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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Schwäbische Schallkultur
  2. 2 Interview mit Günther Nubert

Bei meinem letzten Besuch im Oktober vergangenen Jahres in Schwäbisch Gmünd war von Nuberts neuestem Projekt nur der Rohbau zu sehen. Umso erstaunlicher, wie zügig sich der Neubau der Firmenzentrale (www.nubert.de) bis zur Fertigstellung entwickelt hat und noch spannender zu sehen, was sich alles in ihm verbirgt.

Nubertstraße 1 von oben

Die Nubertstraße 1

Vielleicht kennen Sie den Spruch: „Sag mir, wer dein Freund ist, ich sage dir, wer du bist“. Mit Blick auf Nubert lässt sich dieser Spruch ummünzen: „Sag mir wohin Du fährst, und ich sage Dir, zu wem Du gehst“ – was dann in der Konversation mit anderen Audiophilen ungefähr so klingt: „Du fährst nach Schwäbisch Gmünd? … Zu Nubert?!“ Ja, Firmen- und Ortsname sind quasi untrennbar miteinander verbunden.

Im nahegelegenen Schorndorf befindet sich übrigens das Geburtshaus Gottlieb Daimlers. Karl Benz wiederum, gleichwohl in Karlsruhe geboren, gilt als bedeutendster Sohn Mannheims, jedoch nicht verwandt oder verschwägert mit den aktuellen Söhnen – Sie wissen, worauf ich hinaus will. Und Schwäbisch Gmünd? Gilt zwar nicht unbedingt als die Wiege deutscher Industriekultur, hat aber mit Günter Nubert einen Tüftler und Forscher am Start, der in den späten 60er-Jahren aus einer Garage heraus – bekanntermaßen nicht das schlechteste Vorzeichen für künftigen Erfolg – seine Passion zur Berufung machte. Und ist seitdem vom sanft belächelten, unorthodoxen Newcomer zu einem der renommiertesten deutschen Lautsprecherentwickler avanciert. Aber der Reihe nach.

Nubertstraße 1 Bauarbeiten

Finale Bauarbeiten

Bereits bei der Adresseingabe in das Navigationssystem muss ich schmunzeln, denn seit kurzem wird dort ja die standesgemäße Nubertstraße 1 gelistet. Hoppla, hier ist offenbar eine Stadt Stolz auf ihren Exportschlager in außerschwäbische Gefilde. Vermutlich hätte sich Günter Nubert im Jahre 1975 – das Geburtsjahr der Nubert electronic GmbH – nicht träumen lassen, dass später ein ganzer Straßenzug nach ihm benannt wird.

Ja, seit den Anfängen hat sich extrem viel getan, und man kann behaupten, dass nicht zuletzt die vergangenen zwei Jahre für Nubert besonders turbulent gerieten. Freude und Bestürzung lagen nah beieinander. So feierte man im Jahr 2015 ausgiebig das 40jährige Jubiläum, um sich ein Jahr später während einer verheerenden Überschwemmung den Naturgewalten mit jeder zur Verfügung stehenden Hand entgegenstemmen zu müssen. Trotz aller Bemühungen fiel am 29. Mai 2016 ein Großteil des Lagerbestandes den Fluten zum Opfer. Darunter auch der gesamte Bestand der just vorgestellten nuPower-A-Endstufe, wobei zunächst sogar Unsicherheit über die Realisierbarkeit einer erneuten Auflage herrschte.

Nubert nuPower-A-Endstufen

In der ersten Reihe: Nubert nuPower-A-Endstufen

Das Nubert-Team musste bei alledem nicht nur Aufräum- und Aufbauarbeit unter einen Hut bringen, sondern in dieser kritischen Situation auch besonderes Augenmerk auf die Kundenbetreuung legen. Neue Lautsprecher lassen sich nun mal nicht von heute auf morgen bauen und ausliefern – Geduld ist aber vielerorts ein rares Gut geworden. Aber Ende gut, alles gut. Nach und nach konnten alle Bestellungen bedient werden, die Nubert nuPower A mit viel Einsatz und Engagement wieder in Produktion gehen und ganz nebenbei wurde auch der Neubau weiter vorangetrieben.

Nach all diesen stürmischen Zeiten konnte man 2017 schließlich ein Häkchen bei der Fertigstellung der neuen Firmenzentrale machen. Das bisherige Gebäude in der Goethestraße 69 platzte trotz zahlreicher An- und Umbauten schlicht aus allen Nähten. Und wenn man ganz genau hinhört, schwingt in den Worten von Marketing-Chef Roland Spiegler auch immer eine gewisse Wehmut mit, dass man nicht bereits doch ein Jahr vorher mit dem Bau fertig geworden war. Denn dann hätte das Hochwasser im höhergelegenen Neubau keinerlei Schaden angerichtet.

