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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Es werde Licht
  2. 2 AVM Rotation R 2.3 – Klangtest & Vergleiche

Zieht man Wikipedia zu Rate ist Leidenschaft eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion. Man kann auch sagen, dass jemand für etwas brennt. So wie AVMs Udo Besser, den man ziemlich sicher in diese Kategorie einordnen kann. Wie anders, als mit Leidenschaft wäre es zu erklären, dass der Hifi-Profi in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dem in Turbulenzen geratenen renommierten Spezialisten für Hifi-Elektronik AVM unter die Arme griff, die Firma letztlich erwarb und nach wie vor zu immer neuen Höhen führt. Dass man im badischen Malsch dabei nichts Geringeres als die klangliche Weltklasse im Visier hat, konnte unser Test der Verstärkerkombination AVM PA 8.2/MA 6.2 im letzten Sommer deutlich belegen. Doch trotz der Erfolge, die AVM inzwischen regelmäßig einfahren konnte, blieb ein Wunsch des studierten Wirtschaftsingenieurs und früheren geschäftsführenden Gesellschafters bei Burmester weiterhin offen.

Man kann sich gut vorstellen, wie der begeisterte Analogfan Udo Besser daran gelitten haben muss, dass AVM zwar CD-Spieler und Streamer im Portfolio hatte, nicht aber einen Plattenspieler (Preis des AVM Rotation R 2.3: 3.590 Euro | https://avm.audio).  Ein Umstand dem, wenn man sich die Qualität der AVM-Produkte vor Augen hält, auch nicht so auf die Schnelle abgeholfen werden konnte – und an mittelprächtigen Plattenspielern herrscht auf dem Markt ja kein echter Mangel. Außerdem plante Besser “seinem” Plattendreher auch einen eigenen Tonarm zur Seite zu stellen. Noch dazu müsste sich ein solcher Plattenspieler natürlich designtechnisch vollkommen harmonisch in eine Kette des Hauses einfügen können und klanglich, das war sowieso klar, etwas ganz besonderes bieten.

AVM Rotation R 2.3 mit Licht

Wie andere der Einfachheit halber Plattenspieler eines OEM-Herstellers mit dem eigenen Label zu versehen, stand für ihn daher nicht zur Debatte.

Ideen zur Umsetzung dieser Vision sammelte der AVM-Chef bereits seit Jahren, doch es dauerte bis Anfang 2018, als sich erste Prototypen der AVM-Plattenspieler Rotation R 3.5 und 2.3 bestaunen ließen. Da die eigenen Kapazitäten in Malsch nicht ausreichen, um neben der Elektronik auch noch den Plattenspielerbau zu stemmen, hat sich Udo Besser der professionellen Hilfe von EAT versichert, wo man sich willens und in der Lage zeigte, den Vorgaben des AVM-Chefs präzise zu folgen. Inzwischen stehen die fertigen Plattenspieler bei AVM-Händlern im Regal und auch auf meinem Rack hat sich ein AVM Rotation R 2.3 für einen Test eingefunden.

Der Plattenspieler ruht auf vier massiven Aluminiumfüßen, in die eine Dämpfungsvorrichtung integriert wurde. Die Zarge besteht nicht aus dem allenthalben anzutreffenden lackierten MDF, sondern aus einem speziellen mit Steinmehl angereicherten Komposit aus Holzfasern und Leim, ähnlich dem erheblich härteren HDF. Die damit vollflächig verklebte Außenhaut aus sandgestrahltem Aluminium, wahlweise in Silber oder Schwarz erhältlich, verpasst dem AVM Rotation R 2.3 einen gelungenen, an AVMs Elektronik angepassten optischen Auftritt. Darüber hinaus soll der zweischichtige Aufbau möglichen Restresonanzen den Garaus machen.

