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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Das hohe C
  2. 2 Canton C 309: Klangtest & Vergleiche

Gestatten Sie mir einen emotionalen Aufschlag: Seit 30 (!) Jahren besitze ich ein Paar „Ergo 70“ (nicht „DC“), die ich mir im zarten Alter von 16 Jahren neu kaufte. Für die Anschaffung dieser Lautsprecher hatte ich seinerzeit die kompletten Sommerferien in einer Werkzeugfabrik gejobbt. Seitdem begleiten mich die beiden schwarzen Säulen. Sie sind in meine erste Wohnung eingezogen, haben meine Studentenbude gerockt, meinen Polterabend und zahllose Hausparties überlebt. Und wissen Sie was? Sie spielen immer noch! Ein kleiner Kratzer hie und da erzählt von ihrem wahrhaft bewegten Leben, ansonsten hört man ihnen ihr Alter nicht an. Die Frontgitter waren – ich schwöre – nie demontiert! Keine Ahnung, warum ich darauf stolz bin, ist aber so. Nicht zuletzt aus beruflichen Gründen haben sich meine Hörgewohnheiten weiterentwickelt. Trotzdem mache ich mir den Spaß und schließe meine Ergos hin und wieder an. Was für eine wunderbare Zeitreise.

Sechs Wochen malochen müsste ich für das Lautsprecherpaar Canton C 309 (658 Euro | https://www.canton.de/de/), das ich frisch aus Weilrod zum Test zugesandt bekam, heute nicht mehr. Und trotzdem erinnern mich die knapp über einen Meter hohen und recht opulent bestückten Standlautsprecher, die die Hessen ausschließlich über ihren Onlineshop verkaufen, mit einem warmen Bauchgefühl an die Vorfreude, die ich vor 30 Jahren empfand, als die ersten ernstzunehmenden „Boxen“ in meinem Jugendzimmer aufgebaut waren.

Canton C 309: Verarbeitung & Technik

Canton C 309 - oberer Bereich des Gehäuses

Cantons „C-Klasse“ ist ausschließlich online „direkt“ bestellbar

Günstiger als mit dieser „C-Klasse“ können Sie ins Standlautsprecherportfolio des Traditionsherstellers aus dem Taunus nicht einsteigen. Die mit Sockel knapp über einen Meter hohe Standbox Canton C 309 ist das Topmodell der C-Serie und kommt bereits für unter 700 Euro Paarpreis zu Ihnen. Allerdings nur über den Canton-Onlineshop, im Fachhandel gibt es die Lautsprecher nicht. Das ist kein unbedingtes Manko, zumindest bekommen Sie alle Benefits, die der Hersteller auch Offlinekunden bietet, einschließlich fünf Jahren Garantie. Gefertigt wird die Einsteigerserie dafür in Tschechien, Verarbeitung und Finish sind gleichwohl tadellos. Klar, dass Canton in dieser Preisklasse keine Echtholzfurniere oder pianolackierte Hochglanzflächen bietet, schön anzufassen und anzuschauen sind die stattlichen Säulen trotzdem. Vor allem in Weiß kommen sie trotz ihrer Abmessungen dezent-elegant daher.

Gleich zwei 17-Zentimeter durchmessende Basschassis mit Titan als Membranmterial sorgen für musikalisches Fundament, wobei die Canton C 309 hierzu auf eine nach vorne abstrahlende Bassreflexöffnung arbeiten. Vorteil dieser Lösung: Der große Standlautsprecher ist erfreulich aufstellungsunkritisch und lässt sich – wobei das natürlich klanglich nicht zuletzt in Sachen „Bühne“ immer suboptimal ist – recht dicht mit seinem Rücken an der Wand platzieren. Damit der Klang auf jeglichem Untergrund hübsch kontrolliert bleibt, legen die Hessen zwei alternative Entkopplungsmöglichkeiten bei – Spikes und selbstklebende Gummifüßchen.

