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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Compact ist relativ
  2. 2 Audiophile FAST cylindric compact: Hörtest & Vergleiche

Nicht alles wird teurer: So einen ähnlichen Lautsprecher wie den aktuellen Probanden hatten wir vor knapp zwei Jahren schon im Test – den Audiophile FAST cylindric modular, ein Line-Array-Konzept. Unser heutiger Testkandidat nennt sich Audiophile FAST cylindric compact und ist mit 9.300 Euro das Paar fast 30 % günstiger als die modulare Variante aus dem gleichen Haus (Web: www.audiophilefast.de). Wie geht das?

Nun, dazu kommen wir in Kürze – doch zunächst zu den Gemeinsamkeiten der modularen und der kompakten Variante. Bei beiden handelt es sich um Zweiwegelautsprecher, obwohl die Armada an Chassis – 28 Stück pro Kanal sind’s bei der Audiophile FAST cylindric compact – spontan anderes vermuten lassen könnte. Getrennt wird bei 250 Hertz. Für die unteren Lagen bis 30 Hertz (-6 dB) hinab kommen pro Box vier Dayton-Audio-DCS165-Woofer zum Einsatz, die Treiber arbeiten in separaten, geschlossenen, jeweils gut sieben Liter Volumen fassenden Gehäusen; ihnen vorgelagert sind jeweils sechs Breitbandchassis, die anderthalb Zoll großen Dayton Audio DMA45-4. Vier mal sechs von ihnen ergeben eine schallabstrahlende Linie von insgesamt 120 Zentimeter Länge und ungefähr drei Zentimeter Breite.

Dayton-Audio-DCS165-Woofer

Je Kanal kommen vier 6,5 Zoll große Dayton-Audio-DCS165-Woofer zum Einsatz / (c) Bilder von Dayton Audio

Beide Versionen der Audiophile FAST cylindric sind aktiv und passiv zu bekommen, wobei Letzteres eine eher randständige Bedeutung besitzt. Die Passivweiche sei aufwendig, so Prof. Dr.-Ing. Michael Bruns, Eigner und Chefentwickler der Frankfurter Lautsprechermanufaktur, weshalb die passive Version genauso viel wie die aktive kostet. Primär richte sich die Passiv-Option an Besitzer von Röhrenverstärkern, auf deren individuelle Ausgangsimpedanz die Frequenzweiche angepasst werden könne, so Bruns weiter.

Audiophile FAST cylindric compact - von vorne und seitlich

Die Audiophile FAST cylindric compact ist ein Line-Array-Lautsprecher mit je Kanal 28 Chassis

Wir haben hier das Aktivmodell im Test. Das besitzt pro Box ein ICEpower-Class-D-Modul mit integriertem DSP inklusive Frequenzweichenfunktion – und 2 x 125 Watt Leistung. Das Verstärkermodul lässt sich analog (Cinch, XLR) und digital (XLR) ansteuern. Reine Digitalhörer benötigen also keine separate analoge Vorstufe, wohl aber einen Zuspieler (Streaming Bridge, Musikserver o.ä.), der eine Lautstärkeregelung mitbringt, denn die Audiophile FAST cylindric compact kommt ohne. Zwischen dem analogen und digitalen Eingang kann gewählt werden, dazu braucht man allerdings einen Computer, ein LAN-Kabel und die entsprechende Software. Die Software bekommt man bei Audiophile FAST. Die Einstellung ist kein Hexenwerk, aber bequem und easy ist das nicht gerade. Am besten entscheidet man sich im Vorfeld, wie man die Lautsprecher zu betreiben gedenkt – digital oder analog –, dann ist’s Plug and play.

ICEpower-Class-D-Modul der Audiophile FAST

Ein ICEpower-Class-D-Modul mit 2 x 125 Watt Leistung pro Box bringt die Audiophile FAST auf Trab. Die Öffnungen oben und unten sorgen die Ventilation der Elektronik

Das „cylindric“ im Produktnamen weist auf die Abstrahlcharakteristik dieser besonderen Lautsprecher hin: Ein Line-Array strahlt in der Horizontalen breit, in der Vertikalen jedoch gebündelt ab, was gemeinhin dazu führt, dass sich der Schall zylinderförmig ausbreitet. Durch die konvexe Form seines Lautsprechers sei das aber eher ein Zylinder mit Bauch, sprich: Das Ganze gleicht mehr einem Kugelausschnitt, was laut Bruns den Vorteil hat, als natürlicher wahrgenommen zu werden. Doch gleichzeitig sei’s eben keine „ganze Kugel“: Oben, unten sowie hinten breite sich weniger Schallenergie aus als bei klassischen Lautsprechern, was ungewünschte Raumreflexionen minimiere.

