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SPL - Professional Fidelity

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Der Feinschmecker
  2. 2 SPL Diamond: Klangtest & Vergleiche

Es gibt ja immer noch Leute, die glauben, dass Audiogeräte von Herstellern aus der Studio-Szene per se attraktiver gepreist sind oder zumindest „ehrlicher“ klingen. Mag mein hochgeschätzter Funk MTX das (immer wieder mal upgedatete) dienstälteste Gerät in meinem Rack sein, glaube ich das so pauschal dennoch keineswegs. Freilich ist’s nichtsdestotrotz ein absoluter Gewinn, wenn Audiospezialisten aus der Profiszene den Hifi- und Highendmarkt entdecken und um ihr Know-how sowie entsprechend eigenständige Lösungen bereichern. Gerade, wenn es sich um ein so authentisches Unternehmen wie SPL electronics handelt – dass beim gemeinsamen Videocall der eigentlich urlaubende Marketingmann im eigenen Tonstudio weilte und der Entwickler quasi von Oszis und dampfenden Lötkolben umgeben war, passt gut ins Bild –, welches sich nicht zuletzt durch eine hohe Fertigungstiefe auszeichnet. SPL gibt es bereits seit 1984, seit 2016 wendet man sich mit der „Professional Fidelity“-Linie verstärkt den Privatanwendern zu. Zu den jüngeren Würfen der Nordrhein-Westfalen zählt der regelbare D/A-Wandler SPL Diamond (2500 Euro | https://spl.audio/de/), der sich gegenüber teureren SPL-Lösungen insbesondere über den Funktionsumfang und nicht die Klangqualität abgrenzen soll.

Der SPL Diamond wirft deswegen auch bedien- und anschlussseitig kaum Fragen auf. Mit seinen optischen und elektrischen S/PDIF-Eingängen sowie natürlich einer USB-B-Schnittstelle bietet er nicht mehr oder weniger als schlichtweg praxisgerechte Eintrittspforten für die einströmenden Einsen und Nullen. Die beiden Drehregler auf der Front dienen – so wie man das etwa von einem klassischen Vollverstärker kennt – der Eingangswahl sowie Lautstärkeregelung.

Lautstärkeregelung und Eingangswahl des SPL Diamond

Lautstärkeregelung und Eingangswahl vollziehen sich beim SPL Diamond wie bei einem Oldschool-Vollverstärker. Dem dazwischen liegenden Schalter kommt Bedeutung zu, wenn man den DAC mit einer externen Clock betreiben will

Für anspruchsvolle Geschmäcker

Aber einige Besonderheiten weist der SPL-DAC dann schon noch auf: So etwa seinen Appetit für PCM-Daten bis hoch zu äußerst feinschmeckerischen 768 kHz/32 Bit (DSD bis 256-fach). Sein Faible für highfidele Haute Cuisine drückt sich zudem in der Möglichkeit aus, den SPL Diamond mit einer externen Clock als Beikoch zu verbändeln. SPL bietet dafür allerdings kein eigenes Zeiteisen an – SPL-Marketing-Chef Sascha Flocken hört in seinem Studio beispielsweise mit einer Mutec MC3+ USB. Falls Sie das Thema interessiert, sei Ihnen der Test der Mutec REF10 SE120 unseres Kollegen Fritz Schwertfeger empfohlen.

Sensible Soundgourmets wissen es darüber hinaus bestimmt zu schätzen – und das durchaus zu Recht, wie ich jetzt schon verraten darf –, dass sich die potenziometerbasierte Lautstärkeregelung (Alps RK27) des SPL Diamond per heckseitigen Mäuseklaviers aus dem Signalweg nehmen lässt, falls man den D/A-Wandler beispielsweise an einen Voll-, Vor- oder Kopfhörerverstärker andockt und die Diamond-eigene Regelung nicht benötigt.

