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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Von Ringen und Kristallen ...
  2. 2 Elac Concentro S 503: Klangtest & Vergleiche

Seitdem sich der Autor dieser Zeilen wenige Tage nach seinem 50. Geburtstag beim Gassigehen seniorengerecht auf die Kauleiste gelegt und eine schwere Knieprellung zugezogen hat, weiß er kleine, leichte Lautsprecher noch mehr als früher zu schätzen. Wie gut, dass er die Elac Concentro S 503 (www.elac.de) aus der Toplinie des Kieler Traditionsherstellers zum Testen bekommen hat, denn die gehören mit je 13 Kilogramm in die Kategorie der einfach zu bewegenden Kompaktlautsprecher – und sollen dennoch kompromisslos highendig sein.

Die optisch besonders attraktive Walnuss-Ausführung kostet 7.800 Euro pro Paar, Hochglanzschwarz oder -weiß liegen bei je 7.000 Euro. Wer möchte, kann sich dafür noch den extra für diese Drei-Wege-Bassreflex-Kompaktbox konstruierten Elac-Lautsprecher-Ständer 100 aus Metall und MDF gönnen, der bei 1.200 Euro pro Paar liegt und ausschließlich in Hochglanzschwarz erhältlich ist. Macht bei meinem Walnuss-Testpaket unter dem Strich 9.000 Euro Listenpreis – da darf man schon mal höchste Erwartungen hegen.

Elac Concentro S 503: liegend mit montiertem Ständer

Die Elac Concentro S 503 mit frisch montiertem Ständer

Perfektes Finish

Erste Skepsis verfliegt schnell, wenn Auge und Finger über das Gehäuse wandern – was für ein Finish, was für eine Qualität! Edelstes Holz, feinster Hochglanzlack, ein echter Hingucker. Hier gibt es rein gar nichts auszusetzen. Dazu die leicht nach hinten geneigte Form, der auch der passende Lautsprecherständer folgt. Von der Seite sieht die Elac Concentro S 503 deshalb recht außergewöhnlich aus – fast so, als wolle sie sich gegenüber dem Hörer dezent und vornehm distinguiert zeigen. Dazu passt, dass Elac spezielle Handschuhe und Putztücher beilegt, damit man die edlen Stücke nicht mit Flecken verunstaltet. Das Gehäuse wird nach hinten schmaler, was der Kielerin eine noch elegantere und schnittigere Optik verleiht.

Elac Concentro S 503 - Zubehör

Handschuhe und Putztücher sind bei den Elac Concentro S 503 natürlich inklusive, darüber hinaus gibt’s Spikes, Untersetzer und DCR-Ringe (nicht im Bild) als Dreingaben

Das Bi-Wiring-Anschlussfeld kommt mit bereits installierten Brücken, ein gutes Stück darüber befindet sich die Bassreflexöffnung. Mit exakt 13,4 Kilo und 40 Zentimeter Höhe passt das Pärchen auch in Regale oder auf Lowboards, aber eigentlich gehört es auf die erwähnten, optisch perfekten Ständer. Im Lieferumfang befinden sich aufwendige, unten mit Kork versehene Unterlegscheiben für die Spike-Aufnahme. Das Gespann kommt auf eine Höhe von knapp 1,10 Meter, erreicht also Standboxengefilde. Ob es das Duo auch klanglich mit Standlautsprechern aufnehmen kann, zeigt der Hörtest.

Respekt – die Treiber

Von der Bestückung der Schallwand her verschafft sich die Elac Concentro S 503 schon mal Respekt, schließlich kommen hier Elemente der großen Concentro-Standboxen zum Einsatz. „Designmerkmale und technische Details, die den Erfolg der S 507 und S 509 begründet haben, wurden in kompakte Abmessungen portiert“, heißt es dazu bei Elac. Die beiden Standlautsprecher schlagen übrigens mit 11.000 Euro und 16.000 Euro zu Buche.

Tieftöner der Elac Concentro S 503 mit Kristallmembran

Der 180-mm-Tieftöner der Elac Concentro S 503 mit AS-XR-Kristall-Membran

Da hätten wir den 180-mm-Tieftöner mit der sogenannten AS-XR-Kristall-Membran, die mit ihrer auffälligen, facettierten Oberflächenstruktur wirklich toll aussieht und über ein überarbeitetes Magnetsystem verfügt. Die Kristallstruktur ermöglicht laut Hersteller eine Reduzierung der Materialstärke auf 0,125 mm bei gleicher Steifigkeit. Das Chassis mit der Aluminium-Sandwich-Bauweise entsteht im Rahmen eines speziellen Klebeverfahrens, bei dem eine 0,3 mm starke Aluminiumschicht mit einem Zellstoff-Konus verbunden wird. In Kombination mit der LLD-Technik (Long Linear Drive) sollen Hubbewegungen auch im Hochlastbetrieb sichergestellt sein. Die Trennung des Arbeitsbereiches des Basstreibers erfolgt bei 400 Hertz.