AVM Rotation R 2.3 Unterseite

Aufgrund des Aufbaus ist es möglich, den Synchronmotor, die Basis des Tonarms und auch die Steuerelektronik direkt auf dem Chassis zu montieren. Für die Stromzufuhr ist ein eher profanes Steckernetzteil zuständig, womit sich theoretisch (und hypothetisch) am Horizont die Option eines optionalen, aufwändigeren Upgrades der Stromversorgung abzeichnet.

Die Umdrehungszahl kann zwischen 33,3 und 45 pro Minute gewählt werden. Zur Bedienung dienen die links vorn auf dem Chassis eingelassenen, elektronischen Taster.

AVM Rotation R 2.3 ohne Plattenteller

AVMs Plattenspieler verfügt über eine Lagerbuchse aus Messing mit Teflonspiegel. Darin taucht die polierte Stahlachse des Subtellers ein. An der Spitze der Achse ist eine Stahlkugel eingelassen. Keine besonders innovative, aber eine bewährte, funktional einwandfreie Lösung. Den direkten Kraftschluss zwischen Präzisionspulley und Aluminiumsubteller stellt ein Flachriemen aus Gummi her. Auf dem Subteller schließlich ruht der eigentliche Plattenteller aus mattiertem Acryl.

AVM Rotation R 2.3 ohne Plattenteller und Spindel

Ein in der Zarge integriertes LED-Band illuminiert den Teller in zwei Intensitätsstufen mit einem angenehmen Blau. Das sieht schick aus und zieht natürlich alle Blicke auf sich. Zu Hochzeiten der CD beleuchteten einige Hersteller CD-Laufwerke mit blauem Licht und hofften, die Güte der Datenauslese damit verbessern zu können. Vermutungen, dass auch dieses Lichtspiel eine positive Wirkung auf den Klang haben könne, werden allerdings von AVM nicht bestätigt. Nun, vielleicht hebt der bunte Auftritt des AVM Rotation R 2.3 ja zumindest die Stimmung des Hörers. Andernfalls lässt sich das Lichtspiel mittels Knopfdruck natürlich auch ausschalten. Klangliche Unterschiede bezüglich des Funktionszustandes ließen sich im Test dann auch tatsächlich nicht ausmachen.

Mit Beleuchtung sieht es aber einfach interessanter aus. Der 3.590 Euro teure Plattenspieler aus Malsch tritt allerdings kein allzu leichtes Erbe an, denn sein Platz auf dem Copulare-Rack wurde noch bis vor einigen Wochen vom Top-Dreher Technics SL-1000R eingenommen und zur linken Hand thront das mächtige Laufwerk Raven AC von TW-Acustic, welches ohne Tonarm mit gut 10.000 Euro zu Buche schlägt. Im Preis des AVM Rotation R 2.3 ist dagegen bereits ein Tonarm enthalten. Schon während der ersten Inaugenscheinnahme ist erkennbar, dass es sich hier mitnichten um eine Verlegenheits-Dreingabe handelt, sondern großer Wert auf Materialqualität, problemlose Justierbarkeit und hohe Flexibilität bezüglich der zu führenden Tonabnehmer gelegt wurde.

AVM Rotation R 2.3 mit Platte

Es handelt sich um einen mittelschweren Drehtonarm von neun Zoll Länge. Klar, allzu große konstruktive Sprünge sind beim dem vorgegebenen Preisrahmen des AVM Rotation R 2.3 sicher nicht drin, eher greift man zu bewährten Lösungen. So ist das Horizontallager klassisch kardanisch ausgeführt und auch die Antiskatingkraft wird in konventioneller Manier über einen Ausleger mit Faden und Gewicht hergestellt. Arm und Lagerblock sind sauber verchromt und verantworten ein Gutteil des wertigen Äußeren. Für die Auflagekraft ist ein Gewicht aus Stahl zuständig, welches auf einer in Verlängerung des Tonarmrohrs liegenden Achse verschoben werden kann. Ein Zusatzgewicht liegt bei und kann im Bedarfsfall zum Austarieren schwerer Tonabnehmer in das Hauptgewicht eingesetzt werden. Der Tonarm schließlich lässt sich nach dem Lösen zweier Madenschraube in der Tonarmbasis in der Höhe verstellen, während der Azimut durch Verdrehen der recht massiven Headshell veränderbar ist. Auch hier sichert eine Madenschraube den korrekten Sitz.