Mikroschalter zur (DE-)Aktivierung der Lautstärkeregelung des SPL Diamond

Mithilfe des Mäuseklaviers lässt sich die Lautstärkeregelung des SPL Diamond überbrücken – und zwar getrennt für den XLR- und Cinch-Ausgang

Es gibt zwei Klaviertasten: Die analogen Cinch- und XLR-Ausgangsdoppel können nämlich unabhängig voneinander mit einem fixen oder eben variablen Pegel beschickt werden. Das geht auch parallel mit verschiedenen Geräten: So lassen sich etwa Aktivlautsprecher über XLR lautstärkeregeln, während ein Kopfhörerverstärker am Fixpegel der RCA-Buchsen nuckelt.

Innere Qualitäten: Diskretion und Durchstecherei

Aber auch jenseits der vordergründigen Specs und Upgrade-/Einstellmöglichkeiten hält der nicht mal 28 Zentimeter breite DAC audiophile Gourmethäppchen parat. Beispielsweise in Form von SPLs spezieller 120-Volt-Volt-Technologie („VOLTAiR“): Die gesamte analoge Schaltungssphäre des SPL Diamond arbeitet auf Basis eines Gleichspannungsgefälles von +/- 60 Volt. Dies gilt unter Einschluss der ausgangsseitigen Tiefpassfilter (getrennt realisiert für PCM und DSD), woraus nicht zuletzt ein verbessertes Dynamikverhalten resultiere, verspricht SPL. Letztlich stelle man mit Voltair sicher, so Mit-Geschäftsführer und Chefentwickler Bastian Neu, dass die Schaltungen pegelfester ausfielen und nie in der Nähe des Grenzbereiches fahren müssten. Der mit 53 VA spezifizierte Ringkerntrafo weist neben dem 120-Volt- natürlich noch einen dedizierten Abgriff für die digitalen Schaltkreise auf, die mit 12 Volt arbeiten.

Das Innenleben des SPL Diamond

Die komplette Analogsektion des SPL Diamond steht unter 120 Volt Gleichspannung. SPL setzt daher „hausgemachte“ OPs ein. Die komplette Platinenbestückung erfolgt bei SPL

Aufgrund der hohen Betriebsspannung in der Analogsektion des SPL Diamond – typische IC-basierte Operationsverstärker arbeiten mit einem Bruchteil davon –, müssen proprietäre Lösungen zum Zuge kommen: Die entsprechenden OPs im Diamond sind mithin „hausgemacht“ und aufwändig diskret aufgebaut – mit ein Grund übrigens, dass die Voltair-Idee von anderen Herstellern nicht ohne Weiteres kopiert werden kann.

Gehör und Messtechnik

Apropos „aufgebaut“: Ein Großteil der klangrelevanten Bauteile wird bewusst ganz oldschool per Durchsteckmethode (und nicht SMD) mit den Platinen verlötet – und das inhouse am Firmenstandort in Niederkrüchten. Es gibt ja Hersteller, die sagen, dass diese Methode klanglich bessere Resultate zeitige – und wiederum andere, die das Gegenteil behaupten. Wie dem auch sei, SPL hegt andere Hintergedanken: Zum Ersten sind bestimmte Bauteile, auf die man klanglich große Stücke hält – wie etwa Styroflex-Kondensatoren – als SMD-Variante schlichtweg nicht verfügbar. Zum Zweiten erlaubt die durch die Durchsteckmethode mögliche „legoartige“ Austauschbarkeit einzelner Teile mehr Freiheitsgrade beim Entwicklungsprozess, in dem man bei aller eingesetzter Messtechnik auch viel nach Gehör entscheide. Und zum Dritten erleichtere und verbillige es Reparaturen, wenn sich Bauteile ganz einfach einzeln austauschen ließen. In diesem Zusammenhang betont SPL, dass man ein Herz und meist auch die entsprechenden Bauteile selbst für Geräte aus den SPL-Anfangsjahren habe. Man pflegt für Reparaturanfragen im Netz sogar eine eigene Hilfe-Seite.

