Billboard
Blumenhofer Acoustics
Demnächst im Test:

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Smart & smooth
  2. 2 Merdian Streamer 210 & DSP 3200: Klangtest und Vergleiche
  3. 3 Auf eigenen Gummifüßen – der Meridian Streamer 210 als Solist
  4. 4 Aktivlinge unter sich - Vergleiche mit anderen Lautsprechern

Wenn dieser Tage der Blick europapolitisch Interessierter flankiert von großen Fragezeichen Richtung Brüssel und London geht, so spannen sich bei mir als Liebhaber britischer Klangtugenden noch einige zusätzliche Sorgenfalten auf der Stirn.  Umso schöner, dass mir Kollege Jörg Dames gerade jetzt eine volldigitale Familienpackung „Great Britain Sound“ ins Wohnzimmer bestellt: nämlich den jüngst erschienenen Meridian Streamer 210 (1.100 Euro) samt der frisch überarbeiteten Meridian-Boxenklassiker DSP 3200 (3.980 Euro). Und wie es der schöne Zufall so will, wird bis Ende des Jahres dieses Trio zum attraktiven Paketpreis von 4.200 Euro (Vertrieb: https://audio-reference.de) als volldigitale Komplettkette angeboten. 

Außen grau, innen schlau – der Meridian Streamer 210 

Meridian Streamer 210 frontal

In ein robust-schlichtes Metallkleid gehüllt: der Meridian Streamer 210

Wobei der Begriff „attraktiv“ beim Meridian Streamer 210 zumindest auf den ersten Blick eher bedingt zutrifft. An der Front des mausgrauen Kästchens gibt’s lediglich drei Status-LEDs für Power, Bluetooth und die Aktivierung des MQA-Formats zu entdecken. Auf der Rückseite wartet das unscheinbare Kleingerät mit einer Ethernet-Buchse als kabelgebundene Alterative zur WLAN-Einbindung ins Heimnetzwerk, einer USB-A-Schnittstelle zum Festplattenanschluss sowie einem Pairing-Knopf zum Herstellen einer Bluetooth-Verbindung auf. In Gestalt einer S/PDIF-Koaxialbuchse gibt es darüber hinaus noch einen Digitalausgang zur Verbindung der Streaming-Bridge an externe D/A-Wandler. That’s it.

Klar, dank seiner kompakten Abmessungen auf Basis halber Rackbreite lässt sich der Meridian Streamer 210 so ziemlich überall aufstellen – zumal die mitgelieferten Gummi-Füßchen den Meridian recht wirkungsvoll von jedwedem Untergrund akustisch entkoppeln sollen. Ansonsten allerdings vermittelt dieses 660 Gramm leichte Gerät im jetzt auch nur so mittel aufregenden Farbmix aus „Dunkelmausgrau“ und „Hellmausgrau“ aber dezidiert nicht den Eindruck highendigen Glamours. Doch keine Sorge, die graue Fassade trügt.

Digital rundum integriert    
Meridian Streamer 210 Rückseite/Anschlüsse

Die Rückseite des Meridian Streamer 210: Auffällig sind die RJ-45-SpeakerLink-Schnittstellen, mit denen sich eine ebenso störungsarm-audiophile wie preiswerte Verbindung zu den Lautsprechern herstellen lässt

Also schön der Reihe nach und nichts vergessen. Meridians kleinster Streamer beherrscht die Verarbeitung von Musiksignalen via Bluetooth in aptX sowie aptX HD bis 24 Bit und 48 kHz. Gängige Streaming-Anbieter à la Deezer, Qobuz oder Tidal Airplay schickt der User ganz bequem direkt aus der App des jeweiligen Dienstleisters via Airplay zum Streamer 210.

Sie möchten den Meridian Streamer 210 lieber direkt auf Musikdaten aus dem Internet zugreifen lassen? Geht auch. Via Spotify oder Roon kann der Anwender auch ohne Umweg über Airplay oder Bluetooth direkt aus der von Meridian für iOS und Android zur Verfügung gestellten Control App steuern. Hier lassen sich dann praktischerweise auch gleich sämtliche Geräte-Einstellungen des Streamer 210 sowie der angeschlossenen Lautsprecher wie Lautstärke, Balanceregelung oder DSP-Konfiguration zentral verwalten. Wer die Streaming Bridge lokal, beispielsweise von einer NAS, bespielen möchte, kann das via UPnP natürlich ebenfalls tun.

