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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Generation XII
  2. 2 KEF R7: Klangtest und Vergleiche

Als Tester, der dankenswerterweise von den fairaudio-Kollegen gerne mit den etwas höherpreisigen Testgeräten bedacht wird, fühlt man doch hin und wieder einmal das Bedürfnis, sich klanglich zu erden. Da kommt so ein Lautsprecher in der „Um-3.000-Euro“-Klasse gerade recht, dachte ich (Web: http://de.kef.com/; Preis des Testgerätes: 3.198 Euro).

Doch wie viel Arroganz hinter diesem eigentlich unschuldigen Gedankengang steckt, sollten mir die KEF R7 schon beim Auspacken andeuten – und spätestens nach einer gebührenden Einspielzeit auch akustisch einbläuen. Was ich da aus den beiden erstaunlich großen Kisten schäle, ist handwerklich keine Mittelklasse, sondern ein absolut erstklassig verarbeitetes Designstück. Das liegt zum einen am mehr als routiniert aufgetragenen Hochglanzlack, der das eingefangene Licht ohne jegliche optische Wellenbildung spiegelt und sich unter den Fingerkuppen schön samtig glatt anfühlt. Ganz ehrlich: An so etwas scheitern einige deutlich höher bepreiste Lautsprecher.

KEF R7

Ein zweiter Grund für den positiven ersten Eindruck sind die ausgewogenen Proportionen des Drei-Wege-Standlautsprechers aus der neu aufgelegten R-Serie des Herstellers. Man hört ja des Öfteren das Wort vom „sexy Lautsprecher“, und hier trifft es zu wie kaum sonst. Ja klar, die Briten haben sich mit ihren Top-Modellen Blade und Muon auf Spitzenplätze im Erotik-Ranking für Lautsprecher designt, jedoch bedient sich die KEF R7 nun mal eines konventionellen, rechtwinklig gebauten Gehäuses, das allein über die Relationen von Breite, Höhe und Tiefe seine Attraktivität und Ästhetik realisiert. Schlank, hoch aufgeschossen und dank der vier stabilen Spike-Ausleger dennoch mit einer gewissen optischen Gravität ausgestattet, wirken die KEF R7 erwachsener als ich es mir vorgestellt hatte, und sind dabei sogar etwas höher als meine Lansche Audio No. 3.1 SE – tragen im Raum aber weniger auf als selbige. Und das, obwohl sie zur optimalen Klangentfaltung fast auf dem gleichen Platz stehen wie die gut sechsmal so teuren, „kleinen“ Lansches mit ihren 20er-Tief-/Mitteltontreibern und den 22er-Woofern im Sockel.

Flotter Dreier

Dabei besitzen die KEF R7 je Kanal „nur“ zwei Tieftöner mit einem Korbdurchmesser von 16,5 Zentimeter, die den bekannten Uni-Q-Treiber von KEF von oben und unten in einer D’Appolito-artigen Anordnung flankieren. Diese beiden Tieftöner sind übrigens die dritte Schlüsselkomponente für die Ästhetik der KEF R7: Sie kommen ohne Staubschutzkappe aus und lassen die deshalb perfekt konkaven Membranen fast nahtlos in die Zierringe der Lautsprecherkörbe übergehen.

Querschnitt des Tieftöners der KEF R7

Querschnitt des Tieftöners der KEF R7

Die sehr schmale Sicke der Chassis ist dabei kaum sichtbar, was den technoiden Aspekt der Treiber minimiert und sie eher zu einem eigenständigen Designelement werden lässt – zum Glück, ohne dabei die Form über die Funktion zu erheben. Die Membranen selbst sind zweilagig aufgebaut, mit einer auf einer Papiermembran aufgebrachten Aluminiumfolie. So sollten sich Steifigkeit und innere Dämpfung die Waage halten – meiner Intuition nach eventuell mit einer kleinen Tendenz hin zur steifen Auslegung. Im Zusammenspiel mit der speziellen Geometrie der Membran und einem kräftigen Magneten, der über ein besonders homogenes Magnetfeld verfügen soll, will KEF eine annähernd optimale kolbenförmige Bewegung der Membran erzielen. Beides sind Maßnahmen, die das Impulsverhalten positiv beeinflussen sollten, was in meinen Augen einer der wichtigsten Parameter für eine als naturgetreu und „livehaftig“ empfundene Wiedergabe ist – wichtiger jedenfalls als ein perfekt linearer Frequenzgang.

