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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Aufregend abgeklärt
  2. 2 dCS Bartók APEX – Hörtest und Vergleiche

„Wie viel Leistung hat ein Rolls-Royce? Genügend.“ Luxus und Understatement gingen in England ja schon immer gut zusammen. Bestimmt mit ein Grund, warum mir David Steven, der Managing Director von dCS, auf meine Frage nach den VA des zentralen Trafos im dCS Bartók APEX eine ganz ähnliche Antwort gab. Und sowieso: Als ob es bei dieser highendigen Ménage-à-trois aus D/A-Wandler, Netzwerkplayer und Kopfhörerverstärker (25.500 Euro | https://www.audio-reference.de) um die schnöde Scheinleistung von Drahtwicklungen ginge …

Dafür lohnt es sich umso mehr, die entscheidenden Specs aufs Tapet zu bringen, die den dCS Bartók APEX zu dem machen, was er ist – klanglich wie technisch. Fangen wir mit letzterem an:

Ein D/A-Wandler ohne DAC-Chip

Die Frontpartie des dCS Bartók APEX

Die D/A-Wandlung erfolgt beim dCS Bartók APEX mittels eines auf die Spitze getriebenen Ladder-DAC-Prinzips. Der Bartók APEX ist „Roon Ready“ und versteht sich mit seinen Netzwerkteilnehmern auch über AirPlay und UPnP. Mit der Mosaic Control App lassen sich Streamingdienste wie Qobuz, Tidal, Deezer, Spotify Connect oder Internet-Radio anzapfen

Anders als das Gros der heutigen D/A-Wandler arbeitet der dCS Bartók APEX nicht mit den funktionstechnisch zwar schwer zu verstehenden, aber leicht in Masse zu fertigenden Delta-Sigma-Chips (AKM, ESS & Co.), sondern auf Basis eines R2R-Netzwerkes. Das Grundkonzept einer solchen auch Ladder-DAC genannten Lösung ist vergleichsweise einfach erklärt: Eine Referenzspannung liegt an einem Widerstandsnetzwerk an, welches so beschaffen ist, dass sich diese Referenzspannung (und genauso der Strom) auf verschiedene Signalpfade aufteilt. Wie die Aufteilung erfolgt, sprich, welche Signalpfade tatsächlich geschaltet sind, entscheiden allerdings erst die anliegenden Bits bzw. das jeweilige zur Wandlung anstehende Bitwort. So trägt jedes Bit über seinen eigenen Signalpfad einen festen (oder eben keinen) Anteil zur letztlich resultierenden Ausgangspannung bei.

Darüber hinaus sorgt die Verteilung der Widerstände dafür, dass diese fixen Anteile je nach Bit unterschiedlich hoch ausfallen beziehungsweise jedes Bit einen genau festgelegten spezifischen Anteil an der Ausgangsspannung repräsentiert. Als Gesamtausgangsspannung/-strom erhält man schließlich ein von den anliegenden Bits definiertes Summensignal. Der Informationstransfer von der Bitebene (verschiedene analoge Einzelsignale) in ein einzelnes analoges Signal ist vollzogen.

Die Ring-DAC-Apex-Platine des dCS Bartók APEX

Besitzer eines älteren Bartóks können auf die im Februar gelaunchte Apex-Version upgraden. Dabei wird die komplette Ring-DAC-Platine ausgetauscht: Unter anderem soll die Referenzversorgung sauberer und widerstandsfähiger gegen Artefakte und der Jitter weiter minimiert sein sowie die Ausgangsstufe noch rausch- und verzerrungsärmer arbeiten

Ladder-DACs weisen klanglich einige Vorteile auf und bieten etwa von Haus aus hohe Schaltungsgeschwindigkeiten beziehungsweise Bandbreiten. Auch das Problem des Pre-Ringing (Vorschwinger im Ausganssignal) durch die bei einer Delta-Sigma-Wandlung notwendigen digitalen Filter umgehen sie. Warum aber finden R2R-Netzwerke dann so selten Anwendung in modernen DACs? Nun, der hohe Bauteileaufwand in Verbindung mit höchsten Anforderungen an die Toleranzen ist teuer.

Das gilt umso mehr, wenn man das Ladder-DAC-Prinzip technologisch auf die Spitze treibt und dabei „zu Fuß“, das heißt mit rein diskreter Bauweise, unterwegs ist. dCS betont entsprechend, dass auch im Bartók APEX kein herkömmlicher Ladder-DAC wandelt, sondern eine soft- wie hardwareseitig proprietäre Weiterentwicklung, die man „Ring-DAC“ nennt.