Recht praktisch ist die magnetische Arretierung des Armes in seiner Auflage. Den Tonarmlift sollte man aber mit etwas Gefühl bedienen, da sonst leicht der ganze Tonarm ziemlich unmotiviert quer über die Schallplatte verspringt. Und ja, auch beim AVM Rotation R 2.3 sind die Buchsen fürs Tonarmkabel an der Unterseite des Plattenspielers montiert, wodurch der Gebrauch der ebenfalls dort befindlichen Erdungsklemme zu einer etwas fummeligen Angelegenheit gerät.

AVM Rotation R 2.3 Mechanik

Zum Test tritt AVMs Plattenspieler mit dem Ortofon Cadenza Blue für 1.600 Euro an. Ein bereits recht hochwertiges MC aus der dänischen Tonabnehmerschmiede. So präpariert repräsentiert der spielfertige Debütant von AVM einen Wert von 5.190 Euro, und ist dem, was man üblicherweise als Einstiegsgerät bezeichnet, zumindest preislich ein gutes Stück entwachsen. Dass die Erwartungen an die klangliche Performance des AVM Rotation R 2.3 (Basispreis also 3.590 Euro) sich natürlich ebenfalls ein Stück weiter nach oben schrauben, dürfte dabei auf der Hand liegen.

Damit möglichst nichts vom zu erwartenden Wohlklang auf dem Weg zum Phonovorverstärker hängenbleibt, gönne ich dem AVM dasselbe Analog Tools-Phonokabel, das gewöhnlich den Pyon-Reference-Tonarm auf dem Raven AC mit Einsteins „The Turntables Choice“ verbindet. Hier allerdings ist es nun der direkte Nachfolger des TTC, nämlich der 4.800 Euro teure “The Phonostage” des Bochumer Herstellers, welchem es inzwischen obliegt, die leisen Phonosignale aufzubereiten. Ein Umfeld also, in dem sich der AVM Rotation R 2.3 hinreichend gut umsorgt fühlen sollte.

AVM Rotation R 2.3 – Klangtest & Vergleiche

Aufwärmen & erste Eindrücke …

AVM Rotation R 2.3 beleuchtet offen

Zum Aufwärmen gibt’s ordentlichen Westküstensound in Form von Ry Cooders „Bop til you drop“ von 1979. Der zweifelhafte Ruhm, das erste digital aufgenommene Pop-Album weltweit gewesen zu sein, hat seinem Verbreitungsgrad nicht allzu sehr geschadet. Die LP klingt nicht wirklich schlecht, jedenfalls lange nicht so entseelt, wie einiges, was später noch an digital produziertem Vinyl folgen sollte. Sicher, auch der AVM Rotation R 2.3 kann an der leichten digitalen Kantigkeit des Sounds nichts ändern, aber er lässt die hart angerissenen Gitarrenriffs auf „The very thing that makes you rich“ schön plastisch aus der Mitte hervorschnalzen und schafft Dreidimensionalität, wo es sonst deutlich flacher zugeht.

Dem Bass billigt er eine ordentliche Dosis an Substanz und Tiefgang zu, wobei der Focus etwas mehr auf Knackigkeit als auf subsonischer Urgewalt zu liegen scheint. Das swingende, geschmeidige Westcoast-Feeling des Openers „Little Sister“ bewahrt der AVM Rotation R 2.3 ebenso wie es der Raven AC vermag. Der taucht allerdings noch intensiver in die Atmosphäre ein und arbeitet Details griffiger und einen Tick akribischer heraus. Doch vorschnelle Vergleiche mit einem mehrfach so teuren Laufwerk sind eigentlich nicht besonders fair, speziell wenn sich der Proband, wie unser Newcomer aus Malsch quasi aus dem Stand in einem durchaus angenehmen analogen Licht präsentieren kann. Im Teamwork mit Ortofons Cadenza Blue gelingt es ihm nämlich stante pede eine absolut überzeugende Palette an Klangfarben vorzuhalten.