SPL-Logo auf der Frontplatte des SPL Diamond

SPL legt großen Wert auf eine gehörmäßige Abstimmung aller Geräte, die 120-Volt-Technik gehört mit zu den Eckpfeilern jeder Entwicklung

Mit Blick auf den Wandler-Chip hat sich das SPL-Entwicklerteam bewusst für einen AKM AK4490 Velvet Sound entschieden. Die Auswahl erfolgte auch hier nach Gehör, man empfand den AKM als „organischer“ als beispielsweise die angesagten ESS-DACs. Doch letztlich ist der Chip eh nur ein Teil der Miete, essenziell fürs Soundergebnis ist natürlich die schaltungstechnische Peripherie. Und nicht zuletzt mit Blick auf die Verknüpfung mit der Voltair-Schaltung habe sich der AKM-DAC als überlegen erwiesen.

Es mag sich jetzt vielleicht ein bisserl rührselig lesen, dennoch erwecken die SPLer bei mir den Eindruck, dass sie in ihre Lösungen so etwas wie Liebe oder zumindest gehörige „nerdy Leidenschaft“ stecken. Und so nimmt es natürlich nicht Wunder, dass in dem SPL Diamond keine einfache digitale, bitreduzierende Lautstärkeregelung steckt, sondern eine analoge. Warum aber statt der Alps-RK27-Poti-Lösung nicht gleich eine hochwertige Relaisschaltung nehmen? Bastian Neu antwortet mir, dass eine solche je nach Ausführung nicht per se besser klingen müsse. Und eine merklich höherwertige Lösung, an der man übrigens offenbar anderweitig gerade arbeitet, den Preisrahmen des Diamond sprengen würde. Ja, das sehe ich ein – zumal SPL die Pegelregelung tatsächlich als Goodie sieht, der Diamond sei in erster Linie ein highendiger, puristischer D/A-Wandler – und erst in zweiter Linie eine Vorstufe.

SPL Diamond: Klangtest & Vergleiche

Der SPL Diamond aus der Froschperspektive

Ich trage Eulen nach Athen, wenn ich Ihnen, liebe Leser, erkläre, dass es – anders als insbesondere bei Lautsprechern – für Entwickler kein großes Ding ist, einen DAC tonal unbestechlich neutral abzustimmen, auch wenn es filterseitig kein Selbstläufer ist, dabei die Optimierung der Phasenlage mit unter einen Hut zu bekommen. Ähnliches gilt für die Frequenzbandenden: Diese so weit nach Süden oder Norden ausufern zu lassen, dass selbst höchstpreisige Lautsprecher (und die Ohren) früher abwinken, bekommen auch preisgünstige DACs häufig hin. Entsprechend lässt sich die tonale Abstimmung von hochwertigen DACs (und highendigem Audio generell) eher in die Rubrik „Geschmackssache“ schieben: Genauso wie es Menschen gibt, die den Pizzaboden möglichst dünn oder dick mögen (dünn ist natürlich authentischer … 😊), mögen es manche Hörer und Entwickler klanglich eben wärmer, schlanker, silbriger oder güldener.

Keine Überraschungen – Tonalität und Auflösung

Daher will ich mich in dieser Sache bei einem DAC des Kalibers eines SPL Diamond kurz fassen. Zumal bei einem Gerät aus einem „Studiostall“ wohl kaum erstaunt, dass Betonungen einzelner Frequenzbereiches durch Abwesenheit glänzen. Unser Niederkrüchtener Edelstein tönt neutral und zieht an den Frequenzenden so linear und ausgedehnt durch, wie man das von einem DAC dieser Klasse erwartet.