Guter Digitalklang? Es bleibt in der Familie

Meridian Streamer 210 schräg von vorne

Soweit, so Standard. Was den kleinen Meridian Streamer 210 hingegen besonders macht, das sind – Sie ahnen es – die zwei ominösen, kanalgetrennten Ethernet-Buchsen auf seiner Rückseite. Ebendiese ermöglichen dem Gerät nämlich die sogenannte „SpeakerLink“-Verbindung zu einem Meridian-Lautsprecherpärchen wie den im aktuellen Paketpreis inbegriffenen Meridian DSP 3200. Und damit den Aufbau einer minimalistischen, aber vollwertigen Digitalkette. Die Wahl der für solche Zwecke durchaus unüblichen „Netzwerkverbindungen“ zwischen Streamer 210 und Digitallautsprecher mache herkömmliche teure Lautsprecherkabel überflüssig und sei gleichzeitig störungssicherer als eine drahtlose Übertragung. Zudem ermögliche sie laut Meridian auch eine „echt symmetrische Signalübertragung“ zwischen beiden Komponenten.

Radial digital – der Meridian DSP 3200 

Dass beim Datentransfer zur klangerzeugenden Komponente möglichst keine Verluste entstehen, ist Meridian erklärterweise seit jeher wichtig. Denn was unter dem Begriff „Digital Signal Processing“ in der Digital-Audio-Szene längst als alter Hut durchgeht, hat Meridian seit mittlerweile zwei Jahrzehnten in seiner DSP-Lautsprecherserie voran und in Gestalt der DSP 3200 auf die Spitze getrieben.

Meridian DSP 3200 Rückseite und Schallwand

Die ihrer Treiberabdeckungen entledigte Meridian DSP 3200 sowie ihre Rückseite. Die Anschlüsse verlaufen nach unten heraus und sind unterhalb der Kühlrippen positioniert

Im Inneren der Boxen werkelt eine hocheffiziente DSP-Weiche, die die vom Streamer eingehenden Signale zunächst mehrfach gebuffert zwischenspeichert und sodann mittels Meridian-eigenem „Apodising“-Filter hochrechnet. Dieses Processing soll klangschädliche Vorechos sowie Timingfehler im Datenstrom so weit minimieren, dass sich laut Hersteller ein Klang nahezu frei von typisch digitalen Härten ergäbe.

Nach dem digitalen Signal-Processing folgt vor jedem der beiden Treiber eines Lautsprechers eine dedizierte Digital-Analog-Wandlung. Warum? Auch der Grund hierfür klingt nicht nach Kompromissfreudigkeit: Passive Frequenzweichen nämlich gelten bei Meridian als per se verlustbehaftet. Das fertige Analogsignal schließlich wird von zwei jeweils 75 Watt starken Endstufen an den 165-mm-Basstreiber sowie den 85-mm-Breitbänder für Mittel- und Hochton weitergegeben.

Gut zu wissen – Updates für Hard- und Software      

Trifft das Musiksignal dann am Hörplatz ein, geschieht dies in der erst kürzlich überarbeiteten aktuellen Version der Meridian DSP 3200 per „Enhanced Bass Alignment“. Will heißen: für alle Frequenzen zur maximal näherungsweise gleichen Zeit. Neben einem zudem avancierteren DSP in der Elektronik wurde auch mechanisch für Verbesserung gesorgt, indem die Treiber nun mit neu justierten Metallringen verschraubt sind. Diese sollen nun eine abermals engere Verbindung zum Gehäuse herstellen und dessen Resonanzen weiter minimieren. Ergebnis dieser Modellpflege laut Meridian: eine deutlich fokussiertere Raumabbildung.

Schön zu sehen – modelmäßige Erscheinung  
Meridian DSP 3200 im Paar

Die Meridian DSP 3200 machen bereits optisch klar, dass sie für den Betrieb mit Abdeckungen ausgelegt sind

Apropos: Einen schönen Raum machen die Meridian DSP 3200 im Gegensatz zum unauffälligen Meridian Streamer 210 auch in optischer Hinsicht. Das Gehäusedesign der kleinsten DSP-Box von Meridian orientiert sich konsequent an den kompromisslos highendigen Flaggschiffen des Hauses wie allen voran dem omnipotenten „Klangschrank“ DSP 8000. Die organisch gerundeten Formen des Meridian DSP 3200 dürften aber nicht nur das weibliche Auge im Hinblick auf eine etwaige Kauferlaubnis günstig stimmen. Sie erfreuen laut Hersteller auch das männliche Ohr durch eine deutliche Erweiterung des Sweet-Spots.

