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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Perzeption & Premiere
  2. 2 Perlisten Audio R5m: Klangtest & Vergleiche

Wie bitte … Perlipop? Gibt‘s das noch? Lecker Eis … Ach nee, Perlisten … Ja, an den Markennamen muss man sich vielleicht erst gewöhnen. Dabei passt er eigentlich ganz gut. Prangen am Waveguidemodul unseres aktuellen Testkandidaten, dem passiven Kompaktlautsprecher Perlisten Audio R5m (5.990 Euro | https://www.audio-reference.de/), doch gleich drei Kalotten wie aufgereihte Perlen. Vor allem aber, weil es uns verwöhnten Musikliebhabern ja ums „bewusste“ oder „aufmerksame“ Hören geht. Für nichts anderes steht der Markenname, nämlich fürs „Perceptional Listening“.

Der auf Lautsprecher spezialisierte Hersteller Perlisten ist einerseits ein highfideler Rookie, die ersten Patenanmeldungen, der Launch der Website und der Marktstart (zunächst in China) mit Werbung und Testberichten liegen gerade mal zwei Jahre zurück. Den offiziellen Geburtstag datiert das Perlisten-Team ins Jahr 2016, in den ersten Jahren standen Entwicklungsarbeiten und die betriebswirtschaftliche Organisation im Fokus.

Perlisten Audio R5m - Schallwand aus der Froschperspektive

Aufstrebende, junge Marke mit alten Hasen: Die Perlisten Audio R5m zählen zu den neusten Würfen der Amerikaner

Andererseits sind bei Perlisten alte Hasen im Gange: Die Hauptakteure Daniel Roemer (CEO, Mitgründer) und der Däne Lars Johansen (CSO, kein Sicherheitsmann, vielmehr Chief Strategy Officer) waren zuvor schon bei Playern wie NHT oder Acoustic Research beziehungsweise Harman Kardon, JBL oder Miller & Kreisel aktiv.

Man versteht sich als amerikanische Firma mit skandinavischem Einschlag, die Produktion sämtlicher Lautsprecher erfolgt indes in China. Nichtsdestotrotz ist Perlisten auf seine In-House-Produktion und hohe Fertigungstiefe stolz. Wie geht das zusammen? Indem man sich in Fernost eine eigene Fabrik zulegt: „Nahezu alles, was wir herstellen, wird von Perlisten in den USA entwickelt und von uns in China gebaut und hergestellt: Treiber, Gehäuse, Frequenzweichen und Endbearbeitung“, erfahre ich von Dan Roemer. Selbst das Membranmaterial der Konusse der Perlisten Audio R5m oder die Schwingspulen seien Eigengewächse. Lediglich die Waveguides und die Metallteile der R5m lasse man zuliefern.

Drei Perlen fürs Array: das „Directivity Pattern Control“ der Perlisten Audio R5m

Kalotten-Array für den Mittel- und Hochton der Perlisten Audio R5m

Das Kalotten-Array für den Mittel- und Hochton („Directivity Pattern Control“) gehört mit zu den technischen Besonderheiten der Perlisten Audio R5m

Nicht nur mit Blick auf die Fertigung, auch bei der Konzeption der Perlisten Audio R5m zeigt man sich schön eigensinnig: Die drei Seidenkalotten, die zusammen ein vertikales Array bilden, erwähnte ich bereits. Zusammen mit dem schalldruckverstärkenden Horntrichter, in dessen Zentrum der Hochtöner residiert, bildet das Trio einen Verbund, den Perlisten „Directivity Pattern Control“ (DPC) nennt. Die laut Perlisten „von Grund auf neu entwickelten“ 26-mm-Kalotten sind allesamt baugleich – verantworten dennoch unterschiedliche Arbeitsbereiche: Die beiden Treiber am Hornrand arbeiten von 1,2 kHz bis 3 kHz, der zentrale Hochtöner läuft mit dem äußeren Duo zunächst parallel, aber über die 3 kHz dann weiter hinaus bis quasi open end (20 kHz bei +/-1,5dB, 32 kHz bei -10 dB). 2,5-Wege-Design also einmal anders, könnte man sagen.

