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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Der Freigeist
  2. 2 Cayin N7 – Hörtest & Vergleiche

Hersteller von mobilen Audioquellen, die heutzutage Achtungszeichen setzen wollen, bringen entweder ultrakompakte Dongles oder ultrahochwertige DAPs („Digital Audio Player“) an den Start, die sogar die heimische stationäre Anlage aufwerten können. Mit Blick auf letztere gibt‘s für Entwickler im Wesentlichen drei Zielsetzungen: außergewöhnliche Klangqualität, benutzerfreundliche Bedienung oder einzigartige Merkmale wie etwa Röhrenverstärkung. Die chinesische Manufaktur Cayin versucht ganz offensichtlich alle drei Anforderungen unter einen Hut zu bringen – und das ganz frisch in Gestalt des N7 (2.300 Euro | https://cayin.com), einem im Frühjahr gelaunchten DAP, der zwar ohne Röhren auskommt, sich dennoch deutlich von der Masse abhebt.

Anfangs wurden die Digitalen Audio Player von Cayin von einigen größeren Wettbewerbern eher belächelt, so zumindest mein Gefühl, doch mittlerweile ist der Hersteller – hierzulande nicht zuletzt für seine Punkt-zu-Punkt-verdrahteten Röhrenverstärker populär – auch eine feste Größe in Sachen Mobilaudio und vor allen Dingen eben DAPs.

Detail der Oberseite des Cayin N7

Die Wahl zwischen zwei Verstärkungsmodi (Class A und Class AB) und einen 1-Bit-DSD-DAC als digitales Herz – der Cayin N7 kommt zwar ohne Röhren, weist dennoch einige technische Besonderheiten auf

Cayin ist einer der wenigen Anbieter, die hierzulande mobile Lösungen mit Röhrentechnologie anbieten. Das röhrenbewehrte DAP-Flaggschiff N8ii kostet stattliche 3.700 Euro, und das streng limitierte Jubiläumsmodell zum 30-jährigen Firmengeburtstag kommt gar auf extrem anspruchsvolle 14.500 Euro. Man will offenbar zeigen, was man kann. Im Vergleich dazu ist der hier und heute zum Test anstehende Cayin N7 mit seinen 2.300 Euro zwar nicht billig, aber preislich durchaus handelsüblich für highendige DAPs. Eine Besonderheit des N7 liegt unter anderem darin, dass er als einer der wenigen DAPs einen 1-Bit-DSD-DAC intus hat und eine interessante Alternative zu den Röhren-DAPs der Chinesen bietet, die möglicherweise nicht jedermanns Geschmack sind.

Der Außenauftritt – Gehäuse, grundsätzliche Features und Verarbeitung des Cayin N7

Betrachten wir den Cayin N7 genauer: Äußerlich fällt zunächst der robuste Auftritt auf, den das Gewicht von 380 Gramm unterstreicht. Das Aluminium-Gehäuse und der pfundige 9.000-mAh-Akku spielen hier mit rein. Die Verarbeitungsqualität ist dieser Preisklasse angemessen, und kleine Details wie die nahezu bündig in die Seite eingepassten Tasten für Skip, Play, Pause und On/Off zeugen von Liebe zum Detail. Das schwarz eloxierte Metall fühlt sich angenehm in der Hand an, und der goldene Lautstärkeregler aus Messing auf der oberen Stirnseite des DAPs bildet einen schönen optischen Kontrast. Der runde Pegelsteller lässt sich gut greifen und ermöglicht präzise Einstellungen.

Die Taster des Cayin N7 für Skip, Play, Pause und On/Off

Die seitlichen Taster für Skip, Play, Pause und On/Off

Links davon befindet sich ein Micro-SD-Slot, der der Erweiterung des internen 64-GB-Speichers dient. Ein zweiter Slot wäre wünschenswert, aber der N7 unterstützt immerhin Micro-SD-Karten mit bis zu 1 TB, die mittlerweile preislich erschwinglich sind. Auf der unteren Stirnseite des Gehäuses finden sich neben den Kopfhörerausgängen (3,5-mm-Klinke & 4,4-mm-Pentaconn) noch weitere Anschlüsse. Doch dazu später mehr.

