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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Call 110!
  2. 2 Denon PMA-A110 & Denon DCD-A110: Klangtest & Vergleiche

Hundertzehnjährigen Geburtstag feiert Denon heuer! Da möchte man fast staunend „Alter Schwede“ sagen – was bei einem solchen urjapanischen Unternehmen aber so unpassend erscheint wie Surströmming und Sushi zusammen auf den Teller zu bringen. Sagen wir also lieber schlicht „Herzlichen Glückwunsch!“ und finden im Folgenden heraus, wie lecker die japanischen Spezialitäten sind, die uns Denon zur Feier seines Firmenjubiläums ins Rack servieren möchte: Taufrisch im fairaudio-Hörraum stehen dazu der SACD-Player Denon DCD-A110 (2.999 Euro) sowie der Vollverstärker Denon PMA-A110 (3.499 Euro) aus der limitierten Jubiläumsedition (www.denon.com/de-de/110years) bereit.

 Limitierte Jubiläumsedition: Denon feiert 110 Jahre

Limitiert? Ja – allerdings nicht auf Stückzahl, sondern auf Zeit. „Solange Denon 110 Jahre bleibt und nicht 111 wird, werden wir die Modelle produzieren“, ist von Roland Krüger, dem hiesigen technischen Marketing-Leiter, zu erfahren.

Schauen wir uns die beiden in ein Top-Cover aus Aluminium mit der exklusiven Farbe „Silver Graphite“ gehüllten Jubiläumskomponenten genauer an – und beginnen mit dem Vollverstärker Denon PMA-A110.

Denon PMA-A110: Technik

Denon PMA-A110 Jubiläums-Verstärker

Stämmig & schön: Featureseitig kommt der Jubiläums-Verstärker Denon PMA-A110 unter anderem mit integriertem DAC

25 Kilogramm schwer und 434x450x182 Millimeter stämmig in der Erscheinung: Angesichts dessen mag die mit 2 x 80 Watt an 8 Ohm deklarierte Ausgangsleistung fast bescheiden anmuten. Doch „auf dem Papier“ und „im Hörraum“ sind nicht selten zwei Paar Schuhe, wir kommen auf diesen Aspekt im Klangteil noch zurück. Behalten wir schon mal im Hinterkopf, dass die „Ultra High Current“-Schaltung mit „Single Push/Pull MOS-Gegentaktendstufe“ – eine Denon-Spezialität, die natürlich auch beim PMA-A110 implementiert wurde – mit Schottky-Dioden im Netzteil und Leistungstransistoren in der Endstufe aufwartet, die kurzfristig bis 210 Ampere bereitstellen können. Pro Kanal arbeitet ausgangseitig nur ein Paar Mosfets (Single Push/Pull, siehe Verstärker-Klassifizierungen in unserem Lexikon), was die Gefahr von Verzerrungen aufgrund nicht optimal zusammenarbeitender Transistoren minimiert. Nur echte Single-Ended-Verstärker treiben diesen Gedanken noch weiter auf die Spitze, benötigen dann aber energieverzehrenden Class-A-Betrieb und sind natürlich leistungsseitig limitiert.

Denon PMA-A110 Innenaufnahme: Technik

Ringkerntrafos weisen tendenziell geringe Streufelder auf, neigen dafür vermehrt zu Brummen. Dadurch, dass Denon die beiden El-Kern-Trafos im PMA-A110 zur Auslöschung von Streufeldern zueinander versetzt positioniert, sollen sich die Vorteile von Ringkern- und EI-Kern-Trafos vereinen

Optisch mutet der Denon PMA-A110, wenn man von der Farbgebung absieht, nach guter alter Design-Schule an. By the way: Seinen ersten Verstärker für den Nicht-Profi-Bereich brachte Denon bereits vor fast 50 Jahren an den Start, der PMA-500 kam 1972 heraus. Hier ein paar schnuckelige Bildchen. Mir gefällt die Frontplattentopologie mit dem herrlich großen, dadurch ebenso flugs wie zielsicher zu drehenden Lautstärkesteller extrem gut.

