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Demnächst im Test:

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Tubistor!
  2. 2 AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 – Klangtest & Vergleiche

fairaudio verteilt an Testgeräte aus guten Gründen ja weder Noten, Punkte oder Sternchen, aber bei AVM (https://avm.audio/de/) fühle ich mich fast genötigt, tatsächlich mal wenigstens Fleißbienchen oder so was zu vergeben. Denn was das 24-köpfige Team der im baden-württembergischen Malsch ansässigen High-End-Manufaktur seit dem Einstieg von Udo Besser vor knapp neun Jahren auf den Weg gebracht hat, ist zweifelsohne beeindruckend. Über 40 Komponenten, die in 55 Ländern (!) vertrieben werden, finden sich mittlerweile im Portfolio: Und wenn die über 30 Jahre alten Wurzeln von AVM auch im Endverstärkerbau liegen – den man nach wie vor vorzüglich beherrscht, wie unsere Tests zeigen –, werden mittlerweile sogar smarte All-in-one-Lösungen oder seit Kurzem auch Plattenspieler oder Lautsprecher angeboten.

Was sämtliche Komponenten eint, ist unter anderem die vorzügliche Verarbeitungsqualität bis ins Detail: beim bereits auf den ersten Blick sehr akkurat anmutenden Schaltungsaufbau angefangen, über die mechanische Qualität von Schaltern und Schnittstellen bis zum spaltmaßarmen Gehäuse mit seinen feinen Oberflächen. Die Aluminiumteile stammen übrigens von einem in der Nähe AVMs gelegenen Zulieferer und sind mithin ebenfalls „Made in Germany“. Ja, gegen den AVM Ovation A 6.3 beziehungsweise A 8.3 sehen beispielsweise meine ebenfalls extrem robust gebauten Bryston 7B³, auf die ich ansonsten nichts kommen lasse, tatsächlich, sagen wir mal: rustikal“ aus, wenn man genauer hinschaut.

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 - Transistor- und Röhren-Verstärker

AVM Ovation A 6.3 beziehungsweise A 8.3? Haben wir etwa gleich zwei jeweils halbzentnerschwere Verstärkerboliden zum Test geladen und ins Rack gewuppt? Nein – geliefert wurde vielmehr ein sofort spielbereiter AVM Ovation A 6.3 ­– AVM-typisch im „katastrophensicheren“ Flightcase verpackt – sowie eine unter anderem mit zwei Doppeltrioden bestückte, kleine Platine. „Diese Röhrenstufe wurde in Anlehnung an die Ovation-Line-Röhrenstufen entworfen und kommt mit unserer T803-Röhre, die wir für uns mit langer Anode anfertigen lassen“, teilt Udo Besser hierzu mit. Baut man diese Röhrenstufe in den ansonsten rein transistorisierten AVM Ovation A 6.3 ein, erwächst aus dieser Hochzeit ein Ovation A 8.3, wie einem sodann das Display in blauer Leuchtschrift expressis verbis versichert – und das halbminütige Röhren-Warm-up beim Einschaltvorgang noch einmal bestätigt. Den Umbau vom 6.3 zum 8.3. übernimmt der Fachhändler, gleichwohl gerät er im Grunde simpel: vier Gehäuseschrauben lösen, vorsichtig den Deckel abziehen, eine Schraube an der vormontierten Platinenbrücke lösen und diese vorsichtig herausziehen, Röhrenstufe behutsam-zielsicher an gleicher Stelle einstecken, alle Schrauben wieder rein und Deckel drauf – und fertig ist der Achter.

Diese Modularität hat zwar ihren Preis, 2.500 Euro kostet das Tube-Upgrade, ist im Fall der Fälle nichtsdestotrotz deutlich günstiger als ein neues Gerät. Zudem ist im AVM Ovation A 6.3 bereits eine Hochspannungsversorgung angelegt, die fairerweise vornehmlich jene Kunden mitbezahlen, die es auch tatsächlich losröhren lassen wollen. Vom Konzept her also eine saubere Sache und gute Idee – wie sich der Umbau klanglich niederschlägt, werden wir noch hören. Zu den ausgewiesenen Röhrenfans zähle ich mich selbst zwar nicht unbedingt, aber ich verspreche unvoreingenommen zu bleiben …