Der Cayin N7 ist 2,2 Zentimeter hoch und liegt gut in der Hand, während die Länge von 14,2 Zentimetern genügend Platz fürs Touch-Display mit seiner Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln bietet. Dessen scharfe Bilder und satte Farben stehen nicht nur Albumcovern gut zu Gesicht, sondern beispielsweise auch YouTube-Videos.

Verschiedene Betriebsarten und ordentlich Power

Das Touch-Display des Cayin N7 mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln

Das Touch-Display des Cayin N7 sorgt mit seiner Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln für eine standesgemäße Darstellung von Covern

Der Cayin-DAP ist eine Android-Maschine, die Zugriff auf den Google Play Store und somit auf unzählige Apps und Anwendungen bietet. Streamingdienste aus der Cloud wie etwa Qobuz lassen sich problemlos installieren. Das ist sicherlich etwas, was man als Pluspunkt ansehen kann, einige audiophile Puristen mögen gleichwohl eine reduziertere Linux-Lösung bevorzugen, die sich ausschließlich auf die Audiowiedergabe konzentriert und dafür gerne auf Internetzugang oder weitere Funktionen (WLAN/Bluetooth) verzichtet. Solche Hörer finden bei anderen Herstellern vielleicht eher „ihren“ DAP, aber es sei erwähnt, dass der Cayin N7 seinem Nutzer offen hält, unnötige Funktionen zu deaktivieren und so die Prozessorleistung zu reduzieren. Tatsächlich ist der Cayin N7 mit einem leistungsstarken Snapdragon-665-Prozessor und den FPGA-unterstützen Audio-Dekodierungsanwendungen mehr als ausreichend ausgestattet.

Die Akkulaufzeit ist im Alltag von großer Bedeutung, und der Cayin N7 kann problemlos einen Langstreckenflug bewältigen, sofern man ihn ausschließlich mit Musikwiedergabe belastet. Das effiziente Energiemanagement und die großzügige Akkukapazität (benötigt ein 12V-Ladegerät) bilden eine solide Grundlage für die diskrete, kanalgetrennte Verstärkung. Hier wird es besonders interessant: Die Cayin-Ingenieure haben dem N7 die Möglichkeit gegeben, zwischen Class-A/B und Class A-Betrieb umzuschalten, ein Feature, das nicht viele DAPs bieten. Darauf, wie sich das klanglich auswirkt, kommen wir noch zurück.

Die Auswahlmöglichkeit zwischen Class-A- und Class-AB-Betrieb im Menü des Cayin N7

Zwischen Class-A- und Class-AB-Verstärkung lässt sich quasi per Knopfdruck hin- und herschalten

Leistungsseitig ist der N7 mit 250 mW bei 32 Ohm beziehungsweise 4 Vrms deklariert – wohlgemerkt im unsymmetrischen Betrieb mit einem 3,5-mm-Klinkenanschluss. Dies liegt augenscheinlich nicht ganz auf dem Niveau wie die 6 Vrms des bulldozerhaften Astell & Kern Kann Cube, aber der N7 kann immerhin satte 7 Vrms an den symmetrischen 4,4-mm-Klinkenanschluss liefern. Klar, symmetrisch geht auch beim Kann Cube (12 Vrms ) oder bei meinem Duo Astell & Kern AK 380 + Amp (8,1 Vrms) mehr, aber in praxi kann der Cayin N7 selbst den anspruchsvollen Beyerdynamic DT 880 Pro mit seinen 600 Ohm problemlos unsymmetrisch antreiben. Mit leichter zu motivierenden Kopfhörern wie dem Meze 99 Classics erreicht man bei High-Gain-Einstellung und einem eher mittleren Lautstärkepegel bereits die Grenze des pegelseitig Erträglichen.