Canton C 309 - Dreiwege-Lautsprecher

Die Canton C 309 ist ein Dreiwege-Lautsprecher mit Übergangsfrequenzen bei 300 und 3000 Hertz, der Hochtöner liegt zwischen den beiden Bässen unten und dem oben auf der Schallwand positionierten Mitteltöner

Die Membran des oben auf der Schallwand angesiedelten Mitteltonchassis besteht ebenfalls aus Titan und wird – wie die beiden Basskollegen – von einer dreifach gefalteten Gummisicke gelagert. Über die Art und Form von Lautsprechersicken sind in den vergangenen Jahrzehnten vermutlich ganze Kompendien verfasst worden. Papiersicken, Kunststoffsicken, Gummisicken, halbrund, gefalzt, gefaltet – was auch immer. Grundsätzlich haben alle Ansätze nur ein Ziel: Die Lautsprechermembran soll sich pistonisch – ähnlich wie ein Hubkolben in einem Motor – ausschließlich vor und zurück und nicht seitwärts bewegen. Seitwärts bedeutet Verzerrungen und die will ja keiner haben. Und schon gar nicht hören. Eine gefaltete Sicke hat nun gegenüber der konventionell halbrunden Ausführung den Vorteil, dass sie die Membranbewegung exakter kontrollieren kann. Eine Mehrfachfaltung verstärkt den Effekt. Canton setzt hier also auf Chassis, die eingedenk der Klasse, in der die C 309 spielen, durchaus ungewöhnlich wertig anmuten. Das trifft aber nicht nur auf die Sicken zu: Im Oberstübchen hat´s eine Aluminium-Mangan-Kalotte mit einer vorgesetzten „Transmission Front Plate“. Das leicht trichterförmige Teil soll für eine breitere Abstrahlung der hohen Frequenzen sorgen, was bereits der dem eigentlichen Hörtest vorgelagerte Kurzcheck auch bestätigt. Auch außerhalb der Hörachse fallen die Höhen nicht dramatisch ab.

Canton C 309 - Hochtöner

Die 25-mm-Hochtonkalotte der Canton C305 mit Aluminium-Mangan-Membran

Wie bei Canton seit Generationen üblich, werden die Treiber von einem schwarz lackierten Lochgitter vor neugierigen Kinderhänden, wütenden Katzen oder ungeschickten Fingern geschützt. Bei meinen Ergo 70 – ich erwähnte es eingangs – habe ich diese Gitter bis zum heutigen Tage nie demontiert. Nicht, weil ich nicht neugierig gewesen wäre, wie die Kisten „ohne“ aussehen. Sondern weil sie sich ohne Einsatz von Werkzeug auch gar nicht so leicht abziehen ließen. Das ist 30 Jahre später anders: Leicht mit den Fingerkuppen gehebelt – schon ist die Canton C309 „nackt“. Und sieht bei direktem Blick auf die ebenfalls weiß lackierte Schallwand mit ihren silbrig schimmernden Membranen in erster Linie anders aus – viel technischer. Klanglich macht das genau gar nix aus. Es gibt Lautsprecher, da ist der Unterschied zwischen „mit“ und „ohne“ Frontabdeckung geradezu frappierend. Manche Hersteller liefern die Vorsätze zwar mit, empfehlen dem Kunden gleichwohl, diese besser gar nicht zu verwenden. Darüber müssen Sie sich bei diesem Schallwandler keine Gedanken machen, einen entscheidenden klanglichen Unterschied konnte ich jedenfalls nicht ausmachen.

Von dem Trend, bis in die untersten Preisklassen – wofür auch immer – unbedingt Bi-Wiring-Terminals einbauen zu müssen, die der Kunde dann doch nicht nutzt, haben auch die Hessen inzwischen abgesehen und der Canton C 309 stattdessen stabile versilberte Single-Anschlüsse verpasst, die selbst großzügig dimensionierte Kabelquerschnitte aufnehmen können.

Canton C 309: Klangtest & Vergleiche

Canton C 309 mit Canton Ergo 70

Canton C 309 mit Canton Ergo 70

Unfair, aber interessant …

Phil Collins Hello, I Must Be GoingSelbst wenn es unfair und fernab jeder Objektivität ist: Liebe Leute, das Generationenduell zwischen der Ergo 70 von 1991 und der C 309 von 2021 muss einfach sein! Und es ist auch schnell abgehakt, dreißig Jahre Lautsprecherentwicklung und Bauteilealterung sind nun einmal hörbar – ziemlich deutlich noch dazu. Natürlich musste es erst einmal „The West Side“ von Phil Collins (Album: Hello, I Must Be Going!; auf Amazon anhören) sein. Jenes Instrumentalstück, das mich vor drei Jahrzehnten über meine Ergo 70 so fasziniert hatte. Und was soll ich sagen? Die „Klatsche“, die die Canton C 309 ihrer Ahnin verpasst, könnte gar nicht schmerzhafter sein. Die geradezu in den Hörraum platzenden Bläsersätze, die dem Stück sein Überraschungsmoment verleihen und neben dem Drumbeat treibende Kraft sind, scheinen über die in Ehren gealterte Ergo 70 hinter einem mitteldichten Vorhang zu spielen. Untere Mitten und die tiefen Lagen sind mitunter gar nicht so recht auseinander zu halten, von Präzision möchte ich nicht sprechen. Ja, lassen wir es an dieser Stelle bei schönen Erinnerungen und freuen uns lieber daran, wieviel mehr Klang eine moderne Konstruktion, die inflations- und euroumstellungsbereinigt in einer durchaus ähnlichen Preisklasse unterwegs ist wie ihre Uroma, heutzutage bietet.

Ab in den Süden – der Bass

Canton C 309 von vorne

Die Canton C 309 ist mit zwei 17ern und frontseitiger Bassreflexöffnung tieftonseitig ganz ordentlich bestückt

Wie die Canton C 309 da losmarschiert, ist bemerkenswert! Wo es schon im CD-Player rotiert, bleiben wir doch noch kurz beim Instrumentalstück des Genesis-Frontmanns Collins, dessen Schlagzeugteppich sich wuchtig-mächtig im Raum ausbreitet und die Fußsohlen kitzelt, als wollte es am Fundament des Hörzimmers rütteln. So tief hinab reichen selbst meine Nubert nuJubilee 425 nicht und die Schwaben sind wahrlich für ihr „tiefgreifendes“ Talent bekannt. Die tiefen Frequenzen der Canton C 309 breiten sich schön trocken und mit durchaus gut nachvollziehbarem Relief im Raum aus, ohne – und das bereitet mir große Freude – unangenehm dröhnige Raummoden anzuregen, die das Hörerlebnis sogleich mit einer breiigen Suppe zuschütten würden.

Nein, das ist bei aller Nachdrücklichkeit richtig erdig und präzise. Wie erwähnt, gründeln die Hessinnen da noch tiefer als die Wettbewerberinnen aus Schwäbisch-Gmünd und bleiben dabei sogar noch einen Ticken konturenschärfer. Je tiefer die Nubert in den Frequenzkeller hinabsteigt, desto „weicher“ wird ihr Bass, zumal bei höheren Lautstärken. Bei halbwegs „nachbarschaftstauglicher“ Gangart aber ist der Unterschied vernachlässigbar.

Ein Quantum Schmeichelei: die Mitten

Daughter If you leaveKommen wir zu einem weiteren Oldie, der mir ans Herz gewachsen ist: Trotz ihres inzwischen stattlichen Alters von fast 17 Jahren ist meine „Grande Dame“ Magnat Quantum 905 für mich noch immer eine Macht in Sachen Mitten. Noch immer präsentiert die Rheinländerin Stimmen mit einer plastischen Präzision und Verständlichkeit, dass ich diese Art der Darbietung für mich mit dem Attribut „natürlich“ besetze. Eine gute Messlatte, gerade für Lautsprecher in günstigen Preisklassen. Die Mitten der Canton C 309 zeigen sich vergleichsweise etwas schmeichelhafter, was sich exemplarisch an Daughter´s „Youth“ (Album: If you leave; auf Amazon anhören) zeigt. Britische Indiefolk-Bands mit weiblichen Gesangsstimmen kommen tonal ja gern einmal leicht düster-unterkühlt ´rüber, um den musikalisch-morbiden Weltschmerzcharakter maximal nachdrücklich zu transportieren. Das Trio um Elena Tonra macht da keine Ausnahme. Die Canton C 309 füttert ihre Stimme mit ein wenig sonorer Wärme und Fülle an, was allerdings weder unangenehm noch effektheischend oder gar übertrieben wirkt. So wirken dann logischerweise auch männliche Gesangsstimmen einen Hauch vollmundiger timbriert – dennoch transportieren die Canton C 309 Stimmen stets so klar und „griffig“, wie man das in ihrer Preisklasse erwarten kann.

Ein Single-Wiring-Terminal ist in der Preisklasse der Canton C 309 nur vernünftig

Ein Single-Wiring-Terminal ist in der Preisklasse der Canton C 309 nur vernünftig

Unkompliziert – der Hochton

Wir reden hier über einen Lautsprecher, der für rund 700 Euro Paarpreis verkauft wird. Von einem solchen Produkt erwarte ich in erster Linie unkompliziert „angemacht“ und mitgenommen zu werden, eine Analytik, die die Schwächen der anhängigen (günstigen) Verstärker entlarvt, oder extrem audiophilen Feinsinn hingegen weniger. Auch in den Höhenlagen nicht, wobei ich selbstredend umfängliche Information darüber erwarte, was die von mir gehörte Musik „obenrum“ bietet. Vor allem aber möchte ich weder angezischt noch „gebissen“ werden. Eine Anforderung, die die Canton C309 voll und ganz erfüllt.

