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Test NuForce Icon-2 Vollverstärker & DA-Wandler

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Test NuForce Icon-2 Vollverstärker & DA-Wandler

NuForce Icon-2

Weiter zum nächsten Kandidaten, dem NuForce Icon-2 (www.digital-highend.de). Dieses putzige Class-D-Kerlchen nimmt ungefähr so viel Platz weg, wie zweieinhalb Schachteln Zigaretten und vereint auf diesem schmalen Raum nicht weniger als einen Vollverstärker mit 2 x 24 Watt (4 Ohm) und einen vollwertigen Digital-Analog-Konverter (DAC), der ihn per USB-Anschluss zur externen Soundkarte für PC und MAC macht.

Überhaupt ist bei diesem Gerät so einiges anders als bei herkömmlichen Komponenten: Der knappen Gehäusegröße ist es beispielsweise geschuldet, dass es ein externes Netzgerät gibt. Das sorgt zwar für etwas mehr Kabelage, hilft aber zugleich, Einstreuungen fernzuhalten. Überdies gibt es auch keine „normalen“ Lautsprecheranschlüsse, sondern – und das finde ich schon sehr gewagt, aber irgendwie auch pfiffig – ausgerechnet RJ45-Anschlüsse.

NuForce Icon-2 - Lautsprecherterminal
Lautsprecherterminal mal anders …

Und da es vermutlich niemanden auf der ganzen Welt gibt, der zufällig ein paar RJ45-auf-Banana-Adapter herumliegen hat, liegt dem Icon-2 dankenswerterweise bereits ein 2-Meter-Satz Lautsprecherkabel bei, sodass man sofort loslegen kann.

Lautsprecherkabel des NuForce
… das passende Kabel hierfür liegt dem NuForce bei

Insgesamt drei Quellen können an den Icon-2 angeschlossen werden: Zwei analoge Hochpegelinputs und einen digitalen Eingang besitzt das Gerät. Hochpegeleingang 1 ist als 3,5-mm-Klinkenbuchse ausgeführt. Nummer 2 ist ein klassischer Cinch-Eingang, Nummer 3 dann schließlich die Buchse für ein Standard-USB-Kabel, wie man es auch zur Verbindung zwischen Rechner und Drucker beziehungsweise Scanner kennt. Ein solches Kabel ist ebenfalls im Lieferumfang enthalten. Einfach den NuForce mit dem Rechner verbinden, und wenige Sekunden später ist der Icon-2 ohne jede weitere Treiberinstallation spielbereit. Tadellos! Neben den Lautsprecherterminals gibt es übrigens noch weitere Ausgänge: Auf der Rückseite einen 3,5-mm-Klinken-Lineout (zum Beispiel für einen Subwoofer) und auf der Vorderseite einen Kopfhöreranschluss, ebenfalls als 3,5-mm-Klinke.

Rückseite des NuForce Icon-2

Die Front des Geräts ist puristisch. Außen ein Schaltpotentiometer, das zugleich als Lautstärkeregler und Ein/Aus-Schalter fungiert, daneben der Eingangswahlschalter. Eine blaue Power-LED und der bereits genannte Kopfhöreranschluss lassen sich noch entdecken. All dies ruht in einem hübschen Alu-Gehäuse mit abgerundeten Kanten, das mittels des mitgelieferten Ständers auch senkrecht aufgestellt werden kann und somit auf dem Schreibtisch angenehm wenig Platz wegnimmt.

NuForce Icon-2

Schauen beziehungsweise hören wir mal, was dieses kleine Kistchen bringt. Zunächst probiere ich den analogen Cinch-Eingang und hänge den Icon-2 an die nuBox681. Als erstes gibt’s, wie schon beim NAD, Interpol. Erste, spontane Frage nach ein paar Takten: Kann mir mal eben jemand die Kinnlade wieder hochklappen? Was dieser kleine Zwerg an Basspotenz in den Raum stellt ist schlicht und einfach erstaunlich. Ob hinter dem, was ich da höre, ein wirklich linealglatter Frequenzgang steckt, sei einmal dahingestellt, aber der Icon-2 beschickt die nuBox mit tiefen, mächtigen Bässen und legt hier sogar eine kleine Schippe mehr drauf als der NAD. Die Bassdrums sind gewaltig und doch auch tight.

Eingangswahl am NuForce

Was im Zusammenspiel mit den weiteren Instrumenten und dem Gesang ebenfalls auffällt: Hier wird eine respektabel breite Bühne aufgestellt, die links und rechts ein Stück über die eigentliche Basisbreite der Lautsprecher hinausgeht. Was steht noch im Notizbüchlein? „Fett“, „satt“, „druckvoll“, „anspringend“. Der Mittenbereich scheint mir beim ersten Durchhören tonal glatt durchgezeichnet und erfreulich detailreich beziehungsweise gut aufgelöst, die Höhen würde ich als deutlich, aber nicht überbetont beurteilen. Ganz klar: Der Icon-2 zeigt sich nicht als zurückhaltender oder ausnehmend dezent-feingeistiger Geselle, sondern vielmehr als lustvoll aufspielender Kraftzwerg. Das User-Manual vermerkt zwar bescheiden, dass der Icon-2 idealerweise mit wirkungsgradstarken Lautsprechern kombiniert werden sollte, dies möchte ich jedoch schon nach einigen wenigen Takten etwas Einschränken: Mein Wohnzimmer wird bereits bei Mittenstellung des Lautstärkestellers mehr als großvolumig beschallt – unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich beim NuForce Icon-2 eigentlich um ein Desktopsystem handelt, bin ich mit der verfügbaren Leistung also zufrieden.

Massive AttackDas bereits beim NAD C 316BEE eingesetzte Massive-Attack-Stück „Atlas Air“ klingt über den Icon-2 ausgesprochen knackig und etwas sportlicher, hier im Sinne von rhythmisch-federnder, als beim NAD, auch scheint mir die Bühnendarstellung ein wenig breiter und weitläufiger, wenn auch eher etwas flacher bezüglich der Raumtiefe. Nähern wir uns dem Icon-2 mal von einer anderen Seite: Die mit dem Klassik-Echo 2010 ausgezeichnete SACD des Norddeutschen Figuralchors mit Francis Poulencs weltlicher Chormusik liegt im CD-Spieler.

Francis PoulencDie hervorragende Produktion fordert der wiedergebenden Kette ein Höchstmaß an Präzision und Feindynamik ab. Ist das nicht gar ein bisschen viel verlangt von so einem kleinen Verstärker? Nicht unbedingt. Ich bin erstaunt ob der transparenten Wiedergabe und der sauberen, fehlerfreien Raumabbildung. Der vielstimmige Chor wirkt über den Icon-2 räumlich gut sortiert. Lautstärkewechseln, auch plötzlichen, folgt der Icon-2 straff und flink – er hält die Lautsprecher an der kurzen Leine. Fehlt denn auch etwas? Nun, nicht wirklich … Tonal ist der Icon-2 auf der sicheren Seite, doch er baut ein kleines bisschen Distanz zwischen Zuhörer und Klanggeschehen auf. Vergleiche ich das Gehörte mit meiner Vor-/Endkombi aus Funk + Myryad, so scheint hier der Chor näher bei mir zu stehen und auch kontrastreicher gegenüber dem Hintergrund zu agieren; ja, hier gibt es diesen ominösen „dunklen Hintergrund“, vor dem der Chor als funkelnder, atmender Korpus klar umrissen hervortritt. Beim Icon-2 wirkt all dies einen Tick nebulöser und einen halben bis ganzen Meter weiter entfernt. Nun ja, der Icon-2 kostet aber auch nur ein Achtel dieser Kombination.

NuForce Icon-2 von der Seite berachtet

Im Vergleich zum NAD komme ich insgesamt auf ein Unentschieden beziehungsweise Geschmackssache. Der NAD sortiert den Raum nicht ganz so penibel, gibt aber dem Gesamten ein Quäntchen mehr räumliche Tiefe. Tonal ähneln sich beide Verstärker bei Chormusik stark – kein Wunder, gibt es doch „lediglich“ Stimmen wiederzugeben und keine Subbässe oder obertonreiche Percussion. In den unteren Mitten und vor allem im Bass empfinde ich es so, dass der Icon-2 etwas mehr Pegel und auch eine direktere, schnellere Ansprache wählt, während der NAD insgesamt geschmeidiger und auch auf eine gewisse Art „vornehmer“ daherkommt.

Nochmal zurück zur Bühnenabbildung. Interessant ist, dass sich der NAD C 316BEE und der NuForce Icon-2 hier bei steigenden Pegeln ein wenig unterschiedlich verhalten. Der NAD sortiert, wie weiter oben schon erwähnt, für meinen Geschmack bei komplexer Musik nicht so akkurat wie der Icon-2, behält aber seine Qualität der Darstellung nahezu über den gesamten Lautstärkebereich bei. Auch bei sehr hoher Abhörlautstärke ändert sich – eben nur – die Lautstärke. Der Icon-2 hingegen scheint mir im letzten Drittel des Lautstärkestellbereichs peu à peu die Übersicht zu verlieren. Hier rückt der Chor zusammen und auch tonal gerät die Darbietung insofern etwas aus den Fugen, als dass der Mittenbereich leicht „verschmiert“ wird – übertreibt man es schließlich mit der Lautstärke, geht‘s irgendwann ab ins Clipping. Ich sage das wirklich nur der Vollständigkeit halber, denn der Icon-2 ist ein Desktop- und kein PA-System.

Screenshot NuForce-Einbindung am RechnerUnd der USB-Eingang? Bei entsprechender Software, also verlustfrei eingelesenen Musikdaten, aber auch hochwertiger Abspielsoftware, gilt das oben Gesagte 1:1 auch für den Einsatz am PC. Der im Icon-2 verbaute Burr-Brown PCM 2706 DAC kann nämlich richtig was aus den Audiodateien rausholen, wenn man ihn lässt. Über iTunes liefert er ein etwas kühleres Klangbild, was vor allem bei „beckenbetonter“ Schlagzeugarbeit, aber auch bei hochlagigen, natürlichen Instrumenten, zum Beispiel Violinen auffällt. Ein Hörvergleich mit der Abspielsoftware „JRiver Media Center“ lässt hingegen geradezu die Sonne aufgehen, man probiere mal die Audio-Einstellung „Kernel Streaming“, die umgeht nämlich elegant den windowsinternen Mixer: Nach dieser Hörerfahrung zu iTunes zurückzukehren ist nicht gerade eine Freude – wofür der Icon-2 aber nichts kann. Er verfährt halt recht gnadenlos mit Software-Unzulänglichkeiten. Wenn man ihn hingegen gut füttert, belohnt er die Mühe sehr. Mir hat überdies gefallen, wie simpel die Installation vonstattengeht: Gerät an den Rechner gehängt, zehn Sekunden später von Windows erkannt, Lautsprecher einstöpseln, fertig. Damit kommt der Icon-2 der eierlegenden Wollmilchsau schon recht nahe. Erwähnt sei abschließend, dass sowohl der NuForce als auch der zuvor beschriebene NAD über absolut sauber klingende, nahezu nebengeräuschfreie Kopfhörerausgänge verfügen.

Test: Yarland FV-34 C III | Vollverstärker

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