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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Street Credibility
  2. 2 Klang & Vergleiche: Fishhead Audio Resolution 2.6 FS

Als ich den Markennamen „Fishhead“ zum ersten Mal hörte, dachte ich zunächst an einen Scherz. „Fischkopp“ – so nennt doch niemand sein Unternehmen, der ernsthaft Produkte an einem eh schon umkämpften Markt positionieren möchte. Wenn man sich allerdings mit der Vita von Firmengründer Christoph Winklmeier beschäftigt, wird man gewahr, dass der Mann durchaus weiß, was er tut und die nordisch-treffende Umschreibung eines Menschen, der hartnäckig und zielstrebig seinen Weg geht, auf ihn zutrifft. Beinahe 20 Jahre hat sich Winklmeier als Entwickler bei Teufel seine Sporen verdient, dabei annähernd 100 Lautsprechermodelle zur Marktreife gebracht und auch einige Topseller der Berliner – allesamt mit dem begehrten „THX“-Zertifikat versehen – verantwortet. Wenn so jemand sein eigenes „Ding“ macht, ist das kein Scherz.

Fishhead Resolution 2.6 FS komplett

Und so steht mit dem bisher einzigen Produkt des jungen Herstellers, der Fishhead Resolution 2.6 FS, auch ein stattlicher Standlautsprecher von 1,12 Meter Höhe vor mir, der vor seiner endgültigen Positionierung im Hörraum noch ein wenig Arbeit verlangt – der stabile Sockel aus Aluminium, der zudem die höhenverstellbaren Spikes aufnimmt, muss montiert werden. Damit steht die recht schlanke – aber optisch dennoch präsente – Klangsäule dann bombenfest und „umfallsicher“.

Erhältlich ist die Fishhead Resolution 2.6 FS bislang nur in einer Gehäusefarbe (Mattweiß), mit schwarzer Schallwand und ebenfalls schwarzem Frontgrill, der mittels versteckt installierter Magnete befestigt werden kann. „Kann“ heißt: Muss aber nicht. Persönlich gefällt mir der freie Blick auf die Technik besser, auch akustisch kann es vorteilhaft sein, ohne Frontabdeckung zu hören. Das ist Geschmackssache und sollte jeder Kunde für sich selbst herausfinden. Wie sein ehemaliger Arbeitgeber Teufel, verkauft Winklmeier seine Lautsprecher im Direktvertrieb über seine Internetseite. Was für potenzielle Interessenten finanziell reizvoll ist, denn die Standbox wartet augenscheinlich mit einem fairen Preis-Leistungsverhältnis auf. Zu den klanglichen Meriten komme ich später noch, allerdings darf allein die Anwesenheit eines waschechten AMT-Chassis für den Hochtonbereich in dieser Klasse noch immer als nicht alltäglich gelten. Diese „Faltfolienmembranen“ sind nämlich, präzise gefertigt wie hier, schon im Einkauf nicht ganz günstig. Ihre Vorteile – hoher Schalldruck, Auflösung und Präzision bei geringstmöglicher bewegter Masse – sind aber eben auch nicht von der Hand zu weisen. Und ein Lautsprecher, der das Attribut „Resolution (Auflösung)“ im Namen trägt, muss in dieser Hinsicht liefern. Dazu aber später mehr.

Der Ait Motion Transformerder Fishhead Resolution 2.6 FS

Der Air Motion Transformer der Fishhead Resolution 2.6 FS

Ohnehin fällt auf, dass der gebürtig norddeutsche Entwickler offenbar ein Faible für vergleichsweise kleine Chassis hat. Dazu Christoph Winklmeier: „Kleinere Membranen besitzen ein besseres Rundstrahlverhalten und können leichter beschleunigt werden. Deswegen besteht die kompakte Mittel-Hochtoneinheit der Fishhead Resolution 2.6 FS aus einem Mitteltöner von geringem Durchmesser und dem sehr schnell ansprechenden AMT-Hochtöner“. Im Bassbereich führt der Wahlberliner die Theorie konsequent fort und setzt auf zwei Wandler mit je 16 Zentimetern Durchmesser, die gegenüber einem einzelnen 20er-Chassis vor allem Vorteile in Sachen Feindynamik und Agilität brächten, aber nichts an entsprechendem Tiefgang vermissen lassen sollen. Die Tieftonabteilung der Fishhead Resolution 2.6 FS arbeitet auf ein Downfire-Bassreflexrohr.

Noch etwas fällt auf: Obwohl die Schallwand der ja recht großen Standbox durchaus Platz genug böte, sind alle Treiber in geringem Abstand zueinander montiert. Hier lautet das Ziel: Zeitrichtigkeit beziehungsweise Timing. In der Theorie sollten ja alle Schallanteile der unterschiedlichen Frequenzbereiche möglichst gleichzeitig am Ohr des Hörers ankommen, was in der Praxis gar nicht so leicht zu realisieren ist. Die vergleichsweise enge Montage der Chassis auf der Schallwand kompensiert Laufzeitunterschiede aber bereits recht effizient, den Rest erledigt die hochwertig bestückte und sorgfältig abgestimmte Frequenzweiche.

Apropos Abstimmung: Auch hier geht der „Fischkopp“ – Sorry, Herr Winklmeier! – seinen eigenen Weg. Im Gespräch mit fairaudio nennt er den weit verbreiteten Entwicklungsansatz, einen Lautsprecher in Relation zur Position des Hörers auf Höhe des Hochtöners – oder zwischen Hoch- und Mitteltöner – abzustimmen. Der Fishhead-Gründer orientiert sich jedoch an der Position des Mitteltonchassis. Weshalb? Der Grund liegt in der stattlichen Größe der Resolution 2.6 FS. Stellen Sie sich vor, Sie säßen bequem in Ihrem Hörsessel vor der Anlage und schauten auf diesen Lautsprecher – befänden sich Ihre Ohren auf Höhe des AMTs? Vermutlich nicht, Sie würden eher leicht darunter sitzen. Und da macht eine an der Position des Mitteltontreibers orientierte Abstimmung durchaus Sinn, sie soll für ein möglichst homogenes Klangbild am Hörplatz sorgen.

Fishhead Resolution 2.6 FS Bi-Wiring-Anschlüsse

Das Bi-Wiring-Terminal der Fishhead Resolution 2.6 FS

Wohl den Anforderungen des Marktes geschuldet, ist die Auslegung des Anschlussterminals als Bi-Wiring-Variante. Meiner Erfahrung nach laufen Lautsprecher in dieser Preisklasse zwar überwiegend „single-wired“, aber was man hat, das hat man. Zumal die Terminals einen hochwertigen und robusten Eindruck hinterlassen. Wie immer an dieser Stelle kann ich mir einen Ratschlag nicht verkneifen: Nutzen Sie beim Single-Wiring anstelle der vom Hersteller installierten Blechbrücken lieber hochwertigere aus kurzen Kabeln. Es schadet nicht, wenn Sie diese aus demselben Lautsprecherkabel anfertigen (lassen), mit dem die Boxen an Ihrem Verstärker „hängen“. Man hört den Unterschied!

Noch ein Satz zum Finish der Lautsprecher: der Preisklasse angemessen wertig. Okay, noch einer: Wie viele andere Hersteller auch, lässt Fishhead die Gehäuse der Resolution 2.6 FS in Asien fertigen, die Verarbeitung ist routiniert und sehr gut, die Lackierung ohne Fehl und Tadel.