Die Rückseite des SPL Diamond mit analogen Ausgängen und digitalen Eingängen

Der nicht vollsymmetrisch konzipierte SPL Diamond wurde über seine mutmaßlich schwächeren (zwei zusätzliche OPs im Signalweg) XLR-Ausgänge gehört, zunächst mit gebrückter Lautstärkeregelung

ohGr WeltIn puncto Auflösung überrascht der SPL Diamond aufs erste Hören ebenfalls nicht unbedingt. Obwohl: Es ist schon klasse, wie sauber sich im opulent abgemischten Sound von „wAteR“ (ohGr, Album: Welt) ab 0:54 das übergroße, im Grunde das gesamte Stereopanorama abdeckende Beckenzischeln vom dichten Synthiesound und der effektbehafteten Stimme differenziert. Oder wie der SPL-DAC in Dysrhythmias „Running Towards the End“ ab 0:57 die zwischendrin auch mal nur ganz zart anklingenden, sich nah an der Hörschwelle bewegenden Hi-Hat-Schläge noch so signifikant durchschimmern lässt, wie es eben möglich ist. Und natürlich lässt mich der Diamond selbst bei den blickdicht gewebten, opulenten Arrangements meiner Lieblingsmetaller Isis obertonseitig stets im Klaren, ob da gerade eine Snare oder Tom knallt.

Aber ehrlich gesagt, erwarte ich das von einem solch hochwertigen D/A-Wandler auch. Mein teurerer, testbewehrter, gleichwohl etwas in die Jahre gekommener Norma HS-DA1 PRE hat solche Sachen übrigens genauso gut drauf. Zumindest, das „Was“, sprich die schlichte Offenlegung von Feinheiten betreffend.

„Ob“ versus „wie“

"USB"-Anzeige im Display des SPL Diamond

Die eigentliche Domäne – auch wenn in höheren Preisklassen gerade hier typsicherweise noch mehr geht, wir kommen noch darauf zurück – des SPL Diamond ist nichtsdestotrotz das „Wie“: So sind etwa Hi-Hat- und Beckenanschläge, die nur vermeintlich „irgendwelche Zischelgeräusche“ sind, sondern in Wahrheit hochkomplex, nicht nur im richtigen Pegel „da“, wenn es über den Diamond geht. Vielmehr wirken sie in ihrer Definition, in ihren Texturen preisklassenbezogen auffallend rein, feinpixelig sowie letztlich komplexer und artefaktefreier als mit dem Norma-DAC. Auch deren Umrisse und Kontrastierungen zum Rest des Klangbildes zeichnen sich extrem sauber ab.

Wobei das Wörtchen „extrem“ nichts Erbsenzählerisches oder gar Anstrengendes konnotieren soll. Der SPL Diamond ist kein Seziermesser und keineswegs auf maximale Analytik trainiert. Seine Präzision wirkt nicht vordergründig, sticht nicht hervor und bedroht zu keiner Zeit die Langzeittauglichkeit. Dazu passt, dass der Hochton des SPL Diamond zwar neutral, präzise und luftig durchzieht, aber keineswegs auffällige Glanzlichter setzt – sondern sich stattdessen vorbildlich „unauffällig“ in den Dienst der Musik stellt.

Die Digitaleingänge des SPL Diamond

Die Digitaleingänge des SPL Diamond

Logisch, dass solche Qualitäten natürlich nicht nur dem Schlagzeugblech, sondern dem Klangbild insgesamt gut tun. Mein Norma-DAC mutet im direkten Vergleich unterschwellig (die Unterschiede sind natürlich nicht so groß, wie sie insbesondere bei Lautsprechern auftreten können) tatsächlich einen Tick unruhiger, schlieriger, grissliger an, obwohl ich ihm in dieser Hinsicht bisher nie Schwächen unterstellt hatte, im Gegenteil. Gut zu hören etwa bei Daniel Fritzens Interpretation der Klaviermusik von Alexander Skrjabin (Mystik und Klangmagie, Teil 2), bei der sich die ätherischen Obertöne der Anschläge sowie das Sustain noch purer und – ohne, dass dazu tonal etwas angewärmt würde – klangfarblich deckkräftiger anfühlen.