Ihren Platz finden die beiden „edlen Tropfen“ vorzugsweise auf sauber vom Untergrund entkoppelten Lautsprecherständern. Der Hersteller zeigt sich auf seiner Homepage sogar offen für eine Anbringung der DSP 3200 vermittels Wandhalterungen, die gar als „ideal für eine unauffällige Eckenmontage“ empfohlen werden. Aus strikt audiophiler Sicht mag man sich diesen kontrapuristischen Anwandlungen zwar nicht vorbehaltlos anschließen. Es sei aber gesagt: Ab etwa 15 Zentimetern Abstand zu Seiten- und Rückwänden lässt sich das klangliche Potenzial der Meridian DSP 3200 voll ausschöpfen. Und wer das nicht tut, verpasst so Einiges.

Merdian Streamer 210 & DSP 3200: Klangtest und Vergleiche

Ein ausschließlich per App steuerbarer Streamer, vier separate D/A-Wandler in zwei DSP-Boxen, dazwischen zwei CAT5-Kabel – puh, zumindest für mich als Freund klassischer analoger Klangtugenden wie Farbe, Wärme und Fluss turnen da jetzt doch ganz schön viele Einsen und Nullen auf dem Sideboard rum. Doch meine Bedenken hinsichtlich eines klischeehaft seelenlosen Digitalklangs verfliegen bereits bei den ersten Takten. Der technische Aufwand, den Meridian beim Streamer 210 und insbesondere im Innern der DSP 3200 betreibt, mag unerhört sein. Der technische Anteil im erzeugten Klangbild jedoch ist nahezu unhörbar. Will heißen: Meridian scheint tatsächlich eine ganze Reihe hochwirksamer digitaler Maßnahmen für ein sich analog anfühlendes Klangbild gefunden zu haben.

Und weil dezidiert untechnischer Klang für eine volldigitale Kette – noch dazu im „verdächtigen“ Lifestyle-Look – keine Selbstverständlichkeit ist, schauen wir uns in diesem Klangteil zur Abwechslung doch Mal an, wie die Meridian-Kombi aus Streamer 210 und DSP 3200 eben genau nicht klingt.

Springlebendig statt sturzneutral  – die Gesamttonalität 

Meridian DSP 3200 und Meridian Streamer 210

Digitale Ketten geben sich nach meiner Erfahrung ganz gerne demonstrativ neutral. Die Klischees jenes frequenztechnisch „auf Normalnull“ gebügelten Klangs: ein tiefreichender, aber kaum druckvoller Bass, ein eher schmaler Grundton, fehlender Mittenschmelz und nicht selten gnadenlos bis an die Grenze des Erträglichen durchgezogene Höhen. Die Meridian-Kombination? Sieht das mit der tonalen Ideallinie wohltuend entspannt und macht aus ihrer britischen Herkunft schon gesamttonal keinen Hehl.

Auszumachen sind konkret: eine dezente Absenkung im Präsenzbereich sowie eine minimale Anhebung des Grundtons. Beides zusammen verpasst der Streamer-Lautsprecher-Kombination eine angenehm geerdete und leicht milde Gesamtnote. Vorteil des Gentlemen’s Tuning: Die dezente Brillanzsenke macht über die Meridian-Kombi auch Musikfiles mediokrer Qualität – gerade via Spotify – quer durch alle Genres goutierbar. Eine spezielle Vorliebe scheint mir das Meridian-Trio dabei für akustische Instrumente zu hegen, die  angenehm organisch und sonor präsentiert werden.

Auf allertiefste grollende Subbässe wird ebenso verzichtet wie auf allerhöchste funkelnde Obertöne. Kurz gesagt: Wer an den Frequenzenden Bumm-Bumm und Bling-Bling sucht, wird woanders fündig. Ohne bassschwach oder gedeckt zu wirken, konzentriert sich die Meridian-Kombi lieber auf das musikalisch Wesentliche. Machen wir jetzt mal genauso – von unten nach oben.

