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HiFi Regler: Herbst Pakete

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Black Beats
  2. 2 Elac Vela FS 407: Klangtest und Vergleiche

Ich kann mich nur an wenige Hörsituationen erinnern, in denen mich die Relation von Lautsprechergröße, Raumvolumen und Klangfülle so überzeugt hat wie beim Auftritt der ab August 2019 erhältlichen Elac-Carina-Serie auf der diesjährigen Münchener High End. Und mit der Elac Vela FS 407 (ab 3.980 Euro | www.elac.de/) steht nun ein Modell in meinem Hörzimmer, das produkthierarchisch noch höher steht als die Carinas, dabei aber vergleichbare Maße aufweist. Das schraubt meine Vorfreude aufs Testhören in beachtliche Höhen …

Die neue Elac-Vela-Serie ersetzt die bisherige Linie 400 und ist nach der Navis (hier geht’s zum Test der Elac Navis ARB51) schon die zweite Reihe des Kieler Hauses mit einem nautischem Bezug: „Vela“ heißt „Segel“. Im Gegensatz zu den ausschließlich aktiv verstärkten Navis-Modellen folgen die Vela-Lautsprecher dem klassisch passiven Konzept. Neben den hier zum Test anstehenden Elac Vela FS 407 bietet Elac auch die Kompaktlautsprecher Elac Vela BS 403 (ab 1.980 Euro für ein Pärchen), die Standlautsprecher FS 409 (6.380 Euro) sowie den mit ab 1.890 Euro in der Preisliste stehenden Center-Lautsprecher Elac Vela CC 401 an.

Elac Vela FS 407 im Hörraum

Elac Vela FS 407 und Qln Prestige Three

Trotz ihrer überschaubaren Höhe von etwas über einem Meter mit Spikes wirken die Elac Vela FS 407 gegenüber meinen (nur ein paar Zentimeter kleineren) Qln Prestige Three vergleichsweise hochaufgeschossen: Die Proportionen mit nur knapp 23 Zentimetern Breite und der ungewöhnlich geringen Tiefe von nur 26,6 Zentimetern betonen die Vertikale, so dass die Elac Vela FS 407 fast schon lifestylig rüberkommen. Zum sauber in schwarzem Hochglanz lackierten Gehäuse meiner Testlautsprecher (es gibt die Vela FS 407 auch in hochglänzendem Weiß und – gegen einen Aufpreis von 100 Euro pro Stück – Nussbaum-Hochglanz) mit der leicht konvex geformten Schallwand kommt ein eigenständiges Designdetail hinzu, welches die Vela FS 407 optisch weiter vom Lautsprecher-Einerlei abhebt:

Durch den V-förmigen, spitzen Ausschnitt des Gehäuses auf der Unterseite wird nämlich so etwas wie eine schwebende Optik realisiert. Zur leichten Segel-Optik des Profils passt auch das noch überschaubare Gewicht von 19,1 Kilogramm pro Lautsprecher.

Elac Vela FS 407 Fußkonstruktion

Die Verarbeitung der Elac Vela FS 407 ist tadellos. Die Gehäuse besitzen Wandstärken von 16,5 bis 18,5 Millimeter und bestehen aus MDF. Sie sind für ein optimiertes Zeitverhalten der einzelnen Frequenzbereiche am Hörplatz ganz leicht nach hinten geneigt, und um schmalbandige Druck-Maxima im Inneren so gut wie möglich zu reduzieren, wurden sie leicht trapezförmig gestaltet.

Design-Statement?

Was für die einen ein Kompliment ist, mag für die anderen ein Ausschlusskriterium darstellen; kann ein solches Designerstück denn überhaupt gut klingen, oder müssen der schönen Form zuliebe doch zu viele Kompromisse beim Klang eingegangen werden? Diese Bedenken wollen die Kieler im Falle ihrer Vela-Serie ganz pragmatisch mit Fakten und Bauteilen entkräften.

Elac Vela FS 407 AMT Markro

Der JET-5-Hochtöner der Elac Vela FS 407

Allein der in der Elac Vela FS 407 zum Einsatz kommende JET-5-Hochtöner aus Kieler Produktion ist ein technisches Schmankerl, das als Zentralstück eines Koaxtreibers sogar in den Referenzlautsprechern Elac Concentro (um 60.000 Euro) und Elac Concentro M (um 32.000 Euro) brilliert. Das JET-Prinzip basiert auf dem Air Motion Transformer (AMT) von Oskar Heil: Beim AMT sitzt eine gefaltete Folienmembran in einem von Neodymstäben erzeugten Magnetfeld. Durch die große Membranfläche, die geringe Masse der Folie und das kräftige Magnetfeld sollen die Impulsantwort, der Dynamikumfang und der Frequenzumfang dieses Treibers im Vergleich zu konventionellen Kalottenhochtönern deutlich größer sein, während gleichzeitig die Verzerrungen geringer ausfallen sollen. Die AMT-Variante von Elac kommt in der Vela FS 407 mit einem komplett neu entwickelten Waveguide, also einer sich nach außen hin öffnenden Schallführung um den Treiber herum.

