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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Galaktisch bodenständig
  2. 2 Aune S9c Pro: Hörtest und Vergleiche

Auch wenn „Aune“ der Titel einer Sci-Fi-Serie eines Streamingdienstes sein könnte: Der Aune S9c Pro (Preis: 749 Euro; Web: www.aune-store.com) ist ein ganz irdischer DAC und Kopfhörerverstärker. Ob es galaktische Features, spacige Daten und stellare Klangerlebnisse gibt, soll dieser Testbericht ans Licht bringen.

Zum Test lag mir der Aune S9c Pro in der schwarzen Variante vor, je nach Präferenz kann man sich auch für Silber entscheiden. Das Gehäuse (28,8 x 21,1 x 6,3 mm, BxTxH) des in China gefertigten S9c Pro besitzt leicht nach innen gestürzte Seitenwände und vollzieht mit seiner Deckplatte einen galanten Schwung. Zentral „unter der Kuppel“ ist ein Bildschirm untergebracht, der über Status und Einstellungen informiert. Links davon befinden sich die Anschlüsse für Kopfhörer und der IR-Sensor für die mitgelieferte, kleine Fernbedienung, rechts ein großer Drehgeber mit Push-Funktion.

Der Aune S9c Pro ist ein D/A-Wandler und Kopfhörerverstärker im Midi-Format

Der Aune S9c Pro ist ein D/A-Wandler und Kopfhörerverstärker im Midi-Format. Keine 30 cm breit, vereint er einen pegelgeregelten DAC, drei Kopfhörerausgänge und symmetrische wie unsymmetrische Pre-Outs

Der Aune S9c Pro bietet einen reich gedeckten Tisch, wenn es um Verbindungsformate für Kopfhörer geht. Natürlich ist eine klassische 6,35-mm-Klinkenbuchse zu finden, die bekanntlich mittels allgegenwärtiger Adapter auch 3,5-mm-Kopfhörerstecker aufnimmt. Dieses Format ist unsymmetrisch. Für symmetrische Verbindungen stehen eine vierpolige XLR-Buchse und ein Pentaconn-TRRRS („Tip, Ring, Ring, Ring, Sleeve“) bereit. Wer das nicht kennt: Es handelt sich um ein Anschlussformat, das für die mobile symmetrische Kopfhörerverbindung entwickelt wurde, in erster Linie zielt es auf den japanischen Markt.

Frontansicht des Aune S9c Pro in der silbernen Version

Frontansicht des Aune S9c Pro in der silbernen Version

Der eigentliche Kopfhörerverstärker im Aune S9c Pro ist volldiskret aufgebaut und leistet, je nach Impedanz des Kopfhörers und Signalausgabe, bis zu 5780 Milliwatt (32 Ohm, symmetrischer Anschluss). Ein Klirr (THD+N) von 0,00085 % ist ein ordentlicher Wert, auch das Rauschen ist mit 7,71 µV sehr vorzeigbar. Zwei JFETs werden in der analogen Eingangsstufe pro Kanal eingesetzt.

Blick auf die Verstärkerplatine des Aune S9C Pro

Blick auf die Verstärkerplatine des Aune S9C Pro

Hinaus geht es mit den Signalen natürlich nicht nur zu Kopfhörern, sondern auch zu Geräten mit Line-Level-Eingang. Das kann unsymmetrisch mit einem Pärchen RCA-Buchsen (Cinch) geschehen oder mit den beiden symmetrischen, dreipoligen XLR-Buchsen. Eingangsseitig erhält der Aune S9c Pro seine Signale ausschließlich im Digitalformat. Das ist ein wenig schade, könnte man das Gerät doch sonst auch als Kopfhörerverstärker im analogen Umfeld einsetzen. Der DAC akzeptiert AES3 (AES/EBU), S/PDIF elektrisch/koaxial oder optisch über Toslink-Lichtwellenleiter, USB-Verbindungen über eine USB-B-Buchse sowie Bluetooth, wofür eine kleine Stummelantenne eingeschraubt werden kann.

Das rückseitige Anschlussfeld des Aune S9c Pro

Das rückseitige Anschlussfeld des Aune S9c Pro: Die gängigsten Digitalschnittstellen sind mit an Bord (inklusive Bluetooth), hinaus geht’s via Cinch oder XLR

AES3 und S/PDIF ermöglichen Auflösungen bis 24 Bit und Sampleraten bis 192 kHz, per USB sind Quantisierungen bis 32 Bit und Abtastraten bis 768 kHz möglich. Per USB ist neben PCM- auch der Bitstream-Empfang möglich, und zwar bis DSD512. Im Falle einer MQA-Zuspielung erkennt der Aune S9c Pro dies und vermerkt es mit dem entsprechenden Kürzel im Display. Bluetooth ist in der Lage, neben SBC, AAC und aptX auch aptX HD und Sonys LDAC zu decodieren, die maximale Auflösung liegt bei 24 Bit/96 kHz.