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 - Röhrenstufe bzw.-platine

Der feine Unterschied: Diese Röhrenstufe macht den Sechser zum Achter

Egal, ob das Display eine 6 oder 8 anzeigt: AVMs Flaggschiff-Vollverstärker ist ein Powerbolzen: 40 Mosfets – 20 je Kanal, davon je zehn  für eine Halbwelle – sorgen am Ausgang für eine theoretische (in praxi nicht genutzte) Stromlieferfähigkeit von 2 x 180 Ampere; die offiziellen maximalen Leistungsversprechen des Herstellers sind 2 x 200 Watt an 8 Ohm und 2 x 330 Watt an 4 Ohm. Übrigens: Im AVM Ovation A 6.3/8.3 finden sich nunmehr die gleichen Endstufenplatinen, mit denen auch die neuen Stereo- und Monoverstärker AVM Ovation SA 6.3 und MA 6.3 die Elektronen in die Lautsprecherspulen ballern. Entsprechend sollte man mit dem A 6.3/8.3 für alle Lautsprecher(un)arten gewappnet sein, gleichwohl lässt sich noch weiter aufrüsten: Zumal es beim Thema „Bi-Amping“ nicht nur um noch mehr Pegelfestigkeit geht, sondern womöglich ums letzte Fitzelchen klanglichen Feinschliffs. Audiophile Nimmersatts, die nach höchsten Weihen zu streben suchen, finden in Gestalt des AVM Ovation SA 6.3 aufgrund besagter Ausgangsstufen-, aber auch Netzteil-Identität eine technisch perfekte Lösung.

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 - Innenaufnahme

Das Innenleben des AVM Ovation A 8.3: vollsymmetrisch konzipiert und von einem qualifizierten 1000-VA-Ringerntrafo kuratiert, der wiederum von vier Netzeilen (Haupt-, Prozessor-, zwei Eingangsschaltungsnetzeile) flankiert wird. Auch die kleine Röhrenplatine (11 Uhr beim Trafo) ist gut zu sehen

Wenden wir uns vom Ausgang ab und der Eingangsseite zu: Der AVM Ovation A 8.3/6.3 bietet standesgerecht fünf analoge Eingänge (XLR + 4 x Cinch). Aber kein Phonoteil. Dies sei durchaus eine bewusste, aus klanglichen Erwägungen getroffene Entscheidung, ist zu erfahren. AVM empfiehlt dedizierte Phono-Amps ­– eine hauseigene, highendige Ovation-Lösung steht ja zudem bereits in den Startlöchern, wie auf Münchener High End vor Kurzem zu erfahren war.

Mir als Vinylabstinenzler soll’s recht sein – zumal es der AVM Ovation A 8.3/6.3 den Bit- Aficionados anschlussseitig so ziemlich recht macht (Cinch, 2 x Toslink, USB-B, Bluetooth 4.2). Und es digital auch klanglich zum Besten steht, wie ich jetzt schon verraten darf. Hoch hinaus bis zu 384 kHz/32 Bit sowie DSD128 geht’s im Bedarfsfall via USB. Manuelle Filter- und Samplerateeinstellungen per Menüsteuerung inklusive – bei einem Vollverstärker durchaus erwähnenswert. Die eigentliche Wandlung übernimmt ein Quad-DAC, der beispielsweise auch im 9.990 Euro kostenden AVM MP 8.2 Media Player arbeitet: Kanalgetrennt und der symmetrischen Schaltungsauslegung des A 8.3/6.3 folgend, tummeln sich ergo vier „Sub-DACs“ im Digitalteil unseres Probanden.

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 - Platinenbrücke für Transistorbetrieb

Die Platinenbrücke für den Transistorbetrieb des AVM Ovation A 6.3

Was hat der AVM Ovation A 6.3/8.3 sonst noch in petto? Menüfunktionen wie anpassbare Eingangsempfindlichkeit, individuelle Eingangsbenennung oder Klangregelungen inklusive parametrischer Loudness mit Bypass-Funktion. Variable Vorstufenausgänge – wichtig nicht zuletzt fürs erwähnte Bi-Amping. (De-)aktivierbare A/B-Lautsprecherausgänge und ein ebensolches Display. Einen 6,35-mm-Kopfhörerausgang (den ich nicht ausprobiert habe). Eine sehr vorzeigbare Fernbedienung aus Aluminium (die ich vergesslicherweise nicht ins  Fotoshooting gegeben habe). Und eine vorbildlich informative Bedienungsanleitung, die noch weitere Features beschreibt (die ich tatsächlich überflogen habe).