Jazz SambaMeine deutsche Pressung von Jazz Samba (auf Amazon anhören), einem der Klassiker von Stan Getz und Charlie Bird im Programm von Verve, besitzt eine leicht angewärmte und daher schön relaxt wirkende Tönung. Die reproduziert der AVM Rotation R 2.3 nahezu ohne Abstriche zum Referenzlaufwerk und beweist abermals ein großes Gespür für analoge Klangästhetik. Wohlgemerkt, ohne die zuhauf vorhandenen feinen Details der Aufnahme in watteweicher, grundtonseliger Sumpfigkeit absaufen zu lassen, was die elegante, südamerikanisch angehauchte Rhythmik natürlich sofort brutal ausbremsen würde.

Davon ist beim Testkandidaten wirklich nichts zu spüren. Gut möglich, dass das harte Komposit, aus dem der AVM Rotation R 2.3 besteht und dem Energiespeichereffekte weitgehend fremd sein sollen, ihn vor solchen Fallstricken bewahrt.

AVM Rotation R 2.3 Taster

Stünde jetzt ein Zwischenresümee an, wäre es für den Tester wohl der richtige Zeitpunkt einzugestehen, dass die Taktik, dem badischen Beau ein paar in audiophiler Hinsicht nicht ganz unkritische Scheiben zu servieren, um ihm dann milde lächelnd zuzusehen, wie er sich vergeblich abmüht, klanglich Genießbares zu extrahieren, klar gescheitert ist. Denn der AVM Rotation R 2.3 macht nicht nur mit blauen LEDs auf sich aufmerksam, sondern ermöglicht es Vinyl auf einem Level abzuspielen, dass selbst die schweren Maschinen Raven AC und Technics SL-1000 R für eine gewisse Zeit fast ein wenig in Vergessenheit geraten.

Nicht unbedingt selbstverständlich für einen Newcomer, zumal die beiden letztgenannten durchaus zur Upperclass ihrer Zunft gerechnet werden können. Sicherlich wenig hinderlich dabei ist, dass der AVM Rotation R 2.3 sich tonal grundsätzlich neutral verhält.

Mitten & Hochton

Jacintha - Autumn Leaves (The Songs of Johnny Mercer)Zudem gibt der Rotation R 2.3 besonders das Mittenband ausgesprochen feinstofflich wieder. Das dunkle, knarzige Timbre von Leonard Cohens Stimme (LP: Old Ideas) trifft der AVM jedenfalls auf Anhieb perfekt. Auch Jacinhtas (Autumn Leaves: The Songs of Johnny Mercer; auf Amazon anhören) reiner, klarer Gesang, stets ein wenig fragil, aber immer perfekt intoniert, wird größte Aufmerksamkeit zuteil. Selbst bei den begleitenden Instrumenten kann ich keine auffälligen tonalen Färbungen bemerken.

Vielleicht würden notorische Nörgler anmerken, dass Auflösungsvermögen und Strahlkraft im Hochtonbereich im Vergleich zu Drehern vom Format eines AMG Viella oder eben auch des kurz zuvor getesteten Technics SL-1000R doch etwas nachlassen. Stimmt schon, allerdings geschieht das eher subtil, wir reden hier von einem sanften Ausblenden. Becken zischeln etwas gedämpfter und Jachintas Sibilanten ploppen nicht mehr ganz so rasiermesserscharf in den Hörraum, wobei der Ton trotzdem klar und verständlich bleibt. Ein durchaus sinnvolles Vorgehen, denn im Hochtonbereich so akzentuiert und feinstverästelt zu artikulieren wie es beispielsweise der große Technics vermag, erfordert nun mal höchsten konstruktiven Aufwand. In der Klasse des AVM Rotation R 2.3 ist das einfach nicht machbar. Dem preislich dem AVM sehr ähnlichen EAT C-Sharp hatte ich seinerzeit in diesem Punkt eine angenehm dosierte und differenzierte Intensität bescheinigt. Eine Formulierung, welche fraglos auch dem Rotation R 2.3 gerecht wird. Willkommener Nebeneffekt: Die Klangbalance wird auch mit hochtonstärkeren Tonabnehmern nicht so schnell ins allzu Grelle oder Kühle driften.

