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Dynaudio Special Forty

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Der Musikbarren
  2. 2 Klangeindruck: HiFiAkademie Stream5

Der Name „Stream5“ macht schon klar: Wir haben es mit einem Netzwerkplayer zu tun. Doch das fünfte streamingfähige Gerät der in Leimen/Baden-Württemberg ansässigen HiFiAkademie (Web: https://hifiakademie.de, Preis des Testgerätes: 1.490 Euro) ist viel mehr als das – es geht als veritable Musikzentrale durch. Da fällt es fast leichter zu sagen, was der Stream5 nicht kann: Phonosignale entzerren und Lautsprecher antreiben. Die passende Class-D-Endstufe im gleichen und wie ich finde coolen Design wird aber in Kürze kommen – und für Vinylfreunde hält man ja den HiFiAkademie Phono bereit.

Ausstattung

Doch zurück zum HiFiAkademie Stream5 und dessen Featurereichtum. Neben zwei Analogeingängen (Cinch) besitzt er zwei koaxiale S/PDIF-Inputs sowie einen optischen; ins heimische Netzwerk lässt er sich über LAN und WLAN einbinden, auf Bluetooth (inklusive aptX) versteht er sich ebenfalls – und über zwei USB-A-Ports lässt der Stream5 den Anschluss entsprechender Speichersticks bzw. Festplatten zu. Für 100 Euro extra bekommt man dann noch einen USB-B-Eingang dazu, der den HiFiAkademie Stream5 zur „externen Soundkarte“ von PCs und Macs macht.

HiFiAkademie Stream5 von vorne

Immer mit an Bord ist dagegen eine SSD-Festplatte von mindestens 64 GB Größe, die der Speicherung von Playlisten, Albencovern und kleineren Musiksammlungen dient. Das ist natürlich ganz besonders interessant, lässt sich so der Betrieb einer „zweiten Kiste“ – einer NAS/eines Musikservers –, von der gestreamt wird, umgehen. One stop shopping! Folgerichtig gibt’s den Stream5 optional auch mit größeren SSDs: Es lässt sich auf 250 GB bis zu 2 TB Größe upgraden, für +100 Euro bis zu +750 Euro Aufpreis. Und hat man seine Musik dann erst einmal im HiFiAkademie Stream5 abgelegt, kann der sie nicht nur selbst abspielen, sondern auch anderen Netzwerkplayern bereitstellen – der Stream5 ist wahlweise also auch ein Server. Das analoge Signal stellt er übrigens an Cinch- und XLR-Ausgängen bereit und die Pegeleinstellung erfolgt digital im DAC PCM5242 von Texas Instruments/Burr-Brown.

Innenansicht vom HiFiAkademie Stream5

Innenansicht vom HiFiAkademie Stream5

Der Stream5 akzeptiert über 200 verschiedene Datenformate, also so ziemlich alles, was man je brauchen könnte – mit zwei prominenten Ausnahmen: DSD und MQA bleiben außen vor. Offenbar geht Firmenchef Hubert Reith nicht jede audiophile Mode mit. Was Datenraten betrifft, lässt der HiFiAkademie Stream5 via Netzwerk und USB-B bis zu 32 Bit/192 kHz zu, über koaxiales S/PDIF 24 Bit/192 kHz, während Toslink bei gleicher Bittiefe „nur“ 96 kHz akzeptiert. Einen guten, gesunden Standard darf man das nennen. Oder: „Noch höhere Taktraten als 192 kHz haben in der Praxis keine Bedeutung, viele Bits ersetzen keine gute Aufnahmequalität“, so Reith. Die Streamingdienste Tidal und Qobuz sind übrigens mit von der Partie und so auch – das bieten noch längst nicht alle – das neue Angebot von Highresaudio.

Beim HiFiAkademie Stream5 herrscht Anschlussvielfalt

Beim HiFiAkademie Stream5 herrscht Anschlussvielfalt

Doch lassen sich mit ihm CDs rippen? Ja – man schließe ein USB-Laufwerk an und los geht’s. Kann er AirPlay? Kann er. Internetradio? Logo, über „radiotime“. Und bei solch einem Gerät wohl kein Wunder: Die analogen Signale werden umgehend digitalisiert (mit 24/96-Auflösung) und hernach so weiterverarbeitet wie die originär digitalen.