Explosionszeichnung des in der KEF R7 verbauten Uni-Q-Koax-Treibers

Explosionszeichnung des Uni-Q-Koax-Treibers der KEF R7

Der Dritte im Bunde, das berühmte Uni-Q-Chassis, ist bekanntermaßen ein Koax-Treiber – allerdings kein ganz gewöhnliches Modell. Wie kaum ein anderer Hersteller hat KEF sich nämlich darauf eingelassen, dem Prinzip seine Schwächen (die sich bewegende Mitteltonmembran fungiert als „variables Horn“ für den Hochtöner und kann so ungewünschte Signalmodulationen hervorrufen) auszutreiben und die Stärken (Quasi-Punktschallquelle) somit ungetrübt in den Vordergrund zu stellen.

Uni-Q-Chassis

Das Uni-Q-Chassis

Um dies in der mittlerweile 12. Generation (!) dieser Chassis noch besser als zuvor zu erreichen, wurde der Übergangsspalt zwischen Hochtontreiber und der hier 13 Zentimeter durchmessenden Mitteltonmembran nochmals minimiert und optimiert, was laut Hersteller Resonanzen und damit Klangverfärbungen weiter reduzieren soll. Um den Mitteltontreiber herum, welcher mit den charakteristischen, strahlenförmig verlaufenden Verstrebungen auf der Membran ausgestattet ist, befindet sich der sogenannte „Shadow Flare“, ein etwa dreieinhalb Zentimeter breiter, flach gewölbter Ring aus Hartplastik. Er soll dafür sorgen, dass klangschädliche Schallbeugungen an den Gehäusekanten so gut wie ausbleiben. Der Hochtöner selbst ist mit dem bekannten „Tangerine“-Waveguide ausgestattet, über dessen genaue Funktionsweise Sie sich bei Bedarf eingehend im Test der KEF Reference 3 informieren können.

Explosionszeichnung vom Tieftöner der KEF R7

Explosionszeichnung vom Tieftöner der KEF R7

Nicht ganz unerheblich für den guten Klang ist neben den Treibern auch die Frequenzweiche, über die KEF bis auf die Übernahmefrequenzen der Treiber (400 Hertz von den Bässen zum Mittentreiber und 2.900 Hertz von diesem zum Hochtöner) nicht allzu viel nach außen dringen lässt. Bevor das Signal zur Weiche findet, muss es in jedem Fall das praktische Bi-Wiring-Terminal passieren. Praktisch deshalb, weil man keine fummeligen Kabel oder klangverschlechternde Blechbrücken mehr benötigt, wenn man mit einem Standardkabel Einlass ersucht. Stattdessen befindet sich zwischen Hoch-/Mittelton- und Bassklemmen für den Plus- und den Minuszweig je ein „Link“-Drehschalter, der innerhalb von Sekunden eine Verbindung herstellt oder sie eben wieder kappt. Clever!

Bi-Wiring-Terminal der KEF R7

Das Bi-Wiring-Terminal der KEF R7

Klammersystem

In den Gehäusen der aktuellen R-Serie kommt ein System zur Schwingungsdämpfung zum Einsatz, das sich innenliegender Verstrebungen bedient, die über eine „verlustbehaftete Schnittstelle“ miteinander verbunden sind. Mit diesem „Constrained Layer Damping“ will KEF unerwünschte Schwingungen, die den Klang verfärben könnten, effektiv unterdrücken. Und damit der Bass der KEF R7 seine untere Grenzfrequenz von 48 Hertz (-3 dB) mühelos erreicht, setzt KEF zwei Bassreflexrohre ein, die über eine flexible Wandung verfügen, aber nicht wie in der Reference-Serie auswechselbar sind. Der flexible Teil des Rohrs soll längs verlaufenden Resonanzen entgegenwirken, die den Mitteltonbereich verfärben könnten, und mit Hilfe der sogenannten „Computational-Fluid-Dynamics“-Technologie berechnet KEF die jeweils perfekte Öffnungsgröße und das Profil des Ports, was wiederum Luftturbulenzen am Austritt schon im Ansatz verhindere, so die Briten. Ach, 48 Hertz sind aber nicht gerade sehr tief für eine Standbox, sagen Sie? Nun, das stimmt – allerdings ist diese Angabe auf die Messung im Freifeld bezogen. Die für den realen Einsatz maßgeblichere Zahl ist 27 Hertz (bei -6 dB) in typischen Hörräumen. Und das deckt sich auch schon viel besser mit dem, was ich im Hörtest erfahren durfte …