Neben zahlreichen neuen hellen Büroräumlichkeiten findet nun auch eine zentrale Zusammenführung vormals externer Auslieferungslager sowie des bisherigen, durch die Fluten seinerzeit in Mitleidenschaft gezogenen Lagers statt. Aber nicht nur Lagerfläche gibt es im neuen Gebäude satt: Bei meiner geführten Tour durch die neuen Räumlichkeiten treffe ich zunächst auf die Reparaturwerkstatt. Welche mich bei der Größe des sonstigen Komplexes zu einer Frage nötigt: „Was? Das ist alles?“

Reparaturwerkstatt bei Nubert

Das ist alles? Die Reparaturwerkstatt von Nubert

Offensichtlich kommt bei Tobias Höfer, dem Serviceverantwortlichen für Reparatur und Instandhaltung, gerade so viel Arbeit zusammen, das keine zweite Kraft benötigt wird. Mein Blick schweift über ältere Komponenten, hauptsächlich Subwoofer, die bereits seit Jahren ihre Pflicht erfüllen.

Wer hier in der neuen Firmenzentrale eine vollständige Produktionslinie wähnt, der dürfte enttäuscht werden. Nubert überlässt die Herstellung der Gehäuse sowie die Bestückung der nuVero- und nuLine-Lautsprecher der Firma Roterring, die sich als Möbelmanufaktur bereits seit achtzig Jahren einen Namen macht und beachtliches Know-how mitbringt. Der Rest der Fertigung findet innerhalb Europas in Polen sowie in Fernost statt. Anders – und daraus macht der Hersteller Nubert ebenfalls kein Geheimnis – lassen sich die abgerufenen Preise nun mal nicht realisieren.

Die Eingangskontrolle bei Nubert

Die Eingangskontrolle der komplett montierten Lautsprecher

Interessant im Zusammenhang mit der externen Produktion ist die pingelige Eingangskontrolle von Chassis und sonstigen Komponenten im Wareneingang (der sowohl Chassis, Einzelkomponenten als auch die komplett fertige Ware einschließt). Nubert leitet diese nicht einfach weiter, sondern prüft 10% des Eingangs direkt bei Anlieferung. Anschließend führt der weiterverarbeitende Betrieb ebenfalls eine 10%-Qualitätsstichprobe durch. Wer sich ein wenig mit Statistik auskennt, weiß, dass bei entsprechender Grundgesamtheit so bereits recht valide Schlüsse gezogen werden können. Kommen die fertig hergestellten Lautsprecher zurück, stehen erneute Qualitätschecks an – die für die finalen Kontrollen benötigten Referenzmuster befinden sich säuberlich aufgereiht in einem Schwerlastregal. Treten in einem der Prozesse Mängel auf, wird die Qualitätskontrolle auf bis zu 100 % ausgedehnt und werden die Komponenten im schlimmsten Fall wieder an den Zulieferer zurückgeschickt. Ein Umstand, der, so Nubert, bisher nur sehr selten zum Tragen kam.

Rücklauf-Zentrum bei Nubert

Das Nubert’sche Rücklaufzentrum

Weiter geht es zur nebenan gelegenen Rücklauf-Abwicklung. Wie bereits hinlänglich bekannt, gewährt Nubert seinen Kunden innerhalb eines Zeitraum von vier Wochen ein kostenloses Rückgaberecht. Im Grunde eher eine Seltenheit, doch wo sonst als in den eigenen Räumlichkeiten lässt sich ein neuer Lautsprecher am besten daraufhin prüfen, ob er klanglich den eigenen Erwartungen entspricht?

Sendet ein Kunde seine Lautsprecher tatsächlich wieder zurück, werden diese nicht einfach in einen neuen Karton gepackt und wieder als Neuware verkauft. Dazu muss man zum besseren Verständnis wissen, das Nubert grundsätzlich keinerlei Rabatte auf Neuware gewährt. Wer ein Schnäppchen machen will, muss also entweder fleißig auf Rückläufer warten, die entweder als „2. Wahl“ oder „B-Ware“ deklariert wurden. Zwei Mitarbeiter kümmern sich um die Rückläufer, packen sie aus, begutachten kritisch den Zustand und führen Funktionstests durch. Sind die Rückläufer makellos oder zumindest innerhalb eines Abstands von zwei Metern kleinere Kratzer oder Lack-Furnierfehler nicht mehr ersichtlich, spricht Nubert von „2. Wahl“ und gewährt je nach Zustand um 15 % Rabatt auf den Neupreis.

