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Hörtest Nubert nuPro A-600

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  1. 2 Hörtest Nubert nuPro A-600
Die Nubert NuPro A-600 besitzt Display und Steuerkreuz auf der Front

Die Nubert nuPro A-600 besitzt Display und Steuerkreuz auf der Front

Vorbildliche Neutralität, mittlere Auflösung, nicht allzu tiefe Bühne – mit dieser Erwartungshaltung starte ich nach einwöchigem Einspielbetrieb mit Rosa Rauschen meine erste Testhörphase mit Nuberts Neuer. Im Groben nämlich habe ich die nuPro-Serie von meiner ehemaligen A-200 in Erinnerung. Eigentlich als PC-Lautsprecher angeschafft, verdrängten diese erstaunlich erwachsen klingenden Kompakten nach kurzer Zeit frech meine passiven nuBox-Standlautsprecher im Wohnzimmer. Dort hätten die nuPro A-200 mit ihrem (fast) kompletten Klangbild sicher auch heimisch werden können, verloren letztlich ihre Pole Position im heimischen Akustikpark jedoch aufgrund eines Umzugs in eine Wohnung mit größerem Musikzimmer, meinem latenten Wunsch nach tieferer Bühne und feinerem Hochton und der Bereitschaft, dafür auch deutlich mehr zu investieren. Warum ich das alles erzähle: Mit der nuPro A-600 schafften es die Nubert-Ingenieure tatsächlich, die beiden einzigen anzukreidenden Schwächen der kleinen Schwester zu den beiden Stärken der großen zu machen.

Nocte-Obducta-MogontiacumDas herausragend plastisch und texturiert aufgenommene Schlagzeug des Openers „Am Ende des Sommers“ des Albums Mogontiacum (auf Amazon anhören) der sympathisch an die Familie Flodder erinnernden Mainzer Schwerstmetaller Nocte Obducta stand selten dermaßen körperhaft, stabil und wohlsepariert im Hörraum. An schärfere Umrisse von Klangquellen kann ich mich in der Preisklasse unter 2.000 Euro nicht wirklich erinnern. Dabei macht die Nubert deutlich, dass sie im Zweifel eher informieren denn beeindrucken möchte. So gerät die Abbildung einzelner Instrumente niemals überschärft oder übergroß, und nie werden Einzelereignisse unnatürlich weit nach vorne positioniert, sodass die virtuelle Bühne ohne Effekthascherei über die Standorte der Instrumente und die Beschaffenheit des Aufnahmeraums informiert. Sie endet horizontal dabei an den äußeren Boxenkanten, beginnt in puncto Abbildungstiefe entweder auf oder ganz leicht vor der Lautsprecher-Grundlinie und reicht von dort aus mindestens zwei großzügige Schritte nach hinten. Na also, denk ich mir. Endlich heißt es auch für Nuberts nuPro: Willkommen in der dritten Dimension!

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Auch auflösungstechnisch hat die 600er einiges auf dem Kasten. Sowohl die erstaunlich fein – inklusive Nachhall und Nebengeräuschen – eingefangene Bassdrum als auch die Differenzierungen im Anschlag der Snare – ja, immer noch die morbiden Mainzer, das Lied dauert seine Zeit, weil: Black Metal – werden ebenso informativ wie integrativ und daher sehr natürlich wiedergegeben, sodass die Aufnahme genau jene livehaftige Lebendigkeit in den Hörraum projiziert, die besonders gelungenen Aufnahmen und Audiogeräten vorbehalten bleibt.

melnyk-illirionDie Zackigkeit, mit der die Schläge des Nocte-Obducta-Drummers (das Lied ist gleich vorbei) dabei von Trommelfell zu Trommelfell schießen, macht deutlich, dass bei der Impulstreue und Transientenwiedergabe der Nubert nuPro A-600 keinerlei Unzulänglichkeiten ohrenfällig werden. Selbst beim oktopusartigen Oktavenhopping des russischen Klavierzausels Lubomir Melnik (Album: Illirion, auf Amazon anhören), der als „weltschnellster Pianist“ zwar keinen übermäßig eleganten Ton, dafür aber besonders viele davon auf einmal zu spielen vermag, verschmiert und verschleppt die nuPro A-600 nichts.

