Demnächst im Test:

In-Ear oder Over-Ear? Testevent bei der Headphone Company In-Ears vs. Over-Ears bei der Headphone Company Waversa WminiHPA MK2 Waversa WminiHPA MK2 SPL Phonitor se SPL Phonitor se Technics Ottava C70 MK2 Technics Ottava C70 MK2
Billboard
HiFi Regler - Cambridge Audio CX

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Exklusiv & klassisch
  2. 2  Klangtest und Vergleiche: Canton A 45 BS

Es geht Schlag auf Schlag: Kaum sind die aktiven Streaminglautsprecher Canton Smart Vento 3 (2.300 Euro) wieder auf dem Weg zurück ins hessische Weilrod, stehen die ebenfalls kompakten Canton A 45 BS (1.300 Euro | www.canton.de) zum Test bereit. Die sind ganz klassische, passive Zwei-Wege-Kompaktlautsprecher ohne Schnickschnack – und vollgepackt mit Hightech da, wo es drauf ankommt.

Zwei Herzen …

Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust. Unbestreitbar ist einerseits, dass hochintegrierte Lautsprechersysteme mannigfaltige Vorteile besitzen: Die aktive Elektronik reduziert Leistungsverluste in passiven Frequenzweichenbauteilen, was in der Theorie dem Klang zugutekommen dürfte. Vor allem aber lassen sich Amps und Treiber weitgehend aufeinander optimieren, eine Bassentzerrung kann selbst kleinen Lautsprecher tieftonseitig große Taten ermöglichen. Praktisch sind sie auch, denn im Idealfall fallen gleich alle anderen Geräte weg, die man eben sonst so braucht, und in Heimkino- sowie vor allem Multiroom-Installationen besitzt eine etwaige kabellose Verbindung der einzelnen Lautsprecher wirklich schlagende Argumente: Weder lange Kabelstrecken über Wände oder Fußböden noch Kabelkanäle sind nötig. Das alles hält Aufwand und Kosten im Vergleich zu klassisch passiven Einzelkomponentensystemen relativ niedrig.

Canton A 45 BS mit Abdeckung

Die Canton A 45 BS mit der zum Lieferumfang gehörenden Frontabdeckung

Andererseits legt man sich auf die eingebaute Elektronik und deren Qualität für die gesamte Dauer der heimischen Klangbeziehung fest: Ein Austausch von Wireless-Empfänger, D/A-Wandler oder Verstärker ist unmöglich. Geschmacksoptimierte Nuancierung im Klang, vor allem aber potenzielle Verbesserungen mit höherwertigen vorgeschalteten Komponenten bleiben dem Nutzer auf diesem Weg verwehrt. Das kann den Unterschied zwischen einem guten und einem hervorragenden Ergebnis ausmachen – wenn die Lautsprecher Qualitätssteigerungen akustisch umsetzen können.

Treiberfrage

Canton investiert in die klassische Passivtechnik der Canton A 45 BS augenscheinlich vor allem mittels für diese Klasse außergewöhnlichen Treibern: Da wäre zunächst mal der 25-Millimeter-Hochtöner mit Aluminium-Oxyd-Keramikmembran und schützendem Gitter, den wir schon in der Canton Smart Vento 3 kennengelernt hatten. Auch hier darf er es sich leicht nach hinten zurückversetzt in der sogenannten „Transmission Front Plate“ gemütlich machen. Die sich im Ansatz hornförmige öffnende Schallführung soll für ein besseres Rundstrahlverhalten und einen höheren Wirkungsgrad sowie weniger Verzerrungen im Übernahmebereich vom Tief-/Mitteltöner sorgen. Das sei auch gut für den Gesamtfrequenzgang des Lautsprechers, so Canton. Zudem darf der Hochtöner auf ein gekapseltes Volumen spielen und ist somit vor allzu großer Unbill durch die rückwärtig abgestrahlten Schallanteile des Tief-/Mitteltöners geschützt.

