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Adam Audio / Hoerzone
Demnächst im Test:

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Bleibt alles anders
  2. 2 Testfazit: HiFiAkademie PowerAmp P6s

Der Leimener Hersteller HiFiAkademie hat seit Kurzem eine Alternative zum Endverstärker PowerAmp P6 im Portfolio. Der PowerAmp P6s (Web: https://hifiakademie.de; Preis des Testgerätes: 1.240 Euro) hat weniger Leistung, weniger Funktionen und eine niedrigere Bauhöhe als der P6. Dafür kostet er mehr. Ist denn das zu fassen?

Die Entwarnung kommt gleich zu Beginn: Nein, mit Hubert Reith, dem Mann hinter der HiFiAkademie, sind nicht die Pferde durchgegangen. Er hat die Endstufe PowerAmp P6 nur dermaßen grundlegend weiterentwickelt, dass hier buchstäblich kein Stein mehr auf dem anderen steht. Das betrifft nicht nur das Gehäuse, das nun – endlich, möchte ich fast stoßseufzen – mal richtig elegant und wertig aussieht, sondern auch das Innenleben.

HiFiAkademie P6s

Geblieben ist vom P6 im Grunde nur das Konzept: Der PowerAmp P6s ist immer noch eine Class-D-Endstufe. Gestrichen wurde allerdings das DSP-Modul. Geiz sei indes nicht der Grund dafür, so Reith per E-Mail: „Der DAC aus unserem Haus hat einen DSP, der netPlayer ebenso – und der optisch perfekt passende Stream5 hat in der Zwischenzeit auch eine DSP-Funktion erhalten.“ In der Quelle, so Reith weiter, habe der DSP direkten Zugriff auf das digitale Signal. In der Endstufe müsse man hingegen in der Regel AD-DA-wandeln. Wenn irgend möglich, sollte das Signal also dort bearbeitet werden, wo eine doppelte Wandlung vermieden werden könne. Klingt plausibel.

HiFiAkademie P6s

Von Grund auf neu konzipiert wurde die Class-D-Leistungsstufe. Reith kauft diese nämlich nicht ein, wie so manch ein anderer Hersteller es macht, er entwickelt selbst. Im HiFiAkademie PowerAmp P6s hat die Endstufe einen doppelten Regelkreis. Zum einen kommt sie mit einer lokalen Rückkopplung, über die auch die Pulsmodulation eingestellt wird. Eine zusätzliche Stufe regelt die Restfehler aus, ohne sich um die Taktrate „kümmern“ zu müssen. Auf diese Weise, so Reith, reagiere der PowerAmp P6s sehr schnell und ohne dass die Genauigkeit leiden müsse. Als Maximalleistung wird 2 x 200 Watt an 4 Ohm angegeben, das dürfte auch flügellahme Lautsprecher zum Klingen bringen. Zugang zum PowerAmp P6s wird symmetrisch (XLR) und unsymmetrisch (Cinch) gewährt, per rückseitigem Umschalter wird der jeweilige Eingang scharf geschaltet. Ich habe überwiegend, so wie in der Betriebsanleitung empfohlen, per XLR verbunden.

HiFiAkademie powerAmp P6s - Innen

Innenansicht vom HiFiAkademie PowerAmp P6s

Wie man in den Wald hineinruft …

Was erhofft man sich eigentlich von einer Class-D-Endstufe? Wer sich bewusst für einen Röhrenverstärker entscheidet, der wird ja möglicherweise klanglich nicht die ganz reine Lehre erwarten, sondern das, was dem Röhrenklischee entspricht – ein weiträumiges, euphonisches, an den Frequenzgangenden verrundetes Klangbild. Meine bisherigen Erfahrungen mit Class-D-Verstärkern hingegen waren ein bisschen uneinheitlich: Da gab es zum Beispiel den etwas milde und zurückgenommen aufspielenden NAD C390DD, aber auch die Präzisionsmaschine M32 aus dem gleichen Haus – oder den kleinen Kraftzwerg NuForce Icon 2, aber dann wiederum den quirligen, livehaftig aufspielenden Edge A2 von XTZ. Wo lässt sich der HiFiAkademie PowerAmp P6s in diesem Feld verorten?