KEF R7 schräg

KEF R7: Klangtest und Vergleiche

Yello-FlagDie KEF R7 kann trotz ihres unbestreitbar vorhandenen Basspotenzials problemlos auch in mittelgroßen Räumen ab etwa 20 Quadratmeter spielen. Die typischen kritischen Resonanzfrequenzen im Gros solcher Räume liegen, bedingt durch die Wandabstände und Deckenhöhen, oft um etwa 70 bis 120 Hertz. Das ist ein Bereich, in dem die KEF R7 sich gefühlt minimal zurückhalten (und diese Zurückhaltung setzt sich im Grundton ebenso subtil fort), sodass Dröhneffekte mit einiger Sicherheit in der Mehrzahl der Standardwohnräume ausbleiben. Dennoch kommt dank des kräftigen Tiefbasspotenzials, der die Werksangabe von 48 Hertz für die untere Grenzfrequenz im Freifeld endgültig als reines Theoretikum entlarvt, ein angenehm voller Klang zustande. „Oto di Catania“ von Yellos Klassiker Flag (auf Amazon anhören) belegt diese praxisnahe Auslegung des Bassbereichs in meinem 25 Quadratmeter großen „Norm-Wohnzimmer“ eindrucksvoll: Wo meine gut sechsmal so teure Lansche 3.1 SE aufgrund der Maße des Raums schon etwas zum Aufdicken neigt (stehende Welle bei 80 Hertz), verwöhnt die KEF R7 mit einem gefühlt lineareren Frequenzgang zwischen 60 und 200 Hertz – es kommt eben doch nicht immer auf den Preis an, manchmal ist’s auch einfach nur die „Chemie“ zwischen Raum und Lautsprecher, die stimmen muss.

Klar, der Tiefbass der KEF R7 fällt im Großen und Ganzen – angesichts des enormen Preisgefälles sicherlich verständlich – nicht ganz so wuchtig, kontrolliert und im untersten Bereich klar durchzeichnet aus wie mit den Lansche 3.1, doch fügt er sich im tonalen Gesamtkontext passgenau in die Akustik meines Raumes ein und steht qualitativ wie quantitativ dem der Dynaudio Excite X38 (circa 3.000 Euro) mit ihren beiden 18er-Bässen in nichts nach.

KEF R7 in Walnussfurnier

Die KEF R7 in Walnussfurnier

Im Herzen Schweizer?

Tonal geben sich die KEF R7 im Mittelton, und da vor allem im Stimmbereich, so neutral wie die Schweiz. Die R7 leisten sich keine Ausrutscher in dieser für unser Gehör so wichtigen Frequenzzone und stellen sie so glatt und klar wie einen Schweizer Bergsee dar, wobei die Britinnen Stimmen wie die von Jacintha oder Joe Stilgoe – sicher aufgrund des leicht zurückhaltenden Grundtons – nie mit überbetonter Fülle porträtieren.

Necropolis - SacrosanctKlangfarben? Ja, die sind da, danke der Nachfrage – allerdings nicht überbordend in Instagram-Filter-Manier, sondern eher in sachlichen, ruhigen Pastelltönen aufgetragen, was gerade bei Streichern im ersten Moment etwas nüchtern klingen mag. Füllige Violinwellen in den sehnsuchtsvoll-schmachtenden Konzerten von Smetana, Rachmaninow oder Tschaikowski zum Beispiel wogen mit einer Dynaudio Excite X38 schon etwas romantischer und farbsatter auf den Hörer zu. Auf Dauer ist die „züchtige“ Klangfarbengangart der KEF R7 aber durchaus der Differenzierungsfähigkeit im Mittelton zuträglich. Hier deckt, anders ausgedrückt, keine deftig überwürzte Soße den Geschmack der eigentlichen Hauptzutat zu. Besonders verliebt habe ich mich zum Beispiel in die Fähigkeit der KEF R7, einen im Mittelton schön schnarrenden Fretless-Bass sauber und differenziert aus dem Mix herauszustellen, wie auf dem neuen Album Necropolis (auf Amazon anhören) der Alt-Metaller Sacrosanct – dieser Aspekt der Wiedergabe eines E-Basses ist mir als Bassist besonders wichtig, denn dieses so oft in seiner Wichtigkeit für die Musik unterschätzte Instrument definiert seine Identität nicht nur im Tief-, sondern auch und gerade im Mittelton.