Verarbeitung

Der Stream5 ist die am massivsten verarbeitete Komponente der HiFiAkademie, die mir bis dato untergekommen ist. Während die meisten Gerätschaften aus Leimen im funktional-schlichten Kleid daherkommen, besitzt die neue „Multiquelle“ 8 mm starke, aus dem vollen Aluminiumblock gefräste Boden- und Deckenplatten und ein schwarz lackiertes, umlaufendes Rundblech, das für einen netten Farbkontrast sorgt. Der HiFiAkademie Stream5 liegt dementsprechend wie ein kleiner Barren in der Hand – sehr angenehm.

Bedientasten am HiFiAkademie Stream5

Die Eingangswahl- und Lautstärketaster vorne-rechts fallen demgegenüber haptisch dann doch etwas ab, sprich sind schlichte Kost, erfüllen aber ihren Zweck. Maximal schlicht ist auch die beigelegte Universalfernbedienung von Seki – Eingangswahl, Volume, Mute. Das war‘s.

Fernbedienung HiFiAkademie Stream5

Im Alltag wird man aber sowieso kaum die Schalter am Gerät oder die des Gebers zur Steuerung benützen, sondern das …

Webinterface

Richtig gelesen: Hier steht bewusst nicht „App“, denn es handelt sich um eine browserbasierte Steuerungssoftware – die übrigens, wie die Hardware des Gerätes, ebenfalls „Made in Germany“ ist, nämlich vor Ort bei der HiFiAkademie programmiert wurde. Wo gibt’s denn so etwas noch?

Webbasierte Steuerung des HiFiAkademie Stream5: Eingangswahl

Browserbasierte Steuerung des HiFiAkademie Stream5: die Eingangswahl

Mit einem kleinen Augenzwinkern ließe sich zwar sagen, dass die grafische Oberfläche dementsprechend auch ein wenig „selbstgemacht“ ausschaut – und tatsächlich empfiehlt sich ein kurzer Blick in die Doku (PDF-Download), um die Bedeutung des einen oder anderen Icons kennenzulernen. Doch hat man sich erstmal ein-zwei Stündchen durchgeklickt und Dinge ausprobiert, fällt auf: Hier ist alles logisch strukturiert und geht sehr flott von der Hand.

Websteuerung des Stream5

Und der große Vorteil eines browserbasierten Systems ist natürlich, dass man geräteunabhängig ist: Egal ob Windows-Laptop, Android-Tablet, iPhone oder was auch immer – man muss lediglich die Geräte-IP in den Browser eingeben und schon kann es losgehen. Im immer gleichen Look und mit der immer gleichen Bedienlogik. Eine ziemlich smarte Sache, wie ich finde.

Zugang des Stream5 zum Streamingdienst Highresaudio

Zugang des Stream5 zum Streamingdienst Highresaudio

Apropos losgehen: auf zu den Höreindrücken mit dem HiFiAkademie Stream5!

Klangeindruck: HiFiAkademie Stream5

Vor das Musikhören haben die Götter den Schweiß gesetzt. Echt klasse, was der HiFiAkademie Stream5 für eine Anschlussvielfalt bietet – aber als HiFi-Tester muss man das ja auch alles ausprobieren! Doch bevor ich hier noch in Selbstmitleid zerfließe, schnell in geraffter Form meine Eindrücke in einem kleinen Exkurs (den Sie aber auch gerne überspringen dürfen):

Eingangsexkurs

Von den beiden „Convenience“-Schnittstellen, Bluetooth und AirPlay, würde ich als Apple-User Letztere vorziehen – was aber wohl kaum einen überrascht. Nicht nur ist das klangliche Ergebnis mit AirPlay etwas besser (nicht zuletzt weil Apples Mobildevices kein aptX unterstützen), es koppelt sich auch schneller mit meinem iPad bzw. iPhone als der Bluetooth-Eingang des Stream5. Und in der klassischen Situation – man möchte den Ton eines Youtube-Videos zu seiner Anlage „schubsen“ oder sowas Ähnliches – ist das schon ein Argument.

Fürs „ernsthafte“ Musikhören empfehlen sich aber eh die anderen Schnittstellen. Die klanglich besten Resultate erreiche ich mit dem Streaming via LAN und von der internen SSD-Festplatte aus, direkt gefolgt vom WLAN- und USB-B-Input, die minimal weniger aufgelöst und räumlich nicht ganz so klar rüberkommen – aber wirklich nur minimal. Geht’s nur um die Digitaleingänge, ziehe ich koaxiales S/PDIF dem USB-B-Eingang leicht vor – und diese beiden der Toslink-Schnittstelle.

Rückseite HiFiAkademie Stream5

Sehr positiv überrascht haben mich die analogen Eingänge und die digitale Lautstärkeregelung. Zugegeben: Höre ich bei gleicher Lautstärke – einmal bei vollem Output des Stream5 und niedrigerem des auf ihn folgenden Vorverstärkers, ein anderes mal genau umgekehrt –, so finde ich Erstgenanntes schon leicht besser. Die räumliche Abbildung wirkt etwas genauer, die Transientenwiedergabe minimal akkurater. Und ganz Ähnliches lässt sich zum Vergleich LAN-Eingang vs. Analoginput sagen. Im Betrieb als Netzwerkplayer spielt der HiFiAkademie Stream5 mit etwas höherer Auflösung als analog gefüttert. Aber: Analog-In und Pegelregelung des Stream5 strafen der Ansicht einiger Audiophiler, die meinen, dergleichen sei „per se Teufelszeug“, Lügen. Die geschilderten Verluste sind Feinheiten, zu deren Wahrnehmung zudem eine sehr gut abgestimmte und durchlässige HiFi-Kette vonnöten ist.

Echtes Brett

Der HiFiAkademie Stream5 ist nicht nur ausstattungsseitig ein echtes Brett, sondern auch klanglich. Eigentlich darf das gar nicht wahr sein, wie gut der klingt. Warum? Nun, da muss ich etwas ausholen.

In Anlagen welcher Preisklasse wird er, realistisch betrachtet, wohl eingesetzt werden? Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: in HiFi-Ketten bis circa 10.000 Euro. Oder eher weniger. Bei mir spielte der Netzwerker aus Leimen in einem Setup, das gut viermal so viel kostet. So etwas wird man in der freien Wildbahn eher selten antreffen, logo. Doch sei’s drum, meine Anlage macht mir nun mal Spaß – und sie dient mir natürlich auch als Arbeitswerkzeug. Man hört mit ihr quasi wie mit einer Lupe dem jeweiligen Probanden zu, weshalb die Unterschiede auch schnell zutage treten.

Das analoge Signal kann via XLR und Cinch abgegriffen werden

Das analoge Ausgangssignal kann via XLR und Cinch abgegriffen werden

Worauf ich eigentlich hinaus will: Ich bin Digitalquellen mit wesentlich luftigeren Preisschildern gewohnt, zuletzt testete ich den sehr natürlich und flüssig aufspielenden Streamer Lumin T1 für 4.290 Euro und verglich ihn mit meinem Luxman-D/A-Wandler für 5.000 Euro. Und ja, beide spielen auf höherem Niveau als der Stream5. Aber letztlich doch nur auf etwas höherem. Und dieses Etwas wird noch kleiner, wenn die restliche Anlage weniger hochwertig ist und solche Nuancen nicht in dem Maße durchlassen kann – also unter realistischen Einsatzbedingungen für den Stream5. Im Grunde ist es zum Haareraufen, wie teuer einen die kleinen klanglichen Fortschritte zu stehen kommen. Aber umgekehrt gilt eben auch: Klasse, was man inzwischen fürs noch überschaubare Invest in so einen Multiplayer wie den der HiFiAkademie geboten bekommt. Doch jetzt mal zur Sache:

Charakterologie

Beim Test des Lumin T1 sprach ich während eines dort angestellten Vergleichs mit dem Luxman von „Charme“ (Lumin) vs. „reine Lehre“ (Luxman). Wie ordnet sich der HiFiAkademie Stream5 in so ein Spannungsfeld ein? Tja, auch wenn der Markenname vielleicht etwas anderes vermuten lässt – ich finde ihn ziemlich charmant. Oder anders: Er ist nicht so „gnadenlos“ auflösend und strikt neutral, als dass mittelmäßige Aufnahmen nun gleich ungenießbar würden. Ehrlich, aber freundlich, könnte man es nennen.

Hifiakademie Stream5

Tonales

Breut_DebutDas liegt zum einen an der tonalen Gesamtbalance. Die ist ausgewogen, aber doch ganz leicht auf der sonoren und nicht auf der leichten oder gar kargen Seite. Den Bassbereich kann man hierfür eigentlich nicht verantwortlich machen, denn der erscheint neutral, doch der Grundton wirkt im Vergleich zum restlichen Mittenband einen kleinen Tick kräftiger: Françoiz Breuts Gesang bei „Après la nuit“ (Album: Françoiz Breut, auf Amazon) wirkt jedenfalls körperhafter, volltönender als sonst, die Streicher in diesem Stück ebenfalls. Dito das Saxophon von Charles Lloyd bei „Go Down Moses“ vom Album Mirrow – satt, physisch, ja: sexy kommt das rüber. Okay, nicht ganz so offen obenherum, das stimmt, denn im Hochton geht es mit dem HiFiAkademie einen Hauch milder, dezenter zu. Aber in balancierten Anlagen spielt das keine wesentliche Rolle.