Die Neuzeitlichkeit unterstreichen hingegen die Anschlüsse: Neben felsenfest – das war früher auch nicht immer selbstverständlich – verankerten Cinchbuchsen (Hochpegel, Endstufe-direkt und Phono MM/MC) sowie einem hochwertigen Lautsprecherterminal finden sich heckseitig zudem eine USB-B-Schnittstelle  sowie ein koaxialer und drei optische S/PDIF-Eingänge. Lediglich einen USB-A-Anschluss zum unmittelbaren Anzapfen von Speichermedien sowie – zumindest mir geht das bei einem Gerät dieser Preisklasse so – XLR-Eingänge könnte der eine oder andere vermissen.

Denon PMA-A110 - Anschlüsse auf der Rückseite

An die die „EXT.PRE“-Anschlüsse lässt sich ein externer Vorverstärker anschließen, der PMA-A110 fungiert dann als reiner Leistungsverstärker. Zudem werden neben analogen Hochpegeleingängen auch Phono-MM/MC sowie Digitalschnittstellen geboten

Okay, Verstärker mit integriertem DAC hatte Denon auch schon in den frühen 90er-Jahren im Angebot. Ich besaß selbst einen und schätzte an den japanischen Verstärkern seinerzeit insbesondere den seidigen Klang – zusammen mit dem weicher ausgelegten Bass ergab sich ein sehr angenehmer Flow. Doch eine solch avancierte Quad-DAC-Konfiguration wie beim Denon PMA-A110 mit gleich vier PCM1795-Chips gab es früher natürlich nicht: Je Kanal werden zwei DACs im Differenzmodus und im Verbund mit zwei Taktoszillatoren (für die 44,1- und 48-kHz-Samplefrequenz-Familien) zu höchster Präzision und bestmöglichem Signal/Rausch-Abstand getrieben. Im USB-B-Betrieb verdaut der Japaner eingehende PCM-Signale mit Samplingrates bis 384 kHz (S/PDIF bis 192 kHz/24 Bit), DSD ist via USB-B bis 11,2 MHz möglich.

Apropos bestmöglicher Signal/Rausch-Abstand: Trotz des unwiderstehlichen Lautstärkereglers auf der Front des Denon PMA-A110 erfolgt die Pegelstellung nicht direkt mechanisch per Potenziometer. Dreht man am Rädchen, werden vielmehr elektrische Impulse erzeugt, die auf eine mehrstufige Lautstärkeregelung wirken. Dadurch verringert man zudem Einflüsse durch mechanischen Verschleiß und verbessert den Kanalgleichlauf, was gleiche Steuerungsverhältnisse auf dem linken und rechten Kanal auch bei geringen Lautstärken sicherstellt. In dieser Sache waren manche frühere Denon-Amps durchaus etwas lässiger unterwegs.

Denon PMA-A110: Regler für den Bass, Höhen sowie Balance

Die Regler des Denon PMA-A110 für den Bass, die Höhen sowie die Balance arbeiten in ähnlicher Weise signalschonend ohne klassischen Potenziometereingriff wie die Lautstärkeregelung.

Und so zählt neben der mehrstufigen Verstärkerschaltung, dem hochwertigeren Phonoteil sowie der aufwändigeren Digital-Sektion und Wandler-Konfiguration nicht zuletzt die elektronische Lautstärkeregelung zu den Highlights des Denon PMA-A110 gegenüber dem 1.000 Euro günstigeren, deutschen Flaggschiffserienmodell PMA-2500NE. Deutsches Flaggschiff? Ja, in Japan sind darüber hinaus noch die vollsymmetrischen PMA-SX-Modelle mit vergossenen Trafos, Druckguss-umschlossenen Elektrolytkondensatoren sowie noch strenger selektierten Bauteilen erhältlich, an die sich unser Jubiläums-Amp technisch in gewissen Bereichen anlehnt.

