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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Leichtes Schwergewicht
  2. 2 Audiaz Cadenza: Klangtest & Vergleiche

Lange nicht gesehen. Der letzte AudiaZ-Test liegt über 13 Jahre zurück. Und doch gleich wiedererkannt. Was bei AudiaZ-Lautsprechern aber auch nicht allzu schwer ist. OVO-Design nennt der Hersteller das: Jeweils ein nach halblinks und halbrechts schauender Tieftöner, die die V-förmige Schallwand des Hoch- und Mitteltöners in die Zange nehmen. Statt üblicher sechs Flächen hat die AudiaZ Cadenza (https://audiaz.de/ | 28.000 Euro) also sieben. Hier unbedingt eine(n) draufzusetzen oder optische Eigenständigkeit auf Teufel komm raus waren laut Entwickler Dr. Helmuth Weber gleichwohl nicht die primären Entwicklungsziele. Das aufwändig zu tischlernde Gehäuse der Cadenza soll vielmehr dazu dienen, akustische Zielvorstellungen umzusetzen.

Doch treten wir zunächst einen Schritt zurück – womit haben wir es mit den AudiaZ Cadenza denn überhaupt grundsätzlich zu tun? Als passive Drei-Wege-Bassreflexstandlautsprecher mit 87,5 dB/W/m Wirkungsgrad unterscheiden sie sich auf den ersten Blick nicht wirklich von vielen anderen Lautsprechern. Bei dem doch schon etwas breiter geratenen Preisschild der Cadenza ist da zunächst eher die Größen- und Gewichtklasse ungewöhnlich, im Rahmen derer sie in den Ring steigen. Die AudiaZ Cadenza sind überschaubare 112 Zentimeter hoch und stehen bei jeweils 32 Kilogramm Kampfgewicht auf gerade mal 25 x 25 Zentimetern Grundfläche.

AudiaZ Cadenza Standlautsprecher

Eigenständig designt und mit Blick auf ihre Preisklasse eher zierlich: Die AudiaZ Cadenza sind 112 Zentimeter hoch und jeweils 32 Kilogramm schwer

„Höchstwertige Standlautsprecher für mittelgroße Räume“ (ich würde sogar sagen für kleine, ab mindestens 20 Quadratmeter aufwärts), lautet die offizielle Mission, mit der sie sich dann schon stärker von vielen anderen Lautsprechern am Markt unterscheiden. Ich finde das eine gute Idee, (zu) große Lautsprecher in speziell fürs Hören abgezweigten, dafür dann häufig kleineren Räumen der Wohnung sind schließlich ebenso suboptimal wie der familiäre Dissens darüber, ob ins gemeinsame Wohnzimmer auch teure (meist: große) Lautsprecher dürfen.

Okay, was haben die AudiaZ Cadenza in einer Preisklasse, in der viele Lautsprecher bereits quasi selbst als Immobilien durchgehen, stattdessen zu bieten?

Gestatten, OVO …

AudiaZ Cadenza: OVO-Design

Was der Hersteller mit OVO-Design meint, steht den AudiaZ Cadenza im Gesicht geschrieben

Fangen wir beim OVO-Design an, auf das die in Rosenheim ansässige Manufaktur mit ihren 23 Jahren Markterfahrung besonders stolz ist. Dadurch, dass die Schallwand ohne parallele Kantenverläufe auskommt, will AudiaZ negativen Auswirkungen des sogenannten Baffle Steps quasi an der Wurzel begegnen. Kurz zur Erinnerung: Von einem Treiber abgestrahlte kürzere Wellenlängen erfahren tendenziell eine höhere Reflektion und Gerichtetheit von der Schallwand hin zum Hörer als größere Wellenlängen, die über die Begrenzungen der Schallwand hinausgehen und sich via kugelförmiger Ausdehnung in die verschiedenen Richtungen des Raumes verlieren – und mithin weniger Energie direkt zum Hörplatz richten. Ein Umstand, der unbehandelt unmittelbare Auswirkung auf den Amplitudenverlauf eines Lautsprechers hat.

Auch Beugungseffekte beziehungsweise Kantenreflektionen sollen an den beiden nach unten spitz zulaufenden Schallwandkanten aufgrund ihrer Nichtparallelität sowie ihrer jeweiligen vergleichsweise flachen 45-Grad-Winkel wirksam reduziert werden: Die 90-Grad-Kanten üblicher Lautsprechergehäuse seien deutlich anfälliger für Phantomschallquellen-Effekte, habe man bei Audiaz festgestellt, selbst wenn man diese mit großzügigen Radien versehe.