Herr der Ringe

Aus den großen Standboxen stammt auch der sogenannte „stepX-JET“. Dabei handelt es sich um ein koaxiales Chassis, das aus dem neuen JET-5c-Hochtöner und einem Mitteltöner mit Aluminiummembran besteht. Der Jet-Hochtöner, eine Weiterentwicklung des „Air Motion Transformers“ des Lautsprecherpioniers Dr. Oskar Heil, sitzt entsprechend in der Mitte des Kombitreibers. Ein starkes Magnetsystem treibt dabei eine mäanderförmige, laut Elac teilweise von Hand und teilweise von Robotern gefaltete Folienmembran an, als Übergangsfrequenz zwischen Hoch- und Mitteltöner geben die Norddeutschen 2600 Hertz an.

JET-AMT-Hochtöner der Elac Concentro S 503

Der JET-5c-AMT-Hochtöner markiert bei den Elac Concentro S 503 das Zentrum eines Koaxial-Systems

Die Empfindlichkeit des kompletten Systems liegt bei okayen 87 dB (2,83V/m). Die gesamte Concentro-Serie entsteht übrigens in Kiel – inklusive Hochtöner.

Der Clou am Koax-Treiber ist die „Directivity Control Ring“-Technologie (DCR), die es ermöglicht, das Abstrahlverhalten im Mitteltonbereich zu beeinflussen. Durch diese patentierte Technik soll sich die Elac Concentro S 503 an den jeweiligen Raum oder Geschmack anpassen lassen. Mithilfe von austauschbaren, verschieden geformten, magnetisch haftenden Metallringen, die um den Mitteltöner herum angebracht werden, lässt sich das Verhältnis von direktem und diffusem Schall verändern.

„Directivity Control Ring“ - Ringe zur Anpassung des Abstrahlverhaltens der Elac Concentro S 503

Mit den DCR-Ringen lässt sich bei den Elac Concentro S 503 das Verhältnis von direktem und diffusem Schall anpassen

Dabei stehen drei Ringe zur Auswahl, die in kleinen Stoffsäckchen mitgeliefert werden: „Neutral“ (grüner Punkt auf der Innenseite), „Fokus“ (blauer Punkt) und „Spacious“ (roter Punkt). Die Kieler legen ein Informationsblatt bei, das die Wirkung der Ringe erklärt: Neutral bietet ein ausgewogenes Verhältnis aus Direkt- und Diffusschall und eignet sich für normal große Räume mit rund 2,5 Meter Hörabstand. Fällt der Abstand zur Couch deutlich größer aus, empfehlen die Norddeutschen den Ring mit dem blauen Punkt, der für mehr Direktschall sorgen soll. In kleinen Räumen mit geringer Distanz zu den Boxen legen sie dem Besitzer hingegen den roten Ring ans Herz, da dieser den Diffusschall erhöht.

Elac Concentro S 503 mit DCR-Ring

Der Koaxtreiber der Elac Concentro S 503 mit dem umrahmenden DCR-Ring

Da der Wechsel der Ringe schnell und unkompliziert gelingt, habe ich das Ganze in meinem 26-Quadratmeter-Raum mit 2,5 Meter Hörabstand natürlich ausprobiert. Ergebnis: Der dafür empfohlene neutrale Ring (grün) bringt tatsächlich das beste Ergebnis, während beispielsweise der „Spacious“-Ring mit mehr Diffusschall das Klangbild etwas weicher und weniger direkt wirken lässt. Schön, dass es diese Möglichkeit zum Experimentieren gibt!

Elac Concentro S 503: Klangtest & Vergleiche

Obwohl auf den Kartons des Testpärchens „Refurbished“ steht und auch leichte Gebrauchsspuren erkennbar sind, habe ich nicht den Eindruck, dass die beiden Elac Concentro S 503 bereits richtig eingespielt sind. Anfangs klingen sie am McIntosh-Vollverstärker MA8900 AC noch leicht bedeckt, aber nach ein paar Tagen entfaltet sich die volle Pracht.