Athletisch federnd statt maschinell exakt – der Bass
Meridian DSP 3200 Basstreiber

Der 165-mm-Basstreiber der Meridian DSP 3200

Ein weiteres verbreitetes Symptom typischen „Digitalklangs“ liegt – jedenfalls in meinen Ohren – in einer bei Live-Konzerten naturgemäß nicht vorfindlichen Hyperexaktheit. Diese offenbart sich häufig in einem zwar enorm präzisen, aber dafür irgendwie blutleer entschlackten Bass.

Die Diagnose der Meridian-Kette diesbezüglich: ohne Befund. Der Bass des Streamer-Aktivbox-Gespanns zeigt sich bis auf das Fehlen subsonischen Donnergrolls ausgesucht substanziell, trotzdem beweglich und insgesamt Marke „athletisch federnd“. In bester halbtrockener Manier ertönen sauber abgenommene Kontrabässe wie von Dave Hollands neuem Album Uncharted Territories eben nicht nur „zeitrichtig“ angezupft, sondern „verklingen“ auch mit realistisch ausartikuliertem Sustain.

Ebenfalls erfreulich: Auf eine Midbass-Emphasis – einen verbreiteten tonalen Trick, um kleinere Boxen trotz fehlenden Bassdrucks mehr (Pseudo-)Punch zu verpassen – wird verzichtet. Brauchen die MeridianDSP 3200 auch nicht. Druck machen die von je 75-Watt befeuerten Treiber nämlich auch so. Jetzt nichts, was man in der Magengrube spüren würde ­– logisch bei gerademal 32 Zentimeter hohen Kompaktlautsprechern. Aber genug, um Hollands Kontrabass als realistischen Klangkörper abzubilden.

Smooth statt cool – die Mitten
Meridian Streamer 210 zwischen Meridian DSP 3200

Die vom Fotografen gewählte Aufstellung der Meridian-Combo auf einem Sideboard sieht zwar gut aus, akustisch verdienen die Meridian DSP 3200 aber Lautsprecherständer, die wir im Hörraum natürlich auch verwendet haben

Kommen wir zu besonders hörkritischen Bereichen: den Mitten. Und zur Feststellung, dass sich Streamer 210 und DSP 3200 auch hier als waschechte „klassische Briten“ positionieren: organisch, sonor und suuuuuper smoooooooth.

Was noch dazu im Umkehrschluss weder „verwaschen“ noch „verhangen“ bedeutet. Nein, vom Oberbass ragt tonal nichts die Mitten hinein, so dass diese transparent und unangestrengt durchhörbar bleiben. Auch in Sachen Timing verschmiert nichts. Obwohl vernehmlich auf Geschmeidigkeit gezüchtet, bleibt alles sauber, klar und kohärent artikuliert.

Wenn die Meridian-Combo aus Streamer 210 und DSP 3200 dem kritischen Hörer im Bereich der Mitten überhaupt irgendeine Angriffsfläche böte, dann wäre das die Intensität von Klangfarben. Nicht, dass diese unzureichend differenziert wären. Im Gegenteil: Das Farbspektrum der Meridian-Kombi liegt durchaus auf preisadäquatem Analog-Niveau. Allein bei der schieren Stärke von Klangfarben ist – nicht nur, aber ganz besonders im Kontrast zu meiner betont blumigen Jadis-Röhren-Harbeth-Lautsprecher-Kette (ca. 26.000 Euro) – eine gewisse Scheu vor derlei „röhriger“ Übertreibung zu spüren.

Samt statt Seide – die Höhen 

Meridian DSP 3200 und Meridian Streamer 210 im Test

Konsequent, dass der Meridian Streamer 210 und die Meridian DSP 3200 auch im Hochton ausgereifte Gediegenheit walten lassen. Obwohl es der Kombination im Vergleich zu Konkurrenzprodukten im Preisbereich keineswegs an Detailauflösung fehlt, werden angerissene Gitarrensaiten, bildlich gesprochen, eher in Samt als in Seide eingeschlagen, werden zusammenzuckende Hi-Hats eher auf dem Kupfer- denn auf dem Silbertablett gereicht.