Von USB bis I2S – weitere Schnittstellen des Cayin N7

Ich wollte noch zu den Anschlüssen des Cayin N7 kommen, die neben den Kopfhörerausgängen positioniert sind: Zwei zusätzliche Klinkenbuchsen dienen hier als variabel pegelbare Vorstufenausgänge oder als fixe Line-Out-Ausgänge. Dies ist sinnvoll, wenn Sie beispielsweise eine direkte Verbindung zu Aktivlautsprechern, einem Kopfhörerverstärker oder einem Vollverstärker herstellen möchten. Ideal nicht zuletzt für Zweitwohnungen oder Ferienhäuser. Zudem finden sich auf dieser Geräteseite des N7 ein USB-C-Eingang für die Verwendung als USB-DAC und ein eher seltener Mini-HDMI-Anschluss für entsprechend kompatible Geräte. Letzterer mag exotisch erscheinen, aber dem unidirektionalen I2S-Protokoll werden besondere klangliche Vorzüge nachgesagt, manch ein Hersteller verzichtet dafür sogar auf USB (siehe Test Métronome DSS 2). Ich selbst habe das bisher noch nicht angetestet, da ich keine I2S-kompatiblen Geräte besitze. Dennoch weckt diese Funktion mein Interesse.

Neben den Kopfhörerausgängen (3,5-mm-Klinke & 4,4-mm-Pentaconn) bietet der Cayin NZ zudem Ausgänge für die Verbindung mit einer stationären HiFi-Anlage und sogar eine I2S-Schnittstelle

Das richtige Futter für den Cayin N7

Es ist heutzutage selbstverständlich, dass ein DAP wie der Cayin N7 nahezu alle Audioformate dekodieren kann. PCM-seitig steigt der Chinese bis 32 Bit und 768 kHz hoch, DSD funktioniert über die USB/I2S-Ausgänge sogar bis 512fach. MQA geht auch, obwohl dieses Format in Zukunft möglicherweise noch weniger relevant sein könnte. Über den im USB-C-Ausgang integrierten S/PDIF-Koaxialanschluss sind Auflösungen bis zu 24 Bit/192 kHz und DSD 64 möglich.

Wer den Cayin N7 völlig von der Leine lassen möchte, kann das über Bluetooth 5.0 tun. Mit SBC, AAC, LDAC (96 kHz) und dem von HiBy entwickelten UAT-(Ultra Audio Transmission)-Codec (192 kHz) steht eine breite Codec-Auswahl zur Verfügung. Interessanterweise ist der N7 zudem in der Lage Bluetooth-Signale zu empfangen, was in einigen Fällen praktisch sein mag, obwohl es freilich ungewöhnlich erscheint, ein Bluetooth-Signal mit einem Class-A-Verstärker aufzupimpen. Aber erlaubt ist, was gefällt – einige genießen den Fernsehton halt gerne über ihre IEMs.

Die interne Hardware des Cayin N7

Die untere Stirnseite des Cayin N7 mit Klinkenbuchsen und I2S-HDMI

Der Cayin ist schaltungstechnisch „vollsymmetrisch“ konzipiert und zum großen Teil in Doppelmono gehalten

Kommen wir zu weiteren Besonderheiten des Cayin N7. Um Rauschen und Verzerrungen auf ein Minimum zu reduzieren und die Kanaltrennung weiter zu steigern, entschieden sich die Cayin-Ingenieure für ein vollständig symmetrisches Schaltungsdesign mit einem darüber hinaus überwiegenden Aufbau in Doppelmono – beginnend beim Wandler bis hin zu den Ausgangsstufen und der Tiefpassfilterung. Im N7 arbeiten duale bipolare Transistoren in einer Class-A-Push-Pull-Verstärkerschaltung, um einen rauscharmen Betrieb sicherzustellen. Beim Kopfhörerverstärker setzen die Chinesen auf eine vierkanalige Schaltung mit einem JFET-Transistor von Toshiba im differentiellen Eingang und bipolaren Transistoren in der Leistungsstufe, die von Nexperia stammen.