Canton A 45 BS Hochtöner

Der 25-Millimeter-Hochtöner der Canton A 45 BS kommt mit einer Aluminium-Oxyd-Keramikmembran

Schon in den Smart Vento 3 fand ich den Einsatz eines solchen Hightech-Hochtöners einigermaßen bemerkenswert – und die Canton A 45 BS sind mit einem Verkaufspreis von 1.300 Euro für ein Pärchen in den beiden erhältlichen Ausführungen Matt-Weiß oder Hochglanz-Schwarz noch mal glatt 1.000 Euro günstiger. Das lässt sich wie gesagt teilweise auf den Umstand zurückführen, dass in den A 45 BS keine Aktivelektronik zum Einsatz kommt. Nichtsdestotrotz setzt Canton im günstigeren Modell darüber hinaus einen nochmals aufwändigeren Tief-/Mitteltöner ein als in der Smart-Vento-Serie: Der 174 Millimeter durchmessende, bei 3.000 Hz nach unten hin übernehmende Treiber wurde in grundsätzlichen Aspekten dem Portfolio der Canton-Referenzserie entlehnt und besitzt eine aufwändig zu fertigende Membran aus einem Aluminium-Keramik-Wolfram-Kompositum. Die Membran darf bei ihren Schwingungen natürlich auf die dreifach gefaltete „Wave“-Sicke vertrauen.

Deren computeroptimierte Formgebung soll in die Membran zurückgeworfene Resonanzen unterbinden, weniger Partialschwingungen bei höheren Frequenzen zulassen und eine große Auslenkung bei perfekt kontrollierter Membranführung unterstützen, während das Hightech-Membranmaterial Verformungen der besonders leichten Membran unterbinden dürfte. Als Resultat sollen die von Canton unter dem Terminus „DC-Technologie“ (Displacement Control) zusammengefassten Maßnahmen sehr hohe Lautstärken bei minimierten Verzerrungen und Verfärbungen möglich machen.

Canton A 45 BS - Sicke des Konustreibers

Die „Wave“-Sicke des Bass/Mittelton-Treibers der Canton A 45 BS

Dass Canton die A 45 BS dennoch zu diesem Preis anbieten kann, erklärt sich aus dem Vertriebsmodell der Serie: Die „Online-Exclusive“-Lautsprecher sind ausschließlich über den Online-Shop von Canton oder per Werksverkauf in Weilrod zu beziehen. Die neue Errungenschaft kann übrigens 30 Tage lang zu Hause getestet werden.

Luft holen

Der 17er-Treiber der Canton A 45 BS spielt in einem nicht gerade zierlichen Gehäuse (Breite 22,5 cm, Höhe 40 cm, Tiefe 36,5 cm) auf ein großzügig bemessenes Volumen von 19,6 Liter mit einer nach hinten „feuernden“ Bassreflexöffnung. Zum Filternetzwerk möchte ich Frank Goebl, den Technical Director von Canton, zu Worte kommen lassen: „Die Weiche für den Tief-/Mitteltöner hat einen Tiefpass 2. Ordnung, also 12 dB pro Oktave, zum Hochtöner hin. Der Hochtöner wird über einen Hochpass 3. Ordnung, also mit 18 dB pro Oktave, zum Tief-/Mitteltöner hin getrennt. Daraus ergibt sich eine akustische und elektrische Gesamtübernahmeflanke von 24 dB pro Oktave am Übernahmepunkt. Unser Ziel ist eine Besselkonfiguration 4. Ordnung, die einen hervorragenden Kompromiss für einen kleinstmöglichen Gruppenlaufzeitsprung, ein konstantes Abstrahlverhalten und hohe Frequenzlinearität bietet. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, die Systembandbreite bei gegebener Gehäusegröße und Linearität zu erhöhen. Der Tief-/Mitteltöner wird zudem im untersten Frequenzbereich mit einen Hochpass 2. Ordnung subsonisch gefiltert. So fallen sehr tieffrequente Signalanteile, die nicht adäquat vom System wiedergegeben werden können, es allerdings belasten und zu erhöhtem Klirr führen, heraus.“