Analytisch abgestimmte Aktivboxen, wie sie nicht selten im Studiobereich zu finden sind, lassen Hi-Hats gerne ordentlich durch den Gehörgang scheppern – was je nach Hörgeschmack beeindrucken oder anstrengen kann. Die Meridian-Kombination hingegen lässt Hi-Hats weniger hochfrequent scheppern als vielmehr „floppen“. Das Geräusch der entweichenden Luft, das beim Zusammendrücken der beiden Becken erzeugt wird, ist ausgesprochen nuanciert zu hören. Und genau jenes Geräusch wird bei betont hochtonalert abgestimmten Ketten gerne mal vom Gleißen des Beckenmetalls überdeckt. Bei der Meridian-Kombi hingegen gehen eine gewisse Hochtondezenz und tadellose Auflösung auf angenehme Weise einher.

Der sich dennoch womöglich fälschlicherweise einstellende Ersteindruck, die Milde des Hochtons gehe mit mangelnder Auflösung einher, mag dadurch befördert werden, dass Mittel- und Hochton nahezu perfekt angebunden sind und das tonale Obergeschoss zu keiner Zeit ein Eigenleben entwickelt. Das ist großes Analogkino für den, der bewusst auf klangliche Geschlossenheit sowie Konsistenz und weniger auf vordergründige Effekte achtet. Einzig im Superhochton streichen die Meridians für meinen Geschmack etwas zu früh die Segel, was dem Trio – trotz seiner kultivierten Feinheit bis in den oberen Hochton – einen vielleicht minimal gedämpften, jedenfalls nicht betont sprudelnden Anstrich verleiht.

Kompakt, doch exakt  – der Raum

Apropos Anstrich: Bei der Raumgestaltung zeigen sich der Meridian Streamer 210 und die Meridian DSP 3200 im Zusammenspiel aufgeräumt, stabil, aber auch ausdrücklich nicht ausladend. Das Trio zeichnet eine eher kompakte Bühne, die dafür aber recht plastisch in die Tiefe reicht. Mehr Carée als Panorama. Das ist zwar nicht spektakulär, aber schön eingängig und süffig. Und bevor sich jetzt beim kritischen Leser ein gewisser Euphemismus-Verdacht einstellt: Konturen von Phantomschallquellen werden tatsächlich bemerkenswert scharf gezeichnet und verschwimmen zu keiner Zeit. Die Lokalisation gelingt ausgezeichnet. Nur fällt die räumliche Anordnung insgesamt halt etwas intimer, heimeliger aus als anderswo.

Natürliche Kraft statt artifizielle Attacke – die Dynamik
Meridian DSP 3200 Anschlüsse

Das bodenseitige Anschlussfeld der Meridian DSP 3200

Passend zum eher kultivierten denn sensationsheischenden Auftritt des Meridian-Gespanns kommen dynamische Impulse zwar mit lockerem Punch, zackig und bei Bedarf auch wuchtig, aber nicht betont sportlich ansatzlos. Impulse muten eher wie über ein Limousinen- denn Formel-1-Flitzer-Fahrwerk vermittelt an.

Bei alledem punkten Meridian Streamer 210 und DSP 3200 mit einer sorgfältigen Transientenwiedergabe, die dafür sorgt, dass Trommelschläge oder Saitenanrisse auch ohne überbordende Attack mitreißend und natürlich wirken.

Mit Exaktheit glänzen kann das Gespann sowieso besonders als Feinmotoriker. Die winzigen Unterschiede bei Anschlägen von Klaviertasten arbeiten die beiden Meridians im Teamwork beeindruckend nuanciert heraus. Diese feindynamische Akkuratesse sorgt dafür, dass man selbst bei großformatigen Orchesteraufnahmen wie Gustav Mahlers „Sinfonie der Tausend“ in der 2002er Aufnahme des Amsterdam Toonkunst Choir nicht an der etwas kleinen Bühne herummäkelt, sondern besonderen Spaß am lautstärke- und klangfarbenmäßig feindifferenzierten Zusammenspiel der Einzelinstrumente und -stimmen entwickelt.

Federnde Bässe, organische Mitten, stressfreie Höhe, dazu Fluss und Feinheit: Ja, diese volldigitale Kette aus Meridian Streamer 210 und Meridian DSP 3200 könnte durchaus auch Vinyl-Junkies dazu bringen, ihre kontinuierlichen Investitionen in Schallplatten neu zu überdenken. Da aber, zugegeben, auch rund 5.000 Euro für drei HiFi-Komponenten keine geringe Investition sind: Testen wir abschließend doch noch, welchen Anteil denn nun der neue Streamer 210 am ausbalancierten Klang der Kette hat.