Übrigens: Die Regler für den Bass (± 8 dB um 100 Hz), die Höhen (± 8 dB um 10 kHz) sowie die Balance arbeiten in ähnlicher Weise signalschonend ohne klassischen Potenziometereingriff wie die Lautstärkeregelung. Puristen, zu denen ich mich selbst ebenfalls zähle, können mit kurzem Druck auf den „Source Direct“-Taster diese Klangregelungen gleichwohl gänzlich aus dem Spiel nehmen. Der benachbarte „Analog Mode“-Taster schickt zudem gerade nicht benötigte Digitalschaltkreise in den Feierabend, auf dass ja keine einzige Null oder Eins den Musikgenuss über die analogen Inputs störe.

Denon DCD-A110: Technik

Denon DCD A110 SACD-Player

Der SACD-Player Denon DCD A110 wartet mit einem „hausgemachten“ Laufwerk auf

Auch der SACD-Player wartet mit besonderen Leckerlis auf. Die Digitalsektion ist sogar noch etwas aufwändiger konzipiert als beim Jubiläums-Amp. Die Art der DACs, die Quad-Konfiguration im Differenzmodus und das Filter sind im Grunde zwar identisch, die Isolierung, die analoge Ausgangssektion hingegen avancierter; statt zugekaufter Operationsverstärker gelangen zudem eigene Schaltungslösungen zur Anwendung. Basierend auf den hauseigenen „Alpha-Algorithmen“ (erstmalig eingesetzt zu Anfang der 1990er-Jahre bei den Denon-S1-Modellen und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt, siehe unser Firmenbericht 110 Jahre Denon) wird für den D/A-Wandlungsprozess übrigens auf 32 Bit Wortbreite und je nach Eingangsdatenlage bis zu 1,5 MHz hochgerechnet. Technisch realisiert das der in den DCD-A110 integrierte Field Programmable Gate Array von Intel, der Cyclone 10. Die Alpha-Technologie soll, so Denon, einen besonders natürlichen, „analogen“ Klang befördern.

Ein ziemlicher Knaller ist auf jeden Fall auch das Laufwerk. „Mit Liebe und Stolz im eigenen Hause zubereitet“, würden mir die japanischen Technik-Köche aus Shirakawa bestimmt ins Ohr diktieren, während ich diese Zeilen tippe. Ja, ebenso wie die Schwesterfirma Marantz (vgl. Test Marantz SACD 30n) verfügt Denon über eigene Laufwerke; Haute Couture statt „von der Stange“ könnte man sagen. Lassen wir Denon zu seinem S.V.H.-Mechanismus (Suppress Vibration Hybrid) kurz selbst zu Wort kommen:

„Die Deckplatte aus Kupfer verbessert die Stabilität, das Disc-Laufwerk besteht aus druckgegossenem Aluminium, und für die Halterungen des Disc-Antriebsmechanismus kam zwei Millimeter dicker Stahl zum Einsatz. Diese massive Bauweise trägt zu einer ausgezeichneten Vibrationsbeständigkeit bei. Der niedrige Schwerpunkt des Disc-Mechanismus hilft, jegliche Vibrationen aufgrund der Drehbewegung im Inneren des Players zu eliminieren. Durch das Ausschalten unerwünschter Vibrationen können digitale Signale mit höchster Präzision und unter stabilen Bedingungen von der Disc gelesen werden.“

Denon DCD-A110: das Laufwerk

Roland Krüger ergänzt, dass dem Denon DCD-A110 „die teuerste S.V.H.-Variante, die auch in den ganz großen Komponenten wie dem Marantz 10er und 12er Verwendung findet“, spendiert wurde.

Anschlussseitig ist der DCD-A110 schnell erklärt: Denn er lässt Silberschreiben drehen – und sonst gar nichts. Ergo gibt es ausgangsseitig ein analoges Cinch-Doppel sowie jeweils eine optische und koaxiale S/PDIF-Schnittstelle. Als dedizierter DAC oder gar Netzwerkplayer lässt sich der A110er – anders als etwa der erwähnte Marantz SACD 30n – nicht einsetzen. Das Spiel mit den Silberscheiben beherrscht der Japaner dafür offensichtlich aus dem Effeff: CD, SACD, DVD-R/RW und DVD+R/RW stehen auf dem Speiseplan, verdaut wird DSD bis zu 5,6 MHz und PCM bis zu 192 kHz/24 Bit.