Testberichte über Nubert

Nubert feierte kürzlich seinen tausendsten(!) erfolgreichen Testbericht

Bei Beschädigungen, die deutlichere Spuren nach sich ziehen, spricht der Hersteller von „B-Ware“ und gewährt noch ein paar zusätzliche Prozente Nachlass obendrauf. Man sei, so versichert mir Roland Spiegler, in dieser Hinsicht durchaus mehr als pingelig. Die wenigen Rückläufer wären schnell vergriffen und es würde ihn persönlich umso mehr freuen, wenn Käufer eines Zweite-Wahl-Lautsprechers das Feedback gäben – sei es im NuForum oder per E-Mail -, dass auch bei näherer Betrachtung nichts Gravierendes festgestellt werden konnte.

Apropos nuDays: Wir erinnern uns an das Motto von Nubert, „ehrliche Lautsprecher“ zu bauen. Das sei nicht nur ein Spruch, betont Roland Spiegler im Gespräch, während wir uns weiter durch die Hallen bewegen. Ein ehrlicher, offener Umgang untereinander und mit den Kunden gehöre vielmehr seit jeher zur Leitlinie des Unternehmens. Daher werden regelmäßige Veranstaltungen wie eben die nuDays oder ein eigenes Internetforum („NuForum“) gepflegt, welches mittlerweile zu einer der größten Communitys für HiFi-Begeisterte herangewachsen ist.

Generell zeigt sich Nubert frei von Berührungsängsten und macht, wie der Schwabe zu sagen pflegt, „ebbes für d Kundschaft“. Dazu gehören die Workshops bei den nuDays und auch die unzähligen Gespräche, bei denen Kundenwünsche nicht nur wahrgenommen werden, sondern tatsächlich auch in die künftige Produktentwicklung einfließen. Parallel zum Versandgeschäft bietet Nubert in eigenen Verkaufsgeschäften – die Standorte befinden sich in Schwäbisch Gmünd, Aalen und Duisburg – die Möglichkeit, sämtliche Lautsprechermodelle mit eigener Musik ausgiebig zu hören. Und damit alles so reibungslos funktioniert, beschäftigt Nubert summa summarum mittlerweile rund 80 Mitarbeiter.

Nubert Ladengeschäft

Das Nubert-Ladengeschäft in Schwäbisch Gmünd

Dass die neuen Räumlichkeiten bei Nubert reichlich Platz bieten, stellt man recht schnell fest – von A nach B führen lange Laufwege. Macht nichts, im Gegenteil: So bleibt Roland Spiegler eben nichts anderes übrig, als aus dem Nähkästchen zu plaudern und interessante Aspekte, die in den Neubau hineingeflossen sind, zum Besten zu geben. Kommissionierung und Versand beispielsweise bilden einen gemeinsamen Bereich, mit direktem Zugriff aufs zentrale Lager – unser nächster Anlaufpunkt: Beim Anblick von um die 3000 Paletten, vollgepackt mit Lautsprechern, schwerer Verstärker-Elektronik, Subwoofern und einem reichhaltigen Sortiment an Zubehör, allesamt bereit zur Auslieferung, kann man dem technologisch versierten Audiospezialisten, der von manchem etwas verniedlicht auch als schwäbischer „Böxlebauer“ tituliert wird, im Grunde nur Respekt zollen: „Lagerhaltung“, so lässt mich Roland Spiegler in diesem Zusammenhang wissen, „ist in der heutigen Zeit kein einfaches Unterfangen.“ Stets müsse mit Bedacht kalkuliert werden und die richtige Menge an Material, Gehäusen etc. in Produktion gebracht werden. Dass eine bestimmte Ausstattung oder Variante nicht sofort lieferbar ist, nehme der Kunde nur ungern hin. All dies stelle eine Herausforderung für den Hersteller, aber auch die Zulieferer dar.

Kommissionierung und Versand

Kommissionierung und Versand

Das komplette Auslieferungslager in Schwäbisch Gmünd zu bündeln, war ein logischer Schritt, senkt es doch die Reibungsverluste in der internen Bearbeitung, mithin in diesem Zusammenhang entstehende Kosten. Umso mehr erstaunt mich, dass Roland Spiegler plötzlich von „chaotischer Lagerung“ spricht. Jede eingehende Palette, so werde ich aufgeklärt, wird bei der sogenannten „chaotischen Lagerhaltung“ rechnerbasiert freien Lagen und Plätzen zugeteilt. Statt eines starren Systems, das stumpf etwa alphabetisch oder nach Produktkategorie sortiert, erlaubt die „chaotische Lagerung“ die optimale Ausnutzung des Raums und verhindert so unnötigen Leerstand.