AVM Rotation R 2.3 Riemenantrieb

Der Bass

Bernhard Wöstheinrich - ElsewhereAm anderen Frequenzende werden Bass-Substanz und -Schwärze in erfreulicher Quantität geliefert. Selbst elektronische Bässe, wie sie der Österreicher Bernhard Wöstheinrich auf seinem neuen Album Elsewhere (auf Amazon anhören) gegen Ende von „Weißes Venn“ am Computer generiert, können sich über den AVM abgespielt absolut hören und genießen lassen. Qualitativ gibt’s ebenfalls nichts zu meckern: Da ist kein wabbelndes undefiniertes Tieftongewummer zu vernehmen, sondern ein präzise umrissener und erstaunlich definierter Bass. Zwar können Weltklasselaufwerke gemeinhin so etwas noch trockener, punchiger und wohl auch ein wenig tiefer zu Gehör bringen, aber in seiner Preisklasse wird die Leistung des Rotation in Bezug auf Festigkeit und Tiefgang schwer zu überbieten sein. Selbst EATs C-Sharp, der für seine Basskünste recht viel Lob einheimsen konnte, dürfte hier seinen Meister gefunden haben.

Räumlichkeit

Leonard Cohen - Old IdeaDen großen Singsprecher Leonard Cohen stellt der AVM auf Old Ideas punktgenau in die Mitte und gruppiert bei „Anyhow“ Klavier, E-Piano, Bass und natürlich die Backgroundsängerinnen feinsäuberlich um ihn herum. Eine ziemlich klischeehafte Anordnung, klingt aber wirklich so und gelingt fast so holographisch wie mit meinem Raven AC. Ein wenig ist die Luft um die Akteure zwar enger geschnürt, was aber dem Hörspaß ebenso wenig abträglich ist, wie die Tatsache, dass einigen Laufwerken die Tiefenauslotung des Raumes doch noch überzeugender, weil ausladender von der Hand geht. Sollen sie doch ruhig, denn für den dafür in der Regel zu zahlenden Mehrpreis lässt sich alternativ eine Menge schwarzes Gold an Land ziehen. Außerdem dürfte der Rotation mit der ansprechenden Präzision seiner Vorne-Hinten-Ortung viele Hörer für sich gewinnen. Als Dreingabe gibt’s dazu noch ein sich großzügig über die gesamte Lautsprecherbreite erstreckendes Seit-zu-Seit-Panorama. Einzig, ob zwei Meter links hinter Cohen eine Ratsche oder doch eher eine Rumbarassel eingesetzt wird, lässt sich auflösungstechnisch nicht ganz eindeutig bestimmen. Ok, das letzte war jetzt eher scherzhaft gemeint.

Dynamik

cd-nikolai-rimsky-319Wenig scherzhaft geht es dafür am Ende von Rimsky Korsakows symphonischer Dichtung Scheherazde (auf Amazon anhören) zu. Hier zerschellt Sindbads Schiff nach heftigem Kampf gegen die Wellen an den Felsen. Hochdramatisch von den Duisburger Philharmoniker unter Jonathan Darlington gespielt und superb eingefangen von Ralf Koschnicke und Ralf Kolbinger von Acousence. Kann der AVM Rotation R 2.3 diese Anforderungen stemmen ohne kurzatmig zu werden? Im Verein mit Ortofons Cadenza Blue unter der Headshell schafft es der R 2.3 den ausladenden Nadelbewegungen zum Trotz dem großen dynamischen Umfang der Produktion gerecht zu werden.