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 – Klangtest & Vergleiche

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 im Hörraum

Gleich eingangs zu den Eingängen …
Straffer, durchgezeichneter und mit mehr Verve – das Klangbild des AVM Ovation A 8.3 gefällt mir via internen DAC beziehungsweise USB-B tatsächlich etwas besser als über die analogen XLR-Eingänge. Durchaus überraschend, weil sich mein Norma HS-DA1 PRE gemeinhin keine Blöße gibt. Ob die analogen Eingänge des Ovation A 8.3 nicht ganz mithalten können oder die interne D/A-Wandlung schlichtweg einen herausragenden Job (was ich so oder so vermute) macht: Für Hörer, die ihren Verstärker vorwiegend digital beschicken möchten, ist das ein willkommener Zug und auch mir gefällt’s so besser als andersrum, kann ich nicht zuletzt meinen SOtM sMS-200ultra besten Gewissens direkt anschließen.

AVM Ovation A 8.3: Röhrenflair?
Lassen wir zunächst die Röhren erglimmen und lauschen dem AVM-Vollverstärker in der Ovation-A-8.3-Version. Wie sich der Amp nach dem Ausbau der Röhrenstufe als rein transistorisierter Ovation A 6.3 im Vergleich macht, hören wir uns anschließend an.

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 - Röhren-Warm-up

Zu Beginn gleich mal etwas zum groben klanglichen Rahmen, den der AVM Ovation A 8.3 absteckt, denn auch hier birgt er durchaus eine Überraschung: Strikt neutral abgestimmt geben sich Bass und Mitten – nach meinen Erfahrungen mit den formidablen Endstufen des Hauses, zu deren bekennenden Fans ich mich zähle, hätte ich ein wärmeres, mehr von unten aufbauendes Klangbild erwartet: Aber weder die schiebenden Bassbeats in „Turbulence“ von Free the Robots (Album: Crtl Alt Delete) noch die dunkel beschwörende Stimme in Noise Units „Feel the Anguish“ (Album: Response Frequency,  auf Amazon anhören) klingen fetter und brummiger als ich das von meiner Kombi aus Funk MTX und Bryston 7B³ her kenne.

Gleichwohl geht der AVM Ovation A 8.3 in Sachen Tiefgang keinerlei Kompromisse ein: Burials „Etched Headplate“ (Album: Untrue) bietet mit die abgrundtiefsten Bassfiguren, die sich aus meiner Musikbibliothek ziehen lassen. Und hier limitieren eher die für normale Wohnräume völlig hinreichenden, wenn nicht sogar bassseitig „optimal unkritisch“ abgestimmten Spendor D9 als der AVM Ovation A 8.3. Auch in dieser gehobenen Klasse keine Selbstverständlichkeit: Ein ähnlich gepreister, ebenfalls röhrenbewehrter Fonel Avalon etwa, letztes Jahr bei mir zu Gast, bohrte sich mit seinen 2 x 65 Watt merklich weniger tief in die südlichen Frequenzgefilde hinein.

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 - Rückseite/Anschlüsse

Alles da, bis auf Phono, was man so braucht: die rückwärtigen Schnittstellen des AVM Ovation A 6.3/A 8.3

Unbeirrbar highendig gibt sich der AVM Ovation A 8.3 auch in Sachen räumlicher Ortungsschärfe – hier steht er meiner Referenz-Verstärker-Kombi in nichts nach, Respekt – , zudem öffnet sich das Klangbild ebenso schön nach vorne Richtung Hörer, losgelöst von den Boxen. Allenfalls nicht ganz so ausgedehnt in die Vertikale. Ein Extralob gebührt der „Gefasstheit“, der Plastizität von Klängen. Ich selbst schätze es immer sehr, wenn selbst solche vermeintlichen Kleinigkeiten wie Transienten „anfassbar“ in meinen Hörraum illusioniert werden, genau solche Qualitäten machen den Unterschied zwischen „HiFi“ und „HighEnd“ mit aus. In „Eremite“ von Pink Turns Blue (Album: Eremite) gibt‘s eine metallische Perkussion, die sich anhört, als schlage jemand auf ein Heizungsrohr – langsam von einem Kanal zum anderen und zurück wandernd. Schließt man die Augen, mutet neben der Textur dieses Geräuschs dessen räumliche Definition so authentisch an, dass ein mit Rohren „bewaffneter“ leibhaftiger Musiker in meinen Hörraum wohl kaum echter klingen könnte. Solche Illusion ist übrigens eine der ausgeprägten Stärken meiner Spendor D9 – und der AVM zieht hier hier voll mit.