Dennoch mutet das Ganze keineswegs chaotisch an, ganz  im Gegenteil: Alles ist fein säuberlich aufgereiht und nach dem logischen Prinzip eines übereinander aufgereihten Magazins angeordnet. Ist eine Palette nahezu aufgebraucht, steht in zweiter Ebene direkt darüber positioniert schon die nächste bereit. Kommt diese zum Einsatz, wird entsprechend nachgeordert. Die Gänge sind breit genug, um mit dem Gabelstapler komfortabel manövrieren zu können und auch sonst hat man sich reichlich Gedanken gemacht.

Nubert Hochregallager

Beispielsweise beim Arbeitsschutz. Bestmögliche Kapazitätsausnutzung ist denn auch nur eine der vielen Aufgabenstellungen bei der Optimierung der Lagerhaltung – die Bewältigung schierer Kilos beziehungsweise Masse eine weitere: Denn Lautsprecher vom Schlage einer nuVero 140 oder gar nuVero 170 bringen durchaus respektables Gewicht auf die Waage. Diese mehrmals am Tag händisch zu wuppen, dürfte sicherlich der Alptraum einer jeden Bandscheibe sein. Hier hat Nubert ein pfiffiges Unterdrucksystem installiert, mit dem auch die schwersten Lautsprecher spielend leicht vom Regal geholt werden können.

Lastensystem bei Nubert

Schweres leicht gemacht …

Lager bei Nubert

… per Unterdruck

Beeindruckend, was heutzutage alles machbar ist. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf geht es weiter in die zweite Herzkammer des Gebäudes, das neu entstandene Entwicklungs- und Messlabor. Dazu muss man sagen, dass Günter Nubert sein eigenes Labor in der Goethestraße auch weiterhin betreibt – Bewährtes gibt der Schwabe nicht mal eben wegen eines Neubaus auf. Entwickler Markus Pedal ist – noch während meine Wenigkeit die Notizkladde eifrig bearbeitet – aber im neuen Labor aktiv und lässt die Digitalanzeigen und Zeiger verschiedener Messgeräte fleißig zappeln.

Entwickler Markus Pedal

Entwickler Markus Pedal im Entwicklungs- und Messlabor

Nicht weit entfernt wartet Herr Thomas Bien mit dem nächsten Schmankerl, dem neu erschaffenen Messraum in Gestalt eines reflexionsarmen „Halbraums“, der also einen festen, akustisch entsprechend weniger „toten“ Bodenaufbau aufweist – noch reflexionsärmere „Vollräume“ wären hingegen nur über eine trampolinartige Konstruktion begehbar. Beim Heilbronner Kopfhörerspezialisten Beyerdynamic – dort durfte ich vor gar nicht allzu langer Zeit einen derartigen Vollraum betreten – mit seinen Mikrofonen und Kopfhörern macht das durchaus Sinn. Eine schwergewichtige nuVero 170 auf einen „wackeligen“, trampolinartigen Boden mit unterschiedlich ausgerichteten Messmikrofonen zu positionieren, würde definitiv keinerlei Sinn machen.

„Aber“, so blitzt ein verschmitztes Lächeln bei Thomas Bien – ebenfalls zum Entwicklerteam gehörig – auf, „macht nichts.“ Denn erklärtes Ziel war es, die Vorteile beider Raumsysteme nutzbar zu machen. Um einen „Vollraum“ zu simulieren, nutzt Thomas Bien einfach den Verschnitt von drei Tonnen Polyestervlies, die im 7,5 x 6 x 6 Meter (HxBxT) großen Raum insgesamt und im wahrsten Sinne des Wortes „vollflächig“ zum Einsatz kommen. Der Boden wird hierbei komplett mit Vlies ausgelegt und der zu messende Lautsprecher per spezieller Vorrichtung etwa in ein Meter Höhe positioniert. Bodenreflexionen verlieren auf diese Weise größtenteils ihre Relevanz: „Es reflektiert ja im Grunde kaum noch etwas“, erklärt Thomas Bien.