Denon DCD-A110 - Anschlüsse auf der Rückseite

Konzentration auf das Wesentliche: die Schnittstellen des Denon DCD-A110 auf der Rückseite

Denon PMA-A110 & Denon DCD-A110: Klangtest & Vergleiche

Da stehen der Denon PMA-A110 und Denon DCD-A110 nun nebeneinander auf den oberen Ebenen meiner doppelstöckigen Racks. Auch wenn sich das „Silver Graphite“ überraschenderweise irgendwie mit dem Schwarz meiner anderen Geräte beißt, sehen die Japaner schon ziemlich cool aus und sind im buchstäblichen Sinne des Wortes gern gesehene Gäste in meinem Hörraum.

Aus klanglicher Sicht ist das Denon-Duo ebenfalls alles andere als alltäglich, soviel sei schon gespoilert. Insbesondere gilt das für den Verstärker, den wir zuerst in den Hörparcours schicken – zunächst von meinem Volumio Primo per USB-B angesteuert.

Vor über 10 Jahren hatte ich den Denon PMA-2010AE im Test – den ich nicht nur gut im Ohr habe, sondern immer noch bei mir. Das seinerzeitige Topmodell der Japaner auf dem europäischen Markt gehört immer noch zu unserem Arbeitsgerätefuhrpark: Ein bäriges Klangbild mit erwachsenem Bass, gehaltvollen Mitten und eher langzeittauglichen als besonders filigranen Höhen sowie eine eher engere Bühnenabbildung zeichnen den 2010AE aus.

10 Jahre, einige zwischenliegende Produktgenerationen und ein Firmenjubiläum hin oder her – der Denon PMA-A110 wird doch mit einer klar erkennbaren Familienähnlichkeit aufwarten? Die Antwort ist ein klares Jein.

Kein Burner? Aber bärenstark

Denon PMA-A110: EL-Kern-Trafos

The Bug - London ZooBärig? Wenn wir das auf die Bärenkraft beziehen – auf jeden Fall. 2 x 80 Watt an 8 Ohm sind zwar wie eingangs erwähnt datenblattseitig nicht gerade der Burner für einen 25 Kilogramm schweren und 3.500 Euro kostenden Verstärker. Aber selbst mit meinen nicht gerade wirkungsgradstarken Sehring 903 (86 dB/W/m) ließe sich ein Party organisieren, bei der es auf der Tanzfläche nicht nur laut zuginge, sondern das Tanzbein mit Schweizer Uhrmacherpräzision im Takt geschwungen werden könnte. Auch bass- und beatschwergewichtige Dubstepnummern à la „Skeng“ von The Bug (Album: London Zoo; auf Amazon anhören) oder bleischwerer Industrial-Rock von Killing Joke (gleichnamiges Album) vermag der Denon PMA-A110 so laut, präzise und druckvoll wiederzugeben, dass ich selbst als Besitzer eines insgesamt 1200 Watt starken Monopärchens nicht viel vermisse. Holla, die Waldfee!

110 – schneller als die Polizei erlaubt

Legendary Pink Dots - 9 Lives To WonderNicht viel? In Sachen Konturiertheit und dynamischer Zackigkeit kann die Basswiedergabe des PMA-A110 tatsächlich mit wesentlichen teureren Amps mithalten, ein Meridian 857 Reference etwa hätte hier sogar das Nachsehen. Der pfeilschnelle 110er bleibt Bassdrumschlägen oder elektronischen Tiefbassflächen so exakt auf der Spur, wie man es sich eigentlich nur wünschen kann. Dabei gräbt er für einen Vollverstärker standesgemäß tief, wenn auch nicht so tief wie meine Monos, die beim bedrohlichen Bass-Grummeln auf „Madame Guillotine“ der unverwüstlichen Legendary Pink Dots (Album: 9 Lives To Wonder; auf Amazon anhören) noch in jenen Untiefen buddeln, wo es schon eher ums Fühlen als ums Hören geht. Der Denon nimmt etwa an dieser Grenze – die nebenbei gesagt auch die meisten Lautsprecher nicht überschreiten – als ansonsten mehr als rechtschaffen schuftender Tiefbauer seinen wohlverdienten Feierabend.