Ladder-DAC versus Ring-DAC

Die Mapper-Einstellung beim dCS Bartók APEX

Der Mapper-Algorithmus zählt zu den essentiellen Elementen des Ring-DAC-Systems. Im Menü des dCS Bartók APEX lässt sich zwischen drei Varianten wählen

Der Hauptunterschied zwischen dem Ring-DAC von dCS und üblichen Ladder-/R2R-DACs besteht darin, dass letztere stets ein und dieselbe Stromquelle (Signalpfad) für das jeweilige Bit des eingehenden Digitalsignals verwenden, während der dCS-Ring-DAC mit 48 Stromquellen pro Kanal arbeitet, die zudem alle die gleiche Strommenge erzeugen. Mittels FPGA-Steuerung (Field Programmable Gate Array, also per Software konfigurierbare Chips) lassen sich die Stromquellen des Ring-DACs so ein- und ausschalten, dass sich Toleranzen bei den Bauteilwerten – ein sehr kritischer Punkt, den ich ja bereits erwähnte – über die Zeit kompensieren. Mit Blick auf den zugrundeliegenden Algorithmus („Mapper“) bietet der dCS Bartók APEX seinem Besitzer die Möglichkeit, klanglich zu experimentieren: Im Menü lassen sich per Knopfdruck drei unterschiedliche Mapper-Versionen anwählen. Mir selbst gefällt „Mapper 1“ am besten, „Mapper 3“ steigert zwar die (räumliche) Präzision, klingt aber kristalliner.

Die Rückseite des dCS Bartók APEX

Digital hinein in den dCS Bartók APEX geht’s per Ethernet, USB-B (zum Beispiel Rechner), USB-A (externe Festplatte), Dual-AES (alle jeweils bis 24 Bit/348 kHz und DSD128) sowie AES/EBU (24 Bit/192 kHz, DSD128), RCA, BNC (jeweils 24 Bit/192 kHz, DSD64) oder Toslink (24 Bit/96 kHz). Hinaus geht‘s per RCA oder XLR – wahlweise mit 0,2, 0,6, 2 oder 6 Volt, die Hörrunden erfolgten durchweg mit 2 Volt

Welche Version man auch anwählt: Ziel des Mappers sei stets, wie David Steven mir erläutert, Ladder-DAC-typische Verzerrungen gegen ein wenig Rauschen zu tauschen. dCS ist in der Lage, dieses Rauschen auf etwa 350 kHz zu transponieren, so dass man es am Ausgang sanft herausfiltern könne. Resultat seien „außergewöhnliche niedrige Verzerrungswerte“. Wir werden hören.

Verarbeitung, Features und Bedienung

Gehäusekante des dCS Bartók APEX in der Nahaufnahme

Edles Understatement: Die Linienführung des lackierten Aluminiumgehäuses mutet reduziert an, die mechanische Anmutung und Verarbeitung sind „top notch“

Klopfen sie mal auf die anderthalb Zentimeter dicke Frontplatte oder die ein Zentimeter starken Seitenwände des fast 16 Kilogramm wiegenden Alu-Klotzes, oder verbinden Sie die Schnittstellen mit Kabeln: Neben dem Auralic Aries G2.1 ist der dCS Bartók APEX das wohl tresorartigste, mechanisch am unbeugsamsten verarbeitete Digitalgerät, das ich kenne. Extrem gut gefällt mir zudem die gleichermaßen schnörkelfreie, intuitiv bedienbare und dennoch mit zahlreichen Einstellungen aufwartende Menüführung über das bordeigene Display mit 8-cm-Diagonale.

Neben den erwähnten drei Mappern bietet der Bartók fürs klangliche Feintuning sechs (PCM) beziehungsweise fünf (DSD) Filter. Die Filter für PCM-Streams habe ich im Schnelldurchlauf durchprobiert: Ich empfinde die Auswirkungen als eher nicht wahrnehmbar bis unterschwellig wirkend. Dennoch glaube ich, dass verschiedene Hörertypen im Langzeitbetrieb und beim „sich in die Musik fallen lassen“ hier ihren Favoriten finden werden.