Klang & Vergleiche: Fishhead Audio Resolution 2.6 FS

Fishhead Resolution 2.6 FS im Hörraum

Aber nun geht es ans Hören! Dem geneigten Tester fiel zunächst auf, wie ausgewogen die Box bereits kurz nach dem Auspacken und Aufstellen klang. Sogleich fragte ich nach, wie viele Betriebsstunden sie bereits auf dem „Buckel“ habe und erhielt die überraschende Antwort: „Keine. Die Lautsprecher sind brandneu.“ Bemerkenswert. Klar: Über die Zeit entwickelte sich die Fishhead Resolution 2.6 FS noch etwas, spielte nach etwa einer Woche hörbar lockerer und im Bass präziser, aber im Grunde waren gefühlt 80 Prozent ihres Potenzials sofort abrufbar. Selbst der in Fachkreisen mitunter als im Neuzustand tonal kritisch geltende AMT-Hochtöner konnte vom Fleck weg überzeugen und nervte nicht. Das hatte er – ich fange den Hörbericht jetzt einfach mal „oben“ an und arbeite mich die Frequenzleiter hinab – beispielsweise dem Bändchenhochtöner der XTZ 99.36 MK3 voraus, die ich vor etwa einem Jahr in meinem Arbeitszimmer begrüßen konnte und die preislich in der Liga (Paarpreis: 1600 Euro) der Fishhead angesiedelt ist. So benötigte der von Fountek aus China zugekaufte Tweeter der Schwedin durchaus ein paar Tage Eingewöhnungszeit, bis er eine gewisse Schärfe ablegen wollte.

Dave Matthews Come TomorrowDie Streicher in Dave Matthews „Here On Out“ (Album: Come Tomorrow; auf Amazon anhören) tönen über den Air Motion Transformer der Fishhead hingegen bereits ab Teststart ohne jegliche metallene Härte, gewannen in Laufe der folgenden Wochen gleichwohl an Detailreichtum, Luftigkeit und einer gewissen Seidigkeit, die die Hochtonwiedergabe der Fishhead Resolution 2.6 FS von jedweder aufgesetzten Analytik oder grellen Glanzlichtern freispricht. Auch die unterschwelligen Rauminformationen, die am oberen Frequenzende mit übertragen werden, gelangen den Fishheads so überzeugend souverän-vollständig, dass die Darstellung der obersten Lagen erst im exquisiten Ringradiator-Tweeter der Quadral Platinum+Five (Paarpreis: 3000 Euro) ihren Meister findet.

Beth Hart Fire on the FloorÄhnliche Qualitäten beweist die Fishhead Resolution 2.6 FS auch im Mittenband, in dem Stimmen und Naturinstrumente frei von jedwedem „Schönklang“ locker, frei und feinnervig-natürlich ans Gehör gelangen. Man möchte einfach glauben, dass Blues-Superwoman Beth Hart ihr balladeskes „No Place Like Home“ (Album: Fire on the Floor; auf Amazon anhören) genauso eingesungen hat, wie es die Fishhead-Box vorträgt. So dreidimensional-plastisch und einfühlsam-nah, wie es selbst die erwähnte Quadral im Grunde nicht besser hinbekommt.

Wer in dieser knallhart umkämpften Preisklasse ein neues Produkt am Markt etablieren will, muss sich ohnehin sehr genau überlegen, mit welchen Attributen er dieses vom Wettbewerb absetzen möchte. Christoph Winklmeier hat seinen Entwurf nun nicht umsonst „Resolution (engl. für Auflösung)“ getauft. Was die schmucke Standbox nämlich gerade bei komplexen musikalischen Strukturen an Einblicken gewährt und an Feinheiten aus der Gemengelage herauslöst, kann – nein muss – in dieser Preisklasse erstaunen. Dabei ist es nicht nur allein die Tatsache, dass man zuweilen Details zu hören glaubt, die man zuvor in einer Aufnahme nicht wahrgenommen hatte, sondern mehr noch die Selbstverständlichkeit, mit der diese Einzelereignisse präsentiert, aber doch keinesfalls aus ihrem Zusammenhang gerissen werden. Es ist doch oft so: Konzentriert man sich zu sehr auf Details, gerät das „große Ganze“ aus dem Blick. Nun, die Fishhead behält auch in vielschichtigen und verästelten Strukturen stets die Übersicht, zeigt alle relevanten „Kleinigkeiten“, verhaspelt sich jedoch nie. Das ist vor allem eins: gekonnte Abstimmungsarbeit!

Fishhead Resolution 2.6 FS Outrigger

Gleichwohl ist es absolut richtig, wenn man der Quadral Platinum+Five attestiert, solche Qualitäten noch weiter in Richtung Spitze zu treiben und den Hörer bei komplexen musikalischen Strukturen noch präziser in die Gemengelage hineinhorchen zu lassen. Aber es ist bemerkenswert, dass der akustische Abstand nicht noch größer ist – in den gehörsensitiven Mitten und in Sachen Auflösung trennen die Fishhead und die fürs aufgerufene Geld ja sehr empfehlenswerte Quadral keinesfalls Welten! Die XTZ 99.36 MK3 (FLR) hingegen erlaubt sich hier gegenüber der Fishhead einen Schuss mehr Wärme in der Stimmwiedergabe, komplexe „Schichtgebilde“ dröselt auch sie detailliert auf, vielleicht nicht ganz so luzide wie die Berlinerin.

Mando Diaos Good TimesBeim tieftonseitigen Vergleich mit der XTZ ist zu berücksichtigen, dass die Schwedin über mehrere, mittels Steckbrücken wählbare Klangmodi verfügt, mit der sie sich an individuelle Geschmäcker und/oder Raumsituationen anpassen lässt. Je nachdem, welchen dieser Modi man nun also wählt, spielt die XTZ 99.36 MK3 im Bass deutlich tiefer als die Fishhead Resolution 2.6 FS, die im Frequenzkeller von Haus aus sehr straff, sehr definiert und eher druckvoll-schnell als abgrundtief antritt. So wabert das Intro von Mando Diaos „Good Times“ – der Titelsong des gleichnamigen Albums (auf Amazon anhören) – aus den Tieftönern der XTZ etwas „böser“, dunkler und bedrohlicher in den Hörraum, die Schwedin nimmt vor allem die „dynamische Hürde“ beim Einsetzen des sehr präsent abgemischten Drumsounds etwas souveräner und bietet gleichzeitig mehr Attacke, der Beat „peitscht“ geradezu ins Auditorium.

Fishhead logo

A Perfect Circle Eat the ElephantAuch „Get The Lead Out“, der letzte Track des A Perfect Circle-Albums Eat the Elephant (auf Amazon anhören), wartet mit Tiefbasssequenzen auf, die die Nachbarschaft in einem Mietshaus auf eine harte Probe stellen könnten. Hier ist die skandinavische Box abermals eine Bank: der knochentrockene, massive Bass der XTZ schwimmt nie auf, findet immer die richtige Dosis zwischen „Fußsohlen und Zwerchfell massieren“ und „jetzt kommt´s aber ganz schön dick“. Hier geht die Fishhead ähnlich – vor allem im Hinblick auf Basspräzision und „Knorrigkeit“ – forsch zur Sache, in letzter Konsequenz aber doch auf Nummer Sicher: die allerletzte Stufe hinab in den Frequenzkeller geht sie nicht. Kann man so machen, und da ihr Entwickler die Resolution 2.6 FS ohnehin hörbar eher auf „Zack“ getrimmt hat, wirkt es im Zusammenhang auch stimmig.

Die Newcomerin erinnert mit ihrem dynamischen Talent durchaus an Schallwandler von Winklmeiers früherem Arbeitgeber. Der ja auch gern mal damit wirbt, es bei Bedarf „richtig krachen“ zu lassen. Wobei man bei Fishhead ganz offensichtlich mehr Wert auf ein „präzises Knack“ als auf ein „mächtiges Bumm“ legt. Schön auch: Bei Zimmerlautstärke büßt die Fishhead nur wenig Dynamik ein und spielt bereits sehr vollständig.

In Sachen Raumabbildung gibt sie sich die Fishhead Audio Resolution 2.6 FS – im Grunde nur passend zu den bisher genannten Charakterzügen – sympathisch involvierend: Das auf der virtuellen Bühne Dargebotene tritt von der Grundlinie aus etwa einen halben Schritt auf das Auditorium zu, was aber nie aufdringlich wirkt, sondern einen ins Geschehen hineinzieht. Die Bühnendimensionierung gerät insgesamt durchaus etwas großzügiger, die Relationen der Musiker zueinander bleiben jedoch gewahrt.

Fishhead Resolution 2.6 FS Rückseite

Test: Fishhead Resolution 2.6 FS | Standlautsprecher

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