Denon PMA-A110: Lautsprecherklemmen

Und wenn wir gerade dabei sind uns einen Tiefbauer vorzustellen, dann wäre der bierbauchfrei – oder noch genauer gesagt: absolut frei von unnötigem Körperfett. Im Oberbass tonal sogar ein kleines bisschen schlanker als meine erzneutrale Funk/Bryston-Kombi, spielt der Denon bassseitig zwar wie gesagt extrem druckvoll-dynamisch, mutet dabei aber nie vordergründig oder „rummsig“ an. Nicht zuletzt ein optimales Gegengift für eher schwerfällig tonende Lautsprecher.

Konsistente Entwicklerhandschrift

Wendet man sich dem Mittel- und Hochtonbereich zu, kommt man nicht umhin anzuerkennen, dass der Denon A-110 einer klaren, konsistenten Entwicklerhandschrift folgt: (Fein-)dynamik und Präzision/Auflösung sind auch in diesen Bereichen Trumpf beim Japaner!

Denon PMA-A110: Diyplay

Das Display lässt sich dimmen und deaktivieren, die Auto-Off-Funktion, die den Denon PMA-A110 nach 30 Minuten ohne Signal abschaltet, lässt sich ebenfalls abwählen

Clock DVA AdvantageIch selbst bin auf die britische Combo Clock DVA erst in den 90er-Jahren gestoßen, zu dieser Zeit reine „Elektriker“, die mit interessanten Konzeptalben aufwarteten und auch live eine interessante, von visuellen Effekten begleitete Performance hinlegten. Ursprünglich gestartet war die Gruppe um Mastermind Adi Newton aber mit „richtigen“ Instrumenten – auf dem 82er Album Advantage etwa gesellen sich zu den üblichen Drums, Bass & Gitarre noch Saxophon, Trompete und Piano. Das Album verbreitet eher eine kühle Stimmung, ist aber sehr eigenständig und kreativ – und frei von jeglichem 80er-Jahre-Kitsch. Was ich zudem schätze, ist die ungeschliffene, rohe Dynamik, die vielen Titeln innewohnt: Knallende Toms, die bei hohen Pegeln beinahe Sorgen um die Mitteltöner der Boxen aufkommen lassen, giftige Becken und Hi-Hats sowie beispielsweise beim Titel „Resistance“ plötzlich mit Mann und Maus von der Leine gelassene Fortissimos kennzeichnen viele der Songs.

Dynamisch gerate ich bei diesem Album mit dem Denon PMA-A110 derart unter Beschuss – auch sehr laute Pegel sind kein Thema für en Japaner –, dass ich mich tatsächlich an den irrwitzig schnellen Abacus Ampollo erinnert fühle, meine Geschwindigkeitsreferenz in Sachen Vollverstärker. Ein direktes Rennen wäre sicher superspannend, schade, dass er mir nicht mehr zur Verfügung steht.

Denon PMA-A110: Gehäuse-Detail

Tonal ist der 110er ebenfalls eher offensiv ausgerichtet: Die Stimme von Adi Newton hat zwar so viel Brustton, dass das so ziemlich genau als „neutral“ durchgeht, die oberen Stimmbereiche sowie Becken und Hi-Hat entwickeln hingegen eine stärkere Präsenz, die das Klangbild zusätzlich direkt und anmachend wirken lassen. Ja, könnte man Sound trinken, kredenzte einem der Denon ganz klar Espresso und keinen Baldriantee. Für Hörer, die es lieber etwas gesetzter angehen wollen, hat Sound United mit Marantz ja noch eine andere feine japanische Marke im Programm.

Keine Sorge

Fernbedienung Denon PM-A110

Mit den beiliegenden Fernbedienungen lassen sich sowohl der Player als auch der Amp bequem steuern. Die unterschiedlichen großen Taster für die Laut/Leise-Einstellung sind eine ebenso einfache wie gute Idee

Entwarnung an alle Leser, deren Gedanken bereits vorauseilen: Nein, Härten und Schärfen trägt der Denon PMA 110 nicht in die Musik. Die Seidigkeit meiner in dieser Hinsicht wirklich famosem – weil gleichzeitig nicht die Bohne schönfärberischen – Funk MTX/Bryston 7B3-Kombi (um 16.000 Euro) bietet der 110er zwar nicht, ebenso wenig die Feinzerstäubtheit, das Ätherische eines Norma Revo IPA-140 (der im Bass druckloser agiert als den Denon), dennoch bleibt der Japaner auch im Hochton anständig sauber. Und spielt dabei luftiger, offener als etwa der bereits erwähnte Abacus Ampollo.

