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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 HPA und Tausendsassa
  2. 2 Waversa WminiHPA MK2: Klangeindruck & Vergleiche

Dass der Assoziationsmotor in meinem Hirn schnell anspringt, kann für mich als Autor durchaus vorteilhaft sein. Wenn ich aber den Streaming-DAC und Kopfhörer-Verstärker Waversa WminiHPA MK2 (Preis: 1.950 Euro; Vertrieb: www.audiotra.de) für ein Review erhalte und dann aufgrund des Firmennamens als erste Amtshandlung den halben Tag mit Recherchen und Schwelgen in Kindheitserinnerungen verbringe, dann ist es nicht das, was man gemeinhin zielgerichtetes Arbeiten nennt. Aber ich habe auch schon ganze Tage damit verstreichen lassen, bei Produkttests einfach ausführlich Musik zu hören und darüber zu vergessen, dass der Kühlschrank gefüllt werden muss. Und der Plattenschrank natürlich auch.

Beim WminiHPA MK2 kam das so: Einerseits musste ich beim Namen „Waversa“ an Lech Wałęsa denken, besonders aber an „den Wawerka“, den Realschüler, mit dem sich „Matz“ in Erich Kästners Meisterwerk „Das fliegende Klassenzimmer“ zu prügeln hat. Und klar: Ich hatte noch irgendwo die Deutsche-Grammophon-Aufnahme von 1964 zwischen meinen Platten, die zu hören nicht nur dramaturgisch, sondern auch klanglich ein Genuss ist.

Der Waversa WminiHPA Mk2 samt Lieferumfang

Der Waversa WminiHPA MK2 samt Lieferumfang

Während besagter Heinrich Wawerka von Kästner als grober, ungehobelter und vielleicht etwas stumpfsinniger Schuft charakterisiert wird, ist der Waversa WminiHPA MK2 dem ersten Anschein nach das komplette Gegenteil davon. Die Technik steckt in einem zierlich kleinen, wohlproportionierten Gehäuse, das aus einem Block Duraluminium CNC-gefräst wurde. Die abgerundeten Kanten an den Seiten der Front besitzen unterschiedlich große Radien, was eine Wohltat im symmetrieverseuchten Einerlei der Gerätefronten ist.

Zweierlei rund: Der WminiHPA Mk2 von oben

Zweierlei rund: Der WminiHPA MK2 von oben

Und dass der koreanische Hersteller statt auf ein Display auf eine LED-Matrix aus 9 x 12 Punkten setzt, die im nicht aktiven Zustand wie eine Lüftungsöffnung wirkt, zeugt von großem Verständnis für zeitloses und geschmackvolles Design. An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass die Qualität der Verarbeitung hochklassig ist.

Trotz des fast schon demütig untertriebenen Äußeren strotzt der WminiHPA MK2 geradezu vor Funktionalität. Alleine schon die Frage nach der Gerätegattung ist nicht allzu leicht zu beantworten. So ist der Waversa trotz seines kleinen Fußabdrucks Netzwerkplayer, DAC und Kopfhörer-Amp zusammen. Eine Serverfunktionalität besitzt er ebenfalls und dank der Lautstärkeregelung geht er als digitale Vorstufe durch. Wo fängt man da jetzt an?

Beginnen wir bei den akzeptierten Formaten: PCM 44,1 – 384 kHz, DSD bis 256-fach (DSD over PCM („DoP“) prinzipbedingt nur 128-fach) werden akzeptiert. Signale erreichen den kleinen Silberblock über elektrisches und optisches S/PDIF-Interface, Ethernet (DLNA, Roon, AirPlay und das hauseigene WNDR) sowie USB (Computer und Massenspeicher). WNDR steht übrigens für „Waversa Network Direct Rendering“, ist also ein Eigengewächs des Unternehmens. Verschiedene Waversa-Geräte können in einem Verbund – ähnlich wie bei DLNA – über dieses vorgeblich besonders latenz- und rauscharme Audioübertragungsprotokoll kommunizieren, was laut der Koreaner einige klangliche Vorteile gegenüber DLNA mit sich bringe.

An digitalen Eingängen mangelt es dem Waversa WminiHPA MK2 nicht

An digitalen Eingängen mangelt es dem Waversa WminiHPA MK2 nicht

Die Wandlung von der digitalen in die analoge Domäne übernimmt im Waversa ein Hyperstream-DAC-Chip von ESS, der ES9018K2M Sabre. Das Umfeld jedoch ist besonders: So wird vor und hinter dem eigentlichen Chip ein eigenständiger Bearbeitungsschritt namens „WMLET“ gesetzt, welcher vereinfacht gesprochen das Signal mit Filtern in verschiedene Spektren aufteilt und im Anschluss den Sabre-Chip mit seinen vollen acht Kanälen arbeiten lässt. Links und Rechts werden also mit je vier Frequenzbändern separat gewandelt und nach der Wandlung zusammengeführt. Der Hersteller verspricht positive Ergebnisse in Bezug auf die tonale Balance und eine höhere Auflösung. Waversa spendierte dem WminiHPA MK2 zwei separate Clocks, von denen je eine die Taktung für 44100 Hertz und eine für 48000 Hertz und deren Vielfache vorgibt.

Hinter dem Audioprozessor namens „WAP“, dessen Kürzel sich offensichtlich aus „Waversa Audio Processor“ extrahieren lässt, verbirgt sich ein FPGA-Chip. Auf ihm läuft der sogenannte „WAP/X“-Algorithmus von Waversa, der die Obertoneigenschaften von Western-Electric-300B-Trioden digital reproduziere, so die Koreaner. Durch dieses Hinzufügen von Obertönen soll eine (weitere) Annäherung an das analoge Signal erreicht werden. Zusätzlich bietet der WminiHPA MK2 auch noch ein mehrstufig wählbares „Dynamic Range Enhancement“.

Der Waversa WminiHPA Mk2 kommt mit symmetrischen und unsymmetrischen Ausgängen

Der Waversa WminiHPA Mk2 kommt mit symmetrischen und unsymmetrischen Ausgängen

Als Ausgänge stehen fast alle Möglichkeiten für Kopfhörer zur Verfügung: Frontseitig sind 3,5-mm-, 6,3-mm- und (symmetrische) 2,5-mm-Buchsen verbaut, rückseitig wird Besitzern von Kopfhörern mit XLR-Anschlüssen oder per RCA angeschlossene Amps (beispielsweise für Stax-Elektrostaten) die Nutzung dieser Verbindungsformen nicht verweigert. Die rückseitigen Outputs erlauben freilich auch den Anschluss von Equipment für die Lautsprecherwiedergabe, also Endstufen und Aktivspeaker. Die Pegelregelung des Waversa erfolgt zentral für alle Ausgänge. Wieso habe ich zu Beginn dieses Absatzes nur „fast“ alle Möglichkeiten geschrieben? Nun, der Waversa besitzt keine Bluetooth-Funktionalität. Das ist sicher auch nicht der drängendste Wunsch der meisten User des WminiHPA MK2, praktisch wäre es dennoch, auch mal eben die „Mobilkannen“ nutzen oder auf umgekehrtem Wege einen BT-Stream von einem Mobilgerät direkt zum Waversa starten zu können.

Klinkenputzer: Der Waversa WminiHPA Mk2 bietet gleich drei Buchsen unterschiedlicher Größe auf seiner Front

Klinkenputzer: Der Waversa WminiHPA MK2 bietet gleich drei Buchsen unterschiedlicher Größe auf seiner Front

Die Steuerung der Gerätefunktionen erfolgt auf zwei Arten. Mitgeliefert wird eine Apple-Infrarotfernbedinung, die den gleichen Funktionsumfang besitzt wie der optionale Waversa-Geber WminiRemote (175 Euro), der dann aber auch noch andere Geräte aus dem Waversa-Universum kontrollieren kann. Das Gros der Einstellmöglichkeiten muss über eine Maske in einem Browser über das Netzwerk geschehen.

Mein Einstieg in die Nutzung des Waversa WminiHPA MK2 war etwas hakelig. Die Anbindung per USB an einen Mac lief zwar sofort problemlos, doch konnte ich die Ausgabelautstärke nicht einstellen: Als Fernbedienungstyp war Apple noch nicht ausgewählt, die Aktivierung setzte die Nutzung der Browseroberfläche voraus. Dazu musste das Gerät erst einmal in das LAN integriert und dort ausfindig gemacht werden. Die Vorgehensweise ist im Handbuch für Windows- und Mobile-Device-User beschrieben, für Macianer aber (noch) nicht. Belohnt wird die Suche nach dem Waversa im Netzwerk in jedem Fall mit einer einfachen, übersichtlichen Weboberfläche, die eher auf Pragmatismus denn auf Design setzt. Ein etwas umfangreicheres Feedback, etwa über die aktuell gewählte Quelle oder den eingestellten Ausgabepegel, wäre wünschenswert.

Waversa WminiHPA MK2, Frontseite

Ich finde den WminiHPA wirklich wunderhübsch. Dass auf ein Display verzichtet wurde, ist meiner Meinung nach eine feine Sache, die optische Rückmeldung über die LED-Matrix ist funktionell und ästhetisch sehr gut gelungen. Mir persönlich fehlt dennoch eine zumindest rudimentäre Form der Pegelsteuerung in direktem Zugriff. Dass diese wichtige Funktion nicht am Gerät selbst zu finden ist und ich die Fernbedienung nehmen und mich verbiegen muss, obwohl der Waversa neben meinem Sessel in bequemer Armreichweite steht und per Kopfhörer mit mir verbunden ist, halte ich nicht gerade für einen Komfort-Zugewinn. Ich weiß aber, dass diese Situation und Wahrnehmung nur für einen Teil der Interessenten relevant ist.

Noch bevor ich mich um klangliche Aspekte kümmern kann, fällt mir auf, wie wenig der Waversa WminiHPA MK2 rauscht. Das ist für hochdynamisches Material, wie etwa die meisten Produktionen des Labels BIS AB, eine Wohltat und unterscheidet den Streaming-DAC-/Kopfhörerverstärker beispielsweise von meinem Lavry DA11, den ich zwar klanglich und technisch liebe, der aber gerne ein Stückchen ruhiger sein dürfte. Der Waversa quittiert allerdings das Schalten in den Standby-Modus mit einem kurzen, schnell abebbenden Rauschimpuls. Dieser kleine Schönheitsfehler sei ihm verziehen. Gehört habe ich über unterschiedliche Eingänge (vor allem über LAN und USB-B), relevante Unterschiede konnte ich dabei nicht ausmachen, kein Input wird stiefmütterlich behandelt.

Waversa WminiHPA MK2: Klangeindruck & Vergleiche

King Crimson - Starless And Bible BlackKingCharakterlich zeigt sich die kleine Silberkiste äußerst breitbandig, ohne bestimmte Bereiche des Spektrums zu bevorzugen oder zu vernachlässigen. Bei einem ersten Querhören mit unterschiedlichem Material, das ich oft und gerne verwende, meine ich aber eine Tendenz zur „Drahtigkeit“ wahrnehmen zu können. Ich will es genauer wissen und lasse die Starless And Bible Black von King Crimson (auf Amazon anhören) von 1974 erklingen. Bill Brufords Schellen, Becken und Glöckchen, Robert Fripps schrengelige Saiten und die sägende Viola von David Cross auf „The Night Watch“ können nämlich gehörig in den Ohren klingeln und beißen, wenn in einem Wiedergabesystem ein Gerät etwas zu garstig vorgeht. Test bestanden: Trotz leichter Frische und hoher Transparenz ist der Waversa nicht reibend oder sonst wie anstrengend.

Auch steilste Signalflanken, selbst die von unbearbeitetem Ausgangsmaterial aus der Musikproduktion, werden spielfreudig, aber nicht hyperaktiv wiedergegeben. Das sorgt wiederum für eine hohe Detailgenauigkeit. Es macht wirklich Spaß, mit dem Waversa und einem hochwertigen Kopfhörer feine Strukturen von Naturgeräuschen oder die Klangtexturen von Orchestern und die Rückwürfe im Raum nachzuvollziehen. Hier wird zwar viel Information geboten, doch weil der Pegel in den Hochmitten und Höhen nicht übertrieben wird, wirkt es nicht wirklich anstrengend.

Weihnachtsoratoriums_Bach-Collegium_Japan-Masaaki-SuzukiVielmehr zeigt sich eine Kausalität, die man bei vielen Geräten aus unterschiedlichen Kategorien feststellen kann: Ein System mit einer ausgezeichneten Transientendarstellung – und damit ist auch die Abwesenheit von Nachschwingern gemeint – ist eine gute Voraussetzung für die exakte Wiedergabe auch kleinster Details. Das lässt sich mit dem Waversa leicht bewahrheiten, ich nutze dafür unter anderem die Einspielung des Weihnachtsoratoriums (BWV 248) von Johann Sebastian Bach durch das Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki (auf BIS AB) (auf Amazon anhören).

Doch die Kausalkette hat ein weiteres Glied: Eine exakte Impulswiedergabe unterstützt die präzise Bühnendarstellung, wenn denn die Kanaltrennung mitspielt. Auch das ist beim WminiHPA der Fall, denn das Bühnenbild ist hochpräzise und wird mit einer feinen Entfernungsstaffelung kombiniert, die ich manchen Kopfhörern in meinem Sammelsurium kaum zugetraut hätte.

Übrigens ist der Waversa ein guter Lehrmeister: Wer immer schon mal sehr plakativ erfahren wollte, was bei der MP3-Reduktion klanglich passiert, der sollte mit einem hochauflösenden Kopfhörer einfach mal eine Orchesterproduktion von CD mit einer auf, sagen wir 256 kbps reduzierten MP3-Version vergleichen und darauf achten, was im Nachhall geschieht. Auch dass komplette, durch lautere Signale stark maskierte Instrumentengruppen dem psychoakustischen MP3-Rotstift anheimfallen, lässt sich mit dem WminiHPA sehr gut nachvollziehen.

Tonales

Betrachtet man die Wiedergabeeigenschaften der einzelnen Frequenzbereiche, fällt im Tiefton auf, dass der Waversa trocken und streng spielt und dabei pegelmäßig ziemlich neutral bleibt. Kein Aufblasen und Andicken, kein Wummern und Schwimmen, allenfalls eine minimale Tendenz zur „Kühle“. Schön ist das, wenn man obertonarme Synthbässe genießen will, beispielsweise auf „Klaps auf den Po“ (auf Jenseits von Köpenick von Romano). Der Lavry DA11 (circa 1.500 Euro) spielt minimal weicher, der Kopfhöreramp des Merging Technologies HAPI (um 7.200 Euro) ebenfalls.

Waversa WminiHPA MK2 mit Kopfhörer

Die Mitten des Waversa WminiHPA MK2 präsentieren sich gleichfalls ziemlich linear, eine Erhöhung der Präsenz ist nicht auszumachen. Freilich wird auch keine „Entschärfung“ bissiger S-Laute und Snaredrums vorgenommen, das überlässt der Waversa dem User beziehungsweise dessen Wahl eines entsprechend abgestimmten Kopfhörers. Im direkten Vergleich spielt der Lavry DA11 etwas „saftiger“ auf, also mit minimal dickeren Tiefmitten. Das ist bei Produktionen wie dem fulminanten Debütalbum Fleur der gleichnamigen Gruppe mit krachig-dengeligen Yéyé-Mischungen wie „La Tribu Des Trompettes“ sogar zuträglich, bei vielen anderen Stücken würde ich aber den Waversa bevorzugen. Präsenzen und Schärfe sind bei beiden Geräten pegelmäßig kaum unterscheidbar.

Auch noch höher hinaus spielt der Waversa linear und sehr luftig, er präsentiert das klangliche Geschehen am oberen Ende unseres Hörspektrums ungebremst. In das Gefühl der ätherischen Leichtigkeit mischt sich mit manchen Kopfhörern ab und an eine minimal kristalline Note, die ich beim Lavry DA11 nicht feststellen konnte. Die zerbrechlich zitternden Violinen im ersten Satz des Violin Concerto (In Memory Of The Six Million) von Benjamin Frankel (Queensland Symphony Orchestra unter Werner Andreas Albert, auf cpo) wirkten über den Lavry ein paar Mol natürlicher – aber eben auch etwas weniger agil.

Zum Genuss grober Pegeländerungen im Musikmaterial scheint der Waversa wie geboren zu sein. Unten ein kaum wahrnehmbarer Rauschteppich, oben eine mit normalen Kopfhörern und funktionierendem Schmerzempfinden kaum erreichbare Lautstärkegrenze und dazwischen eine wundervolle Pegellinearität – das ist ein Dynamikverhalten, das man sich wohl von jedem Gerät wünscht.

Mit unterschiedlichen Kopfhörern

Ein Kopfhörer, mit dem ich den Waversa WminiHPA MK2 besonders viel gehört habe, ist der HEDDphone des Herstellers HEDD aus Berlin. Der erste hochwertige Hörer mit einem breitbandigen Air-Motion-Transformer als Treibereinheit ist offen gebaut und spektral wie dynamisch ein Gedicht. Er konnte die hohe Transparenz des WminiHPA nicht nur gut umsetzen, sondern derart überzeugend unterstützen, dass ich die Kombination Waversa/HEDD als präzises Instrument zur auditiven Beurteilung absolut empfehlen kann.

Waversa WminiHPA Mk2 mit Waversa WminiHPA MK2 mit HEDDphone

Aber auch andere Hörer, darunter ein Sennheiser HD-25 und ein recht hochohmiger AKG K-240DF und mein preiswertes und verlässliches Standard-Arbeitstier Beyerdynamic DT-150 konnten von der Geschwindigkeit und Potenz des Waversas profitieren; mit dem mobilen On-Ear-Hörer Koss PortaPro klappte es ebenfalls sehr gut.

Processing

Werden die „WAP/X“-Funktionen und „MD1“ aktiviert, stellt sich zweierlei ein: Es wird tonal ein wenig wärmer und das Auflösungsvermögen knickt etwas ein. Schließlich werden hier ja auch der zunehmende Klirr und die leichten Kompression, wie sie mit Röhren und Übertrager im Signalweg entstehen, simuliert. Wer in seiner Wiedergabekette ein wenig dieser „analogen Dichte“ vermisst, der kann mit dem moderaten Modus MD1 beginnen; MD2 und besonders MD3 können in vielen Situationen zu viel des Guten sein (und wer ein Freund von größtmöglicher Transparenz ist, der lässt die Funktion einfach ausgeschaltet).

Waversas Marketing-Claim besagt, dass „digitale Musik aufgrund der Beschränkungen im Vergleich zur realen Musik die Oberwellen weitgehend ignoriert“ und dass mit dem Processing eine „Rekonstruktion“ stattfindet. Nun ist es natürlich so, dass obertonhaltige Signale (und das sind alle natürlichen) selbstverständlich nicht nur mit dem Grundton, sondern auch den zugehörigen Obertönen digitalisiert werden, sonst würden sie alle maximal nach Flöte oder nach Sinusschwingung klingen. Die Zeit- und Werteauflösung produziert zweifelsohne Fehler und verliert Information, ist aber nicht per se problematisch, wie viele andere Digitalsysteme zeigen. Das Hinzufügen von Obertonschwingungen sollte nach meiner Auffassung daher eher als (durchaus gelungener und hochwertiger) Effekt betrachtet werden denn als eigentlich notwendige Behebung von technischen Unzulänglichkeiten.

Waversa WminiHPA MK2, freigestellt

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das „Dynamic Range Enhancement“. Es wird viele Hörer geben, die ein Grinsen ins Gesicht bekommen, wenn sie diese Funktion aktivieren. Der Klang wird griffiger und konturierter, fast so, als hätte man sich beim Betrachten eines Bildes die verschmierte Brille abgenommen, sie ordentlich geputzt und wieder aufgesetzt. Angenehm ist das besonders bei etwas schlafferen, älteren Aufnahmen, bei denen man sich wünscht, sie hätten ein wenig mehr Verve. Man denke an Beat aus den 1960ern oder so manche Britpop-Produktion aus den 1990ern. Die Röhrenglocken und der Schellenkranz einer alten „No Milk Today“-Aufnahme (Album: Herman’s Hermits) schälen sich so aus den dichten Gitarren, Vocals und dem nicht unerheblichen Nachhall heraus, als seien sie mit einem feinen Meißel herausgearbeitet worden. Auch der im Eingang genannten Hörspielaufnahme Das Fliegende Klassenzimmer tut die Veränderung ganz gut.

The Saint Of Lost Causes - Justin Townes EarleEine gegenteilige Erfahrung tritt ein beim Hören sehr natürlich wirkender Musik. Klassische Klangkörper, beispielsweise große Orchester, wirken mit „Dynamic Range Enhancement“, das ist keine Überraschung, prozessierter und weniger natürlich. Aber auch die bereits im Test des AKG K361-BT zitierte Platte The Saint Of Lost Causes von Justin Townes Earle (auf Amazon anhören) ist so hervorragend produziert, dass es da nichts zu verbessern gibt. Schon der Titelsong ist mit seinem trockenen Schmatz und der scharfen Kontur der Drums als Kontrast zu den weicheren und schwimmenderen Signalen so perfekt austariert, dass jegliche Änderung eine Änderung zu viel ist. Natürlich kann jeder Hörer für sich entscheiden, was er präferiert, aber ich habe selten das Gefühl, einem hochwertig gemischten und gemasterten Album wiedergabeseitig noch Änderungen zukommen lassen zu müssen.

Billboard
Paradigm

Test: Waversa WminiHPA MK2 | D/A-Wandler, Kopfhörer-Verstärker, Netzwerk-Player

  1. 1 HPA und Tausendsassa
  2. 2 Waversa WminiHPA MK2: Klangeindruck & Vergleiche

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