Die Winkel auf der Schallwand der AudiaZ Cadenza messen jeweils 45 Grad

Die die Schallwand links und rechts abgrenzenden Winkel der AudiaZ Cadenza messen jeweils 45 Grad

Als weitere Vorzüge der aufwändigen Tischlerarbeit des OVO-Designs führt AudiaZ schließlich die bauforminhärente höhere Steifheit der Gehäusewände ins Feld sowie das mit einer eigenen Bodenplatte versehene und dadurch pyramidenförmige Rückvolumen des Mitteltöners: „Der Accuton-C90-6-724-Mitteltöner ist rückseitig großzügig geöffnet, hier ist die rückseitige Schallabsorption ohne Rückreflektion besonders bedeutend“, sagt Helmuth Weber. Die nach hinten spitz zulaufende Mitteltonkammer werde daher – Stichwort „Hohlraumresonanz“, siehe nächster Absatz – zusätzlich noch mit Tawron („Engelshaar“ von Mundorf) und Wollfilz an den Wänden bedämpft.

Irgendwelche Vorbehalte?

Genau solche Maßnahmen zahlen darauf ein, dass die typischen Vorbehalte gegenüber Keramiktreibern – bei den AudiaZ Cadenza stammen sämtliche Treiber von Accuton/Thiel aus Pulheim – gänzlich unbegründet seien, verspricht AudiaZ: „Grundsätzlich verlangen die Accuton-Chassis einen deutlich erhöhten Aufwand bei der Entwicklung, der Gehäusekonstruktion, den eingesetzten Materialien und der Frequenzweiche. Daraus resultieren die hohen Kosten für alle hervorragenden mit Accuton-Treibern arbeitenden Lautsprecher. Beispielsweise hat der in der Cadenza eingesetzte Accuton-Mitteltöner drei zu beachtende Frequenzbereiche: Einmal die wegen geringer mechanischer Verluste (durch nichtleitenden Titan-Schwingspulenträger und offene Bauweise) ausgeprägte Einbauresonanz, dann die wegen der harten Membran ausgeprägte Membranresonanz – und zudem die Hohlraumresonanz des ringförmigen offenen Magnetsystems.“

Vom Feinsten

Hochtöner, Mitteltöner und Basstreiber von Accuton in der AudiaZ Cadenza

Hochtöner, Mitteltöner und Basstreiber der AudiaZ Cadenza stammen von Accuton/Thiel aus Pulheim

Unbestritten zählen die per se teuren, offenbar aber in mehrerer Hinsicht kostentreibenden Accuton-Treiber gerade mit Blick auf das Kriterium (Fein-)Dynamik zum feinsten, was der Markt zu bieten hat. Die beiden 173-mm-Bässe strahlen um insgesamt 90 Grad versetzt nach links und rechts ab und werden von einem Downfiring-Bassreflexsystem mit einer Tuning-Frequenz von 34 Hertz unterstützt. Interferenzen seien bei dieser Bassanordnung übrigens nicht zu befürchten, so Helmuth Weber, wohl aber Vorteile in Sachen „bodenseitiger erster Reflektionen“ und der Vermeidung von Auslöschungen bei der Bassübertragung. Diese reicht konstruktiv bis hoch zu 180 Hertz, dann übernimmt der schon erwähnte 100-mm-Konus die Übertragung, der wiederum relativ früh, nämlich bei 2 kHz, vom 30-mm-Hochtöner abgelöst wird.

WBT-Terminal der AudiaZ Cadenza in den Nahaufnahme

Die hochwertigen Polklemmen der Audiaz Cadenza kommen in Single-Wire-Ausführung und stammen von WBT

Apropos Weiche und Übernahmepunkte: Spezielle Korrekturglieder übernehmen das Feintuning der Flankenform, so AudiaZ, die individuellen nichtlinearen Abweichungen der erwähnten Chassis an ihren Übertragungsgrenzen werden vom Weichendesign entsprechend korrigiert. Auch dies sei für den langzeittauglichen, stressfreien Klang der Accutons maßgeblich. Gleiches gelte für die hochwertigen Zutaten der Frequenzweiche, bei denen schnöde Elkos natürlich durch Abwesenheit glänzen: Stattdessen gibt’s Massivfolienkondensatoren, Reinsilber-Massivfolienkondensatoren oder Glimmerkondensatoren. Dazu gesellen sich Metallfolienwiderstände von Isabellenhütte, Luftspulen sowie eine vollständige Reinsilber-Teflon-Innenverkabelung, die mit den Kontakten der Chassis übrigens verlötet und nicht bloß per Stecker verbunden wird.