Dayton Audio DMA45-4 Breitbandtreiber

Von den anderthalb Zoll großen Dayton Audio DMA45-4 Breitbandtreibern kommen pro Lautsprecher 24 Stück zum Einsatz

Unterschiede

Die Audiophile FAST cylindric modular gibt es in „Vierergröße“, also mit vier Woofern pro Box, aber eben auch mit fünf (wie von uns seinerzeit getestet) oder gar sechs Elementen. Die günstigere Audiophile FAST cylindric compact kommt hingegen stets mit vier Elementen. Ein erster Unterschied.

Die Audiophile FAST cylindric compact in Weiß

Die Audiophile FAST cylindric compact in Weiß – das Line-Array ist in allen RAL-Farben erhältlich

Der zweite: Vor zwei Jahren wurde der Tiefton noch von einem Treiber mit Flachmembran bestellt, inzwischen vertraut man auf einen mit konusförmiger Membran. Der besitzt aber nicht nur eine andere Form, sondern auch eine mehr als 60 % größere schallabstrahlende Fläche, so Bruns. Das hat zur Folge, dass der aktuelle Proband, obwohl er einen Woofer weniger als die seinerzeit getestete modulare Variante besitzt, ungefähr ein Drittel mehr an Treiberfläche für den Bass bereithält – ohne dass das Gehäuse breiter oder tiefer geworden wäre. Entsprechend sei der Wirkungsgrad (>90 dB/w/m) gestiegen. In der aktuellen Version der Audiophile FAST cylindric modular kommt inzwischen der gleiche Basstreiber zum Einsatz.

Der dritte und größte Unterschied betrifft das Gehäuse: Die Audiophile FAST cylindric compact wird eben nicht aus einzelnen Modulen aufgebaut, die miteinander verbunden werden. Es handelt sich um ein „normales“, sprich durchgehendes Gehäuse, das zwar ähnliche Woofer-/Breitbänder-Einheiten aufweist, deren Anwinkelung die konvexe Form des Line-Arrays ergibt – die aber eben nicht einzeln aufeinandergestapelt werden.

Erster Nebeneffekt dieser Grundsatzentscheidung: Die Audiophile FAST cylindric compact kann aus MDF gebaut werden, ein Werkstoff, der für die modulare Variante zu weich wäre – bei ihr wird Massivholz verwendet, um die mechanische Stabilität an der Verbindung der Einzelmodule zu gewährleisten. Das reduziert die Materialkosten der „compact“ natürlich deutlich, und auch der Fertigungsaufwand sei geringer, was sich schlussendlich positiv auf den Endpreis des Lautsprechers niederschlage, so Bruns.

Audiophile FAST cylindric compact - Vorder- und Rückseite des Line-Arrays

Audiophile FAST cylindric compact – Vorder- und Rückseite des Line-Arrays

Nebeneffekt Nr. 2: Dank des „normalen“ Gehäuses der Audiophile FAST cylindric compact wurde es möglich, die Verkabelung komplett nach innen zu verlegen. Das sorgt unter anderem für den deutlich „schöneren“ Lautsprecherrücken im Vergleich zur Audiophile FAST cylindric modular, bei der ein Kabelbaum von außen mit Speakon-Steckern befestigt wird. Überhaupt sieht die Compact-Variante eleganter, smoother, wohnraumfreundlicher aus, wenn Sie mich fragen – was auch daran liegen mag, dass sie ein sauberes Lackfinish besitzt (alle RAL-Farben sind möglich). Das lässt sich zwar auch für die cylindric modular ordern, seinerzeit hatten wir aber das Modell mit der recht rustikalen Holzoptik zu Gast.

Eleganter, mit mehr Treiberfläche versehen, knapp ein Drittel günstiger – eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Wie klingt es also?

Audiophile FAST cylindric compact: Hörtest & Vergleiche

Nun – die aktuelle Audiophile FAST cylindric compact spielt ziemlich ähnlich auf wie das größere, vor zwei Jahren getestete Modell. Familiengene lassen sich jedenfalls kaum bestreiten, auch in tonaler Hinsicht nicht.

