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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Straßentauglich
  2. 2 Horn Acoustic Ferria: Hörtest und Vergleiche

„Die Trompeten von Jericho!“ – das war der spontane erste Ausruf meines Schwippschwagers Martin, der mir half, die 33 Kilogramm schweren Horn Acoustic Ferria aus den Kartons zu schälen und in meinem Hörraum aufzubauen und auszurichten. Und wo er recht hat, hat er recht: Die Optik der Horn Acoustic Ferria ist in der Tat polarisierend, zumindest nicht ganz alltäglich, denn sie kommt mit einem Hochtonhorn, dessen deutlich über die Schallwand des Tiefmitteltöners herausragende Schallöffnung durchaus einer Trompete oder auch einer Posaune zur Ehre gereichen würde. Eines kann ich an dieser Stelle bereits spoilern: Im Gegensatz zu den biblischen Blasinstrumenten (Josua 6, 4-20) sorgen die Horn Acoustic Ferria nicht dafür, dass das Haus einstürzt, sondern lustvoll erzittert. Doch schön der Reihe nach!

Der Hersteller Horn Acoustic (Vertrieb: https://www.hgfa.de/) mit Sitz in Polen ist noch jung, das Unternehmen wurde 2017 gegründet. Die beiden Gründer und Entwickler Rafał Szczepaniak und Marek Kostrzyński sind in der Branche allerdings keine Unbekannten: Sie bringen nämlich langjährige Erfahrungen als Entwickler bei Cube Audio beziehungsweise Pylon Audio mit. Für ihr eigenes Unternehmen Horn Acoustic haben sie bis jetzt zwei Lautsprecher mit gleichem Grundkonzept zur Welt gebracht: die große Vivo für Räume bis 50 Quadratmeter und die etwas kleinere Ferria, die sich für Räume bis 30 Quadratmeter Fläche eignen soll und unsere heutige Probandin darstellt.

Die Horn Acoustic Ferria ist ein Zweiwegekonzept mit Hochtonhorn

Die Horn Acoustic Ferria ist ein Zweiwegekonzept mit Hochtonhorn – den Korpus gibt es ausschließlich in Hochglanz-Schwarz, bei der Farbe des Horns lässt sich wählen

Es handelt sich bei der Horn Acoustic Ferria um ein „paneuropäisches“ Zweiwege-Bassreflexkonzept: Der Tiefmitteltöner stammt aus Norwegen, der Kompressionstreiber für das Hochtonhorn aus Italien, die Fertigung wiederum erfolgt am Unternehmenssitz in Polen. Acht Zoll misst der Seas-Tiefmitteltöner, der mit einer handbeschichteten Papiermembran und einer Naturkautschuk-Sicke aufwartet. Sein großzügig dimensioniertes Magnetsystem soll nicht nur für ein gutes – also schnelles und präzises – Einschwingverhalten, sondern auch für einen hohen Wirkungsgrad sorgen.

Der Achtzoll-Tiefmitteltöner der Horn Acoustic Ferria

Der Achtzoll-Tiefmitteltöner der Horn Acoustic Ferria stammt von Seas, er besitzt eine beschichtetet Membran aus Papier

Die Frequenzweiche schickt den Tiefmitteltöner bei 1100 Hertz mit 12 dB/Oktave in den Ruhestand, darüber übernimmt ein etwas steilflankiger (18 dB/Oktave) angekoppelter Kompressionstreiber des italienischen Herstellers RCF. Er kommt mit einer 1,75-Zoll-Mylar-Membran, die 1-Zoll-Austrittsöffnung spielt auf ein Tractrix-Horn, das ein eigenes geschlossenes Gehäuse besitzt und in diversen Farbvarianten erhältlich ist, wobei es hier sehr dezent zugeht: Quietschbunt gibt’s nicht (beziehungsweise nur auf ausdrücklichen Wunsch und gegen 400 Euro Aufpreis), die ohne Aufpreis erhältlichen Varianten sind: Dunkel-Rot, Blau, Grün, Braun und Schwarz.

Das Hochtonhorn der Ferria besitzt eine Tractrix-Form

Das Hochtonhorn der Ferria besitzt eine Tractrix-Form

Der Tiefmitteltöner residiert in einem mehrfach verstrebten und gedämmten Gehäuse aus 19 Millimeter starkem MDF, unterstützt von einer rückwärtigen Bassreflexöffnung – eine allzu wand- und eckennahe Aufstellung sollte wohl lieber nicht gewählt werden. Der Kennschalldruck der Horn Acoustic Ferria wird mit 91 dB/W/m angegeben, die Nominalimpedanz mit 8 Ohm.