Noise UnitDynamisch gibt sich der AVM Ovation A 8.3 bei alledem ohne Fehl und Tadel: Noise Units erratische Bassimpulse auf „Feel the Anguish“ – ja, man denkt gar nicht, wie stolprig ein eigentlich schnöder Vier-Viertel-Bassbeat sein kann ­– werden schön punchy konturiert Richtung Hörer gepfeffert. Die pfeilschnellen Darabukas (arabische Handtrommeln) in Badawis hochqualitativ aufgenommenem „Fatal Confrontation“ (Album: The Heretic of Ether) zeigen, dass auch in den Mitten nichts verschleppt wird. Shellacs „Mama Gina“ (1000 Hurts) zaubert schließlich ein livehaftiges Schlagzeug in meinen Hörraum und macht mittels Hi-Hat und Becken klar, dass der AVM Ovation A 8.3 auch obenrum nicht zum Verrunden neigt, während die vielen kleinen elektronischen Spielereien in Burials „Etched Headplate“ feindynamisch so knistern, flirren und ploppen, wie sich’s gehört. Dass meine 19.000-Euro-Kombi aus den extrem pur durchreichenden Funk MTX und Bryston 7B³ (je Mono 600 Watt stark) noch unvermittelter in der Beschleunigung, noch explosiver wirkt, war nur zu erwarten. Der AVM liefert dynamisch das ab, was man von einem Vollverstärker seiner Gewichts- und Preisklasse erwarten darf, liefert mithin aber keine Gründe ihn insbesondere wegen seiner dynamischen Fähigkeiten ins Herz zu schließen: Da schleudern einem heutzutage bereits Vollverstärker wie der Technics SU-G70, einer meinen persönlichen Favoriten seiner Preisklasse, sehr amtliches an die Ohren.

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 - Kopfhöreranschluss

Dafür dass der AVM Ovation A 8.3 zur Herzensangelegenheit wird, sorgen andere Meriten. Wenden wir uns rein akustischer, aufnahmetechnisch sehr hochwertiger und gleichwohl etwas sperriger Musik zu: Badawis intensives „Arrival“ kommt mit einem stoisch brummenden Cello – der vermeintliche Platzhirsch im Song – sowie einer leichtgewichtigeren, dafür umso wendigeren und forscheren, mal klar, mal heiser intonierenden Violine. Die Instrumente scheinen sich mitunter förmlich zu belauern, um Vorherschaft zu kämpfen, um dann in kurzen harmonischen Momenten wieder voneinander zu lassen. Was Raum für die zarten, beiläufigen Chimes-Klänge schafft, die das Ganze mit ein wenig Friedfertigkeit – dem Himmel sei Dank – in den höheren Frequenzbereichen garnieren.

kasabian-velociraptorSolche rein akustischen, klangfarbenreichen, gut aufgenommenen und spannungsgeladenen Titel sind eine klare Domäne des AVM: Alle harten HiFi-Pflicht-Kriterien mal außen vor – insbesondere bei den weniger fassbaren Meriten wie Klangfarbenintensität, musikalischer Fluss, Schlüssigkeit, ja: „Eingängigkeit“ zieht einen der AVM Ovation A 8.3 gerade bei solcher Musik in seinen Bann und sammelt fleißig Punkte. „Denkender Kopf ‚off‘, unvermittelter Genuss ‚on‘“, lautet quasi die Devise. Und das ohne unbotmäßige Weich- oder Schönspielerei. War mir beim recht komprimierten „Let’s Roll Just Like We Used To“ (Album: Velociraptor, auf Amazon anhören) der Britpop-Combo Kasabian noch aufgefallen, dass der Ovation A 8.3 vom Präsenzbereich aufwärts nicht gerade die allerbrillanteste Klanglupe ist und etwa die auf jeden zweiten Viertelschlag dezent gesetzte Hi-Hat auf dem rechten Kanal im Hochtondickicht etwas absaufen lässt, ist nun jegliche Angriffsfläche für Kritik verflogen. Und wenn ich „ohne Weich- oder Schönspielerei“ schreibe, meine ich, dass dem AVM trotz seines gefälligen Charakters etwas sehr „unausgesetzt Richtiges“ zu eigen ist: AVMs 8er richtet kein hindesigntes Szene-Essen aus der Molekularküche an, sondern liefert eher so etwas wie ein Tamtam-freies Gericht der vertraut wirkenden, mit frischen regionalen Zutaten hantierenden Lieblingslokalität.