Und was bringt’s? Nun, viele Lautsprecher kommen mit Mitteltönern von etwa 10 bis 18 Zentimetern Durchmesser und in Schwingung zu versetzenden Massen von vielleicht 5 bis 20 Gramm. Bei den Perlisten Audio R5m sind es hingegen gerade mal dreimal 0,3 Gramm, die es anzuschubsen gilt, dabei werden die Belastbarkeit und Auslenkung von allen drei Treibern im Teamwork gestemmt – schmalere, dafür mehrere Schultern also. Die Geschwindigkeit und das Einschwingverhalten der R5m im Mittelton hält Perlisten auch deshalb für „unvergleichlich“. Wir werden hören.

Astreines Abstrahlverhalten?

Tieftöner der Perlisten Audio R5m

Auch die Tieftöner sind in das Konzept des „Directivity Pattern Control“ mit eingebunden

Und natürlich nimmt solch ein Array Einfluss aufs Abstrahlverhalten. Das soll es auch: Die vertikale vergrößerte Abstrahlfläche sorgt nämlich für eine entsprechende vertikale Bündelung und mithin verminderte Decken- sowie vor allen Bodenreflektionen: Insbesondere die resultierenden „early reflections“, die unsere Ohren und Hirn vom eigentlichen Signal nicht auseinanderhalten können, gelten als raumakustische Sorgenkinder, die man so im Zaum halte. In der Horizontalen – hier ist die Abstrahlfläche ja schmaler als bei üblichen Mitteltonkonussen – sollen die Perlisten Audio R5m hingegen ein besonders homogenes, breites Abstrahlverhalten zeitigen. Ich darf schon mal spoilern, dass die R5m tatsächlich zu den Lautsprechern zählen, bei denen man nicht wie festgenagelt auf der Sofamitte sitzen muss, um ein schlüssiges „Raumgefühl“ vermittelt zu bekommen.

Perlisten betonte mir gegenüber, dass die vertikale Kontrolle des Arrays sogar bis hinunter zu etwa 500 Hz reiche, sprich die beiden Tieftöner in das Konzept eingebettet seien. Klar, dass alledem ein entsprechendes, interessantes Frequenzweichenkonzept zugrundeliegen muss. Und ebenso klar, dass ich in dieser Sache bei Perlisten nachhake. Und wohl auch, dass ich ein wenig auf Granit beiße: „Die Perlisten Audio R5m arbeiten ohne typische Flankensteilheiten, das Design ist entscheidend für die passive Technologie zur Steuerung des Abstrahlverhaltens. Das Design ist urheberrechtlich geschützt und zum Patent angemeldet, so dass wir nicht genau sagen können, wie es gehandhabt wird.“

Blick auf die Frequenzweiche der Perlisten Audio R5m

Blick auf die Frequenzweiche der Perlisten Audio R5m

Tieftonabteilung mit Loch und Gittern

Und da gerade schon das Stichwort „Tieftöner“ fiel: Die beiden ober- und unterhalb des DPC-Arrays positionierten 16,5-cm-Konusse sind ebenfalls proprietäre Lösungen. Inklusive der HPF-Membranen (Hybrid-Zellstoff-Formel), deren Entwicklung zwei Jahre gedauert habe. Grundstoff ist also Papier – dem Wolle zur Dämpfung sowie Hartholzfasern und Bambus zur Versteifung beigemischt sind.

Tieffrequente Unterstützung erfährt das Konus-Doppel durch ein Bassreflexsystem, das weder nach vorne noch nach hinten, sondern – bei Kompaktlautsprechern eher unüblich – gen Süden bläst. Man vermeidet also die Verunzierung der Front beziehungsweise je nach Aufstellung mehr oder weniger auftretende raumakustische Nachteile der heckseitigen Positionierung. Und wenn die Bodenplatten auch jeweils eine kreisförmig Öffnung unter der eigentlichen Bassreflexöffnung aufweisen, sind die Perlisten R5m nicht ausschließlich mit den optional erhältlichen, saftig gepreisten Lautsprecherständern „Perlisten RSLR“ kompatibel (2.600 Euro/Paar, Halterungen zur Wandmontage sind ebenfalls erhältlich).

De Auslass des Bassreflexsystems der Perlisten Audio R5m erfolgt über vergitterte Schlitze

Der Auslass des Bassreflexsystems der Perlisten Audio R5m wurde über vergitterte Schlitze unten an den Seitenwänden und der Rückwand gelöst

Der richtige Standpunkt

Ich selbst hatte die Perlisten-Boxen der Vergleichbarkeit wegen wie üblich auf meine Lovan-Stands gewuppt, die mit ihrer Stellfläche von 15,5 x 17,5 Zentimetern (B x H) als so ziemliche Minimallösungen durchgehen. Nach einigem Hin- und Her ist der optimale Schwerpunkt zwar gefunden, dennoch sieht vertrauenerweckende Standsicherheit anders aus. In praxi wären wohl so grob 20 x 25 Zentimeter optimal. Der akustische Auslass des Bassreflexsystems findet sich übrigens unten an den Seitenwänden und der Rückwand in Form vergitterter Schlitze, die gleichzeitig ein nettes Designelement abgeben.

Die Bodenplatte der Perlisten Audio R5m

Die Bodenöffnung der Perlisten Audio R5m. Die vier eingelassenen Gewinde dienen der Verbindung mit den optional erhältlichen Lautsprecherständern Perlisten RSLR

Gehäusekonzept & Verarbeitung der Perlisten Audio R5m

Von der matten Schallwand abgesehen, kleiden sich meine Perlisten Audio R5m in einen schwarzen Hochglanzlack, der makellos aufgetragen wirkt – heutzutage allerdings nahezu eine Selbstverständlichkeit. Optisch gefällt mir persönlich die irgendwie an Gummibärchen erinnernde Schwallwand mit ihren sanften Radien und Erhebungen. Das sieht eigenständig und wertig aus, fasst sich gut an und ist sicherlich auch der mechanischen Stabilität und Resonanzdämpfung zuträglich. Zumal die frontseitige Wandstärke massive 50 Millimeter beträgt, die Seitenwände kommen immerhin noch genau auf die Hälfte. Als Gehäusematerial der je 17,5 Kilogramm wiegenden Lautsprecher dient HDF mit einer 20 % höheren Dichte als übliches MDF, das innen mit Bitumen ausgekleidet ist. Innere Verstrebungen sorgen darüber hinaus für vermehrte Gehäusesteifigkeit. Insgesamt erfüllt die Verarbeitung der 546 x 230 x 336 mm großen Lautsprecher mit Blick aufs Preisschild ihre Pflicht, setzt aber keine sonderlich auffälligen, luxuriösen Akzente wie etwa die B&W 805 D4, welche ich vor gut einem Jahr zu Gast hatte. Dafür fügen sich die Perlisten Audio R5m bestimmt ganz uneitel in alle möglichen Wohnumgebungen ein.

Wenn ich mir was wünschen könnte, dürften die Waveguides gerne aus Metall sein, der Kunststoff verformt sich etwas, wenn man die Schrauben des DPC-Moduls fester nachzieht. (Ich pflege ja so etwas wie einen „Schraubentick“ bei neuen Lautsprechern, bei denen die Schrauben allzu oft hörbar lose sind). Bei einem der Lautsprecher ergeben sich da in Sachen Teilebündigkeit zwei- oder dreizehntel Toleranz. Okay, eher erbsenzählerisch, ansonsten gibt es an den Perlisten-Lautsprechern äußerlich ebenso wenig zu bekritteln wie – von der Schallwand vielleicht abgesehen – zu bestaunen. Wenn das Geld dann umso mehr in die Schokolade wandert, soll mir das nur recht sein – auf in den Hörraum …

Perlisten Audio R5m: Klangtest & Vergleiche

Die Perlisten Audio R5m im Hörraum

Die Perlisten Audio R5m im Hörraum

Auf welche Idee kommt ein Standboxenbesitzer wohl als erstes, wenn er sich daran macht, einem Kompaktlautsprecher auf den Zahn zu fühlen? Genau, die Kleinen mal ordentlich zu treten:

Hex ToundraGute Munition für solche Zwecke liefert da ein auf der Festplatte meines Melco N50-S38 noch recht frisch abgespeichertes Album. Das auf den Namen Hex (griech. Hexa = sechs) lautende, dennoch bereits siebte Album der Post-Rocker Toundra (Album auf Amazon anhören), liefert mit „El Odio. Parte II“ ein besonders hörenswertes Leckerli: Elegisch, getragen, perkussiv dennoch zappelig und zudem von hörbar spanischer Abstammung, kreiert das madrilenische Quartett über fast sieben Minuten hinweg sowohl den Kopf als auch den Bauch ansprechende Melodien und Stimmungen. Sowie den kompletten Frequenzbereich abfordernde „Walls of Sound“. Die allerdings nur dann richtig Spaß machen, wenn die Lautsprecher es quantitativ draufhaben, die nötige Energie in meinen 29 Quadratmeter großen und 3,30 Meter hohen Hörraum zu pumpen. Und zum anderen qualitativ in der Lage sind, die Gitarren und das Schlagzeug in der dichten akustischen Gemengelage sicher über Wasser zu halten.

Der ausgebaute Tieftöner der Perlisten Audio R5m

Der ausgebaute Tieftöner der Perlisten Audio R5m

Nun, die Perlisten Audio R5m gerieren sich zumindest hoch bis zu Pegeln, mit denen man in vielen Mietwohnungen bestimmt schon seine Nachbarn auf den Plan ruft, tatsächlich ähnlich wie die eine oder andere mittelgroße Standbox – und meistern eine Herausforderung wie „El Odio. Parte II“ entsprechend problemlos. Lediglich bei weiter steigendem Pegel versuppt das Klangbild der R5m dann so langsam. Den feierwütigen Gästen auf Ihrer nächsten Geburtstagsparty Tanzbeine zu machen, ist mithin weniger das Ding der R5m. Voll ihr Ding ist hingegen, mich bei knapp über Zimmerlautstärke auf meinem Sofa in das Treiben der vier Spanier abtauchen zu lassen. Und das übrigens nicht nur, weil die Perlisten Audio R5m bassseitig und grobdynamisch erwachsen tönen und dabei zugleich in der Lage sind, selbst bei komplexen, gehaltvollen „Musiklasten“ Contenance und Kontrolle über das gesamte Frequenzband zu wahren … nein, da ist noch etwas anderes. Ich komme später noch darauf zurück.

Fangen wir unten an: der Bass

Die Bassmembranen der Tieftöner der Perlisten Audio R5m rekrutieren sich aus einem Papiergemisch

Die Bassmembranen der Tieftöner der Perlisten Audio R5m rekrutieren sich aus einem Papiergemisch

Da das passende Stichwort eigentlich gerade schon fiel, schreiten wir zunächst doch den Frequenzgang der Perlisten Audio R5m ab – und fangen unten an: In Sachen Tiefgang kommt man beispielsweise mit dem in etwa gleich teuren und großen, aber dreiwegigen, sehr pegelfesten und wirklich tieftonkompetenten Kompaktsystem Sehring M901, das ich vor knapp zwei Jahren mal in meinem Hörraum hatte, noch einen Tick weiter südwärts. Dennoch werden die meisten Hörer selbst in über 30 Quadratmeter großen Räumen wenig vermissen, sofern man Musik „nur“ glaubwürdig ans Trommelfell gereicht bekommen – und nicht physisch spüren oder die Möbel zum Mitsingen anregen möchte. Dass die Perlisten Audio R5m untenrum angenehm neutral tönen – wenn überhaupt, sind sie allerhöchstens eine zarte Ohrläppchen-Dicke auf der warmen Seite –, befördert sowohl ihre raumakustische Verträglichkeit als auch audiophilen Ambitionen zusätzlich.

Klute Casual BodiesGleiches für die Konturiertheit, die Präzision des Basses: Die Schlackenfreiheit und Abwesenheit jeglichen subtilen „Bassreflexgefühls“ wie sie meinen Standboxen Wilson SabrinaX (um 25.000 Euro) und Sehring S903 (12.700 Euro, mit Passivmembran) zu eigen sind, erreichen die Perlisten Audio R5m zwar nicht ganz, wenn man genau hinhört – aber im Grunde ist es schon ein Ritterschlag für unsere Gäste, dass ich überhaupt auf diese ungerechten Vergleiche komme: Denn die blubbernden Bassbeats in Free the Robots Turbulence (Album: Ctrl Alt Delete) werden so akkurat differenziert und die Attack-Sustain-Verläufe der Tieftonimpulse in Klutes „Out of Silence“ (Casual Bodies, hörenswerter Drum-and-Bass aus den 90ern; auf Amazon anhören) so tadellos definiert, dass mir ansonsten überhaupt keine Kritik einfiele. Selbst Standlautsprecher wie die Ikon Akustik Avara – Final Edition (14.900 Euro) hatten hier durchaus ihre Mühe und reichten qualitativ nicht an die Perlisten heran.

