedback. Und das hat weitreichende Folgen … Als erstes fällt auf, dass der gesamte Bassbereich quantitativ ein wenig zulegt – in Maßen, aber irgendwie doch entscheidend. Man möge sich vielleicht den Unterschied zwischen einer Twiggy – unbestreitbar eine Ikone im Modelbusiness – und Cindy Crawford vorstellen. Oder von mir aus auch den zwischen Adrien Brody in „Der Pianist“ und Chris „Thor“ Hemsworth. Ich möchte explizit nicht Sophia Loren oder Dwayne „The Rock“ Johnson sagen – das wäre dann doch übertrieben. Dennoch: Plötzlich blüht der Aeolos Ultra auf, koloriert den Bass von Noel Redding (The Jimi Hendrix Experience) ebenso wie das Saxophon von Rudresh Mahanthappa in realistisch balancierten, gestochen scharfen Farben, nimmt Transienten etwas die Härte und Schärfe, ohne sie in Watte zu packen, und öffnet den Raum in alle Dimensionen. So stehen die Streicher des Scottish Chamber Orchestra bei der Performance der Haydn Sinfonie Nr. 101 in D major („The Clock“, unter Robin Ticciati) merklich weiter in die Tiefe gestaffelt, horizontal breiter gefächert und gleichfalls schärfer und luftiger voneinander separiert auf der Bühne. Das ganze Ensemble wirkt greifbarer, lebendiger und, na ja, irgendwie sympathischer als der vergleichsweise unnahbare Ansatz des Aeolos Ultra im Pentodenbetrieb mit normal einegstelltem Feedback.

Mouse on MarsGrobdynamisch nehmen sich beide Betriebsarten selbst bei höheren Lautstärken nicht viel. Der Leistungsunterschied zugunsten des Pentodenbetriebs wird durch die raumfüllendere Präsentation der Trioden für mich persönlich mehr als wettgemacht – gefühlt muss man den satt laufenden Lautstärkeknopf weniger weit nach rechts drehen, um eine im Rahmen des nachbarschaftlichen Friedens als livehaftig zu bezeichnende Wiedergabe zu erzielen. In beiden Fällen reicht das Leistungsspektrum an den wirkungsgradstarken Lansche-Lautsprechern (92 dB/1W/1m) mehr als aus, um Bassdrums körperhaft spürbar kicken zu lassen und die Tutti des Scottish Chamber Orchestra signifikant laut und ansatzlos in den Raum zu entlassen. Feindynamisch strukturiert der Trioden-Aeolos seinen Output noch etwas prickelnder, was sich erstaunlicherweise insbesondere bei den komplexen elektronischen Klängen von Mouse on Mars auf ihrem Albums-Kuriosum namens Radical Connector (auf Amazon anhören) bemerkbar macht. Feinste Verästelungen im Synthiegewebe und minimalste Energieentladungen kommen im leistungsschwächeren Modus einfach noch cooler und organischer rüber als unter voller Kraft laufend. Das gilt auch für die Becken in Luther Allisons „You Can’t Always Get What You Want“ (7“-Single), die mit enormer Auflösung, angemessenem Biss und sehr crisp, aber ohne Nervfaktor reproduziert werden.

Achtung, jetzt wird’s phrasig: Der eigentliche Zauber des Tsakiridis Devices Aeolos Ultra liegt in der Mitte. Die Stimmen auf allen gehörten Aufnahmen besitzen Ausdruck, ziehen mich in ihren Bann und berühren mich emotional – sei es der gute Jimmi oder die von mir gerne überstrapazierte Jacintha. Wohlgemerkt, das hat nichts mit Schönfärberei zu tun; tonal liegt die Balance auch im Triodenbetrieb immer noch eher auf der schlanken Seite, gerade im Mittelton. Ich meine sogar, hier immer noch eine leichte Präsenzbetonung zu vernehmen. Ein AVM Inspiration CS 2.2 oder auch (unfair, aber als Maßstab zulässig) meine Norma-Vor-/End-Kombi balancieren die Frequenzen jedenfalls noch etwas ausgewogener. Wie dem auch sei, die grundsätzlich vorhandene Detailverliebtheit und das in diesem Modus reiche Farbenspektrum erlauben besonders tiefe emotionale Verwicklungen des Hörers mit der Musik. 

