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Saxx clubSound

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Rundum drin statt nur dabei
  2. 2 Nubert nuPyramide 717: Klangbeschreibung & Vergleiche

„Stumpf ist Trumpf“, so hört man des Öfteren – warum kompliziert, wenn’s auch einfach geht? Nuberts Pyramidenstumpf nuPyramide 717 (11.200 Euro, www.nubert.de) ist als Topmodell des schwäbischen Herstellers zwar ebenfalls Trumpf, gleichwohl erwartungsgemäß genau das Gegenteil einer simplen Lösung: Acht Treiber je Lautsprecher und eine 67-teilige Frequenzweiche passen eher zur Entwicklungsdevise „Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?“.

Reiner Selbstzweck ist freilich nicht das, was die Schwaben in dieser Sache antreibt. Die Wahl zwischen Direkt- und Rundumklang schon eher: Die Nubert nuPyramide 717 lassen sich nämlich als handelsüblich vornehmlich nach vorne strahlende Dreiwege-Lautsprecher betreiben oder im Bipol-Modus, bei dem dann die rückwärtigen und seitlichen Treiber ein stärkeres Wörtchen mitzureden haben. Letzterer soll für einen „raumfüllenden“ Klang bürgen, genauer ausgedrückt für mehr Freiheitsgrade bei der Wahl der eigenen Hörposition – ein fester Platz (Sweetspot) auf dem Sofa sei dann nicht nötig, um räumlich homogen hören zu können, verspricht Nubert.

Nubert nuPyramide 717 komplett im Raum

Die schwarzen Rolluntersetzer sind (noch) kein offizielles nuPyramide-717-Zubehör, haben das Fotoshooting mit den je 70 Kilogramm schweren Lautsprechern aber ziemlich erleichtert

Werfen wir zunächst einen näheren Blick auf die Treiberbestückung der Nubert nuPyramide 717, die vorder- und rückseitig – ja! – identische, vollbestückte Schallwände aufweist, welche jeweils von einem 28-Zentimeter-Basskonus, einem 15-Zentimeter-Mitteltöner sowie einer 25-Millimeter-Seidengewebkalotte bevölkert werden. Volle Lotte Kalotte geht’s dann an den Seitenwänden weiter, links wie rechts prangt an der Nubert nuPyramide 717 ebenfalls ein Hochtöner. Sämtliche Treiber arbeiten unabhängig vom gewählten Betriebsmodus übrigens exakt gleichphasig, die rückwärtigen Treiber folgen also dem Bipol-Konzept (und nicht Dipol, wie das beispielsweise bei nach hinten offenen Boxen naturgegeben der Fall wäre). Die Trennfrequenzen des Dreiwegesystems liegen bei recht tiefen 130 sowie 2.000 Hertz.

Nubert nuPyramide 717 Mitteltöner

Der 15-Zentimeter-Mitteltöner der Nubert nuPyramide 717

Im Direktmodus steht – logo – das frontseitige Treibertrio komplett unter Spannung. Aber nicht nur: Der rückseitige Basstreiber läuft nämlich in beiden Modi unvermindert mit. Denn aufgrund der tiefen unteren Trennfrequenz ist die Abstrahlung zum einen eh kugelförmig, zum anderen sind die elektrische und akustische Phase der Treiber zwar im Einklang, ihre mechanischen Impulse aber genau kompensatorisch gegenläufig, was störende Gehäuseschwingungen zusätzlich minimiert. Die beiden 28er sind übrigens das stärkste, was die Schwaben in Sachen Tieftonwiedergabe derzeit in den Ring schicken. Ihre Geburtsstunde hatten sie bei einem früheren Technologieträger, einer über zwei Meter großen und 150 Kilogramm schweren „nuVero 170“-Studie. Im Rahmen eines einjährigen, siebenstufigen Entwicklungsprozesses, so Nubert, habe man zusammen mit Wavecor dann weitere Optimierungen in Sachen Wiedergabepräzision, Dauerbelastbarkeit und Tiefgang unternommen.

Entwickler Thomas Bien erwähnte in diesen Zusammenhang, dass man im neuen reflexionsarmen Messraum von Nubert (siehe dazu unser Nubert-Firmenbericht) auf einen -3-dB-Punkt von nahezu infraschalligen 21 Hz (gleichzeitig die erstaunliche Tuningfrequenz des Bassreflexsystems) käme, was sogar die lange nuVero 170 über- oder sagen wir mal eher: unterflügeln sollte. Zum Tiefgang der Nubert nuPyramide 717 kommen wir in der Klangbeschreibung noch explizit zu sprechen.

Die Schalter für die klangliche Feinabstimmung der Mitten und Höhen sowie die Wahl zwischen Direkt- und Rundumbetrieb der Nubert nuPyramide 717

Die drei rückseitigen Schalter dienen der klanglichen Feinabstimmung der Mitten und Höhen sowie der Wahl zwischen Direkt- und Rundumbetrieb. Darüber – etwas tiefenunscharf – zu sehen: die nach unten geöffnete Bassreflexöffnung der Nubert nuPyramide 717

Zudem tragen auch die seitlichen sowie der rückwärtige Hochtöner ihr Scherflein zum Direktsound bei: „Scherflein“ ist übrigens durchaus wörtlich zu nehmen, denn im Gegensatz zum Rundumbetrieb setzen die drei Kalotten hier erst oberhalb von 10 kHz ein. Die wesentlichen Ortungsinformationen könne das Gehör sowieso nur bis zirka 5 kHz auswerten, so Thomas Bien, gleichwohl würden die beiden seitlichen Kalotten das Abstrahlverhalten optimieren, sprich dem in Richtung Superhochton irgendwann unvermeidlich bündelenden frontseitigen Treiber bei größeren Hörwinkeln wirksam unter die Arme greifen. Aber auch im Rundumbetrieb verhalten sich nicht alle vier Kalotten gleich: Die seitlichen Abstrahlungen faden unterhalb der Trennfrequenz von 2 Kilohertz nämlich besonders sanft aus, ein steilerer Pegelabriss wurde in Hörversuchen als klangverfärbend wahrgenommen, wie Thomas Bien berichtet.

Technisch sind die vier Hochtöner freilich identisch und des Weiteren baugleich mit jenen aus der Nubert nuVero 170: Eine „ausgeklügelte interne Bedämpfung des rückwärtigen angekoppelten Volumens“ sorge in Richtung seiner unteren Grenzfrequenz für einen linear-homogenen Pegelabfall, so die Nubert’sche Entwicklungsabteilung. Die leicht konkav verlaufende Frontplatte des Hochtöners wirke zudem minimal schallführend und fördere das Rundstrahlverhalten bis hoch zu eben jenen 10 kHz, bei denen dann auch im Direktbetrieb die seitlichen Kalotten flankierend ins Spiel kommen.

Nubert nuPyramide 717 Frequenzweiche

Komplex: Die 67-teilige Frequenzweiche befindet sich im Sockel der Nubert nuPyramide 717

Der hintere Tiefmitteltöner schließlich bevorzugt klare Verhältnisse: im Direktbetrieb gänzlich offline, im Rundumbetrieb voll dabei. Im Gegensatz zum bis nur um 450 Hertz hinauf spielenden Tiefmitteltöner der nuVero 170 sind bei der 717 – siehe Trennfrequenzen – auch höhere Mitteltonanteile zu übertragen. Ursprünglich aus einer nuPro-Studie stammend, sind die Mittenkonusse der Nubert nuPyramide 717 entsprechend auch auf besondere Linearität und Präzision im Mittelhochtonbereich trainiert. Interessanterweise habe man Thomas Bien zufolge während der Entwicklung zusätzlich mit seitlich abstrahlenden Mitteltönern experimentiert, diese jedoch „nach längeren internen Diskussionen wieder entfernt, da es aufgrund der recht starken Interferenzen zwischen den benachbarten Mitteltönern schon irgendwie recht spektakulär klang, dieser Effekt der Erzeugung eines maximal natürlichen Klangeindrucks gleichwohl eher entgegenstand“.

Nubert nuPyramide 717: Klangbeschreibung & Vergleiche

Nubert nuPyramide 717 Ambiente

„Don’t judge a book by its cover“, heißt es ja. Nun, ein bisschen bollerig wirken die pfundigen Nubert nuPyramide 717 mit ihren 28,5-Zentimeter-Basstreibern ja schon in meinem bescheidenen 30-Quadratmeter-Hörraum. Ohne dass überhaupt ein einziger Ton spielt, meint man schon vorab hören zu können, dass es mächtig-schwergewichtig bis brummig zur Sache geht mit den 717ern.

Fangen die Membranen tatsächlich an zu zappeln – zunächst im Direktbetrieb, zum Rundumsound komme ich später zu sprechen – müssen sich die Augen von den Ohren schließlich eines Besseren belehren lassen:

Großkalibrig

Free The Robots Ctrl Alt DelBollerig … pfundig …? Fangen wir unten an: „Oh, der Tiefton ist aber gut“, lautete der spontane Kommentar eines Lautsprecherentwicklers, der während meiner Testrunden zufällig zu Besuch war und neugierig ein Ohr riskierte. Ja, stimmt. Einerseits mit Blick auf die Tonalität, mit der die stämmigen Schwaben untenrum agieren: Das im handelsüblichen Viervierteltakt daherkommende „Turbulence“ der amerikanischen Dub-Stepper Free The Robots (Album: Ctrl Alt Delete, auf Amazon anhören) wirkt rhythmisch insbesondere deshalb interessant, weil die die flinken Bassdrumschläge bisweilen dicht gedrängt auftaktig in den Hörraum blubbern. Ergo: Hier ballt sich viel Tieftonmasse, die fachmännisch transportiert werden will – was den Nubert nuPyramide 717 hervorragend gelingt: Einerseits entwickeln sie so viel Druck, Schwärze und Macht, wie man das von solchen Lautsprechern vielleicht auch nur erwartet, bei höheren Lautstärken zaubern unsere herrlich pegelfesten Probanden jedenfalls regelrechte Clubatmosphäre in den Raum. Andererseits ist von unangenehmem Dröhnen oder irgendwelchen Basspeaks keine Spur, im Grunde meint man, sich vor ebenso großkalibrigen wie unbestechlichen Studiomonitoren zu wähnen.

Nubert nuPyramide 717 Tieftöner

Frisch auf den Tisch: der Tieftöner der Nubert nuPyramide 717

Woran auch die Präzision und Dynamik der unteren Lagen Anteil hat. So wirken zum einen die erwähnten Blubberbeats abzählbar wie an der Perlenkette aufgereiht, beindruckte mich zum anderen aber vor allen Dingen ein Titel, den ich bassseitig schon vor über 20 Jahren richtig „zum Laufen“ bringen wollte, an dem ich aufgrund beschränkter Mittel – ich war seinerzeit noch Student – allerdings stets scheiterte: Clair Obscurs „Son et Lumière“ (Album: Rock) bietet aufgrund des wabernden Basses insgesamt recht viel atmosphärische Tieftonfläche, mir ging‘s aber darum – okay, etwas nerdy, vielleicht weil ich selbst mal irgendwann am Schlagzeug saß –, die aufnahmetechnisch eigentlich gut eingefangen Bassdrumschläge im Refrain mit realistischem Impact gereicht zu bekommen.

Et voilà: Exakt in der Bühnenmitte platziert, von einer für authentisches Raumgefühl sorgenden „Hall-Aura“ umgeben, mächtig tief und so trocken-abrupt, dass man hier im Grunde von Benchmarkqualität sprechen muss, liefern mir die Nubert nuPyramide 717 das Langersehnte (ein dreifaches „hipp, hipp, hurra“ natürlich auch an meine Bryston 7B³).

Klar, das haben in Zwischenzeit auch schon andere Lautsprecher geschafft, eine Thiel CS 3.7 zählt für mich, was Passivlautsprecher angeht, immer noch zu den Referenzen in Sachen Tiefton, fast ebenso die Sehring 902 – beide übrigens mit Passivmembranen statt Bassreflexöffnungen bewehrt. Die Nubert nuPyramide 717 würde ich aber in der gleichen Liga verorten. Eine Nubert nuVero 170 – allerdings auch aufgrund ihrer Bauform herausragend – legt in Sachen physischer Ansprache sogar noch einen drauf: Ich erinnere mich noch gut an die Subbasswellen, die sich bei L’ombres „Living in Memory“ (Album: Simulations 1.0) durch meinen Hörraum schoben – und das äußerst kontrolliert und erstaunlich dröhnfrei. Laut Entwickler Thomas Bien liege der -3-dB-Punkt der Nubert nuPyramide 717 sogar noch wenige Hertz tiefer, dennoch hinterließ die 170er in meinem ­– bassunkritischen – Hörraum einen noch abgründigeren Eindruck. Vielleicht ist es ja auch ihrer besonderen Basstreiberanordnung und der einhergehenden Raumankopplung geschuldet.

Nubert nuPyramide 717 Basstreiber

Der 28-Zentimeter-Basstreiber der Nubert nuPyramide 717

Übrigens: Die genannten Songs – wir kommen noch zu filigranerem Stoff, keine Sorge – verleiten natürlich zum Lauthören, gleichwohl zählen die Nubert nuPyramide 717 zu den Vertretern ihrer Zunft, die auch bei Zimmerlautstärke dynamisch profiliert und tonal ausgewogen spielen; vielen Hörern wird dieser Umstand wichtig sein.

Humorlos richtig

Celebration (Album: The modern TribeDas Wörtchen „Studiomonitor“ fiel ja bereits und darf mit Blick auf die Mittenwiedergabe abermals hervorgekramt werden. Ob weibliche Stimmen – wie die von Katrina Ford, die es in Celebrations „Evergreen“ (Album: The modern Tribe, auf Amazon anhören) irgendwie schafft, gleichzeitig ätherisch, kraftvoll, schlicht und unverwechselbar zu wirken – oder männliche wie der sehr unmittelbar-griffig eingefangene Christoph Demarthe in Clair Obscurs „Es war“: Die Nubert nuPyramide 717 bilden derlei sachlich-neutral ab. Ein besonders organisches Flair, heimelige Wärme oder zarter Schmelz sind als – meist angenehm empfundene – Verfärbungen ebenso wenig auszumachen wie merkliche Tendenzen ins Schlanke oder Farbarme. Ja, womöglich hätte mich meine verflossene Spendor SP100R² mit ihren tonal noch etwas stärker unterfütterten Mitten und ihrer sagenhaften Kohärenz aufgrund des extrem breitbandigen Mitteltöners bei Stimmen noch mehr gepackt, gleichwohl ziehen mich die Songs über die nuPyramide 717 unmittelbar in den Bann – die Titel entfalten geradewegs ihre charakteristische emotionale Wirkung. Es klingt schlichtweg, na, sagen wir mal: „humorlos richtig“. Der Toningenieur kann sich ein zufriedenes Lächeln allerdings nicht verkneifen. Eine nuVero 170 tendiert, wenn mich meine Erinnerungen nicht gänzlich trügen, zu einer noch direkteren, offensiveren Mittenabbildung, die die einen lieben und den anderen schon fast zu viel des Guten sein kann.

Alien Sexfiend CurseRandständige Aufnahmequalitäten sind mit den Nubert nuPyramide 717 zwar nicht unbedingt die reine Wonne, funktionieren aber anständig und müssen von 717-Eignern keineswegs aus dem Plattenschrank verbannt werden: Alien Sex Fiends vielsagender Titel „Now I’m feeling zombiefied“ (Album: Curse – kreativer, ironischer Electropunk, auf Amazon anhören) – groovt etwa schon ganz involvierend, mutet im Hoch-Mittenbereich nichtsdestotrotz etwas weniger gefällig, etwas kantiger an als über eine Sehring 902 oder Spendor D9 – beide übrigens ebenfalls tonaler Neutralität verpflichtet.

Was damit zusammenhängen kann, dass es die Nubert nuPyramide 717 dynamisch nicht nur wie beschrieben im Bass krachen lässt, sondern auch im restlichen Frequenzbereich zackig wie ein tollwütiger Haase unterwegs ist, was bei schlechteren Aufnahmen – einer harten Auto-Sportfederung gleichsam – eben nicht gerade kaschierend wirkt: Wenn es beispielsweise darum geht, Toms knallen zu lassen sind die nuPyramide 717 in ihrem Element – in der Mittellagen derart involvierend abrupt und kontrolliert auf den Punkt Energie loszutreten, vermögen die Sehring 902 und Spendor D9 dann auch nicht ganz, obwohl beide Lautsprecher dynamisch ebenfalls gut im Futter stehen. Die D9 entwickelt zudem weniger Druck im Bass, zählt gleichwohl auch aufgrund der besonderen feinstofflichen Durchhörbarkeit und ausgedehnten Bühne zu meinen absoluten Lieblingslautsprechern aktuell.

Nubert nuPyramide 717 Frequenzweiche Verarbeitung außen

Das markante Design der Nubert nuPyramide 717 wird polarisieren, die handwerkliche Qualität des mit Mahagoniholz und kunstlederbezogenen Schallwänden aufwartenden Gehäuses absolut überzeugen

Hi-Hats und Becken – und damit sind wir beim Hochtöner – sind über die Nubert nuPyramide 717 ebenfalls eine Wucht. Einerseits das Dynamikverhalten betreffend, bei dem neben einer anspringenden Attack auch das Sustain, also das Nachschwingen, vorbildlich zur Geltung kommt. Andererseits mit Blick auf die Auffächerung und damit Durchhörbarkeit der charakteristischen Texturen dieser Instrumente, deren Komplexität man keinesfalls unterschätzen sollte – man kann sich über den Klang verschiedener Becken und Hi-Hats wie über Rotweine unterhalten.

Charakteristisch für den Hochton der Nubert nuPyramide 717 zudem: Die Nubert-Entwickler haben offenbar auf maximale Luftigkeit verzichtet: Was nicht mit Auflösung gleichgesetzt werden soll – hier brilliert der Hochton der 717 wie gesagt –, sondern den Superhochton betrifft beziehungsweise das Vermitteln alleroberster, „hauchiger“ Hochtongefilde. Eine Disziplin, die etwa meine Spendor D9 bestens beherrscht, die Nubert nuPyramide 717 klingt obenrum im Vergleich – ja, so könnte man es ausdrücken – einen Tick „trockener“, weniger ätherisch. Akkurat und frei von unbotmäßiger Zischeligkeit oder Silbrigkeit geht es übrigens hüben wie drüben zu.

Bühnentechnik

Clair Obscure AntigoneRäumlich – insbesondere mit Blick auf die Ortungsschärfe – mimen die Nubert nuPyramide 717 dann wieder den Musterknaben: Stimmen präsentieren sich unmissverständlich definiert in der Bühnenmitte festgenagelt, was nicht zuletzt für eine hohe Paargleichheit der Lautsprecher spricht. Aber auch das Wandern vom linken zum rechten Kanal einer vom Schlagzeug vorgetragenen Dreivierteltakt-Rhythmusfigur sowie das Wiederbesetzen des linken Kanals durch ein Cello/Baritone-Saxophon-Unisono transportieren die nuPyramide 717 überaus schlüssig-präzise. Wir hören hier übrigens abermals Clair Obscur – der Titel „Procession“ ist Bestandteil eines Albums, das ursprünglich als „Soundtrack“ zu einer Inszenierung von Sophokles’ Antigone komponiert wurde – mit aufnahmetechnisch hervorragend eingefangenen, sehr naturbelassen-pur klingenden Instrumenten.

Bei alledem gerät die Dimensionierung der Bühne in ihrer Breite so wie es sich für neutrale Lautsprecher gehört, in der Vertikalen ist allerdings ungefähr bei Boxenoberkante Schluss. Ein Phänomen, das meiner Erfahrung nach häufig mit dem Thema Luftigkeit korrespondiert. Wer auf hochaufgeschossene Walls of Sound steht, wäre beispielsweise mit der nuVero 170 besser, um nicht zu sagen: bestens bedient.

Schalten und walten

Klar, den Rundumbetrieb dürfen wir nicht vergessen, der wirklich eine faszinierende Wirkung entfalten kann, wie ich auf der letzen High End in München erleben durfte, als Nubert dazu einlud, durch den Vorführraum zu wandern. In meinem Hörraum empfand ich den Sweetspot löblicherweise schon im Direktbetrieb nicht sonderlich beengt, meine Sehring 902 und Spendor D9 reagieren auf leichte Positionswechsel auf meinem Hörsofa jedenfalls sensibler. Und klar, im Rundumbetrieb klingt es sogar auf dem nebenstehenden Sessel räumlich noch etwas homogener. Gleichwohl halte ich meinen Hörraum für im Grunde zu klein, um dieses Feature voll auszureizen: Eine Aufstellung etwa in der Raummitte, laut Nubert ja ebenfalls möglich, mutet bei knapp 30 Quadratmetern eher absurd an.

Typenschild der Nubert nuPyramide 717

Aber man kann ja zwischen Direkt- und Rundumbetrieb auch unmittelbar im Sweetspot vergleichen: Hierbei mutet insbesondere der Hochton im Direktbetrieb definierter an. Im Rundumbetrieb hingegen gestaltet sich der Raumeindruck bei manchen Stücken ausladender, die Bühne wird distanzierter in die Tiefe gestaffelt und von zusätzlichen Hallanteilen geprägt, was bisweilen einen zusätzlichen Live-Effekt ergibt, bisweilen aber auch irritieren kann.

Zu guter Letzt: Die Nubert nuPyramide 717 sind hochpräzise Monitore, die entsprechend kompromisslos Feinheiten aufdecken. Und sei es in eigener Sache: Bei meinen Testmodellen lohnt es sich jedenfalls hörbar, die rückwärtigen Schalter hin und wieder zu bewegen. Was im Grunde für alle mechanischen Kontakte, mithin auch die Stecker der Verkabelung ihrer Anlage oder Bi-Wiring-Brücken gilt. Ja, das Thema Übergangswiderstände mutet nerdy an, ist aber klanglich leider nicht zu unterschätzen.

Nubert nuPyramide 717 Froschperspektive

Test: Nubert nuPyramide 717 | Standlautsprecher

  1. 1 Rundum drin statt nur dabei
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