das DPC der Perlisten Audio R5m

Ließen sich die R5m bassseitig mit irgendwelchen Reglern feinjustieren, ich würde keinen Finger rühren, so angenehm austariert empfinde ich ihre Tieftonwiedergabe. Auch die beiliegenden Bassreflexstopfen bleiben im Karton.

Der Entwicklerphilosophie auf der Spur: der Hochton der Perlisten Audio R5m

Richtet man sein Ohr aufs entgegengesetzte Ende des Übertragungsbereiches, meint man fast, einer grundsätzlichen Entwicklerphilosophie auf der Spur zu sein: Denn der Hochton tut es dem Bass in gewisser Weise gleich. Er punktet zwar tatsächlich damit, noch luftiger und feindynamisch flirrender zu agieren, als ich das von den Wilson Audio TuneTot oder generell Sehring-Lautsprechern kenne – was mir sehr gut gefällt. Dennoch glänzen die oberen Lagen der Perlisten Audio R5m genau damit, eben nicht auffällig zu glänzen, sondern sich mannschaftsdienlich-schlüssig in den Dienst der Musik zu stellen. Was mir noch mehr gefällt.

Die B&W 805 D4 (8.000 Euro) hingegen sind unter anderem pegelfester, vor allem aber hochtonseitig so offen, feindynamisch sprühend und durchsichtig unterwegs, wie es nur wenig andere Lautsprecher vermögen. Vielleicht können hier die größeren Perlisten Audio S5m (um 13.000 Euro) mit ihren Beryllium-Hochtönern heranreichen, die ganz, ganz oben bestimmt auch noch feingranularer als ihre kleinen Geschwister agieren werden – die R5m vermögen es nicht.

Der obere Basstreiber der Perlisten Audio R5m

Dafür setzen die R5m eben auch keinen besonderen Fokus auf irgendeinen Frequenzbereich und klingen – relativ zu den B&W – sonorer, farbiger und unterm Strich schon nahezu lehrbuchartig neutral. Klar, ist das summa summarum Geschmacksache, subjektiv aber zieht‘s meine Hörnerven in Richtung Perlisten, zumal die R5m absolut betrachtet tadellos offen, flink und luftig tönen – sie betonen es halt nur nicht explizit.

An der Hörschwelle: das Auflösungsvermögen

Kasabian West Ryder Pauper Lunatic AsylumBei alledem lösen die Perlisten R5m so auf, wie das meine Arbeitslautsprecher Wilson Audio SabrinaX und Sehring S903 nicht viel besser können: Seien es die gerade so eben an der Hörschwelle tickenden synthetischen Hi-Hat-16tel auf Clock DVAs Maxi „Final Program“ oder die unterschwelligen, superzarten, bei zirka 0:50 nur für einen kurzen Moment auf dem rechten Kanal (versehentlich?) aufgenommenen Gitarrenakkorde in Kasabians „Where did all the Love go?“ (Album: West Ryder Pauper Lunatic Asylum; auf Amazon anhören) – die Perlisten Audio R5m transportieren solche Kleinigkeiten, wie es viel besser nicht geht.

Reinheit & Ruhe

Perlisten Audio R5m von seitlich-vorne fotografiert

Und da wir gerade bei eher Unterschwelligem sind: Die eigentlichen Vorteile der mehrfach teureren Sehring S903 und Wilson SabrinaX liegen – neben, logo, der höheren Pegelfestigkeit und den ausgebauteren Tieftonfähigkeiten – vor allen Dingen darin, dass ihre Klangbilder insgesamt noch etwas reiner, feinpixeliger und letztlich, auch wenn sich das vielleicht komisch liest, „in sich ruhender“ anmuten. Die Minimierung jeglichen unterschwelligen Grissels, mithin die Verzerrungsarmut wurden noch weiter auf die Spitze getrieben. Eh eine der besonderen Schokoladenseiten von Wilson- und Sehring-Lautsprechern, wie ich finde. Ich vermute – leider habe ich sie bisher nicht gehört –, dass in dieser Sache bestimmt auch die teureren Perlisten S5m ihre Vorteile ausspielen werden.