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 - Trafo

Die Punkte Tonalität und Stimmwiedergabe hatte ich bereits angerissen, dennoch noch einmal explizit: Die Mitten, das für die Musik so wichtige Zentrum der Musik, bildet der AVM Ovation A 8.3 bei allem Flair, den er versprüht, im Grunde genau so balanciert ab wie meine unbestechliche Arbeitskombi: Der zunächst inbrünstig-getragen und später hysterischer werdende, aufnahmetechnisch direkt eingefangene – viel frontaler kann eine Stimme kaum rüberkommen – Gesang von Mic Jogwer in Pink Turns Blues „Eremite“ (gleichnamiges Album) mutet in allen Lagen so „temperiert“ an, wie ich’s gewohnt bin. Die Verständlichkeit und Nachverfolgbarkeit des in einer Höhle – die Musiker lebten dort, ihren Tages- und Nachtrhythmus verlierend, eine Zeit lang und improvisierten – aufgenommenen Sprechgesangs in „A concise History of the Machine“ vom Musikprojekt A Bed To A Small Mouth stehen meinem Funk-Bryston-Gespann ebenfalls in nichts nach.

AVM Ovation A 8.3 – abschließende Vergleiche

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 - angeschlossen

Im Vergleich zu meiner Arbeitskombi aus Funk und Bryston, die wie gesagt in den höheren Lagen durchhörbarer und dabei tonal noch kompromissloser nach ganz, ganz oben durchzieht, kann man fast von verschiedenen Philosophien reden: Ehrlich „ungesoundet“ und langzeittauglich empfinde ich beide Lösungen: Meine Kette lotet dabei eher die Grenzen von Auflösung und Dynamik aus, bietet extrem viel Struktur, ohne – das ist genau der Clou – bei alldem die Bohne anstrengend oder technisch zu klingen. Der AVM Ovation A 8.3 hingegen lotet aus, wie weit er es mit einem schlüssig-süffigen Wohlfühl-Klangbild treiben darf, ohne bei einem der „harten Hifi-Kriterien“ ins Straucheln zu geraten beziehungsweise auch nur die Spur affektiert zu tönen. Sein highendiges Talent, Musik besonders „feinfühlig-organisch“ klingen zu lassen, setzt ihn trotz nicht gerade auf die Spitze getriebener Analysefähigkeiten von niederpreisigeren Vollverstärkern wie dem besagten, fürs Geld ansonsten wirklich herausragenden Technics SU-G70 ab. Auf Augenhöhe und mit teilweise ganz ähnlichen Meriten spielt da schon eher der aufgrund seiner Leichtfüßigkeit betörende Fonel Avalon (10.990 Euro, ohne DAC), der ganz, ganz oben noch einen Deut luftiger zu Werke geht als der Ovation A 8.3. Auf der entgegengesetzten Frequenzseite buddelt der 8.3 mit seinen Zwei-mal-zweihundert-Watt-Muckis dafür wie erwähnt noch tiefer ins dunkle Erdreich als der Berliner mit seinen Zwei-mal-fünfundsechzig-Watt-Oberärmchen.

AVM Ovation A 6.3 – ein Downgrade?
Um diese Frage gleich ohne Umschweife zu beantworten: Objektiv ein klares „Nein“. In Sachen Konturenschärfe von Instrumenten gewinnt das Klangbild nach dem sich in wenigen Minuten vollziehenden Ausbau der Röhrenstufe sogar: Becken, Hi-Hat, aber auch die tiefen, durchs Stereopanorama wandernden Toms in Dysrhythmias „Running Towards the End“ (Album: Test Of Submission) differenzieren sich besser, wirken klarer gefasst. Im Grunde logisch: Die Abwesenheit von sich aufaddierendem Röhrenklirr, und sei er noch so „harmonisch“, kann den Blick auf nackte Tatsachen im Grunde nur prägnanter ausfallen lassen. Subjektiv ist die Antwort je nach Geschmackslage schon weniger klar: Denn die Röhrenstufe sorgt nicht nur für eine leichte Zunahme an Diffusität, sondern suggeriert auch Lockerheit, eine gewissere innere Beweglichkeit im Klangbild. Auch der 6.3 ist, logisch, weit davon entfernt unentspannt zu klingen, und wartet – wie ich es von den getesteten AVM-Transistor-Endstufen kenne – mit einem löblich geschmeidigen, absolut „untechnischen“ Duktus auf. Gleichwohl muten insbesondere akustische Stücke wie besagtes „Arrival“ von Badawi über den A 8.3 noch einen Tick „aufregender“ an, wirkt besagte Dramatik des wechselnden Gegen- und Miteinanders von Cello und Geige subjektiv intensiver.

AVM Ovation A 6.3 und AVM Ovation A 8.3 - Menü-Taster

Test: AVM Ovation A 6.3 und A 8.3 | Vollverstärker

  1. 1 Tubistor!
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