Filter- und Master-Einstellung im Display des dCS Bartók APEX

Entgegen des Bildes erfolgte das Testhören mit Filter 1. Der dCS Bartók APEX übernahm ausschließlich die Rolle des „Takt-Masters“

Darüber hinaus bietet der dCS Bartók APEX unter anderem die Möglichkeit der Phasenumkehr oder des Kanaltauschs (jeweils inklusive Signalgenerator zum Testen), eine Balanceregelung, vier verschiedene Ausgangsspannungen, Crossfeed für den Kopfhörerverstärker sowie die Wahl zwischen einem USB-Betrieb per Class 1 (am Rechner treiberlos, dafür limitierte Datenrate) oder Class 2. Weiter lässt sich bestimmen, ob der Bartók der verbundenen externen Quelle den Takt vorgeben soll („Master“, Standard bei USB- und Netzwerkzuspielung und für den folgenden Hörtest) oder den Takt aus dem Eingangsdatenstrom extrahiert oder aber ob eine externe Clock wie etwa die Master Clocks dCS Rossini beziehungsweise Vivaldi mit ins Team aufgenommen werden sollen.

Die Funktionen des Bartók fußen soft- wie hardwareseitig auf einer proprietären Plattform („dCS Mosaic“), die Standards und Dienste wie UPnP, AirPlay, Roon Ready, MQA sowie Tidal, Qobuz, Deezer oder Spotify Connect unterstützt. Selbstverständlich umfasst sie auch eine hauseigene App, die Mosaic Control App: Angenehm schlicht und übersichtlich wirkt diese, obwohl viele (nicht alle) der Funktionen geboten werden, die direkt am Gerät verfügbar sind. Cool finde ich nicht zuletzt die stufenlose Regelung der Displayhelligkeit. By the way: Eine klassische Fernbedienung ist nur optional erhältlich (875 Euro, mit Lautstärkedrehregler).

dCS Bartók APEX

Der dCS Bartók APEX lässt sich optional mit externen Clocks wie etwa den Master Clocks dCS Rossini oder Vivaldi verbändeln

Und auch das ganz kurz: Die ethernetseitige Integration des dCS Bartók APEX ins Netzwerk ist das fragezeichenlose Kinderspiel, das man bei einem solchen Gerät erwartet. Auch das Zusammenspiel zwischen App und Bartók geriet während des gesamten Testzeitraums über so stabil, wie es sein soll – mit zudem sehr flotten Reaktionszeiten.

Die Firma dCS

Da wir erstmalig ein Testgerät von den Digitalspezis aus Cambridge zu Gast haben, sei dCS an dieser Stelle kurz vorgestellt: dCS ist bereits seit 1987 aktiv. Zunächst lag der Fokus auf dem spezialisierten Engineering und Design von Elektronik sowie Support-Dienstleistungen für die Luftfahrt-, Telekommunikations- und Verteidigungsindustrie – einschließlich eines Auftrags zur Mitentwicklung des Blue-Vixen-Radarsystems.

Ein Teil des Teams von dCS inklusive Managing Director David Steven (vorne links), rechts daneben der Chef des deutschen Audio-Reference-Vertriebs, Mansour Mamaghani

Mit dem angesammelten Fachwissen als Hintergrund kam schließlich die Idee auf, dieses Know-how auf professionelle Audiolösungen zu übertragen: Es folgten die weltweit ersten 24-Bit-DACs und ADCs, bevor man sich ab Mitte der 1990er-Jahre schließlich auf die Entwicklung und Fertigung highendiger Digitalaudiolösungen für den Heimgebrauch konzentrierte. Heute umfasst Team von dCS 40 Leute, von denen die Mehrzahl im Headquarter arbeitet. Sämtliche Produkte würden dort nicht nur entwickelt und getestet, sondern zudem von Hand montiert. Das Aluminium der Gehäuse stammt aus der EU, bevor es Partnerfirmen in Großbritannien bearbeiten, eloxieren und mit Siebdruck versehen. Die Platinenbestückung besorgen ebenfalls ausgewählte englische Zulieferer.

dCS Bartók APEX – Hörtest und Vergleiche

Der frontseitige "Power"-Schalter des dCS Bartók APEX

Über Erwartungshaltungen …

Ein Kombi aus Netzwerkplayer, DAC und Kopfhörerverstärker jenseits von 20 kEuro – und damit für viele Leser auch von Gut und Böse. Ich vermeine bereits beim Schreiben Fragen à la „Wie sollen schnöde Einsen und Nullen von einem sauteuren DAC schon profitieren?“ zu hören. Andererseits wird es womöglich auch Leser geben, die das Gegenteil erwarten, nämlich dass eine solch highendige Komponente dem Klang ihren Stempel aufdrückt, sprich die gesamte Kette – heißa! – plötzlich spektakulär erklingen lässt.