Audiaz Cadenza: Klangtest & Vergleiche

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Die Audiaz Cadenza zählen zu den außergewöhnlichsten Lautsprechern, denen ich bisher in meinem Hörraum auf den Zahn fühlen durfte. Nicht nur optisch, sondern auch in Sachen Einspielzeit, Aufstellung – und letztlich Klang.

AudiaZ Cadenza im Hörraum

Die AudiaZ Cadenza im Hörraum

Fangen wir mit dem Einspielprozedere an: Obwohl die Cadenza schon Spielzeit auf der Uhr hatten, klangen sie die ersten Tage obenrum eher harsch, im Grundton/Oberbass merklich zu schlank und im (Tief-)Bass zu dicklich und komischerweise – mein Hörraum macht hier normalerweise keine Zicken – dröhnig. Über die Monate (jeden Tag liefen die Cadenza nicht, aber ich hatte tatsächlich das Gefühl, so komisch es sich liest, dass ihnen reine Standzeit ebenfalls gut tat) verschwand zunächst die Harschheit – und zwar vollständig! Zudem verkleinerte sich nach und nach das „Loch“ zwischen Mitten und Tiefton. Bassseitig verschwand das Dröhnen vollständig; dabei half, dass ich die Schrauben der Basstreiber ganz sanft nachzog (übrigens bei vielen, auch neuen Lautsprechern hilfreich). Dass Geräte über drei Monate Zeit für ihre Metamorphose bekommen, ist eher unüblich und meinem aktuellen Arbeitsaufkommen geschuldet – war im Falle der Audiaz Cadenza aber der genau richtige „Zufall“. Von der Larve zum Schmetterling, um Letzteren soll es nun gehen:

Keine Kostverächter

AudiaZ Cadenza: Keramikmembran des Hochtöners

Der Hochtöner der AudiaZ Cadenza mit Keramikmembran

Das böse Wörtchen „harsch“ fiel ja bereits und ich kann mir vorstellen, dass bei sensiblen Hörern bereits Befürchtungen aufkommen, wenn sie die verbauten Treiber bloß anschauen. Dazu Folgendes: Wenn man mir eines nicht nachsagen kann, dann, dass ich zu wenig dünne, kratzige, grisselige, mithin schlechte Aufnahmequalitäten in meinem Plattenschrank beziehungsweise auf meiner Festplatte vorzuweisen hätte: Die supersympathischen The Bevis Frond, unverwüstliche Legendary-Pink-Dots-Scheiben, griechischen Metal (Movement Of Static), den ich mir mal spätnachts nach leckeren Weinchen spontan von Bandcamp gezogen hatte, woraufhin trotz fortgeschrittener Stunde ein netter Mailwechsel mit der Combo aus Thessaloniki folgte (schöner kann man Musik nicht kaufen), oder die teils kratzigen Aufnahmen von Primus – ich habe sie alle mit den Cadenza gehört.

Stimmprobe

John Frusciante The EmpyreanUnd alle waren sie so genießbar, wie ich das von langzeittauglichen, nicht-artifiziell-analytischen Hifi-Komponenten so kenne. Doch eine reine Unbedenklichkeitsbescheinigung wäre – zumal in dieser Preisklasse – fürwahr zu wenig für die Cadenza. Bemühen wir daher mal einen meiner Lieblingsgitarristen: John Frusciante werden viele von den Red Hot Chili Peppers kennen, ich selbst schätze vor allen Dingen seine kruderen Soloalben. Nicht nur wegen der Klampfen- , sondern auch, jawoll: der Sangeskünste. Das 2009er-Album The Empyrean (auf Amazon anhören) ist zwar ebenfalls keine (typische) audiophile Perle, hat aufnahmetechnisch aber einen sehr authentischen Charme, ein Steve Albini würde sich bestimmt freuen: Das Rauschen von Gitarrenverstärkern oder übersteuerten Mikrofonen gehört halt dazu, genau wie die so ziemlich unkomprimierte Dynamik (!) einiger Songs sowie die durchaus etwas schroff eingefangene Stimme Frusciantes, der sich etwa in „Song to the Siren“ inbrünstig ins Zeug legt.