Die Wandlung erfolgt mit einem Pärchen ES9068-DAC-Chips von ESS. Die verwendeten Chips sind die eine Sache – ob sie in den Geräten ihre Stärken auch ausspielen können, die andere. Letzteres liegt vor allem an der jeweiligen Integration, und die beginnt mit einer stabilen Spannungsversorgung. Im Aune stecken ein 50-VA-Netzteil mit Toroid-Transformator und Siebkondensatoren mit insgesamt 23900 µF Kapazität.

Der Ringkern-Transformator des Aune S9C Pro

Der Ringkern-Transformator des Aune S9C Pro

Auf die Eigenentwicklung des PLL-Algorithmus scheint man bei Aune besonders Stolz zu sein. Die 2. Generation der Phase-Look-Loop-Schaltung garantiere niedrige Jitterwerte und somit ein sauberes Klangbild, heißt es. Eine externe Taktung mit einer 10-MHz-Masterclock ist ebenfalls möglich, aber auch ohne eine solche beträgt der Jitter nur 594 Femtosekunden (zwischen 10 kHz und 30 MHz). Der PLL-Schaltkreis und die Filterungen können in zwei unterschiedlichen Modi betrieben werden, von denen einer auf geringe Latenzen hin, der andere auf besonders präzise Taktung optimiert worden sei.

PLL-Core des Aune S9C Pro

Ein neu entwickelter PLL-Algorithmus soll den Aune S9C Pro klanglich nach vorne bringen

Einrichtung und Bedienung des Aune S9c Pro sind reichlich simpel. Am Gerät regelt der Drehgeber den Ausgabepegel, ein Klick wechselt zwischen Kopfhörer- und Line-Ausgang, ein Doppelklick wählt den Eingang, ein Langklick wechselt zwischen den beiden PLL-Modi. Aktive Eingänge und Ausgänge, Ausgabepegel, Tuning-Mode, MQA-Status, externes Clocking und aktuelle Samplerate werden auf dem Display angezeigt. Die metallene Fernbedienung ist formschön, liegt gut in der Hand und unterscheidet sich damit von den Plastikdingern, die manchmal mitgeliefert werden.

Aune S9c Pro: Hörtest und Vergleiche

Die erste Hörrunde mit dem Aune S9c Pro am geschlossenen, dynamischen Kopfhörer Focal Celestee erzeugt keinen „Wow-Effekt“ – und das ist ein sehr gutes Zeichen, denn es ist die größte Stärke des Aune, gleichzeitig bedacht und sehr hochwertig zu spielen. Als erster wichtiger, charakterbeschreibender Begriff liegt mir „ausgewogen“ auf der Zunge – der S9c Pro spielt ohne Spitzen und ohne echte Koloratur. Dabei fällt auf, dass das Gerät insgesamt sehr breitbandig aufgestellt ist und die Grenzen Richtung Infra- und Ultraschall so mühelos bedient wie den mittleren Frequenzbereich.

Aune S9C Pro mit Kopfhörern auf Holzboden

Bassbereich

Bass und Tiefbass überprüfe ich gerne mit Orgelaufnahmen, elektronischer Musik oder ich nutze direkt einen Synthesizer. Wenn Sie nachvollziehen wollen, was im Bass und Subbass geschieht, empfehle ich „Spybreak!“ von den Big-Beat-Größen Propellerheads. Der oktavierte Synthie-Bass kommt beim Aune mit viel Pegel, wirkt aber dennoch nicht „zu laut“. Das liegt daran, dass im Bass ein schneller Rücklauf passiert. Statt verwaschen oder bollerig zu sein, werden die Tiefen bis in den Subbass hinunter kontrolliert. Wäre der Pegel geringer oder senkte man ihn bewusst auf ein 100%ig neutrales Level ab, könnte man dem S9c Pro unterstellen, die unteren Frequenzen an der zu kurzen Leine zu halten und ihnen zu wenig Agilität zuzugestehen. Die Kombination aus leichter Betonung und schön trockener Durchzeichnung passt jedoch absolut, nie wirken die Tiefen gebremst. Ganz besonders profitiert davon ein Stax-SR-2170-Elektrostat, der mit dem Aune im Bass kontrollierter und detailreicher aufspielt als etwa mit meinem doppelt so teuren, freilich auch schon in die Jahre gekommenen Lavry DA11.

Digitaleingänge des Aune S9C Pro

Mittellage

Man könnte nun befürchten, dass aufgrund eines pegelstarken, aber trockenen Bassbereichs die Mitten gedrückt oder leblos wirken. Das ist kein Stück der Fall, im Gegenteil. Ab dem Oberbass zeigt sich der Aune offen, dynamisch und wach. Zudem sind die Präsenzen perfekt ausbalanciert, wie ich finde, sie kippen kein Stück in Richtung Quäken oder umgekehrt in indirekten Klang.

Getaway MouthGanz frech mogle ich eine eigene Produktion in diesen Testbericht, deren klangliche Ausgestaltung mir natürlich sehr vertraut ist: Getaway ist das neueste Album meiner Garage-Psychedelic-Progressive-Rock-Band Mouth (auf Amazon anhören). Das etwas vintagemäßig klingende Schlagzeug, bewusst mit nur drei Mikrofonen im Mix vertreten, blüht vor allem an Anlagen auf, die die Mitten ausgewogen präsentieren und dynamisch frei laufen lassen. Genau so geschieht es beim Aune S9c Pro. Die Snaredrum reagiert besonders empfindlich auf Inkonsistenzen bei der Mittenwiedergabe, sitzt aber beim Aune dort, wo ich sie haben wollte. Dass der Schärfebereich des Aune leicht zurückhaltend ist, tut (nicht nur) dieser Produktion gut. Hier ist es die Kuppe des Ridebeckens, zu hören etwa auf „Once“, die nicht zu bissig rüberkommen sollte, weil sie sonst gehörig in den Ohren piekst. Die minimal mildere Abstimmung des S9c Pro im Präsenzbereich zahlt auf die Langzeithörbarkeit ein.

Pre-Out des Aune S9C Pro (XLR und Cinch)

Oben im Spektrum

Noch weiter oben im Spektrum, in den Höhen, zeigt sich die klangliche Klasse des Aune. Es gibt ja Geräte, die auf eine besonders deutliche Darstellung der Auflösung bedacht sind. Das ist im ersten Moment wirklich beeindruckend, kann auf Dauer allerdings auch ein wenig anstrengend werden. So toll etwa der Waversa Mini-HPA (1.950 Euro) war, die Höhen konnten aufgrund einer leicht kristallinen Note etwas zu viel des Guten werden. Ein Vergleich des Aune mit dem Merging Technologies HAPI mkI/Premium (achtkanaliger AD/DA circa 7.500 Euro) offenbart natürlich, dass eine höhere Klarheit in den oberen Oktaven auch ohne Kratzigkeit möglich ist – aber Preisniveau und Anwendungsfeld der beiden unterscheiden sich halt auch ganz deutlich.

Diversions vol. 4: Songs and Poems of Molly Drake The Unthanks Produktionen wie Diversions vol. 4: Songs and Poems of Molly Drake von The Unthanks (interessanterweise der Familienname zweier Geschwister) spielt es in die Karten, wenn der Höhenbereich transparent und hochaufgelöst, aber mit etwas Sanftmut zu Werke geht. Die Höhen des Aune wirken pegelseitig neutral und, in Relation zur Preisklasse, sehr gut aufgelöst – aber eben auch nicht „bis zum Anschlag herausgearbeitet“. Eine kleine Anmerkung sei mir an dieser Stelle erlaubt: Neben einer wirklich außergewöhnlich hochwertigen Produktion, der man maximal ein wenig Kitsch unterstellen kann, ist das Unthanks-Album auch musikalisch ein wahrer Edelstein, der jedem Freund von Nick Drake ans Herz gelegt sei. Molly Drake war seine Mutter, beim Hören kann man sich nicht nur an dem großartigen Piano und den zauberhaft klingenden und mustergültig produzierten Stimmen laben, sondern erkennt auch ganz klar, von wem die tragische Person Nick Drake ihr unfassbar gutes Songwriting geerbt haben muss.

Die drei Kopfhörerausgänge des Aune S9C Pro

Die drei Kopfhörerausgänge des Aune S9C Pro

Auflösung, Mikro- und Makrodynamik

Björk PostEs war schon in den vorigen Abschnitten erkennbar, dass der Aune S9c Pro hoch auflöst. Ein ordentlicher Wandlerchip, den so gut wie jeder Hersteller zukauft, ist zwar die Grundlage für die Arbeit eines D/A-Wandlers, doch gerade bei der Feindynamik und Detaildarstellung ist es die konkrete Einbindung in die Daten-, Audio- und Spannungsversorgungsumgebung, die die tatsächlichen Eigenschaften definiert. Offensichtlich hat man bei Aune ganze Arbeit geleistet. „Cover Me“ auf Björks Post gewinnt deutlich an Tiefgang, wenn die Struktur der geräuschhaften Anteile dem Hörer ganz genau offenbart wird. Ich würde alleine aufgrund dessen im Blindtest auf einen höheren Preis tippen als jenen, mit dem der S9c Pro ausgewiesen ist.

Auch makrodynamisch beherrscht der Aune die Sprache hochwertiger Wiedergabe, reiht sich aber hinter teurere DACs ein. Der genannte Lavry beispielsweise zeigt Vorteile bei der Grobdynamik, die einfach mit größeren Unterschieden wiedergegeben wird. Über den Aune scheinen sich die Pegel von leisen und lauten Passagen näher zu sein als über Lavry und dem Waversa. Die Frage ist allerdings, ob das jedem Musikhörer negativ auffällt.

Toll ist in jedem Fall, dass der äußerst rauscharme Kopfhöreramp enorme Leistungsreserven liefert. Der 35-Ohm-Hörer Focal Celestee wird genauso mühelos angetrieben wie der Studiokopfhörer AKG K-240DF (noch aus österreichischer Produktion), der pro Seite mit 600 Ohm aufwartet. Auch richtig hohe Pegel produziert der S9c Pro ohne Wimpernzucken. Übrigens: Der Aune wird explizit für die Eignung in Kombination mit In-Ear-Hörern beworben. Eine Überprüfung mit dem Sennheiser IE 40 Pro konnte das absolut bestätigen, vor allem, was Spektrum und Dynamik angeht.

Ein Vergleich des im Aune eingebauten Kopfhörerverstärkers mit dem externen SPL HPm (399 Euro, jedoch ohne notwendiges Rack mit Spannungsversorgung und Audio-Anschlüssen) offenbart, dass sich beide klanglich auf ähnlich hohem Niveau bewegen, wenngleich beim Aune die bei Nutzung geschlossener Kopfhörer und In-Ears durchaus vorteilhaften Einstellmöglichkeiten des SPL (Crossfeed, Pegel der Stereomitte, Breite des Stereobilds) nicht vorhanden sind.

Lautstärkeregler des Aune S9C Pro

Raumdarstellung

Bei der Bühnendarstellung – nicht nur mit Kopfhörern, sondern auch mit Lautsprechern (konkret: Harbeth Super HL5plus XD + Abacus 60-120D Dolifet) – können Tiefe, Breite und Ortungsschärfe überzeugen, wenngleich es dafür jetzt auch nicht gleich Nobelpreise regnen wird. Das Drumkit bei „Getaway“ beispielsweise liegt exakt dort, wo es beim Mix positioniert wurde (nämlich reichlich eng, soll heißen: nicht komplett breit zwischen linkem und rechtem Kanal aufgefächert), die Flächenklänge von Mellotron und anderen Tasteninstrumenten spannen sich zwischen den beiden Harbeths, gehen aber nicht darüber hinaus, die Stereomitte ist auf der Basislinie und minimal kompakter gehalten, die Bühnentiefe gerät ordentlich, aber nicht atemberaubend. Eingedenk des Preisschilds geht das Gehörte für mich in Ordnung. Positiv herausstechen kann allerdings die Plastizität: Signale erscheinen schön greifbar.

Aune S9C Pro, seitliche Perspektive auf rechte Seite

Eingangsfrage

Die verschiedenen Eingänge unterscheiden sich, wie so oft, nicht merklich voneinander, was auch naheliegend ist. Außer man forciert Verbindungsfehler, etwa durch zu große Kabellängen oder Einstreuungen bei Kupferverbindungen, wodurch die anschließende Fehlerkorrektur mehr Arbeit bekommt, sind S/PDIF- und die AES3-Verbindung sehr ähnlich. Etwas anders schaut es selbstredend bei Bluetooth aus.

Bei der USB-Verbindung fällt auf, dass der Aune einen deutlichen Vorteil gegenüber einem Lavry DA-11 hat, der aufgrund seines Alters ganz offensichtlich im Hintertreffen ist. Bemerkbar macht sich das beim Lavry in einer geringeren Abbildungsschärfe des Stereobilds und etwas matteren Höhen. Bei AES3-Anschlüssen waren diesbezügliche Unterschiede nicht auszumachen.

Billboard
AVM

Test: Aune S9c Pro | D/A-Wandler, Kopfhörer-Verstärker

  1. 1 Galaktisch bodenständig
  2. 2 Aune S9c Pro: Hörtest und Vergleiche

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