Keinerlei Inselbegabung: die Mitten

Gleichwohl tut das dem glaubwürdigen, ebenso informativen wie entspannten Hören mit den Perlisten Audio R5m keinen Abbruch. Wozu auch der tonal tadellos ausbalancierte und wunderbar organische Mittenbereich sein Scherflein beiträgt, der sich pegelseitig, dynamisch und auflösungsseitig hervorragend zwischen die tiefen und hohen Lagen fügt und mit diesen (auch qualitativ) eins wird. Ja, die Abwesenheit jeglicher Inselbegabungen oder -schwächen im durchweg auf hohem Niveau angesiedelten Klangbild zählt zu den größten Stärken der Perlisten Audio S5m – und das nicht nur preisklassenbezogen.

Das Single-Wiring-Terminal der Perlisten Audio R5m

Das Single-Wiring-Terminal der Perlisten Audio R5m mit Lautsprecherkabeln Kimber Carbon 16

Drei Besonderheiten müssen wir noch ansprechen:

Dass mich die Abbildung der Mitten und mithin von Stimmen so ziemlich aus dem Häuschen geraten lässt, ist nicht allein eine Sache der tonalen Balance oder des schlüssigen Zusammenspiels aller Frequenzbereiche. Entscheidend ist zudem, wie plastisch und losgelöst von den Lautsprechern sich das Geschehen in meinem Hörraum virtualisiert. Das gilt natürlich nicht nur für Gesang: Die ebenso präzise wie involvierende Räumlichkeit ist vielmehr mitentscheidend dafür, dass es sich – Sie erinnern sich – im rein instrumentalen „El Odio. Parte II“ von Toundra so schön abtauchen ließ. Die Perlisten Audio R5m vermögen die Bühne sogar noch etwas freier, abgelöster, ja: entfesselter in meinen Hörraum zu projizieren als meine Sehring- und Wilson-Standlautsprecher.

Die kompakten Wilson Audio TuneTot oder meine Standmodelle von Wilson und Sehring suggerieren zwar einen noch etwas schwärzeren Hintergrund (Thema „Reinheit“, siehe oben), dafür muten die R5m noch einen Tick immersiver an. So oder so: Die hohen Erwartungen, die Audiophile gegenüber highendigen Kompaktlautsprechern gerade in puncto Räumlichkeit hegen, erfüllen die R5m mehr als nur voll und ganz.

Kalotten-Array mit zwei Mitteltönern und einem Hochtöner

Schön zudem, dass die Perlisten auch außerhalb des Sweetspots gut funktionieren: Selbst auf meinem ungefähr anderthalb Meter vom optimalen Hörplatz entfernten Sessel entfaltet sich ein ansprechendes Gefühl von Raum, das ich als merklich besser ausgeprägt empfinde als bei den meisten anderen Lautsprechern – und Erinnerungen an die AudiaZ Cadenza aufblitzen lässt.

Gut zu wissen ist für viele bestimmt, dass sich mit den Perlisten Audio R5m auch leise sehr gut hören lässt, nicht zuletzt bleibt die Dynamik schön erhalten. Lediglich wenn es dann schon Richtung Flüsterpegel geht, blenden sich die tiefen Töne gegenüber den hohen Lagen relativ stärker aus.

Und last but not least noch etwas zum Einspielprozess: Frisch aus dem Karton klingen die R5m zwar schon angenehm und man kann sofort dem Musikgenuss frönen, gleichwohl entwickelt sich das Klangbild über die Tage und Wochen zunehmend. Insbesondere für die tonal zunächst auffällig zurückgenommenen oberen Mitten gilt dies, die nach geraumer Zeit aber recht plötzlich aufblühen und fortan absolut amtlich tönen. So grob an die 200 Stunden sollten die Perlisten Audio R5m am besten auf dem Buckel haben, will man sie einem aussagefähigen, genauen Hörcheck unterziehen.

Das Perlisten-Logo an den R5m

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Test: Perlisten Audio R5m | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Perzeption & Premiere
  2. 2 Perlisten Audio R5m: Klangtest & Vergleiche

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