HiFiAkademie P6s

Nun, für meinen Geschmack ist er – klanglich wie preislich – ein Vertreter der goldenen Mitte. Der PowerAmp P6s schafft es nämlich spielend, im Dreieck aus Dynamik, Tonalität und „stereofoner Raumgestaltung“ alles das auszuschöpfen, was preisklassenmäßig so machbar ist, ohne dabei in irgendeiner Disziplin Abstriche machen zu müssen. Praktischerweise unterstreicht er durch dieses Talent genau die Gangart, die ihm durch die Vorstufe vorgegeben wird, und zeigt sich damit als sehr „durchlässiger“ Vertreter der Gattung. In einer ersten Versuchsrunde habe ich den PowerAmp P6s mit der Vorstufe meines Hegel H90 beschickt – ein Amp, der klar, dynamisch, zackig aufspielt.

Daft Punk - Random Access MemoriesKein Problem für den HiFiAkademie PowerAmp P6s, denn er kann richtig gut abgehen. Daft Punks Hit „Giorgio by Moroder“ (Album: Random Access Memories; auf Amazon anhören) ist eine handgemachte, lupenreine Disconummer: zunächst stumpfer Beat, später herrlich komplexes Schlagzeugspiel, dazu ein geradezu konzertant gespielter Fender Jazzbass, Fender Rhodes und knackige Funk-Gitarre. Das muss zum Tanzen anregen, da bleibt niemand mit seinem Drink an der Bar stehen. Der PowerAmp P6s geht über die gesamte dynamische Bandbreite des Songs voll mit. Knackige, schnelle Bässe, sauberes Timing und blitzschnelle Attacke bei verwegenen „halboffene-Hi-Hat-Abstoppern“, ausgezeichnete Feinabstufung bei Lautstärkewechseln, Soundeffekte ohne Verzug und mit Spielfreude in den Raum schallern – genau so muss das! Aber auch tonal ist alles da, ohne dass es irgendwo klemmt oder überbetont wird: Die Bässe kommen richtig schön tief und durchzugsstark, aber nicht künstlich angedickt, das Mittenband ist sauber, zeichnet bestens durch – und der Höhenbereich arbeitet die unzähligen Obertonschattierungen von Ride- und Crashbecken, von getretener und zischelnder Hi-Hat perfekt heraus. Die Bühne wiederum wird nicht „gemacht“, sondern abgebildet: Ist der Raum bei der Aufnahme weitläufig und tief, wird er auch beim Abhören so sein – und umgekehrt.

HiFiAkademie P6s - Rückseite

Der gleiche Hördurchgang mit der Röhrenvorstufe XA3200 MK2 von Audreal zeigt – wieder einmal –, wie dramatisch der Einfluss der Vorverstärkung auf den Gesamtsound ist. Nun geht’s dynamisch etwas gemütlicher zu Werke (keine Sorge, das Tanzbein zuckt immer noch), dafür fächert sich das Mittenband noch einmal ganz anders auf: Sequenzer, Fender Rhodes, künstliche Streicher, Rhythmusgitarre – das alles verwebt das Set-up aus Röhrenvor- und Class-D-Endstufe zu einem verführerisch-anmachenden Soundteppich; zugleich sind alle diese Instrumente aber sehr gut voneinander zu unterscheiden. Und das zahlreich eingesetzte „Blech“ des Drummers witscht nun vielleicht nicht mehr ganz so scharf ins Ohr, dafür „rieselt“ feinster Goldstaub, ohne dass die einzelnen Obertonschattierungen nun schlechter als zuvor unterscheidbar wären. Der PowerAmp P6s folgt der Darstellung der Röhrenvorstufe exakt und bildet ihr Klangprofil perfekt ab. Was im Umkehrschluss bedeutet: Er kann eben so – oder auch ganz anders.