Der Trumpf im Raum

Nach meinem Empfinden weisen Audiokomponenten, die mit besonders reinen Klangfarben – und einem damit verbundenenen „schwarzen Hintergrund“ – auftrumpfen, häufig eine weitere besondere Stärke auf: eine überzeugende Räumlichkeit. Beim SPL Diamond empfinde ich diese sogar nicht nur als überzeugend, sondern würde sie zu den drei großen Trümpfen (der dritte kommt gleich noch …) dieses DACs zählen:

Yoshiteru Himuro The Sea you never knowDenn zum einen befördert der Diamond eine sich schön von den Boxen Richtung Hörer ablösende Abbildung. Zum anderen, und hier spielt die Reinheit des SPL-DACs mit rein, sorgt die klare und stabile Verortung selbst flüchtiger Transienten (die ebenfalls nur vermeintliche Kleinigkeiten und in Wahrheit echte Audio-Prüfsteine sind, viel mehr als eingeschwungene Signale) für eine intensive Bindung mit der Musik: So entfalten die faszinierenden, kaleidoskopischen Tracks des japanischen Musikers Yoshiteru Himuro (Album: The Sea you never know) eine nochmals gesteigerte Sogwirkung hinein in die von fantastisch-surrealen Sounds aufgespannten Klangräume, da sie sich schlichtweg fokussierter, unmissverständlicher und letztlich eingängiger virtualisieren.

Eile mit Sorgfalt – das Dynamikverhalten

Der Schalter des SPL Diamond für den Betrieb einer optionalen externen Clock

Der Schalter des SPL Diamond für den Betrieb mit einer optionalen externen Clock

Als Trumpf Nummer drei geht ohne Frage das Dynamikverhalten des SPL Diamond durch. Und damit meine ich keinesfalls bloß eine betont „schnelle“ Attack. Ich hörte kürzlich von einem Kollegen, dass seine Erfahrungen mit SPL-DACs genau in diese Richtung wiesen, und ihm deren Klangbilder dynamisch stets etwas leicht „Gehetztes“ und zu wenig Fluss vermitteln würden. Zumindest mit Blick auf den SPL Diamond kann ich volle Entwarnung geben. Schnell ist er zwar unbedingt, aber gleichwohl mit einem – wenn eben auch eher sportlichen und nicht betont schmelzbehafteten – musikalischen Fluss gesegnet. Bei aller rasanter Attack hechelt der SPL-Wandler nicht bloß von Impulsanstieg zu Impulsanstieg, sondern hat ein tolles Händchen gerade auch für den „Körper“ von Tönen, sprich dem Sustain und den restlichen Phasen der Hüllkurve.

Stig Nilssons Solo+Ich würde das Dynamikverhalten des Diamond am ehesten als tänzerisch und leichtfüßig beschreiben: Stig Nilssons Album Solo+ reicht dem Hörer „Violine pur“ ans Ohr; das Album ist klasse aufgenommen, dennoch aus highfideler Sicht naturgemäß ein nicht ganz ungefährlicher Balanceakt. Unter anderem auch dynamisch, soll es doch weder zu harm- und leblos noch zu anstrengend tönen.

Nun, der SPL Diamond zeichnet die unzähligen Laut-leise-Spannungsbögen mit Verve nach und lässt den Violineklang dennoch stets so elegant und organisch gleiten, dass ich tatsächlich ein paar Tracks lang an meinen Wilson SabrinaX kleben bleibe und die Musik genieße – die mir sonst eher zu reinen Testzwecken dient.