Doomsquads - Total TimeLediglich zum Abmildern eh schon zu frisch abgestimmter Ketten oder giftiger Hochtöner von Lautsprechern würde ich den Japaner nicht einsetzen und hierfür dann eher zu romantischer veranlagen Amps raten. Wie akkurat der Denon PMA 110 im Hochton aufzulösen und feindynamisch zu zeichnen vermag, stellt er nicht zuletzt bei Doomsquads „Who owns Noon in Sandusky“ (Album: Total Time; auf Amazon anhören) unter Beweis: Die leisen Offbeat-Viertelschläge der Hi-Hat und die eher unterschwelligen Achtel des Shakers definieren und differenzieren sich genauso grisselfrei und konturiert wie über meine Vor/End-Kombi. Respekt.

Auch räumlich kann er mit den Besten dieses Metiers mithalten: Mein Funk/Bryston-Gespann oder ein Marantz PM-14S1 SE (einer meiner Favoriten in seiner Preisklasse, überragender Amp, aber etwas weniger „offensiv-anmachend“ abgestimmt) mögen vielleicht noch etwas tiefere Schwärze zwischen den Instrumenten suggerieren, die Dimensionierung, Ortungsschärfe und die Loslösung des Klangbildes von den Lautsprechern sind hingegen auf amtlichem High-End-Niveau. Einzelne Instrumente hängen scheinbar frei im Raum – nicht minder hochwertige Lautsprecher natürlich vorausgesetzt.

Denon DCD-A110

Denon DCD A110 SACD-Player von vorne mit geöffneter Lade

Bevor ich’s vergesse: Die Kombination des Denon-Amps mit dem Streamer Volumio Primo beziehungsweise dessen USB-Ausgang geht für mich als ziemlich heißer Tipp durch: Es fehlt nur noch ein USB-Speichermedium oder ein Tidal- oder Qobuz-Konto und man erhält eine Komplettlösung, die preislich sowie klanglich super harmoniert: Das, was der sonorere Italiener und der spielfreudige, anmachende Japaner an die Ausgangsklemmen bringen, reicht qualitativ schon sehr, sehr weit. Ein klarer „Anlagentipp“!

Aber logisch, klassische Silberlinge haben ebenso ihren Reiz – so hat erst kürzlich der Marantz SACD 30n eine ebenso überraschende (für mich, der eigentlich nicht so auf CD-Player steht) wie überragende Performance hingelegt, die mich staunen ließ. Und auch der Denon DCD-A110 ist nicht von schlechten Eltern, ohne allerdings ganz das Niveau des Marantz-Players/Streamers zu erreichen.

Ich kann mich nach der ausführlichen Beschreibung des PMA-A110 kurz fassen: Denn auch im Zusammenspiel der beiden Japaner bildet sich der beschriebene Klangcharakter heraus, lediglich in leicht gezähmter Form: Die tonale Frische, das leichte Faible für den Präsenzbereich bilden sich einen Hauch zurück. Ob man das für neutraler hält (was es objektiv wohl ist) oder schlichtweg weniger anmachend (was ich subjektiv empfinde) ist reine Geschmacksache. Sowie natürlich auch von den verwendeten Lautsprechern abhängig. Passend zur leicht veränderten Tonalität, geht es zudem in Sachen Präzision und Spritzigkeit nicht ganz so funkenschlagend zur Sache.

Füße der Denon A110

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Iotavx SA3

Test: Denon PMA-A110 und Denon DCD-A110 | Vollverstärker & SACD-Player

  1. 1 Call 110!
  2. 2 Denon PMA-A110 & Denon DCD-A110: Klangtest & Vergleiche

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