Elac Vela FS 407 AMT ausgebaut

Die Rückseite des Elac-JET-5-Hochtöners

Kristallbass

Etwas ungewöhnlich für Elac-Neulinge dürften auch die Membranen der Tief- und Mitteltöner anmuten. Schon in der Vorgängergeneration wurden diese Chassis mit einer facettierten Oberfläche eingesetzt, die mich an mattschwarze Diamanten erinnert. Elac nennt diese zum Patent angemeldete Aluminium-Sandwich-Bauweise entsprechend „Kristallmembran“. Eine 0,125 Millimeter starke, kristallförmig geprägte Aluminiumfolie wird dabei in einem Klebeprozesses mit einem darunterliegenden Zellstoffkonus verbunden.

Das Resultat sei laut Elac eine hochsteife Sandwich-Konstruktion. Die kristallartige Prägung erhöhe aber nicht nur die Steifigkeit bei gleichem Membrangewicht, sondern soll durch die unregelmäßigen Membrandicken über die gesamte Oberfläche Partialschwingungen und somit Klangverfärbungen minimieren. Im Zusammenspiel mit dem nochmals verbesserten Schwingspulendesign mit extra langem Polkern sowie einer doppelt asymmetrischen Sicke, die einen größeren Hub von nun +/- 15 Millimetern ermöglicht, will Elac auch eine höhere Belastbarkeit, größere dynamische Reserven sowie einen erweiterten Frequenzgang von fast einer Oktave erzielt haben.

Elac Vela FS 407 Basstreiber ausgebaut

150-Millimeter-Treiber der Elavc Vela FS 407 mit Kristallmembran

Die beiden 150-Millimeter-Treiber der Elavc Vela FS 407 arbeiten in einer 2,5-Wege-Schaltung. Das obere Chassis übernimmt den gesamten Frequenzbereich zwischen der Übernahmefrequenz zum JET-Hochtöner bei 2.400 Hz und der unteren Grenzfrequenz von 30 Hz. Der untere Treiber setzt erst unterhalb von 450 Hz ein, kümmert sich also nur um den Bassbereich und verstärkt diesen. Die Frequenzweichen der Vela-Serie sind dabei laut Elac auf die Eigenschaften der Chassis im spezifischen Gehäuse sowie auf die Schallleistung, sowohl auf Achse als auch unter verschiedenen Winkeln, optimiert. So ergäben sich für die verschiedenen Weichenzweige Filter zweiter, dritter und sogar vierter Ordnung.

Sailing away

Auch der erwähnte Boden-Ausschnitt im Profil ist keine reine Designspielerei. Die gesamte Bodengruppe ist aus Aluminium gefertigt, was der Steifigkeit und Stabilität des Lautsprechers zugutekommt. Des Weiteren haben die Elac-Ingenieure eine der beiden Bassreflexöffnungen nach dem Downfire-Prinzip ebendort integriert. Eine zweite Öffnung strahlt klassisch nach hinten ab. Beide spielen auf dasselbe Volumen. Bjarne Sommerfeldt von Elac sagt dazu: „Um die perfekte Bassreflexabstimmung der Elac FS 407 bei freier Aufstellung zu erreichen, wäre der Querschnitt der nach unten abstrahlenden Bassreflexöffnung nicht ausreichend groß gewesen. Daher wurde eine zweite Bassreflexöffnung nötig. Diese lässt sich leicht mit einem Bassreflexstopfen verschließen, wenn man dies möchte, um den Lautsprecher zu einem reinen Downfiring-Bassreflex-Lautsprecher umzuwandeln, der dann aufgrund des reduzierten Bassanteils auch für eine Aufstellung näher an der Rückwand geeignet ist.“

Elac Vela FS 407: Klangtest und Vergleiche

Elac Vela FS 407 AMT

Man könnte angesichts der hochaufgeschossenen Schlaksigkeit der Elac Vela FS407 und ihrer JET-Tweeter vermuten, dass es sich eher um eine Design-Verliebtheit mit anämischem Bass und dominant-klingelndem Hochton handelt. Beides könnte nicht weiter von der Wahrheit im Hörraum entfernt sein. Nach etwa fünf Tagen Einspielzeit legen die FS 407 eine anfängliche Ungelenkheit im Tiefton ab und zügeln den zu Beginn noch leicht vorwitzigen Hochton auf ein sehr angenehmes Maß.