Die nach ganz oben sanft auslaufende Hochtonabstimmung verhindert zusätzlich, dass grenzwertig abgemischtes Material das Gehör stresst, indem etwa Kompressionsartefakte überpräsent würden. Ein Quäntchen feiner und aufgelöster kann das beispielsweise die Standbox „coolSound CX-90“ von Saxx (1.98 Euro), die die hohen und höchsten Frequenzlagen indes auch einem AMT-Tweeter überlässt. Dieser erzählt etwas mehr über die „subtile Atmosphärenlage“ obenrum, als es die konventionelle Kalotte der Canton vermag.

Energie, Pegel & Dynamik …

Der Mitteltöner der Canton C 309

Die Energie, die die Hessin bei ihrer Performance ausstrahlt, verströmt die Aura eines in der Tat erwachsenen Lautsprechers – was sie ja auch ist. Bei dynamisch forderndem Stoff wie Marillions Vorabsingle „Be hard on yourself“ aus dem für das Frühjahr angekündigten Longplayer An Hour before it´s dark, zeigt die Canton C309 wie ungerührt sie Pegelsprünge verdaut und mit welchem Nachdruck sie den fulminanten Spannungsbogen des Stücks nachzeichnet. Hier „passiert“ etwas, das mitreißt und berührt. Laute Passagen kennen keine Handbremse, sie drängen nach vorn und fluten den Hörraum sprichwörtlich.

Pegel- und Tempounterschiede sind ja ein wesentliches Merkmal derlei episch angelegten Progressive Rocks. In einem Takt „Vollgas“, im nächsten mit aller Kraft auf die Bremse. Womöglich trägt die für die Preisklasse relativ aufwändige Membranführung (Faltsicken) dazu bei, dass der Canton dieses Wechselspiel so gut gelingt. Im Vergleich zu meiner eigentlich ebenfalls aufgeweckt-zackigen Nubert nuJubilee 425 sogar einen Tick überzeugender. Es scheint, als hätte die Schwäbin etwas „schwächere Bremsen“ und „weniger Drehmoment“, so dass negative wie positive Beschleunigung nicht ganz so abrupt ausfallen wie bei der Canton C309.

Aber wie sieht es aus, wenn man Pegel rausnimmt? Stimmen die Verhältnisse dann auch noch? Kurz und gut: Passt. Man kann mit der Einsteiger-Standbox aus dem Taunus auch leise hören, ohne dass die Dynamik krachend in sich zusammenfällt.

Canton C 309 - Sockel/fuß

Großzügig

Eddie Vedder EarthlingDen Raumeindruck, den die Canton C 309 klanglich vermittelt, möchte ich als großzügig beschreiben. Und zwar positiv wie negativ. Ein derart weitläufiges Stereopanorama habe ich in dieser günstigen Preisklasse noch nie gehört. Wobei ich nicht nur die virtuelle Bühnenbreite meine, sondern auch die Tiefe. Eddie Vedder´s „Invincible“ (Album: Earthling; auf Amazon anhören) – Was.Für.Ein.Song! – arrangiert sich groß und luftig weit vor der Anlage, die Instrumente scheinen viel Platz zum „Atmen“ um sich herum zu haben, wobei sie gut ortbar platziert sind. Das ist ein geradezu befreiend weit gespannter Höreindruck, der Freude bereitet. Über meine Nubert nuJubilee 425 oder Magnat Quantum 905 tönt das Ganze kompakter, was sicherlich näher am highfidelen Normalnull ist. Die Canton C 309 agiert räumlich also nicht ganz nach strenger Lehre, wirkt dafür aber – zusätzlich verstärkt durch den kleinen Step, den sie von der Grundlinie aus auf das Auditorium zu macht – angenehm involvierend. Ich mag das.

Canton C 309 - Rückseite mit Anschlussterminal

Auch ein schlichter Rücken kann entzücken: Die Bassreflexöffnung befindet sich auf Front der Canton C 309, rückseitig hat’s daher nur das Anschlussterminal

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Lyravox Karlos

Test: Canton C 309 | Standlautsprecher

  1. 1 Das hohe C
  2. 2 Canton C 309: Klangtest & Vergleiche

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