Impulsexpress

Im weiten Frequenzbereich vom Mittelton bis in den unteren Hochton spielen die KEF R7 auch fantastisch schnell und impulsgetreu, was unter anderem an einer klitzekleinen Betonung liegt, die ich so ungefähr im Bereich zwischen 2000 – 4000 Hertz verorten würden, also da, wo Drumsticks auf Metall oder Holz treffen, wo Glöckchen ihren Impuls abgeben, nicht aber ihr komplettes Set an Obertonstrahlen auffächern. Das resultiert in einer eifrig anmutenden, lebendigen Frische des Klangbilds, ohne dass die Balance ins Kühle oder Seziererische abdriften würde. So gut erinnere ich das ehrlich gesagt selbst von der Dynaudio Excite X38 nicht, die ich in dieser Disziplin als Meisterin kennengelernt habe. Erst Lautsprecher vom Kaliber der Speaker Heaven Network 3.7 (ab 3.980 Euro) mit ihren Thiel/Accuton-Keramiktreibern können der KEF R7 in Sachen Speed Paroli bieten.

KEF R7 und Lansche-Lautsprecher

Exemplarisch klar wird die Leistung der R7 in dieser Hinsicht auf Quincy Jones‘ Album Birth of a Band, wo die Bläsersätze voller Wucht, mit strahlendem Glanz und dennoch immer sauber und kontrolliert aus den Uni-Q-Treibern schießen, oder mit Yellos „The Race“, dessen Synthies die R7 klar und transparent nachzeichnen und dessen Percussion im hinteren Teil des Stücks über die KEF R7 bemerkenswert akzentuiert im Raum steht und jeden mir in dieser Preisklasse bekannten Geschwindigkeitsrekord bricht. Im Intro des darauffolgenden „Alhambra“ fasziniert die schnalzend-lockere Percussion fast noch mehr, ebenso wie die klar differenzierte Arbeit am Schellenring und das natürlich-menschlich klingende Flamenco-Klatschen. Einzelnen feindynamischen Impulsen schenkt die KEF R7 die ihnen zustehende Aufmerksamkeit – so soll das sein, ist allerdings in dieser Klasse keine Selbstverständlichkeit.

eiji-queDas Beste ist: Dies alles passiert auch bei Pegeln, die so manch anderen Lautsprecher dazu bringen würde, zumindest ansatzweise gestresst zu klingen. Nichts davon ist auch nur im Entferntesten mit den KEF R7 zu hören, die auch nicht vor den ungefilterten Drumattacken auf Jazz at the Pawnshop oder den Tutti und Schlägen der großen Trommel in „Danse Macabre“, effektgeladen interpretiert vom Minnesota Orchestra unter Eiji Oue (auf Amazon), in Live-Lautstärke kapitulieren. Mein Bauchgefühl und der eher durchschnittliche Wirkungsgrad der KEF von 88 dB/W/m sagen mir, dass die R7 für eine optimale Performance kräftige Verstärker mit guter Kontrolle durchaus honorieren dürfte.

KEF R7 im Hörraum

Bescheidenheit ist eine Zier

Die selbst bei hohen Belastungen stressfreie Wiedergabe der KEF R7 resultiert nicht nur aus der an sich schon verzerrungsarmen Charakteristik der Treiber-Hardware, sondern auch aus einem praxistauglich angepassten Hochton und vor allem Superhochton. Statt den Fehler zu machen, ganz oben noch ein Dezibel draufzupacken, um Auflösung zu suggerieren, hat KEF der R7 eine eher subtile, dabei aber keineswegs dunkel gedeckelte, sondern prinzipiell ausgewogene Hochtonabstimmung mit Tendenz zur sinnvollen Zurückhaltung mit steigender Frequenz mit auf den Weg gegeben. Die Dynaudio Excite X38 klingen ganz, ganz oben herum noch einen Tick offener, fein-seidiger und strahlender, können aber insbesondere bei Partypegeln nicht ganz die Ruhe und Sauberkeit der KEF R7 wahren. Ganz zu schweigen von den mit circa 1.900 Euro deutlich günstigeren Focal Aria 926, die im direkten Vergleich, vor allem unter Volllast, bei der Schlagzeugblech-Arbeit auf Jazz at the Pawnshop fast schon überbelichtet und merklich fahriger wirken.

Die Outrigger-Standfüße der KEF R7

Die Outrigger-Standfüße der KEF R7

Königsdisziplin

Die Ausrichtung und Ausdehnung der virtuellen Bühne sowie die Fähigkeit zur dreidimensionalen Darstellung und Abgrenzung von Klangkörpern und Stimmen sind für mich so etwas wie die Königsdisziplin für Schallwandler. Als umso erstaunlicher schätze ich die Qualität der noch leistbar bepreisten KEF R7 in diesen Bereichen ein und auch ihre vielseitige Unkompliziertheit in Abbildungsfragen. Heißt: Je nach Geschmack kann man mit der Aufstellung und Einwinkelung der Lautsprecher in recht großem Umfang spielen, um ein eher weites oder eher kompakt-fokussiertes Klangbild zu erzielen, ohne dass die Abbildung ausrastet (im ursprünglich-wörtlichen Sinne von: „nicht einrastet“) oder gar tonale Unstimmigkeiten auftreten, was auf eine sehr weitwinklige frequenzlineare Abstrahlung des Uni-Q hindeutet. In meinem Raum und für meinen Geschmack ideal erweist sich (bei einer Basisbreite von 2,1 Meter und einem Hörabstand von drei Meter) ein Winkel von etwa 15° zum Hörplatz hin – so spannt sich eine Bühne zwischen den Boxen auf, die mit entsprechender Musik befüllt deutlich mehr in die Tiefe geht als die meiner Lansche 3.1 SE, welche prinzipiell stärker auf und vor der Lautsprecherebene musiziert als die KEF R7, die das Klangbild nicht „nach vorne wirft“, sondern die Boxen-Basislinie eher als Grenze interpretiert.

KEF R7 in Weiß und mit Frontbespannung

KEF R7 in Weiß mit Frontbespannung

Erstaunlich ist nun, dass die Maße der Bühne mit der KEF R7 insgesamt fast ebenso groß ausfallen, und dass die britischen Boxen sogar einigen teureren Modellen mit bestem Leumund gefährlich werden können. So kann ich mich zum Beispiel nicht daran erinnern, eine so straff durchorganisierte und klar gegliederte Bühne mit organischen Bezügen zwischen den Musikern über die Revel F208 (um 6.500 Euro) gehört zu haben, und die sind diesbezüglich alles andere als schlecht. Doch Dvoraks fantastischer, mitreißender 4. Satz der Neunten Symphonie, intensiv interpretiert von Gustavo Dudamel und den Berliner Philharmonikern, füllt über die KEF R7 den gesamten Raum zwischen und hinter den Lautsprechern tatsächlich etwas überzeugender aus. Die Instrumentengruppen stehen wie festgeklebt auf ihren Plätzen, und die Energie, mit der die KEF R7 das Anschwellen des Klangs selbst aus den hinteren Reihen transportiert, ist gänsehauterregend – ganz zu schweigen von der Wucht und räumlichen Präsenz der großen Trommel in Yuzo Toyamas „Rhapsody for Orchestra“ (Warschau Symphonie Orchester unter Eiji Oue), die so tief im Raum steht wie kaum ein anderes Instrument auf einer klassischen Aufnahme, die mir bekannt ist. Diese Erfahrungen küren die KEF R7 für mich endgültig zur Meisterin des Bühnenfachs, die ausgewogen, allürenfrei, erwachsen und (hm, kann ich das so nennen?) „intelligent“ klingt.

KEF R7 Ambiente

Intelligent? Ja, in gewissem Sinne schon, denn die tonale Abstimmung der KEF R7 ist meines Erachtens bewusst so clever ausgelegt, dass sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt: Einerseits klingt sie einfach jederzeit angenehm und druckvoll, sauber und verzerrungsarm und dabei langzeittauglich, und andererseits haben die Ingenieure nicht im theoretischen Raum vor sich hin entwickelt, sondern – da bin ich mir sicher – reale Wohnräume und deren ganz eigene akustischen Herausforderungen in Betracht gezogen und darauf aufbauend einen Lautsprecher entwickelt, der genau dort seine Stärken ausspielen kann.

Nachtrag: Just als ich diese Zeilen zur Endredaktion schicken will, läuft in meinem Youtube-Stream (ja, ich bekenne mich schuldig, zur Entspannung im Hintergrund auch mal Musikvideos zu streamen …), Bedrich Smetanas „Die Moldau“ (Polnisches Staatliches RSO unter Antoni Wit), und selten hat mich ein Stück auf Anhieb so berührt – und das auf Youtube! Nach 13 Minuten und 14 Sekunden öffne ich meine Augen wieder, trockne das Verzückungstränchen weg und versuche zu verstehen, wie ein Lautsprecherpaar für 3.200 Euro so etwas schafft. Die Antwort kann nur sein, dass die KEF R7 preisklassenbezogen betrachtet nichts, aber auch gar nichts falsch machen – und alles andere so gut, dass sie aus der Masse der Angebote ihrer Wettbewerber herausragen.

Test: KEF R7 | Standlautsprecher

  1. 1 Generation XII
  2. 2 KEF R7: Klangtest und Vergleiche
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