Auf eigenen Gummifüßen – der Meridian Streamer 210 als Solist

Meridian Streamer 210 von oben

Hierzu habe ich das graue Kästchen via Digital-Coax-Kabel zum Jadis JS2 D/A-Wandler sowohl am EAR HP4 Kopfhöreramp als auch am Jadis DA88S Vollverstärker im direkten A/B-Vergleich gegen den seit einigen Jahren als heimische Streaming-Referenz dienenden Auralic Aries Femto gehört. Dieser liegt zwar inklusive Aufrüstung durch ein hochwertiges SBooster-Netzteil immerhin bei rund 2.000 Euro und ist damit praktisch doppelt so teuer wie der Streamer 2010. Doch, Überraschung: Hörbar wurden eher unterschiedliche Akzente als verschiedene Qualitätsstufen.

Auge in Auge mit dem Widder (fast)

Kein Zweifel: Der Aries (dt. „Widder“) hat deutliche Vorteile im grobdynamischen Bereich. Er macht einen – vor allem in der Breite – weitläufigeren Raum. Die Auflösung im Hochton fällt eine Spur detaillierter aus, und die leichte Deckelung des Superhochtons entfällt. Für rund 1000 Euro Mehrpreis erhält der Hörer also vor allem: Attacke und Atmosphäre.

Der Meridian Streamer 210 spielt insgesamt unaufgeregter, weniger „pompös“. Die Höhen sind ein bisschen milder, das Untergeschoss entfaltet etwas weniger Druck. Bei genauerem Hinhören fällt allerdings auf, dass der Streamer 210 einen eindeutig besser getimten Bass bietet und in den Mitten – die der Aries hier und da zugunsten einer demonstrativen Wolkigkeit verwischt – trotz der oben erwähnten Geschmeidigkeit cleaner, transparenter und sauberer artikuliert zu Werke geht. Insgesamt schlägt sich der Streamer 210 also mehr als wacker gegen die doppelt so teure Konkurrenz und ist somit auch als Streaming-Bridge zu einem vorhandenen externen D/A-Wandler eine Hörprobe beim Händler wert, wenn man dabei mit S/PDIF auskommt.

Meridian Streamer 210 mit Meridian DSP 3200 und Apple iPad

Aktivlinge unter sich – Vergleiche mit anderen Lautsprechern

Wo wir beim Vergleichen sind: Ja, auch zu den Meridian DSP 3200 gibt es größen- und preisklassenadäquate Alternativen, die ähnlich untechnisch, schlüssig und langzeittauglich musizieren. Die allerdings wollen erst gefunden werden. Die beiden in jüngster Zeit von mir getesteten Aktivboxen Nubert nuPro A600 (1.970 Euro) und Abacus Cortex 10 (1.590 Euro) jedenfalls lassen die Meridian DSP 3200 deutlich hinter sich.

Die Gesamtabstimmung der nuPro A600 ist zwar tonal insgesamt linearer, die Anbindung des Hochtons gelingt den Meridian DSP 3200 gleichwohl schlüssiger, es tönt noch seidiger, ich finde ihr Klangbild dadurch im positiven Sinne eingängiger und auch insgesamt reiner, wie mit „schwärzerem“ Hintergrund versehen. Auch der Mittelton der DSP 3200 wirkt gegenüber dem der nuPro A600, die hier eigentlich ebenfalls sehr überzeugend auftritt, noch organischer.

Die Abacus Cortex 10 wiederum haben mit Flüsterpegeln keine Probleme und lösen im Hochton noch einen Tick besser auf als die Meridian DSP 3200, kommen aber im Gesamtklangbild insbesondere in den hörsensiblen Mitten an den stimmigen, gehaltvollen und kultivierten Auftritt der Briten nicht heran.

Meridian Streamer 210 neben Meridian DSP 3200

Test: Meridian DSP 3200 und Meridian Streamer 210 | Aktivlautsprecher, Streaming-Bridge

  1. 1 Smart & smooth
  2. 2 Merdian Streamer 210 & DSP 3200: Klangtest und Vergleiche
  3. 3 Auf eigenen Gummifüßen – der Meridian Streamer 210 als Solist
  4. 4 Aktivlinge unter sich - Vergleiche mit anderen Lautsprechern
Billboard
Dynaudio Evoke

Das könnte Sie interessieren: