HiFi-Lexikon: Mehr-Wege-Lautsprecher

(2-Wege-, 2 1/2-Wege-, 3-Wege-Lautsprecher)

In den meisten Lautsprechern kommen gleich mehrere Treiber zum Einsatz, die aufgrund ihrer Bauart jeweils auf einzelne Frequenzbereiche spezialisiert sind. Eine vorgeschaltete Frequenzweiche sorgt dafür, dass die spezialisierten Treiber dann auch elektrische Signale der entsprechenden Frequenz zugeführt bekommen.

Zwei-Wege-Lautsprecher: Hier teilen sich zwei Treiber die Aufgabe, den gesamten Frequenzbereich linear wiederzugeben. Die Trennfrequenz liegt häufig zwischen 2 – 5 kHz. Nicht unkritisch dabei ist, dass dies der Bereich ist, bei dem das menschliche Ohr ausgerechnet seine höchste Empfindlichkeit besitzt (4kHz). Vorteil eines Zwei-Wege-Systems ist, dass es bereits bauartbedingt näher am Ideal der Punktschallquelle liegt und auch messtechnisch häufig idealere Sprungantworten aufweist. Der Aufbau der Frequenzweiche kann ebenfalls vorteilhaft „schlank“ gehalten werden. Aufgrund der geringeren Treiber-Spezialisierung ist es aber im Vergleich zu Drei-Wege-Lautsprechern wiederum beispielsweise schwieriger, eine tiefe untere Grenzfrequenz in Kombination mit hoher Pegelfähigkeit zu erzielen. Beim Übergang vom Tiefmitteltöner auf den Hochtöner kommt es – aufgrund des relativ abrupten Überganges von einem relativ großen auf einen kleinen Membrandurchmesser – zu Sprüngen in der Richtwirkung (je kleiner eine Membran ist, desto weniger richtet sie den Schall, strahlt dann also eher kugelförmig ab; siehe Beugung). Auch Probleme im Zusammenhang mit dem Dopplereffekt und Intermodulationsverzerrungen treten bei Zwei-Wege-Systemen eher zutage, da die einzelnen Chassis eben ein breiteres Spektrum übertragen müssen, als es beim 3-Wege-Sysem der Fall ist. Häufig erscheinen Zwei-Wege-Systeme im Vergleich zu 3-Wege-Lautsprechern in ihrer Wiedergabe aber dennoch durchaus schlüssiger und homogener.

2 1/2-Wege-Lautsprecher: Hier werden – neben dem Hochtöner – zur Übertragung des mittleren und tiefen Frequenzganges mindestens zwei weitere Treiber eingesetzt. Allerdings kommt es dabei zwischen diesen beiden Treibern nicht zu einer strikt getrennten Spezialisierung, vielmehr laufen innerhalb eines gewissen Frequenzbereichs beide Treiber in den unteren Lagen parallel. Erst oberhalb dieses spezifischen Frequenzbereichs koppelt sich einer der beiden Treiber aus, der andere dagegen „schultert“ alleine zusätzlich noch den Mittenbereich. Man erwartet sich von dieser Bauweise gegenüber 3-Wege-Systemen eine homogenere Spielweise, mithin geringere Gruppenlaufzeiten zwischen Tief- und Mittelton. Zu verstärkten Problemen kann es aber aufgrund von Interferenzen kommen.

Drei-Wege-Lautsprecher: In der Regel spezialisieren sich hier drei Treiber auf die Bereiche Hoch-, Mittel-, und Tiefton. Die Trennfrequenzen unterliegen diversen Freiheitsgraden, bewegen sich in der Praxis aber häufig im Rahmen von 200-800 Hz (Tief- auf Mittelton) und 2.000-5.000Hz (Mittel- auf Hochton). Die Spezialisierung lässt besser auf die jeweiligen Frequenzbereiche abgestimmte Treiber-Bauformen zu, womit die oben für 2-Wege-Lautsprecher genannten Probleme begrenzt werden können. Die insgesamt größere Membranfläche fördert zudem eine höhere Pegelfähigkeit. Die Annäherung an das erwähnte Ideal der Punktschallquelle wird durch eine 3-Wege-Konstruktion aber anspruchsvoller. Die Koordination der einzelnen Treiber erfordert in der Regel eine komplexere Frequenzweiche, was zusätzliche Störeinflüsse bedingen kann.


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