Aber damit nicht genug. In der Wandlerabteilung des Cayin N7 findet sich kein gängiger ESS- oder AKM-DAC, sondern ein 1-Bit-DSD-DAC. Diese diskret aufgebaute Architektur wandelt alle eingehenden Signale, unabhängig von ihrer Quelle, in ein 1-Bit-DSD-Signal um. Dann geht es durch ein Netzwerk mit vier Pfaden (links, rechts und beides jeweils invertiert) aus jeweils 32 Dünnfilm-Widerständen. Diese Widerstände sind mit äußerst geringen Toleranzen spezifiziert, um das digitale Audio-Signal so originalgetreu wie möglich in die analoge Ebene zu überführen.

Der deaktivierte Cayin N7 mit einem Audeze LCD-X

Der Cayin N7 mit einem Audeze LCD-X und ordentlich Sonnenschein …

Meine Erwartungen an den Cayin N7 sind natürlich hoch, weswegen ich beim obligatorischen Gang in den Weinkeller letztlich zu einem die Hördurchgänge begleitenden Les Mazelots Irancy der Domaine Goisot greife.

Cayin N7 – Hörtest & Vergleiche

Ähnlich wie der Astell & Kern Kann Cube (mit AK-Connect) lässt sich der Cayin N7 via HiBy-Cast vom Smartphone fernsteuern. Ein schönes Feature für dessen Einbindung in eine stationäre Anlage. Der Musikgenuss via Kopfhörer ist in praxi nichtsdestotrotz der Hauptzweck des N7, mithin der wesentliche Grund, warum man sich einen DAP kauft, weswegen ich mich im Folgenden auf diese Betriebsart konzentriere.

Feist Open SeasonIch greife zum Audeze LCD-X und starte den Song „Mushaboom (Mocky Mix)“ von Feist (Album: Open Season). Meine erste Assoziation ist tatsächlich die des komplexen Charakters eines erstklassigen Weins. Das Gebotene mutet gleichzeitig entspannt und detailverliebt an. Dafür ist nicht zuletzt die ausgewogene, keineswegs zu dick auftragende Basswiedergabe verantwortlich, die feinen Nuancen genügend Raum zur Entfaltung lässt und nichts überdeckt. Kein schwerer Barrique, wenn man so will, sondern eher die Reflektion der Eleganz des nicht zu vollmundigen und dafür aber vielschichtigen Grundcharakters des vorzüglichen Irancy.

Die Hochtonwiedergabe des Cayin N7

Cayin N7 und Astell & Kern Kann Cube

Cayin N7 und Astell & Kern Kann Cube

Richtet man den Blick nach oben Richtung Hochton, unterstreicht der Cayin N7 – so etwa beim Stück „Hunter“ von Björk (Album: Homogenic) – seine Vorliebe für feine Auflösung, ohne das Thema Präzision dabei ostentativ zur Schau zu stellen. Dies wird deutlich, wenn der Trommelwirbel im Hintergrund sich sauberer und natürlicher vom Rest des Klangs absetzt, als das über den Astell & Kern Kann Cube geschieht. Der AK-DAP wirkt tatsächlich etwas kühler oder distanzierter, ohne dass es der Cayin N7 im Gegenzug an Transparenz missen lassen würde, gleichwohl sorgt sein feines Obertonspektrum für unangestrengte Orientierung im dichten musikalischen Geschehen. Unterm Strich empfinde ich den N7 ein Stück näher an der Neutralität und Wahrheit.

Auch meine persönliche Referenz, die Chord Hugo/2go-Kombination (Preis: ca. 3500 Euro), tönt mit ihrer hervorragenden Auflösung und Detailgenauigkeit minimal kühler und distanzierter (auch weil deren Abbildung tiefer in den Raum dringt), obwohl Streichinstrumenten über den Cayin N7 zu meiner Verblüffung sogar einen Tick glänzender und exponierter klingen. Was eben an der seidigen Feinstofflichkeit und Luftigkeit des N7 liegt, die sich angenehm natürlich anfühlen.