Habitat naturale

Noga ErezUm den kompakten, aber schweren Röhrenvollverstärker etwas näher an seinen „natürlichen Lebensraum“ zu bringen, installiere ich ihn (nach wie vor im Triodenmodus) vor dem letztmöglichen Rückgabetermin noch für einen Abend in meinem Zweitsystem, also zwischen Linn Majik DSM, der hier als Streaming-DAC fungiert, und den hORNS Mummy (um 5.500 Euro), die mit ihrem 30-Zentimeter-Bass und dem Druckkammertreiber im Hochton dankbare Spielpartner für den Tsakiridis Devices Aeolos Ultra sein sollten. Ziemlich krass deutlich wird dann auch hier die für die Preisklasse außerordentliche Transparenz – und wie sie sich bis in den Bassbereich erstreckt. Der teilweise sehr tief reichende Synthiebass im genialen „Off the Radar“ von Noga Erez’ gleichnamigem Album (auf Amazon anhören) offenbart mit dem Aeolos Ultra eine ganz eigene Textur, die mir mit dem Linn Majik DSM (als All-in-One-Gerät) verborgen blieb und diesem Aspekt des Songs einen neuen Charakter mitgibt. Auch mit den im Tiefton sehr durchsetzungsfähigen Mummys bleibt der Bassbereich seinem straffen, sehnigen Charakter treu und lässt – mehr noch als mit den Lansches – seine Neigung zur federnden, elastischen Wiedergabe durchscheinen, nicht zuletzt bei der bemerkenswert gut kontrollierten Bassdrum.

Tsakiridis Aeolos Ultra Röhren

Tsakiridis Devices Aeolos Ultra mit hORNS Mummy im Hintergrund

Dabei gelingt es nur wenigen Verstärkern so gut, mit der richtigen Portion Druck und pointierter Impulsivität, die sich auch körperlich bemerkbar macht, die Balance im ausgewogenen Rahmen zu halten und nicht ins überschlanke abzudriften.

Quercheck mit Nicolas Jaars „Colomb“ vom Album Space Is Only Noise: Ja, alles im tiefgrünen Bereich. Druck, Ansprache, Kontrolle und Strukturnachzeichnung stehen in Balance zueinander – und erst bei ziemlich hohen Lautstärken wird deutlich, dass der mit abnehmender Frequenz zunehmend zurückhaltende Bass irgendwann ein wenig aufweicht, sprich nicht mehr ganz so konturiert und druckvoll rüberkommt wie mit dem Majik DSM oder dem Norma HS-IPA1.

Im Mittelton bestätigt sich dann auch an den Mummys der Eindruck, den ich an den Lansche 3.1 gewonnen habe: Die erwähnte Transparenz des Tsakiridis Devices Aeolos Ultra geht einher mit einem ganz leichten Hang zur Hervorhebung des oberen Mitteltonbereichs, was sich in Noga Erez’ „Off the Radar“ durch ein Saxophon verdeutlicht, das etwas weniger voluminös, dafür aber deutlich knorriger und knarziger, direkter und echter klingt als über den Linn vermittelt. Nogas glockenklare Stimme besitzt strahlende Präsenz – dabei ist die Scheibe an sich gar nicht so dermaßen brillant (im tonalen Sinne) aufgenommen. In Sachen Tiefenstaffelung tut sich der Aelos Ultra wie gehabt nicht übermäßig hervor (der Norma HS-IPA1 macht den Raum weiter nach hinten auf), kann aber mit dem Linn Majik DSM gerade noch mithalten. In der Breite und Höhe, insbesondere aber beim Thema dreidimensionaler Modellierung von Instrumenten und Stimmen lässt er den Schotten sogar etwas hinter sich.

Tsakiridis Aeolos Ultra von oben

Test: Tsakiridis Devices Aeolos Ultra | Vollverstärker

  1. 1 Non­plus­ul­t­ra?
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Teufel

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