Der ersten Lesergruppe sei gesagt: Natürlich spielt bei einem solchen Gerät, wie sollte es anders sein, auch das Thema Exklusivität eine Rolle. Verarbeitung und die gesamte Bedienführung des dCS Bartók APEX versprühen ein derartiges luxuriöses Understatement und eine solche Durchdachtheit, dass da keine meiner Komponenten heranreicht. Das hat schon was von Perfektion. Allerdings: Anders als bei anderen Luxusprodukten – so sind etwa moderne Omega-Uhrwerke denen von teureren und begehrteren Rolex-Modellen sicherlich überlegen – ist der dCS Bartók APEX auch mit Blick auf seinen ureigenen Zweck ganz, ganz vorne dabei: Ja, der dCS Bartók APEX ist, so viel sei an dieser Stelle gespoilert, klanglich eine Referenz.

Ein bisschen Abgeklärtheit, liebe zweite Lesergruppe, schadet dennoch nicht. Und als regelmäßiger fairaudio-Leser wissen sie das ja längst: Wenn Sie Lautsprecher oder einen Verstärker austauschen und dabei von der 5.000- in die 25.000-Euro-Klasse aufsteigen, wird Ihr Soundupgrade natürlich hörbar spektakulärer ausfallen als bei jedwedem Wechsel des DACs mit gleicher Preisdifferenz.

Die Analogausgänge des dCS Bartók APEX

Die Analogausgänge des dCS Bartók APEX

Abgeklärt in die erste Hörrunde

Das Wörtchen „Abgeklärtheit“ steht auch dem Klang des dCS Bartók APEX gut zu Gesicht. „Wahrer Luxus ist leise“, so geht ein bekannter Spruch. Okay, ich sehe Sie, werte Leser, in diesem Moment schon zu einem süffisanten Jokus ansetzen, dennoch meint das natürlich nicht, dass unser exklusiver Engländer keine Töne von sich gibt (ich hörte allerdings von einem bekannten Uhreninfluencer, dass er seine Zeitmesser nie stellt …), sondern seiner Arbeit auffallend Bling-Bling-frei, ohne jeglichen ostentativen Duktus nachgeht. „Äußerst nebengeräuschlos“ ist da wohl eigentlich des Pudels Kern, denn …

Primus Sailing the Seas of Cheese… sonst sonst wäre ich bei den legendären Primus nicht so aus dem Häuschen, wenn es über den dCS Bartók APEX geht. Das Album Sailing the Seas of Cheese stammt aus dem Jahre 1991, und ich habe „Here come the Bastards“ schon über unzählige Anlagenkonstellationen gehört. Obwohl er alles andere als eine audiophile Perle darstellt, entfaltet der Track einen besonderen Reiz – auch aufgrund des ungeschliffenen Sounds. Musikalisch erwartet den Hörer ein stakkatohafter Rhythmus im nichtalltäglichen 5/4-Takt: Die Sticks knallen dabei derart trocken auf Tom und Snare, dass akute Reizhustengefahr besteht, und die Hi-Hat bremst so abrupt ab, dass man mit dem Kopf fast nach vorne fällt. Zudem – na logo – gönnt auch Les Claypool den Hüllkurven der Basstöne kaum Auslauf. Der Hall des Schlagzeugs ist wohl das Einzige in diesem attacklastigen Song, bei dem noch gewisse Spuren von Sustain nachzuweisen wären.

Die Anzeige der Lautstärkeregelung im Display des dCS Bartók APEX

Die Lautstärkeregelung des dCS Bartók APEX lässt sich in 0,5-dB-Schritten vornehmen

Klanglich ist das Ganze ein Tanz am Abgrund, bei dem man schnell ins zu Weiche und Gemütliche oder aber ins Harte und Spröde abrutscht. Ein Mangel an Klangfarbenreinheit, sprich die Anwesenheit eines Grauschleiers fällt ebenso sofort ins Ohr.

Seriöse highendige Geräte wie der dCS Bartók APEX zeigen hier exemplarisch, dass nahezu unlimitierte Auflösung und Dynamik einerseits und stressfreie Musikalität andererseits keine Gegensätze sein müssen (wie viele Hörer aufgrund Erfahrungen mit weniger hochwertigen Komponenten glauben), sondern sich gegenseitig bestärken. Oder besser: bedingen. Der dCS-DAC haut die zahlreichen Impulse in „Here come the Bastards“ derart unverschliffen-zackig, fokussiert und dennoch angenehm „entgratet“ (die hohe Reinheit und Feinpixeligkeit des Klangbilds sind dafür ursächlich) und klangfarblich so organisch raus, wie ich das bei einer digitalen Quelle noch nicht erlebt habe.

Die Widerstandsleiter im Ring DAC des dCS Bartók APEX

Die vielen Widerstände sind typisches Kennzeichen Ladder-DAC-basierter Wandlerlösungen

Anders ausgedrückt, mutet der dCS Bartók APEX schlichtweg störärmer an als alle anderen DACs/Netzwerkplayer, an die ich mich erinnern kann, einschließlich meines „fairaudio’s favourite Award“-prämierten D/A-Wandlers Canever ZeroUno SSD (ohne Streaming-Teil und Kopfhörerverstärker, 7.590 Euro), der ganz, ganz oben einen Tick weniger quellwasserrein anmutet. Und einen Hauch aggressiver klingt, obwohl er dadurch keineswegs mehr an unmittelbar fassbarer Auflösung bringt (allerdings auch nicht weniger). Das bei zunehmender Instrumentendichte zwischendrin mal fast ganz absaufende Ticken der Hi-Hat halten beide DACs gleich gut über Wasser. Beim Canever ZeroUno SSD bilden sich über der Meeresoberfläche allerdings minimale Spuren von Schleierwolken, beim dCS Bartók APEX ist nichts als reiner, klarer Himmel.

USB oder Netzwerk?

Dieses von herrlich klarer Seeluft begleitete Schönwettergefühl vermittelt der dCS Bartók APEX übrigens noch stärker, wenn er per Ethernet über mein Switch SOtM Snh-10G mit meinem Melco N50-S38 (Tuning-Tipp: Audioplan-Gerätefüße oder Antispikes) verbunden ist. Sicherlich wird auch die jeweilige Verkabelung Einfluss nehmen, dennoch hat die Netzwerk- gegenüber der USB-Verbindung ganz leicht die Nase vorn, obwohl erste über (ausgewählte) Standardstrippen erfolgt und zweite über ein sehr klangstarkes AudioQuest Diamond.

Die USB-B-Schnittstelle des dCS Bartók APEX

Die USB-B-Schnittstelle des dCS Bartók APEX, auf die im Test ein Melco N50-S38 zuspielte

Exkurs: Netzwerkkabel
Dazu muss man wissen, dass dCS explizit empfiehlt, ethernetseitig Standard- und keine Highendkabel zu verwenden. Dabei legt der Bartók APEX Unterschiede bei (Standard-)Kabeln durchaus offen: Von Sehring Audiosysteme bekam ich zufällig mal den Tipp, die Netzwerkkabel CSL CAT 8.1 mit metallgeschirmten RJ45-Steckern anzutesten. Stefan Sehring bietet diese modifiziert an – ich hatte sie allerdings frisch aus dem Amazonkarton mit meinem SOtM-Switch sNH-10G und dem dCS Bartók APEX verbandelt. Gegenüber den von dCS beigelegten Bindern ergibt sich ein merklich offeneres und transparenteres Klangbild. Und erst so empfinde ich die Ethernetverbindung klanglich als überlegen.

Die Standards: Tonalität und Reinheit meets Räumlichkeit

Wenden wir uns wieder direkt dem dCS Bartók APEX zu und werfen einen Blick auf die Pflichtübungen. Ich hatte es schon in meinem Test der SPL Diamond erwähnt: Einen DAC oder Netzwerkplayer tonal neutral abzustimmen, fällt unter die eher leicht zu bewältigenden Entwicklungsherausforderungen. Manche Entwickler lassen hier allerdings subjektive Präferenzen durchschimmern. Der Bartók APEX aber wurde tonal so präzise austariert, dass er als objektiver Maßstab für andere Geräte herhalten darf. Falls man gegenüber anderen DACs/Netzwerkplayern so etwas wie eine subtile klangliche Milde vernehmen sollte, liegt das bei genauem Hinhören ausschließlich an der erwähnten Reinheit des Klangbilds.