Ein wirkliches Masselaufwerk ist der Rotation, auch wenn AVM ihn als solches auf der Firmen-Website bezeichnet, wohl eher nicht. Da ist einfach zu wenig profunde Masse im Spiel. Nichtsdestotrotz behält der AVM Rotation R 2.3, ganz im Stil typischer Massekonzepte selbst im orchestralen Getümmel verdammt gut die Übersicht und bietet eine Dynamikrange, für die sich auch das Gros ähnlich teurer CD-Spieler sicher nicht schämen müsste.

Das Extra zum Schluss: AVM PA 30

AVM PA30 Phonovorverstärker

War es das jetzt? Nö, nicht ganz, denn den kleinformatigen Phonovorverstärker PA 30, welchen AVM mir zusammen mit dem Rotation 2.3 ins Haus geschickt hat, möchte ich ihnen keinesfalls vorenthalten. Ich habe den PA erst gegen Ende der Hörsitzungen zu diesem Bericht in die Kette eingeschliffen. Ein veritabler Fehler, nicht nur, weil der Preis gerade erst von ehemals 699 auf 499 Euro reduziert(!) wurde. Was der kleine Phonopre, dessen Abschlussimpedanzen für MCs mittels Widerstandsstecker und somit unter Vermeidung klanglich weniger gut beleumundeter Mäuseklaviere gewählt werden, bei der Verstärkung der feinen Phonosignale leistet, geht gewiss um einiges über seine eigentliche „Gewichtsklasse“ hinaus.

Der AVM PA 30 liefert nämlich mal schön satte Klangfarben und nicht nur eine Ahnung davon. Im unmittelbaren Vergleich weisen mein älterer Clearaudio Smartphono (Preis ca. 300 Euro), aber auch ein ifi micro iphono (Preis um 400 Euro) aus der ersten Serie mit vernehmbar dünnerem, leicht anämisch wirkendem Klangbild auf ihre angestammte Preisklasse hin.

Anders der AVM PA 30, der sein Klangbild über einen recht neutralen und erstaunlich detaillierten Mittenbereich definiert und es dabei weder an Lebendigkeit noch an Dynamik mangeln lässt. Angesichts des freundlichen Preisschilds stellt sich rasch die Frage nach dem Haken an der Sache. Einen Haken, den es eigentlich gar nicht gibt. Allerdings scheint der AVM PA 30 darauf abgestimmt, etwaige Unzulänglichkeiten an den Enden des Frequenzbandes lieber charmant zu verschleifen als sich hier eine echte Blöße zu geben. Der eigentliche Clou ist, dies so hin zu bekommen, dass das Fehlen der Informationen im obersten Hochtonbereich und bei den Subbässen beim Hören eben gar nicht so gravierend auffällt.

Wie AVM das genau gelingt, kann ich zwar nicht sagen, aber es funktioniert. Vielleicht hilft‘s, dass der AVM PA 30 eine sehr solide, glaubhafte Bühne aufziehen kann. Eben keine Mickey-Mouse-Dimensionen, bewahre, vielmehr eine Luftigkeit und Tiefe, welche ich bei Geräten jenseits der 2.000 Euro erwarte, nicht aber zum Preis des AVM-Phonoverstärkers.

Darüber hinaus weiß der AVM PA 30 neben MC- auch mit MM-Tonabnehmern umzugehen. Ein weiterer Grund, warum der kaum mehr als eine Zigarettenschachtel große Vorverstärker als Backup-Gerät für alle Fälle bei mir bleiben wird.

AVM Rotation R 2.3 illuminiert

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Dynaudio Evoke

Test: AVM Rotation R 2.3 | Plattenspieler

  1. 1 Es werde Licht
  2. 2 AVM Rotation R 2.3 – Klangtest & Vergleiche

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