Fritz Schwertfeger

Fritz SchwertfegerAls jüngster Filius unter deutlich älteren Geschwistern aufzuwachsen ist manchmal gar nicht so verkehrt. Statt TKKG oder den 3 Fragezeichen liefen mit einer Geschwindigkeit von 33 1/3, Nazareth, Black Sabbath oder Led Zeppelin unentwegt in Dauerrotation auf dem Plattenteller des Dual-Plattenspielers. Gut, ich gebe es zu, als “hust, räusper“ Musiker konnte ich definitiv keinen Preis gewinnen. Blockflötenunterricht? Totales Desaster. E-Gitarre? Schrecklich, nach einer Sehnenscheidenentzündung auch vollkommen ad acta gelegt. Aus der Traum also von verrauchten Hallen, durchzechten Nächten, Groupies und … hab ich das jetzt echt geschrieben? Kurzum, ein Leben von dem man als jungpickliger Teenie träumt, blieb mir mangels Talent schlicht verwehrt, schmälerte aber nicht im Geringsten Pathos und Leidenschaft zur Musik.

Ob Zeitungen austragen, Kellnern oder in den Ferien jobben, alles was Investitionspuffer für neue Anlagenkomponenten schaffte, kam gerade recht. So fanden nach und nach die damals angesagten Sony ES Komponenten ihren Weg in mein Rack und sind auch fast zwei Jahrzehnte später noch im Einsatz. Die musikalische Entdeckungsreise ging weiter, während irgendwann die unvermeidliche, weil damals angesagte Rap-Hysterie nicht spurlos an mir vorbeiging. Nach diesem kurzen Gastspiel gaben sich  Bob Marley, Jimi Hendrix, The Doors und zahlreiche Singer-Songwriter Legenden musikalisch die Klinke in die Hand. Es folgten Ausflüge in Richtung Jazz sowie Klassik, die den musikalischen Horizont nochmals dramatisch erweiterten. Es muss die Zeit zwischen siebzehn und Ende zwanzig gewesen sein, die mir am meisten Eindrücke und Erinnerungen hervorruft. Unzählige Abende, in denen ungestört vor der Anlage liegend gelauscht und genossen wurde, um nicht selten den nächste Morgen immer noch an selber Stelle liegend und den Schlaf aus den Augen reibend, zu begrüßen. Erinnerungen an von elektronischer Musik durchtränkte Nächte im alten Münchner Flughafen, Forte bei klassischen Konzerten, Henry Rollins Live … ja, in jungen Jahren war man schon viel unterwegs.

Nach technischer Ausbildung und Studium wurden die Konzerte (sowie Haare) weniger, dafür aber die Komponenten im trauten Heim hochwertiger und dank der (unendlichen) Güte der Liebsten gleichmäßig in alle Wohnräume verteilt. Von analog bis digital, Stereo- oder Mehrkanal, Kopfhörer oder Flächenstrahler, zu einer friedliche Koexistenz finden sie alle zusammen. Festlegen auf eine Form oder Lehre der Wiedergabe ist nicht mein Ding. Die Neugier ist es die mich antreibt, Mono-Endstufen, Class D? Alles muss probiert werden und ebenso wie bei einem Wein verschiedene Geschmackstöne zu einem Gesamtbild verschmelzen liefern unterschiedliche Ansätze in der Wiedergabe auch tonal fein changierende Ergebnisse. Hell oder Dunkel, schmal oder breit, kraftvoll oder zart, Musik muss bewegen und begeistern, ganz gleich in welcher Form sie interpretiert wird.

Noch während des Studiums, in verschiedenen Stuttgarter Verlagen jobbend, lernte ich die  redaktionellen Gepflogenheiten kennen, assistierte und schrieb erste Rezensionen. Es muss im Jahr 2011 gewesen  sein, als ich das Stuttgarter AUDIO Team unterstützen durfte. Experten wie Bernhard Rietschel, Johannes Maier, Holger Biermann, Malte Ruhnke, Stefan Schickedanz, Christof Hammer, Christine Tantschinez und viele mehr gewährten während der Zeit, in der ich für AUDIO/audio.de/AUDIOphile schrieb geduldig einen Blick über ihre Schulter.

Seit 2015 steht mein kleiner Blog audisseus.de auf eigenen Füßen und will mit Inhalten und Artikeln gefüllt werden. Darüber hinaus fühle ich mich auch seit 2016 als Autor für fairaudio verpflichtet, den ungefilterten Blick und Eindruck auf das getestete Equipment weiter zu reichen. Gerade demjenigen, der guten Gewissens seine verdienten Moneten investieren möchte, soll frei von Subjektivität ein Überblick, eine Geschmacksprobe wenn man so möchte, vermittelt werden.

Das bringt mich auch elegant zu meinen Vorlieben, alles was die Geschmacksnerven positiv reizt:  Sei es gutes Essen, ein gut temperierter Wein, schottischer Whisky in allen Variationen. Zum Rosenzüchter werde ich es wohl eher nicht bringen, aber draußen im Garten oder in der Natur zu sein, das freut das Gemüt durchaus. Bücher sind eine weitere Passion, nur bleibt vom Tag recht wenig Zeit übrig, um das hohe Lesepensum von einst zu erreichen. Die Vinyl-Leidenschaft, ein Faible für Kopfhörer und ein so langsam altersschwacher Youngtimer sorgen für graue Haare. Macht aber nichts, man muss nicht mehr der Jüngste sein.

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