Canton A 45 BS Rückseite, Anschlüsse

Die Rückseite der Canton A 45 BS mit Bassreflexöffnung und Bi-Wiring-Terminal

Alle Maßnahmen zusammen sorgen für eine untere Grenzfrequenz von 48 Hz bei -3 dB und 40 Hz bei -6 dB laut Hersteller, wobei letzterer Wert im Hörraum mit seinen bassverstärkenden Raumbegrenzungen die relevantere Zahl ist. Laut Canton-Webseite reicht der Übertragungsbereich sogar bis 25 Hz hinab – hierbei handelt es sich unorthodoxerweise um den -20-dB-Punkt. Der Wirkungsgrad von 84 dB/1W/1m liegt eher unter dem Durchschnitt. Wer also sehr hohe Pegel fahren will, sollte einen Verstärker im dreistelligen Wattzahlenbereich anschließen.

Kabinettstückchen

Das Gehäuse der Canton A 45 BS besteht umlaufend aus 20 Millimeter starkem HDF (hochdichte Faser) und wird im Inneren mehrfach versteift, damit Resonanzen keine Chance haben, den Klang parasitär zu beeinträchtigen. Auf der Rückseite findet sich ein sehr ordentlich gemachtes Bi-Wiring-/Amping-Terminal mit vergoldeten Schraubklemmen, das Gabelschuhe und Bananenstecker aufnimmt. Statt der leider allzu oft anzutreffenden Blechbrücken (hallo ATC, das geht bei einem Lautsprecher wie den SCM11 oder SCM19 gar nicht!) verbindet Canton die Hochton- und Tief-/Mitteltonzweige mit einer relativ massiven, vergoldeten Brücke, welche die Zapfen der Buchsen voll umfasst. Dennoch kann man – wie immer – nur empfehlen, ein dediziertes Bi-Wiring-Kabel oder eben gute Kabelbrücken einzusetzen.

Canton A 45 BS angeschlossen mit Lautsprecherkabeln

Das Bi-Wiring-Terminal der Canton A 45 BS

Im Inneren leitet Canton das Signal mit der hauseigenen Innenverkabelung CantoLink 400 weiter – für Puristen und Fans von Familiensynergien gibt es dieses Kabel auch als vernünftig gepreistes Zubehör für die Verbindung zwischen Verstärker und Lautsprecher. Eine die Front der Canton A 45 BS ganzflächig abdeckende Stoffbespannung mit Magnethalterung liegt natürlich jeder Box bei. Da eine stabile Kopplung mit einem guten Lautsprecherständer immer eine gute Idee ist, hat Canton Gewindebuchsen im Gehäuseboden der A 45 BS eingelassen, die laut Hersteller perfekt auf die optional erhältlichen Canton-A 45 LS-Stands (300 Euro für ein Paar) passen.

 Klangtest und Vergleiche: Canton A 45 BS

Die Canton A 45 BS mögen zwar der Gattung „Kompaktlautsprecher“ angehören, doch das sollte man keinesfalls mit „Regallautsprecher“ übersetzen. Sie sollten möglichst frei stehen, denn zu nah vor der Rückwand aufgestellt, generieren sie einfach zu viel Energie im unteren Frequenzbereich. Zudem kann die breite Schallverteilung des Canton-Keramik-Hochtöners und seiner Transmission Front Plate nur dann ihre volle segensreiche Wirkung entfalten, wenn sie nicht gleich im Ansatz von zu nah stehenden Objekten blockiert wird. Lautsprecherständer sind also ein Muss – die hauseigenen empfehlen sich ebenso wie zum Beispiel die schicken und durchdachten Modelle von Solidsteel, auf denen die Canton A 45 BS in meinem Hörraum Platz nehmen dürfen. Angetrieben werden sie hier von der Stereo-Endstufe Linnenberg Liszt (4.500 Euro), die ihre Signale vom DAC-Vorverstärker Norma Audio REVO SC-2 (7.400 Euro) beziehen.

