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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Charakterkopf
  2. 2 B&W 805 D3: Soundcheck & Vergleiche
  3. 3 Test-Fazit: Bowers & Wilkins 805 D3

Premieren bereichern das Leben des HiFi-Redakteurs: Wann immer ich eine Komponente oder einen Lautsprecher von einem Hersteller testen darf, der bei mir bisher nicht „zu Gast“ war, blicke ich dem Probanden mit besonderer Neugier und Vorfreude entgegen. Und so war es auch bei der B&W 805 D3 (www.gute-anlage.de) – allerdings mit einer Besonderheit: Vor gut zehn Jahren besuchte ich einen recht wohlhabenden alten Studienkollegen, der beeindruckend aussehende Standlautsprecher-Dickschiffe der 800er Serie aus dem Hause Bowers & Wilkins besaß. Jedenfalls waren diese mit Elektronik einer adäquaten Preisklasse verbunden – und angesichts des im mittleren fünfstelligen Eurobereich liegenden Gesamtpreises der Anlage sprang damals nicht so richtig der audiophile Funke bei mir über.

Gewiss: Das klang alles, wie man so schön sagt, „amtlich“, aber ich hatte mir seinerzeit zuhause eine eigene Anlage zusammengestellt, die nicht einmal ein Zehntel dessen kostete und mich irgendwie mehr anmachte. Gut, bei meinem Erlebnis mögen „Sondereffekte“ beteiligt gewesen sein, wie etwa Fehler in der Hörraumakustik bei meinem Freund. Wie dem auch sei: Ich war nun umso gespannter, ob die kompakte B&W 805 D3 bei mir diesmal einen besseren Start hinlegen würde.

B&W 805 D3Und ja, das tat sie. Direkt nach dem Auspacken schon. Was mich sofort begeisterte, waren die superbe Verarbeitung und das Design: Dezent graue Treiber statt den für mich immer etwas vergilbt aussehenden Kevlar-Membranen. Mustergültig aufgetragener, schwarzer Klavierlack, die völlige Absenz von den Blick störenden Kanten oder Verschraubungen – stattdessen nahtlose Einpassungen von Treiber und Bassreflexrohr, aber auch die Konstruktion mit dem auf der Oberkante des Gehäuses platzierten Hochtöner, dem man eine spezielle Lagerung auf einer Schicht aus synthetischem Gel angedeihen ließ. Mitgeliefert wurden mir vom Hersteller auch die speziell auf dieses Modell zugeschnittenen Lautsprecherständer (zzgl. 1.000 Euro), die sich – unter Nutzung eines Akkuschraubers – in weniger als 15 Minuten zusammenbauen lassen und aufgrund passgenauer Bohrungen sowie penibler Fertigung der tragenden Elemente durch eine im zusammengebauten Zustand absolut perfekte Standfestigkeit auszeichnen. Ebenfalls löblich: B&W legt jedem Paar 805 D3 hochwertige Kabelbrücken bei. Wer also keine Bi-Wiring-Anschlussmöglichkeit hat, der muss sich nicht mit irgendwelchen Blechverbindern herumschlagen – was leider heute immer wieder auch in vergleichsweise hohen Preisklassen vorkommt.

B&W 805 D3 Terminal Anschlüsse

Das Bi-Wiring-Terminal der Bowers & Wilkins 805 D3. Nicht im Bild sind die mitgelieferten Kabelbrücken für den Single-Wiring-Betrieb

Konzeptionell handelt es sich beim B&W 805 D3 um einen Zweiwege-Bassreflex-Kompaktlautsprecher mit einer nach vorne abstrahlenden Bassreflexöffnung. Der Tiefmitteltöner ist ein klassischer Konuslautsprecher (165 mm) mit einer „Continuum-Membran“ und einem Antiresonanz-Plug. Ähnlich wie das bei B&W langjährig eingesetzte Kevlar besitzt auch das „Continuum“-Material – ein stabiles, beschichtetes Gewebe – eine gewobene Struktur. Es soll aber, so heißt es bei B&W, resonanzärmer als Kevlar sein und über eine bessere innere Dämpfung verfügen. Ein vorsichtiges Befühlen der Membran bestätigt dies: weich, stabil, „satt“ fühlt es sich an. Der Antiresonanzplug sitzt – im Gegensatz zu normalen Staubschutzkappen – fest im Schwingspulenträger. Er soll nicht nur Resonanzen minimieren, sondern die Aufbrechfrequenz der Membran senken, was sich positiv auf den Detailreichtum des Klangs auswirken soll – so heißt es bei Bowers & Wilkins.

Beim Hochtöner handelt es sich um eine 25-mm-Diamantkalotte, die – wie bereits erwähnt – in einem eigenen, stromlinienförmig sich nach hinten verjüngenden Gehäuse oberhalb des Lautsprechers befestigt ist. Durch sein Eremitendasein wird der Hochtöner vor Gehäuseresonanzen geschützt, was Klangverfärbungen minimieren soll – und die geschwungenen Linien des Gehäuses sollen nicht nur stehende Wellen im Gehäuseinneren und damit Verfärbungen vermeiden, sondern auch für ein gleichmäßiges Abstrahlverhalten ohne störende Kantenreflexionen sorgen.

Hochtöner Makro B&W 805 D3

Hinter Gittern: Die Diamantkalotte der B&W 805 D3

Unterhalb des Tiefmitteltöners sitzt das „Flowport-Bassreflexrohr“. Seine Oberfläche besitzt eine aufgeraute Struktur, die an einen Golfball erinnert. Auch das hat Methode: Auf diese Weise sollen Turbulenzen und Strömungsgeräusche des Luftstroms reduziert werden.

Ein Blick ins Innere des Lautsprechers lohnt: Das Gehäuse wird durch ein stabil wirkendes MDF-Gerüst – bei B&W heißt das „Matrix“ – versteift, in dem exakt eingepasste Akustikschaumstoffblöcke für zusätzliche Dämpfung sorgen. Die Innenverkabelung ist sorgfältig ummantelt, damit sie auch bei „hohem Luftzug“ im Gehäuseinneren nicht in Bewegung gerät. Vorbildlich – bei diesem Lautsprecher wird ganz offensichtlich nicht nur da geklotzt, wo man es sieht.

Trotz der kompakten Bauform gibt B&W für die 805 D3 einen auf Achse gemessenen Frequenzgang von 42 Hz bis 28 kHz (max. 3 dB Abweichung) an. Mit einer Empfindlichkeit von 88 dB/W/m bei einer Impedanz von 8 Ohm ist der Lautsprecher ein eher durchschnittlicher „Verwerter“, sollte aber grundsätzlich auch an nicht ganz so potenten Verstärken betrieben werden können. Bowers & Wilkins empfiehlt sicherheitshalber eine Mindestverstärkerleistung von 50 Watt.

B&W 805 D3 auf Ständer

Optional bietet Bowers & Wilkins auch einen passenden Ständer für die 805 D3 an

Noch ein paar Worte zur Frequenzweiche: Die Trennfrequenz liegt mit 4 kHz überdurchschnittlich hoch für einen Zweiwegler – wie kommt es dazu? Nun, das Membranmaterial des Tiefmitteltöners besitzt aufgrund seiner Struktur die Eigenschaft, dass sich die schallabstrahlende Fläche mit steigender Frequenz verringert. Ulf Soldan, Senior Product Manager bei B&W, erklärt es so: „Bei vier kHz reduziert sich die schallabstrahlende Fläche auf einen inneren Kreis von 50 mm Durchmesser, weil sich an den Randbereichen der Membran Wellenberge und -täler ergeben, die sich gegenseitig aufheben. Das heißt, wir können mit diesem Chassis tiefe und vergleichsweise hohe Frequenzen gleichzeitig erzeugen, ohne dass diese sich gegenseitig negativ beeinflussen.“ Der Hochtöner wiederum sei so konzipiert, dass er sich nach unten perfekt an die Trennfrequenz von vier kHz anschmiege; somit kommt die Frequenzweiche zum einen mit einem einfachen 6-dB-Filter erster Ordnung aus – und dadurch zum anderen mit lediglich drei Bauteilen: einer Luftspule, einem Supreme-SilberGold-Öl-Kondensator von Mundorf und einem Metallfilmwiderstand zur Anpassung des Pegels des Hochtöners.

B&W 805 D3 Front

Ulf Soldan abschließend: „Wir entwickeln und bauen unserer Chassis selbst und können damit von vornherein die Qualität und Elektromechanik des Lautsprechers beeinflussen. Das versetzt uns in die Lage, die Frequenzweiche puristisch zu gestalten, weil wir keine Chassisfehler und Verdeckungseffekte im Zusammenspiel der unterschiedlichen Chassis ausbügeln müssen. Und je einfacher die Frequenzweiche, desto besser sind Zeitrichtigkeit und Wirkungsgrad.“

Und nun in den Hörraum!

Test: B&W 805 D3 | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Charakterkopf
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