Der Gesamteindruck geht Richtung leicht warm, sonor. Das deshalb, weil im Bass zwei Fingerbreit draufgelegt werden, im Grundton vielleicht ein halber – und weil es ganz weit oben, beim Superhochton, dezenter zugeht. Die 48 Anderthalbzoll-Breitbänder verströmen nicht das gleiche „Air“ wie manches Bändchen, manche AMTs oder Kalotten. Viel fehlt da freilich nicht und auch in Kombination mit den eher verträglichen denn nassforschen oberen Mitten entsteht kein „bedeckter“ Eindruck. Geschlossen, stimmig, aus einem Guss – das sind die Beschreibungen, die passen. Oder, wenn ich mal akustische Länderklischees verbreiten darf: eher englisch als deutsch, auch wenn die Lautsprecher aus Frankfurt kommen.

Zur Chassis-Pflege legt Audiophile FAST jedem Paar Lautsprecher einen entsprechenden Pinsel bei...

Nette Geste: Zur Chassis-Pflege legt Audiophile FAST jedem Boxen-Paar einen entsprechenden Pinsel bei…

Die tonale Mischung ist also balanciert und sehr angenehm, genau so, wie viele es mögen, insbesondere jene Hörer, die ein Faible für handgemachte Musik und akustische Instrumente besitzen – und auf die zielt Herr Bruns ja ab.

Raumschiff

Als klare Stärke der Audiophile FAST cylindric compact geht die besondere Art der Raumdarstellung durch – gerade weil sie nicht ganz „normal“ ist. Oder besser gesagt: weitläufiger und freier wirkt, als man es gemeinhin mit normalen Lautsprechern geboten bekommt.

Audiophile FAST cylindric compact - oberer Bereich

Die Audiophile FAST nimmt sich aus der Bühne heraus, stellt die Musik frei in den Raum, „verpackt“ sie also nicht in diesen „virtuellen Kasten“, in den man hineinhören muss. Sie wissen, was ich meine? Ich hoffe doch. Dabei traut sich das Line-Array, die Bühne ein gutes Stückchen vor der Stereobasis starten und sie auch links und rechts von den physischen Grenzen aufleben zu lassen – wenn es die Aufnahme hergibt. Statt nun aber, wie es bei anderen nach vorne spielenden Lautsprechern öfter der Fall ist, die Tiefendimension etwas zusammenzustauchen, ist diese hier besonders gut gelungen. Zwar kommt die „hintere Bühnenbegrenzung“ ebenfalls ein wenig nach vorn, man kann sagen, der Bühnenraum wird parallel verschoben, aber es geht eben nicht enger zu; so ein klassisches Orchester oder Quartett – etwa Cuarteto Casals, Apotheosis vol. III – bekommt auch in dieser Raumdimension reichlich Platz spendiert, um sich auszubreiten. Das wirkt alles ausnehmend natürlich und frei, und da die tonale Ausrichtung, wie erwähnt, eher ins Sonore denn Präsente geht, gerät die leicht frontalere Ausrichtung nie zu offensiv: Ja, Frauenstimmen stehen gerne mal vor der Basislinie der Boxen, doch sie wirken körperhafter, minimal weniger hell als sonst oft – und damit nicht zu „pushy“. Überhaupt, gute Mischung, so nah und körperhaft.

Blick auf den 6,5-Zoll-Treiber von Dayton Audio

Das Audiophile-FAST-Modell, das wir vor zwei Jahren testeten, war noch ein wenig weitläufiger, großräumiger unterwegs. Kein Wunder, schließlich hatte es ein Modul mehr am Start. Aber wirklich bedeutsam ist dieser Unterschied nicht, und was die Präzision der Abbildung angeht, geben sich die beiden Lautsprecher nichts. Beide zeichnen Stimmen und Instrumente akkurat nach, dabei wirken sie eher organisch-plastisch gestaltet als rasiermesserscharf herausgeschnitten. Ja, es geht schon noch lokalisationsschärfer, aber für viele dürfte das Gebotene gerade wegen der etwas „runderen“ Randeinfassung der Klänge lebensechter und natürlicher wirken – eben nicht „hyperreal“. Auf alle Fälle passt es gut zum übrigen Klangbild.

Dynamik

Dynamisch und was die Bassschlagkraft angeht, macht das kleinere Modell genauso viel Laune wie das größere. Die Audiophile FAST cylindric compact stemmt untenrum sogar eher noch etwas mehr in die Bude, wenn sie dazu aufgefordert wird – und das, wie ihre größere Schwester, mit eher halb- als staubtrockener Diktion –, weshalb sie auch makrodynamisch gut beieinander wirkt. Das ist schon klasse: hübscher, kleiner, günstiger – und dann auch noch etwas zupackender.

Audiophile FAST cylindric compact im Hörraum

Wenn es einen nun aber ausschließlich um Maximaldynamik geht, dann wird man in dieser Preisklasse auch nicht gleich automatisch zur Audiophile FAST cylindric compact neigen. Schon beim letzten Test der Line-Arrays aus Frankfurt sagte ich’s: Hören Sie sich da mal die Genelec S360 SAM (8.120 Euro) an. Klar, die Finnin ist etwas speziell, aber wenn es wirklich um eisenharte Bassimpulse und gnadenlose Grobdynamik geht – ich wüsste nicht, was ihr zu dem Kurs Paroli bieten könnte. Stehen dagegen Feinzeichnung im Mittenband, Klangfarben-Degustation und Tiefenstaffelungs-Schwelgerei weiter oben auf Ihrer Wunschliste, nun, dann werden Sie wohl wieder bei der Audiophile FAST cylindric compact landen. Zumal auch ihr Auflösungsvermögen besser ist.

Audiophile FAST cylindric compact - Froschperspektive

Sie wollen aber „alles“? Noch mehr Auflösung, noch mehr Action an den Frequenzbandenden, insbesondere im Tiefbass? Können Sie haben, die ebenfalls aktive Abacus Oscara 212 beispielsweise legt bei den genannten Kriterien noch mal nach – und so auch preislich, für sie sind knapp 15.000 Euro und nicht 9.300 Euro zu entrichten. Tja, und diese spezielle Art der Bühnendarstellung, die transportiert die Abacus so nicht, sondern die Audiophile FAST … „alles“ gibt es dann eben doch nicht. Nun, smarter ist’s sowieso, sich selbst einmal zu fragen, worauf man denn wirklich Wert legt.

Wirklich wichtig

Nils Petter Molvær KhmerIch spiele zur Abwechslung mal wieder Nils Petter Molværs Track „Tlon“ vom Album Khmer (auf Amazon anhören) an, das tatsächlich doch schon 25 Jahre auf dem Buckel hat, und bin begeistert, was für einen Riesen-Raum die Audiophile FAST cylindric compact hier aufspannt. Tatsächlich ist der sogar höher als mit vielen anderen Lautsprechern, jedenfalls passt dieses weite Klangfeld gut zu den freischwebenden Trompetentönen Molværs. Wenn man solch jazzige Electronica hört, wird man den Zugang zur Musik mit der Audiophile FAST vor allem durch spektakuläre Soundscape-Landschaften bekommen, die bei diesem Genre ja oft gefragt sind. Ein sehr solides Untergeschoss wird ebenfalls geliefert, aber das hätte noch Steigerungspotenzial; die elektronischen Bassgewitter in der Mitte des Stücks werden über manch anderen Speaker noch tiefgründiger ausgeteilt.

Audiophile FAST cylindric compact - Rücken an Rücken

Sofia Gubaidulina Dialog: Ich und Du, Gewandhausorchester LeipzigIch wechsele ins klassische Fach: Sofia Gubaidulina – Dialog: Ich und Du, Gewandhausorchester Leipzig (auf Amazon anhören). Die wunderbare Weite der Darstellung kommt auch bei Klassik zum Tragen, ja, im Grunde noch deutlicher: Ein im Studio generierter Raum ist das eine, die echte Raumakustik der Aufnahmesituation, wie sie bei Klassik einfach öfter eingefangen wird, das andere. Was im Wohnzimmer aber leider nicht so oft wieder zum Leben erweckt werden kann. Genau hier brilliert dieses Line-Array: Es kriegt eine wunderbar organisch wirkende Staffelung der Instrumente hin, kann riesige Räume entstehen lassen und wirkt bei aller Großzügigkeit der Raumausleuchtung nie diffus, sondern konkret.

„Was machen die Pauken?“, fragen Sie. Die stehen sehr weit hinten, wow, das ist mal eine souveräne Tiefenstaffelung! Und es mangelt auch nicht an Substanz. Mit diesen Lautsprechern dürfte es für 80 % aller Musikgenres, Hörräume und Pegelbedürfnisse allemal reichen. Ich bin echt angetan, wie toll dieser Lautsprecher Klassik rüberbringt.

Oberteil der Audiophile FAST cylindric compact

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Antipodes Audio K50

Test: Audiophile FAST cylindric compact | Aktivlautsprecher, Standlautsprecher

  1. 1 Compact ist relativ
  2. 2 Audiophile FAST cylindric compact: Hörtest & Vergleiche

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