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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Aus mit grauer Maus!
  2. 2 Klang: Nubert nuBox 425 Jubilee

Seit einem satten Vierteljahrhundert bildet die Lautsprecherserie „nuBox“ den preisgünstigen Einstieg in die Nubert-Welt (Preis des Testmodells: 750 Euro | www.nubert.de). Ohne es akut mit Zahlen belegen zu können, dürfte es wenige Schallwandlerfamilien geben, die sich länger am Markt behaupten. Ihr Erfolgsrezept ist so simpel wie erfolgreich: Man kombiniere ein schlichtes, klares Design mit einer zwar einfachen, aber dennoch soliden Verarbeitung sowie einer preisbezogen wertigen Technik, stimme diese Zutaten mit einem überaus mehrheitsfähigen Klangcharakter ab und versehe das Ergebnis mit einem Preisschild, dass dem geneigten Kunden nicht gleich die Schuhe auszieht. Voilá – nuBox! Dieser Ansatz funktioniert seit 25 Jahren und in insgesamt vier nuBox-Generationen so gut, dass die Lautsprecherlinie bis heute zu den beliebtesten Produkten des Herstellers aus Schwäbisch Gmünd überhaupt zählt. Und das darf man doch auch mal feiern!

Besonders schön ist es, wenn auch die Kundschaft etwas davon hat. Und so haben sich die beiden Nubert-Ingenieure Thomas Bien und Christoph Meiler entschlossen, sowohl das kompakte Modell nuBox 325 als auch die Stand-nuBox 425 aus dem Erbe der nuLine 84 zum Jubiläum in einer limitierten und nur im Modelljahr 2019 verfügbaren Sonderserie mit dem Namenszusatz „Jubilee“ aufzulegen. Kenner des Hauses wissen: „Jubilee“-Editionen gibt es bei Nubert in unregelmäßigen Abständen und zu besonderen Anlässen immer wieder mal. So etwa im Jahr 2010 die kompakte „nuJubilee 35“, die zum 35. Geburtstag der Nubert Speaker Factory erschien, und in 2015 dann die ebenfalls kompakte „nuJubilee 40“. Natürlich zum 40. Firmenjubiläum. Nicht ohne Grund genießen diese Sondermodelle in Fankreisen schnell Sammlerstatus.

Nubert nuBox 425 Jubilee Gehäusedetail

Die Schallwand der Nubert nuBox 425 Jubilee ist bei unserem Testmodell in Mint gehalten, alternativ sind Honey und Coral erhältlich

Nun gratulieren wir also der nuBox in Gestalt des Floorstanders 425 Jubilee. Auffälligstes Merkmal der mit 86 Zentimetern Höhe und 21 Zentimetern Breite für eine Standbox eher moderat bemessenen „Jubi“ ist die in fröhlich-frischem Mint (aktuell vergriffen, es werden bei Nubert in Kürze aber Vorführmodelle zu Sonderpreisen erwartet) lackierte Schallwand. Damit macht sich die Schwäbin neben meinem weißen HiFi-Lowboard auf dunklem Schiffsbodenparkett optisch zum Blickfang des Hörzimmers. Alternativ ist die Sonderserie mit pastellgelber („Honey“), pastellroter („Coral“) oder ganz dezent mit graphitfarbener Schallwand erhältlich. Mit letzterer ist sie dann Ton-in-Ton unterwegs, denn der stabil und wertig aus MDF-Platten mit bis zu 38 Millimetern Wandstärke zusammengefügte Korpus ist stets – unabhängig von der Farbe der Schallwand – mit graphitgrauer Folie bezogen. Das ist preisklassengerecht, Meisterleistungen des Schreinerhandwerks kann man in dieser Liga nicht erwarten. Aber, wie bei Nubert üblich, ist das Finish optisch tadellos und sollte das auch für viele Jahre bleiben. Zum Lieferumfang gehört eine magnetisch haftende Stoffabdeckung aus grau-meliertem Akustikstoff, die dem farbenfrohen Lautsprecher nach meiner persönlichen Meinung ein wenig den besonderen optischen Charme nimmt. Aber das ist Geschmackssache.

Nubert nuBox 425 Jubilee Front mit Abdeckung

Die Nubert nuBox 425 Jubilee mit Abdeckung

Technisch orientiert sich die Nubert nuBox 425 „Jubilee“ eine Klasse höher, was bei den Jubiläumseditionen des Hauses bereits Tradition hat. So bedient sich meine Testkandidatin bei den Chassis der nächsthöheren Serie nuLine. Im Bass und Mittelton kommt jeweils ein 18-Zentimeter-Wandler zum Einsatz, der mit einer maximalen Membranauslenkung von bis zu zwei Zentimetern als Longstroke-Modell ausgelegt ist. Die vergleichsweise zum Wettbewerb fast mächtig anmutenden Gummisicken lassen erahnen, dass die schwäbischen Entwickler das auch wirklich ernst meinen. Jetzt ist es so: Lange Membranwege kosten Wirkungsgrad, was letztlich durch Verstärkerleistung ausgeglichen werden muss. Um dem zu begegnen, haben die Nubert-Entwickler den beiden großen Chassis der nuBox 425 „Jubilee“ ein besonders kräftiges Magnetsystem spendiert. Auf dem Datenblatt ergibt sich dennoch „nur“ ein eher mäßiger Wirkungsgrad von 84,5 dB/W. Es schadet also nicht, einen potenten Amp einzusetzen, gerade wenn man laut hören will. Es muss aber auch nicht unbedingt ein „Leistungs-Popeye“ vom Schlage meines Magnat RV-3 sein, etwas bodenständiger geht´s auch.

Die 25-Millimeter durchmessende Seidenkalotte für den Hochton kommt ebenfalls in den Modellreihen nuLine und nuVero zum Einsatz, wurde hier aber mittels eines besonders fließfähigen Ferrofluids zur Kühlung optimiert und sitzt in einer speziell bedämpften Kammer. Die Frontplatte mit Schutzgitterchen vor dem Tweeter soll das Rundstrahlverhalten verbessern und wird so ebenfalls in den meisten anderen Nubert-Lautsprechern verwendet.

Nubert nuBox 425 Jubilee Hochtöner ausgebaut

Die 25-Millimeter durchmessende Seidenkalotte der Nubert nuBox 425 Jubilee

Ein besonderes Augenmerk richten die Entwickler in Schwäbisch Gmünd stets auf die Auslegung ihrer Frequenzweichen. Wo manche Wettbewerber mit einer minimalistisch-puristischen Bestückung zum Ziel gelangen wollen, ähneln die Nubert´schen Frequenzaufteiler stets einer Materialschlacht. Eine Frage der Philosophie, die Schwaben nehmen über zusätzliche Schaltkreise auf der Weiche direkten Einfluss auf das Impuls- und Phasenverhalten der jeweiligen Chassis und kontrollieren sie so sehr präzise. Hinzu kommt die herstellertypische Schutzschaltung, die vor zu hohem Verstärkerstrom schützt. Auf die ebenfalls wohlbekannten und in vielen Modellen eingesetzten Klangsteller zur Anpassung des Tieftons und der Mittelhochton-Waage an unterschiedliche Umgebungen muss die Nubert nuBox 425 Jubilee indes verzichten. Doch Rotstift? Vielleicht. Vermisst habe ich das Feature in praxi allerdings nicht.

Nubert nuBox 425 Jubilee Basstreiber ausgebaut

Der 180-mm-Tieftöner der als 2,5-Wege-System ausgelegten Nubert nuBox 425 Jubilee

Klang: Nubert nuBox 425 Jubilee

Killswitch Engage - AtonementMüssen wir bei einer Nubert ernsthaft über Tieftonperformance sprechen? Ich könnte mir das jetzt ganz einfach machen und schreiben: Bass? – Kann sie. Fertig. Da mir die Kreuzberger fairaudio-Kollegen dann aber vermutlich diesen Testbericht um die Ohren hauen werden, gehe ich zur Sicherheit doch etwas ins Detail. Und mache mit ein bisschen Metalcore zur Mittagszeit doch gleich ein wenig Alarm. Killswitch Engage aus dem US-amerikanischen Westfield machen auch auf ihrem inzwischen achten Studioalbum Atonement (auf Amazon anhören) keine Gefangenen. Gleich im Opener „Unleashed“ prügeln wütende Doublebassdrumkicks auf die Trommelfelle – Haha: Wortspiel! – ein. Allerdings nicht nur auf die. Getreten wird vor allem „untenrum“, physisch spürbar in der Magengegend und den Fußsohlen. Da langt jemand hin! Und die Nubert nuBox 425 Jubilee reicht´s weiter. Massiv-tief, mit Nachdruck, aber ohne Schwabbelbauch.

Metronomy - Metronomy ForeverBei allem grollenden Tiefgang – etwa auch bei der elektronisch generierten Bassfigur in „Lately“ der Indie-Popper Metronomy (Album: Metronomy Forever; auf Amazon anhören) – bleibt die Nubert im Frequenzkeller präzise und strukturiert. Sicher: Es gibt Standboxen, die im Tiefton bei vergleichbarem Volumen erdiger, trockener und auch noch etwas agiler aufspielen – wie etwa eine Saxx CX-90, die das Bassdrumfundament in „Unleashed“ ein wenig kerniger und gefühlt „schneller“ präsentiert. Obgleich die Niedersächsin mit rund 1.200 Euro Paarpreis ebenfalls als veritabler Preis-Leistungs-Tipp durchgeht, ist die tieftonperformante Differenz zwischen der Nubert nuBox 425 Jubilee und der großen Saxx dennoch wirklich nicht die Welt.

Nubert nuBox 425 Jubilee Hochtöner-Rückseite

Der Rücken des Hochtontreibers der Nubert nuBox 425 Jubilee

Ich erinnere mich gut an mein hochglanzschwarz lackiertes Testmuster der Saxx CX-90, dessen geschmeidig-klarer Mittelhochtonbereich seinerzeit zu den beeindruckendsten zählte, die ich in der Preisklasse von knapp über 1.000 Euro je Paar bis dato gehört hatte. Freilich war der für diese Liga ungewöhnliche AMT-Tweeter nicht ganz unschuldig an dieser Vorstellung. Auf ein solches Hightech-Chassis und seine klanglichen Vorzüge, die sich vor allem in einem zackigeren Impulsverhalten ausdrücken, muss die Nubert´sche Jubiläums-Edition verzichten. Nicht aber auf eine samtig-natürliche Stimmwiedergabe, die etwa Thees Uhlmann´s nordischen Slang in der wunderbaren Ballade „Menschen ohne Angst wissen nicht, wie man singt“ (Album: Junkies & Scientologen) zudem plastisch-präzise in den Hörraum stellt.

Hierzu trägt auch die klare, luftig-freie Darbietung der Höhenlagender Nubert nuBox 425 Jubilee bei, die sich jedwede bissige Schärfe verkneift ohne wichtige Informationen zu unterschlagen. Die Nubert ist damit auch freundlich zu weniger sorgfältig produziertem Musikmaterial, etwas aus dem Rock- und Popbereich, das häufig unter starker Kompression leidet und mit störenden Artefakten und Zischlauten nerven kann. Vorsätzlich abgesoftet oder verrundet tönt der Tweeter dabei indes nicht.

Nubert nuBox 425 Jubilee Konustreiber Sicke

Dicke Lippe: die Sicke des Konustreibers

Uhlmanns Gesang kommt mit einem ganz leicht warmen Touch etwas fülliger daher als über die kürzlich von mir getestete Orbid Sound Pluto, die sich in diesem gehörsensitiven Frequenzband eher als „Exaktometer“ gab, was manchem Musikliebhaber möglicherweise auch ein wenig uncharmant erscheinen mag. Die Nubert nuBox 425 ist zwar keine Auflösungslupe, stellt aber jeden Musiker exakt an seinen Platz und übermittelt sein Spiel hinreichend präzise und angenehm natürlich. Merkliche Verfärbungen oder Ungenauigkeiten verkneift sich die nuBox 425 Jubilee jedenfalls selbst im dichten Getümmel, etwa wenn sich wie in Tools „Pneuma“ – dem zweiten Track des von Fans sehnsüchtig erwarteten neuen Albums Fear Inoculum (auf Amazon anhören) – diverse Melodieebenen überlagern und sich die gewohnt komplexen Klanggebilde der kalifornischen Metal-Ikonen die Klinke in die Hand geben.

TOOL - Fear InoculumGerade bei derart verdichteten musikalischen Strukturen wird man gewahr, dass den Nubert-Mannen in dieser Preisklasse ein echter Wurf gelungen ist. Im knapp 14-minütigen „Descending“ – Track 5 auf Fear Inoculum – beweist das Sondermodell, das es dem noch etwas günstiger angebotenen Preisschlager aus dem Berliner Hause Teufel – die nach Unternehmensangaben meistverkaufte Standbox Deutschlands „Ultima 40 MK3“ – hörbar überlegen ist. Die Schwäbin dringt tiefer in das Klanggebilde ein, freilich ohne die Akribie einer Fishhead Audio FS 2.6 Resolution zu erreichen, die ihre besondere Stärke – nämlich „Auflösung“ – nicht umsonst im Namen trägt, aber eben auch doppelt so teuer ist wie ein Pärchen meiner Testkandidatin.

Nubert nuBox 425 Jubilee mit Abdeckung Detail

Um Dynamik muss man sich bei Nubert traditionell keine Sorgen machen, baureihenübergreifend können die Lautsprecher aus dem Ländle stets ordentlich austeilen. Wobei ich das Gefühl nicht loswerde, dass die Entwickler dem Portfolio im unteren bis mittleren Preissegment eine etwas längere Leine lassen. „nuBox“ und „nuLine“ dürfen – zumindest ist das mein persönlicher Eindruck – etwas mehr ungezügelte „wummsige“ Attacke lostreten als etwa die audiophile „nuVero“-Linie, die sich untenrum kontrollierter und noch präziser gibt. Was in deren Liga auch ganz klar erwartet wird. Sei´s drum: Mit welchem Punch die mehrere Preisetagen darunter angesiedelte Nubert nuBox 425 Jubilee etwa den plötzlichen Drum´n´Bass-Einsatz in „Burn it down“ von Daughter (Album: Music from before the Storm) bei Minute 01:09 in meinen Hörraum platzen lässt, habe ich in dieser Klasse bislang noch nie so energiegeladen gehört. In solchen Momenten machen die Langhubsicken rund um die Chassis Sinn – die im Grunde noch als recht zierlich durchgehende Standbox kann das nämlich auch bei nachbarschaftsgefährdenden Pegeln. Und klingt dabei, als müsse sie sich nicht gerade furchtbar anstrengen. Andersrum spielt sie aber auch bereits bei geringer Lautstärke ziemlich „vollständig“. Pegelorgien sind also nicht notwendig, machen aber großen Spaß …

Nubert nuBox 425 Jubilee Anschlussterminal

Das Terminal ist von einfacher, aber praxisgerechter und robuster Qualität

Die Raumabbildung der limitierten nuBox-Edition gerät vor allem in der Tiefenstaffelung bemerkenswert großzügig und präzise, eingedenk der Preisklasse sogar eigentlich sensationell gut. Wenn Sie sich die Dimensionen der altehrwürdigen Royal Albert Hall bei Marillions epischem Konzertereignis All one tonight geradezu bildlich vorstellen können, macht der Lautsprecher etwas richtig. Im zweiten Konzertteil Marillion with Friends from the Orchestra, interpretieren die britischen Progrocker ihre eigenen Klassiker mit Unterstützung des niederländischen Streicherquartetts In Praise of Folly neu, wobei jeder Bogenstrich wie ein Flügelschlag durch die Halle zu schweben scheint. Jeder Musiker ist präzise zu orten und hat viel Luft um seinen „Arbeitsplatz“.

Was in der Tiefe gilt, gilt bei der Bühnenbreite nicht ganz so. Die Nubert bleibt etwas kompakter als es reine Lehre wäre. Dabei tönt sie weder distanziert, noch setzt sie ihrem Auditorium das Geschehen auf den Schoß.

Nubert nuBox 425 Jubilee Konustreiber

Billboard
Input Audio

Test: Nubert nuBox 425 Jubilee | Standlautsprecher

  1. 1 Aus mit grauer Maus!
  2. 2 Klang: Nubert nuBox 425 Jubilee

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