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Test: HiFiAkademie Phono | Phono-Pre

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  1. 1 Test: HiFiAkademie Phono | Phono-Pre

November 2013 / Ralph Werner

Auf der Webseite der HiFiAkademie (www.hifiakademie.de) sortiert Firmeninhaber Hubert Reith seinen neuen Phonovorverstärker unter „Zubehör“ ein. Ist das nun Understatement oder ein schlechtes Omen? Die Verstärker, CD-Player und Netzwerkplayer sind allesamt „hauptmenüwürdig“, warum denn dieser Phonopre nicht? So könnte man sich fragen – aber lassen wir das Orakeln und kommen gleich zur Sache.

Schlicht „Phono“ nennt Reith seinen Entzerrer. Es wäre kein typisches HiFiAkademie-Produkt, wenn es nicht für bezahlbares Geld etwas Besonderes böte. Geht als solches bei seinem Vorverstärker, DAC, Streamer und CD-Spieler etwa das integrierte DSP-Modul durch, beim CD-Player beispielsweise auch das Philips CD-Pro-2-Laufwerk, so ist’s beim Phono der Akkubetrieb.

9-V-Akkus des HiFiAkademie Phono

Clever gemacht – wenn irgendwo Restnetzrippel und Trafobrumm stören, dann doch wohl bei Phonovorstufen, schließlich geben die sich wegen des hohen Verstärkungsfaktors (60 dB und mehr sind im MC-Zweig ja durchaus üblich) ziemlich kapriziös gegenüber Störeinflüssen aller Art. Nun ist der Batteriebetrieb an sich zwar nichts revolutionär Neues, logisch, aber bei einem Gerät für knapp 500 Euro wahrlich auch nicht weit verbreitet. Fragt sich eigentlich nur – warum? So arg kostspielig kann die Technik doch nicht sein.

Beim HiFiAkademie Phono werden die zwei 9-V-Blöcke von einem (zum Lieferumfang gehörigen) Stecker-Schaltnetzteil geladen. Dieses hat am Ende einen USB-B-Stecker, der beim Phono in die entsprechende Buchse kommt. Nach einigen Tagen am Netz sind die Akkus dann voll – freilich kann man auch sofort „loshören“.

Wenn die Akkus aufgeladen sind, heißt das allerdings nicht, dass man das Netzteil jetzt entfernen sollte oder es auch nur kann. Gut, können kann man schon, und natürlich hab‘ ich Neunmalkluger genau das auch gemacht: „Nachher streut mir so ’n Schaltnetzteil in meine Highend-Netzleiste rein, weg damit, sicher ist sicher“, so ungefähr der Gedankengang.

Steckernetztei des HiFiAkademie Phono
Das Lade-Steckernetzteil des HiFiAkademie Phono

Allein, ohne 5-Volt-Ladespannung an der USB-Buchse spielt der HiFiAkademie Phono keine Musik. Ein Relais trennt die Batterien nämlich von der Schaltung, wenn das Netzteil gezogen wird, um einer akkuschädigenden Tiefenentladung vorzubeugen. Hm, okay. Und wie lange halten diese Akkus, Herr Reith?

„Die sollten zig Jahre halten. Die Hersteller geben zwei Jahre an – aber bei wesentlich härteren Bedingungen (hohe Temperatur, große Ströme). Die Anwendung im Phono ist eher Standgas, entsprechend länger ist die erwartete Lebensdauer. Ich sehe aber auch keine Probleme, wenn der Kunde die Akkus selbst tauscht, Hauptsache, er versucht nicht, sie verpolt einzusetzen. Der Austausch ist ja nicht komplizierter als bei einer Taschenlampe.“

HiFiAkademie Phono

Was ist sonst noch drin und dran am HiFiAkademie Phono? Nun, „dran“ nicht viel, das Gehäuse ist denkbar schlicht gehalten, was an der Gerätegattung, der Preislage und nicht zuletzt an der Marke selbst liegen mag – HiFiAkademie-Komponenten kauft keiner zum Zurschaustellen seines luxuriösen Lifestyles. Und „drin“ ist im Grunde auch nicht viel, ließe sich ketzerisch sagen beziehungsweise sagt Hubert Reith selbst, wenn er davon spricht, die Schaltung sei „so einfach wie möglich“ gehalten worden. Ein Blick auf die Platine gibt ihm da recht.

HiFiAkademie Phono - die Platine

Im Eingang sitzt eine diskret aufgebaute FET-Stufe, die OP-Amps von BurrBrown (OPA627) treibt, welche wiederum die Ausgangsstufe bilden. Die Entzerrung des Signals erfolgt dabei aktiv – also innerhalb einer Gegenkopplungsschleife – mit Metallfilm-Widerständen und verlustarmen Styroflexkondensatoren.

Interessant ist, dass Herr Reith ausgerechnet geringere TIM-Verzerrungen als Nebeneffekt der aktiven Entzerrung herausstellt – ist man gemeinhin doch gewohnt, von transienten Intermodulationsverzerrungen als ein Produkt von (hoher) Gegenkopplung zu lesen, weshalb eine (möglichst rein) passive Entzerrung des Phonosignals klanglich bessere Ergebnisse liefern soll. Reith argumentiert dagegen, dass Schaltungen mit passiver Entzerrung schneller in eine Übersteuerung laufen. Stimmt natürlich, man muss ja in einem ersten Schritt alle Frequenzen, auch die höheren, quasi auf Vorrat hoch verstärken, um in einem zweiten die oberen Oktaven wieder abzusenken – was bei einer aktiven Lösung nicht der Fall ist.

Wie auch immer. Die Entzerrung erfolgt beim HiFiAkademie Phono jedenfalls nach RIAA inklusive der sogenannten Neumann-Konstante. Ob das auf der Wiedergabeseite – eingeführt wurde diese Hochtonanhebungsbegrenzung (uff, was für ein Wort) bei 50 kHz ja zum Schutz der Schneidemaschine bei der Aufnahme – wirklich sinnvoll ist, darüber streiten sich die Gelehrten auch schon länger. Aber dafür ist hier nicht der Platz.

Rückseite des HiFiAkademie Phono

Wie gibt sich der HiFiAkademie Phono nun im Alltag? Denkbar einfach: Via Cinch geht’s rein und auch wieder raus. Was etwas nervt, ist die Erdungsklemme, denn die ist so klein, dass kein Kabelschuh vernünftig dranpasst (okay, mit einem „Zeh“ geht’s dann schon). Man kann vier Gain-Settings (35/41/55/61 dB), drei Kapazitätswerte (50/170/270/390 pF), aber leider nur drei Impedanzanpassungen (100 Ohm, 1 und 47 kOhm) einstellen. Letzteres ist schon ziemlich knapp bemessen – doch es gibt Abhilfe:

Bedarf es nämlich einer anderen Abschlussimpedanz, so stellt man den Phono über das „Mäuseklavier“ auf 47 kOhm ein, öffnet das Gerät und sockelt den entsprechenden Widerstandswert direkt auf der Platine. Die Stecker sind kostenlos von der HiFiAkademie zu beziehen beziehungsweise Herr Reith steckt den passenden Wert auch schon vor der Auslieferung des Entzerrers, wenn der Kunde ihm die gewünschte Abschlussimpedanz mitteilt. Schön flexibel, das Ganze. Hören wir mal hinein …

Test: HiFiAkademie Phono | Phono-Vorstufe

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Adam Audio / Hoerzone