Elac Concentro S 503 im Hörraum

Nicht zuletzt in Sachen Kickbass: ansatzlos, schnell, federnd, extrem präzise – Suchtgefahr! Und es geht dabei überraschend tief in den Basskeller: Elac gibt die untere Grenzfrequenz mit 34 Hertz an, was sich mit meinen Hörerfahrungen tatsächlich deckt – das schaffen viele Standboxen nicht! Zumal die Elac Concentro S 503 auch bei hohen Lautstärken nicht die Contenance verlieren, der Tiefbass bleibt stets kontrolliert, detailreich und neigt nicht zum Dröhnen oder Aufweichen. Zu nah an der Rück- oder Seitenwand sollte die S 503 allerdings nicht stehen, sonst gerät der Bass zu dominant. In meinem 26-Quadratmeter-Raum erweisen sich 60 Zentimeter zur Rückwand als bester Kompromiss, die Elac wuppt aber auch ohne unmittelbare Wandunterstützung einen sehr schönen Kickbass mit ausreichend Tiefgang in Richtung Trommelfell.

Curses IncarnadineBesonders großen Spaß macht die Bassperformance mit dem neuen Curses-Album Incarnadine (auf Amazon anhören), das eine süchtig machende, weitgehend ohne Gesang auskommende Mischung aus EBM, Techno, Synthie-Pop, New Wave und Gothic bietet. Bei Tracks wie „Boundless“ oder „Smoke“ zucken nicht nur die Beine mit – das ist der Rhythmus, mit dem der Autor mitmuss (trotz Knieschmerzen …). Wahnsinn, wie definiert, neutral und zugleich wuchtig-tief das mit der Elac geht! Das erinnert an die bassgewaltige, etwas größere Audio Note AN-J/LX HEMP, die in der gleichen Kompaktlautsprecher-Preisklasse spielt. In puncto Kickbass und Antrittsschnelligkeit ist die Norddeutsche der Britin fast ebenbürtig, aber eben nur fast, denn die Audio Note ist noch einen Deut zackiger, explosiver und auch leichter anzutreiben – sie benötigt deutlich weniger Verstärkerpower als die Elac. Auf der anderen Seite braucht die Audio Note AN-J/LX HEMP etwas mehr Auslauf in Form von noch etwas mehr Wandabstand, da der kräftige Bass sonst übermächtig wird. Grundsätzlich liefert die Elac mit ihrer extrem sauberen, definierten, detailreichen und dabei sehr tiefen Bassperformance mehr, als ich in dieser Preis- und Größenklasse erwartet hätte.

Elac Concentro S 503 mit Rack im Hintergrund

Die Grobdynamik der Elac lässt sich mit schnell und präzise am besten beschreiben – Lautsprecher, wie die Nubert nuBoxx B-60, die ich erst kürzlich im Test hatte, oder die kompakte Harbeth P3ESR XD können hier in keiner Weise mithalten, sind aber freilich in anderen Preisklassen zuhause. Die Elac Concentro S 503 flaniert nicht, sie galoppiert.

Hocherfreulich: Hochton und Auflösung

Reiten wir ein Stück weiter: Das erwähnte Adjektiv „präzise“ trifft auch auf andere Bereiche zu, zum Beispiel auf den Hochton. Kein Wunder, der Jet-Hochtöner als Markenzeichen des norddeutschen Unternehmens steht grundsätzlich für hohe Auflösung und Dynamik. Dass dies kein hohles Marketing-Blabla ist, sondern der Wahrheit entspricht, hören geübte Ohren sofort: Der über Jahrzehnte verfeinerte AMT-Hochtöner unterschlägt keinerlei Details. Beim direkten Vergleich bieten die US-amerikanischen Elektrostaten Martin Logan Impression 11A zwar eine noch höhere Auflösung, sie spielen allerdings auch in einer ganz anderen Preisklasse (mittlerweile 15.000 Euro pro Paar). Das präzise Herausarbeiten von Schattierungen und Impulsen gilt als Paradedisziplin des US-amerikanischen Flächenstrahlers. Dennoch: Filigrane Dynamiksprünge und generell die Detailwiedergabe meistert das Elac-Testpärchen bravourös und ein gutes Stück besser als alle vergleichbaren, hier bereits erwähnten Kompaktlautsprecher, die ich in letzter Zeit testen durfte.

Spike und Untersetzer der Elac Concentro S 503

Die Elac Concentro S 503 mit eingeschraubten Spikes und Untersetzern

Silbrig oder grell klingen sie bei alledem überhaupt nicht. Das zeigt beispielsweise die Hi-Hat- und Becken-Wiedergabe beim Schlagzeugspiel des erst kürzlich verstorbenen Foo-Fighters-Schlagzeugers Taylor Hawkins (rest in peace) bei „Dear Rosemary“ vom 2011er-Album Wasting Light. Hier sticht nichts unangenehm prononciert oder unnatürlich heraus, die Adjektive luftig und frisch passen besser, hochauflösend sowieso. Nicht überbetont, sondern gut eingepasst. Während die Höhen beim 8.000 Euro teuren Breitband-Standlautsprecher Hornmanufaktur Kalypso besonders bei Rockmusik gerne mal ein Stückchen übers Ziel hinausschießen, wahrt die schöne Kielerin hier die Contenance und bleibt vorbildlich neutral in der Spur. Das macht sie zu einem langzeittauglichen Modell, obwohl sie feindynamisch und in Sachen Auflösung weit vorne mitspielt.

Traitrs Horses In The AbattoirAus eher dumpfen Aufnahmen kitzelt sie noch ein bisschen was heraus, zum Beispiel aus dem aktuellen Traitrs-Album Horses In The Abattoir (auf Amazon anhören). Die Kanadier kredenzen darauf eine mitreißende Mischung aus Wave und Post-Punk mit an einem an Robert Smith (The Cure) erinnernden Gesang. Leider stimmt die Produktion nicht: leicht muffig und sumpfig. Mit im Hochton eher leicht zurückgenommenen Kompaktboxen wie der Harbeth P3ESR XD macht dieses Album keinen Spaß, mit der luftigeren, hochauflösenderen Darstellung der Elac Concentro S 503 klingt es nicht mehr ganz so verwaschen. Grundsätzlich eignet sich die Elac für alle Musikrichtungen, auch für Rock und Metal.

Elac Concentro S 503 mit Walnuss-Furnier

Mittendrin oder nur dabei?

Jar Of Flies Alice In Chains Schwächen? Ja, zumindest aus der Sicht eines Genusshörers, wie mich, der etwas grundtonstärkere, euphonischere Lautsprecher bevorzugt. Die Elac Concentro S 503 könnte dagegen auch als Studiomonitor durchgehen und vermittelt insbesondere die Mitten sachlich und nüchtern, ohne erhöhte, sondern vielmehr ganz leicht reduzierte Wärmezufuhr aus dem Grundton. Fans einer durchhörbaren Mittenwiedergabe kommen hier voll auf ihre Kosten. So zum Beispiel bei der Akustik-EP Jar Of Flies (1994) von Alice In Chains (auf Amazon anhören), die die Hard-Rocker, die in die Grunge-Schublade geschmissen wurden, von einer ruhigeren Seite zeigt. Natürliche Instrumente kommen sehr transparent und hochauflösend, zielen aber weniger satt und vollmundig auf des Hörers Bauch als zum Beispiel über meine Martin Logan Impression 11 A oder die Audio Note. Objektiv ist das natürlich nichts Negatives: Nicht jeder Hörer mag es so gehaltvoll und sonor wie ich. Die Elac gibt halt humorlos das wieder, was die Aufnahme hergibt – ins Kühle oder gar Blutleere driftet sie ebenfalls nicht ab.

Bi-Wiring-Terminal der Elac Concentro S 503

Das Bi-Wiring-Terminal der Elac Concentro S 503 mit den vormontierten Brücken

Wall Of Sound

Faszinierend, was für eine Bühnenbreite! Das Stereopanorama reicht links und rechts weit über die Lautsprecher hinaus und lässt involvierende „Walls of Sound“ entstehen. Okay, nach oben dehnt sich die Bühne „nur“ knapp über Ohrenhöhe, aber hey: Wir sprechen hier immer noch über Kompaktboxen, auch wenn diese auf Ständern thronen. Meine Ohren sind von meinen über 1,50 Meter hohen Martin Logans verwöhnt, die in jeder Hinsicht eine riesige Bühne zaubern. In puncto Abbildungsbreite kommen die Concentro S 503 jedoch fast an die Elektrostaten heran, das muss ihnen erst einmal irgendein Kompaktmonitor nachmachen. Die Bühne beginnt ein kleines Stückchen hinter der Lautsprecherbasislinie und öffnet sich von dort aus nach vorne, was den räumlichen Eindruck noch einmal verstärkt. Den Rest erledigen die exzellente Tiefenstaffelung und Ortbarkeit – die Instrumente stehen klar voneinander abgegrenzt an unterschiedlichen Orten in Raum. Stimmen befinden sich bei leichter Einwinkelung genau in der Mitte zwischen den Schallwandlern. Es wird dem Hörerhirn wahrlich leicht gemacht, daraus ein herrlich dreidimensionales, plastisches Klangbild abzuleiten. Selbst bei dieser Boxengattung dürfte das schwer zu toppen sein – auch in dieser gehobenen Preisregion. Aus dem Gedächtnis heraus erinnert es mich von der Qualität her annähernd an die Focal Sopra 2, die ich vor einigen Jahren besaß, ein massiver Standlautsprecher der absoluten Spitzenklasse.

Elac Concentro S 503: Oberseite des Gehäuses

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Pro-Ject Debut Pro

Test: Elac Concentro S 503 | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Von Ringen und Kristallen ...
  2. 2 Elac Concentro S 503: Klangtest & Vergleiche

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