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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Taktvoll feurig
  2. 2 Wilson Audio TuneTot: Klangtest & Vergleiche

„Wenn jemand sagen würde, die kleinen TuneTot seien nichts weiter als abgeschnittene SabrinaX – was würden Sie demjenigen antworten?“ „Das wäre einfach ein wunderbares Kompliment.“ Meine Frage an Daryl Wilson war durchaus ein kleines bisschen provokant gemeint. Und die Antwort war ebenso ehrlich wie entwaffnend. Aber es stimmt ja auch: Wenn der gerade mal 38 Zentimeter hohe Kompaktlautsprecher Wilson Audio TuneTot (12.000 Euro | www.audio-reference.de/) schlichtweg als eine herunterskalierte Version meiner fast dreimal höheren SabrinaX durchginge, die lediglich weniger Bassdruck und Tiefgang lieferte, wäre das an sich eine coole Sache. Wir werden hören. Vorab schon ein kleiner Spoiler – eine ebenfalls passende Entgegnung auf die Behauptung im Eingangssatz wäre: „Jein.“

Die mit Filz versehene Schallwand der Wilson Audio TuneTot

Zwei-Wege-Design, Bassreflexsystem, Gehäuse aus Kunstharz inklusive Kammer mit austauschbaren Widerständen, Frequenzweiche mit eigengefertigten Kondensatoren und in Zusammenarbeit mit Scan-Speak entwickelte Treiber zählen zu den Features der Wilson Audio TuneTot

Wilson Audio TuneTot: Technik, Zubehör und Aufstellung im Hörraum

Daryl Wilson, CEO von Wilson Audio und Sohn des 2018 verstorbenen Firmengründers David Wilson, betont immer wieder, dass die kleineren Wilson-Modelle nach den gleichen Qualitäts- und Toleranz-Vorgaben gefertigt werden wie die großen Lautsprecher. Und so besteht etwa auch das Gehäuse der TuneTot keineswegs aus schnödem MDF, sondern aus mit Mineralien angereicherten Kunstharzen, die man etwas geheimnisvoll – secret sells – Material-X und -S getauft hat. X und S sind nahezu identisch, man habe lediglich die Dichte des Material-S für eine optimierte Mittenwiedergabe feingetunt. Und ja: Die optischen (der Lack ist vom Feinsten, das Filz durchaus etwas rustikal) und haptischen Qualitäten stehen den SabrinaX in nichts nach. Lediglich der Klopftest mit den Fingerknöcheln an den nicht ganz anderthalb Zentimeter starken Gehäusewänden fällt etwas weniger trocken aus als im oberen Gehäusebereich der SabrinaX. Zudem finden sich an den Wilson TuneTot rückwärtig „nur“ WBT-Anschlussklemmen und keine Eigengewächse.

Die Rückseite der Wilson Audio TuneTot

Zwischen der abnehmbaren Aluminiumplatte und dem Single-Wire-Anschluss befindet sich die nach unten strahlende Bassreflexöffnung der Wilson Audio TuneTot

Die Wilson Audio TuneTot kontern mit einer rückenstärkenden, sieben Millimeter dicken Aluminiumplatte, hinter der sich austauschbare Widerstände verbergen. Bei den SabrinaX liegen die Widerstände weniger leicht zugänglich im Fußteil des Gehäuses. Sinn und Zweck sind aber gleich: Zum einen dienen die ausschließlich dem Hochtöner vorgeschalteten Widerstände als eine Art Sicherung: Auf Spannungsspitzen oder Dauerüberlast soll das parallel geschaltete Widerstandsdoppel (2 x 23,5 Ohm parallel ergeben 11,75 Ohm) sensibler reagieren als der Tweeter. Zum anderen lässt sich mittels anderer Widerstandswerte der Sound der TuneTot feinanpassen – Wilson hält hier entsprechendes Originalzubehör bereit.