Bass und Dynamik

Canton A 45 BS neben Rack

In meinem 24 Quadratmeter großen Hörraum stehen die Canton A 45 BS gute 80 Zentimeter von der Rückwand entfernt und machen direkt klar, dass sie auch auf dieser recht freien Position im Bassbereich keine falsche Zurückhaltung kennen. Mannomann, Canton hat echt ein Händchen für im Wortsinn eindrucksvolle Bassabstimmungen. Meine Qln Prestige Three (7.800 Euro), relativ zierliche Zwei-Wege-Standlautsprecher mit 18-Zentimeter-Tieftöner und Bassreflexgehäuse, erstaunen mich und Gäste regelmäßig mit einer Tieftonausdehnung und -kraft, die man ihnen kaum zutraut. Und die (auf ein nochmals deutlich kleineres Volumen spielenden) Canton A 45 BS halten in Sachen Druck quantitativ mit, wenn Massive Attacks „Teardrop“ Schockwellen durch den Raum schickt. Klar machen sie die allertiefsten Frequenzen in Yellos „Kiss the Cloud“ vom Album Toy nicht ganz so deutlich hörbar wie die Qln (28 Hz bei -3 dB), doch der Unterschied ist in der Praxis kleiner, als Daten und Preisabstand es suggerieren.

Die kompakten ATC SCM11 (1.800 Euro) wiederum steigen laut Datenblatt weniger tief hinab als die Canton (56 Hz vs. 40 Hz bei -6 dB). Hörpraktisch fällt der Unterschied im Tiefgang geringer aus, als man es angesichts dieser Zahlen erwarten könnte, was ich auf die unterschiedlichen Gehäuseprinzipien und ihre jeweiligen Charakteristiken zurückführe (die Flankensteilheit des Roll-Off im Bass beträgt beim geschlossenen Gehäuse 12 dB und beim Bassreflexgehäuse 24 dB pro Oktave). Die ATC SCM11 strukturieren zudem das, was sie vom Kontrabass in Dominique Fils-Aimées „Birds“ wiedergeben können, einen Hauch flinker und transparenter als die Canton A 45 BS. Auch die Dynaudio Evoke 10 (1.400 Euro) sind eher auf den zackigen Impuls statt wie die Canton auf den Körper einer Bassdrum fokussiert und spielen ebenfalls nicht ganz so tief in den Keller wie die Canton. Die Bowers & Wilkins 606 (700 Euro) wirken – bei aller Kompetenz in ihrer Preisklasse – vergleichsweise harmlos in Attacke, Körper und Tiefgang und können daher nicht ganz so überzeugend die Illusion eines echten Kontrabasses im Hörraum heraufbeschwören wie die Canton A 45 BS.

Canton A 45 BS - Bass/Mittel-Treiber ausgebaut

Der Bass/Mittelton-Treiber der Canton A 45 BS

Alle drei streichen die Segel angesichts des schieren Drucks und Slams der auch grobdynamisch äußerst fähigen A 45 BS. Die reißen mit Dampfhammer-Techno à la DVBBS & Bourgeous‘ „Tsunami“ und den Bass-Attacken von Victor Wooten in „U Can’t Hold No Groove (If You Ain’t Got No Pocket)“ geradezu den Bau ab, wenn man es ihnen abverlangt. Und das, ohne mit einer allzu deutlichen Bassüberhöhung zu tricksen. Hier macht sich vor allem der Hubraum der Canton bemerkbar, denn in der Tat empfinde ich die A 45 BS sogar als etwas linearer abgestimmt als ihre aktiven Stiefschwestern Smart Vento 3. Das bedeutet nicht, dass sie der reinen Lehre entsprechend absolut neutral spielen, denn den Spaßfaktor hat Canton auch den Passivlautsprechern nicht aberzogen. Ein weiteres Paradebeispiel dafür liefern sie mit dem fantastisch treibenden „Wildfire“ von SBTRKT ab: Der Bass des Stücks zieht einfach satt durch, mit dieser körperlich spürbaren Energie eines kraftvollen Woofer-Athleten.