Unbedingt erwähnenswert sind die tadellose Verarbeitung und der edle Gesamtauftritt. Penibel aufgetragener Hochglanzlack, ein makellos gefertigtes Horn aus gegossenem Kunstharz, höchstwertig wirkendes Single-Wiring-Terminal: Hier lässt Horn Acoustic definitiv nichts vermissen – was andererseits bei einem Paarpreis von 10.900 Euro auch erwartet werden kann.

Die Horn Acoustic Ferria, hier mit braunem Horn. Der Bassreflexkanal befindet sich auf der Rückseite des Lautsprechers

Die Horn Acoustic Ferria, hier mit braunem Horn. Der Bassreflexkanal befindet sich auf der Rückseite des Lautsprechers

Horn Acoustic Ferria: Hörtest und Vergleiche

Falls Sie erwarten, dass ich jetzt brav die Themen Tonalität, Auflösung, Dynamik, Bühne abreite, muss ich Sie enttäuschen. Die besonderen Meriten der Horn Acoustic Ferria verlangen meiner Meinung danach, dass eine Geschichte erzählt wird – nämlich die einer Annäherung. Los geht’s!

Vor dem Vergnügen

Sie ahnen es schon angesichts der eingangs beschriebenen 33 Kilo Lebendgewicht: Vor das Vergnügen haben die Götter den Schweiß gesetzt. Das betrifft nicht nur das Auspacken und Schleppen, sondern auch die Aufstellung, denn eine der ganz großen Stärken der Horn Acoustic Ferria – ich komme später noch darauf – kann auch zu einer Schwäche umkippen: Ich spreche von der Mittenmanifestation, also der Art und Weise, wie eine am Mischpult im stereofonen Zentrum platzierte Klangquelle zum Leben erwacht. Oder eben auch nicht. Bekanntermaßen ist das ein wichtiger Prüfstein bei Lautsprechern, es bedarf einer sehr sauberen Abstimmung, diese Mittenmanifestation wirklich glaubhaft hinzubekommen.

Adele 19 Bei meinem ersten Versuch mit relativ direkt auf den Hörplatz eingewinkelten Hörnern überraschte mich die Ferria bei der Schmachtballade „Make you feel my love“ mit einer unfassbar exakt in die Mitte „gebeamten“ Adele (Album: 19; auf Amazon anhören). So krass und präzise hatte ich das bis dato eigentlich noch nie gehört, allerdings wirkte die Schallquelle auch lediglich punktförmig groß (à la Laserpointer). Nun würde ja niemand erwarten, dass die Dame mit ihrer gesamten Körpergröße von 1,75 Metern zum audiophilen Stelldichein erscheint, aber zumindest der Mund, dem ja der Gesang entströmt, sollte deutlich mehr Fläche bekommen als jener Quadratmillimeter, der mir da taghell entgegenstrahlte. Und so ließ ich meinen Schwippschwager peu à peu die Ausrichtung der Lautsprecher in Richtung „parallel“ statt „eingewinkelt“ verändern. Es geschah Erstaunliches: Die Manifestation behielt im Verlaufe dessen ihre Glaubwürdigkeit, ja, sie blieb weiterhin zwingend präzise, aber die virtuelle Schallquelle – also die Stimme – wurde Stück für Stück größer. Und zwar von punktförmig über realistisch bis hin zu überlebensgroß. Will heißen: Wer „richtig“ hören will, der sollte sich bei der Einwinkelung Mühe geben, das lohnt sich ungemein.

Paar der Horn Acoustic Ferria

Die Horn Acoustic Ferria ist keinen Meter hoch (Oberkante Horn: 96,4 cm), wiegt aber amtliche 33 Kilogramm das Stück

Nachdem ich diese Hürde erst mal genommen hatte, erwartete mich ein Klangfeuerwerk, das sich gewaschen hatte – und das es mir sehr schwer macht, nicht in unkritische Begeisterung und Lobhudelei zu verfallen. Denn: Selten hatte ich bisher einen Lautsprecher zu Gast, der so viele Emotionen in mir wachrufen konnte.

Bewegungsdrang

Daft Punk Random Access MemoriesFangen wir mal mit dem Phänomen „Bewegungsdrang“ an. Ganz ehrlich: Ich hab’s nicht so mit Tanzen. Auf Partys sitze ich normalerweise möglichst nah an der intermittierenden Getränkezufuhr und umgeben von Leuten, mit denen sich gute Gespräche führen lassen. Was auf dem Dancefloor passiert, ist mir meistens reichlich egal. Es braucht schon mindestens drei Gin-Tonic und bittende Blicke der Gattin, bis ich mich dazu bereit erkläre, rhythmisch im Stroboskoplicht herumzutapsen. Doch siehe da: Als ich die knackige und noch dazu fantastisch produzierte Dance-Nummer „Give Life Back to Music“ von Daft Punk (Album: Random Access Memories; auf Amazon anhören) zuspielte, gab’s kein Halten mehr. Schon nach den ersten Takten hatte ich ein „Gehen Sie zum Dancefloor. Gehen Sie direkt dorthin. Ziehen Sie keine 4.000 Mark ein, reservieren Sie lieber einen fünfstelligen Geldbetrag auf dem Girokonto“, mit herrischer Stimme von Klaus Kinski gesprochen, im Ohr. Dieser Bass! Diese Spielfreude! Diese Zackigkeit! Was ich hier erlebte, war nicht weniger als sensationell. Okay, versuchen wir’s mal in HiFi-Kriterien zu übersetzen, denn ich sehe schon vorm inneren Auge die fairaudio-Redaktion mit tremolierendem Mausfinger über der Schaltfläche „Kommentieren“ …

Die tonale Lage: Bass, Mitten, Hochton

Also, die Horn Acoustic Ferria kann Bass. Richtig Bass. Auch Tiefbass. Magengrube. Wham! Das Thema Tieftonwucht ist mir normalweise gar nicht so wichtig (dachte ich zumindest bisher); mit dem, was meine ausgewachsene Standbox ProAc Response D20R (5.100 Euro) an Tiefgang, Power und Standfestigkeit abliefert, war ich bisher immer völlig zufrieden gewesen. Tja, Pustekuchen. Die angegebene untere Grenzfrequenz der Ferria von 35 Hertz erscheint absolut glaubhaft. Bassdrums gehen direkt in die Magengrube, 16-Fuß-Kirchenorgelregister in Originallautstärke lassen die Luft erzittern, da bleibt kein Auge trocken. Ich möchte bei der Gelegenheit aber betonen, dass hier auch nicht übertrieben wird. Einen Oberbasshöcker gibt’s nicht (braucht’s auch nicht), hier wird nicht künstlich irgendwo angedickt, sondern einfach mit einer Lässigkeit und Geschwindigkeit rausgehauen, dass es Freude macht.

Horn Acoustic Ferria mit Hochtonhorn in Braun-Metallic

Ähnlich sieht’s im Hochtonbereich aus: enorme Transparenz, Durchlässigkeit, tendenziell eher präsent als abgedunkelt, aber nicht überbetont. Ja, das Bändchen in meiner ProAC Response D20R bildet ähnlich viele Informationen ab, tönt aber insgesamt milder/seidiger, während der Kompressionstreiber der Ferria im Vergleich einen Teelöffel Brillanz drauflegt, ohne jedoch ins Metallische zu kippen. Erinnert mich qualitativ ein wenig an den Hochton der B&W 805 D3 (6.000 Euro), jedoch besser ans Mittenband angebunden und etwas weniger hervortretend. Sehr schön abgestimmt.

Und das Mittenband selbst? Nun, das ist unverfärbt, sauber, klar, gut aufgelöst, es scheint mir aber bei der Gesamtabstimmung nicht so sehr im Fokus gestanden zu haben wie Bass und Hochton – anders beispielsweise als bei meinem Arbeitspferd Harbeth 30.1: Dieser britische Lautsprecher baut sein Klangbild recht klar aus dem Mittenband heraus auf – und zeigt sich sowohl im Tief- wie auch im Hochton eher etwas milder/verrundender. Da ist die Horn Acoustic Feria insgesamt dann doch wesentlich neutraler unterwegs, sprich: im Mittenbereich ein Spürchen kühler und nicht so warm-euphonisch wie die Harbeth.

Single-Wiring-Terminal der Horn Acoustic Ferria

Die Horn Acoustic besitzt ein solides Single-Wiring-Terminal

Dynamik

Ich schrieb ja weiter oben von Emotionen und erwähnte bereits den Bewegungsdrang. Da geht noch mehr! Schwenken wir mal von der Tonalität zur Dynamik. Denn hier zeigt die Horn Acoustic Ferria „normalen Lautsprechern“ mal so richtig, wo Bartel den Most holt. Dynamik, Geschwindigkeit, Verve: Das ist das Habitat der Ferria. Hier brennt sie ein echtes Feuerwerk ab. Impulse kommen ungeachtet des Frequenzbereichs mit Wucht, Präzision und vor allem einer Mühelosigkeit, dass einem schlicht die Spucke wegbleiben kann. Bassdrums gehen „direct to belly“, flirrende Gitarrensaiten, aber auch Splashbecken oder synthetische Klangflächen haben eine Direktheit und Unmittelbarkeit, die süchtig macht.

Metric FormenteraAls ich beispielsweise „nur mal kurz“ in das soeben per Amazon zugestellte neue Metric-Album Formentera (auf Amazon anhören) reinhören wollte und den zehneinhalb Minuten langen Eröffnungstrack „Doomscroller“ anspielte, wurde ich sogleich aufs Wunderbarste emotional niedergeknüppelt, obwohl es bei mir mit neuen Alben nur ganz selten „Liebe auf den ersten Blick“ gibt und ich die Stücke normalerweise erst langsam und mit der Zeit kennenlernen muss. Wie auch immer: Das Stück beginnt mit sphärischen Synthie-Klängen und einer gehetzt singenden Emily Haines. Thema des Songs ist der allgemeine Weltenwahnsinn (scrollen Sie mal an einem beliebigen Tag die Spiegel-Online-Website bis zum bitteren Ende durch und Sie wissen, was ich meine) – und im ersten Refrain singt Haines die allzu wahren Zeilen:

And I’m a true doomscroller
I can’t seem to shut it down
Until the worst is over
And it’s never over

Ohne Flachs, ich hatte ein paar Tränen in den Augenwinkeln. Nicht nur angesichts dieser treffenden Beschreibung einer Welt, in der gerade so ziemlich alles den Bach runtergeht und die Mehrzahl der Menschen mit krummem Rücken doomscrollend über ihren Smartphones hockt. Sondern vor allem, weil mich die unfassbare Direktheit von Emily Haines Stimme, die quer durch den Raum kachelnden Synthie-Sprengsel, das unterschwellige Grummeln im Tieftonbereich und die elastischen Synthbässe auf eine Art und Weise anfassten, wie ich sie sonst bisher selten mit HiFi-Equipment erlebt habe. Damit nicht genug: Nach einer relativ langen Exposition von zweieinhalb Minuten schlägt das Stück plötzlich in eine zappelig-hybride akustisch-elektronische Dancefloor-Nummer um. Mit einem Mal kommen neue Emotionen rein: Aggressivität, Wut, Chaos. Da schickte mich die Ferria schon fast wieder Richtung Tanzfläche. Bei Timecode 04‘00“ wird’s dann wieder zuckersüß: Die Drumcomputer schweigen, eine synthetische Violine gibt Halt, ein verhalltes Klavier pingt – und schon greift man wieder nach dem Taschentuch.

Blick von hinten aufs Hochtonhorn der Ferria

Bevor Sie jetzt in Sorge geraten: Nein, der Autor dieser Zeilen ist – nach Eigendiagnose – nicht depressiv oder sonstwie emotional instabil. Doch er ist in der Tat hoch beeindruckt von dem, was die Horn Acoustic Ferria in ihm für Gefühle loskitzelt. Was übrigens auch für meine Gattin gilt, die zwar kein HiFi-Freak ist, aber Interesse am Thema hat und mich oft auf einen Kaffee oder ein Gläschen Wein im Hörraum besucht. Mit einem kritischen Ohr (und Auge) gesegnet, sagte sie nach einer Viertelstunde gemeinsamen Hörens: „Also die Lautsprecher könnten von mir aus hierbleiben.“

Ich bin aber noch nicht fertig: Was ebenfalls erwähnt werden muss, sind Wirkungsgrad und Pegelfestigkeit der Horn Acoustic Ferria. Sowohl mit meinen Valvet A4 MK2-Endstufen (55 Watt pro Kanal, 5.900 Euro) als auch mit der Vollröhre Tsakiridis Aeolos+ (28 Watt pro Kanal im Triodenmodus, 2.150 Euro) habe ich zu keiner Sekunde auch nur ein einziges Watt Verstärkerleistung vermisst. Und: Hier funktioniert über sehr weite Strecken die ganz einfache Gleichung „lauter = geiler“. Ich bin es mit vielen Komponenten und Lautsprechern gewöhnt, dass man irgendwann zu einem Punkt kommt, an dem es von Musik in Richtung Krach kippt – üblicherweise ausgelöst durch Verzerrungen oder Kompressionseffekte. Die Ferria funktioniert zwar flüsterleise ausgezeichnet, doch man kann sie auch richtig fordern und von der Leine lassen. Es wird einfach nur lauter und beeindruckender, aber nicht stressiger.

Horn Acoustic Ferria - Hochtonhorn und Woofer

Zu guter Letzt …

… noch ein paar Worte zur Bühne. Wie ich ganz zu Beginn schon schrieb, neigt die Ferria zu einer sehr exakten Darbietung der stereofonen Mitte. Das gilt auch für die Platzierung und Rasterung von Schallquellen, die jenseits der Mitte agieren. Je nach Aufstellung kann die Bühne durchaus auch sehr breit und tief ausfallen, trotzdem ist immer eine erfreuliche Kohärenz festzustellen. Wer stärker einwinkelt, der erhält ein etwas kompakteres Bühnenbild, wer mehr in Richtung parallele Aufstellung geht, der bekommt ein breites und tiefes. Erhalten bleibt indes der Maßstab, also das Verhältnis aus Akteuren und dem Platz, der zwischen ihnen ist.

In der Präzision der Abbildung – also der exakten Ortbarkeit – erinnert mich die Ferria übrigens ein wenig an die aktive Genelec 8351 (6.660 Euro zum Testzeitpunkt). Und was mich erstaunt hat: Anders als bei anderen Hornkonzepten, die ich bisher hören durfte, spielt sie auch nicht über Gebühr „nach vorne“ über die Boxengrundlinie hinaus, die Bühne beginnt gefühlt eher auf der Grundlinie, was einen gut und ohne „Absperrband“ in die Musik eintauchen lässt. Sehr schöne Abstimmung, gefällt mir.

Horn Acoustic Ferria von der Seite

Horn Acoustic Ferria von der Seite

Wo ist denn jetzt der Haken?

Tja. Schwierig. Ich muss zugeben, dass mich die Horn Acoustic Ferria sehr nachdenklich gemacht hat, weil ich bei Hornkonzepten bisher immer ein Strohfeuer erlebt habe: Anfangs hatte mich die Unmittelbarkeit begeistert, mit der diese häufig zu Werke gehen, aber ich war dann oft auch schnell etwas genervt oder angestrengt. Bei der Ferria ist das anders. Ich durfte fast zwei Monate mit diesem Lautsprecher verbringen und fand ihn auch am Ende der „Probezeit“ immer noch fantastisch. Vielleicht dröseln wir es mal so auf:

Die Ferria ist kein Lautsprecher, der einen kalt lässt. Sie entfacht Emotionen. „Ist doch toll!“, sagen Sie? Ja, einerseits. Aber andererseits: Wenn Sie einen „Lautsprecher für alle Fälle“ suchen und gerne auch einmal Musik eher so nebenbei laufen lassen, dann könnte die Ferria für Sie zu fordernd sein. Wenn Sie so wollen, umgibt sie sich mit einer Art von Magnetfeld, in das man sehr leicht hineingerät, aber nur schwer wieder heraus. Der Klassiker: Man will mal schnell in eine CD reinhören – und schwupps! ist eine Stunde vergangen, während der man eigentlich die Wäsche aufhängen und die Spülmaschine ausräumen wollte. Auch eher vorsichtig wäre ich, wenn Sie auf eine „britische“ Abstimmung mit mittenbetontem Sound à la Harbeth, Graham Audio, Tannoy oder Fyne Audio stehen. Das Mittenband der Ferria ist preisklassenadäquat, löst also deutlich mehr als hinreichend gut auf, aber der eine oder andere könnte sich ein wenig mehr Wärme wünschen. Das Dargebotene ist sicherlich nicht „kalt“, aber dann doch eher recht neutral, monitorhaft. Alle anderen aber – auch die, die sich bisher nicht mit Hornkonzepten befasst haben – die Lust auf tiefgreifende klangliche und emotionale Erlebnisse haben, sollten sich die Horn Acoustic Ferria wirklich einmal anhören.

Horn Acoustic Ferria

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Nubert nuBoxx AS-3500

Test: Horn Acoustic Ferria | Standlautsprecher

  1. 1 Straßentauglich
  2. 2 Horn Acoustic Ferria: Hörtest und Vergleiche

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