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Test Yarland FV-34C III Vollverstärker

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Yarland FV-34CIII

And now for something completely different: Verlassen wir so profane Dinge wie Wirkungsgrad, Energieeffizienz, Rechnerkonnektivität und begeben uns in die zartorange glimmende Welt der guten, alten Vakuumröhre. Röhrenverstärkern eilt ja der Ruf voraus, in jeder Hinsicht verschwenderisch zu sein: Sie saugen einiges an Leistung aus der Steckdose, verwandeln einen guten Teil davon in unproduktive Abwärme, und teuer sind sie obendrein. Teuer? Nicht alle …

Yarland FV-34CIII

Der chinesische Hersteller Yarland (www.yarland.eu) bietet bereits seit 1996 bezahlbare Röhrenverstärker an und verfügt inzwischen über eine ausgewachsene Produktpalette von insgesamt 21 verschiedenen Amps – vom Integrierten über reine Kopfhörerverstärker bis hin zum Monoblock. Wir richten unser Augenmerk auf das kostengünstigste Einsteigermodell Yarland FV-34C III, das, wie der Name schon andeutet, gegenüber der Urversion „FV-34C“ schon mehrfach überarbeitet und optimiert wurde. Dies betrifft vor allem das Schaltungsdesign und die Wahl klangrelevanter Kondensatoren.

Das Äußere ist sicherlich Geschmackssache, ein recht grobschlächtig lackierter, schwarzer Metallkorpus wird konterkariert von einem erstaunlich fein wirkenden Echtholz-Frontpanel. Vorne prangen die beiden Vorstufenröhren, dahinter die vier für die Endstufe, dahinter wiederum die zwei Ausgangsübertrager, die – so zumindest Yarland – handgewickelt worden sind. Die recht aufgeräumt wirkende Front bietet einen (relaisgesteuerten) Eingangswahlschalter (CD und Aux), einen Lautstärkeregler und einen spillerig wirkenden, metallenen Old-School-Kippschalter als Netzschalter. Dementsprechend wenig überraschend auch die Rückseite: einfache, aber stabile Lautsprecherklemmen und vier im Dauerbetrieb etwas wacklige, für meinen Geschmack allzu eng beieinanderliegende Cinchbuchsen für die beiden Hochpegeleingänge. Ein Kaltgeräteanschluss (wobei es in diesem Fall eigentlich „Heißgeräteanschluss“ heißen müsste, aber dazu später) – fertig!

cincheingaänge des Yarland
Etwas eng beienanderliegend – die Cinchbuchsen des Yarland

Sechs in China gefertigte Röhren werden standardmäßig mitgeliefert. In der Vorstufe agieren zwei 6N3-Röhren und in der Endstufe vier EL-84. Der FV-34C III „fährt“ im Push-Pull-Betrieb und zwirbelt insgesamt recht bescheidene 2 x 10 Watt Sinus aus den Glaskolben. Das Gerät ist insofern servicefreundlich, als dass die Gittervorspannung der Röhren nicht manuell nachgeregelt werden muss, sondern eine, wenn auch einfache, Autobias-Schaltung dies übernimmt.

Lautsprecherbuchsen des Yarland

Schalten wir ihn doch einfach mal ein. Erfreulich ist zunächst, dass der Yarland im Leerlauf keine nennenswerten Störgeräusche produziert. Erst im letzten Fünftel des Lautstärkesteller-Radius wird ein sanftes Rauschen hörbar, ansonsten ist dieses Gerät trotz der eng gepackten Bauweise erfreulich, ja erstaunlich still. Damit es gerecht zugeht, bekommt auch der Yarland als erstes das Interpol-Album gereicht. Schön, wie sich hier bereits nach wenigen Takten doch eine ganz andere Herangehensweise der Röhre gegenüber den beiden Halbleitervertretern zeigt:

Die raumhallverzierten Bassdrums, die der NAD C 316BEE und auch der NuForce Icon-2 satt, tief und mächtig präsentierten, werden über den Yarland in eine akustische Seidendecke eingepuschelt. Weniger Punch und Attacke – im Gegenzug dafür aber eine gewisse federnde Eleganz. Die Mitten – allem voran der Gesang -, ich möchte sie „gutmütig“ nennen. Die wirklich eiskalte Stimme von Paul Banks wirkt über den Yarland geradezu humanoid. Mir scheint es, als kehre dieser Verstärker alle unbotmäßigen Härten, die in der Musik vorhanden sind – vor allem im Bereich der oberen Mitten – mit einem asiatischen Höflichkeitslächeln und einer kleinen Verbeugung unter einen Samtteppich. Ganz oben in den Höhen finde ich den Yarland FV-34CIII hingegen absolut funkelnd. Ride- und Crashbecken zeigen güldenen Glanz und ein fein aufgelöstes, lange nachverfolgbares Ausschwingverhalten – in diesem Höhenbereich packt der Yarland aber auch gerne einmal richtig zu, beispielsweise bei Snare-Kantenschlägen, die nämlich Drive und Biss haben, ohne aber jemals spitz zu wirken.

Echo & The BunnymenAuch die Feinauflösung vermeintlicher Neben- und Hintergrundgeräusche scheint mir eine absolute Stärke der kleinen Röhre zu sein. Dies lässt sich gut nachvollziehen bei Echo & The Bunnymens „Over The Wall“, das im Intro einen geradezu verschwenderischen Umgang mit Räumlichkeit und feinen akustischen Details aufweist. Eine sanft im Hintergrund zischelnde Beatbox, eine stark verhallte Gitarre, eine gewaltige Keyboardfläche und obertonreiche Shaker-Sounds, die von rechts nach links durchs Panorama ziehen, später dann überraschende Snare-Schläge mit recht brüsk abgeschnittenem Delay. Während der NuForce Icon-2 und auch der NAD C 316BEE hier eher die dunkle Grundstimmung des Intros mit machtvollen Tiefen herausarbeiten, konzentriert sich der Yarland-Verstärker auf die hervorragend fein aufgelösten Hallfahnen und die Ein- und Ausschwingvorgänge der Instrumente.

Yarland

Die Bühne, die der Yarland aufzieht, kann im Vergleich zu den beiden anderen Amps guten Gewissens als ultrabreit bezeichnet werden. Hier wird ein richtig großer Raum geöffnet. Oder „gemacht“? Nun, wie auch immer, jedenfalls porträtiert der Yarland breit und hoch, wenn auch wiederum nicht übermäßig tief – dieses Talent scheint mir ganz generell eher teureren Geräten vorbehalten. Hieß sowas früher nicht Cinemascope? Die Frage ist, ob darunter die Präzision leidet. Bemühen wir also noch einmal die komplexe Poulenc-SACD: Der Class-D-Amp und der NAD klingen genauer, der Yarland ein wenig „ganzheitlicher“. Anders gesagt: Wo der Icon-2 in fast schon platzanweiserischer Manier die einzelnen Sänger abbildet, formt der Yarland einen homogenen Klangkörper, der wie aus einem Guss singt und atmet.

Nochmal zur Tonalität: Tiefbass ist naturgemäß nicht unbedingt die Sache des FV-34C III. Es ergibt wenig Sinn, den Yarland mit abgrundtiefen Subbässen oder Disco-Stampf zu malträtieren. Hier gerät er ab einem gewissen Pegel natürlich an seine Grenzen, was sich entweder in timingmäßigem Schlabbern oder achselzuckender Flucht in die Verzerrung äußert. Richtig aufblühen kann er hingegen bei Musik, wo Live-Atmosphäre und/oder ein Raumerlebnis gefragt ist, von Kammermusik über Jazz bis hin zu durchaus rockender Musik, die halt eben nur nicht allzu tief in den Basskeller gehen darf. Es sei denn, man trickst ein wenig …

Röhre

„Tuberolling“ heißt das im Soziolekt der Tuning-Enthusiasten. Ein Wort, bei dem die Bastlerfraktion leuchtende Augen und Wissenschaftler nervöse Zuckungen bekommen. Es geht ja unter Freunden der Röhre die Kunde, dass das Austauschen der Standard-Glaskolben durch „höherwertige“ Exemplare der gleichen Gattung sich klangverbessernd auswirken soll. Das mag der nüchterne Betrachter merkwürdig finden, denn Röhren haben gewisse Spezifikationen und eigentlich sollte ja eine Röhre wie die andere klingen, solange jene Spezifikationen übereinstimmen … Dachte ich auch mal, bis ich es testhalber versuchte, die beim Yarland im Lieferumfang enthaltenen EL-84 durch ein gematchtes Vierer-Set TAD EL84-CZ auszutauschen. Der Spaß kostet zwar um die 70 Euro extra, bringt aber einen dermaßen beachtlichen Zugewinn an Leistung, insbesondere im Bassbereich, dass es auch den letzten Zweifler überzeugen dürfte. Ohne dass der Schmelz in Mitten oder Höhen beeinträchtigt würde, spendiert dies dem Yarland im Basskeller eine Nachlieferung an Druck und Punch, die ihm ab Werk für meinen Geschmack fehlt. Doch sind wir ehrlich, auch nach dem Tuberolling kommt er in Basspotenz und Durchhaltekraft nicht wirklich an die beiden Halbleitervertreter ran – aber es ist nun durchaus genügend Pepp für den gut gelaunten Wohnzimmereinsatz vorhanden. Übrigens: Gleich zu Beginn des Tests hatte ich große Sorge, dass etwa 75% der Ausgangsleistung des Yarlands in der fetten Frequenzweiche der Nubert nuBox 681 verglühen. Weit gefehlt, zwar wird er im Betrieb ordentlich warm, wenn er gefordert wird, auch gerne mal obenrum heiß, bedient aber wirkungsgradschwächere Lautsprecher ebenfalls erstaunlich gut.

Und wo wir gerade beim Basteln sind: Eine sehr interessante Erfahrung war es, den Yarland mit meinen selbst zusammengezimmerten Standboxen auf Basis von Fostex-Breitbandlautsprechern und einem aktiven Subwoofer zu paaren. HiFi-Puristen mögen sich hier zwar mit Grauen abwenden, aber der Sub kümmert sich ohne zu Murren um den Frequenzkeller, während die Breitbandlautsprecher eine nachgerade holografische, vollständig von den Lautsprechern losgelöste Darbietung erlauben. Wir haben uns damit zwar deutlich vom Ursprungsbudget entfernt, aber ich wollte dem geneigten Leser dies nicht vorenthalten …

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Test: Yarland FV-34 C III | Vollverstärker

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