Canton A 45 BS - Zentrierspinne des Tief-Mitteltöners

Nicht zu vernachlässigen ist, dass die Canton A 45 BS als passive Lautsprecher im Gegensatz zu den Smart Vento 3 von einer hochwertigen Verstärkung – in diesem Fall meiner Vor-/Endkombi Norma Audio Revo SC2/DAC und Linnenberg Liszt – in hohem Maße profitieren können. Und zwar den gesamten Frequenzbereich betreffend. Ein kurzer Quercheck mit dem musikalisch begabten, aber auch schon betagten All-in-One-Surround-Verstärker Linn Classik Movie 2 (anno 2005 um 4.100 Euro) offenbart, dass die Canton A 45 BS gerne einen Verstärker mit knackig-straffer Basswiedergabe an der Leine wissen. Mit dem Linn weicht der Bass etwas auf und die Canton ruft im Frequenzkeller nicht ihr volles Potenzial ab. Leistung scheint für die Basscharakteristik weniger eine Rolle zu spielen, denn Liszt und Classik Movie liegen nur wenige Watt auseinander – Qualität und Charakter entscheiden.

Mitteltonbereich

Bruce Springsteen - MagicAuffällig ist die im Vergleich zur Smart Vento 3 etwas weniger ausgeprägte Fülle des Klangbilds im Mittelton – hier wirken die A 45 BS zwar immer noch angenehm farbstark und warm, aber auch wandlungsfähiger, objektiver und wenn nötig auch texturierter, rauer – alles in allem „audiophiler“. Mit preisklassenbezogen sehr guter Transparenz und Detailfreude trennen sie die Stimme des „Boss“ Bruce Springsteen von der zweiten Gesangsstimme in „Terry’s Song“ vom 2007er Album Magic (auf Amazon anhören). Auch die typischen Charakteristika der Harmonika oder des impulsiv knarzenden Saxophons in „The National Anthem“ von Radiohead (Album: Kid A) arbeiten die Canton A 45 BS akkurat heraus.

Tingvall Trio - SkagerrakZwar tönen die Canton A 45 BS bei Soundeffekten in Filmen oder Snaredrums etwas weniger explosiv und spannungsgeladen als ihre impulsfreudigen, aktiven Streaminglautsprecher-Schwestern, die diesbezüglich gerade im Mittelton herausragend agieren. Doch das soll nicht etwa heißen, dass die A 45 BS lahme Enten wären. Nein, auch sie können ordentlich knallen, was sie mit dem Slapping in „Uh Uh“ von Thundercat eindrucksvoller unter Beweis stellen als etwa die Dynaudio Evoke 10 oder die B&W 606. Gleichzeitig weisen sie mit subtiler abgestuften feindynamischen Nuancen bei der Phrasierung des Pianos in „Mustasch“ vom Album Skagerrak (auf Amazon anhören) des schwedischen Tingvall Trios darauf hin, dass sie mehr draufhaben als Hauruck und Haudrauf – und dies auch zeigen wollen. Der Analogsynthie in „Tool of Love“ von Yello zum Beispiel knurrt im oberen (!) Mittelton druckvoll und wirkt gleichzeitig maximal ausdifferenziert in Granulation und feindynamischer Abstufung – das schaffen auch die ATC SCM11 nicht besser. Gerade die erwähnten Tracks „Uh Uh“, und „Tool of Love“ würde ich jedem Interessenten als Erstbegegnungsmaterial ans Herz legen, denn es zeigt hervorragend auf, wie flott, unangestrengt und akkurat differenziert die Canton A 45 BS auch komplexe Mittelton- und Impuls-Menüs auftischen – und zwar in All-You-Can-Eat-Portionen.