Wilson Audio TuneTot: Widerstände zum Soundtuning und als Sicherungen

Blick hinter die rückwärtige Aluminiumplatte der Wilson Audio TuneTot: Die Widerstände dienen zum Soundtuning, fungieren aber auch als Sicherungen

Ein kleiner Spielzeugladen – das Zubehör

Und wenn schon das Wörtchen „Zubehör“ fällt: Die Amerikaner haben im Rahmen ihres TuneTot-Ökosystem so etwas wie einen kleinen Spielzeugladen eröffnet. Neben den optionalen Widerständen gibt es Trim Rings (980 Euro/Paar, Metall-Blenden, die die Umgebung um den Tiefmitteltöner optisch verschönern sollen), passende Lautsprecherständer (3.700 Euro/Paar) und die TuneTot ISOBase (2.100 Euro). Letztere sind insbesondere dann sinnvoll, wenn die Lautsprecher auf klanglich suboptimalen Stellflächen (Sideboards, Regal, Schreibtisch etc.) platziert werden – die ISOBase sollen vagabundierende Resonanzen im Zaum halten. Im Verbund mit Lautsprecherständern, auch den eigenen, hält Daryl Wilson die TuneTot-Basen ebenfalls für sinnvoll.

Gut aufgestellt: die richtige Positionierung der Wilson Audio TuneTot

Ob Schreibtisch, Bücheregal oder Lautsprecherständer: Wilson Audio betont, wie wichtig eine wackelfreie und einen korrekten Abstrahlwinkel ergebende Aufstellung ist. Befindet man sich an der optimalen Hörposition, sollten die Innen- und Oberseiten der Gehäuse gerade noch als nach hinten fliehende Flächen zu erkennen sein – das ist in der Bedienungsanleitung übrigens gut illustriert. Zum Lieferumfang der TuneTot gehören hilfreiche Spikes, mit denen sich die Lautsprecher sowohl weiter nach vorne (zum Beispiel höheres Regal) als auch nach hinten (zum Beispiel Schreibtisch) neigen lassen.

Wilson Audio TuneTot: die Öffnung des Bassreflexsystems

Die schlitzförmige Bassreflexöffnung über dem Anschlussterminal der Wilson TuneTot kann bei sehr wandnaher Aufstellung mit dem zum Lieferumfang zählenden Stopfen verschlossen werden

Laut Daryl Wilson lautete das Entwicklungsziel, mit den TuneTot ein „problem solving tool“ für Hörer zu schaffen, die keinen großen Lautsprecher platzieren wollen oder können und dennoch einen „state-of-the-art sound“ suchen. Für sämtliche Testrunden habe ich die Wilson Audio TuneTot in meinem Hörraum dennoch wie gewohnt frei aufgestellt (Seiten und Rückwände > 1 Meter). Allein der Vergleichbarkeit wegen, aber auch, weil ich das mit Blick auf die Preisklasse schlichtweg angemessen finde – die TuneTot sollen zeigen, ob und wie sie sich als vollwertige Monitore schlagen. Schließlich hatte ich schon kleinere Lautsprecher zu Gast, die lediglich nicht einen ganz so knuffigen Namen trugen. In Sachen Zubehör kommen den kleinen Amerikanern ebenfalls keinerlei Extrawürste zu. Die Wilson Audio TuneTot spielen „pur“ auf meinen Lovan-Stands, die genau die richtige Höhe aufweisen: Die Lautsprecheroberseiten sind vom Hörplatz aus noch gerade soeben zu sehen und die Hochtöner sind auf gleicher Höhe wie die Kalotten meiner SabrinaX.

Wilson Audio TuneTot: beiliegendes Zubehör

Der kleine Arztkoffer mit Spikes, Untersetzern, Bassreflexstopfen, Tüchlein zum Abwischen der Freudentränen beim Auspacken der Lautsprecher und Werkzeug (um etwa rückseitig an die Widerstände zu kommen) liegt den Wilson Audio TuneTot standardmäßig bei

Homemade Capacitors & das Wilson’sche Reinheitsgebot

Aber zurück zur Technik. Wilson misst frequenzweichenseitig nicht nur speziellen Widerständen besondere Bedeutung zu. Für Kondensatoren gilt das offenbar noch viel mehr. Und zwar gleich so viel, dass man sich vor knapp zwei Jahren einen eigenen Kondensatorenhersteller gönnte beziehungsweise diesen übernahm, und mithin die für die Frequenzweichen benötigten Kondensatoren nun selbst fertigt: In den Wilson Audio TuneTot kommen sogenannte „AudioCapX“-Varianten zum Einsatz, allerdings gibt es mit den „AudioCapX-WA“ sogar noch avancierte Lösungen. Zwei Qualitätsstufen? Widerspricht das nicht dem oben genannten Wilson’schen Reinheitsgebot, dass für alle, und eben auch die kleineren Lautsprecher, gleiche Qualitäts- und Toleranzvorgaben gelten? Nein, die AudioCapX-WA waren schlichtweg noch nicht entwickelt, als die TuneTot an den Markt gingen. Gleiches gilt übrigens für die erwähnten Eigengewächs-Anschlussklemmen.

Leichte Last

Alles in allem zählen die Wilon Audio TuneTot mit ihren Impedanzminimum von über 6 Ohm bei 172 Hertz sowie einem okayen Wirkungsgrad von 86 dB/W/m zu der Art von Lautsprechern, die es Verstärkern elektrisch einigermaßen leicht machen; auch hier unterscheiden sie sich von meinen anspruchsvolleren SabrinaX.

Wilson Audio TuneTot: Bassmitteltöner / Konustreiber

Die Kerben auf der Membran des Bassmitteltöners dienen der Minimierung unerwünschter Resonanzen

Dass Wilson Audio bereits seit Jahrzehnten mit dem dänischen Spezialisten Scan-Speak kooperiert – und auch dank des Einbringens eigener Entwicklungsideen maßkonfektionierte Treiberlösungen aus der westjütländischen Kleinstadt Videbæk bezieht –, erwähnte ich schon im letzten Wilson-Test. Der 5,75-Zoll-Tiefmitteltöner der TuneTot ist dann auch mit dem Mitteltöner der SabrinaX identisch, die 1-Zoll-Seidenkalotte hingegen mit der aus dem Vorgängermodell Sabrina. Die neue SabrinaX startete nach der TuneTot in den Markt und kommt daher bereits mit dem „Convergent Synergy Tweeter Mk5“, also einem Hochtöner, der ursprünglich für die WAMM ersonnen wurde. Beide Treiber sind übrigens der Revelator-Serie von Scan-Speak entlehnt.

Wilson Audio TuneTot: Klangtest & Vergleiche

Wilson Audio TuneTot seitlich von vorne

Der Vergleich mit meinen Wilson SabrinaX und die Antwort auf die Frage nach etwaigen Familienähnlichkeiten versprechen spannend zu werden. Als die Wilson Audio TuneTot bei mir eintrudelten, verließen zudem gerade andere hochkarätige High-End-Monitore – die B&W 805 D4 (8.000 Euro) – meinen Hörraum, die ich entsprechend noch gut im Ohr habe. Und Kollege Ralph Werner hat aktuell die Fink Team Kim (12.000 Euro) am Wickel, nur logisch, dass wir da ebenfalls einen kurzen Quercheck vornehmen.

Schön vs. schönfärberisch

Aber fangen wir von vorne an: Denn unabhängig von aller Vergleicherei fällt mir bereits bei den allersten Tönen der TuneTot ein Charakterzug auf, den in dieser Ausprägung nur wenige Lautsprecher drauf haben. Sie erwecken nicht die Bohne den Eindruck von Schönfärberei und vermitteln dennoch so etwas wie einen „schönen“ Ton.

Dysrhythmia - Test Of SubmissionSo lebt ein Track wie Dysrhythmias „Running Towards The End“ (Album: Test Of Submission; auf Amazon anhören) einerseits von der dynamischen Spannung und der unmissverständlichen Differenzierbarkeit der einzelnen Sounds und Figuren – ohne „klare Kante“ wird der Song belanglos. Anderseits ist er eher mittelmäßig aufgenommen: Becken und Hi-Hat, das recht cleane, aber präsente Gitarrenlick und die opulenten Akkorde in den Breaks haben durchaus das Zeug dazu, schnell unangenehm zu tönen. Von unbotmäßigen metallischen Anklängen, Zischeleien, Härten, Grauschleiern, oder was man sonst so mit analytischen Lautsprechern verbindet, fehlt mit den Wilson Audio TuneTot jedwede Spur. Der Track gerät so stressfrei wie das bei solcher Musik eben möglich ist.

Dennoch entwickeln die Gitarren klare Konturen und Präsenz, setzen Becken und Hi-Hat prägnante Akzente. Die Wilson TuneTot differenzieren durchs Stereopanorama wirbelnde Toms sauber vom sie überlagernden Gitarrensound und arbeiten im dichten Soundgetümmel sogar die Texturen der vergleichsweise schüchternen Snareschläge eindeutig heraus.

Eine solche sich spontan auffallend richtig und angenehm anfühlende Reinheit lässt darauf schließen, dass die TuneTot exzellent geringe Verzerrungswerte aufweisen. In dieser Beziehung stehen sie den Wilson SabrinaX in nichts nach und verstehen sich ebenso vorzüglich darauf, ohne künstliche Effekthascherei anmachend zu tönen.

Beats & Bass

Wilson Audio TuneTot mit angeschlossenen Lautsprecherkabeln

Wilson Audio TuneTot mit Lautsprecherkabeln Kimber Carbon 16

Die Unterschiede zur SabrinaX liegen, logo, zum einen (das zum anderen folgt später) im Bassbereich. Dass man es mit den Konzepten Stand- und Kompaktbox zu tun hat, ist unmittelbar hörbar. Obwohl man untenrum ebenfalls merkt, dass beide Lautsprecher aus dem gleichen Stall kommen. Denn mit Blick auf die Spezies Standlautsprecher und die Preisklasse tönen die SabrinaX bassseitig zwar qualitativ hervorragend, quantitativ aber etwas zurückhaltend. Ähnliches lässt sich über die Wilson TuneTot behaupten, richtigen Tiefbass liefern sie jedenfalls nicht, er wird eher angedeutet. Nicht zuletzt aufgrund ihrer hörpsychologisch kompensierenden, minimalen Oberbassanhebung tönen sie in meinem Hörraum (30 Quadratmeter, 3,60 Meter Höhe) frei aufgestellt (1 Meter Wandabstand seitlich und rückwärtig) dennoch selbst bei Elektronik oder Pop/Rock so schlüssig, dass mir Worte wie „schlank“ oder gar „karg“ zu keiner Zeit in den Sinn kommen. Auch die Pegelfestigkeit geht in Ordnung, laut zu hören macht mir mit den TuneTot mehr Spaß als etwa mit den B&W 805 D4, die mich vor allen Dingen bei leiseren Pegeln faszinierten.

Wilson Audio TuneTot von oben

Wilson Audio vermeidet auch bei den TuneTot parallel verlaufende Gehäusewände, um die Gefahr stehender Wellen im Gehäuseinneren zu minimieren

Ja, den Bassdruck und Tiefgang der Wilson Audio TuneTot bekommt man anderswo auch schon von deutlich preiswerteren Lautsprechern serviert. Wer also Kompaktlautsprecher sucht, die bei geringen Ausmaßen möglichst fulminante Bässe aus den Konussen schleudern, ist bei den TuneTot an der falschen Stelle. Und sollte sich beispielsweise eher die – freilich deutlich größeren – Fink Audio Kim anhören, die es untenrum schon recht amtlich angehen lassen.

Qualitativ sind die TuneTot in den südlichen Gefilden hingegen voll auf Zack: Die teilweise blubbernden Tieftonimpulse in „Turbulence“ von Free the Robots (Album: Ctrl Alt Delete) geraten zwar weniger massereich als gewohnt, dafür tadellos schnell und definiert.

Kernkompetent impulsiv

Salaryman - SalarymanInsbesondere im Mittel-, aber auch im Hochton gefällt mir das Dynamikverhalten der Wilson TuneTot dann sogar noch besser. Diese Qualitäten schienen ja bereits bei „Running Towards The End“ durch und kommen bei Tracks wie Salarymans „New Centurions“ (Album: Salaryman, auf Amazon anhören) besonders eindrucksvoll zu Geltung: Der Track beginnt mit einer simplen, staubtrockenen Bassdrum-Hi-Hat-Figur, zu der sich links ein pulsierendes helikopterartiges Geräusch gesellt, ehe dann bei 0:25 plötzlich ein am ehesten noch an ein E-Gitarren-Riff erinnernder Synthi-Akkord aus der Bühnenmitte schallert. Viel impulsiver und dynamisch markanter kann ein Track eigentlich gar nicht starten. Der erste Synthi-Akkord lässt mich sogar ein wenig erschrecken, wobei das bestimmt auch am recht weit aufgerissenen Lautstärkehahn liegt.

Aluminiumrückwand der Wilson Audio TuneTot

Derlei perkussive Energien absolut unverschliffen attackig und zugleich mit gehaltvollen Klangfarben beziehungsweise sauberem Sustain (keine ausgedünnte Analytik!) in den Raum zu schießen, gehört mit zu den absoluten Kernkompetenzen der Wilson Audio TuneTot. Keiner der in diesem Bericht genannten Lautsprecher hat hier Besseres zu bieten: Eine B&W 805 D4 beispielsweise bildet all das zwar superhochtonseitig noch schillernder und flirrender ab, erreicht aber aufgrund ihrer nicht allzu sonoren Mitten weder den kernigen Mittenpunch noch die Klangfarben-Deckkraft, die die Wilson drauf haben.

Best of both Worlds

Klangfarblich muten die kleinen Wilson also ebenso rein wie angenehm deckkräftig an. Vielleicht ist dies mit ein Grund dafür, dass von den TuneTot bei allem dynamischen Talent stets auch etwas Geschmeidiges, Fluides ausgeht. Diese Best-of-both-Worlds-Qualität haben sie mit den SabrinaX gemein. Eine tolle Eigenschaft, fördert sie doch die Schlüssigkeit der Musikwiedergabe (auf die auch die räumliche Kohärenz wunderbar einzahlt – dazu gleich mehr) ungemein. Schlüssigkeit und Geschmeidigkeit sind dann auch die Tugenden, mit denen die Wilson gegenüber den dafür an beiden Frequenzenden ausgedehnter agierenden Fink Team Kim Akzente setzen. Von einem „besser“ oder „schlechter“ lässt sich mit Blick auf diese beiden Lautsprecher objektiv nicht sprechen, hier entscheiden Hörgeschmack und Hörraum beziehungsweise dessen Größe.

Höhen und Mitten en détail

Wilson Audio TuneTot: Schallwand von oben

Aber werfen wir auf die Höhen- und Mittenwiedergabe der Wilson Audio TuneTot noch einen genaueren Blick. Neben den B&W und den Fink muten auch die SabrinaX ganz weit oben im Superhochton noch einen Tick luftiger, feinstofflicher an, wenngleich das Ganze schon eher als akademisch denn musikdienlich durchgeht. Im Grunde beschreibt das sowieso weniger eine Schwäche der TuneTot als die Stärken der anderen Lautsprecher und die kleinen Wilson kontern darüber hinaus mit besagter Geschmeidigkeit – und das schreibe ich als jemand, der Luftigkeit schon als recht wichtiges Kriterium ansieht.

Für mich entscheidender ist da schon die tonale Mittenabstimmung, denn hier kann ich endlich das oben angekündigte zum anderen ablaichen. Die TuneTot und SabrinaX gehen hier nämlich durchaus unterschiedliche Wege: Während es die SabrinaX in den oberen Mitten schön leuchten lassen, was ihr tonal minimal zurückhaltender Hochton womöglich zusätzlich unterstreicht, sind die TuneTot in diesem Frequenzbereich etwas dezenter abgestimmt als es strenge neutrale Lehre wäre. Was übrigens aufgrund des fehlenden Extra-Mitteltöners nicht untypisch für Zwei-Wege-Systeme ist. Gleiches gilt für die erwähnte leichte Oberbassbetonung, die Wilson Audio den TuneTot mit auf den Weg gegeben hat. Die Betonung fällt zwar, keine Bange, wirklich sehr dezent aus und ist meiner Meinung nach genau richtig dosiert, trägt aber zusätzlich dazu bei, dass die Mitten sich gefühlt eher von unten aus aufbauen.

Vanessa Wagner - InlandAls weniger auffällig empfinde ich das beispielsweise bei Klaviermusik – wie etwa bei Vanessa Wagners virtuosem Album Inland (auf Amazon anhören). Hier stehen für mich erneut die besondere Reinheit und das außergewöhnliche dynamische Akzentuierungsvermögen der Wilson im Vordergrund. Stärker hingegen bei Ataxias „Dust“ (Album: Automatic Writing), auf dem mein Lieblingsgitarrist John Frusciante nicht nur für eingängige Gitarrenmotive und schnoddrig-lyrische Soli sorgt, sondern zudem mit vergleichsweise hoher Stimme singt. Letztere hebt sich über die kleinen Wilson-Lautsprecher leiser, weniger kehlig-präsent vom restlichen Geschehen ab, ebenso wie sich das repetitive Gitarrenmotiv nicht so offensiv in den Gehörgang bohrt wie über die SabrinaX. Echte Information und Künstlerintention entgehen einem natürlich nicht, dafür ist die Mitten-Auflösung der kompakten Wilson einfach zu gut, gleichwohl mutet dieser Track „über alles“ gehört etwas gedeckter, weniger dirty an, fast so, als sei den TuneTot um eine etwas vornehmere Interpretation des Songs gelegen.

Wilson Audio TuneTot: WBT-Lautsprecherklemmen

Die Anschlussklemmen der Wilson Audio TuneTot stammen von WBT

Bühnentalent

In puncto Bühne sind die Wilson Audio TuneTot dann wieder ganz nah bei ihren großen Verwandten, denen ich in dieser Sache Benchmark-Status attestierte. Kurzum: Ortungsschärfe, Plastizität, eine stabile Stereomitte und vor allen Dingen, auch gegenüber der B&W 805 D4, die „gefühlte Schwärze“ hinter und zwischen den Instrumenten sind die Pfunde, mit denen die TuneTot wuchern. Dazu gesellt sich das für kompakte Zweiwegler häufig typische, unterschwellige Gefühl, dass einzelne Instrumente und Stimmen irgendwie noch freier zu schweben scheinen als bei Standlautsprechern.

Wilson Audio TuneTot - Lötverbindungen

Verschraubt & verlötet: So sehen kompromisslos kontaktsichere Verbindungen aus

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Clearaudio Jubilee

Test: Wilson Audio TuneTot | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Taktvoll feurig
  2. 2 Wilson Audio TuneTot: Klangtest & Vergleiche

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