Der Cayin N7 und ein Chord Hugo

Der Cayin N7 und ein Chord Hugo

Dennoch würde ich mit Blick auf Transparenz und Auflösung keinen Sieger küren wollen, wenn ich die beiden Lösungen über meinen Audeze LCD-X im unsymmetrischen Betrieb vergleiche. Sowohl der Cayin N7 als auch die Chord-Kombi spielen auf einem so hohen Niveau, dass einem selbst kleinste Details unangestrengt zu Ohren kommen. Das Gebotene bewegt sich hüben wie drüben im linear-neutralen Spektrum, driftet weder ins zu Helle noch ins euphonisch Warme. Beim Wechsel auf den 4,4-mm-Pentaconn-Anschluss mit meinem magnetostatischen Sendy Audio Aiva kommt allerdings über den N7 ein Hauch mehr Wärme ins Spiel, was einem je nach Musikstück und Geschmack noch besser gefallen kann. Ja, das zeigt mal wieder: Verschiedene Kopfhörer anzutasten, ist immer eine gute Idee.

Gut nachgeschenkt: die Mitten

Führen wir uns als nächstes die Mitten zu Gemüte, die sich ähnlich ausgewogen wie die Höhen präsentieren. Ein Genuss, ähnlich wie der großzügig nachgeschenkte Irancy aus dem Burgund. Denn auch in Sachen Detailreichtum steht die Mittelton- der Hochtonwiedergabe kaum nach. Gut zu hören beim Song „Ace of Spades“ von Björn Berge und seinem virtuosen Bottleneck-Gitarrenspiel. Über den Cayin N7 klingen die Gitarrensaiten äußerst präzise und griffig, das Changieren der metallischen Töne gerät pfeilschnell und ausdifferenziert, dabei aber nicht die Spur rau oder schrill. Der Facettenreichtum der gleichzeitig schön körperhaft dargestellten Stimme von Björn Berge, die typischerweise gern ins Heisere oder Raue kippt oder auch mal mit in der Tiefe ausklingenden Tremolos aufwartet, unterstreicht diesen Zug. Genauso so muss das sein – wenn ich so viel Geld auf den Tisch lege, will ich ungetrübte Spielfreude.

Der Cayin N7 im Teamplay mit einem Sendy Audio Aiva

Der Cayin N7 im Teamplay mit einem Sendy Audio Aiva

Im Vergleich zu meinem Chord-Duo sind Unterschiede zu vernehmen. Der Cayin N7 erzeugt minimal mehr atmosphärische Dichte, dadurch gleichzeitig mehr emotionale Spannung und tönt insbesondere, wenn er in Class A mit dem symmetrischen 4,4-mm-Anschluss betrieben wird, einen Hauch luftiger. Ja, gerade per 4,4-mm-Anschluss und Class A wirkt der Cayin N7 auf mich noch involvierender – und auch wärmer. Um nicht falsch verstanden zu werden, der N7 verlässt dabei nicht merklich den neutralen Bereich, sondern bringt in diesen eine Spur Vollmundigkeit ein, wenn man so will.

Das Chord-Duo hingegen präsentiert das Klangbild etwas unverhohlener, nüchterner, was diejenigen ansprechen könnte, die einen eher trockeneren „monitoresken Studioklang“ bevorzugen. Beide Lösungen bieten jedoch ein mitreißendes Hörerlebnis, mit einer Prise mehr Emotion und Lockerheit beim Cayin N7 und etwas mehr Augenmerk auf unbeirrte Sachlichkeit bei meinen Chords.

Auf die Pauke hauen – der Bassbereich

Sinikka Langeland Wind and SunWenden wir uns den tiefen Tönen zu. Und zwar mithilfe des Stücks „Row My Ocean“ von Sinikka Langeland (Album: Wind and Sun), das zunächst über den A&K Kann Cube läuft. Dieser kommt mit voluminösem, ja schön kräftig und satt abgestimmtem Bass – was ihm automatisch besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden lässt. Ich fühl mich wohl, wenn die tiefen, paukenartigen Schläge impulsiv und druckvoll aufs Trommelfell treffen und die angeschlagenen Basssaiten schön präzise und griffig tönen. Über den Cayin N7 klingen die Paukenschläge ebenso laut und voluminös, dabei aber präziser. Und irgendwie intensiver, auch weil sich deren Ausklingen deutlicher nachverfolgen lässt. Insbesondere für den Class-A-Betrieb des Cayin gilt dies, beim Umschalten auf Class AB zeigt sich eine kühlere, weniger wohlige Klangcharakteristik. Und das ist gut so, da Geschmäcker verschieden sind und die Wahl zwischen den Betriebsarten ja auch hörbare Veränderungen zeitigen sollte.