Do Your Thing - The FlooziesIn „Fnktrp“ von The Floozies (Album: Do Your Thing; auf Amazon anhören) lassen sich die Kielerinnen nicht lumpen, wenn es um Druck und Slam im Bass und Oberbass der elektronisch erzeugten tiefen Töne geht. Der federnd-anspringende und gleichzeitig griffige, farbstarke Bass der Elac macht gerade bei dynamisch forderndem Material richtig Freude. Yellos elektronische Eskapaden in „Resistor“ auf Pocket Universe haben Drive und Definition, und die (zu) fett abgemischte Bass-Drum in St. Vitus „Children of Doom“ vom 1992er Album C.O.D. drückt das Ohrenschmalz tief in die Gehörgänge, wenn man mehr Gas gibt als dem nachbarschaftlichen Frieden zuträglich ist. Mit geschlossenem hinteren Bassreflexrohr wird’s in der Tat etwas schlanker und streng genommen auch etwas neutraler. Ich bevorzuge bei den gut 80 Zentimeter Abstand zur Rückwand in meinem 25-Quadratmeter-Hörraum allerdings die frei durchziehende Variante. Sie macht mir persönlich einfach mehr Spaß.

Das Bi-Wiring-Treminal der Elac Vela FS 407

Das Bi-Wiring-Treminal der Elac Vela FS 407

Submotion Orchestra - KitesMeine doppelt so teuren Qln Prestige Three (8.000 Euro) spielen über den gesamten Bass und Oberbassbereich mit ihrem 18-cm-Tiefmitteltöner etwas linearer und schaufeln im untersten Frequenzkeller, also ab etwa 40 Hz abwärts, noch ein paar Kohlen mehr in den Ofen. Bestens nachzuhören ist das in „Variations“ von Submotion Orchestra (Album: Kites; auf Amazon anhören), in dem die Qln beim tiefsten Ton des Stücks einen noch etwas fetteren Bassteppich im Raum auslegen. Mit den physisch deutlich mächtiger auftretenden KEF R7 (3.200 Euro) halten die Kieler Säulen aber in jeder Bass-Hinsicht quantitativ und qualitativ locker mit.

Ratatat

Elac Kristallmembran

Der sich nach oben hin anschließende Grundton bringt sich zwar nicht über Gebühr dominant ins Geschehen ein, wandelt aber ebenfalls auf der körperhaft-kräftigen und farbstarken Seite der Neutralität. Dazu erstaunt er mich mit einer denkwürdig knackigen Impulsivität. Das macht gerade bei Filmen und TV-Serien ziemlich viel Spaß: Die Maschinengewehrsalven der Gatling Gun in „Westworld“ und die klappernden Hufe und die Schläge der Äxte auf die Schilde der Verteidiger in „Game of Thrones“ besitzen eine körperliche Substanz und akustische Durchsetzungsfähigkeit, die ehrlich gesagt selbst den Qln Prestige Three abgeht. Ähnlich tonal substanziell, gleichwohl kontrolliert und akkurat auf den Punkt spielen sonst eher dedizierte Heimkinolautsprecher vom Schlage der (erheblich teureren) JBL Synthesis- oder M&K Sounds-Installationen. Im preisähnlichen Hifi-Kosmos kann ich mich eigentlich nur an die Thivan Labs Eros 9 (um 3.800 Euro) und mit einigen Abstrichen an die KEF R7 erinnern, die noch brutaler (Thivan) oder ähnlich wuchtig (KEF) mit solchen grobdynamischen Extravaganzen umgehen konnten. In Anbetracht ihrer zierlichen Physis beeindruckt der schnelle, präzise konzentrierte und körperlich spürbare Impulsvortrag der Elac Vela FS 407 jedenfalls enorm; grobdynamisch geht hier wirklich die Post ab.

Verständnisvoll

A Tribe Called Quest - We Take it from Here, Thank you for Your Service_Was dann fast noch mehr erstaunt ist, wie klar und verständlich diese eleganten Standlautsprecher inmitten der Bass-Attacken, sei es nun bei Musik oder Film-Sound, den Mitteltonbereich durchreichen. Die Sprachverständlichkeit ist selbst in Action-Knallern wie „Avengers“, aber auch bei den flotten Raps von A Tribe Called Quest in „We the People“ (Album: Thank you for Your Service, We Take it from Here; auf Amazon anhören) exemplarisch. Tonal geht’s auch hier ein wenig in die substanzielle Richtung – ätherisches, körperloses Gezischel ist so gar nicht das Ding der Elac Vela FS 407. Stattdessen ertönen Laura Mvula und ihre Begleitstimme in „Sing to the Moon“ vom gleichnamigen Album mit kräftigen Klangfarben.