Der Messraum von Nubert

Die hängenden Gärten von Schwäbisch Gmünd – oder auch der schlicht der Messraum

Wendet man im Messraum den Blick nach oben, sieht man massive, in etwa eine Handbreit dicke Akustikelemente, die von der Decke hinab zu schweben scheinen – die Seitenwände sind natürlich ähnlich geschmückt. Unterschiedliche Farbgebungen signalisieren unterschiedliche Materialdichten und somit Absorptionsgrade. Die bis zu drei Meter erreichenden Längenmaße der Akustikelemente sind exakt der Bestimmung des Raumes angepasst: Man könne hier vorzüglich messen, gibt mir Thomas Bien zu verstehen, aber Musikhörer würde dieser Raum keinesfalls glücklich machen. Konzipiert und realisiert wurde der Messraum inklusive Bedämpfung übrigens in Eigenregie – spezialisierte Akustikbüros blieben außen vor. Auch so etwas hatte ich im Hinterkopf, als ich weiter oben vom schwäbischen Tüftlergeist sprach.

Thomas Bien von Nubert

Entwickler Thomas Bien im in Eigenregie konzipierten Nubert-Messraum

Bei meiner letzten Station in einem der Hörräume innerhalb des neuen Gebäudes trifft auch Günther Nubert ein. Unprätentiös und sachlich zunächst, mischt sich wie aus dem Nichts emotionaler Pathos unter, als das Gespräch auf die vor uns stehenden Prototypen der Pyramide 717 gelenkt wird. Ursprünglich in den siebziger Jahren entwickelt, war die erste Pyramide mit der Typenbezeichnung 707 Teil einer ganzen Produktfamilie. Seinerzeitiges Ziel war es, einen besonders räumlich klingenden Lautsprecher zu entwickeln.

Und während die meisten Lautsprecher in der Regel nur eine frontseitige Schallwand aufweisen, ist auf der Rückseite der aktuellen nuPyramide 717 quasi eine Replik der vorderen Chassis-Bestückung zu finden. Die linke und rechte Seitenwand des Lautsprechers sind zudem jeweils mit einem Hochtöner bestückt.

Günther Nubert & nuPyramide717

Günther Nubert & nuPyramide 717

Der monumentale Basstreiber der nuPyramide717

Der monumentale Basstreiber der nuPyramide717

Nun war die damalige Pyramide707 nicht von schlechten Eltern, aber die neue, zum vierzigjährigen Pyramiden-Jubiläum aufgesetzte nuPyramide 717 wird ihre Urahnen selbstredend in allen Belangen deutlich übertreffen. Das resultiert bereits aus der Treiber-Bestückung, allesamt Neuentwicklungen und eigens für Nubert gefertigt. Die Frequenzweiche befindet sich im Sockelbereich und ist handverlesen hochqualitativ bestückt. Bei meinen Hörrunden fallen nicht zuletzt eindrucksvoll schiebende, gleichwohl hochpräzise untere Oktaven und eine breit aufgefächerte Räumlichkeit ins Ohr. Mehrere Bassquellen in unterschiedlichen Abständen zur Wand, so erklärt Günther Nubert, führten zu verminderten Raumresonanzen, es dröhne also weniger.

Die Weiche der Nubert nuPyramide 717

Die Weiche der Nubert nuPyramide 717

Nähert man sich der nuPyramide 717, fällt zudem ihre außergewöhnliche Verarbeitungsqualität auf. Das schlägt sich natürlich auch kostenseitig nieder: Mit einem Paarpreis um 14.000 Euro markiert die nuPyramide 717 die absolute Spitze des Nubert-Portfolios. Wie Roland Spiegler anmerkt, sind es gerade Besitzer der Ur-nuPyramide, die sich im Rahmen der Vorführungen der nuDays nicht davon abhielten ließen, bereits die ersten Bestellungen in Auftrag zu geben.

Nubert nuPyramide 717 Verarbeitung

Verarbeitungsfeinkost

Last but not least: Auch die neuen nuVero 170 darf ich schließlich in einem eigens für diese Lautsprecher konzipierten Hörraum zum Tanz bitten: Um es kurz zu machen: ein Meilenstein! Die souveräne Spielweise, mit der sie enorme Homogenität, beeindruckende Räumlichkeit und eine spielerische Leichtigkeit zu einem großen Ganzen webt, ist schlicht betörend. Dabei wechselt sie mit außergewöhnlicher Leichtigkeit von markerschütterndem Tutti zu filigranem Adagio – während ich still nach Fassung ringend über die Auflösung meines Bausparvertrages sinniere. Die Nubert nuVero 170 sind Lautsprecher, die ich mir definitiv noch einmal genauer anhören muss.

Nubert nuVero 170

Darf ich bitten? Nubert nuVero 170

Aber stellen wir an dieser Stelle mal sämtliche (Traum-)Tänzerei ein und wechseln abschließend noch ein paar ganz realistische Worte mit Günther Nubert …

Firmenbericht: Besuch bei Nubert in Schwäbisch Gmünd

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