Chord Hugo und Cayin N7 im Vergleich

Cayin N7 und Chord Hugo im Vergleich

Mein Chord-Duo schließlich überzeugt bei der Wiedergabe der tiefen Paukenschläge mit noch mehr Autorität, Festigkeit und einer majestätischen Souveränität. Das hat schon was Erhabenes.

Räumlichkeit und Feindynamik

In Bezug auf die Feindynamik und räumliche Darstellung sind der Cayin N7 und die anderen genannten Lösungen ohne jeden Makel. Dennoch gibt es Unterschiede im Detail. Bei Schostakowitschs Sinfonie Nr. 13 in b-Moll, Op. 113 („Babi Yar“), die ich kürzlich im Stuttgarter Beethovensaal hören durfte, liefert der Cayin N7 eine – wie nach dem bisher Gesagten auch zu erwarten steht – präzise und lebhafte Vorstellung. Der Cayin-DAP folgt den zuerst leisen und dann im Hintergrund anschwellenden Blechbläsern mit plastischer Kontur und präziser Positionierung. Dabei vermengt er die Orchestrierung selbst in den dramatisch dichten Passagen nicht zu einer unübersichtlichen Masse. Sie bleibt bis an die äußersten Ränder hin klar durchhörbar. Auch die Bühnentiefe erscheint authentisch gestaffelt. Hier tritt der Tenor hervor, während die aufgefächerte Instrumentierung ihn quasi einrahmt.

Der Cayin N7 auf seiner Verpackung

Der Cayin N7 frisch ausm Karton …

Im Vergleich dazu wirkt der Kann Cube, wenngleich wir hier von Nuancen sprechen, räumlich enger eingefasst und vordergründiger, direkter. Die Chord-Kombination hingegen ähnelt hier mehr dem Cayin N7, staffelt allerdings noch eine kleine Schippe deutlicher in die Tiefe und auch präziser in die Breite. Aber von Tag-und-Nacht-Unterschieden kann hier ebenfalls keine Rede sein: Etwas großzügiger und entspannter der Raum bei der Chord-Kombi, während der Cayin N7 minimal kompakter zeichnet, was man auch als konzentrierter und spannungsgeladener empfinden kann.

Weitere Vergleiche

Einen kurzen Vergleich mit dem Kopfhörer-Teil eines stationären Kopfhörer-DACs wie dem RME-ADI 2 FS finde ich noch interessant. Tatsächlich bildet der von einem Eversolo DMP-A6 in der Master Edition (1.299 Euro) bestreamte RME über die Audeze LCD-X Kopfhörer mit Schostakowitsch räumlich minimal enger ab; wenn man so möchte: auch fokussierter. Vor allem aber nüchterner, das erzneutrale Klangbild des RME und das emotional intensivere Klangbild des Cayin N7 bilden durchaus Gegensätze.

Noch deutlicher zeigen sich die Unterschiede zu einem Dongle wie dem Lotoo PAW-S1. Schostakowitschs 13. Sinfonie erscheint im Vergleich zum Cayin N7 räumlich flacher und in seinen Strukturen weicher gezeichnet. Die verminderte Randschärfe und damit verbundene kompaktere Abbildung reduzieren die musikalische Dramatik zusätzlich.

Die Verpackung des Cayin N7

… und wieder zurück in der Kiste, goodbye!

Billboard
Abacus Cortex 11w

Test: Cayin N7 | Mobiler Player (DAP)

  1. 1 Der Freigeist
  2. 2 Cayin N7 – Hörtest & Vergleiche