Hochton und Auflösung

Canton A 45 BS - Hochtöner Markroaufnahme

Vom Präsenzbereich bis zum Superhochton halten sich die Canton A 45 BS vornehm und mit steigender Frequenz noch etwas vornehmer zurück, agieren aber insgesamt doch etwas offener als die Smart Vento 3. Im Vergleich zu den hochtonfrischen B&W 606, den nüchternen ATC SCM11 oder den luftigen Dynaudio Evoke 10 wirken die A 45 BS smoother und weniger glänzend. Als ausnehmend luftig-analytische Lautsprecher kann man die Canton A 45 BS sicherlich nicht bezeichnen, doch sie werfen eine angenehm verbindliche, härtefrei-saubere Hochtongüte in die Waagschale. Yellos „30,000 Days“ vom Album Toy lausche ich auch mit hoher Lautstärke vollkommen stressfrei – so mancher Lautsprecher verleiht den Schlagzeugblechen hier eine scharfe Note, die den Canton abgeht. Alles in allem liefern die A 45 BS einen Hochton, der in dieser Preisklasse zwar nicht herausragend offen bis nach ganz oben hin ausleuchtet, aber eine gute Kombination aus sauberer Auflösung und Langzeittauglichkeit auch bei hohen Lautstärken bietet.

Raumabbildung

Lunatic Soul - FracturedDie Canton A 45 BS projizieren einzelne Schallquellen mit realistischerem Maßstab sowie greifbar und dreidimensional umrissen auf die Bühne. Ich gehöre zur Gattung der „visuellen Hörer“, erlebe Musik als virtuelle optische Manifestation im Raum – wenn die Anlage das hergibt. Meist hat das mit einer akkuraten Phasenkohärenz der Treiber zu tun, und natürlich mit dem Rundstrahlverhalten. Und wie schon die Smart Vento 3 brilliert die Canton A 45 damit, die Stimme von Bruce Springsteen in „Terry’s Song“ intim, greifbar auf und etwas hinter die Lautsprecherebene zu stellen. Auch den kleinen, sich bestens in seine einzelnen Mitglieder differenzierenden Chor in „Lonesome Lover“ von Max Roach meint man mit geschlossenen Augen in der Halbdistanz stehen zu sehen. Und dann glaube ich kaum meinen Ohren zu trauen: Mein derzeitiges Lieblingsstück (also seit etwa 3 Jahren) ist „Blood on the Tightrope“ von Lunatic Souls Mega-Album Fractured (auf Amazon anhören), dem vierten Longplayer des Solo-Projekts von Riverside-Sänger und Bassist Mariusz Duda, vorzugsweise auf 180-Gramm-Vinyl. Ich kenne kaum einen Track besser als diese Aufnahme. Und so scheinbar paradox wie die Canton eine atmosphärisch dichte Stimmung auf einer intim gepackten Bühne zaubert und dennoch jedes einzelne Instrument in seinem von Zauberhand freigestellten Raum atmen und sich entfalten lässt, hört man das in der Klasse unter 2.000 Euro nicht oft.

Die Bühne wirkt etwas distanzierter als ich es zum Beispiel von den ATC SCM11 kenne, und dennoch ist sie unglaublich greifbar – sie wirkt energiereich mit Leben gefüllt und dennoch geordnet, wild-organisch und dennoch ganz lässig kontrolliert. Zudem erstreckt sich die Darstellung des Geschehens auch deutlich über die Basisbreite der Lautsprecheraufstellung hinaus, wenn es die Aufnahme hergibt. Allzu sehr in die Tiefe hinter den Lautsprechern wollen die Canton A 45 BS bei alledem nicht leuchten. Diesen Charakterzug teilen sie sich mit den ATC SCM 11. Die Dynaudio Evoke 10 eignen sich dagegen schon eher für ausgedehnte virtuelle Raum-Spaziergänge – ohne dass sie allerdings diese greifbare Physis von Schallereignissen erzeugen können, wie das die Canton und ATC vermögen. Persönlich halte ich also es ganz mit dem Volksmund: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

Canton A 45 BS in Weiß mit Ständer

Die Canton A 45 BS mit dem optional erhältlichen Ständer von Canton

Billboard
AudioQuest

Test: Canton A45 BS | Lautsprecher

  1. 1 Exklusiv & klassisch
  2. 2  Klangtest und Vergleiche: Canton A 45 BS

Das könnte Sie interessieren: