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Test NAD C 316BEE Vollverstärker

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Test NAD C 316BEE Vollverstärker

NAD C 316BEELos geht’s mit dem NAD C 316BEE (www.nad.de). Das graphitfarbene Gehäuse im klassischen Rackformat strahlt, wie eigentlich alle Geräte von NAD, eine elegante und wertige Form des Understatements ab. Klare Linien, kein Schnickschnack, und alle Bedienelemente befinden sich genau dort, wo man sie vermutet. Fehlbedienung ist bei diesem Amp quasi unmöglich. Es gibt sechs Taster für die – relaisgesteuerte – Anwahl des Eingangssignals, per „Tone Defeat“-Druckknopf überbrückbare Bass- und Höhenregler, einen Balanceregler sowie – ganz am rechten Rand – einen Lautstärkesteller. Ebenfalls auf der Front: Ein Kopfhörerausgang und ein Klinkeneingang für MP3- oder ähnliche Spieler. Dieser Eingang ist als „Schaltklinke mit Priorität“ ausgelegt und stellt somit einen siebten Hochpegeleingang dar: Ein hier eingestöpseltes Signal wird sofort in den Verstärkungsweg eingeschleift und schaltet das zuvor angewählte stumm.

Auf der Rückseite sind sieben Cinchbuchsen-Doppel zu entdecken – fünf Hochpegeleingänge und eine Tape-Schleife – sowie Anschlüsse für ein Lautsprecherpaar. Die sind übrigens grundsolide gemacht und können nicht nur als Kabelquetsche dienen, sondern auch Bananenstecker aufnehmen. Allerdings muss man dazu zuvor vier kleine Plastikstopfen entfernen, die, der entsprechenden EU-Vorschrift sei Dank, die Terminals „kindersicher“ machen sollen … ein leidiges Gefummel, das der Autor dieser Zeilen nur unter Zuhilfenahme feinmechanischen Werkzeugs und unter intermittierendem Ausstoßen wüster Flüche bewerkstelligen konnte.

NAD C 316BEE - Rückansicht

Wenden wir uns schnell etwas Erfreulicherem zu: Das Innenleben wartet gegenüber dem Vorgängermodell C 315BEE (siehe Test) mit einigen Neuentwicklungen beziehungsweise von teureren NAD-Modellen übernommen Schaltungskniffen auf.

NAD C 316 - Innenansicht - Detail Cinchbuchsen
NAD C 316BEE – Innenansicht der Cinchbuchsen

Das betrifft beim C 316BEE vor allem die Stromversorgung. Auf Basis eines Ringkerntransformators wurde hier versucht, ein Amalgam aus Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit zu konstruieren. Das „PowerDrive S“ genannte Stromversorgungskonzept ist zweistufig: Bei kräftigen Bassimpulsen wird von der normalen Betriebsspannung auf ein höheres Spannungsniveau geschaltet, sodass die Stromlieferfähigkeit kurzfristig beinahe verdoppelt werden kann, so NAD. Damit lassen sich aus den 2 x 40 Watt Sinus (8 Ohm) kurzfristig 2 x 100 Watt „zaubern“ – zumindest auf dem Papier. Mal schauen, ob sich das auch klanglich manifestieren wird. Im Standby-Betrieb beträgt der Verbrauch des Geräts nicht mal ein Watt, was ich vorbildlich finde.

NAD C 316 - Detail Lautsprecherterminal
… und des Lautsprecherterminals

Klanglich hingegen machte es mir der hübsch anzusehende NAD im Vorfeld (!) nicht gerade leicht, ihn zum Freund zu gewinnen. Dass Lautsprecher und Elektronik eine mehr oder weniger intensive Einspielzeit benötigen, bis sie ihr Potenzial vollständig entfalten können, dürfte inzwischen als Konsens gelten. Es gibt jedoch auch Vertreter der Auffassung, dass dieser sogenannte Einspieleffekt eher auf psychoakustischen Grundlagen basiert, nämlich der Tatsache, dass sich das Gehör schlicht und einfach über die Wochen an die neue Komponente gewöhnt – beziehungsweise gewöhnen muss. Man hört sich das Gerät quasi schön.

Beim NAD allerdings keine Spur von Psychoakustik, er klang frisch aus dem Karton dermaßen grobmotorisch, dass ich offen gestanden enttäuscht war. Er spielte zwar auf Anhieb recht druckvoll, ließ aber Feinsinn vermissen – und die Bühnenabbildung wirkte auf mich verwaschen und undifferenziert. Nach intensiver Einspielzeit vollzog sich allerdings ein nachgerade erstaunlicher Wandel ins Positive, woraus ich an dieser Stelle noch einmal die dringende Empfehlung ableiten möchte, auch preiswerten Komponenten eine fair bemessene Zeit zuzugestehen, innerhalb derer sie sich „freilaufen“ können – ansonsten vergleicht man schlicht und einfach Äpfel mit Birnen.

NAD C 316BEE - Innenansicht

Wie klingt er nun, der NAD C 316BEE? Die hervorstechendste Eigenschaft ist seine druckvolle, aber dabei kultivierte Wiedergabe. Wirklich erstaunlich, wie viel „Saft“ dieses Gerät liefert. Ich habe den NAD mit einer breiten Auswahl an Musik konfrontiert, von Livejazz über klassische Musik verschiedener InterpolBesetzungen bis hin zu brachialem Lärm (United Nations) und fordernder, elektronischer Musik. Zu Beginn lag in der CD-Schublade zugleich das Album, das für mich zum Klangcharakter des NAD insgesamt am besten passt, nämlich Interpols jüngst erschienenes Werk mit dem originellen Titel Interpol. Düstere, kraftvolle Musik mit harten, tiefen Bassdrums, verhallten Gitarrenpickings, weiten Keyboardflächen und treibendem Bass-Spiel. Und nicht zu vergessen natürlich der disparate, eiskalte Gesang von Paul Banks, der auf diesem Album – mutig, mutig – erstmals den selbstgewählten Tonumfang von fünf Tönen überschreitet.

An der durchaus verzehrfreudigen Nubert nuBox 681 spielte der NAD bereits bei 10-Uhr-Stellung des Lautstärkereglers dermaßen forsch auf, dass ich mir um das seelische Wohl der Hausmitbewohner Sorgen machen musste. Die Bassdrums kamen kompakt und mit trockener Kraft, die Snares kantig-fest, der Bass mit gutem Antritt und potentem Schub. Der Oberbass hat dabei, so scheint es mir, ein kleines Höckerchen, sodass der Übergang zu den Mitten für mein Gefühl nicht ganz linealglatt durchgezeichnet ist – was dem gefühlten „Wumms“ andererseits ziemlich gut tut.

NAD C 316BEE - von unten
NAD C 316BEE – von unten betrachtet

Der Mittenbereich wiederum ist tonal weitgehend sauber durchgezeichnet. Sowohl die Gitarren als auch die Keyboardflächen klingen über mehrere Oktaven zusammenhängend und wie aus einem Guss. Der Übergang zu den Höhen gelingt gut, ganz oben im Frequenzband würde ich dann eher von sanftem Funkeln denn von Glitzern sprechen. Insgesamt erscheint mir der NAD daher eher kraftvoll-samtig als allzu crisp. Wobei das relativ zu sehen ist, liefert er doch beispielsweise gegenüber meiner (achtmal so teuren) Referenz, der Kombi aus Funk-LAP1-Vorstufe und Myryad-MXA2150-Endstufe, einen Teelöffel mehr Höhen, muss diesem Gespann gegenüber in anderen Bereichen aber Abstriche machen – später mehr dazu. Hören wir noch in Massive Attacks letzte Platte Heligoland hinein: Schön ist, wie der NAD C 316BEE dem sich langsam entwickelnden und stetig steigernden „Atlas Air“ Schicht um Schicht entlockt. Von der eingangs monophon herumeiernden Orgel über das hinzukommende Schlagzeug, den lakonischen Gesang, die tiefen synthetischen Bässe und das Synthi-Geblubber bis hin zu den akzentuiert gespielten Hi-Hat-Sechzehnteln: Das alles hat über den NAD einen guten Flow und eine Schlüssigkeit, die gefällt und den Hörer von highfideler Erbsenzählerei hinweglockt.

Ausgangstransistoren des NAD
Je ein Paar Ausgangstransistoren pro Kanal arbeiten im NAD

Die Bühnendarstellung, die ich direkt nach dem Auspacken des Geräts noch achselzuckend mit „grobes Richtungsbriefing“ titulierte, gelingt nach der Einspielphase sicher, sauber und nachvollziehbar. Kein holographisches Schwelgen im Raum, sondern ein grundsolides und erfreulich präzises Bild wird vermittelt, wenn auch mit einer klitzekleinen Einschränkung: Die Besetzung darf nicht zu groß sein. Ob es nun eine Vier-Mann-Band wie Interpol ist oder ein Jazztrio, ob Kammerorchester oder schnörkelloser Rock, aber auch stumpf-elektronische Musik aller Epochen – super! Die Schallquellen stehen klar ortbar und gut verteilt im Raum, und um jedes Instrument hat‘s ordentlich Platz. Schön zeigt sich dies auch bei Sufjan Stevens‘ bitter-depressivem Song „John Wayne Gacy Junior“ vom Album Illionoise.Sufjan Stevens / Illinoise

Ein sanftes Intro aus Klaviertönen und gezupfter Gitarre, wenig später setzt Gesang ein, der nach einigen Takten zu einem Duett wird. Man lehnt sich bei diesem Stück in dem sicheren Gefühl zurück, dass alles an der richtigen Stelle positioniert ist. Etwas schwieriger wird es indes, wenn es um die räumlich ausdifferenzierte Darstellung komplexerer Klangkörper geht. Bei orchestraler Klassik, Kirchenmusik mit Orgel und Gesang und ähnlichem leistet sich der NAD kleine Ungenauigkeiten beziehungsweise Unschärfen. Da wandern dann auch schon mal zwei nah beieinander stehende Musiker in die „Huckepack“-Stellung.

Erfreulich ist, dass die genannten tonalen Qualtäten und auch die räumliche Darstellung bei deutlich höheren Lautstärken kaum Einbußen ausgesetzt sind. Man kann also richtig aufdrehen, ohne dass die zuvor genannten klanglichen Fähigkeiten des C 316BEE einknicken würden. Und richtig aufdrehen heißt im Falle des NAD: Der kleine Freund kann höllisch laut werden. Als Konsument moderater bis mittellauter Kost würde ich mir allerdings einen etwas sinnvolleren Regelbereich des Lautstärkestellers wünschen; im normalen Heimbetrieb kam ich über die 10-Uhr-Stellung des Potis kaum hinaus, hinzu kommt, dass das verbaute Poti kurz vor dem Linksanschlag leichte Gleichlaufprobleme hat. In einer früheren Inkarnation dieses Verstärkers, die ich vor zehn Jahren besaß, gab es eine zuschaltbare Pegelabsenkung, mit deren Hilfe man auch zum Erreichen der Zimmerlautstärke das Poti schön weit aufreißen musste beziehungsweise durfte – schade eigentlich, dass es das heute nicht mehr gibt.

NAD C 316BEE

Zur Dynamik: Sie ist ziemlich gut. Ich schreibe „ziemlich“, weil es natürlich immer noch besser geht, weil sie aber für ein Gerät dieser Preisklasse mehr als respektabel ist. Ein Beispiel: Beim fünften Titel („Barricade“) des oben genannten Interpol-Albums wurde der Snaredrum ein klassischer Gate Reverb zugeführt. Die Snare schwingt also mit einem Hallsignal aus, das mit einer recht ungnädigen Hüllkurve abgeschnitten wird. Dieses erzwungene, verkürzte Ausschwingen klingt über „große Verstärkung“ variantenreich und vibrierend. Beim NAD C 316BEE fehlt hier ein wenig Feindynamik, das Ganze hat insgesamt etwas weniger Effekt. Keine dramatische Einbuße, aber doch hörbar. Im umgekehrten Fall, dem schnellen Einschwingen, punktet der NAD hingegen wieder. Perkussive Attacken gelingen schnell und kraftvoll – das ist ein guter, mitreißender Antritt, ohne dass es jedoch vordergründig „scheppern“ würde. Grobdynamisch hat der NAD also eine Menge zu bieten, feindynamisch etwas weniger, aber stets genug – und vor allem angesichts des Preises …

NAD Fernbedienung

Test: Yarland FV-34 C III | Vollverstärker

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