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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Auf den Punkt!
  2. 2 KEF LSX im Soundcheck

Falls Sie vor einiger Zeit die Rezension meines geschätzten Kollegen Nick Mavridis zur KEF LS 50 Wireless gelesen haben und der Preis dieser eleganten, wohlklingenden Streaminglautsprecher nicht ganz zu Ihrem Budget passte, dann habe ich eine gute Nachricht für Sie: Der britische Hersteller (www.kef.com) hat der LS 50 Wireless eine kleine Schwester namens „KEF LSX“ spendiert, die mit 1.199 Euro ungefähr die Hälfte kostet. Doch kann man diesen Lautsprecher trotzdem „für voll nehmen“?

Konnektiv

KEF LSX

Die KEF LSX sind – ebenso wie ihre größeren Schwestern – WLAN-Streaminglautsprecher und beherrschen darüber hinaus mit Apple AirPlay 2 sowie Bluetooth 4.2 aptX weitere Kabellos-Techniken. Genau genommen sind sie sogar „noch kabelloser“ als die LS 50 Wirelesss, denn sie benötigen neben den obligatorischen Netzkabeln keine LAN-Verbindung zwischen Master- und Slavelautsprecher. Vielmehr connecten sich beide Boxen über ein proprietäres 2,4-GHz-WLAN und können auf diese Weise Material bis zu einer Auflösung von 48 kHz und 24 Bit wiedergeben.

Rückseite des KEF-LSX-Master-Lautsprechers

Rückseite des KEF-LSX-Master-Lautsprechers

Wem das nicht reicht, der spannt das netterweise im Lieferumfang enthaltene Netzwerkkabel zwischen Master und Slave und erhöht so die mögliche Samplingrate auf bis zu 96 kHz, dezenter Klangzugewinn inklusive. Und falls Sie gerne noch mehr Kabel stecken möchten, an der KEF LSX soll es nicht liegen: Sie können an den Masterlautsprecher nämlich auch eine analoge Quelle anschließen (3,5-mm-Stereoklinkeneingang) oder eine digitale – ein Toslink-Eingang ist jederzeit bereit, gepulstes Laserlicht entgegenzunehmen.

Anschlussfeld der KEF LSX

Anschlussfeld der KEF LSX

Konzept

Konzeptionelles Herzstück der LSX ist – wie bei fast allen aktiven und passiven Lautsprechern aus dem Hause KEF – natürlich der Uni-Q-Treiber: ein Koaxialsystem, bei dem ein Kalottenhochtöner mit Aluminiummembran in der Mitte des Tiefmitteltöners platziert wurde. Wer sich genauer mit der dahinterstehenden Technologie befassen möchte, dem empfehle ich einen Seitenblick in unseren Test des Standlautsprechers KEF R7, wo Michael Bruss allerlei Erhellendes über diesen „Leib-und-Magen-Treiber“ der Briten notiert hat – und wo auch eine Querschnittzeichnung den Aufwand verdeutlicht, den KEF hier treibt, um sich dem Ideal der Punktschallquelle zu nähern.

KEF LSX - Uni-Q-Koaxialtreiber

Class-D-Endstufen treiben Hoch- und Tiefmitteltöner der KEF LSX an. Für Letzteren stehen 70 Watt Sinusleistung zur Verfügung, für Ersteren 30 Watt. Ein vorgeschalteter DSP sorgt nicht nur für die Zuteilung der Frequenzen, sondern auch für die Zeitrichtigkeit beziehungsweise Synchronisierung beider Treiber – auf dass der eine nicht dem anderen vorauseile. Damit dem verbauten Rechenknecht nicht langweilig wird, übernimmt er auf Zuruf noch weitere Aufgaben: Die KEF LSX kann tonal auf verschiedene Einsatz- und Klangszenarien abgestimmt werden. Später mehr dazu.

KEF LSX Detail Stoffeinfassung

Die Seiten der KEF LSX sind mit Stoff verkleidet

Zunächst noch ein Blick auf Look und Verarbeitung. Man sieht, dass die Designer und Entwickler Freiräume hatten und dass bei der Fertigung nicht am falschen Ende gespart wurde. Die an den Ecken abgerundete Frontwand ist konvex angelegt, das dürfte Kantenreflexionen deutlich mindern – und es sieht auch noch gut aus. Die Seitenwände sind mit einem farblich passenden Industriegewebestoff verkleidet und geben der sehr „clean“ anmutenden Box einen hübschen wohnlichen Kontrast.