AudiaZ Cadenza: Einbaurahmen des Hoch- und Mitteltöners

Nun, die AudiaZ erheben das Gebotene zu einem Kunstwerk, wie ich es bei diesem Track bisher noch nicht erleben durfte: Die Unzulänglichkeiten der Aufnahme werden genau wie ihre Stärke in Form der herrlich unmittelbaren, mit allen ihren Schwebungen und Rauigkeiten eingefangenen Stimme so offenbart, wie sich das für einen hochpräzisen Lautsprecher gehört. Und gleichzeitig derart harmonisch-schlüssig zu einem organischen Ganzen verwoben, dass mir nichts anders übrig bleibt, als fasziniert auf meinem Sofa zu verharren. Und die Repeat-Tate zu drücken.

Sowohl der kehlige Gesang als auch die Mittenwiedergabe der AudiaZ Cadenza sind nichts für Romantiker und Warmhörer. Die hochfeine Texturiertheit, die subtilen Dynamikabstufungen, die Klarheit (die Cadenza verfügen messtechnisch mit Sicherheit über exzellent geringe Verzerrungen) sowie die klangfarbliche und räumliche Freigestelltheit der Stimme hingegen vom Allerfeinsten. Weder wohlgefälliges Sounddesign noch lästiges Trommelfellziepen. Die Cadenza liefern hier schlichtweg den unmittelbaren, echten Stoff.

Wärmer? Schmeichelnder?

AudiaZ Cadenza: Basstreiber Zentrierspinne

Meine ebenfalls unverzerrt-klar wie Quellwasser tönenden Sehring 903 können zwar in Sachen Reinheit mithalten, haben aber in Sachen Feindynamik und Auflösung das Nachsehen, meine Spendor 9 klingen diffuser und unruhiger. Auch die kürzlich getesteten Ikon Avara Final erreichen nicht die Feinpixeligkeit der Auflösung und stupende Unmittelbarkeit der Feindynamik der Cadenza. Alles hervorragende Lautsprecher übrigens! Und auch der Blick ins fairaudio-Testarchiv in Richtung noch höhere Preisklassen lässt keine Erinnerungen an Lautsprecher aufkommen, die in Sachen Mittel-/Hochtonwiedergabe die Messlatte noch höher gelegt hätten. Eher das Gegenteil. Oder mit anderer Geschmacksrichtung: Denn Lautsprecher mit wärmerer, sonorerer oder schmeichelnderer Mittenwiedergabe gibt es durchaus.

Vassilis Tsabropoulos MelosGleichwohl vermisse ich solche Exemplare während des Hörens mit den Cadenza zu keiner Zeit. Saubere spielende Verstärker vorausgesetzt – bei mir ist für diesen Test vornehmlich das sturzneutrale Gespann aus Funk MTX und Bryston 7B³ am Start. Dann tönen das wehmütige Cello von Anja Lechner und die Frau Lechner wie Regen betröpfelnden Pianoanschläge von Vassilis Tsabropoulos in „Song of Prosperity“ (Album: Melos; auf Amazon anhören) klangfarblich absolut überzeugend und mithin unverfärbt neutral. Allerdings in Richtung Obertöne offener und leuchtender, als ich das sonst so kenne, wodurch die Instrumente gehörpsychologisch automatisch in etwas hellerem Licht erscheinen.

Für meinen Geschmack geht aber genau das gleichwohl als Qualitätsmerkmal und Stärke der AudiaZ Cadenza durch: Komplexität und Vielschichtigkeit, das gespannte „Am-Ball-bleiben“ beim Hören legen zu. Eigentlich sollte es aus dem Gesagten bereits deutlich geworden sein, zu Sicherheit dennoch expressis verbis: Mit „tonal zu hell“ oder gar „grell“ hat das Ganze nicht die Bohne zu tun, die hochwertige Mittel/Hochtonwiedergabe der AudiaZ Cadenza versprüht trotz ihrer Transparenz und Offenheit stets ein elegantes, feinsinniges, sensibles Flair.

Ab in die Wüste

Burials UntrueKlar, dass solche Talente elektronischer Musik ebenfalls hervorragend zupasskommen: Die in Burials „Etched Headplate“ (Album: Untrue; auf Amazon anhören) über den weiblichen Sprechgesang gelegten Knister-, Prickel- und metallischen Schabegeräusche leuchten vor schwarzem Hintergrund so eindeutig umrissen, definiert und klar wie kleine Sterne nachts in der Atacama-Wüste. Aber nicht nur im Mittel/Hochtonbereich, auch tieftonseitig lassen die AudiaZ Cadenza abrupte Impulse sauber ein- und ausschwingen: Gut zu hören bei den dicht blubbernden Beats in „Turbulence“ von Free the Robots (Album: Ctrl Alt Delete) oder der federnd-pulsierenden Bassfigur in Cevin Keys „Bob‘s Shadow“ (Album: The Ghost of each Room). Ergo: Die Cadenza tönen auch grobdynamisch akkurat.