Auflösung im Vergleich

NotwistWas das Auflösungsvermögen im Mitten-/Hochtonbereich angeht, bietet der Stream5 jede Menge. Sei’s die leichte metallische Textur des Sax‘ beim genannten Charles-Lloyd-Stück, seien es Feinheiten der Stimmmodulation oder Raumrückwürfe – solche Details werden überzeugend dargereicht. Und das vernehmlich akkurater als beispielsweise mit einem ungefähr die Hälfte kostenden CD-Player wie dem NAD C546BEE SE, wenngleich auch nicht ganz auf dem Niveau von highendigen – und doppelt und dreimal so teuren! – Streamern oder DACs wie einem Lumin T1, dem Luxman DA-06 oder dem DiDiT DAC212SE. Der Stream5 sortiert sich also sauber in seine Preisklasse ein. Auch die Bassqualität, Stichwort: Konturiertheit, ist gut austariert – nämlich weder so trocken, dass Kontrabässe blutarm tönen, noch so weich, dass die rhythmische Akkuratesse einen Dämpfer bekommt. Nein, der Stream5 bleibt auf dem Mittelweg. Allenfalls ganz untenrum, im Tiefbass, könnte sich der eine oder andere noch etwas mehr Durchzeichnung wünschen, wie mir nicht zuletzt beim Hören des Notwist-Tracks „Where in this World“ (Album: The Devil, You + Me, auf Amazon anhören) auffällt.

Hifiakademie Stream5, Rückseite

So weit, so gut: angenehm physische, leicht sonore Abstimmung bei guter Auflösung. Aber der HiFiAkademie Stream5 bietet mehr, wir haben es mit einem auffallend involvierenden Kerlchen zu tun. Was gar nicht mal nur am dynamischen Talent liegt – nicht, dass hier etwas im Argen läge, der Stream5 legt sich standesgemäß ins Zeug und timed gut. Aber trotzdem, dieser Hang des HiFiAkademie Stream5, den Hörer in die Musik hineinzuziehen, liegt vor allem an seiner Art der …

Raumdarstellung

Die gibt sich – mit einem Wort – frei. Und wenn es etwas mehr Text sein darf: frei, nach vorne gehend und mit großzügiger Breite, ohne „künstliche“ Grenzen. Sprich: Das hier ist alles andere als dieser „Guckkasten“-Ansatz mit der virtuellen Bühnenkante bei der Grundlinie der Boxen, die weder nach vorne noch an den Seiten groß überschritten wird – und dem Hörer quasi gegenübersteht. Nö, mit dem Stream5 geht’s einen Schritt auf ihn zu und die Musik flutet frei den Raum, wirkt irgendwie zugänglicher als sonst, wobei die einzelnen Akteure vielleicht ein kleines bisschen größer nachgezeichnet werden als bei anderen Digitalquellen.

Hifiakademie Stream5, Vorderseite

Gut, auch das ist wieder mal Ansichts- bzw. Geschmackssache. Manch einer/eine wird ein Bühnenbild vorziehen, wie ich es zum Beispiel von den (zumeist deutlich teureren) DACs aus dem Hause B.M.C. Audio kenne: akkurat bei der Grundlinie startend, akkurat abbildend, akkurat die Bühnentiefe auslotend. Ja – etwas genauer und mehr nach „reiner Lehre“ ist das im Vergleich zum Stream5 schon. Aber eben auch etwas distanzierter, weniger unmittelbar. Ich finde diese offene, großzügige und involvierende Bühnendarstellung des HiFiAkademie-Streamers sehr sympathisch. Gerade im Zusammenspiel mit der körperhaft-sonoren Tonalität sorgt es für einen mitreißenden, dabei aber immer auch langzeittauglich bleibenden Musikgenuss. Oder anders: einen im positiven Sinne ganz und gar unakademischen.

Hifiakademie Stream5

Test: HiFiAkademie Stream5 | D/A-Wandler, Netzwerk-Player, Vorstufe

  1. 1 Der Musikbarren
  2. 2 Klangeindruck: HiFiAkademie Stream5
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NAD New Classic

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