Typen-Kennzeichnung auf der Rückseite des dCS Bartók APEX

Selbstverständlich zahlt die Reinheit nicht zuletzt auf die Räumlichkeit ein: Gerade in dieser Sache unterscheiden sich „nur gute“ DACs/Netzwerkplayer von absoluten Highendlösungen. Die technisch auf die Spitze getriebene Bekämpfung von Störeinflüssen führt zu mehr Kontrast sowie Schwärze zwischen und hinter den Instrumenten, weniger ausgefransten Umrissen und einer präziser fokussierten, konzentrierteren Abbildung einzelner Klangelemente. Es tönt schlüssiger, ruhiger und räumlich involvierender. Auch hier toppt der dCS Bartók APEX alle mir bekannten Lösungen. Mein Canever ZeroUno SSD fokussiert ebenfalls einen Hauch (nicht mehr) unschärfer, „grissliger“. Allerdings wird im Highend-Preisbereich in dieser Sache allgemein ein hohes Niveau geboten, zudem müssen insbesondere die Lautsprecher solche Qualitäten umsetzen können (meine Wilson SabrinaX vermögen das).

Echt cool: der schwarze Bass

The Algorithm Brute Force Ich erwähnte ja bereits, dass sich der dCS Bartók APEX – je nach DAC/Netzwerkplayer, mit dem man vergleicht – etwas milder oder sonorer anfühlen kann – obwohl er nach meinem Dafürhalten erzneutral unterwegs ist. Eine weitere Ursache für diesen scheinbaren Widerspruch mag im schwarzen Bass begründet liegen. Ich bin mir sicher, dass der Bartók APEX seine Signale messtechnisch nicht pegelstärker und auch nicht (wesentlich) tiefreichender ausgibt als mein Canever oder der kürzlich getestete SPL Diamond. Dennoch muten sowohl elektronische (zum Beispiel The Algorithm – Brute Force) als auch akustische (Trioscene – Turning Points) Tieftonereignisse ein wenig schwergewichtiger, einen Deut deckkräftiger an.

Anders ausgedrückt: Das Schwarz des Tieftons anderer DACs und Netzwerkplayer wirkt im Vergleich zum dCS Bartók APEX einen Tick ausgeblichener – was man vor allem dann bemerkt, wenn man konzentriert A/B-vergleicht. Dennoch trägt dieser Zug des Bartók APEX beim Einfach-nur-Genießen dazu bei, dass sich Musik gehaltvoller, satter, purer anfühlt. Und am Ende – genau darum geht es ja – schlichtweg natürlicher, organischer. Wie schrieb der Kollege Michael Bruß in seinem Test des Métronome DSS 2 so schön: „Subtile Unterschiede können über einen großen Hebel verfügen.“

Last, but not least: Der Kopfhörerverstärker

Kopfhörer lassen sich an den dCS Bartók APEX per XLR-4 oder 6,35-mm-Klinke andocken

Kopfhörer lassen sich an den dCS Bartók APEX per XLR-4 oder 6,35-mm-Klinke andocken. Als minimale Kopfhörerimpedanz empfehlen die Engländer 30 Ohm

Ich habe das Kopfhörerteil des dCS Bartók APEX weniger in- und extensiv als die Line-Ausgänge gehört, aber sowohl meinen Mr. Speaker Ether 2 als auch AKG K812 mal eingeklinkt. Auch hier ergibt sich ein gleichermaßen präzises wie komplett zischelfreies, sehr reines Klangbild, das zudem mit einer tollen Räumlichkeit aufwartet. Bei alledem fühlt sich der Sound „über alles“ ein bisserl prägnanter und weniger sonor an als zum Beispiel über das hervorragende Kopfhörerteil meines Funk MTX, so dass zumindest ich, der es beim Kopfhörerhören etwas wärmer mag, emotional nicht voll abgeholt werde. Was sich mit vollmundiger abgestimmten Kopfhörern freilich komplett drehen kann. So oder so: Gerade Genusshörer, die keinen eher entlarvenden Studiosound suchen und nicht auf eine bequeme Komplettlösung samt Cross Feed schielen, sollten ruhig auch mit externen Amps experimentieren.

Das Icon für den Kopfhörerbetrieb im Menü des dCS Bartók APEX

Das Icon für den Kopfhörerbetrieb im Menü des dCS Bartók APEX

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Test: dCS Bartók APEX | D/A-Wandler, Netzwerk-Player

  1. 1 Aufregend abgeklärt
  2. 2 dCS Bartók APEX – Hörtest und Vergleiche

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