Anschlussfeld HiFiAkademie powerAmp P6s

Quervergleiche

Ich hatte ja eingangs vier Class-D-Amps erwähnt, mit denen ich mich bereits ausführlich beschäftigen durfte. Im Konkurrenzfeld dieser Amps würde ich den PowerAmp P6s zwar nicht auf das Siegertreppchen heben – hier gehört dann doch der dreieinhalbmal so teure NAD M32 hin –, ihn aber guten Gewissens auf Platz 2 einsortieren. Warum? Nun, fangen wir oben an: Der Vollverstärker NAD M32 ist klanglich schon noch ein anderes Kaliber: Insbesondere in puncto Fein(st)auflösung und Klarheit setzt dieser Amp für mich Maßstäbe, er erinnert im Grunde schon fast an ein sehr gutes Class-A-Design. Der HiFiAkademie PowerAmp P6s wiederum ist definitiv grobdynamisch zupackender und basspotenter (bei vergleichbarer Feinauflösung) als der NAD C390DD, der immerhin noch doppelt so viel kostet (allerdings auch ein Vollverstärker inklusive DAC ist). Die XTZ-Endstufe Edge A2-300 ist dann schon ein etwas gefährlicherer Gegner für den HiFiAkademie-Amp, denn für lediglich 495 Euro bietet sie Leistung satt bei absolut erwachsenem Klang. Nichtsdestotrotz steht der Leimener Amp für mich, absolut gesehen, besser da – denn sein Obertonbereich inklusive Superhochton ist das entscheidende Quantum auskunftsfreudiger, differenzierter und klarer ausgeleuchtet. Bliebe noch der NuForce Icon (329 Euro), der zwar mit pfiffigem Konzept und eingebautem DAC punktet – aber im Grunde schon wegen der Leistung von lediglich 2 x 24 Watt kein ernst zu nehmender Gegner für den PowerAmp P6 darstellt.

Leistungswilliger Teamplayer

Apropos: Was mich für den HiFiAkademie PowerAmp P6s einnimmt, ist die lässige Art, mit der er seine Leistung erbringt. Diesen Amp kann man kaum aus der Ruhe bringen. Ich habe ihn mit der eher leistungshungrigen Harbeth 30.1 betrieben, aber auch an der einfach zu treibenden Quadral Phonologue Rondo: Selbst bei weit aufgerissener Vorstufe ist der PowerAmp P6s kaum ans Zerren zu bringen, er büßt auch bei hohen Lautstärken weder von seiner Breitbandigkeit noch seinem klanglich neutralen Grundcharakter ein.

Georg Friedrich Händel - FeuerwerksmusikLeider habe ich den P6 nicht gehört, aber mein Kollege Michael Bruß ließ im Resümee seiner Rezension durchblicken, der PowerAmp P6 sei im Zweifelsfall eher etwas für die härtere, rockige Gangart, auch bescheinigte er dem Amp bei allen respektablen Meriten kein überbordendes Talent für die Darstellung feinstofflicher Texturen. Das wiederum kann ich dem aktuellen Probanden überhaupt nicht ankreiden, im Gegenteil: Er löst in allen Frequenzbereichen so auf, wie man das in dieser Preisklasse zu Recht erwarten kann und macht auch fernab von kerniger Rockmusik richtig Freude. Im „Largo alla Siciliana“ bei Georg Friedrich Händels Feuerwerksmusik (HWV 351; auf Amazon anhören) gelingt es ihm, die alle in gleicher Lage und eher zart aufspielenden Streicher, Blech- und Holzbläser bestens zu differenzieren, anstatt elegischen Soundbrei zu servieren. Und im furiosen Finale mit Pauken, Schnarrtrommeln und Orchestertutti – hier sind knapp 100 Mann am Werk – lässt der Amp richtig die Wände erbeben.

hifiakademie-p6s

Müsste ich die hervorstechendste Eigenschaft dieses Verstärkers nennen, so wäre dies ganz klar die Fähigkeit, das zugelieferte Material mit vollem Einsatz zu verstärken – ohne sich groß einzumischen. Das ist durchaus eine Qualität. Denn Endstufen können dynamisch oder tonal schon etwas verschleppen beziehungsweise verschludern. Sie können dem Signal aber auch einen eigenen Stempel aufdrücken oder es in Sachen Bühne künstlich verbreitern oder einengen. Der HiFiAkademie PowerAmp P6s hingegen ist eher der verlängerte Arm des Zuspielers und bringt richtig ordentlich Leistung in den Hörraum.

Testfazit: HiFiAkademie PowerAmp P6s

Es gibt Komponenten, die man als Korrektiv einsetzt: Wenn man ein Gegengewicht zu anderen Mitspielern in der Kette braucht, weil diese klanglich in der einen oder anderen Disziplin Schlagseite haben. Das muss nicht schlecht sein, es gibt viele „spannende“ Stereoanlagen, die ihren Reiz genau aus der Tatsache beziehen, dass sich Einzelkomponenten symbiotisch ergänzen, anstatt sich in ihrem Klangprofil gegenseitig zu unterstreichen. Wenn Sie also auf der Suche nach einem Amp sind, der irgendetwas in Ihrer Kette ausbügeln soll, sind Sie mit dem HiFiAkademie PowerAmp P6s – falsch beraten.

hifiakademie-p6s, Ecke

Alle anderen hingegen, die mit ihrer Anlage im Grunde zufrieden sind, aber durchaus Leistung brauchen – und zwar so viel, dass auch große Hörräume mit wirkungsgradschwachen Lautsprechern noch sicher und wohlklingend beschallt werden –, können bei dieser Endstufe bedenkenlos zugreifen. Alles, was dieser Verstärker gereicht bekommt, saugt er quasi in den Turbolader ein und gibt es mit großer Spielfreude weiter. Noch dazu trägt er aufgrund seiner bescheidenen Abmaße und seines geringen Gewichts nicht auf – man kann ihn problemlos unter den Arm klemmen. Und er wächst definitiv mit seinen Mitspielern: Sie können ihn guten Gewissens mit Quellen und Vorstufen paaren, die eine Preisklasse höher unterwegs sind. Der HiFiAkademie PowerAmp P6s wird sicherlich nicht das Nadelöhr in einer solchen Kette darstellen.

Fakten:

  • Modell: HiFiAkademie PowerAmp P6s
  • Konzept: Class-D-Stereoendstufe
  • Preis: 1.240 Euro
  • Eingänge: 2 x Hochpegel (Cinch/XLR)
  • Ausgänge: ein Lautsprecherterminal
  • Ausgangsleistung: 2 x 200 Watt an 4 Ohm
  • Leistungsaufnahmen: circa 16 Watt im Leerlauf
  • Abmessungen & Gewicht: 30 x 23 x 6,7 cm (BxTxH), 3,8 kg
  • Garantie: 2 Jahre

Hersteller & Vertrieb:

HiFiAkademie
Zähringerstraße 2 | 69181 Leimen
E-Mail: info@hifiakademie.de
Web: https://hifiakademie.de

Test: HiFiAkademie PowerAmp P6s | Endstufe

  1. 1 Bleibt alles anders
  2. 2 Testfazit: HiFiAkademie PowerAmp P6s

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Plattenspieler: Rega Planar 3 Tonabnehmer: Rega Exact

Digitale Quellen: CD-Player: C.E.C. CD 5 Computer/Mediaplayer: Samsung-Notebook mit SSD und Foobar-Mediaplayer und Logitech Squeezebox-Server

Vollverstärker: Hegel H90

Vorstufen: Hochpegel: Abacus Preamp 14, Audreal XA-3200MK2 Phonoverstärker: Pro-Ject Phonobox MM, Pro-Ject Phonobox DS+

Endstufen: Audreal MS-3 (Röhren-Monos), Valvet E2 Endstufe

Lautsprecher: Harbeth 30.1, Nubert nuPro A-100, Nubert nuLine 244, Quadral Rondo

Mobiles HiFi: iPod classic 5 160GB mit Pro-Ject Dock-Box S digital

Kabel: Lautsprecherkabel: Ortofon SPK 500, Real Cable OFC 400 NF-Kabel: Audioquest Evergreen Digitalkabel: Oehlbach XXL Series 7 MKII, Oehlbach XXL Serie 80

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