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Orbid Sound Next Generation

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Der große Kleine
  2. 2 Hörtest Nubert nuPro A-600
  3. 3 Testfazit: Nubert nuPro A-600

Wir leben im Zeitalter der Bequemlichkeit: alles einfach, online, kleiner, schneller, mobiler. Platz und Zeit sparen! Klar, dass die Schwaben da vorweg gehen. Und kaum jemand sonst im Schwabenland scheint seit Jahrzehnten dermaßen zeitgeistsicher wie Nubert (www.nubert.de) und seine „ehrlichen Lausprecher“. Besonders interessant für den postpuristischen Convenience-Kunden ist seit einigen Jahren die Aktivboxenserie nuPro, deren Vertreter sich durch Fernbedienbarkeit und klangliche Anpassbarkeit an unterschiedliche Raumsituationen auszeichnen.

Mit der A-600 präsentiert Nubert nun die bislang größte, schwerste und erstmals dreiwegige Kompaktbox der nuPro-Reihe. Anders als ihre kleinen Schwestern A-100, A-200 und A-300 zielt der Drei-Wege-Trumm nicht auch auf den Computerschreibtisch oder das Küchenregal, sondern alleinig ins heimische Wohnzimmer. Ein Stretch-Monitor fürs Wohnzimmer – Marktlücke oder Schnäpsleidee? Wir werden hören.

Die Nubert NuPro A-600 sind 60 cm hoch

Die Nubert nuPro A-600 sind mit 60 cm ziemlich hochgewachsene Kompaktboxen

Die Meinungen zu Monitoren mit Riesenwuchs sind unter Audiophilen durchaus gespalten. In Sachen Grobdynamik und Bassgewalt haben Standboxen meist die Nase vorn. Kleinere Zweiwegemonitore können dagegen bisweilen mit größerer tonaler Geschlossenheit und geringerer Resonanzanfälligkeit des Gehäuses punkten. Nichts Halbes und nichts Ganzes also? Eigentlich.

Dennoch scheinen Großmonitore, wie die jahrzehntelang ungebrochene Nachfrage nach Harbeth, Spendor oder ATC beweist, bisweilen mehr Stärken des einen Konzepts als Schwächen des anderen aufzuweisen. Speziell für Leute mit Entscheidungsschwäche. Oder Stimmungsschwankungen, die sich in einer sprunghaften Veränderung der darbietungstechnischen Vorlieben hinsichtlich der Musikanlage niederschlagen. Auch mein passiver Großmonitor Harbeth SHL5+ gehört zum Wohnungsinventar – und sieht beim Aufstellen der aktiven schwäbischen Klassenkameraden fast ein bisschen eifersüchtig aus.

Optisch gibt es dazu allerdings keinen Grund. Das Design der Nubert nuPro A-600: zurückhaltend, mehrheitsfähig. Das Gehäuse besteht aus MDF, überzogen mit matt glänzendem Schleiflack. Zur Auswahl stehen die Farben Schwarz und Weiß. Schnickschnack wie Sonderfurniere aus „selten“ anmutendem Urwald-Unterholz gibt es nicht und auch die Gehäuseform weicht lediglich durch dezent abgerundete und damit diffraktionsminimierende Kanten vom gewohnten und geschätzten BBC-Standard ab. Eine amtliche Ansage sind das mit 16 Kilogramm stattliche Gewicht des Panzerschränkle und sein mit 60 Zentimetern ungewöhnlich ausgeprägter Vertikalwuchs. Beides relativiert sich, wenn man sich klarmacht, welche Technik die Nubert nuPro A-600 auf der Fläche zweier kleiner Bierkästen versammelt.

Basstreiber der NuPro A-600

Basstreiber der nuPro A-600

Hinter der bequem magnetisch abnehmbaren Frontabdeckung harren drei Treiber einer näheren Begutachtung. Ein alter Bekannter aus der nuPro-Kompaktserie ist die mit 220 Millimeter dezent in die Breite gegangene Bassmembran, die den Hörer auf gänzlich unmonitorige 30 Hertz bei -3 dB in den Tiefbasskeller begleitet. Ein Subwoofer dürfte damit in vielen Hörsituationen überflüssig werden.

Die Gewebekalotte der Nubert sitzt hinter einem schützenden Gitter

Die Gewebekalotte sitzt hinter einem schützenden Gitter

Auch der mit Seidengewebekalotte arbeitende 25-mm-Hochtöner, der hinter einem Gitter Signale bis zu 22 Kilohertz produziert, unterscheidet die neue Nubert nuPro nicht von ihren kleineren Schwestern. Exklusiv verfügt die Nubert nuPro A-600 aber über einen Mitteltontreiber, mit dem die Entwickler das Zentrum der Musik freier aufspielen lassen und damit einen Schritt zu mehr Farbigkeit und Musikalität im Klangbild gehen möchten. Jene Punkte, die Kritiker der Marke gelegentlich bemängeln – jedenfalls solange, bis sie aufs Preisschild der entsprechenden Box gesehen haben.

Die A-600 besitzt als einziges Kompaktmodell der NuPro-Serie einen dedizierten Mitteltontreiber

Die A-600 besitzt als einziges Kompaktmodell der nuPro-Serie einen dedizierten Mitteltontreiber

Bei der Nubert nuPro A-600 besitzt jeder Treiber eine eigene Endstufe. Die Nubert-Entwickler haben damit vor allem zweierlei im Sinn: erstens eine Linearisierung des Frequenzverlaufs, da jede Endstufe jedem Chassis genau dosiert die Power spendiert, die es braucht, um nicht „aus der Reihe zu pumpen“, zweitens eine Eingriffsmöglichkeit für den Fall, dass der Frequenzgang raum- oder aufstellungsbedingt doch korrigiert werden muss. Was überdies nie schadet, sind Leistungsreserven, über die das aktive Konstrukt nuPro A-600 denn auch mehr als hinreichend verfügt: Für Hoch- und Mittelton liegen jeweils 70 Watt, für den Basstreiber 200 Watt am Gas. Aufgeteilt wird das Musiksignal von einer Aktiv-Frequenzweiche, die als DSP natürlich digital arbeitet, weshalb hinter dem analogen Cinch-Eingang zunächst eine Digitalisierung erfolgt, bevor das Signal frequenztechnisch getrennt an die jeweiligen Verstärker weitergeleitet wird. Aufstoßen dürfte diese Praxis eventuell Besitzern eines ausgesucht hochwertigen Digital-Analog-Wandlers sowie reinen Vinylhörern, die sich hier fürs Erste mit dem Hinweis getröstet sehen dürften, dass das Klangbild der Nubert nuPro A-600 weit entfernt von steril-hyperexakter Digitalitis bleibt.

Das Anschlussfeld der NuPro A-600

Das Anschlussfeld der Nubert nuPro A-600

Deshalb ganz unbekümmert zu den digitalen Anschlüssen, als da wären: S/PDIF koaxial, Toslink, USB-A (Stromversorgungsbuchse) und USB-B (Signalbuchse). Hinzu kommen ein regelbarer Subwoofer-Ausgang sowie eine orangene Koaxial-Buchse mit der Aufschrift „Link“, über die der Slave mit dem Master verbunden wird. Diese Verbindung ist bei der neuen Nubert nuPro zeitgemäßer gelöst, als der Begriff den Anschein macht, nämlich abermals rein digital. Etwas schade finde ich persönlich die Tatsche, dass der DSP der A-600 nur bis zu einer Wortbreite/Samplerate von 16 Bit/48 kHz (USB) beziehungsweise 24 Bit/96 kHz (Toslink, koaxial) wandelt.

In Sachen Aufstellung ist die A-600 zunächst eher nuDiva denn nuBro. Wer die A-600 erstmalig in Betrieb zu nehmen gedenkt, erlebt eine Babystandbox, die weder ohne Ständer stehen noch ohne Herumrücken und Umhertragen häuslichen Wohlklang erzeugen möchte. Klanglich optimal ins Geschäft kommt man mit der A-600 erst, wenn sie, am besten auf wertige Boxenständer platziert, leicht eingewinkelt mindestens 30 Zentimeter über dem Boden thront und zu Seiten- und Rückwänden mindestens 70 Zentimeter Abstand hat. Ein Betrieb ohne Einhaltung dieses Höflichkeitsabstands ist möglich, aber sinnarm.

Insbesondere die enorme Basspotenz der Nubert nuPro A-600 ist hier Fluch und Segen zugleich, kann jedoch durch folgende technisch sauber gelöste Korrekturmöglichkeiten sicherlich in den allermeisten Räumen oberhalb von circa 15 Quadratmetern gezähmt werden: Zum einen bietet die A-600 vermittels eines Steuerkreuzes direkt an der Box die Option, den Bass- sowie den Mittel-Hochtonbereich um bis zu +/- 12 dB zu verändern, zum anderen sorgt ein Balanceregler für ein homogeneres Klangbild bei ungleichen Abständen zu Wänden oder einseitiger Reflexionsfreudigkeit des Hörraums. Beide Werte lassen sich – wie auch Eingangswahl und Lautstärke – bequem durch eine knuffig-griffige Fernbedienung einstellen. Wer die Gesamttonalität seiner Lautsprecher bedarfsweise seinen unterschiedlichen Musikrichtungen anpassen möchte, kann drei Einstellungsvarianten als Presets abspeichern. Zur Anbindung eines externen Subwoofers lassen sich zudem die obere Grenzfrequenz des Subwoofer-Ausgangs sowie die untere Grenzfrequenz des Basstreibers separat einstellen.

Die Fernbedienung der NuPro A-600

Die Fernbedienung der Nubert NuPro A-600

Nachdem ich mit der Nubert-eigenen nuFunk-Lösung in der Vergangenheit bereits gute Klangergebnisse erzielen konnte, war ich neugierig auf das Resultat einer Einbindung der Nubert nuPro A-600 ins heimische WiFi-Netzwerk – speziell im Vergleich zur kabelgebundenen Signalspeisung über einen hochwertigen Streamer. Mit dem Verweis auf Zukunftssicherheit ermöglicht Nubert im Rahmen der nuPro-Reihe den Empfang drahtloser Signale grundsätzlich nur mit separaten Geräten. Das auf Nachfrage hierzu dargereichte „Argument des Hauses“: Ändert sich die Übertragungstechnik, bekommt die nuPro für unter 100 Euro einen entsprechend modernisierten Signalempfänger an einen ihrer Digitaleingänge gesteckt und bleibt als Box dauerhaft günstig und modern. Dass der separate Empfänger Platz und Kabelführung beansprucht? Na, probieren wir’s halt.

Meine Wahl fällt auf den LinTech AirLino – einen Empfänger, der Musiksignale übers heimische WiFi via AirPlay oder UPnP vom iPhone, Tablet oder Laptop aufnimmt und digital via Toslink zur nuPro A-600 weiterreicht – den ich jedoch rasch wieder aus der Kette entferne, weil der Auralic Aries als Quelle dann doch deutlich erwachsener, entspannter, aufgelöster und räumlicher klingt. Was nicht unbedingt für eine herausragende Qualität des (allerdings mit rund 80 Euro auch sehr günstigen) Empfängers spricht, dafür aber umso mehr für die Akkuratesse und Transparenz der Nubert nuPro A-600.

Test: Nubert nuPro A-600 | Aktivlautsprecher

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