Intimes Erlebnis

Zur eher satten, gleichwohl in sich homogenen Tonalität passt auch die eher kompakte, in etwa auf der Lautsprechergrundlinie aufbauende Bühnenabbildung der Elac Vela FS 407. Nicht, dass ich von einem Gedränge der dort stattfindenden Geschehnisse sprechen möchte; die Stimme von Jacintha steht schön frei und dabei dreidimensional plastisch herausgearbeitet vor der Begleitband. Bass, Schlagzeug und Bläser behaupten ihre abgegrenzten Positionen und bewahren ihre akustische Integrität. Sie treten allerdings ein wenig näher an die Jazz-Sängerin heran als mit den Qln Prestige Three, den KEF R7 oder den Speaker Heaven Network 3.7 (um 4.000 Euro). Und die virtuellen Wände des Studios grenzen die Bühne etwas enger ein. Das vermittelt eher den Eindruck eines intimen Jazzclubs als den eines weitläufigen Stadiums – was im konkreten Fall sicherlich der Realität auch näherkommen dürfte.

Kein Gebimmel

Elac Vela FS 407 Hochtöneranschluss

Die Behausung des JET-5-Hochtöners

Schon meine Erfahrung mit den (im Hochton mit einer Kalotte bestückten) Elac Navis ARB51 deutete an, dass Elac mit seinen neuen nautischen Familien in Sachen tonaler Abstimmung eine leichte Kurskorrektur gen Süden, in wärmere Gefilde vornimmt. Tendierte man in Kiel vor Jahren eher noch dazu, die unbestreitbar grandiosen Fähigkeiten des JET-Hochtöners mit einer klitzekleinen Portion Übermut noch etwas prominenter herauszukehren, fügt sich der Treiber der Elac Vela 407 tonal harmonisch ins Gesamtbild ein.

Terje Rypdal & The Chasers - Blue_Das Klangbild behält auch in den oberen Lagen seine realistische Integrität ohne artifizielle Spotlights. Die Schlagzeugbleche in „Kompet Car“ von Terje Ripdal & The Chasers (Album: Blue; auf Amazon anhören) schwirren frei und mühelos feindynamisch abgestuft aus den gefalteten Folien, ohne auch nur den geringsten Anflug von Penetranz zu zeigen. Dass die gefühlte „Über-Alles-Luftigkeit“ aufgrund der leicht gezügelten Hochton-Energie im Vergleich zu früheren Modellen ein wenig in den Hintergrund tritt, stellt einen guten Abstimmungskompromiss dar und bringt den JET tonal sogar eher auf Linie – im Sinne einer linearen Abstimmung – als dies bei früheren Modellen der Fall war. Wohlgemerkt: Das dem JET 5 innewohnende Auflösungsvermögen ist nach wie vor vorhanden, nur eben weniger vordergründig – man kann nun auch hohe Pegel über längere Zeit fahren, ohne dass das Gehör vorzeitig ermüdet.

Wenn es um die ausgewogene Balance von Analytik und Natürlichkeit geht, macht den Elac Vela FS 407 so schnell kein Mitbewerber in dieser Preisklasse etwas vor. Eine KEF R7 vermag im Hochton nicht ganz so feingliedrig zu differenzieren. Im direkten Vergleich verdunkeln die Britinnen das Geschehen im Superhochton sogar ein wenig. Und die Keramikhochtöner der Speaker Heaven Network 3.7 wirken – bei ähnlichen analytischen Fähigkeiten wie denen des des Elac-JET-Hochtöners – einen Tick härter und kristalliner. In der preisparallelen Kalottenwelt spielt derzeit meiner Erfahrung nach nur der neue Dynaudio Cerotar-Hochtöner annähernd so seidig und fein, detailreich und klar wie der JET 5 der Elac Vela FS 407 – aber auch nur annähernd. Die Qln Prestige Three schließlich können mit nochmals zarterem Schmelz und luftigerer Detailfreudigkeit in „Kompet Car“ dann legitimieren, warum sie trotz ihrer geringeren Treiberanzahl doppelt so viel kosten.

Elac Vela FS 407 AMT Spikes

Test: Elac Vela FS 407 | Standlautsprecher

  1. 1 Black Beats
  2. 2 Elac Vela FS 407: Klangtest und Vergleiche
Billboard
Excalibur

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