Die Belüftungsöffnungen im Deckel des SPL Diamond

Die für meinen Geschmack vorbildlichen dynamischen Qualitäten des SPL-DACs machen sich aber auch an undynamischen oder besser: hartdynamischen Titeln mit hoher Kompression, bei denen es außer 1 und 0 kaum Lautstärkedifferenzierungen zu geben scheint, bemerkbar: Wie etwa bei UNKLEs Album Psyence Fiction, das rein künstlerisch allerdings als Highlight durchgeht (Anspieltipps: „Bloodstain“, „Be There“). Ist dann auch noch das Audiosystem eher analytisch oder attacklastig unterwegs, ergibt sich ein besonders unangenehm sprödes und eckiges Klangbild. Solchem Ungemach wirkt der SPL Diamond mit seiner involvierend flotten, dennoch stets verbindenden, geschmeidigen Art wirksam entgegen. Darum und aufgrund seiner Hochtonqualitäten empfiehlt er sich daher auch für Hörer die, wie ich, nicht ausschließlich audiophile Perlen in ihrer Musikbibliothek vorweisen können.

Alles Sonnenschein? Die Lautstärkeregelung und die Abgrenzung nach oben

Die Vorderseite des SPL Diamond

Um wirklich objektive Grenzen – und nicht bloße geschmackliche Aspekte – des SPL Diamond merklich auszuloten, sollte man schon deutlich teurere D/A-Wandler ins Rack wuppen: Etwa einen „fairaudio’s favourite Award“-prämierten Canver ZeroUno SSD (neue Version, aktuell 7.590 Euro), der unter anderem zeigt, dass der Hochton noch definierter und klarer sein kann, selbst der allerletzte, ätherische Hauch von Hallanteilen schafft es nun durch die Schaltkreise. Einzelne Instrumente/Stimmen zeichnet er definierter und kontrastierter – wovon auch die Räumlichkeit weiter profitiert, die ja bereits beim SPL-DAC zu den absoluten Schokoladenseiten zählt. Ja, das Bessere ist der Feind des Guten: Das ganze Klangbild wirkt schlussendlich etwas profilierter (aber auch crisper), was der Rest der Anlage dann natürlich auch transportieren können muss.

Okay, all das resultiert letztlich aus der weiteren Reduktion von Störeinflüssen – und steht nur zu erwarten, wenn man in deutlich höhere Regale greift. Ableiten würde ich gleichwohl, dass es den SPLern bei der Abstimmung des SPL Diamond im Zweifelsfall wohl eher um musikalischen Fluss und ein schlüssig-organisches, emotional ansprechendes Klangbild ging – und weniger darum, ihn mit besonders harten Bleistift zeichnen zu lassen, sprich das letzte Quäntchen unnachgiebiger Analytik herauszuquetschen. Was in dieser Preisklasse naturgemäß wieder mit anderen klanglichen Kompromissen einherginge. Nein, nein, die SPL-Entwickler haben in diesem Kontext ein wirklich schlagseitenfreies Gerät an den Start gebracht.

Der mittlere Bereich der Frontpartie des SPL Diamond

Ansonsten sei noch erwähnt, dass es schon einen leichten Unterschiede macht, ob die potenziometerbasierte Lautstärkeregelung gebrückt (auf diesen Modus beziehen sich obige Klangbeschreibungen) oder mit im Spiel ist: Zumindest Goldohren mit guten Verstärkern und Lautsprechern könnten bemerken, dass es „mit“ im Hochton leicht gepresster zugeht, allerfeinste Texturen muten etwas kompakter, nicht ganz so aufgefächert, weniger facettiert an. Zudem fühlt es sich so an – ich bin mir sicher, dass sich das nicht im Messschrieb zeigt – als tendiere das Klangbild insgesamt einen Tick zu präsenterer Tonalität. Beides sind freilich subtile Züge, hörbar werden sie beispielsweise beim wunderbar eingefangenen Electric Treasures (Live In Bonn) – Markus Stockhausen u.a. und dem Track „Electric Treasures Three“, wenn man auf den E-Bass achtet sowie auf den Schellenkranz rechts im Stereobild.

Billboard
Enleum AMP-23R

Test: SPL Diamond | D/A-Wandler

  1. 1 Der Feinschmecker
  2. 2 SPL Diamond: Klangtest & Vergleiche

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