Bei der KEF LSX sind die Seiten mit Stoff verkleidet

Im Netz

Und nun bringen wir die KEF LSX ins Netz! Das gestaltet sich erfreulich unkompliziert. Es gibt ja durchaus Aktiv-Lautsprecher, mir fällt da beispielsweise der Linn Kiko ein, die für ihre Erstinbetriebnahme zwingend ins WLAN eingebunden werden müssen, selbst wenn sie später nur kabelgebundene Quellen wiedergeben sollen. Die KEF LSX hingegen kann man einfach auspacken und mit der beiliegenden Fernbedienung in Gang setzen – wenn man sich denn auf Bluetooth-Wiedergabe, den Toslink-Eingang oder die 3,5-mm-Stereoklinke beschränkt. Doch das hieße im Grunde „Perlen vor die Säue werfen“, wir wollen schließlich streamen.

Die Bassreflexöffnung der KEF LSX befindet sich auf der Rückseite

Die Bassreflexöffnung der KEF LSX befindet sich auf der Rückseite

Hierzu laden wir im GooglePlay-Store oder bei Apple die „KEF Control“-App herunter. Nach dem Start der App verlangt diese, dass man sich mit dem Smartphone (oder iPad oder was auch immer) in das von den LSX aufgespannte WLAN einwählt. Sodann tippt man in die App den Namen des hauseigenen WLANs sowie das Passwort ein – die App schreibt den KEF LSX die Informationen ins Stammbuch und bootet sie neu: fertig!

Für die Einstellung der Audio-Settings der LSX stellt die „KEF Control“-App einen Basic- und einen Expert-Modus bereit

Für die Einstellung der Audio-Settings der LSX stellt die „KEF Control“-App einen Basic- und einen Expert-Modus bereit

Wer mag, kann jetzt die Audio-Settings, von denen ich zuvor sprach, feintunen. Hierfür gibt es einen Basic- und einen Expert-Modus. Im Basic-Modus wählt man per Schaltfläche, ob der Lautsprecher auf Ständern oder dem Schreibtisch steht und stellt über virtuelle Schieberegler ein, wie viele Zentimeter der Lautsprecher vom vorderen Tischrand sowie von der nächstgelegenen Rückwand entfernt ist. Weiterhin kann angegeben werden, ob die vorliegende Raumakustik eher gedämpft ist oder „zum Mitsingen neigt“ und welche Quadratmetergröße der Raum hat. Der Expertenmodus erlaubt einige weitere Tunings, zum Beispiel die Feintrimmung von Bässen und Höhen, aber auch die Einstellung der Übergangsfrequenz für den optional anschließbaren Subwoofer. KEF bringt übrigens regelmäßig Firmware-Updates für die Lautsprecher heraus, auch diese werden – so nötig – über KEF Control initiiert.

Ist einmal alles eingerichtet – was bei mir keine fünf Minuten gedauert hat (ohne Firmware-Update, das dauert länger) –, kann man sofort loslegen und das eigene Smartphone als Fernbedienung nutzen. Vier Buttons stehen zur Verfügung, um zwischen AUX, optischem Eingang, Bluetooth oder WLAN/LAN-Streaming umzuschalten. Die unter den Uni-Q-Treibern platzierten Leuchtanzeigen quittieren die jeweilige Einstellung durch unterschiedliche Farben.

KEF LSX, gestapelt

Bei der Erstbenutzung erlebt man noch eine kleine Überraschung: Wer abseits von Apple Airplay 2 streamen will, der muss sich noch eine zweite App namens „KEF Stream“ herunterladen, die wiederum aus der Control-App heraus geöffnet wird, aber auch als Stand-alone-App funktioniert. Keine Sorge, der minimale Aufwand lohnt sich, denn die KEF-Stream-App ist durchdacht und läuft stabil und flink.

Beispielhafte Screenshots von der „KEF Stream“-App

Screenshots von der „KEF Stream“-App

Auf einen Blick sieht man alle im Netzwerk vorhandenen Mediaserver und kann sich – wie man’s von anderen Streaming-Apps her kennt – durchklicken, nach verschiedenen Kriterien filtern und suchen, Playlists und Favoriten anlegen und vieles mehr. Wer wie ich einen Tidal-Account hat, kann seine Nutzerdaten in der App speichern und die Songs direkt von dort „abfahren“, was bestens funktioniert. Spotify Connect gehört ebenfalls zum Feature-Set, Roon-kompatibel sind die Kleinen auch. Jetzt muss es eigentlich nur noch gut klingen.

KEF LSX im Soundcheck

Ich habe die KEF LSX sowohl auf meinem Schreibtisch als auch freistehend auf Ständern im Arbeitszimmer (14 qm) gehört – bis auf wenige Details lässt sie für beide Einsatzszenarien ein recht kohärentes und vergleichbares Gesamtbild erkennen.

KEF LSX, übereinander

Dürfte ich nur ein einziges Adjektiv verwenden, um diesen Lautsprecher zu charakterisieren, dann würde ich „transparent“ nehmen – und das gilt gleich in mehrerlei Hinsicht: Es betrifft zum einen die Raumdarstellung, die tatsächlich im positiven Sinne das Klischee der Punktschallquelle bedient. Selbst am Schreibtisch, erst recht aber bei freistehender Aufstellung, liefert sie eine klar ausgeleuchtete Bühne, auf der die Akteure exakt ortbar sind – in der Breite wie in der Tiefe. Auf dem Desktop mit nur sehr geringem Wandabstand nach hinten öffnet sich die Bühne naturgemäß eher nach vorne in einem realistisch erscheinenden, breiten Oval, hat aber auch noch einige Zentimeter hinter den Lautsprechern Platz. Bei freistehender Aufstellung spielt die KEF weniger, aber doch immer noch ein wenig nach vorne – und ein gutes Stück weiter nach hinten.

Süßer Platz

Radiohead - Kid ADas Schöne daran ist, dass diese Bühne auch dann stabil bleibt, wenn der Hörer sich seitlich, nach vorne oder hinten bewegt. Hier kann man schon fast nicht mehr von einem Sweet Spot, sondern von einem Sweet „Place“ sprechen. Bei Radioheads Stück „How to disappear completely“ (Album: Kid A; auf Amazon anhören) beispielsweise buhlen neben Thom Yorkes Gesang zwei akustische Rhythmusgitarren, eine elektrische Gitarre, Bass, umfangreiches Schlagzeug und ein sehr bizarr – ähnlich wie ein Theremin – klingendes Instrument namens Ondes Martenot sowie diverse kreischende und eiernde Synthesizerspuren um die Aufmerksamkeit des Rezipienten. Ja, der Track ist nah an der Katzenmusik. Interessanterweise kann er aber zum absoluten Genuss werden, wenn die Wiedergabekette den strengen Platzanweiser gibt und den Schallquellen konkrete Koordinaten zuweist.

KEF LAS, Vorder- und Rückseite

Ebendas geschieht bei der KEF LSX, und zwar nachgerade messerscharf. Auf diese Weise lassen sich die feinen tonalen Reibungen zwischen den Synthesizern und dem Ondes Martenot, aber auch zwischen den verschiedenen Gitarren, genau ausmachen. Das bringt neben dem intellektuellen auch einen durchaus sinnlichen Hörspaß. Meine Nubert nuPro A-100 (570 Euro) beispielsweise löst zwar diesbezüglich auch gut auf, sie nagelt aber salopp gesagt nicht nur die Schallquellen, sondern auch den Rezipienten mehr im Sweet Spot fest. Die KEF LSX verzeiht bei freistehender Aufstellung sogar, wenn man ein paar Schritte umhergeht, die Ortungspräzision bricht keinesfalls ein.

Tonales

Phillip Boa & The Voodooclub - Earthly PowersTransparent ist die LSX aber auch in tonaler Hinsicht. Und zwar besonders im Hochtonbereich, der ein echtes Sahnestückchen ist. Das lässt sich schön bei „Cowboy on the Beach“ von Phillip Boa & The Voodooclub (Album: Earthly Powers; auf Amazon anhören) verfolgen. Hier kommt Obertonreiches zum Einsatz: im Bereich des Schlagzeugs eine marschtrommelartig gespielte Snaredrum, dazu abgestopptes Schellentamburin und zahlreiche Becken inklusive Hi-Hat. Hinzu treten recht gleißende Gitarreneffekte und die elfengleiche, mehr hauchende als singende Stimme von Boas Gesangsdouble Vanessa Anne Redd. Die KEF LSX fächert alle diese Elemente klar und gut unterscheidbar vor dem Hörer auf, ohne dabei ein „zischeliges Geschmier“ abzugeben. Auch hier wirkt sie der günstigeren Nubert nuPro A-100 überlegen, die gerade im Hochton eine gewisse Präsenz hat, die jedoch nicht mit einer ebensolchen Feinauflösung einhergeht. Bei der KEF LSX ist es eher so, dass der Hochtonbereich zunächst dezent anmutet, dabei aber trotzdem alle wichtigen Details aufs Tapet bringt. Das funktioniert übrigens auch bei Sprache, die über die KEF LSX ausnehmend gut verständlich ist. Saubere Sache.

Während der Hochton als preisklassenbezogene Stärke durchgeht, bietet die KEF LSX im Mitteltonbereich Normalmaß: neutrale Gangart, keine auffallenden Welligkeiten im Frequenzgang, alles Wichtige wird geboten. Aber auch nicht mehr. Um einmal eine Abgrenzung nach oben vorzunehmen: Meine dreimal so teure Harbeth 30.1 (circa 3.500 Euro) baut das Klangbild geradezu lustvoll aus den Mitten heraus auf und differenziert gerade klassische Instrumente und Gesangsstimmen in farbenprächtiger, feinaufgelöster Art und Weise. Ja, in der Hinsicht geht schon noch mehr.

KEF LSX - Koax-Treiber

Im Tiefton zeigt die KEF LSX zunächst einmal das, was man bei einer kleinen Kompakten erwartet: eine minimale Oberbassbetonung bei gleichzeitiger Zurückhaltung in den untersten Oktaven. Letzteres ist systemimmanent. Positiv empfinde ich, dass die leichte Oberbassanhebung für ein insgesamt angenehm rund-sonores Klangbild sorgt, das zum sehr detailreichen, trotzdem aber nicht überpräsent erscheinenden Obertonbereich super passt.

Dynamik

Frank Zappa - Roxy & ElsewhereWie hält sie’s mit der Dynamik? Hier wird angesichts der Größe eine durchaus reife Leistung geboten. Frank Zappas Instrumental-Track „Don’t you ever wash that thing?“ (Album: Roxy & Elsewhere; auf Amazon anhören) ist diesbezüglich eine echte Feuerprobe: Irrsinnige Soli von Schlagzeug, Posaune, E-Piano, durchdrehendes Marimbaphon, waffenscheinpflichtiges Gitarrenspiel – das alles mit immer wieder überraschend abrupten Laut-leise-Wechseln: Über die KEF LSX ist man so dicht dran, wie man es mit einem Audiosystem dieser Größe und dieses Volumens sein kann.

Auch die dynamischen Feinabstufungen gelingen gut: So spielt gerade das Marimbaphon mit sehr unterschiedlichen Pegeln, es schraubt sich hoch und wieder runter – über die KEF LSX bekommt man das nicht nur mit, wenn es solo spielt, sondern auch, wenn drumherum mal wieder Getöse ausbricht. Klar, Passivsysteme können das genauso gut, größere Passivsysteme mit mehr Leistung und Membranfläche auch noch besser – dafür braucht’s aber schon einen zupackenden und leistungsstarken Verstärker. Die Schaltverstärker in der KEF LSX holen aus ihren 2 x 100 Watt jedenfalls alles raus, was geht. Das rockt.

KEF LSX, Einzelaufnahme

Ja, natürlich: All das gilt für gewisse Maximalpegel. Die KEF LSX ist kein Diskothekenlautsprecher. Und sie kann – und will – sicherlich auch nicht mit großen Stand- und/oder Dreiwegelösungen konkurrieren. Im Desktop-Einsatz und auch in Räumen bis circa 15 Quadratmeter dürfte aber kaum Bedarf nach zusätzlichen Leistungsreserven aufkommen.

KEF LSX, Rückseite des Slave-Modells

Test: KEF LSX | Streaming-Lautsprecher

  1. 1 Auf den Punkt!
  2. 2 KEF LSX im Soundcheck
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