Ein bisschen Charakter …

AudiaZ Cadenza: Schallwand von oben

Einen eigenen Charakter, der sie von vielen anderen Lautsprechern dieser Preisklasse abgrenzt, leisten sich die AudiaZ Cadenza tieftonseitig dann aber doch. Dass größere Lautsprecher mit mächtigeren Basstreibern noch mehr Luft verschieben oder wie meine Sehring 903 mit ihrem ausgeklügelten Basssystem mehr Tiefgang bieten – geschenkt. Schließlich sind die Cadenza ja bewusst für kleine bis mittelgroße Räume konzipiert, die von vielen Lautsprechern dieser Preisklasse überfordert wären, und zwar optisch wie akustisch. Dennoch, keine Sorge, klingen die Cadenza eindeutig wie erwachsene Standlautsprecher und nicht wie zu groß geratene Kompakte. Kurzum: Ich empfinde die Cadenza mit Blick auf ihre angestrebten Einsatzgebiete bassseitig grundsätzlich als zielgenau austariert.

Allerdings sollte man wissen, dass sie sich zwischen (Ober-)Bass und Grundton ein wenig im Pegel zügeln. Zumindest in meinem nicht zum Aufdicken neigenden Hörraum bei freier Aufstellung mit über einem Meter Abstand zur Rückwand: Die erwähnten Bassbeats und -figuren in „Turbulence“ und „Bob‘s Shadow“ entwickeln in ihren oberen Teilbereichen nicht ganz den Druck, nicht ganz die Signifikanz, die ich von anderen Lautsprechern kenne und muten etwas reduzierter, weniger großzügig ausgedehnt an. Eine Rechnung, die bei den von den Cadenza angepeilten Raumgrößen – Stichwort: wandnahe Aufstellung samt einhergehender raumakustischer Anhebung tieferer Töne – allerdings aufgehen kann. Zudem spiele hier laut Hersteller nicht zuletzt die Beschaffenheit der Standfläche mit hinein – auf Wunsch versorgt AudiaZ seine Kunden mit entsprechenden Basen. Von mir versuchsweise unter die AudiaZ Cadenza geschobene Metall-Gummi-Sandwich-Platten (keine highendigen Lösungen wohlgemerkt) veränderten dann tatsächlich die Basswiedergabe, raubten gleichzeitig aber etwas von dem faszinierenden Funkenschlag an Feindynamik, der für meinen Geschmack ja gerade als besonderes Faszinosum dieser Schallwandler durchgeht.

Die AudiaZ Cadenza sind mit justierbaren Metallfüßen ausgestattet, Audioplan Antispikes sind optional möglich

Die AudiaZ Cadenza reagieren auf die Beschaffenheiten von Untergrund und Stellfüßen überdurchschnittlich sensibel

Noch ein Faszinosum

Ein Faszinosum fehlt noch: Die Räumlichkeit. Strenger beziehungsweise studiomonitoresker rasternde und konzertiert-plastischer zeichnende Lautsprecher gibt es durchaus, diesen Aspekt empfinde ich weder als Stärke noch als Schwäche der Cadenza. Die Offenheit, Weitläufigkeit und Losgelöstheit des Gebotenen sind allerdings erste Sahne, die Abbildung der Audiaz versprüht auf ganz besondere Weise etwas ganz unaufdringlich Vereinnahmendes, ja: Konsistentes, das einen sofort Verbindung mit der Musik aufnehmen lässt. Dieses Phänomen analytisch-handfest zu beschreiben, fällt mit ehrlich gesagt schwer, da die üblichen Kriterien hier irgendwie nicht hundertprozentig greifen. Auch der Umstand, dass man (weit) außerhalb des Sweetspots noch eine vergleichsweise intakte Bühne illusioniert bekommt und nicht nur in der Sofamitte, hebt die Audiaz Cadenza von vielen anderen Highend-Lautsprechern ab.

Logo von AudiaZ

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Nubert AS225

Test: Audiaz Cadenza | Standlautsprecher

  1. 1 Leichtes Schwergewicht
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