Was mich als, sagen wir, kritisch zugewandten Nubert-Hörer an den Auflösungs- und Abbildungskompetenzen besonders freut: Die neuen Stärken wirken solide ingenieurstechnisch verdient, nicht psychoakustisch herbeigeschummelt. Mehr Raum? Pegeln wir einfach die Frequenzenden ein bisschen hoch, merkt eh keiner. Etwas mehr Auflösung? Ach, lass uns einfach den Präsenzbereich anheben. Nein, auf derlei Schlawinereien hat man sich in Schwäbisch Gmünd ganz offensichtlich nicht eingelassen; auch die neuste nuPro klingt – nach sorgsamer Aufstellung und Anpassung, mehr dazu weiter unten – kompromissfrei linear. Freilich: Wessen audiophiles Ideal sich mit Worten wie „Charakter“, „Charme“ oder gar „Magie“ umreißen lässt, der greife besser gleich zu einer anderen Box. Die sachliche nuPro A-600 spielt tonal grundehrlich, verfärbungsfrei und ohne hörbare Verzerrung oder Kompression – und das ab moderater Zimmerlautstärke bis kurz vor Abrisspartypegel.

Die Höhen würde ich auch bei abgesenktem Gesamtpegel als anstandslos aufgelöst und obertonreich beschreiben. Klar gibt es Boxen, die noch mehr Hochtoninformation noch beiläufiger und damit unterm Strich noch überzeugender präsentieren, aber die sind dann eben wahlweise mit weniger Komfort oder höheren Kosten verbunden. Eine Dynaudio XEO 2, ebenfalls vollaktiv und digital ansteuerbar, spielt zwar obenrum seidiger und insgesamt natürlicher, verfügt dann allerdings weder über die Basspotenz der Nubert nuPro 600 noch über deren Stabilität und Volumen in der Raumabbildung. Vom Präsenzbereich aufwärts bleibt die 600er stets härtefrei und kippt nie ins Sägende oder Fitzelige ab. Zudem sind die Höhen bestens an die Mitteltonlagen angebunden.

Basswoofer der NuPro A-600

Der Basswoofer der Nubert nuPro A-600

Auch im Mittenbereich legt die große Schwester im Vergleich zur A-200 eine Schippe, oder besser: ein Chassis, drauf. Der exklusive Mitteltöner lässt die Mitte der Musik tatsächlich deutlich hörbar atmen. Insbesondere Stimmen und Holzbläser klingen frei, gelöst, substanziell und klar artikuliert, ohne jede Anstrengung, was die im Übrigen weit überdurchschnittliche Feindynamik der A-600 besonders zur Geltung bringt. Wer in der Mitte noch mehr Schmelz, Geschmeidigkeit und Wärme sucht, wird ebenfalls mit anderen Schwächen oder mit weniger verbleibenden Scheinchen leben müssen.

Blick ins Boxengehäuse: Auf der Rückwand befindet sich die Elektronik der A-600, u.a. drei Class-D-Endstufen

Blick in die Box: Auf der Rückwand befindet sich die Elektronik, u.a. drei Class-D-Endstufen

Kommen wir zum Tiefton: Der Bass der A-600 reicht sagenhaft weit in den Keller hinab und schiebt dem Klangbild ein enorm massives Fundament unter – mit schön lockerem Punch und eher saftiger denn staubtrockner Note. Positiv zu sehen ist die Möglichkeit zur Frequenzkontrolle: Anstelle der punktuellen Bass- oder Höhenanhebung verändert sich durch Auf- oder Absenken des Bass- oder Mittel-Hochton-Bereichs bei der A-600 nämlich das komplette Frequenzband in Richtung des jeweiligen Bereichs. Aktiviert man etwa die Mittel-Hochton-Anhebung, führt der Hochton keineswegs wie beim punktuellen Anheben wahlweise ein überpegeltes Eigenleben oder ein mittenverdecktes Schattendasein, sondern bleibt bruchlos angebunden. In meinem mittelgradig gedämmten Hörraum hat sich im Mittel-Hochton-Bereich die Stellung – 1 dB und im Bassbereich – 4 dB als „subjektiv linear“ erwiesen. Das hört sich untenrum nach viel an, nur: Es war auch nötig.

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Womit wir bei einem weiteren Spezifikum der Nubert nuPro A-600 angelangt wären: ihrer Bassmacht, die sich als Herausforderung erweisen sollte. Nicht, dass ich nicht alles probiert hätte. Die reichlich erfunden klingende Audiophilen-Anekdote „Wie ich einmal versuchte, den Bass einer Kompaktbox zu kontrollieren“ in groben Zügen: nuPro A-600 auf die Skylan-Ständer meiner Harbeth SHL5+ mit circa 60 Zentimeter Abstand zu den Wänden aufgestellt: viel Sub-Bass, noch mehr Supp-Bass. Also Tiefton um 4 dB abgesenkt. Ergebnis: weniger „Suppe“, aber auch weniger Fundament und Autorität, etwas dünn und schläfrig alles. Nun denn, Ständer auf 90 cm Wandentfernung nach vorne gezogen und den Bass auf – 1 dB hochgepegelt. Aha! Das ist es also – leider auch nicht. Im Pegel passt jetzt eigentlich alles, an Fundament und Kontrolle mangelt es dem Bass nicht mehr, aber der Kick ist weg. Ein bisschen Wand darf’s offenbar dann doch sein. Die Lösung: Beide rückseitige Bassreflex-Öffnungen verschließen und die A-600 mit exakt 75 cm Wandabstand aufstellen – so grooven sich Nuberts Aktive doch noch nahezu perfekt in meinen Hörraum ein. Derart aufgestellt, offenbart die nuPro nun auch eine typisch aktive Grobdynamik: Masse, Punch, Pegel – alles im Gleichgewicht. Nur das letzte Wort in Sachen tieffrequenter Textur und Kontrolle behält sich die A-600 noch etwas vor.

Die Moral von der Geschicht’: Ein Rundumsorglos-Böxchen ist die große nuPro nicht. Selbst die ausgefuchste Klangkontrolle macht die 600er nicht per se tauglich für jede beliebige Aufstellung. Fürs Regal und selbst das von Nubert empfohlene wandnahe Lowboard würde ich persönlich jedenfalls eine explizit auf Wandnähe ausgelegte A-200 vorziehen.

Die beiden Bassreflex-Ports befinden sich auf der Rückseite der Nubert

Die beiden Bassreflex-Ports befinden sich auf der Rückseite der Nubert nuPro A-600

Bei der Quellenwahl sollte übrigens – wie im Grunde bei keinem Monitor, der diesen Namen verdient – keineswegs gekleckert und geknausert werden. Zwar klingen bereits Smartphone-Files übers via Toslink angeleinte, externe Wireless-Modul sehr ordentlich, doch erst an der Streaming-Bridge Auralic Aries mit entsprechend hochwertiger Verkabelung und Netzfilterung entfaltet die A-600 ihr volles Potenzial und legt insbesondere in Sachen Raumtiefe, Basskontrolle und Feinheit im Hochton deutlich zu.

Dieses letzte Experiment mit einer satt eingespielten und sorgsam aufgestellten Nubert nuPro A-600 zeigt: Wer bereit ist, sie mit jener Sorgfalt zu behandeln, die sie aufgrund ihrer klanglichen Meriten insbesondere im Vergleich zu ihren kompakteren Zwei-Wege-Geschwistern verdient, bekommt für unter 2.000 Euro exklusive Quelle eine absolut erwachsen aufspielende Stereolösung, die ziemlich exakt am ökonomischen Sweet Spot liegen dürfte – also an jenem Punkt, ab dem immer geringere klangliche Verbesserungen plötzlich immer mehr Geld zu verschlingen beginnen.

Test: Nubert nuPro A-600 | Aktivlautsprecher

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