HiFi-Lexikon: Hornlautsprecher

Hornlautsprecher fallen mitunter durch eine sehr auffällige Formgebung auf:

Beispiel: Avangard Acoustic Horn

avantgardehorn
Es gibt sie aber auch in deutlich unauffälligeren und kleinen Ausführungen.

Antriebsseitig verbirgt sich im Inneren eines Horns (in der so genannten Druckkammer) in der Regel nichts anderes als ein Wandler, der dem elektrodynamischen Prinzip folgt. Dessen Membran vorgesetzt ist allerdings eine Schallführung bzw. ein Schallkanal. Die angeregte Luft kann, wenn sich die Membran bewegt, also nicht einfach zur Seite ausweichen, sondern wird „vorwärts“ durch die Schallführung gedrückt – eine Ursache für den höheren Wirkungsgrad von Hornlautsprechern. Letztere verjüngt sich gegenüber dem Membrandurchmesser zudem deutlich. Das bewegte Luftvolumen muss also, bevor es die Außenwelt erreicht, durch eine Verengung hindurch. In dieser erfährt die bewegte Luft zwangsweise eine höhere Strömungsgeschwindigkeit (ähnlich der Wirkung, wenn man einen Wasserschlauch am Austrittsende „zukneift“).

horn-prinzip-2
Diese Geschwindigkeitstransformation ist verantwortlich für den bekanntermaßen höheren Wirkungsgrad von Hörnern. Allerdings kommt es ab einem gewissen Transformationsgrad unweigerlich zu Kompressionen der Luft und – gerade bei hohen Frequenzen (Reibungsverluste) – sogar wiederum zu Wirkungsgradverlusten. Der äußere, für das Horn so typische Trichter dient u.a. dazu, den hohen Druck am Ausgang der Druckkammer allmählich an den „normalen“ Druck der äußeren Umgebungsluft anzupassen. Gelingt diese Anpassung an die Umgebungsluft (die den Schall zum Hörer ja schließlich transportieren soll) nicht optimal, so kommt es zu Reflexionen der akustischen Ausgangsleistung zurück in das Horn.

Klanglich zeichnen sich Hornlautsprecher – neben der Fähigkeit zu hohen Pegeln und Dynamik – durch Verzerrungsarmut aus: Aufgrund der oben beschriebenen Wirkungsweise wird der eigentliche Chassisantrieb deutlich entlastet. Es ist somit ein wesentlich geringerer Membranhub notwendig. Neben der resultierenden akustischen „Livehaftigkeit“ von Hörnern, ist aber auch ein häufig nicht gerade sehr ebenmäßiger Frequenzgang zu konstatieren.


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